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00:06Deutschland.
00:08Eines der dichtest besiedelten Länder der Erde.
00:15Seit kurzem auch wieder mit echter Wildnis.
00:26Großflächige Urbanisierung auf der einen, ungehemmte Naturentwicklung auf der anderen Seite.
00:35Ein Land extremer Gegensätze.
00:46Doch kann es hier tatsächlich so etwas wie Wildnis geben?
01:20Musik
01:20Ein Braunkohlesee in der Lausitz im Osten Deutschlands.
01:24Noch vor wenigen Jahren eine lebensfeindliche Industriebrache.
01:29Heute ökologisch wertvoller Bestandteil des nationalen Naturerbes und eines neuen Wildnisprogramms.
01:39Im März sind die ersten Kraniche aus ihren Winterquartieren zurück und in Frühlingsstimmung.
01:45Einige haben bereits Quartier bezogen. Am liebsten in geschützten, sumpfröhrichten kleinerer Waldseen.
01:53Gut versteckt vor Menschen und Beutegreifern werden sie hier ihre Jungen großziehen.
02:05Im Zwielicht des anbrechenden Morgens legt das Paar den Grundstein für das neue gemeinsame Jahr.
02:24Kraniche bleiben meist ein Leben lang zusammen.
02:33Ein Rohrweinmännchen sondiert sein Brutgebiet.
02:36Wie die Kraniche profitieren auch die bedrohten Wein von den Sumpfröhrichten der neuen Wildnis.
02:522007 beschloss die Bundesregierung, mindestens zwei Prozent der Landesfläche sollten Wildnisgebiete werden.
02:59Dieses Ziel ist zwar bei weitem nicht erreicht, doch ein Anfang ist gemacht und trägt erste Früchte.
03:07Rückzugsräume für zahlreiche gefährdete Pflanzen und Tiere sind entstanden.
03:24Dieses Wolfspaar lebt seit Jahren hier.
03:27Anfang Mai wird die Fähe drei bis acht Junge zur Welt bringen.
03:32Wölfe sind zwar nicht auf Wildnis angewiesen,
03:34für ihren Nachwuchs suchen sie sich aber am liebsten ungestörte, abgelegene Orte.
03:52Ideal sind größere, unzerschnittene Landschaften ohne Straßen und mit wenig menschlichen Störungen.
04:03Jetzt, zum Ende des Winters, sind im Wolfsrevier viele Kollkraben unterwegs.
04:09Sogenannte Junggesellentrupps von bis zu 100 Vögeln.
04:14Sie beobachten, wo die Wölfe jagen und teilen sich anschließend die Reste der Beute.
04:23Wächter prüfen ständig, ob Gefahr droht.
04:30Ein Jungwolf hat das lustvolle Gekrächze der Rabentafel gehört und will wissen, was da los ist.
04:38Denn wo sich viele Raben tummeln, gibt es meistens etwas zu fressen.
04:42Aber erst einmal heißt es, die Lage checken.
04:53Die Schwarzröcke versuchen eilig, noch möglichst viele Happen zu ergattern,
04:58bevor sie ihr köstliches Mahl womöglich abtreten müssen.
05:05Doch den unerfahrenen Jährling verwirrt die schwarze Übermacht
05:09mit ihrem dauernden Gekrächze und Gekolke.
05:17Kollkraben sind, ähnlich den Wölfen, sehr soziale, familiäre Tiere.
05:22Auch schon in der Junggesellenzeit, ohne festes Territorium, schmieden sie enge Freundschaften.
05:38Der Jungwolf überlässt schließlich der Rabenbande das Schlachtfeld.
05:43Vielleicht war er einfach nur neugierig, denn von der Beute
05:47dürfte er schon in der vergangenen Nacht reichlich abbekommen haben.
05:56Während der Junggesellenzeit entstehen nicht nur Freundschaften, sondern auch Paare.
06:02Diese bleiben, ebenfalls ähnlich den Wölfen, meist ein Leben lang zusammen.
