- 7 hours ago
Category
📺
TVTranscript
00:01I am 1, you are 2 and Lottie makes you in the Brust.
00:04You make you in the Nacken, I make you in the Hals and Lottie in the Brust.
00:102 times a year is on the Tapphorn in the niedersächsischen Lohne.
00:17Today, 1500 Tiere.
00:23Andersrum? Andersrum.
00:26E-Gitarre for Horst and me.
00:28And then hold the Lottie in the Brust.
00:32Die Spritze schützt vor vielen Krankheiten.
00:35Aber nicht vor der Vogelgrippe.
00:38Iris Tapphorn würde auch dagegen gerne impfen.
00:41Doch das ist in Deutschland nicht erlaubt.
00:43Sie hatte das Virus schon mal im Stall.
00:46Alle Gänse wurden gekeult, getötet.
00:49Dieses System ist einfach an eine Grenze gekommen.
00:53Dieses Tierleid der Keulung könnten wir aufhalten.
00:58Und sehr, sehr stark minimieren.
01:02Nur weil wir es aus den Medien fernhalten und es nicht mehr zeigen,
01:06das Keulen und das Leid der Familien der Tiere, ist es ja nicht weg.
01:10Ich bin gewillt, das so nicht mehr mitzutragen.
01:13Denn ich bin diejenige, die das letztendlich zahlt.
01:16Mit meinen persönlichen Nerven, mit meinem Geld, mit meiner dauerhaften Existenzangst.
01:23Die Geflügelpest ist nur eine von 16 verschiedenen Tierseuchen, die derzeit in Deutschland grassieren.
01:30So heftig wie nie.
01:34Einige wie die Vogelgrippe stecken auch Menschen an.
01:39Tun wir genug, um die Seuchen einzudämmen und uns vor Infektionen zu schützen?
01:44Oder wird die Gefahr unterschätzt?
02:04Die Vogelgrippe wütet seit Wochen in Norddeutschland.
02:08Amtsveterinärin Dr. Maren Mellmann leitet die Tierseuchenbekämpfung im Landkreis Osnabrück.
02:14Sie will heute zwei Höfe kontrollieren.
02:17Noch hat die Seuche hier keinen Betrieb erwischt.
02:22Das bedroht uns, dass wir einen Ausbruch hier auch im Landkreis Osnabrück bekommen können.
02:29Innerhalb der nächsten Zeit. Heute, morgen, nächste Woche, nächsten Monat.
02:34Also das Risiko, dass über die Wildvögel Geflügelpest in unsere Haltungsbetriebe eingeschleppt wird, ist relativ hoch.
02:41Und deswegen ist es ja so wichtig, dass wir entsprechende Biosicherheitsmaßnahmen in den Geflügelhaltungen vornehmen.
02:49Sie ist die einzige Amtstierärztin, die sich von uns begleiten lässt.
02:54Kollegen in anderen Kreisen sind wegen der Vogelgrippe zu sehr im Stress.
03:01Im Oktober ging es los. Mit dem Zug der Kraniche.
03:05Dieses Jahr reißt mit ihnen die Geflügelpest.
03:09Tausende Vögel infizieren sich, verlieren die Orientierung.
03:21Schnell greift die Seuche auf Geflügelbetriebe über. Das große Keulen beginnt.
03:28Ganze Tierbestände werden vergast.
03:35Im Landkreis Harburg trifft es einen großen Geflügelhof.
03:39Wir fahren in die Samtgemeinde Torstedt zum Sitz der Firma.
03:44Wir sind jetzt vor ihrem Hof, weil wir ja sowieso in der Gegend waren.
03:51Wäre jemand bereit, mit uns zu sprechen, von den Geschäftsführern?
03:56Ja, wir hatten eben telefoniert, ne?
03:58Ach, wir haben telefoniert.
04:00Ja.
04:00Hier sind gar keine Tiere, oder sehe ich das falsch?
04:03Das ist die Schlachterei, die Brüterei und das Verwaltungsgebäude.
04:08Jetzt haben sie aber gerade gesagt, sie kommen mit sieben, acht Tierärzten raus und würden Proben ziehen nochmal.
04:15Von den Tieren, die vielleicht am Leben gelassen werden?
04:19Ja.
04:19Was hier gestern passiert ist, Verkaufsleiter Björn Schwerk zeigt es, immer noch geschockt.
04:25Die Vogelkippe breitet sich aus, jetzt ist die Geflügelpest in einem weiteren Betrieb in Niedersachsen ausgebrochen.
04:32Laut Zuständigen im Landkreis Harburg wurden 13.000 Gänse und 26.000 Enten gekeult.
04:38Der betroffene Betrieb ist bis auf Weiteres gesperrt.
04:41Ein harter Schlag für so einen Betrieb, oder?
04:43Ja, es kommt jetzt drauf an, was die da alles entscheiden, ob es weitergeht oder nicht.
04:47Als Geflügelmensch gehst du immer in Vorkasse vor so einer Geflügelsaison.
04:52Das heißt, deine Konten sind meistens August, September in allen Dispos ausgereizt.
04:59Wäre die Grippe jetzt eine Woche später ausgebrochen, hätte man noch das St. Martin-Geschäft mitgenommen.
05:05Bedeutet das dann auch Kurzarbeit für die Angestellten?
05:08Vielleicht Kurzarbeit, aber vielleicht dann auch...
05:11Ende des Betriebs?
05:12Ende des Betriebes.
05:13Dann müsste man sich dann mit 44 noch einen neuen Job suchen, ja.
05:17War anders geplant.
05:19Okay, bitte.
05:21Ja.
05:22Vielen Dank und alles Gute.
05:24Danke.
05:24Viel Glück.
05:24Euch auch.
05:27Ob der Betrieb überlebt?
05:29Bei Ende der Dreharbeiten zumindest gibt es noch kein Insolvenzverfahren.
05:36Maren Mellmann wird heute zuerst einen Geflügelbetrieb kontrollieren.
05:40Alltag für die Amtstierärztin, für die Halter eher nicht.
05:46Ich komme unangemeldet. Ich definiere, dass ich dann jetzt eine Kontrolle machen will.
