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00:01Wut, that is Spannung.
00:07Wut can quickly escalate.
00:14Wut is Stress for our brain,
00:17Risiko for our body and for our society.
00:20Wut is a Kollektivierung
00:22because of Ungerechtigkeitsempfindungen.
00:25But the expression is different.
00:28Wut kann ein Land spalten oder Großes bewegen.
00:33Und das Netz bringt die Massen in Rage.
00:36Wenn das genug Männer sehen,
00:38werden sie auch anfangen, dich zu verabscheuen.
00:40Was, wenn Wut in der Partnerschaft zu Gewalt wird?
00:44Mein Fan war im Bett mit mir.
01:01München.
01:026,5 Mio. Besucherinnen und Besucher machen das Oktoberfest
01:06zum größten Volksfest der Welt.
01:08Die Einsatzgruppen von Polizei und Rettungsdienst sorgen dafür,
01:12dass der Ansturm sicher abläuft.
01:14Gruppenleiter Marc Sohn ist einer von 600 Polizeikräften,
01:18die auf der Wiesn für Ordnung sorgen.
01:19Aufmerksam und ruhig greifen sie direkt ein,
01:22auch bei kleinen Ordnungswidrigkeiten.
01:25Das Problem ist, man darf ja nicht öffentlich das Linie orientieren.
01:28Da rechts sind die Elb-Tonetten.
01:31Nur eine Ermahnung wegen Falschpinkeln.
01:34Doch der Ertappte fängt sofort eine Diskussion an.
01:38Im Einsatzgeschehen, da können tatsächlich Kleinigkeiten,
01:42kleine Befindlichkeiten.
01:44Und es kann auch tatsächlich dann sein,
01:45dass es nur das Auftreten der Polizei dann ist,
01:47der dann vielleicht die Situation dann nicht unbedingt deeskaliert.
01:51Auch wenn wir logischerweise immer versuchen,
01:52genau das irgendwo zu erreichen.
01:55Freund und Helfer zu sein, ist ihre vorrangige Mission.
01:58Doch gerade bei Großveranstaltungen
02:00kann die Stimmung gegenüber Polizei und Rettungskräften
02:03unvermittelt und schnell kippen.
02:062024 wurden in Deutschland 19.500 Einsatzkräfte verletzt.
02:12100 von ihnen schwer oder sogar tödlich.
02:16Die Zahl der Übergriffe stieg um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
02:22Es ist einer unserer urmenschlichsten Bedürfnisse,
02:25Wut zu empfinden.
02:26Durch alle Schichten lässt sich das wahrnehmen,
02:28dass das Thema Wut immer irgendwo auch mal durchschlägt,
02:31mal mehr, mal weniger.
02:32Verstärker sind logischerweise auch hier Alkohol,
02:35aber leider auch Drogen oder beides.
02:39Wut ist eine Urkraft und gehört zu unseren sieben Grundemotionen.
02:46Sie ist ein Alarmsignal unseres Körpers.
02:49Auf Frustration, Bedrohung und Ungerechtigkeit reagieren wir wütend.
02:57Unser Gehirn schaltet bei Wut blitzschnell in den Alarmzustand.
03:02Die Amygdala, der Mandelkern, übernimmt die Kontrolle
03:05und löst eine starke emotionale Reaktion aus.
03:09Gleichzeitig bremst er den präfrontalen Kortex
03:11und schaltet unseren Verstand kurzfristig aus.
03:17Sind wir wütend, schüttet unser Körper Stresshormone aus,
03:20wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol.
03:26Alkohol enthemmt und ist ein Trigger.
03:29Die Bilanz der Wiesen 2025, 6,5 Millionen Liter Bier.
03:34Wenn die Vernunft dem Rausch weicht,
03:37kann Wut schnell in Aggression umschlagen.
03:40Runter entspannt euch!
03:42Ruhig bleiben jetzt!
03:44Aufhören!
03:49Die Security eines Bierzelts alarmiert Marks Sohn und sein Team.
03:53Ein angetrunkener Mann wurde nach einem Streit des Zeltes verwiesen.
03:57Respekt vor der Polizei hat er keinen.
04:02Ihr seid die Superhelden. Soll ich euren Scheißjob machen?
04:11Auch wenn es schwerfällt, die Beamten brauchen ein dickes Fell.
04:16Hier am Oktoberfest sind es ganz viele Einsätze,
04:18die sich immer irgendwo gleichen.
04:20D.h. der alkoholisierte Person, Körperverletzungsdelikt.
04:23Wenn es dann so Richtung Sexualdelikte oder sowas geht,
04:25da geht es jedem von uns so.
04:28Da fehlt einfach jegliches Verständnis.
04:30Und bei dem ein oder anderen kann man dann schon auch mal
04:33in gewisser Weise Wut empfinden.
04:35Anfeindungen und Beleidigungen sind dagegen an der Tagesordnung.
04:40Ihr seid einfach nur Witzfiguren, seid ihr einfach nur.
04:43Er kann ja seinen Verhalten durchaus reflektieren.
04:45Er war ja provozieren.
04:46Er weiß ja genau, wie er sich verbal uns gegenüber zu verhalten,
04:49um uns dann versucht, uns aus der Reserve zu locken.
04:51Das haben wir ja nicht gemacht.
04:56Die Polizistinnen und Polizisten müssen einstecken können
04:59und bei Provokationen ruhig und professionell bleiben.
05:03Weil diese scheiß Spastis kein Geld verdienen.
05:05Ihr habt einen richtig guten Job gemacht.
05:08Wir werden da nicht als Mensch angesprochen.
