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00:00.
00:07Many people want to stop the climate change.
00:12But the success is a lot. Why didn't climate change the climate change?
00:18I work for decades in the research. I communicate the scientific results.
00:24And I have to see that it's relatively low.
00:27I have to see that it's not a good idea.
00:29The data and facts are not going to happen?
00:34If I'm just saying that I didn't say that I did it correctly.
00:38Sonst would the emissions, at least the global emissions, have been significantly reduced.
00:42But the oil and gas are still burning. Why does that have no end?
00:48The impulse is that we would be in a very different world,
00:52if the lobbyists didn't have their Chantan.
00:57Before Gericht stehen meist andere.
01:00Können sie mit ihren umstrittenen Methoden Klimaschutz erzwingen?
01:05Natürlich kommt da auch eine Gegenwehr und im Endeffekt wird man seine Ziele vielleicht erreichen können.
01:11Doch die Zeit drängt. Warum braucht die Menschheit so lange, um etwas zu tun?
01:18Man sollte nicht davon ausgehen, dass eine Gesellschaft, weil sie sich das moralisch vornimmt, die Welt zu retten, auf einmal
01:23die Welt rettet.
01:25Es ist die Psychologie, die Art des Denkens, was über Erfolg und Misserfolg entscheidet.
01:31Klimaforscher Mojib Latif auf der Suche nach dem richtigen Weg. Wie ist unsere Erde noch zu retten?
01:38Unglaublich, das ist so unbeschreiblich, sowas habe ich noch nie gesehen.
01:56Die Lage ist so ernst wie nie zuvor. Warum haben über 40 Jahre Klimaforschung nicht zu besseren Ergebnissen geführt?
02:05Wir sind nicht vom Wissen zum Handeln gekommen und deswegen müssen wir uns überlegen, wie man das Thema vielleicht nochmal
02:12anders, emotionaler kommunizieren kann.
02:16Ein Versuch? Die Protestbewegung Letzte Generation. Sie entsteht 2021.
02:23Mit einem Hungerstreik erzwingt die Gründerin Lea Bonacera mit einem anderen Aktivisten eine Podiumsdiskussion mit Olaf Scholz.
02:30Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Sie gerade gehört haben, was ich gesagt habe. Es geht um das Überleben
02:35von Millionen von Menschen.
02:43In dieser Berliner Kirche hat die Letzte Generation ihre ersten Aktionen geplant.
02:47Seit dem Gespräch mit Olaf Scholz hat die Gruppe ihre Strategie verschärft.
02:52Die Aktivisten berufen sich bei ihren Aktionen auf Forschungsergebnisse, die Forschende wie Mojib Latif geliefert haben.
03:02Mit dem Fahrrad aufs Rollfeld. So dringen Klimaaktivisten auf das Gelände des Hamburger Flughafens vor. Der Flugbetrieb liegt lahm.
03:11Wir können nicht länger zu sehen, wie unsere Erde brennt und die Bundeskanzlerin und jede Tate, die auf fossilen Waren
03:16weiter füllen ins Feuer geht.
03:18Was die Aktionen der letzten Generationen angeht, was ich überhaupt nicht akzeptieren kann, niemand steht über dem Gesetz, auch wenn
03:27die Ziele noch so her sein mögen.
03:30Ich will die ja auch nicht ärgern in dem Moment. Das macht mir ganz Spaß, sie da irgendwie Zeit zu
03:36kosten oder zu ärgern.
03:38Aber ich weiß einfach, was ich gelesen habe wissenschaftlich, dass ich dazu forsche, dass das funktionieren kann.
03:44Weg hier! Groß! Weg hier! Weg hier! Verpisst euch! Weg hier! Verpisst dich jetzt! Verpisst dich!
04:05Hey! Hey! Was soll das?
04:09Es ist auf jeden Fall belastend für viele Menschen, für mich auch. Gerade der Hass, der einem so entgegenschlägt, ist
04:16natürlich nicht schön so.
04:17Ja! Schiffen! Hören Sie doch auf damit! Ja, was bei mir ist eine Krise! Ja, was bei mir ist eine
04:25Krise!
04:26Ich glaube, unser Fokus von den Menschen, die bei der letzten Generation sind, liegt so doll auf dem Ziel, wo
04:31wir hinwollen.
04:32Und dass wir wissen, dieses Mittel hat schon so oft funktioniert, warum soll es jetzt nicht bei uns auch funktionieren?
04:38Wann funktioniert Protest und wann nicht? Auch diese Frage beschäftigt Forschende seit Jahrzehnten.
04:48Es ist eine Gefahr, dass man auftritt als Predigerin oder als Missionar, als Gutmensch, der weiß, wo es langgehen soll.
04:57Also man muss da sehr auch auf die Tonlage achten und darf sich im Grunde nicht sozusagen in Szene setzen
05:04als Weltenretter, als jemand, der alles besser weiß.
05:20Na ja, dass ich auch Wissenschaftlerinnen in der Verantwortung sehe, auch aufzustehen und zu sagen, so kann es gerade nicht
05:27weitergehen.
05:27Und ja, im besten Fall vielleicht auch zu streiken, Widerstand zu leisten.
05:32Aber ich glaube, ich würde dann auch sehr viel Glaubwürdigkeit verlieren. Deswegen tue ich es nicht.
05:38Ich lebe von meiner Glaubwürdigkeit. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen dem folgen, was ich sage.
05:46Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiges Gut und das möchte ich nicht aufs Spiel setzen.
05:49Die letzte Generation dagegen gerät unter Druck. Razzien, Verhaftungen, Anklagen.
05:56Ich bin für 13 Proteste angeklagt. Das sind die allerersten Proteste, die ich mit der letzten Generation gemacht habe.
06:02Und natürlich bewegt mich das, weil eben, ja, dass ich für eine Zeit lang weggesperrt werde so.
06:13Ja, ich finde es schon ein bisschen unfair, denn es gibt durchaus eine Ursache des Klimawandels, die nicht vor Gericht
06:21stehen.