06:07Nähe und Vertrauen festigen die Partner durch gegenseitige Gefiederpflege
06:12und ständiges Brabbeln, Knacksen und Knicksen.
06:16Kollkraben verfügen über eine sehr differenzierte Kommunikation.
06:24Der Rabentrubel bleibt weiterhin nicht unbemerkt.
06:28Auch Seeadler sind begeisterte Aasfresser.
06:31Dabei besitzt der König der Lüfte messerscharfe Krallen und einen gefährlichen Schnabel.
06:41Den unbewaffneten Raben können dagegen nur Intelligenz und Geschicklichkeit helfen.
06:51Eine gute Portion Wagemut.
06:58Und eine Prise Penetranz.
07:19Am Waldsee hält der Frühling Einzug.
07:33Die Höckerschwäner haben mit der Brut begonnen und auch die Kraniche sitzen auf den Eiern.
07:40Während der eine Partner brütet, hält der andere in der Nähe Wache.
07:49Die Haubentaucher balzen noch.
07:58Die Vögel des Glücks galten bereits in der Antike auch als Symbol für Wachsamkeit und Vorsicht.
08:05Keine noch so kleine Bewegung entgeht ihren aufmerksamen Augen.
08:17Das rostig-braune Farbenspiel vieler Seen ist Resultat chemischer Reaktionen von Eisenoxiden, die durch den Kohleabbau ans Tageslicht gefördert wurden.
08:29Im Kontakt mit Wasser bilden sich daraus Eisenhydroxide, das sogenannte Eisenocker.
08:40Auch 20 Jahre nach der Kohle sind etliche Bereiche spärlich bewachsen.
08:45Die Eiszeitgletscher Skandinaviens haben große Mengen zerriebener Felsen als Sand zurückgelassen,
08:52was die Nachkohlelandschaft heute wie eine Halbwüste erscheinen lässt.
08:59Das mag befremdlich aussehen. Für die ökologische Vielfalt ist diese Vegetationsarmut ein Segen.
09:10Denn sie schafft ein Dorado für wärmeliebende Bodeninsekten.
09:16Arten wie der seltene Wiener Sandlaufkäfer oder die metallisch schimmernde Sandgoldwespe.
09:24Die kleine Wespe ist ein Brutparasit und schmuggelt ihre Eier in die Brutkammer einer anderen Wespenart, der Sandknotenwespe.
09:33Diese hier müht sich mit einem erbeuteten Rüsselkäfer ab.
09:38Die Nester der Sandknotenwespe wirken von außen wie kleine Maulwurfshügel.
09:43Die eigentliche Nestkammer befindet sich tief im Boden, am Ende eines etwa 20 Zentimeter langen senkrechten Ganges.
09:57Auch Sandwespen graben ihre Nester in die offenen Böden der neuen Wildnis.
10:02Die im Mittelmeergebiet verbreitete Heuschreckensandwespe scheint zudem ein Profiteur der Klimaerwärmung zu sein.
10:10Lange galt sie in Deutschland als verschollen, wurde aber in den 1990er Jahren wiederentdeckt und breitet sich seither nach Norden
10:19aus.
10:22Ca. 15 Zentimeter tief im Boden befinden sich vier Brutkammern, in welche das Weibchen jeweils eine Heuschrecke zur Versorgung ihrer
10:31Larve legt.
10:38Im Gegensatz zu anderen Arten graben Sandwespen parallel mit beiden Vorderbeinen gleichzeitig.
10:49Sobald sie ein Ei in die Kammer gelegt und anschließend die Röhre verschlossen hat, überlässt sie den Nachwuchs mit den
10:56Vorräten sich selbst.
11:03Die Sandknotenwespe ist immer noch mit ihrer Beute beschäftigt.
11:07Mit ihrem Stachelgift hat sie den Käfer betäubt, der später als Nahrung für die Larve dient.