05:51Ich störe im Alltag. Wenn man morgens mit seiner Arbeit anfängt, dann hat man sich überlegt, was man den Tag
05:56arbeiten will.
05:56Und dann steht jemand zur Kontrolle da und sagt, ist egal, was du geplant hattest, wir kontrollieren jetzt.
06:03Mellmann steuert eine Überwachungszone in der Gemeinde Bohmte an.
06:07Im Nachbarkreis ist die Vogelgrippe auf einem Hof ausgebrochen.
06:11Deshalb herrscht hier Aufstallpflicht.
06:15Hühner, Enten, Gänse müssen eingesperrt werden.
06:20Naja, ich sehe schon, die Hühner sind drin.
06:23Das sieht schon mal gut aus.
06:32Dann versuchen wir unser Glück.
06:39Mein Name ist Mellmann. Ich komme vom Vitrinierdienst.
06:42Okay.
06:43Und nicht erschrecken, ich habe ein Fernsehteam dabei.
06:46Okay.
06:48Es geht darum, dass sie hier in der Überwachungszone sind und dass sie ihr Geflügel aufsteilen mussten.
06:53Und ich würde gerne einmal eine klinische Untersuchung machen, dass sie wirklich gesund sind.
06:56Ich flitze einmal rum zu meinem Mann. Der ist hinten.
06:59Wo soll ich hin?
07:00Dann halte ich wieder durch, sonst laufen wir die Hunde mit.
07:02Okay, gut. Wir ziehen uns schon mal um.
07:06Schauen wir doch mal.
07:08Stefan Holtmann ist Hobbyzüchter.
07:10Er hält Gänse, Enten und einen Stall voller Hühner.
07:15Normalerweise laufen sie frei rum.
07:17So, wie viele Hühner haben Sie?
07:19Haben Sie ein Bestandsregister, was Sie führen?
07:22Nee, leider auch nicht.
07:23Müssen Sie machen.
07:24Wir haben auch vom Verein jetzt schon so eine Kladde entwickelt.
07:27Die werde ich jetzt dann auch bei Zeiten anlegen.
07:33Jetzt. Bei Zeiten heißt unverzüglich.
07:35Am besten heute Abend im Internet mal googeln.
07:37Da gibt es fertige Bestandsregister.
07:39Vom Verein hat einer schon solche gemachte.
07:43Wunderbar.
07:43Also, dann können wir auch mal durchzählen.
07:45Sind das alle jetzt hier drin?
07:46Das sind alle.
07:47Ich würde so 30 tippen.
07:50Fünf schwarze, sechs, sieben, acht.
07:5231.
07:54Alle sehen ja gut aus.
07:56Keine Auffälligkeiten.
07:58Und deswegen sind jetzt alle Geflügelpest unverdächtig.
08:03Stallpflicht für die Hühner offenbar kein Problem.
08:06Aber für die Gänse?
08:09Die sind auch, die wollen sie nicht schlachten, ne?
08:11Nee, das sind die Zuchtgänse.
08:13Wie gesagt, eine Gante hat dann sehr zu leiden.
08:16Der kann ja auch nicht ausweichen.
08:17Der sieht man jetzt ja auch schon.
08:19Und jetzt geht's wieder in den Kampf.
08:22Gänse und Enten, die kann man eigentlich nicht aufstallen.
08:24Auch wenn man hier denkt, das ist viel Platz,
08:27ist die Individualdistanz unterschritten.
08:30Also, da gibt es dann einfach Kämpfe.
08:32Die einen wollen die anderen nicht so nah bei sich haben.
08:38Wir haben natürlich auch Pech.
08:39Wir sind hier gerade im ganzen Landkreis Osnabrück
08:41die einzigsten, die hier aufstallen müssen, ne?
08:44Wir haben Glück, wir haben noch keinen Ausbruch im Landkreis Osnabrück.
08:46Ja, das auch.
08:47Aber für Sie persönlich ist es natürlich jetzt hier wirklich Pech,
08:50dass Sie betroffen sind.
08:51Ich hoffe, dass es bald wieder vorbei ist.
08:54Aber ich glaube, das geht jedem Züchter so,
08:56der froh ist, wenn es vorbei ist.
08:59Gerade die mit Wassergeflügel, ne?
09:01Weil die schmöttgen ja dann auch im Stall.
09:04Und die Tiere werden schneller krank.
09:08Wenigstens seine Warzenenten, eine seltene Rasse,
09:11würde Stefan Holtmann davor gerne bewahren.
09:14Okay, ja, ich kann es verstehen, aber die müssen rein, ne?
09:17Ja.
09:17Sie haben die Aufstallpflicht.
09:21So, das sind alle Enten, die Sie haben.
09:23Kriegen Sie die jetzt rein oder gleich, wenn es dunkel wird?
09:27Sind das jetzt Zuchtenten? Das sind Erpel und zwei Enten, oder?
09:29Ja.
09:31Die sehen ja gesund aus, also sie sehen klinisch gesund aus.
09:35Bei den Enten ist nur auch das, was heißt Problem,
09:37aber die können auch sich infizieren und ausscheiden,
09:40ohne dass sie krank werden.
09:42Herr Holtmann sagte gerade, dass er sie rauslässt,
09:46ein paar Stunden am Tag, weil die sich sonst tatsächlich prügeln.
09:50Das sind Enten, die sind es nicht gewöhnt, dass sie eng stehen.
09:52Und nichtsdestotrotz habe ich ihn gerade belehrt,
09:54dass er sie drin lassen muss, dass ich das sehr gut nachvollziehen kann,
09:58dass das macht, aber es ist nicht gestattet in diesen 30 Tagen Aufstallpflicht.
10:03Er kommt mit einer Verwarnung davon, 55 Euro.
10:08Schwere Verstöße gegen das Aufstallgebot können mit einem Bußgeld geahndet werden,
10:13bis zu 30.000 Euro.
10:16Also es sind immer mehr Seuchen, die vermutlich, ich weiß nicht, ob es stimmt,
10:21durch die Klimaerwärmung jetzt mehr werden, weil mehr Vektoren überleben,
10:25also Insekten, die dann solche Viren übertragen.
