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  • vor 6 Monaten
Künstliche Befruchtung – das ist schon lange möglich, doch auch heute noch sind etliche Aspekte umstritten, auch in Europa. Nicht zuletzt die Frage, ob die Zahl der Samenspenden begrenzt werden sollte.

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Transkript
00:05Hanna ist Single-Mutter aus Überzeugung. Ihr Sohn wurde durch eine Samenspende gezeugt.
00:11Ich bin irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass es mir wichtiger ist, ein Kind zu haben, als ein Lebenspartner.
00:18Auch Leontine kam durch eine Samenspende zur Welt und war schockiert, als sie herauswand, wie viele Halbgeschwister sie hat.
00:25Als Spenderkind ist es das Schwierigste, dass viele denken, ich sollte einfach nur dankbar sein, dass es mich gibt.
00:32Und Michel hat jahrelang sein Sperma gespendet. Eine Entscheidung, die ihn mit Dutzenden Kindern verbindet, die er wohl nie kennenlernen
00:38wird.
00:39Ich würde sie alle gerne einmal sehen, aber ich weiß, dass das nicht passieren wird. Die Chance ist sehr klein.
00:46Drei Leben, eine folgenreiche Entscheidung. Samenspende.
01:11Hanna lebt ihren absoluten Traum.
01:14Vor einem Jahr bekam sie ihren Sohn, Arvid.
01:18Die Schwedin hat schon immer gewusst, dass sie Mutter werden will.
01:22Doch was sie von anderen unterscheidet, sie wurde es allein, ohne Partner.
01:36Momente wie dieser, wenn er schläft oder herumläuft.
01:40Und man sieht die Freude in seinem Gesicht.
01:42Das ist einfach pure Liebe.
01:44Mein Herz geht auf, wenn ich ihn sehe.
01:47Selbst wenn man andere Menschen liebt, ist es nicht das Gleiche.
01:55Jahrelang hat Hanna nach einem Partner gesucht.
01:58Dann entschied sie sich für eine Samenspende, staatlich gefördert.
02:02Beim fünften Versuch klappte es.
02:07Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir wichtiger ist, ein Kind zu haben, als einen Lebenspartner.
02:15Natürlich wünsche ich mir einen Partner, aber das sehe ich als Bonus.
02:20Ein Kind zu haben, das fühlte sich für mich extrem wichtig an.
02:23Ein Leben ohne Kind hätte sich für mich leer angefühlt.
02:29Alleine eine Familie zu gründen, bedeutet aber auch, alleine die volle Verantwortung zu tragen.
02:35Neben all der Freude gab es auch schwierige Momente.
02:38Mit vier Monaten musste Avid plötzlich ins Krankenhaus.
02:50In solchen Momenten, wenn etwas Schlimmes passiert, dann ist es schwer, allein zu sein, weil niemand anderes da ist.
02:58Auch wenn ich ein tolles Netzwerk an Menschen um mich habe, man ist immer ein bisschen allein.
03:06Seit 2016 dürfen alleinstehende Frauen in Schweden legal Mutter werden.
03:11Schweden war eines der ersten Länder, die das Gesetz für Single-Mütter umgesetzt hat.
03:16Inzwischen ist es in den meisten europäischen Staaten erlaubt.
03:20Vor allem in zentral- und osteuropäischen Ländern ist es weiterhin illegal.
03:24Etwa in Österreich, Tschechien, Italien, Litauen, Polen und der Slowakei.
03:30In dieser Samenspendebank in Schweden bekommen Paare und alleinstehende Frauen Samenspenden.
03:35In flüssigem Stickstoff gelagert wird jede Probe sorgfältig aufbewahrt.
03:40Laborleiterin Eisling-Alström erklärt, dass es nicht leicht ist, Spender zu werden.
03:45Nur etwa fünf bis sieben Prozent der Männer werden zugelassen.
03:52Viele haben hier eine gute Spermienqualität.
03:55Aber um hier drinnen zu landen, müssen sie zahlreiche Tests und Screenings durchlaufen.
04:00So stellen wir sicher, dass wir nicht einfach jede beliebige Probe annehmen.
04:06Potenzielle Spender werden im ganzen Land nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch geprüft.
04:11Schweden will sicherstellen, dass sie gut überlegt und verantwortungsbewusst spenden.