11:12Sie wird jedoch von einer Trabantenfliege verfolgt, die darauf aus ist, ihr Ei an den Rüsselkäfer zu heften.
11:20Die Knotenwespe ist also gut beraten, auf ihr Opfer Acht zu geben.
11:30Doch in der Zwischenzeit scheint der Eingang ihrer Höhle zugerutscht zu sein, sodass sie diesen erst wieder freiräumen muss.
11:38Sollte es der Trabantenfliege derweil gelingen, ein Ei an den Rüsseler zu legen, wäre die Brut der Wespe verloren.
12:00Die Sandlaufkäfer legen ihre Eier direkt in den warmen Sand. Brutfürsorge betreiben sie keine.
12:08Ihre Laufen ernähren sich räuberisch von anderen Insekten.
12:18Der Insektenreichtum ruft einen Vogel auf den Plan, der früher weit verbreitet, heute aber vielerorts verschwunden ist. Der Wiedehopf.
12:30Der Vogel mit der Haube lebt fast ausschließlich von Großinsekten und Larven.
12:38Bei gutem Nahrungsangebot und passender Witterung haben die vier bis sechs Jungen gute Überlebenschancen.
12:56Jetzt, kurz vor dem Ausfliegen, haben die Eltern keine ruhige Minute mehr. Jagen tun sie dabei fast ausschließlich am Boden.
13:09Unter der Oberfläche lebende Grillen oder Käferlarven ertastet der Wiedehopf mit seinem langen Schnabel und gräbt sie aus.
13:18Er verfolgt aber auch Laufkäfer und Heuschrecken.
13:25Im Offenland der neuen Wildnis trifft der Wiedehopf auf Bedingungen, die ihm in der Agrarlandschaft heute meistens fehlen.
13:34Geeignete Lebensräume, keine Pestizide und somit ein reiches Nahrungsangebot.
13:48Es ist der kleinräumige Wechsel von Gewässern, Offenland und Wald, der die neue Wildnis auszeichnet und so artenreich macht.
13:58Doch das war nicht immer so.
14:07Gott hat die Lausitz geschaffen, aber der Teufel schob die Kohle darunter, sagt ein sorbisches Sprichwort.
14:15Für viele war der Braunkohleabbau ein ökologisches Desaster. Manche Abraumhalden zeugen bis heute davon.
14:24Kohlereste und alte Sande lassen durch extreme Versauerung kein neues Leben zu.
14:30Solche Flächen sind mittlerweile jedoch in der Minderzahl.
14:40Dieser etwa amselgroße Vogel brütete einst auf den Kiesbänken der Flussauen.
14:47Verbauungen haben ihn dort heimatlos gemacht.
14:50Wo die Seeufer nährstoffreicher sind und es Insekten, Spinnen oder Weichtiere gibt, hat der Flussregenpfeifer eine neue Heimat gefunden.
15:08Irgendetwas scheint den kleinen Kerl zu beunruhigen. Und so sprintet er davon, was die Beinchen hergeben.
15:18Den Fuchs muss er jedoch nicht fürchten. Der weiß, dass der flinke Läufer auch ein guter Flieger ist.
15:44Mancherorts sind amphibische Lebensräume entstanden, die an Wadis arabischer Wüsten erinnern.
15:51Doch diese hier werden nicht von plötzlichen Regenfällen, sondern vom Grundwasser gespeist.
15:59Gleichwohl sind sie oft nicht weniger gefährlich, weshalb ihr Zutritt verboten ist.
16:07Die großen Sandflächen können sich im Sommer extrem aufheizen, sodass, ganz ähnlich einer Wüste, immer wieder kleinere Sandstürme entstehen.
16:21In den trocken heißen Sommern Brandenburgs durchaus keine Seltenheit und eine Herausforderung für alles, was hier lebt.
16:45Wenn zu starkem Wind dann auch noch Feuer hinzukommt, wird es im wahrsten Sinne brandgefährlich.
16:50Vor allem die ehemaligen Kiefernforsten sind extrem feueranfällig.