05:09Gerade wenn es jetzt, sag ich mal, irgendwo im Bereich Wut oder so uns entgegenschlägt,
05:13dann ist das ja, als Polizist muss man dem irgendwie begegnen.
05:17Und so nehme ich das für mich persönlich auch wahr.
05:20Letztlich greift ein Freund des Betrunkenen ein und nimmt ihn mit.
05:26Wut ist kein Volksfestphänomen.
05:28Laut einer aktuellen Umfrage spüren 84 Prozent der Deutschen im Straßenverkehr
05:33eine zunehmende Verrohung.
05:35Und sogar beim Einkaufen.
05:40Wenn Menschen gemeinsam aufbegehren, fällt schnell der Begriff Wutgesellschaft.
05:46Beispiele für kollektive Erregung gibt es in allen Facetten.
05:50Warum werden wir immer wütender?
05:58In Berlin treffen wir Heinz Bude.
06:01Der Soziologe erforscht unter anderem, welche Dynamik Wut in Gruppen und in der Gesellschaft entwickelt.
06:08Wut hat man nicht alleine, sondern Wut ist eine Form des Suchens von Zusammenschluss von Leuten.
06:14Wut ist eine Kollektivierung aufgrund von Ungerechtigkeitsempfindungen.
06:19Frustration gibt es überall.
06:21Der Global Emotions Report hat in 144 Ländern auf der Erde gefragt, wie stark ist der Ärger.
06:29Den letzten Platz belegt der Chad.
06:31Dort sind die Menschen am wütendsten.
06:33Am entspanntesten sind sie in Vietnam.
06:39Die Schweiz liegt immerhin auf Platz 18.
06:44Österreich auf Rang 44.
06:47Deutschland landet nur auf dem 50. Platz und hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert.
06:55Unzufriedenheit und Frust bedeuten Stress.
06:58Nicht nur fürs Gehirn.
07:00Am Zentrum für Kardiologie der Universität Mainz untersucht Gefäßspezialist Oma Haahat, wie Wut auf die Blutgefäße wirkt.
07:08Was wir uns heute anschauen, ist inwiefern eine akute Wut-Episode einen akuten Gefäßschaden induzieren kann.
07:19Das Gefühl Wut tragen wir schon immer in uns.
07:22In der Evolution gilt sie als Urinstinkt und hilft uns, bei Stress oder Gefahr schnell zu reagieren.
07:30Wut aktiviert das Fight-or-Flight-Prinzip, also Kämpfen oder Weglaufen.
07:35Durch Stresshormone wie Adrenalin verengen sich die Blutgefäße.
07:40Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen, um die Organe weiter zu versorgen.
07:45Entspannen wir, weiten sich die Blutgefäße normalerweise schnell wieder.
07:49Bei Dauerstress bleiben sie verengt. Das schädigt Herz und Gefäße.
07:56Proband Sven lässt mithilfe eines sogenannten FMD-Ultraschalls die Elastizität seiner Gefäße checken.
08:04Das gibt uns Ausschluss darüber, inwiefern die Gefäße flexibel sind, auf Stress zu reagieren und sich zu erweitern.
08:12Und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Blutdruckregulation.
08:18Zunächst misst das Forscherteam den Durchmesser der Oberarmarterie im Ruhezustand.
08:24Dann wird sie mit einer Blutdruckmanschette für fünf Minuten gestaut.
08:28Eine zweite Messung zeigt, wie stark und schnell sich das Blutgefäß danach erholt und seine normale Dicke wieder erreicht.
08:37Es folgt der Stresstest.
08:43Ich würde Sie bitten, an eine vergangene Situation zu denken, in der Sie wirklich extrem wütend waren.
08:51Sven ist Sanitäter. Ein Vorfall bei der Arbeit machte ihn extrem wütend. Details will er nicht erzählen.
08:58Das hat mich noch lange geärgert.
09:04Direkt nach der erinnerten Wutsituation wird die Arterie wieder gestaut.
09:08Und anschließend erneut gemessen, wie gut sie sich erholen und weiten kann.
09:14Schon die bloße Vorstellung von Wut zeigt negative Wirkung.
09:19Wir können schon hier ganz simpel erkennen, dass es schon fast zu einer Reduktion von etwa 30 Prozent gekommen ist.
09:27Das heißt, wir würden das schon als etwas Massives sehen.
09:34Internationale Studien belegen, die Gefäßbelastung ist bis zu 40 Minuten nach einem Wutausbruch noch messbar.
09:41Obwohl unser Gehirn es vielleicht schon längst abgehakt hat.
09:46Einzelne Wutepisoden sind wahrscheinlich nicht das Problem, sondern es wird Wut als negative Emotionen, wird wahrscheinlich dann erst ein Problem,
09:54wenn sie zunehmend an Häufigkeit, an Dauer und Intensität gewinnt.
09:58Dieser chronische Charakter kann auf Dauer das Risiko für körperliche Erkrankungen, vor allem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhen.
10:09Der Umgang mit Wut will gelernt sein. Am besten so früh wie möglich.
10:13Eine Grundschule in Hannover setzt dafür auf das Projekt Faustlos.
10:18Lehrerin Susanne Marwede ist auf dem Weg in die 2b. Auf dem Stundenplan steht heute, wohin mit der Wut.
10:25Guten Morgen ihr Lieben.
10:28Guten Morgen alle zusammen.
10:30Heute möchte ich gern mit euch darüber nachdenken, was wir eigentlich machen können, wenn diese Wut kommt.
10:37Ihr habt ja ganz viel darüber gesagt, wo ihr die spürt.
10:41Faustlos ist ein Gewaltpräventionsprogramm.
10:44Also wir wollen nicht warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern den Kindern ja Dinge an die
10:49Hand geben, dass sie eben vorher tätig werden,
10:52dass sie also zum Beispiel Empathie lernen, dass sie in Gesichtern und in Körperhaltung lesen können.