06:22Protest ist etwas, was die Menschen, die Gesellschaft, die Politik, unsere Demokratie herausfordert.
06:26Und natürlich kommt da auch eine Gegenwehr und im Endeffekt wird man seine Ziele vielleicht erreichen.
06:34Die Entstehung einer Klima-RAF muss verhindert werden.
06:38Alles, was mit Sabotage oder gar Terrorismus, gewaltförmigen oder schweren Sachbeschädigungen zusammenhängt,
06:45das wird von der letzten Generation abgelehnt.
06:48Attacken mit Kartoffelbrei und Farben auf Plexiglasscheiben lassen sich abwaschen.
06:54Trotzdem, für viele ist der Protest der letzten Generation alles andere als friedlich.
07:00Wir sind radikal im Kern, aber nicht in den Methoden, weil egal was passiert,
07:05so wie ich von meiner strategischen Seite aus sprechen kann für die letzte Generation,
07:09wird sich an der Friedlichkeit nichts ändern, weil die einfach essenziell ist für den Erfolg auch vom Widerstand.
07:19Das hat ja auch der Terrorismus der 70er, 50er Jahre gezeigt.
07:23Man kann nicht, bezogen auf die Verhältnisse in der Bundesrepublik, den Staat in die Knie zwingen durch die Gewalt.
07:30Und da kann man nur verlieren.
07:33Lea Bonacera wurde heute in Berlin zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt.
07:40Geldstrafe, keine Haftstrafe, das erleichtert mich auch, muss ich ganz ehrlich sagen,
07:44weil es wäre völlig unverhältnismäßig, das Mädchen ins Gefängnis zu schicken.
07:51Ich halte es nach wie vor ein bisschen kontraproduktiv, weil sehr viel jetzt über die Form des Protestes gesprochen wird,
07:58aber nicht über das eigentliche Thema, nämlich wie kommen wir jetzt mit den Treibhausgasemissionen runter.
08:03Tatsächlich wird darüber seit den 1980er Jahren gestritten.
08:08Forschende lieferten die Fakten, dann eroberte das Thema die Medien.
08:13Alles in allem zeigen diese Beweise meiner Meinung nach sehr deutlich,
08:17dass der Treibhauseffekt nachgewiesen wurde und unser Klima jetzt verändert.
08:22Hansen hat sozusagen die Welt wachgerüttelt und hat das Thema sozusagen auf die weltpolitische Agenda gesetzt.
08:32Ja, der Spiegeltitel 1986, der war gewissermaßen, obwohl er total überzeichnet gewesen ist,
08:39der Beginn der öffentlichen Diskussion in Deutschland über das Thema Klimawandel.
08:43Es gab ja Folge 1992 den Erdgipfel in Rio de Janeiro, auf dem die Klima-Rahmen-Konvention beschlossen wurde.
08:52Damals haben sich 1992 alle Staaten geeinigt, einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern.
08:59Ich glaube, es ist sehr wichtig für das Ansehen Deutschlands in der Welt, noch mehr in kommenden Generationen,
09:06dass wir jetzt die Zeichen der Zeit richtig erkennen.
09:10Ich war als junger Wissenschaftler überzeugt, die Datenlage ist jetzt klar, jetzt wird Klimaschutz gemacht und damit ist das Problem
09:18gelöst.
09:20Ich hätte mir nicht träumen lassen können, was dann passiert, was für eine massive Gegenwehr von Lobbygruppen
09:28dann letztlich jeden Fortschritt beim Klimaschutz verhindert hat, sodass die Emissionen bis heute weiterhin ansteigen.
09:38Eines der größten Lobbyprojekte, die Global Climate Coalition von 1989.
09:45Konzerne wie Mercedes-Benz oder Exxon fördern mit Millionensummen die Verbreitung von Falschinformationen.
09:51Der menschengemachte Klimawandel wird bestritten.
09:57Die Geschäftsleitung von Exxon, die haben zum Beispiel jahrelang sogenannte Advertorials in großen amerikanischen Zeitungen wie der New York Times
10:07finanziert.
10:08Das sieht aus wie normale Kommentarbeiträge, Meinungsbeiträge, ist aber bezahlt und Exxon hat dort systematisch einfach Falschinformationen verbreitet.
10:26Exxon war auf dem Stand der auch akademischen Wissenschaft, wobei die Auswertung in unserer Studie ergeben hat, dass die Exxon
10:35-Projektionen sogar noch einen Tick genauer waren.
10:44Es ist ja durch Sozialwissenschaftler belegt, dass hunderte Millionen Dollar reingepumpt wurden, sogar pro Jahr, um Lobbyismus gegen Klimaschutzmaßnahmen zu
10:54betreiben und ja offensichtlich sehr erfolgreich.
10:58Ja, die Raucherkampagne hat ja auch ganz ähnlich funktioniert wie beim Klimawandel, dass man nämlich sehr früh schon festgestellt hat,
11:06dass Rauchen gesundheitsschädlich ist.
11:09Und dann hat die Raucherlobby, nämlich die Tabakkonzerne, angefangen eben sogenannte Fake-Institute zu gründen.
11:19Die Tabakindustrie befindet sich in der Defensive.
11:22Es ist eine ähnliche Situation wie vor zehn Jahren, als zum ersten Mal von einem Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs
11:28die Rede war.
11:29Der Bericht des Königlichen Ärztekollegiums in London ließ im April 1962 die Aktien der amerikanischen Tabakgesellschaften stark sinken.
11:43Hat das britische Ärztekollegium irgendwelche Forschungen durchgeführt und ist es zu irgendwelchen neuartigen Ergebnissen gekommen?
11:51Die Antwort ist nein.
11:52Da wurden Menschen dann hingestellt, die gar keine Ahnung hatten vom Thema, aber in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckten, sie
11:59hätten das.