16:56Aus einem scheinbar harmlosen Glimmen kann binnen Sekunden ein rasendes Buschfeuer werden.
17:06Für die Wildnisentwicklung sind solche Feuer kein Problem, im Gegenteil.
17:11Sie beseitigen rasch und effektiv die Folgen einer jahrzehntelangen, ökologisch missglückten Bewirtschaftung.
17:24Für die Menschen der umliegenden Ortschaften stellen solche Brände jedoch eine ernste Gefahr dar und werden folgerichtig gelöscht.
17:31Oft mit extrem großem Aufwand.
17:44Hinterher scheint die Landschaft trostlos und leer.
17:48Doch Feuer ist seit jeher ein natürlicher Begleiter von Wildnis.
17:53Die Natur ist daran gewöhnt und regeneriert sich meist schneller als erwartet.
17:58Eine Art ökologische Katarsis.
18:21Die meisten Brände wirken ohnehin nur oberflächig.
18:24Und schon nach wenigen Wochen, ja bisweilen Tagen, sprießt aus der Asche neues Leben.
18:43Das ist die Stunde der Pioniere.
18:46Jener Pflanzen und Tiere, die den Weg bereiten für Wachstum und Erneuerung.
18:52Das ist die Stunde der Pioniere.
18:56Das ist die Stunde der Pioniere.
19:01Das ist die Stunde.
19:24Neben ehemaligen Bergbaulandschaften sind es vor allem auch einstige Truppen Übungsplätze,
19:30die ins nationale Naturerbe eingeflossen sind und den Grundstein für die neue Wildnis Deutschlands bilden.
19:43Kommandozentralen werden zu natürlichen Bestandteilen einer wilden Zukunft.
19:57Durch glaslose Fenster dringen nun statt Granatendonner Vogelgezwitscher und Grillenzirpen in die verlassenen Soldatenstuben.
20:18Die Wildschweinrotte braucht hier keine Gewehrkugel mehr zu fürchten.
20:23Doch gejagt werden sie immer noch. Heute indes folgen andere, stillere Jäger ihrer Pferde.
20:29Jäger auf vier Beinen.
20:40Daher sind die Sauen vielleicht wachsamer denn je. Mit einem Unterschied, sie sind nun wieder tagsüber aktiv.
20:47Es ist allein der Mensch, der sie zu unsichtbaren Nachtgeistern werden lässt.
21:09Wo Panzer die Erde zerfurchten, ist der Wald auf dem Vormarsch.
21:13Ein Wald, der eines Tages einem Urwald gleichwertig sein mag.
21:19Doch dies wird Jahrhunderte dauern.
21:25Allein auf den einstigen Schießbahnen hält sich immer noch eine offene, savannenartige Vegetation.
21:33Mit stummen Zeugen der Militärzeit.
21:41Viele von ihnen nach wie vor lebensgefährlich.
21:44Doch der Rost hat ihr Schicksal bereits besiegelt.
21:47Was übrig bleiben wird, ist ein Häufchen Eisenoxid.
21:59In dieser Landschaft, offen, einsam und wildreich, fühlt sich ein Jäger zu Hause.
22:06Der Ort ist geeignet als Kerngebiet eines Territoriums.
22:16Er ist das Wohnzimmer der Wölfe, ihr Rendezvousplatz.
22:24Hier halten sich die Welpen während der ersten Monate auf.
22:28Hier trifft sich die Familie, nach der Jagd und zum Ausruhen.
22:32Jeden Tag.
22:41Und hier betreuen die Jährlinge ihre kleinen Geschwister.
22:45Lassen sie die Umgebung erkunden.
22:47Ihr Reich.
22:50Täglich werden die Ausflüge größer.
23:01Ein Reich voller Überraschungen und Abenteuer.
23:05Ein Reich, das sie sich mit vielen anderen Wildtieren teilen.
23:16Sind die Sommertage allzu heiß und trocken, tut es gut, wenn man sich abends erfrischen kann.