10:59Dann geht es eben weiter mit Impulskontrolle. Wie kann ich das Problem jetzt eigentlich lösen und was ist eine gute
11:06Lösung?
11:07Die Emotion Wut wird im Gehirn verarbeitet.
11:11Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts in Leipzig hat herausgefunden, dass dabei zwei Hirnregionen zusammenarbeiten.
11:19Die vordere fungiert als Kontrollnetzwerk und ist für kognitive Aufgaben wie Denken und Planen zuständig.
11:26Das Zentrum für die emotionalen Impulse liegt in der hinteren Hirnregion.
11:31Der kognitive Teil kann lernen, diese emotionalen Impulse zu regulieren.
11:36Aber nicht von Geburt an, sondern erst ab einem Alter von drei bis vier Jahren.
11:41Das Projekt Faustlos wurde speziell für Kindergärten und Schulen entwickelt.
11:47Habt ihr noch Ideen? Ja.
11:50Tief Luft atmen oder ganz stark an irgendwas Schönes denken.
11:57Wow. Was würde denn nämlich passieren, wenn du an was Schönes denkst in dem Moment mit deiner Wut?
12:03Dann kannst du dich vielleicht auch ein bisschen beruhigen.
12:06Wut ist ja erstmal in bestimmten Entwicklungsphasen auch ein ganz normales Ding, dass ein Kind eben seine Grenzen erkennt und
12:14einfach aber auch versucht, die auszureizen.
12:16Kinder müssen eine Möglichkeit haben, darüber zu sprechen.
12:21Verbalisieren ist ein Ansatz. Die Kinder lernen, ihre Gefühle zu beschreiben und so ihre Wut zu verstehen.
12:28Dann bekommen sie einfache Mittel, sie zu kontrollieren.
12:32Ich starte bei irgendeiner Zahl und zähle rückwärts.
12:36Drei, zwei, eins, null.
12:42In dem Moment, wo ich langsam rückwärts zähle, kann meine Wut vielleicht schon weichen.
12:49Und die Sonne scheint ganz warm auf dich herab.
12:52Und oben drüber fliegt ein Vogel, der zwitschert auch gerade.
12:57Runterzählen, durchatmen, sich beruhigende Bilder vorstellen.
13:01Die Kinder können die Methode wählen, die am besten funktioniert.
13:05Diese Techniken helfen, gerade wenn man die Wut nicht artikulieren kann.
13:09Das ist ganz unterschiedlich.
13:11Manchen Kindern fehlt dann, wenn sie richtig wütend sind, auch jegliches Wort.
13:16Oder aber sie sagen, ich bin so wütend, das ist in meinem Kopf, in meinem Bauch.
13:23Sie nennen unterschiedliche Körperteile, wo sich das für sie lokalisieren lässt.
13:36Leistungsdruck, Prüfungsangst, auch im privaten Umfeld gibt es viele Auslöser für Wut.
13:43Als ich richtig Streit mit meiner Schwester habe und wir streiten uns öfters, verziehe ich mich hier in mein Zimmer,
14:00lasse den Wut in meinem Kissen aus und dann gehe ich wieder raus und entschuldige mich bei meiner Schwester.
14:05Wenn ich mit meinem Papa spielen möchte und er keine Zeit hat, dann werde ich manchmal richtig wüten und schreien
14:11in einem Kissen, dann hilft mir, dass meine Wut weggeht.
14:15Frühe Erfahrungen in der Familie und im engen Umfeld spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung von Empathie, Impulskontrolle und
14:23den Umgang mit Ärger und Wut.
14:25Also insgesamt würde ich schon sagen, es ist eine steigende Tendenz. Das heißt ja nicht immer, dass man damit gleich
14:33Grenzen anderer überschreiten muss.
14:34Aber es gibt Kinder, die haben vielleicht manchmal nicht die Worte, um rechtzeitig zu sagen, das ist mir jetzt gerade
14:41zu viel.
14:41Und dann ist es für andere einfach dann sichtbar und klar, hier ist jetzt einfach mal, da müssen wir einfach
14:49mal hingucken.
14:49Das Projekt Faustlos ist mittlerweile in 16.000 Einrichtungen im Einsatz. Auch in Österreich und der Schweiz.
14:57Was ist denn denn mit dir los, Alter?
14:59Bei Erwachsenen versagt die Impulskontrolle oft spätestens im Auto.
15:04Dashcam-Videos dokumentieren Schimpfen, Drängeln, Beleidigen. Teils mit Androhen von Gewalt.
15:10Im eigenen Auto fühlt man sich schnell im Recht. Genauso eskalieren Konflikte mit Radfahrern oder im öffentlichen Nahverkehr.
15:222024 waren es fast 38.000 Fälle von Nötigung im Straßenverkehr. 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr.
15:36Aggressionstherapie zählt zu den Kernaufgaben von Psychologin Beatrice Heisenberger in Wien.
15:42Gut, grundsätzlich ist ja auch ein gutes Gefühl. Es ist ja nichts Schlechtes.
15:47Im Auto aber zeigt sie oft ihre dunkle Seite. Wir machen den Test. Wie schnell lassen sich Aggressionen triggern?
15:54Dazu organisieren wir 20 Fahrzeuge, die für uns absichtlich den Verkehrsfluss behindern.
16:00In unserem Testauto installieren wir ein angeblich neues Navigationssystem.
16:05Zwei nicht eingeweihte Fahrer sollen die vorgegebene Strecke so schnell wie möglich absolvieren.
16:09Wir bauen zwei Hindernisse ein. Eine Statistin biegt trotz großer Lücken nicht in die Kreuzung ein.