12:00Und dann immer gegenargumentiert haben und dann Zweifel gesät haben in dem Sinne, naja, es ist ja gar nicht bewiesen,
12:07dass Rauchen wirklich gesundheitsschädlich ist.
12:09Wir haben das Problem seit Jahrzehnten, dass große Bereiche der Industrie, zum Beispiel die Mineralölindustrie, überhaupt die ganze fossile Industrie,
12:18versucht mit Falschbehauptung ihr Geschäftsmodell zu retten.
12:24Millionen und Abermillionen für solche, ich sag mal Schmutzkampagnen, wo sie versuchen, die Glaubwürdigkeit der Wissenschaftler zu untergraben.
12:33Wir können eigentlich so nicht mehr weitermachen. Wir können nicht auf Selbstbeschränkung der Industrie hoffen.
12:38Wir müssen die Politiker dazu bringen, dass sie konsequenter, rigoroser handeln.
12:44Denn ich muss nochmal hervorheben, das Klimasystem ist praktisch wie ein fahrender D-Zug, bei dem man die Notbremse zieht.
12:52Dieser D-Zug, der wird auch nicht sofort anhalten, sondern der wird noch viele hundert Meter weiter rollen. Und in
12:56der Situation sind wir im Moment.
12:58Und man muss ja auch sehen, dass sowohl viele Menschen in der Wirtschaft, in Führungsetagen, aber auch der Normalbürger ja
13:07eigentlich den Wunsch hat, dass nichts dran ist an dem Klimawandel.
13:11Das heißt, es gibt einen Markt für Ausreden beim Klimawandel, nichts zu tun.
13:18Und diese Lobbyisten bedienen diesen Markt mit Argumenten, die dann allzu gerne eben aufgegriffen werden.
13:25Mit anderen Worten, Menschen wollen Dinge nicht wahrhaben, die von ihnen verlangen, ihr Verhalten zu ändern?
13:31Meine Erfahrung ist, dass es so unendlich schwer ist, von liebgewordenen Gewohnheiten Abschied zu nehmen. Und darauf ziehen ja letzten
13:41Endes auch die Lobbyisten nach.
13:42Warum ist das so? Wir haben hier mal ein Gehirn mitgebracht, da können wir uns das anschauen.
13:45Hier sieht man, wenn man das Gehirn sich so drehen lässt, dass es spezielle Regionen gibt, Stopp an dieser Stelle,
13:52die in der Mitte des Gehirns liegen, die quasi unterbewusst unsere Handlungen steuern.
13:57Es gibt ja hier so zwei Muscheln, könnte man sagen. Und das sind die Basalganglen oder das Triatum, würde man
14:03sagen.
14:04Und das steuert jetzt unterbewusst Automatismen.
14:07Also wenn wir uns eine bewusste Handlung vornehmen, die wird hier vorne geplant, hier oben im oberen Bereich wird es
14:12dann quasi ausgerechnet, was sich bewegen muss.
14:15Aber wenn das einmal automatisiert ist, dann erfolgt das hier unterbewusst. Dann muss ich da nicht mehr groß drüber nachdenken.
14:20Warum ist denn das so schwer? Die Veränderung muss doch auch im Gehirn irgendwo angelegt sein.
14:25Das, was du machen kannst, du kannst eine Gewohnheit mit einer neuen Gewohnheit überschreiben.
14:29Also wir müssten eigentlich sagen, was sind so Handlungen oder Tätigkeiten, die auch zu einer neuen Gewohnheit werden können.
14:36Weil einfach nur das alte abzuschalten, das kriegen wir nicht hin. Ja, also wir müssen uns immer vornehmen, was ist
14:40eine bessere Alternative.
14:41Wir haben eigentlich keine Zeit mehr zu verlieren. Das heißt, wir können jetzt nicht ewig nochmal warten, bis sich diese
14:46neuen Gewohnheiten eingeschliffen haben.
14:48Das heißt also, wie bekomme ich das hin, dass wir uns jetzt schnell ändern?
14:53Es wäre schön, wenn es hier irgendwo einen Knopf gäbe, wo ich draufdrücken kann und dann habe ich sofort eine
14:57neue Handlung in meinem Gehirn drin.
15:00Mobilitätsverhalten ist ein schönes Beispiel. Es dauert einige Zeit, bis sich Menschen an andere Bewegungsformen gewöhnt haben.
15:06Aber wenn die einmal drin sind, dann bleiben die auch. Und das Problem, was wir heute haben, ist, sei es
15:11jetzt durch Lobbyverbände, sei es aber auch durch die Art, wie wir uns die Zukunft vorstellen,
15:16wie wir wirtschaften, wie wir leben, wir beharren an dem, was wir haben, wir wollen das beschützen.
15:23Stockt auch deshalb der Ausbau der erneuerbaren Energien?
15:31Anfangs boomten sie in Deutschland. Ab 2017 ging es bergab. Gesetze verhinderten den Ausbau. Unternehmen verließen das Land.
15:41Man hat im Bereich der erneuerbaren Energien die Gesetze so angepasst, dass der Ausbau massiv behindert wurde, dass er praktisch
15:49zum Erliegen kam.
15:51Das ging auch so weit, dass ein Wirtschaftsminister sich hingestellt hat, von irgendwelchen Billionenkosten geredet hat.
16:00Und das überhaupt nicht belegen konnte. Und dann die angeblichen Kosten der Energiewende unbezahlbar seien und die ganzen PR-Kampagnen
16:08und Mütende aufgezogen wurden.
16:16Wie mächtig fossile Lobbyisten wirklich sind, ist schwer beweisbar.
16:22Fest steht, auf dem Weltklimagipfel 2022 in Ägypten waren über 600 offiziell akkreditiert.
16:31Es gibt immer mehr Lobbyisten, die auch bei den Klimakonferenzen herumlaufen, ihre Interessen vertreten und das werden immer mehr.
16:39Und das ist sogar erkennbar aktuell am Präsidenten der Klimakonferenz, der den Vorsitz hat.