10:28Gefühlt haben wir tatsächlich einen Anstieg, also für mich persönlich.
10:32Es ist immer mehr Krankheiten, uns bedrohen.
10:33Also wir wären nicht arbeitslos, was diese Tierseuchenbekämpfung angeht.
10:39Tierseuchen breiten sich aus, in der Welt, in Europa, in Deutschland.
10:44Sie bedrohen Wild- und Nutztiere.
10:49Es sind altbekannte und neue exotische Erreger.
10:53Von Tollwut über Milzbrand und afrikanische Schweinepest bis zum Westnil-Virus.
11:032018 gab es in Deutschland 568 Seuchenfälle.
11:102025 waren es schon rund 8600.
11:16Das entspricht einer Steigerung von mehr als 1400 Prozent.
11:23So heftig wie noch nie wütet seit dem Herbst die Vogelgrippe.
11:28Allein aus Geflügelhaltungen starben 3,7 Millionen Tiere oder wurden gekeult.
11:37Im Januar grassieren im Bundesgebiet 16 verschiedene Tierseuchen.
11:44Vielzahl und Gleichzeitigkeit der Epidemien sind laut Experten einzigartig.
11:55Mitte November in Niedersachsen im Landkreis Vechta.
12:005500 Zucht- und Mastgänse leben auf dem Hof von Iris Tabron.
12:05Noch gilt hier keine Aufstallpflicht.
12:08Doch ihre Tiere bleiben eingesperrt, um sie vor der Vogelgrippe zu schützen.
12:13Die Tiere wollen natürlich raus. Es ist ein Weidetier, das kann man ja nicht absprechen.
12:17Aber für mich ist das A und O, bevor wir über Biosicherheit reden, erstmal die Tiere dann reinzuholen.
12:24Gerade wenn es so massiv einbricht in die Bestände wie derzeit.
12:28Sie hat das schon mal mitgemacht. 2021 mussten alle ihre Gänse gekeult werden.
12:36NDR-Aufnahmen von damals, vom leeren Stall und von Iris Tabron.
12:42Morgens um sechs bin ich dann im Schlafanzug hinten in den Stall gegangen und habe die Tür aufgemacht.
12:49Und dann lagen da drei tote Tiere und es war echt eine Kathedralenstille im Stall.
12:54Alle Tiere waren ruhig und waren über Nacht schwer erkrankt an Fieber.
12:58Und das war eigentlich dann offensichtlich der erste Gedanke, den ich dann hatte, das war, ja, game over.
13:05Am schlimmsten war der Verlust der Elterntiere. Ohne sie keine Küken, keine Masttiere, keine Einnahmen.
13:13Wenn dann der Supergau eintritt, dann kann man kurz einen Ausraster bekommen.
13:18Aber dann muss man sich auch relativ schnell wieder sammeln, die Keulung über die Bühne bekommen
13:22und das so tierschutzgerecht und effektiv zu gestalten, so ruhig wie möglich für die Tiere, wie es eben geht, so
13:29schnell wie es geht.
13:31Und dann den Stock der Elterntiere wieder aufzubauen.
13:36Um das Weihnachtsgeschäft zu retten, hat Iris Tabron 800 Gänse vorzeitig geschlachtet.
13:44Hätte sie rechtzeitig impfen können, wäre das nicht nötig gewesen.
13:50Wir sind an einem Punkt, wo man sagen muss, wir müssen impfen, wir müssen etwas anders machen.
13:55Wir müssen über andere Regeln, Maßnahmen nachdenken, kreativ nachdenken und erst nachgelagert die anderen Probleme.
14:07Das sind Exportbeschränkungen, weil sich geimpfte Tiere infizieren können, ohne krank zu sein.
14:14Ich sehe die Handelshemmnisse, die da sind und ich verstehe das Leid der Menschen, die damit ihr Geld verdienen.
14:23Aber ich bin für mich zuständig und ich bin für meinen Fortbestand und für meine Existenzsicherung mit meiner Familie,
14:31mit meinen Angestellten, die auch wiederum Familien haben, dafür bin ich zuständig.
14:35Iris Tabron verkauft ihre Produkte im Inland. Doch fast 800.000 Tonnen Geflügel wurden 2025 exportiert.
14:46Vor allem von den Großen der Branche, etwa der Firma Wiesenhof, die zur PHW-Gruppe gehört.
14:53Jahresumsatz 4 Milliarden Euro.
14:56Zum Thema Impfen verweist die Firma auf den Zentralverband der Geflügelwirtschaft.
15:01Und der bremst. Die Impfung stehe dem Export im Weg.
15:10Wir sind im Friedrich-Loeffler-Institut verabredet.
15:15Hermetisch abgeriegelt und gesichert.
15:18Am Empfang erfahren wir, der Virologe, den wir sprechen wollen, hat erstmal keine Zeit.
15:24Krisensitzung wegen der Vogelgrippe.
15:27Die Risikostufe wird heute noch heraufgesetzt, von mäßig auf hoch.
15:36Auf der Ostseeinsel Riems erforschen Wissenschaftler seit mehr als 100 Jahren Tierseuchen.
15:42Die Pressesprecherin führt uns auf das Gelände.
15:46Elke Reinking ist auch Biologin.
15:50So, willkommen auf der Insel Riems am Friedrich-Loeffler-Institut.
15:56Sie sind jetzt richtig beschäftigt mit Vogelgrippe zurzeit.
15:59Ja, das ist bei mir im Prinzip das Haustier oder das Murmeltier, was täglich grüßt.
16:06Weil das Virus doch immer wieder Überraschungen für uns parat hat oder immer wieder in veränderter Form kommt.
16:16Immer mal wieder andere Vogelarten betrifft oder auch auf Säugetiere übergeht.
16:22Und von daher ist es auch was, was wir im Auge behalten.
16:28Auch die Frage, warum so viele Krankheiten gleichzeitig auftreten, beschäftigt die Forscher auf Riems.
16:34Der Virologe Martin Beer hat jetzt Zeit für uns.
16:39Wir haben einerseits die Globalisierung.
16:42Das heißt, wir haben sehr viel Handel mit anderen Ländern.