16:15Und ein Paket Boote blockiert dreist die Straße.
16:19Beatrice Heisenberger analysiert unser Experiment.
16:23Das sind richtig gute Situationen, um ärgerlich zu werden.
16:27Weil wer verspürt bei solchen Situationen keinen Ärger?
16:32Unsere beiden Kandidaten stehen unter Druck. Dem Schnelleren versprechen wir eine Prämie von 500 Euro.
16:38Volker, der erste Kandidat, ist Kraftfahrer. Verkehrshindernisse ist er gewohnt.
16:43Das erste Szenario an der Kreuzung meistert er mit Humor. Auch wenn seine Anspannung spürbar ist.
16:51Dein Ernst oder was? Alter, wo hast du mir früher was hingemacht?
16:54Oh Mann, ey.
16:55Der zweite Testfahrer, Tim, reagiert völlig anders.
17:03Was ist los?
17:05Er ist schnell auf 180.
17:09Michael, du hättest schon lange weg sein können. Scheiß die Wand an.
17:14Volker ist inzwischen beim zweiten Hindernis angekommen. Dem Paketfahrer.
17:21Ernst?
17:22Trotz Ärger bleibt er ruhig. Seine Körpersprache verrät, er hat gelernt, mit seinem Frust umzugehen.
17:28Er verschränkt die Arme. Wut funktioniert gut, wenn ich sage, okay, ich bin wütend und ich schlage nach vorne.
17:34Wenn ich nach hinten schlage, dann wird die Wut gar nicht so richtig aufkommen.
17:40Tims Körpersprache ist energisch. Er ist angespannt und will die verlorene Zeit aufholen.
17:46Kann man sich so hinstellen, Scheißspass?
17:48Das wäre interessant, ob er das machen würde, würde er diesen Menschen wirklich gegenüberstehen.
17:53Weil im Auto heißt man schnell jemanden an Trottel.
17:56Im Schutzraum Auto ist die Hemmschwelle niedrig.
17:59In unserem Szenario taucht jetzt ein unbeteiligter Fahrer auf.
18:03Nicht inszeniert, nicht geplant.
18:14Tim macht hinter ihm sofort Druck. Und der andere Fahrer lässt sich provozieren.
18:19Fahren Sie Ihr Auto jetzt hier weg, sonst kriege ich es in der Anzeige.
18:24Ohne Druck von außen hätte der Mann vermutlich nicht überreagiert. Aggression kann schnell überspringen.
18:29Weil wenn andere Leute sich aggressiv verhalten, macht das gleich was aus. Das steckt einen tatsächlich auch an.
18:38Am Ende des Experiments erfahren die Testpersonen, es gibt keinen Gewinner.
18:43Impulskontrolle variiert stark von Person zu Person. Und Wut und Ärger kosten jede Menge Energie.
18:50Damit man sich nicht anstecken lässt, hat die Therapeutin ein Notfallrezept.
18:553-mal tief durchatmen. Klingt banal, ist aber wirksam.
19:01Was ich als hilfreiche Strategie tatsächlich finde, ist, wenn man sich vorstellt,
19:05hey, im vorderen Auto sitzt ein Freund von mir oder eine Freundin von mir.
19:09All die rundherum sind meine Freunde, weil denen vergebe ich ja solche Sachen.
19:17Psychologin Beatrice hilft, aufkommenden Ärger frühzeitig zu erkennen und den Ausbruch zu verhindern.
19:23Wut ist die Emotion mit der meisten Energie. Also wenn jemand, das kennt man vielleicht von sich selbst auch,
19:29wenn jemand einen Wutanfall hat, das ist energiegeladen.
19:34Hallo!
19:36Ihre Klientin ist zweifache Mutter und möchte anonym bleiben. Wir nennen sie Annette.
19:41Sie sucht Hilfe wegen Wutausbrüchen gegenüber ihren Kindern.
19:46Das ist für mich das Absurde an der ganzen Geschichte, dass so alles gut funktioniert und alles toll ist.
19:52Und dann streiten die zwei und mein Lösungsansatz war, in die komplette Verzweiflung zu gehen und zu schreien.
19:57Und es ist komplett eskaliert für beide eben und für mich somit auch.
20:01Menschen, die unserem Nächsten sind, kriegen uns am meisten ab.
20:04Die kriegen unsere größte Liebe, aber natürlich auch den größten Hass oder den größten Ärger ab.
20:10Trotz ausgeprägter Wut wurde sie nie gewalttätig. Nach einem halben Jahr Therapie konnte sie ihre Emotionen kontrollieren.
20:19Früher bin ich einfach explodiert und habe mich danach gewundert, wie das jetzt sein kann.
20:24Jetzt spüre ich es und kann schon vorher einen besseren Weg finden, damit umzugehen.
20:29Damit die Impulskontrolle funktioniert, muss Annette ihre eigenen Gefühle lesen lernen.
20:35Beatrice Heisenberger setzt dafür Kunsttherapie ein.
20:39Annette malt, was sie gerade fühlt. So kann sie ihre Emotionen bewusst kanalisieren und besser verstehen.
20:45Was fühlst du?
20:47Frieden.
20:48Gefällt dir das Bild?
20:49Ja.
20:50Diese Übung hilft dabei, Emotionen anders wahrzunehmen.
20:54Musik kann helfen, Kunst, Malen, all diese Dinge helfen natürlich, weil sie einen tatsächlich auch in einen anderen körperlichen Zustand
21:03bringen.
21:04Annette lernte erst als Erwachsene ihre Wutanfälle zu kontrollieren, aber mit Erfolg.
21:12Warten Sie nicht rauszureden!