16:49Der Präsident der nächsten Klimakonferenz ist auch Chef eines riesigen Ölkonzerns.
16:54Ein Interessenkonflikt im Kampf gegen den Einsatz fossiler Energie.
16:58Das ist ein No-Go. Das darf es nicht geben.
17:03Wir wissen, dass die Energiequellen, die wir heute benutzen, weiterhin Teil unseres Energiemixes für die voraussehbare Zukunft bleiben.
17:11Ich persönlich komme mir da immer vor wie der Protagonist in dem Film und täglich grüßt das Murmeltier.
17:18Immer und immer wieder kommen die Lobbyisten um die Ecke und schaffen es tatsächlich erfolgreich, in ihrem Sinne alles Mögliche
17:25entscheiden lassen zu können.
17:44Also für mich sind das wirklich erschreckende Bilder, muss ich sagen.
17:48Lagen Waldbrandgebieten bei Lübtheen weiter angespannt.
17:52Noch immer fressen sich Flammen durch den trockenen Waldboden bei Lübtheen.
17:56Als jemand, der ja eigentlich am Schreibtisch sitzt, Computersimulationen macht und so weiter, ist das natürlich nochmal ein ganz neuer
18:04Eindruck.
18:05Bereits gestern wurde die Ortschaft Kreuzrade evakuiert.
18:08Durch den Klimawandel gibt es häufiger Extremwetter, also auch längere Trockenphasen, was Brände begünstigt.
18:19Unglaublich, was so ein Feuer anrichten kann.
18:22Es ist so unbeschreiblich, sowas habe ich noch nie gesehen.
18:25Und es ist ja alles tot, alles zerstört.
18:36Es sind die Extreme, die sich verändert haben.
18:39Wir haben entweder extrem stark Regen oder so wie im Moment extreme lange Perioden ohne Niederschlag.
18:47Und wo man durchaus auch sagen kann, ja in der Situation ist der Klimawandel für uns spürbar.
18:53Wir sollten uns auch darüber klaren sein, dass in den nächsten Jahren auch weitere Investitionen erforderlich sind, um auch immer
18:59auf Spur zu bleiben.
19:02Extremwetter durch den Klimawandel verursachen hohe Kosten.
19:05Bis 2050 könnten es im schlimmsten Fall 900 Milliarden Euro werden.
19:12Der Klimawandel kostet uns heute schon jede Menge Geld.
19:16Deutschland mehrere Milliarden Euro pro Jahr.
19:19Aber das ist erst der Anfang.
19:24Die verheerenden Waldbrände in Kanada breiten sich weiter aus.
19:28Kanada startet internationalen Hilferuf wegen Waldbränden.
19:34Erst brannten die Wälder über zwei Wochen.
19:37Jetzt kommen die Wassermassen.
19:40Das ist eine biblische Katastrophe.
19:44Es war die vierte Nacht in Folge, in der Griechenland von extremen Regenfällen heimgesucht wird.
19:49In der Region wurde der Notstand ausgerufen.
19:56Sturmtief Daniel hatte die Ostküste Libyens am Wochenende mit voller Wucht getroffen.
20:01Die Behörden verrechnen in dem besonders betroffenen Küstenstaat Dirna mit bis zu 20.000 Toten.
20:11Vielleicht werden in Zukunft sogar Ortschaften komplett aufgegeben, weil sie vor Wetterkatastrophen nicht mehr zu schützen sind.
20:19Ein kleiner Ort in Wales könnte der erste in Europa sein.
20:38Die Walisische Küste an der irischen See.
20:41Seit Jahren taucht das Dorf Fairborn in den Schlagzeilen fast aller Medien Europas auf.
20:46Hier wird der Meeresspiegel nach Expertenmeinung bis 2054 um etwa 30 Zentimeter steigen.
20:53Weil von vorne das Meer und von hinten ein Fluss das Dorf bei steigenden Wassermassen gefährdet,
20:59stellt sich die Frage, ob der Ort überhaupt noch zu retten ist.
21:052054 ist der Zeitpunkt, von dem die lokale Behörde gesagt hat,
21:09dass sie ab da kein Geld mehr für den Küstenschutz ausgeben wird.
21:12Es gibt große Veränderungen und man passt sich an.
21:17Manches davon ist schmerzhaft, einiges davon geht schnell und mühelos.
21:37Das Problem hier in dieser Region ist einfach, dass es Gemeinden gibt,
21:42die also sehr dicht am Wasser stehen und deswegen eben zuallererst von den steigenden Meeresspiegeln betroffen sind.
21:51Und am Ende des Tages muss man sich eben fragen, werde ich in jedem Fall die Menschen unterstützen können
21:58bei der Anpassung an das, was nicht mehr zu verhindern ist.
22:01Und die Politik hat das nun gerade hier die Entscheidung getroffen,
22:04dass sie es zumindest in dem Ort Färbern nicht machen möchten.
22:10Die Menschen wissen um die Auswirkungen des Klimawandels.
22:14Konsequenzen ziehen sie jedoch zu wenig.
22:19Ich sage den Leuten immer, dass wir große Probleme bekommen werden,
22:23aber es passiert so gut wie nichts beim Klima.
22:26Was glauben Sie, warum ist das?
22:33Wahrscheinlich, weil die Leute es nicht glauben.
22:35Sie müssen es erst sehen, um es zu glauben.
22:37Und langsam, aber sicher wird ihnen klar, was hier vor sich geht.
22:40Es ist wie in dem Dorf, in dem ich lebe.
22:43Wir sind davon bedroht, vom Meer überflutet zu werden.
22:51Alle mussten feststellen, dass das, was sie gekauft hatten,
22:54die Häuser, die sie über Generationen für ihre Kinder hinterlassen wollten,
22:57nun wertlos waren.
22:59Und das hat sie bis ins Mark erschüttert.
23:01Es hat jeden erschüttert.