16:44Und da kann eben auch mal ein Produkt oder ein Vektor mit eingeschleppt werden.
16:51Und dann haben wir das, was wir früher als exotische Tierseuche bezeichnet haben, die wir nur aus dem Lehrbuch kennen.
16:57Die ist dann plötzlich hier.
16:59Denn wir haben nach wie vor eine hohe Viehdichte.
17:02Wir haben viele Rinder, wir haben Geflügel, wir haben Schweine.
17:05Und die sind empfänglich für diese Erkrankungen, die sich dann, weil wir sie vorher noch nicht hatten, ausbreiten können.
17:12Der heute grassierende Stamm des Vogelgrippe-Virus H5N1 tauchte in den 90er Jahren in China auf.
17:20Vermutlich über Wildvögel gelangte er in Geflügelställe.
17:24Auch Menschen infizierten sich und erkranken schwer.
17:28Es gab mehrere Todesfälle.
17:32Das Virus hat sich seit 1996 ständig weiterentwickelt.
17:36Aber es ist immer noch verwandt mit dem quasi Ur-Ur-Großvater von 1996, Guus Guangdong, ein quasi Gänsevirus aus
17:46China,
17:46das sich jetzt über die Zeit aber auch immer noch weiterentwickelt hat.
17:51Und wir haben mittlerweile mehr als 200 Varianten dieses Virus.
17:55Es mischt sich mit den nicht so krank machenden Influenzaviren der Wildvögel und probiert dann quasi immer wieder, was ist
18:05jetzt die nächste Stufe, wie kann ich mich noch besser ausbreiten.
18:09Das Landschaftsschutzgebiet Bremer Blockland. Lebensraum zahlreicher Wildvögel, auch bedrohte Arten.
18:18Markus Henke ist Präsident der Landesjägerschaft Bremen und die Wiesenlandschaft sein Revier.
18:24Wenn man hier aus dem Fenster guckt und da hinten aufs Feld, da sehen Sie also Gänse, Wildgänse sitzen.
18:30Das sind in diesem Fall Bläßgänse und diese Bläßgänse, die kommen aus Sibirien.
18:34Die sind in der Regel alle gegen das Vogelgrippevirus relativ immun.
18:39Die kommen dann mit diesem Jahr genauso gut klar wie in den anderen Jahren auch.
18:43Betroffen ist in diesem Jahr massiv der Kranich als native Art, die mit diesem Virus vorher quasi nicht in Kontakt
18:51gekommen ist.
18:54Wenn Markus Henke hier in den Wiesen kranke Kraniche entdeckt, darf er sie schießen.
18:59Eine Ausnahmeregelung, die Bremen als erstes eingeführt hat. Denn Kraniche sind geschützt.
19:05Diese Szene, die wir jetzt sehen, das ist die typische Situation eines erkrankten Tieres.
19:11Der Kranich ist nicht mehr in der Lage, in irgendeiner Form sich zu koordinieren.
19:16Alle Bewegungen sind völlig ungesteuert, ist total durcheinander.
19:21Und das ist die Situation kurz vorm Verenden.
19:26In diesem Fall der Erkrankung können wir als Jäger jetzt eben diese Tiere von dem Leiden erlösen.
19:41Henke sucht sein Revier regelmäßig nach toten oder geschwächten Kranichen ab.
19:47Er will auch verhindern, dass sie zur Beute von Aasfressern werden.
19:53Das sind also Tiere wie Fuchs oder die invasiven Arten, die wir hier haben, Marderhund, Waschbär, die natürlich auch Aasfressern.
20:02Es gibt die Möglichkeit, dass sich das Virus aufs Raubwild überträgt.
20:06Und da fängt man natürlich an nervös zu werden, weil das der nächste Schritt ist zur Übertragung auf weitere Säugetiere
20:12und vielleicht schließlich irgendwann mal auf den Menschen.
20:26Die Erreger stammen ursprünglich von Wildtieren. Sie befallen Zucht und Haustiere.
20:34Den Übersprung auf den Menschen nennt man Spillover.
20:41Es gibt verschiedene Übertragungswege.
20:44Ansteckung über hohe Nahrungsmittel.
20:47Durch direkten Kontakt.
20:49Oder durch Überträgertiere.
20:53Sogenannte Vektoren wie Mücken oder Zecken, die den Erreger weitergeben.
21:01Etwa 60 Prozent aller Infektionskrankheiten bei Menschen sind Zoonosen.
21:10Tuberkulose hat ihren Ursprung im Rind.
21:14Tollwut kommt von Hunden oder Füchsen.
21:19Ebola wird durch Fledermäuse und Flughunde übertragen.
21:24Mehr als 200 verschiedene Zoonosen sind derzeit bekannt.
21:30Schaffen es Erreger von Mensch zu Mensch überzuspringen, etwa durch die Atemluft, droht eine Pandemie.
21:37Eine weltweite Seuche wie jüngst Corona oder früher die spanische Grippe.
21:44Vogelgrippe, ein Influenza-Virus, hat diesen Sprung bisher nicht geschafft.
21:50Aber wir zerstören immer mehr Wildnis. Die Erreger rücken näher.
21:57Also wir sind zum Glück mit einer angeborenen Immunität gegen Influenza-Viren ausgestattet.
22:03Und alle pandemischen Viren müssen die überwinden.
22:07Das ist eine enorme Hürde zum Glück.
22:09Was bei Influenza-Viren immer der kritische Punkt ist, Influenza-Viren können sich genetisch drastisch verändern durch eine Vermischung mit
22:19anderen Influenza-Viren.
22:20Das ist ein Zahlenspiel.
22:22Je häufiger das vorkommt, umso eher hat das Virus die Chance, auch mal auf einen saisonal Grippe-Infizierten zu treffen
22:29und sich zu mischen.
22:31Die Hamburger Virologin Gülscha-Gabriel warnt davor, dieses Risiko zu unterschätzen.
22:37Bei Influenza-Veränderungen ändern sich auch die Routen der Vögel.
22:40Ich glaube, man muss die Situation sehr differenziert sehen.