21:13Natürlich!
21:14Ich stehe mir bis hier!
21:15Gefährlich wird es, wenn Wut in psychische oder körperliche Übergriffe mündet.
21:20Häusliche Gewalt ist kein Einzelfall. Betroffen sind meistens Frauen.
21:30Auf dem Platz der Menschenrechte in Wien hat das Projekt Stadtteile ohne Partnergewalt, kurz Stopp, zu einer Versammlung eingeladen.
21:3929 Femizide, Morde aus Frauenhass wurden 2024 in Österreich gezählt.
21:46Darauf will das Projekt aufmerksam machen.
21:49Auch die Zahl der Übergriffe ist alarmierend.
21:53Die österreichischen Behörden verzeichneten 2024 über 20.000 Fälle häuslicher Gewalt.
21:59In Deutschland gab es im selben Jahr fast 266.000 Opfer.
22:09Unter den Teilnehmenden der Versammlung ist Hanife Ader.
22:13Sie hat 28 Jahre Gewalt in der Ehe erlebt und die Hilfsorganisation Yeti Spajim gegründet.
22:21Hilf mir, Schwester!
22:25Am nächsten Tag erzählt Hanife ihre Geschichte.
22:28Der Erlös kommt für Gewaltopfer. Die Hosen kosten zwei Euro.
22:33Mein Feind war im Bett mit mir.
22:36Ich habe diesen Menschen bekocht.
22:38Ich habe diesen Menschen seine Socken gewaschen, seine Hemden gebügelt.
22:42Hanife wächst in Österreich auf.
22:45Mit 14 soll sie mit einem Cousin aus der Türkei zwangsverheiratet werden.
22:50Um dem zu entkommen, heiratet sie einen Mann, den sie kaum kennt.
22:54Doch schon bald ziehen dunkle Wolken auf.
22:56Wut und körperliche Übergriffe bestimmen das Leben.
23:00In ihrem konservativen Elternhaus gibt es weder Gewalt noch Wut.
23:05Dennoch sucht sie dort vergeblich Rückhalt oder Aufklärung.
23:09Die Wutausbrüche waren da. Ich habe mir gedacht, das gehört zu.
23:12Vielleicht muss ich geschlagen werden oder was.
23:20Ihr Mann verspielt viel Geld und lässt seinen Frust an ihr und den Kindern aus.
23:26Und da hat sie ihre Schultasche aufgesäbt und hat sich auf mich gelegt, um die Schläge aufzufangen.
23:34Also das heißt, seine Schläge habe ich durch meine Tochter gespürt. Durch meine Tochter.
23:39Bald braucht es keine Wut mehr, um Gewalt auszulösen.
23:43Er täuscht einen Einbruch vor und versucht Hanife umzubringen.
23:48Er stößt sie die Treppe hinunter.
23:50Gerade noch rechtzeitig wird sie ins Krankenhaus gebracht.
23:53Zuvor hatte er mehrere Lebensversicherungen auf sie abgeschlossen.
23:58Immer wieder hofft Hanife auf Hilfe von außen.
24:01Doch weder bei den Kindern in der Schule noch im direkten Umfeld reagiert jemand.
24:06Ich habe eine Nachbarin gefragt, ob sie meine Kinder weinen gehört hat.
24:11Und da hat sie gesagt, oh ja.
24:13Da habe ich gesagt, wieso haben sie nichts unternommen?
24:15Sie hat gesagt, ich habe geglaubt, das ist bei euch so üblich.
24:18Da darf man sich nicht einmischen.
24:21Endlich kann sie sich lösen.
24:23Doch aus Mangel an Beweisen bleibt ihr Mann straffrei.
24:30Hanife beschließt, keine Frau soll ihr Schicksal teilen.
24:36Nichts ist so gefährlich wie dieser Zustand, wo du dich jetzt gerade befindest.
24:40Du musst einfach die Ketten reißen los und zur Polizei oder Frauenhaus ausreißen.
24:47Einfach machen.
24:48Ihre vier Kinder sind ihr ganzer Stolz und haben ihren Weg gefunden.
24:53Für ihr Engagement erhielt sie 2022 eine große Auszeichnung.
24:57Ich bin sehr stolz darauf, Österreicherin des Jahres geworden zu sein.
25:03Mit ihrer Arbeit konnte Hanife bereits über 1400 Frauen helfen.
25:07Sie ist Anlaufstelle für alle, unabhängig von sozialer Schicht oder vom Hintergrund.
25:14Egal was es ist, ob ich sie über die Grenzen gebracht habe, mit Lebensmitteln geholfen habe oder mit Möbeln oder
25:20Polizeibegleitung oder Gerichtsbegleitung.
25:23Also ich habe vor keinem Mann mehr Angst.
25:27Die Philosophin Armani Abouzara forscht in Wien zur Diskriminierung und Rassismus.
25:32Sie weiß, dass Wut je nach Kultur und sozialem Hintergrund unterschiedliche Ausprägungen bekommt.
25:38Wut ist zunächst eine universelle Emotion.
25:41Also Menschen kommen auf die Welt mit dem Spektrum an verschiedenen Emotionen.
25:47Wie die aber zum Ausdruck kommt und wie die sozusagen auch bewertet wird, kann kulturell unterschiedlich sein.
25:57Ein Beispiel sind die Gastarbeiter.
26:00In den 1970ern geholt, um die Wirtschaft anzukurbeln, fühlen sich viele auch in zweiter und dritter Generation nicht vollständig akzeptiert.
26:10Durch die Unzufriedenheit brodelt eine Emotion, die Forschende als kulturelle Wut bezeichnen.
26:15Die Emotion Wut ist eine, die uns sehr klar aufzeigt, hier ist etwas passiert, das nicht in Ordnung ist.