23:03Wie kann uns das passieren?
23:17Ich habe kein Auto, wasche mich einmal in der Woche, dusche einmal in der Woche.
23:23Ich wasche meine Haare einmal in zwei Wochen.
23:25Wenn ich sie im Waschbecken zusammen mit meinen Kleidern wasche,
23:28hebe ich das Wasser auf und benutze es, um die Toilette zu spülen.
23:32Ich habe wenig Ansprüche.
23:35Und dieses Dorf soll aufgegeben werden?
23:38Das glaube ich nicht.
23:40Ich bin optimistisch.
23:41Ich denke, mit all den klugen Leuten, die wir in diesem Land haben,
23:45werden wir sicher eine Lösung finden.
23:50Inzwischen rudern die Behörden zurück.
23:53Eine Evakuierung sei nie Thema gewesen.
23:55Das Gegenteil von dem, was über zehn Jahre behauptet wurde.
23:59Aber wenn kein Geld mehr für Küstenschutz ausgegeben wird,
24:03droht der Ort trotzdem überflutet zu werden.
24:08Was macht man mit 400 Häusern, 400 Familien?
24:12Und jedes Mal, wenn wir ein Treffen haben,
24:13sprechen wir mit dem Gemeinderat darüber.
24:16Und ich habe keine Antwort bekommen.
24:18Das ist das Enttäuschendste, was es gibt.
24:21Damit zu drohen, dein Dorf aufzulösen und nicht zu wissen,
24:23wo man die Leute unterbringen soll, das ist purer Wahnsinn.
24:31Klimalotto, so kann man es, glaube ich, formulieren.
24:33Das heißt also, es gibt Glückliche, die gewinnen.
24:37Das heißt also, denen wird geholfen werden.
24:39Und es gibt weniger Glückliche, denen wird dann nicht mehr geholfen werden.
24:42Aber es zeigt einfach die Hilflösigkeit der Menschheit
24:46vor den Auswirkungen des Klimawandels.
24:51Irgendwann wird Fairborn wegen des Klimawandels untergehen.
24:54Das ist kaum noch zu verhindern.
24:56Noch liegt der Tag weit in der Zukunft.
24:59Und die ist für uns Menschen schwer vorstellbar.
25:02Was nachhaltiges Handeln erschwert.
25:07Also, wie stellst du dir deine Zukunft vor?
25:09Dein zukünftiges Ich in 10, 20, 30 Jahren?
25:18So schlecht ist es gar nicht.
25:20Das Interessante ist, du siehst jetzt, wie du dich optisch veränderst.
25:23Dann kriegst du einen Bezug dazu.
25:24Die Frage ist jetzt, wie ist das in deinem Gehirn?
25:27Hast du vielleicht einen anderen emotionalen Bezug zu dieser Person?
25:31Das ist der interessante Teil.
25:32Das heißt also, ich sehe mich jetzt, wie ich vielleicht in 20 Jahren aussehe.
25:38Aber ich habe trotzdem überhaupt kein Gefühl dafür, was das eigentlich bedeutet.
25:43Das ist die Frage.
25:44Spürst du dich in diesem Moment?
25:45Oder ist das jetzt eine Figur, die du einfach nur siehst?
25:48Völlig fremd.
25:48Ich spüre das überhaupt nicht.
25:50Und das ist genau der Punkt.
25:51Wenn wir uns anschauen, was im Gehirn passiert,
25:53wenn wir uns die Gegenwart und die Zukunft vorstellen,
25:55können wir das hier mal veranschaulichen.
25:56Wir schauen von unten auf das Gehirn.
25:58Das hier wäre so der Hinterkopf.
25:59Das hier wäre der Stirnbereich.
26:01Und man sieht, wenn du jetzt an deine Gegenwart denkst, wie du hier neben mir stehst,
26:05dann baut sich das Gehirn quasi eine mentale Vorstellung auf von dir in diesem Moment.
26:11Du spürst also, wie du bist.
26:13Wenn du dir jetzt vorstellst, in einer Woche, einem Monat, einem Jahr hier zu sein, dann ändert sich das.
26:18Du siehst, dass diese vordere Aktivität zurückgeht.
26:21Das Gehirn baut sich quasi eine Vorstellung von der Zukunft auf.
26:25Aber du bist in dieser Zukunft eine fremde Person.
26:28Dieser Stirnbereich ist viel weniger aktiv.
26:31Das heißt, dein zukünftiges Ich ist jemand Fremdes.
26:34Das heißt also, weil eben mein zukünftiges Ich auch etwas Fremdes ist,
26:39bin ich emotional überhaupt nicht berührt, wenn irgendetwas in der Zukunft passiert.
26:43Mein eigenes Ich in 20 Jahren ist für mein Gehirn wie eine komplett fremde Person.
26:49Und deswegen kann ich auf Kosten der Zukunft sehr leicht leben.
26:52Sie kann sich ja nicht wehren.
26:53Und das ist ein Problem, wenn ich jetzt langfristige Veränderungen umsetzen will.
26:58Ausgerechnet das fordert aber die Schülerbewegung Fridays for Future.
27:06Jetzt handeln, um jungen Menschen eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.
27:12Greta Thunberg demonstrierte vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm für mehr Klimaschutz.
27:17Schon bald wurde daraus die weltweite Protestbewegung Fridays for Future.
27:22In mehr als 200 Städten in Deutschland sind heute Menschen auf die Straße gegangen,
27:27um für besseren Klimaschutz zu demonstrieren.
27:30Fridays-Sprecherin Clara Duvignon wird die Masse als Demo anführen.
27:40Erstmal hier ein Bild.
27:41In der Demonstration.
27:43Und hier ist die große Bühne.
27:45Fight for it!
27:46Are we gonna get it?
27:49So what do we want?
27:53Ich liebe euch.
27:54Danke.
27:55Das war welches Jahr?
27:56Das war 2021.
27:59Fridays for Future ist natürlich für viele auch so ein bisschen normal geworden.