23:23Der Altrüde, den man selten zu Gesicht bekommt, führt die Rasselbande zum Waldsee.
23:31Im Schlepptau zwei Jährlinge.
23:34Die Fähe indes hält sich bedeckt, ist vielleicht irgendwo auf Kontrollgang im mehr als 100 Quadratkilometer großen Revier.
23:43Die Grenzen kontrollieren und markieren, damit jeder Fremdling weiß, dass sie hier zu Hause sind.
23:50Sie und ihre Familie.
24:10So sehr die Jährlinge bisweilen von den Welpen genervt sind, so eng ist ihre Bindung an die kleinen Geschwister.
24:17Sie fühlen sich verantwortlich, haben immer mindestens ein Auge auf sie.
24:27Hier draußen führen die Welpen ein unbeschwertes Leben.
24:31Solange kein Mensch sie behelligt, haben sie nichts zu befürchten.
24:36In den kommenden anderthalb Jahren werden die Erwachsenen ihnen beibringen, wie man erfolgreich jagt, das Territorium sichert und wie wichtig
24:45die Familie, das Rudel, ist.
24:55Treiben sie es mit der Rauferei einmal zu bunt, ermahnt der Altrüde sie, den Kleinsten nicht zu sehr zu bedrängen.
25:04Wolfsväter sind fürsorglich, die Familie kommt an erster Stelle.
25:29Seit mehr als 20 Jahren vermehren sich nun wieder Wölfe auf deutschem Boden.
25:34In der Nahrungskette stehen sie weit oben und gerade das macht sie so wichtig für Ökosysteme, auch in Deutschland.
26:02Der frühe Morgen gehört den Kranichen.
26:05Jetzt ziehen sie von ihren Übernachtungsplätzen zu den umliegenden Feldern und Wiesen.
26:24Oft legen sie einen Zwischenstopp bei Artgenossen ein, die noch nicht aufgebrochen sind.
26:32Im August spürt man den nahenden Herbst. Das Schwarmbedürfnis der Vögel nimmt zu.
26:40Kraniche sind von Europa bis in den Nordosten Asiens verbreitet. In Deutschland stand es lange schlecht um die Vögel.
26:50Heute gelten sie hier nicht mehr als gefährdet. Sie profitieren von der neuen Wildnis und ihren Feuchtgebieten.
27:04Röhrichte, Sümpfe und Moore bedeckten bis ins 19. Jahrhundert große Teile von Deutschlands Norden.
27:12Resultat der letzten Eiszeit. Die meisten wurden trockengelegt und zu Landwirtschaftsflächen.
27:18Die letzten von ihnen werden heute geschützt, manche sogar renaturiert.
27:30Ein Charaktervogel der Schilfröhrichte ist der Drosselrohrsänger.
27:35Seit den 1970er Jahren ist er aufgrund vielfacher Zerstörung seines Lebensraums stark zurückgegangen.
27:41In den neuen Wildnisgebieten trifft man ihn noch häufig an.
27:52Jenseits der Sümpfe wachsen vereinzelt alte, scheinbar vergessene Wälder.
27:57Ökologische Kleinode und Heimat der größten europäischen Spechtart, des Schwarzspechts.
28:17Mit ihren Bruthöhlen schaffen die Spechte für über 50 andere Tierarten Wohnraum.
28:24So für verschiedene Singvögel, Eulen, Marder, Fledermäuse und für Insekten, wie Hornissen, Hummeln oder Bienen.
28:40Sumpfwälder sind das Reich der Amphibien.
28:43Der kleinste und zugleich lautstärkste ist der Laubfrosch.
28:47Mit seinen Haftfüßen vermag er, sogar senkrecht an Glasscheiben hochzuklettern.
29:03Sumpf, Au und Bruchwälder zählen zu den artenreichsten Biotopen und zugleich zu den am meisten Bedrohten.
29:12In Deutschland existieren nur noch kleine Reste.