22:43Zum einen darf man eben nicht vergessen, dass die meisten Pandemien in der Vergangenheit durch Influenza-Viren ausgelöst wurden.
22:49Und H5N1 ist ein Influenza-Virus.
22:52Der zweite Faktor, der hier dazu kommt und mit bedacht werden muss, ist, dass wir jetzt ein ganz neues H5N1
23:00-Virus haben, das bereits pandemisch in Wildvögeln ist und jetzt schon eine Breite von Wildtieren, unter anderem Säugetieren, infiziert hat.
23:08Und wenn Säugetiere infiziert werden, dann wird auch die Grenze zum Menschen, also die Artengrenze für den Sprung von Tieren
23:14auf den Menschen auch immer geringer.
23:17Besonders nah ist dem Menschen das Schwein.
23:20Es ist anfällig für Vogelgrippe und für menschliche Grippeviren.
23:26Wenn beide Erreger zusammenkommen, kann sich ihr Erbgut mischen.
23:30Es könnten Viren entstehen, die von Mensch zu Mensch übertragbar sind.
23:40Ein Schweinemastbetrieb im Osnabrücker Land.
23:43Abgeriegelt, wie es die Schweinehaltungshygieneverordnung vorsieht.
23:48Amtsveterinärin Maren Mellmann will hier gleich eine Seuchenschutzkontrolle durchführen.
23:53Die ganzen Funktionsbereiche, die zur Schweinehaltung gehören, die müssen isoliert werden, sodass wir auch nicht einfach jetzt mal eben, was
24:01weiß ich, dahin laufen können und durchs Fenster gucken können.
24:05Stefan John ist Geschäftsführer des Familienbetriebs.
24:10So, erst mal entschuldigen, dass es ein bisschen dauert.
24:13So, ich möchte eine Kontrolle nach der Schweinehaltungshygieneverordnung durchführen und einmal schauen.
24:19Ich habe ja schon gesehen, wie es zumindest außen schon mal hier aussieht, hier vorne.
24:24Aber dass wir auch einmal dann in den Stall gehen und das als Schwerpunkt heute haben.
24:29Können wir gerne so tun.
24:30Wo ist denn Ihre Umkleide?
24:35Schweinemäster müssen Schutzkleidung bereitstellen, für jeden, der den Stall betritt.
24:41So, Männerhaushalt sehe ich hier, ne?
24:44Das, ja, ich bin hier so Einzelkämpfer.
24:46Ich muss diesen Sommer so viel liegen geblieben.
24:48Vielleicht hätte ich mich in den letzten drei Tagen mehr Zeit genommen, wenn ich nicht mit Grippe im Bett gelegen
24:52hätte.
24:52Auch das noch? Ah je, aber hier einmal putzen? Da müssen Sie auch mal gucken, dass Sie einmal rankriegen, ne?
24:56Ja.
24:59Erst umziehen, dann einmal quer über den Hof zu den Ställen. Auch das gefällt der Veterinärin ganz und gar nicht.
25:07Mein Wunsch wäre tatsächlich, dass Sie am besten hier einen kleinen Raum haben.
25:11Und dann ist hier Umkleidung und hier Einschleusen in den Stall.
25:15Ja, so könnte man.
25:16Für Sie auch.
25:17Ja.
25:18Ich weiß nicht, ein paar Abteile einfach reinstechen.
25:20Ja, genau.
25:24Rund 2700 Schweine mästet Stefan John auf seinem Hof.
25:28In konventioneller Haltung, wie in den meisten Betrieben üblich.
25:35Maren Mellmann kontrolliert die Hygiene in den Schweinebuchten.
25:38Damit ist sie zufrieden.
25:40Also im Stall ist bei Ihnen immer oberste Prio für Sauberkeit, aber hier draußen auf dem Flur?
25:44Wo Spinnen sind es gut genug.
25:48Trotzdem könnten Sie hier auch mal den Besen langführen.
25:51Hier vorne die Fliegen, ne?
25:53Also nach dem Sommer darf man einmal die Fensterbank abflegen.
25:56Ja, ich weiß, aber mir rennt die Zeit so ein bisschen weg.
25:59Die Hygieneverordnung dient vor allem zum Schutz vor afrikanischer Schweinepest.
26:04Niedersachsen war 2022 betroffen.
26:08Zum Beispiel in Emsland hatten wir ja afrikanische Schweinepest, einen Einbruch in einem Haltungsbetrieb.
26:11Und das merkt man dann sofort.
26:14Dann bricht der Markt zusammen und dann will sofort keiner die Schweine haben.
26:18Der Chinese hat's in den Ställen, der will dann das Schweine nicht mehr haben.
26:21Das ist alles eine reine Geldsache.
26:23Und hier bricht der Markt zusammen und dann guckt man als Landwirt eigentlich immer eine Röhre.
26:28Die Stallkontrolle abgehakt.
26:30Maren Mellmann stört allerdings, dass sich auf dem Hof zu viele Wege kreuzen.
26:35Von Futterlieferanten, Viehtransporteuren und anderen von außerhalb.
26:40Sie haben das schon super im Griff.
26:42Keine Frage, es läuft schon richtig gut.
26:44Sie haben sich richtig viel Gedanken gemacht und wir können es jetzt noch mal optimieren.
26:49Und die letzten kreuzenden Wege und den Tierarzt, der natürlich immer ein Hochrisiko ist.
26:52In einer epidemiologischen Ermittlung gehört der Tierarzt immer dazu, da wird immer erfragt, wie war Ihre Tour an diesem Tag.
26:58Sie waren morgens um acht in dem Schweinepestbetrieb und dann wird geguckt, ob der Tierarzt es reingeschleppt hat.
27:03Ja, der kann aber auch was in der Haare haben, wenn er sich nicht eingeduscht hat.
27:07Ja, richtig. Deswegen können Sie ihm bitte dann auch noch eine Mütze hier, betriebseigene Mütze zur Verfügung stellen.
27:13Dann haben wir da auch schon mal mehr Sicherheit.
27:14Also Mützen habe ich da.
27:16Die mag keiner anziehen, wenn ich mir Ihre Umkleide so angucke.
27:18Nee, die sind sauber.