28:03Also es ist unsere Aufgabe immer wieder dieses neue Momentum zu schaffen und zu sagen,
28:08hey wir sind viele und viele stehen hinter uns und hört verdammt nochmal auf uns.
28:12Kann die Protestbewegung das schaffen?
28:15Oder wird sie bedeutungslos durch Gruppen, die härter auftreten wie etwa die letzte Generation?
28:21Ich glaube, dass die Anti-AKW-Bewegung in Deutschland da einiges vorzuzeigen hat.
28:28Also man kann einige Dinge übertragen, insbesondere das Zusammenspiel eines eher moderaten Zweigs der Bewegungen,
28:35eines eher offensiven oder militanteren Zweigs.
28:39Also das ist eine wichtige Vorbedingung, dass die nicht auseinanderfallen, sondern sich zumindest grob verständigen oder absprechen, dass beides nebeneinander,
28:48miteinander passiert.
28:50Uns geht es vor allem darum, Menschen zusammenzubringen.
28:53Ich finde es persönlich richtig gut, dass wir auch andere Organisationen haben,
28:57die sich vielleicht mit ein bisschen mehr Wumms dieser Aufmerksamkeit holen,
29:03aber wir trotzdem schaffen, Menschen zusammenzubringen und zu zeigen, hey wir sind viele und wir sind auch durch die Gesellschaft
29:11breit vertreten.
29:12Die bloße Fortsetzung dieser freundlichen, friedlichen Demonstrationen, die nützt sich natürlich ab.
29:20Und man kann ja nicht ständig die Zahlen von Demonstrierenden überbieten.
29:23Also der Höhepunkt war mit 1,4 Millionen in Deutschland und schon danach, noch vor Corona, ging es deutlich zurück.
29:33Drei Viertel der Deutschen fühlen sich von den Protesten von Fridays for Future gar nicht oder weniger stark beeinflusst.
29:41Auf die Frage nach dem Einfluss von Fridays for Future auf die Klimaeinstellungen antworteten
29:464 Prozent mit sehr stark, 19 Prozent mit stark, 35 Prozent weniger stark und 40 Prozent mit gar nicht.
29:56Das Wichtige ist, dass wir sehen, dass der Kampf gegen die Klimakrise ein Marathon ist.
30:01Das ist einfach was, wo man konstant dranbleiben muss.
30:05Nach Ansicht der Klimaschützer, der Klimabewegung müsste im Grunde alles schon passiert sein.
30:12Und bei vielen anderen Problemfällen der Vergangenheit, sogar an die AKW würde ich dazu rechnen,
30:18da bestand nicht diese unmittelbare Dringlichkeit.
30:21Natürlich wollte man die AKWs möglichst schnell loswerden, aber das war jetzt nicht eine Frage von Kipppunkten und von zwei,
30:29drei oder fünf Jahren.
30:30Das ist eigentlich eine Herausforderung, für die es gar keine Lösung gibt, jedenfalls keine Patentlösung.
30:36Also ich meine mit Fridays for Future und unserer Entstehung ist ja ganz viel ins Rollen gekommen.
30:40Wir haben Klimaschutzgesetze irgendwie dafür gesorgt, dass sie überhaupt ins Leben gerufen wurden, sie irgendwie verbessert.
30:47Das Bundesverfassungsgericht, es gibt so viele Beispiele, wo irgendwie auf die Klimabewegung sehr, sehr viel Veränderung zurückzuführen ist.
30:54Ein historischer Sieg für junge Klimaschützer, ihre Verfassungsbeschwerden hatten Erfolg.
31:00Das Klimaschutzgesetz ist in Teilen verfassungswidrig und muss nachgebessert werden.
31:05Protestgruppen können Gerichtsverfahren auch auf andere Art für sich einsetzen, ganz unabhängig vom Urteil.
31:11Man kann auch die Gerichte nutzen in dem Sinne, dass man gar nicht unbedingt einen Freispruch oder einen günstigen Spruch
31:20erhofft oder erwerken kann.
31:22Aber das Gericht ist eine Bühne der öffentlichen Auseinandersetzung.
31:26Und ein Musterbeispiel für diese Nutzung der juristischen Bühne, das war der Prozess von Bobigny in Frankreich 1972.
31:35Es waren fünf Frauen angeklagt, eine davon war minderjährig, wurde vergewaltigt und sie wurden wegen Abtreibung alle fünf angeklagt.
31:46Und da traten dann Feministen und andere Leute des öffentlichen Lebens auf und haben gesagt, ihr könnt diese Leute nicht
31:51bestrafen, das geht nicht.
31:56Und das hat einen enormen Einfluss auf die Gesetzgebung dann in Frankreich, wo eben ein Stück weit die Abtreibung liberalisiert
32:05wurde, die vorher strafbewehrt war.
32:09Auf der Suche nach Wegen, die Menschheit zum Umdenken zu bringen, suchen Clara Duvignon und Mojib Latif Anregungen bei einem
32:16der größten Wissenschaftler aller Zeiten.
32:18Vor über 200 Jahren sammelte Alexander von Humboldt überall auf der Welt Daten, Pflanzen und Naturmaterial.
32:27In Venezuela fällt ihm als erstem ein menschengemachter Klimawandel auf.
32:33Er hat auch schon ganz klar in seinen Tagebüchern davon gesprochen, dass zum Beispiel in Industriegebieten durch die Industrieschlote so
32:40viel Dampf und Abgase abgeschieden werden,
32:43dass das halt auch unsere Atmosphäre verändert und dass das einen Einfluss haben wird.
33:00Wir haben eigentlich nichts gelernt. Wir machen immer weiter, zerstören die Wälder immer mehr und andere Dinge tun wir natürlich
33:09auch gegen die Umwelt.
33:11Und wir schaffen es irgendwie nicht, Menschen davon zu überzeugen, innezuhalten.