29:15Ein folgenreicher Verlust, denn Feuchtwälder binden besonders große Mengen CO2.
29:33Auf die umliegenden Feuchtwiesen führen die Kraniche tagsüber ihre Jungen.
29:38In dieser Zeit ernähren sie sich hauptsächlich von Insekten, Schnecken, Würmern und kleinen Wirbeltieren.
29:51Anfangs füttern die Eltern die Küken. Durch Nachahmung lernen diese aber rasch auch selbst Beutetiere zu fangen.
30:03Im Inneren des Sumpfwalds lebt ein weiterer Schreitvogel, der ebenfalls sehr scheu und vorsichtig ist.
30:16Anders als die nestflüchtenden Kraniche bleiben junge Schwarzstörche bis zu 70 Tage im Nest.
30:24Diese hier sind gut sechs Wochen alt und wechseln gerade vom weißen Dunengefieder zum Erwachsenenkleid.
30:38Der Federwechsel juckt und nervt, sodass sich die kleinen Punks nicht nur selbst, sondern auch gegenseitig die weißen Dunen auszupfen.
30:54Doch alle Pein ist vergessen, sobald die Eltern mit Futter kommen.
30:58Jetzt dreht sich alles nur noch um Fische, Frösche und Mäuse, die aus Vaters Schnabel plumpsen.
31:21Wenn das Wildnisprojekt tatsächlich langfristig Bestand haben sollte,
31:26werden eines fernen Tages fast alle Wüsten, Heiden und Savannen, die die heutige Vielfalt der Flächen ausmachen, in Wald übergehen.
31:46Denn Deutschland ist klimatisch ein Waldland.
31:50Alle anderen Lebensraumtypen sind entweder vom Menschen geschaffen oder befinden sich an kleinräumigen Extremstandorten.
32:03Zukunftsmusik. Bis dahin wird es noch Jahrzehnte und Jahrhunderte dauern.
32:13Bundspecht und Co. werden noch lange Zeit mit Initialwäldern aus Espen und Birken vorlieb nehmen.
32:30Wenn der Herbst Bäume und Gräser gelb färbt, sprechen manche hier auch von der fünften Jahreszeit, der Zeit des großen
32:40Vogelzugs.
32:43Gigantische Schwerne werden aus Skandinavien und Sibirien in den Nordosten Deutschlands kommen.
32:50Zehn, ja, hunderttausende nordische Gänse und Kraniche bevölkern dann für einige Wochen die Seen.
33:05Mit der spätsommerlichen Ruhe wird es bald vorbei sein.
33:18Jeden Tag kommen neue Grau-, Nonnen- und Saatgänse in die Wildnisgebiete und suchen geeignete Rast- und Schlafplätze.
33:31Der Altrüde kennt das pausenlose Geschnatter. Es interessiert ihn nicht.
33:41Während die Gänse die Nächte schwimmend auf den Seen verbringen, sind die Kraniche auf Flachwasserzonen angewiesen.
33:55Die Welpen sehen jetzt, Anfang Oktober, schon fast wie richtige Wölfe aus, zumal ihnen der Winterpelz wächst.
34:05Den großen Vogelzug erleben sie zum ersten Mal und sind gewiss irritiert über die lautstarke Gesellschaft, die sich im Revier
34:14breitmacht.
34:24Vor allem, wenn sich hunderte Kraniche gleichzeitig in den strahlenden Herbsthimmel erheben und ohrenbetäubend den baldigen Aufbruch verkünden.
34:39Täglich wächst ihre Zugunruhe. Bald geht es weiter.
34:46Auf in den Süden.
35:04Musik
35:32Frische Wolfsspuchen im Pulverschnee.
35:36Der Winter in diesem Jahr ist ungewöhnlich frostig. In den Nächten sinkt das Quecksilber auf minus 17 Grad Celsius. Die
35:44Seen sind zugefroren.