26:23Und wenn wir ausgegrenzt werden, dann werden wir an einen Ort oder wohin verschoben, entweder tatsächlich oder halt symbolisch, wo
26:32das für einen nicht stimmig ist, das für einen nicht passt.
26:35Und Wut ist sozusagen dieser Marker oder das zeigt uns auf, stopp, ich will das nicht.
26:41Also Wut trägt auch ein Versprechen mit sich, dass Energie zur Verfügung gestellt wird, es auch anders zu machen.
26:54Heute steht ein Workshop an. Mädchen und Jungen einer Mittelschule sollen lernen, ihre eigenen Gefühle zu spüren und dass es
27:02erlaubt ist, Unzufriedenheit zu äußern.
27:05Sie sprechen darüber, wie Ausgrenzung und Ungerechtigkeit Konflikte auslösen können.
27:14Wenn Menschen Rassismus erfahren, ausgegrenzt werden, sind sie wütend.
27:18Das Problem ist allerdings, dass man diese Wut nicht dementsprechend zeigen darf.
27:22Also wer wütend sein darf, wer das zum Ausdruck bringt, ist auch eine Machtfrage.
27:27Wenn marginalisierte Wüten sind, dann wird das als bedrohlich aufgefasst.
27:32Und dementsprechend nehmen sie sich das selber zurück.
27:34Also sie versuchen sozusagen diese Wut wegzuschieben oder zu unterdrücken, um nicht kriminalisiert zu werden oder um nicht irgendwie noch
27:43einmal mit weiteren Ausgrenzungen versehen zu werden.
27:51Kulturelle Auslöser sind nur ein Teilaspekt kollektiver Wut.
27:55Heinz Bude analysiert, was die Wutgesellschaft über innerdeutsche Spannungen aussagt.
28:03Lautstarke Demos in Ostdeutschland, Angriffe auf Politiker, Pegida-Aufmärsche in Leipzig.
28:17Im Westen Deutschlands sind 29 Prozent eher unzufrieden mit der Politik, sieben Prozent sogar sehr unzufrieden.
28:25Im Osten sind sogar 36 Prozent eher unzufrieden und 17 Prozent gar nicht einverstanden.
28:33Dabei begann alles vielversprechend.
28:35Die Montagsdemonstrationen in Leipzig bringen den Sozialismus ins Wanken.
28:40Die kollektive Wut führt schließlich zur Wiedervereinigung.
28:44Ein Paradebeispiel dafür, wie Wut Konstruktives bewirken kann.
28:49Das ist Wut, legitime Wut, richtige Wut. Das war großartig. Und diese Wut hat uns alle, glaube ich, alle weitergebracht.
29:04Doch die Euphorie währt nicht lange. Akten der Staatssicherheit und die Treuhandprivatisierungen mit Arbeitsplatzverlusten und sozialen Problemen führen zu Unmut
29:15bei vielen Menschen aus dem Osten.
29:17Wir können hier sozusagen sehen, wie es eine Wutstrecke gibt, die einerseits in die Freiheit geht, in die Befreiung geht
29:24und eine Wutstrecke, die in die Verlorenheit geht.
29:29Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein, hat doch auch diese Vorstellung, dass es eine Separatgesellschaftlichkeit in Deutschland gibt.
29:38Wir sollten nicht denken, das muss ich ja alles irgendwann mal ausgleichen. Wir wissen gar nicht mehr, wer Ost und
29:44West ist. Davon kann keine Rede sein. Das wird noch weitergehen.
29:48Immer wieder entstehen neue Krisenherde. Der Nahostkrieg 2025 sorgt auch in Deutschland für Konflikte.
29:56Gegensätzliche Meinungen zu äußern, ist ein wertvoller Teil unserer Freiheit. Doch was, wenn die Wut überhandnimmt?
30:04Wut gibt es in jeder Gesellschaft. Und Wut ist an sich, wenn man es sich genau vor Augen führt, auch
30:10nicht was Schlimmes.
30:11Das Problem ist, wie findet Wut aus einem Gefühl der Ungerechtigkeit Formen des legitimen Ausdrucks?
30:27Im Gruppengefühl kann Wut Grenzen überschreiten. Bis hin zu Gewalt oder Hass.
30:35Ganz schwierig ist es, wenn es aus der Wut der Hass wird. Das ist die völlige Formlosigkeit der Erregung.
30:42Der Hass ist nämlich nicht kollektivierend, sondern individualisierend. Hassend tun Einzelne.
30:49Manche bezeichnen Mut und Hass als ein Geschwisterpaar. Dass, wenn die Wut gärt, dass sie in Hass kippt.
30:59Und Hass bringt uns in ein Schwarz-Weiß-Denken. Da sehen wir keine Schattierungen mehr, keine Zwischenräume mehr, keine Zwischentöne
31:09mehr.
31:11Und der Hass wandert weiter ins Netz. 85% der Kinder nutzen ein Handy.
31:206- bis 9-Jährige durchschnittlich 37 Minuten täglich. 16- bis 18-Jährige über 200 Minuten.
31:30Laut einer Studie der Organisation HateAid spielt sich am meisten Hass auf der Plattform X ab.
31:37Danach folgen TikTok, Facebook, Instagram und Telegram.
31:43In Berlin treffen wir Tara-Louise Witwer, Influencerin und Autorin, für die Wut und Hass in den Kommentaren Alltag sind.
31:52Sie ist eine der führenden Stimmen der Bewegung Female Rage, der weiblichen Wut.
31:58Also ich war schon immer ein sehr lautes Kind und ein Kind, was Ungerechtigkeiten angesprochen hat und habe sehr viele
32:05damit genervt.