33:17Im Herbarium der Freien Universität Berlin wird Humboldts Werk fortgesetzt.
33:25Kürzlich sammelte und zählte der Forscher Jonas Zimmermann im arktischen Meer winzige Kieselalgen, die für das gesamte Ökosystem der Arktis
33:34entscheidend sind.
33:35Je mehr Kieselalgen dort leben, desto gesünder das Gewässer.
33:39Zimmermanns Forschungen ergaben, es gibt immer weniger von ihnen.
33:42An der Unterseite dieses Eises haben Kieselalgen gelebt und die sind die Nahrungsgrundlage für Grill, also diese Krebse, von denen
33:48sich Wale und Pinguine ernähren.
33:50Und dadurch, dass der Gletscher sich zurückgezogen hat, kommt der Grill nicht mehr, weil dann nicht die Nahrungsgrundlage fehlt.
33:56Dadurch kommen die Wale nicht mehr in die Bucht, weil sie nichts mehr zum Fressen finden.
34:04Nirgendwo zeigte sich der Klimawandel früher als in der Arktis.
34:09Auch Mojib Latif verschaffte sich deshalb schon 2010 vor Ort einen Eindruck.
34:15Ich wollte einfach persönlich sehen, wie die Arktis tatsächlich aussieht.
34:21Ich wusste es ja aus meinen Forschungen, dass sich schon sehr große Veränderungen in der Arktis entwickelt hatten.
34:28Aber das nochmal zu sehen, insbesondere anhand der Gletscher auch und dieser enorme Eisverlust, das nochmal zu sehen, das prägt
34:37einen nochmal.
34:56Das Meer hat verschiedene Funktionen in klimatologischer Hinsicht.
35:00Auf der einen Seite nimmt es Wärme auf, dadurch verzögert sich die globale Erwärmung.
35:05Auf der anderen Seite nimmt es aber auch Kohlendioxid auf, dass wir Menschen in die Atmosphäre entlassen.
35:10Das ist Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite verlangsamen wir die globale Erwärmung.
35:15Auf der anderen Seite wird das Wasser buchstäblich sauer und darunter leiden sehr viele Meeresorganismen.
35:29Wir fahren jetzt zu den sogenannten Mesokosmen. Das sind so eine Art riesige Reagenzgläser, um dann sozusagen unter möglichst realistischen
35:38Bedingungen zu sehen, was mehr CO2 mit den Organismen macht.
35:50Wir wissen nicht genau, wie solche Ökosysteme auf die Meeresversauerung reagieren.
35:55Wir sind selbst sehr, sehr gespannt, ob diese Langzeitversuche auch letzten Endes die Resultate bringen, die die Kurzzeitversuche gezeigt haben.
36:05Wir haben eine Menge gelernt durch diese Versuche und wir sind jetzt so weit, dass wir tatsächlich auch Computermodelle entwickeln
36:13können,
36:14um die zukünftigen Veränderungen infolge der CO2-Aufnahme projizieren zu können.
36:20Das heißt also vorhersagen zu können, was passiert, wenn wir so weitermachen wie bisher.
36:25Der Eisverlust in der Arktis zeigt schon seit den späten 1980er Jahren, wie bedrohlich der Klimawandel ist.
36:31Die ganze Welt sieht diese dramatischen Entwicklungen, auch die Automobilindustrie.
36:38Mercedes-Benz bringt in dieser Zeit eine neue S-Klasse auf den Markt und gibt sich als Umweltschützer.
36:44Deshalb sind wir bei Mercedes-Benz besonders stolz darauf, dass die neue S-Klasse ein Pionier für neue Umwelttechnologien ist
36:51und hier neue Maßstäbe setzt.
36:59Doch entgegen den Ankündigungen in der Werbung, die neue S-Klasse von Mercedes-Benz wird von Umweltexperten stark kritisiert.
37:11Die S-Klasse wiegt etwa 2,2 Mal mehr als ein herkömmliches, durchschnittliches Automobil.
37:18Über den gesamten Herstellungsprozess fallen etwa 52 Tonnen Abfälle an.
37:25Das ist 2,2 Mal mehr als ein durchschnittliches Automobil und bedeutet etwa so viel Abfall, wie zwei Bundesbürger ihr
37:32gesamtes Leben lang produzieren.
37:34Wir werben deshalb mit der Umwelt, weil wir der Überzeugung sind, dass wir diesbezüglich einen großen Beitrag geleistet haben und
37:42auch in Zukunft leisten werden.
37:44Ich sag's ja auch ganz einfach mal, mit der Mercedes-S-Klasse, dann ist das wirklich ein Skandal und das
37:48kann ein entwickeltes Land, wie wir es sind, nicht zulassen.
37:52Denn diese Autos, die sind so schwer, die haben so eine Masse, die müssen erstmal bewegt werden und das kostet
37:57so eine Energie, das ist wirklich ein Skandal.
37:59Wir haben ja tatsächlich im Verkehr und insbesondere im Automobilverkehr keine Fortschritte gemacht.
38:06Die Autos sind immer größer geworden und wenn ich mir ansehe, in einer Stadt, wo es ja ohnehin wenig Platz
38:14gibt,
38:15dass die SUVs doch alle anderen verdrängen.
38:32Das war die größte je gebaute S-Klasse. Man hat sich geärgert, die sei so breit, sie könnte in die
38:38Sonderzüge der Deutschen Bahn nicht einsteigen.
38:41Und das ist der kleinste SUV oder einer der kleinen SUV heute auf dem Markt. Eigentlich ein Kleinwagen.
38:47Der meistverkaufte SUV in Deutschland ist der T-Roc. Wenn man recherchiert, stellt man fest, so ungefähr sind wir bei
38:531300 Kilo.
38:54Es kann 1500 Kilo auch werden und da sind wir schon beim Niveau einer S-Klasse der 80er Jahre.
39:02Aber der ist ja genauso groß, wenn ich das so sehe, ungefähr noch ein bisschen höher.