04:16Seit 1985 sind anonyme Samenspenden verboten.
04:21Jedes Kind kann also später Kontakt mit dem Spender aufnehmen.
04:26Anfangs dachte man, dadurch würden weniger Männer spenden.
04:29Aber das war nicht der Fall.
04:31Viele sehen es als altruistischen Beitrag.
04:34Sie sind überzeugt, dass sie etwas Gutes tun, für die Gesellschaft und für andere Menschen.
04:48Leontine wurde in den 90er Jahren durch eine Samenspende gezeugt.
04:52Sie weiß, wie es sich anfühlt, die eigenen Wurzeln nicht genau zu kennen.
04:57Damals durften alleinstehende Frauen in Schweden keine Samenspende bekommen.
05:00Ihre Mutter reiste deshalb nach Dänemark und nutzte dort einen anonymen Spender.
05:05Für Leontine war er jedoch immer mehr als das.
05:10Ich habe ihn immer meinen biologischen Vater genannt.
05:13Oder einfach Papa.
05:15Es war mir wichtig, ihn als Menschen zu sehen und nicht nur als Spender.
05:19Er ist Teil meiner Herkunft.
05:23Aber ich war kein Teil dieser Vereinbarung.
05:26Ich habe keine Spende bekommen.
05:28Meine Mutter hat das.
05:34Als Kind stellte Leontine sich wenige Fragen.
05:37Doch je älter sie wurde, desto mehr wollte sie über ihre Herkunft wissen.
05:41Sie wandte sich deshalb an eine Online-DNA-Datenbank und machte eine Entdeckung.
05:51Ich wusste immer, dass ich Geschwister habe.
05:54Aber sie waren wie Schatten.
05:56Ohne Gesichter.
05:58Ohne Namen.
06:00Es war schockierend, aber auch schön zu sehen, dass sie existieren.
06:10Zuerst fand sie sieben Halbgeschwister, dann wurden es immer mehr.
06:14Heute hat sie 27 identifiziert, über ganz Europa verteilt.
06:18Mehr als die Samenbank in Dänemark je angegeben hatte.
06:22Und es könnten noch mehr sein.
06:26Wir teilen etwas sehr Persönliches.
06:30Aber wir sind trotzdem Fremde.
06:32Und sie können jederzeit auf dieser DNA-Seite auftauchen.
06:36Wir haben keine Kontrolle darüber.
06:39Viele wissen vielleicht gar nicht, dass sie durch eine Spende gezeugt wurden.
06:44Dann erfahren sie es über die Website.
06:46Und es ist kein Spaß, Teil dieser negativen Überraschung zu sein.
06:52Die Begrenzung der Kinderzahl pro Spender wird europaweit kontrovers diskutiert.
06:57Die Regeln unterscheiden sich stark.
06:59Acht Länder, angeführt von Schweden, fordern EU-weite Vorgaben.
07:03Deutschland beteiligt sich nicht.
07:05Hier gibt es keine gesetzliche Obergrenze.
07:08Kritiker warnen, strengere Gesetze könnten den Zugang zu Fruchtbarkeitsbehandlungen weiter erschweren.
07:13Besonders in einem Europa mit sinkenden Geburtenzahlen.
07:19Spender wie Michel wollen helfen.
07:21Wir treffen ihn in den Niederlanden.
07:23Er entschied sich zur Samenspende, als er von Freunden hörte, die keine Kinder bekommen konnten.
07:28Michel wuchs selbst mit vielen Geschwistern auf.
07:35Der Grund war, dass ich gesehen habe, wie sehr es Menschen trifft, wenn sie keine eigenen Kinder bekommen können.
07:41Ich wusste, dass es medizinische Möglichkeiten gibt.
07:44Vielleicht konnte ich meinen Freunden nicht helfen, aber anderen in ähnlichen Situationen.
07:54Jahrelang spendete Michel regelmäßig und offen.
07:58Jedes Spenderkind könnte ihn theoretisch kontaktieren.
08:01Keines tat es.
08:02Schließlich meldete er sich selbst bei einer DNA-Datenbank an und fand heraus, er hat 21 Kinder gezeugt.
08:11Drei von ihnen habe ich getroffen aus drei verschiedenen Familien.
08:15Sie sind alle sehr unterschiedlich.