27:21Nein, man kann da auch einen Weg OP-Hauben nehmen.
27:25Ja.
27:27Mastbetriebe wie dieser werden etwa alle zehn Jahre kontrolliert, sagt Maren Mellmann.
27:31Nur wer negativ auffällt, ist häufiger dran.
27:36Das heißt ja immer so schön, im Katastrophenschutz, man will vor die Lage kommen.
27:41Das ist bei uns genauso.
27:42Je eher man eine Seuche feststellt.
27:43Wenn man das erste Wildschwein findet, was sich infiziert hat.
27:49Und man kann das natürlich dann töten.
27:52Dann sind wir vor der Lage und müssen nichts befürchten.
27:55Aber wenn das schon seit Monaten unentdeckt in der Population ist,
27:59dann haben wir wirklich schwere Karten, das dann in den Griff zu kriegen.
28:05Deshalb wappnen sich Landkreise mit Suchhunden gegen die afrikanische Schweinepest.
28:10Jagdhündin Ada muss gleich beweisen, was sie kann.
28:14Im Kreis Ludwigslust-Parchim werden heute vier Tiere geprüft.
28:18Sind sie für die Kadaversuche geeignet?
28:21Gut, dann machen wir noch mal ein Wort zur Sicherheit.
28:25Ihr wisst alle, wir sind jetzt unterwegs bewaffnet.
28:28Ihr habt eure Flinte dabei.
28:29Ihr werdet gleich aufgefordert, zwei Schüsse abzugeben.
28:32Ich bitte euch, im Jagdlichen Anschlag zu schießen.
28:35Das heißt nicht aus der Hüfte, sondern wirklich aus der Schulter in die Luft.
28:40Und auf Anweisung durch uns Richter, bitte.
28:44Anja Blank, Geschäftsführerin des Landesjagdverbands, ist eine der Richterinnen.
28:51Zuerst wird die Schussfestigkeit der Hunde geprüft.
28:54Sie dürfen sich nicht irritieren lassen, wenn es knallt.
29:00Das war gut. Der Hund hat also jetzt keinerlei Nachteile gezeigt.
29:03Der war motiviert, der wollte weitersuchen, der war erfreut, dass er jetzt laufen darf.
29:07Also so wollen wir uns das, so stellen wir uns das vor.
29:11Seit 2020 verbreitet sich in Deutschland die ASP, die Afrikanische Schweinepest.
29:17Auch hier im Landkreis waren schon Wildschweine infiziert.
29:21Seitdem setzt Kreisveterinär Dr. Olaf Henschel Hunde zur Kadaversuche ein.
29:26Das ist jetzt Bandit, ja? Das ist Bandit, genau.
29:29Es muss immer damit gerechnet werden, dass irgendwo wieder ein ASP-Eintrag erfolgen kann.
29:34Und um darauf vorbereitet zu sein, brauchen wir eben auch entsprechend ausgebildete Hunde.
29:38Und deswegen begleiten wir das hier auch als Kreis.
29:42Also wir haben jetzt hier vier Hunde gesehen, die alle in der Schussfestigkeit überzeugt haben.
29:46Wir haben keinerlei Wesensschwäche gesehen, feststellen können.
29:49Damit ist die Schussfestigkeit, die Teilprüfung auch hiermit bestanden.
29:53Wir setzen jetzt um ins Revier. Auf geht's!
29:56Im Wald wurden Fellstücke von Wildschweinen ausgelegt.
29:59Der Hund muss zwei von dreien finden und den Fund anzeigen.
30:04So wird im Ernstfall Hektar für Hektar nach toten oder erkrankten Tieren durchsucht.
30:10Beginn Suche 10 Uhr.
30:14Die Jägerin und ihr Hund haben jetzt 20 Minuten Zeit.
30:18Gute.
30:20Bist du hinterher, ne?
30:21Ja, wir gehen hinterher.
30:24Hier im Kreis läuft die Kadaversuche ehrenamtlich.
30:27Es gibt aber eine Aufwandsentschädigung.
30:30Ich finde das immer großartig, dass wir einen Veterinär dabei haben.
30:33Weil der muss den ganzen Spaß nachher im Einsatz im Zweifel bezahlen.
30:35Und der muss jetzt natürlich dann sagen, für diesen Hund gebe ich 600 Euro aus oder 500 oder was auch
30:40immer.
30:41Oder eben nicht.
30:44Mensch und Hund werden als Gespann beurteilt.
30:49Die ist ja auch etwas planlos in der Art der Suppe in dieser Fläche, ne?
30:57Da hat er wieder was gefunden.
30:58Jetzt schauen wir mal, ob alleine wieder hingeht.
31:02Die Wundeführerin muss sich ja versichern, dass es dahin geht.
31:08Macht sie nicht.
31:09Das ist eine Leistung, die wir sie so im Feld nicht gebrauchen können.
31:12Gut.
31:13Wenn das so ist, ja.
31:17Seuchenvorsorge ist aufwändig.
31:19Auch mit Drohnen wird gesucht.
31:22Zudem sollen Zäune infizierte Tiere abhalten.
31:27Jagdhündin Ada ist kaum zu bremsen.
31:29Sie ist erst anderthalb und als Nächste mit der Prüfung dran.
31:37Monatelang hat Christoph Willert mit ihr trainiert.
31:43Der Revierförster hat mehrere Kadaversuchhunde.
31:47Der Hund ist geschützt.
31:48Der Hund ist geschützt.
31:50Der hat hier eine Kevlarweste,
31:52hat hier verschiedene Stichschutzlagen drin.
31:54Es hat eine Signalfarbe.
31:57Dadurch ist der Hund immer gut zu sehen.
31:59Das ist am Ende so, dass wir kranke Wildschweine auffinden können
32:02während der Kadaversuche.
32:04Und kranke Wildschweine sind immer gefährlich.
32:06Mindestens eine Langwaffe und auch ein langes Messer
32:08haben die Hundeführer dabei.
32:10Und es ist besser, wenn diese Hundeführer auch routiniert
32:14mit jagdlichen Situationen umgehen können.
32:19Gleich darf die Hündin zeigen, was sie gelernt hat.