32:06Ich habe aber lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich wütend sein darf und auch muss und dass diese Wut
32:11mich mit anderen Frauen verbindet.
32:13Sie wächst in einem konservativen Umfeld auf, studiert Kulturwissenschaft und geht dann neue Wege.
32:19Auf Social Media. Mit Erfolg.
32:22Über 1,1 Millionen Menschen folgen ihr auf TikTok und Instagram.
32:27Mir werden Sachen geschickt und die kommentiere ich dann, wo ich denke, okay, das sind Strukturen, die man irgendwie aufbrechen
32:33sollte oder Gedankengänge, die man erklären sollte, warum die nicht richtig sind.
32:39Hey, das finde ich immer richtig gut, wenn mir ein Mann noch kurz erklärt, was Feminismus eigentlich ist.
32:45Tara-Louise prangert oft frauenfeindliche Inhalte anderer Kanäle an.
32:50Was du von einer Frau willst, ist eigentlich, dass sie doch am Ende ein bisschen besser kocht als du, ein
32:55bisschen besser putzt und ein bisschen besser bügelt.
32:59Hasskommentare prasseln auf sie ein. Große Reichweite und kontroverse Themen wie Ungleichheit, Frauenhass, Sexismus, toxische Männlichkeit ziehen die Hater an.
33:09In der digitalen Welt fast schon Routine.
33:14Wenn das genug Männer sehen, werden sie auch anfangen, dich zu verabscheuen. Ohne andere Männer, die dir Schutz und Sicherheit
33:20geben, bist du nichts.
33:22Einfach freiwillig. Und darauf müssen wir es jetzt anlegen.
33:26Ich kriege auf jeden Fall jeden Tag Beleidigungen. Seltener Drohung in diesem Ausmaß, aber Beleidigungen, ja, jeden Tag.
33:41Auf Vortragsreisen wird ihre eigene Wut Teil des Kampfes für Gleichberechtigung.
33:47Female Rage ist für mich so eine transgenerationale Wut. Also ein Erkennen in anderen Frauen, die alles schon erlebt haben,
33:55was ich erlebt habe.
33:57Und ich glaube, dass Female Rage einfach so eine verbindende Kraft ist, die so ein Kleber ist, der uns alle
34:03zusammenhält und diese Kollektiverfahrung uns näher bringt.
34:09Sie hat es geschafft. Heute ist sie Stargast einer Diskussionsrunde zum Thema weibliche Wut.
34:17Ein fetten Applaus für Tara.
34:27Über 100 Menschen sind gekommen, um sie live zu erleben. Das Publikum ist fast ausschließlich weiblich.
34:33Ich glaube, jede Frau hat das schon mal gehört, dass wenn man ein bisschen zu viel ist, zu laut ist,
34:36zu wütend. Ein bisschen übertreibt auch. Ein bisschen übertreibt.
34:40Sie kämpft gegen gesellschaftliche Stereotype. Noch immer gilt Wut bei Frauen oft als unangemessen.
34:46Beim Mann dagegen wird sie akzeptiert. Er gilt als Stark, als Macher.
34:54Dementsprechend finde ich, dass Wut generell bei Frauen noch immer extrem diffamiert und pathologisiert wird.
35:03Ich habe aber auch in meinem Buch geschrieben, es brennen vielleicht hier in Deutschland keine Schalterhaufen mehr, aber die Kommentarspalten
35:10sind on fire.
35:12Seit 2019 postet sie regelmäßig auf ihrem Kanal, was Tara sagt. In ihrem fünften Buch dreht sich alles um Female
35:20Rage.
35:21Ich bin tatsächlich der Meinung, wenn Frauen wütender werden und kollektiv wütender werden, wäre die gesamte Welt trotzdem viel friedlicher
35:32und viel mehr von Gewalt befreit.
35:35Tatsächlich, wenn man diese Female Rage ausleben würde und das auch anerkannt werden würde, dass das eine relevante, wichtige und
35:44reinigende Emotion ist.
35:49Wut unterdrücken ist keine Lösung. Doch wie wird man sie am besten wieder los?
36:03In Wien soll ein Experiment zeigen, welche Methode am besten gegen Wut und Ärger wirkt.
36:09Angelika Jatsch und Sophie Dubenka messen dazu die Hirnaktivität. Sie gibt Aufschluss über das Stresslevel des Gehirns.
36:21Also wenn Sie Wut haben, dann ist Ihr Nervensystem äußerst direkt. Das heißt, Ihr Gehirn geht in den Verteidigungsmodus sozusagen.
36:32Im Rage-Room, dem Wutraum, darf die Wut an Tellern, Tassen und Gläsern ungezügelt raus.
36:40Hallo, Sophie.
36:42Hallo, Sophie.
36:50Drei Testpersonen nehmen teil. Marianne, 66, Sophia, 24 und der 20-jährige Yannick.
37:00Ein Bio- und Neurofeedback-Gerät misst kontinuierlich die Hirnströme. Die drei müssen sich eine belastende Wutsituation vorstellen.
37:11Mein Bruder.
37:12Ein Fragebogen ermittelt zudem das subjektive Wutempfinden. Neuropsychologe Klaus Lamm gleicht diese Angaben mit den objektiven Stresswerten ab.
37:24Ich kann meine Wutreaktion und dann auch, wie ich auf die bereits entstandene Wut reagiere, wie ich die im gewissen
37:32Sinne rauslasse, wie ich sie auch dem Gegenüber kommuniziere, regulieren.
37:37Und zwar sowohl rauf als auch runter.
37:39Kann Wut rauslassen beruhigen?
37:42Marianne geht als Erste in den Rage-Room.