08:17Aber es ist interessant, weil man in jedem Kind einen Teil von sich erkennt.
08:21Man sieht natürlich, dass es meine Kinder sind.
08:28Doch die Zufriedenheit, geholfen zu haben, verflog, als Michel von den vielen Skandalen rund um das Thema Samenspende hörte.
08:36Etwa von Kindern, denen nie gesagt wurde, dass sie durch eine Spende gezeugt wurden.
08:40Wenn man mich fragt, ob ich es wieder tun würde, dann würde ich sagen, ja, aber anders.
08:49Ihr könnt mein Sperma haben, aber nur unter einer Bedingung.
08:53Dass ihr eurem Kind die Wahrheit sagt.
08:55Dass ihr ehrlich seid.
09:02Michel setzt sich für ein nationales und internationales Spenderegister ein, damit Menschen wie er erfahren können, was aus ihrer Spende
09:10geworden ist.
09:14Auch Eisling als Ström befürwortet ein einheitliches europäisches Register und mehr Regulierung.
09:22Ohne Regulierung kann die Zahl der Halbgeschwister sehr hoch sein.
09:27Und ist es wirklich in Ordnung, 100 genetische Halbgeschwister zu haben?
09:31Oder ist es besser, die Zahl so zu begrenzen, dass man tatsächlich eine Beziehung aufbauen könnte?
09:40Ihre Klinik versucht, sogenannte Superspender zu vermeiden, Männer mit Dutzenden oder Hunderten von Nachkommen.
09:47Doch die mögliche Kontrolle ist begrenzt.
09:52Wir versuchen natürlich, das Ganze zu kontrollieren.
09:56Wir schließen Verträge, in denen Spender unterschreiben, nicht anderswo zu spenden.
10:01Aber viele gehen ins Ausland, dann wird es sehr schwer, das Ganze nachzuverfolgen.
10:16Leontine weiß, dass nicht alle Männer den Kontakt zu ihren Spenderkindern suchen. Genauso wenig wie umgekehrt.
10:23Doch wenn sich Spenderkinder entscheiden, ihren leiblichen Vater kennenlernen zu wollen, bleibt dieser Wunsch, ohne dessen Einverständnis, oft unerfüllt.
10:32Es ist ein Menschenrecht zu wissen, woher man kommt und mit wem man verwandt ist.
10:38Und selbst entscheiden zu können, ob man diese Menschen kennenlernen möchte.
10:42Auch die eigene Krankengeschichte zu kennen, das sind sehr persönliche Informationen.
10:48Sie gehören jedem selbst.
11:00Arvid wurde in Schweden gezeugt.
11:02Durch eine offene Spende, wie es das Gesetz vorsieht.
11:05Mit 18 kann er also die Identität des Spenders erfahren.
11:09Das bedeutet jedoch nicht, dass der Spender antworten oder ihn gar treffen muss.
11:17Ein Kind braucht Menschen im Leben, von denen es sich bedingungslos geliebt und sicher fühlt.
11:24Ob das eine Person ist oder mehrere, spielt keine Rolle.
11:27Natürlich gilt, je mehr, desto besser.
11:29Aber es muss kein biologischer Vater sein.
11:32Aber es muss kein biologischer Vater sein.
11:39Viele Eltern wollen die Abstammung ihres Kindes nicht verschleiern.
11:42Die Samenspende ist einfach ihre einzige Option.
11:45Und sie stehen zu ihrer Entscheidung.
11:51Vielleicht wird er einmal wütend sein, dass ich ihm diesen Teil seines Lebens vorenthalten habe.
11:56Aber ich werde ihm sagen, hätte ich mich nicht dafür entschieden, gäbe es dich nicht.
12:01Vielleicht ein anderes Kind, aber nicht dich.
12:03Das ist dein Leben.
12:05Und wir müssen mit dem zufrieden sein, was wir haben.
12:09Und während Samenspenden in vielen Ländern zunehmen, ringt Europa noch damit,
12:14wessen Recht dabei am meisten zählt.
12:16Das der Eltern, des Spenders oder des Kindes.
12:20Ich hoffe, wenn ich dich wieder einmal wohnen werde, dann wird dich auch wohnen.
12:26Ich hoffe, wenn du auch wohnen werde.
12:31Ja.
12:33Untertitelung des ZDF, 2020
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