32:24So, Ada beginnt.
32:25Ja, kannst starten.
32:2725, ne?
32:30Ein GPS-Halsband zeichnet die Strecke auf, die der Hund abläuft.
32:34Damit am Ende kein Bereich übersehen wird.
32:39Ich denke, der Hund hat einen Pfund.
32:41Gucken wir mal.
32:42Gut, Christoph, kannst auflösen.
32:45Für Menschen ist die afrikanische Schweinepest nicht ansteckend.
32:49Im Vordergrund steht der Schutz der Wirtschaft.
32:52Die Seuche soll keine Schweinemastbetriebe treffen.
32:58Ada findet zuverlässig auch das zweite Feldstück.
33:03Dann haben wir das, ne?
33:05Zeit ist eingehalten.
33:06Sehr gut.
33:07Nein, das war gut.
33:08Einverstanden, Iris?
33:09Irgendwas?
33:09Alle drei?
33:10Gut.
33:11Christoph, komm mal zu uns.
33:13Wir haben hier einen sehr motivierten Hund gesehen.
33:14Beim ersten Mal, glaube ich, war er auch noch etwas übermotiviert vielleicht.
33:17Du hast es erkannt.
33:18Du bist noch mal zurück, hast die Fläche sauber abgesucht,
33:20sodass man sicher sein kann, dass jetzt hier kein weiter Recker dabei mehr ist
33:22und das Anzeigeverhalten war, so wie wir uns das vorstellen.
33:25Wir können nur gratulieren.
33:27ASP-Prüfung bestanden.
33:29Danke.
33:29Mehr als 26 Millionen Euro gab Mecklenburg-Vorpommern
33:35allein bis 2023 für die ASP-Abwehr aus.
33:40Und auch die Vogelgrippe kostet.
33:43Seit die Seuche 2006 Deutschland erreichte,
33:47hat die Tierseuchenkasse Niedersachsen
33:48Geflügelhalter mit mehr als 93 Millionen Euro entschädigt.
33:53Die Hälfte davon trug das Land.
34:02Im November hat es einen großen Legehennenbetrieb in der Grafschaft Bentheim erwischt.
34:07Mit neun Ställen und rund 360.000 Hühnern.
34:12So schnell wie möglich soll gekeult werden.
34:15Getötet werden die Tiere mit Gas.
34:19Weil das mittlerweile knapp ist, wurden Tankzüge mit CO2 aus den Niederlanden geordert.
34:27Das Gelände ist abgeriegelt.
34:29Wie die Legehennen sterben, bleibt verborgen.
34:35Der Kreisveterinär entscheidet, wie viele Tiere jetzt getötet werden müssen.
34:43Der Betrieb ist jetzt so, dass wir einen Teil der Tiere, so ist unsere Vorgehensweise in diesem Fall,
34:52einen Teil der Tiere töten, noch nicht alle Tiere.
34:56Erst einmal, weil es hier neun Stallungen gibt.
34:59Und das Management und die Hygiene ist hier relativ stark ausgeprägt,
35:04sodass der Betreiber uns darlegen konnte, dass eigentlich sechs Stallungen von anderen Mitarbeitern
35:08und so weiter eigene Hygieneschleusen bearbeitet oder bestückt wurden,
35:13sodass wir hier ne große Chance sehen, anders als das ja sonst immer sein muss,
35:19hier tatsächlich 240.000 Hühner am Leben zu lassen.
35:25120.000 müssen sterben.
35:29Noch sind in Deutschland hauptsächlich Wildvögel und Geflügelbetriebe von der Seuche betroffen.
35:35Weltweit sieht es anders aus.
35:40Das Virus ist jetzt nicht mehr nur in Vögeln, wo es eine Erkrankung auslösen kann,
35:44sondern das Virus kann auch jetzt eine Breite von Säugetieren infizieren.
35:48Und das ist ein Novum und wir wissen natürlich nicht,
35:50was das für die gesamte Ökologie von Influenzaviren bedeuten könnte
35:54und wie sie möglicherweise als Zwischenwirte für das Entstehen von neuen Epidemien oder gar Pandemien,
36:00welche Rolle sie da einnehmen könnten.
36:03Dramatisch ist die Entwicklung in den USA.
36:07Seit 2022 gab es in allen Bundesstaaten verheerende Ausbruchswellen in Geflügelbetrieben.
36:15Die Seuche traf 1952 Bestände.
36:21Neben Wildvögeln infizierten sich Legehennen, Masthähnchen, Truthähne, Enten und Gänse.
36:29Insgesamt starben rund 185 Millionen Tiere oder wurden getötet.
36:392024 sprang die Vogelgrippe auch auf Milchkühe über, auf mehr als 1.000 Rinderfarmen.
36:48Seit 2024 steckten sich in den USA mindestens 71 Menschen an, zwei von ihnen starben.
37:01Laut US-Behörden gab es keine Übertragung von Mensch zu Mensch.
37:06Drei Krankheitsfälle seien nicht geklärt.
37:11Der Arzt und Epidemiologe Tom Frieden war unter Präsident Obama Direktor der US-Seuchenschutzbehörde CDC.
37:20Davor Gesundheitskommissar von New York.
37:30Das Wichtigste, was man verstehen muss, Influenza ist unvorhersehbar.
37:35Wir können nur vorhersagen, dass wir nicht wissen, was passiert.
37:40Aber wenn wir uns nicht vorbereiten, könnte es wirklich schlimm werden.
37:44Eine neue Influenza-Pandemie wird kommen.
37:47Und wenn wir uns nicht besser vorbereiten, wird sie schlimmer sein als Covid.
37:56Und wie groß schätzt er die Gefahr ein, dass sich ein neues Virus von Mensch zu Mensch überträgt und eine
38:01Pandemie verursacht?
38:07Momentan gehen die Virologen davon aus, dass mehr als eine Mutation nötig ist,
38:12damit das Vogelgrippe-Virus den Übersprung von Mensch zu Mensch schafft.
38:16Aber wir sind immer wieder überrascht worden.
38:21Wenn wir uns nicht vorbereiten, tun wir nicht genug, um unsere Kinder, unsere Familien, unsere Wirtschaft zu schützen.