37:53Anfangs noch etwas zurückhaltend lässt sie ihrer Wut bald freien Laune.
37:58Das war mega anstrengend.
38:00Dieser Kopf wird leicht, aber ich fühle mich gut.
38:03Auch die 24-jährige Sophia ist zehn Minuten im Wutraum.
38:12Es war schon befriedigend, einfach die Sachen hier kaputt zu machen.
38:17Und wirkt befreiend.
38:24Yannick gibt zehn Minuten Vollgas. Was macht es mit seiner Wut?
38:29Ich habe das Gefühl, sie ist weniger geworden.
38:30Ich fühle mich entspannt, ja.
38:32Aber nur kurzfristig. Das zeigen die Fragebögen mit der Selbsteinschätzung der Gefühlslage.
38:38Bei allen drei Personen, die hier teilgenommen haben, führt der Rage-Room weder zu einer Steigerung noch zu einer Abflachung
38:44der selbstberichteten Wut.
38:49Zeigt der Rage-Room keine positive Wirkung?
38:52Die Messung liefert Antworten.
38:54Bei Marianne und Sophia bleiben die Stresswerte nahezu unverändert.
39:01Bei Yannick zeigt sich ein unerwarteter Effekt.
39:05Also du hast dich nicht wirklich beruhigt.
39:07Du bist nicht in die Ruhe gekommen.
39:10Das sieht man da deutlich, dass der Rage-Room wirklich noch mehr Stress fürs Nervensystem, fürs periphere Nervensystem quasi ausgelöst
39:16hat.
39:17Wut kann schon auch dazu führen, dass man, wenn man die auch auslässt, dann noch mehr Baustellen hat als vorher.
39:28Wer im Rage-Room Wut abbauen will, kann sogar das Gegenteil bewirken.
39:33Gehirnaktivität und Stresslevel nehmen noch zu.
39:39Zum Entspannen des Nervensystems empfehlen Studien ruhige Methoden.
39:45Wir testen Yoga, Meditation und den Klassiker Joggen.
39:53Für den Test versetzen sich Marianne, Sophia und Yannick gedanklich erneut in Wut.
40:04Marianne praktiziert danach Yoga mit Lehrerin Jenny.
40:07Das Gehirn konzentriert sich auf die Atmung, auf Anspannung und Entspannung.
40:15Nach 15 Minuten folgt eine weitere Messung ihrer Hirnströme.
40:19Was man aber sehr gut sieht, ist, dass das Yoga tatsächlich zu einer gewissen Regeneration nach diesen Stressoren führt.
40:28Allerdings auch nicht alles regenerieren kann, was also diese negative Vorstellung und der Rage-Room an Agitation verursacht haben.
40:38Schon 30 Minuten regelmäßig können Stress senken und Wut mindern.
40:48Yannick betritt Neuland. Eine Meditationsübung. Für den Erfolg braucht es Erfahrung oder, wie hier, fachkundige Anleitung.
40:57Ich glaube, es hat mehr gemacht als der Rage-Room. Ich würde nicht sagen, dass ich noch wütend bin.
41:01Die Messwerte bestätigen seinen Eindruck. Yannick ist deutlich entspannter. Yoga und Meditation haben mehr gebracht als der Wutraum.
41:16Sophia geht laufen. Eine Methode, die viele nutzen, um den Kopf frei zu bekommen.
41:24Das Erstaunliche ist, dass das Joggen mehr Regenerationskraft zieht als der Rage-Room.
41:30Weil ihr Gehirn tatsächlich keinen Unterschied macht, ob sie vor einem Mammut davonlaufen oder im Stadtpark joggen.
41:36Die Evolution spielt uns einen Streich. Das Gehirn bewertet Joggen als Flucht. Das Stresslevel steigt.
41:44Der Test zeigt, dass Laufen gegen Wut deshalb wenig bringt.
41:49Also im Rage-Room generell würde ich mehr als Spielerei einordnen.
41:54Dem würde ich keine therapeutische Relevanz zuschreiben.
41:57Ergänzend dazu kann man natürlich auch über diese kognitive Schiene versuchen, den Fuß reinzukriegen.
42:03Also wenn ich jetzt merke, dass ich jemand bin, der sehr stark mit Aggression und Wut reagiert,
42:09dann wird es wahrscheinlich nicht reichen, nur diese körperliche Entspannung mir anzueignen,
42:14sondern auch mir Bewertungsstrategien zurechtzulegen.
42:17Wie zum Beispiel eben, wenn mich jemand anhubt, wenn mich jemand anfährt, zu überlegen,
42:23okay, was braucht die Person jetzt gerade?
42:25Ist das wirklich eine aggressive Aktion mir gegenüber?
42:29Oder reagiere ich jetzt nur auf diesen Auslöserreiz und dann versuchen, das konstruktiver einzuordnen?
42:35Ist Wut der Ausdruck einer Verwilderung oder ist Wut der Ausdruck eines neuen Anfangs, einer Veränderung?
42:44Und deswegen ist Wut eigentlich auch, ich sage immer, auch eine schöne Rückmeldung an Menschen,
42:52die ausgrenzen, aber auch eine wichtige Rückmeldung im gesellschaftlichen Kontext,
42:57weil sie auch ein Stück weit Hoffnung mitschwingen lässt.
43:01Im Sinne von, es soll anders werden, es darf anders werden.
43:31Rosa sagte, es soll anders werden, es darf anders werden.
43:32oder auch ein bisschen besser werden, wo es dir...
43:32Und ich will, was mir gefällt, was mir gefällt, dass...
43:33Oder wie wir, was mir gefällt, dass mir einen Link ist.
43:34Und ich kann Being in meinem Leben verhalten.
43:34You
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