35:51Nur ein Eisloch schaffen die Wasservögel noch offen zu halten. Zum nächtlichen Schutz vor Füchsen, Wildschweinen, Mardern und Wölfen.
36:05Nach Sonnenuntergang schweben, wie schwerelos, die Schwäne herein. Höcker und Singschwäne. Gäste aus dem hohen Norden.
36:18Um die 400 mögen es noch sein, die ausharren. Alle anderen sind fort. Sie müssen das Wasserloch offen halten oder
36:27ebenfalls in eisfreie Gegenden ausweichen.
36:35Das stille Trompeten der Singschwäne verleiht der einstigen Bergbaulandschaft nun etwas Skandinavisches.
36:46Von Tag zu Tag wird das Eisloch enger. Aber es ist ihre einzige Chance, die Nächte zu überstehen.
36:53Auf dem Eis wären sie schutzlos den Räubern ausgeliefert oder könnten festfrieren.
37:05Der Strom der Rückkehrer nimmt kein Ende. Werden sie diese Nacht noch alle Platz finden?
37:14In der Ferne heulen die Wölfe. So hält das Rudel Kontakt über viele Kilometer.
37:32Schließlich taucht ein Jungwolf auf. Schaut nach, ob ein Schwan oder eine Ente dem ungnädigen Frost erlegen oder zu weit
37:40draußen gelandet ist.
37:58Die dürre Sonne des nächsten Morgens bringt keine Wärme. Aber sie führt den Wolf zurück zum Wasserloch.
38:21Vielleicht ist ja ein Schwan erfroren oder eine Ente watschelt geschwächt übers Eis. Es wäre ein feiner Happen für den
38:30Grauen.
38:34Nachschauen kostet nichts. Die Wirkung kalter Winternächte ist nicht zu unterschätzen.
39:04Oben vom Seeufer schaut die Fähe dem Tragen ihres Sprösslings zu.
39:08Die Mühe lohnt nicht. Sie hat es längst erkannt. Aber der Kleine soll sich die Hörner abstoßen.
39:16Erfahrungen sammeln, wann eine Jagd lohnt und wann nicht.
39:30Auch wenn er so tut, als gingen ihm die Vögel nichts an, als wäre er nur zufällig da, lässt er
39:37die Gefiederten keinen Moment aus den Augen.
39:44Sie ihn allerdings auch nicht.
40:16Schliesslich wartet die Fähe dem Tragen ihres Sprösslingsschlag.
40:18Dann macht eine Singschwan-Familie den verzögerten Start. Der Magen knurrt und die Tage sind kurz.
40:29Da gibt der Jungwolf auf. Vielleicht hat er beim nächsten Mal mehr Glück.
40:38Für heute muss das Spielchen mit einer Schwanenfeder genügen. Die Expedition ans Eisloch hat sich dennoch gelohnt.
40:46Er hat etwas dazugelernt.
40:56Zehn Monate ist er jetzt alt und der Weg zu einem geschickten und erfolgreichen Jäger noch weit.
41:19Ein Jahr wird er noch bei seinem Rudel bleiben. Dann weiß er genug, um allein loszuziehen und irgendwo ein Territorium
41:27und eine Partnerin zu finden.
41:52Das Leben am See geht weiter.
41:54Wenn die Menschen wenigstens hier, in den neuen Wildnisgebieten, die Natur ihren eigenen Weg gehen lassen, ohne einzugreifen, könnte das
42:04für alle eine neue Erfahrung und ein großer Erfolg werden.
42:13Die Natur sich selbst überlassen. Wenigstens auf minimalen zwei Prozent dieses großen, reichen Landes.
42:23Das wäre ein ganz neuer Reichtum für Deutschland und für Europa.
42:48Das wäre ein ganz neuer Reichtum für Europa.
42:57Das wäre ein ganz neuer Reichtum für Deutschland.
43:03Das wäre ein ganz neuer Reichtum für Europa.
43:08Die Natur ist ein ganz neuer Reichtum für Europa.
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