39:05Knapp schmaler, aber 10 Zentimeter höher. Dramatisch darin ist dieses Auto sicherlich eine schlechtere Aerodynamik als diese hier.
39:15Also wenn man summiert, wie viele SUVs in Deutschland verkauft werden, wie viel sie wiegen,
39:20gegenüber dem Durchschnitt der normalen Autos hätten wir einen Mehrwert pro Jahr um 750 Millionen Tonnen oder eben eine halbe
39:30Million VW Golfs.
39:31Was ist denn da das Faszinierende eigentlich dran?
39:34Was die Leute faszinierend finden, ist ganz klar, dass es höher ist. Fast 40 Prozent der Autos in Deutschland sind
39:40SUVs.
39:40Und im Grunde genommen auf der Straße ist man wieder auf Augenhöhe, nur man sieht die anderen nicht mehr, man
39:46sieht Kinder nicht.
39:48Kann man sich vorstellen, eine Mutter sitzt am Steuer und hier ist ein Kind, sie sieht ihn nicht.
39:53Man braucht neun Kinder in der Reihe und erst das neunte Kind wird erfasst.
39:59Es gibt in Amerika heftige Diskussionen, auch Studien, über Todesfälle, die dadurch verursacht sind, dass man ohne zu sehen,
40:07beim Rangieren, nicht mal beim Fahren, vorwärts wie rückwärts Kinder überfährt.
40:137000 Unfälle und 200 Todesfälle pro Jahr, weil man diese Kinder nicht sieht.
40:19In einem SUV sitzt man höher, ist man höher, fühlt man sich größer als in einem normalen Fahrzeug.
40:25Und das gibt den Menschen Sicherheit und sich eben auch ein Gefühl, vielleicht besser zu sein als die anderen.
40:35Natürlich habe ich gerade das Déjà-vu, wenn man die beiden Autos vergleicht zu einem SUV mit der alten S
40:40-Klasse,
40:41sieht man eben, dass wir eigentlich keinen Schritt vorangekommen sind, zumindest nicht in Sachen Klima- und Umweltschutz
40:46oder in Sachen Ressourcenschonung. Und das ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit.
40:55Menschen, die SUVs fahren, glauben, umweltfreundlich zu sein, weil sie in ihrer Wahrnehmung eindeutig manipuliert werden.
41:02Natürlich öffnest du die Tür, steigst du in dein SUV ein und sagst, wow, das ist ein kleines Auto, ich
41:08tue was Gutes für die Umfeld.
41:10Ich fühle mich sehr wohl.
41:12Klar fühlst du dich wohl. Es ist so wie in einer S-Klasse.
41:17Größtmöglicher Luxus und ein gutes Gewissen, das betonen die SUV-Hersteller.
41:22Diejenigen, die fürs Klima kämpfen, reden hingegen oft von Verzicht.
41:26Ein Wettbewerbsnachteil, der in unserem Gehirn verankert ist.
41:30Das liegt daran, dass das Gehirn nicht auf Verzicht eingestellt ist, sondern auf Gewinn und Maximierung.
41:36Das kann man sich mal anschauen. Was passiert, wenn wir mehr bekommen, als was wir erwartet hatten?
41:41Dann wird Dopamin ausgeschüttet in diesem Glückszentrum, kann man sagen.
41:45Und das erleben wir als Kick, als Rausch, als positives Gefühl.
41:49Das kann dann langfristig in positive Freude übergehen.
41:52Aber dieses Maximieren dessen, was da ist, das ist das, was quasi in unserem Gehirn eingebaut ist.
41:58Ich kriege mehr davon und das erlebe ich dann quasi als positives Gefühl.
42:03Das Umgekehrte, das finden wir immer doof.
42:05Das heißt also, Klimaschutz muss Spaß bringen?
42:08Ja, niemand rettet die Welt, weil das eine tolle moralische Entscheidung ist.
42:11Man rettet die Welt, wenn man konkret einen Nutzen im Hier und Jetzt hat und das langfristig auch funktioniert.
42:17Also Beispiel, wenn ich jetzt nachhaltige Bioprodukte kaufen will, dann müssen die eben jetzt cool sein und nicht irgendwann in
42:2320 oder 30 Jahren die Welt gerettet haben.
42:25Also jetzt einen konkreten Vorteil den Menschen anzubieten, dann ändern sie ihr Verhalten.
42:30Ist das auch das Problem mit der Energiewende?
42:32Weil die Leute haben das Gefühl, sie werden eigentlich immer nur belastet.
42:36Obwohl eigentlich müsste doch Energie billiger werden, weil die erneuerbaren Energien in der Entstehung viel billiger sind.
42:40Aber sie werden teurer und deswegen gehen die Leute nicht mit.
42:43Das wäre ein riesiger Hebel. Und stattdessen versuchen wir, die Probleme immer komplizierter zu lösen und wollen dann den Menschen
42:49erklären, dass sie sich moralisch zurücknehmen sollen.
42:52Dann, wenn wir das fordern, dann sind uns die Grundlagen des menschlichen Denkens völlig unbekannt.
42:57Denn wir denken in einer anderen Dimension. Wir wollen das maximieren, was wir haben.
43:02Und die Kunst ist jetzt, das eben mit einem nachhaltigen Narrativ und mit nachhaltigen Produkten zu verbinden.
43:08Aber nur dann wird es funktionieren.
43:11Klimaforscher Mojib Latif und die meisten seiner Kolleginnen und Kollegen liefern seit Jahrzehnten Fakten zur Erderwärmung.
43:18Mit wenig Erfolg.
43:20Viele versuchen jetzt mit verschiedenen Protestformen den Klimawandel dennoch zu stoppen.
43:25Beides hilft, reicht aber nicht.
43:28Klimaschutz muss einen Mehrwert bringen, den Menschen sofort spüren.
43:32Sonst wird es kaum gelingen können, die Klimakatastrophe aufzuhalten.
43:54Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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