38:32Seit 2022 dokumentiert die US-Seuchenschutzbehörde auch Infektionen bei Säugetieren.
38:39Rund 50 verschiedene Arten sind befallen.
38:42Das Virus hat sich bis in die Antarktis ausgebreitet.
38:47Das Ansteckungsrisiko für Menschen steigt.
38:51Trotzdem hat die Trump-Regierung tausende Mitarbeiter im Gesundheitsbereich entlassen.
38:56Auch in der Seuchenschutzbehörde.
39:01Niemals zuvor wurde die Hälfte der CDC-Behörden geschlossen.
39:05Niemals zuvor wurde ein Viertel der Angestellten gefeuert oder gezwungen zu kündigen.
39:10Niemals zuvor sind die meisten Führungskräfte gegangen, weil sie entlassen wurden oder nicht länger unwissenschaftliche Dinge vertreten wollten.
39:18Wir befinden uns in unbekanntem und gefährlichem Fahrwasser.
39:25Gilt das auch für uns?
39:28Im Januar wurde in Europa die erste infizierte Milchkuh entdeckt, in den Niederlanden.
39:35Wären wir besser geschützt, wenn in Deutschlands Geflügel geimpft würde?
39:39Was sagt die Forschung?
39:41Es ist immer dann eine Option, wenn ich es mit anderen Maßnahmen nicht mehr unter Kontrolle bekomme.
39:47Deswegen ja, eine wichtige Option.
39:49Nur ein Baustein, trotzdem immer Biosicherheit, immer eine Abklärung diagnostisch schon der ersten Todesfälle.
39:58Und die Impfung als zusätzliche Maßnahme im Hintergrund, falls es tatsächlich noch schlimmer wird.
40:05In direkter Nähe der Forschungsinsel Riems entwickelt der Pharmakonzern CEWA Medikamente für Nutztiere.
40:13Die Firma produziert auch einen Impfstoff gegen Vogelgrippe.
40:18Damit werden in Frankreich Enten geimpft.
40:22Das ist letztendlich möglich, seit die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten 2022 freigestellt hat,
40:31ob Impfstoffe zum Einsatz kommen. Die Zahlen an Ausbrüchen gehen deutlich zurück.
40:36Das hat das Beispiel in Frankreich gezeigt.
40:39Das heißt, letztendlich kann man die Impfung schon als erfolgreich betrachten.
40:43Die meisten Handelsbeschränkungen für französische Entenspezialitäten wurden nach Verhandlungen wieder aufgehoben.
40:56Im Februar besuchen wir noch einmal den Gänsehof Tapphorn.
40:59Gestern wurden hier die ersten Tiere gegen Salmonellen, Kolibakterien und andere Keime geimpft.
41:07Aber eben nicht gegen die Vogelgrippe.
41:13Iris Tapphorn schaut nach, wie die Gänse die Behandlung vertragen haben.
41:20Guten Morgen.
41:21Ja, das sieht ja gar nicht schlecht aus, Mädels.
41:23Was mich glücklich macht, wir haben leeren Trug.
41:26Das heißt, obwohl wir sie gestern geimpft haben, haben sie noch gefressen.
41:29Es ist ein bisschen wie mit Kleinkindern, die geimpft werden.
41:32Da ist es dann ja auch die ersten ein, zwei Tage bisschen nölig, bisschen mehr Liebe, bisschen was Leckeres, Soulfoodiges.
41:39Und so ist es hier dann auch. Dementsprechend bin ich erleichtert.
41:42Ich habe heute Nacht ein bisschen schlecht geschlafen, aber jetzt bin ich zufrieden.
41:46Mittlerweile herrscht auch hier Stallpflicht.
41:51Gleich werden noch einmal 1500 Tiere geimpft.
41:56Heute dürfen die Gänse ins Freie. Dafür gibt es eine Ausnahmegenehmigung.
42:03Sascha, holt ihr welche und wenige? Können wir anfangen.
42:09Seit mehr als drei Monaten sind die Ganter und Gänse jetzt schon eingesperrt.
42:14Iris Tapphorn leidet mit.
42:20Es sind ja halt Teamkollegen.
42:22Dementsprechend finde ich, muss man auch immer ein bisschen aufpassen, dass es für sie nicht zu stressig ist.
42:28Dass es im Ernstfall ein paar Minuten länger in der Arbeit dauert, aber dafür dann auch so stressfrei wie möglich.
42:36Aber natürlich ist es eine Stresssituation, gegriffen zu werden für die Tiere.
42:40Aber das kann ich ihnen leider nicht ersparen.
42:42Ich kann mir dann nur noch Gedanken machen, wie ich es am besten gestalte.
42:47Iris Tapphorn versucht schon lange, die Verbände der Geflügelwirtschaft von der Vogelgrippeimpfung zu überzeugen.
42:55Auf politischer Ebene bewegt sich etwas.
42:58Die Länder Niedersachsen und Sachsen wollen neue Wege in der Tierseuchenbekämpfung gehen und prüfen, ein Impfpilotprojekt zu starten.
43:06Wann es kommt, ist aber noch fraglich.
43:09Ich bin gewillt, das so nicht mehr mitzutragen, denn ich bin diejenige, die das letztendlich zahlt.
43:16Mit meinen persönlichen Nerven, mit meinem Geld, mit meiner dauerhaften Existenzangst.
43:22Und ich möchte nicht in meinem Recht als Kleinstier hinter den Großen, die Multimillionen-Konzerne sind, zurückstehen.
43:29Ich glaube, da hat der Staat das falsche Maß angelegt.
43:34Tierseuchen sind bedrohlich. Für Wild- und Nutztiere. Für die Landwirtschaft. Und die Vogelgrippe auch für uns Menschen.
43:42Die bisherigen Abwehrmaßnahmen haben die Ausbreitung nicht aufgehalten.
43:47Impfen würde Ausbrüche reduzieren und dadurch auch das Risiko, dass sich Menschen infizieren und irgendwann gegenseitig anstecken.
43:56Diese Erkenntnis breitet sich nur langsam aus.
44:02Untertitelung des ZDF für funk, 2017
Comments