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Fast drei Jahre nach den Erdbeben in Türkei und Syrien kämpfen Hunderttausende Kinder noch mit Ängsten und Traumata. Umso wertvoller sind Momente, in denen sie einfach Kind sein dürfen, Julia Hahn berichtet aus Antakya.

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Transkript
00:00Gemeinsam lachen, Spaß mit Freunden haben.
00:07Für diese Kinder in der türkischen Stadt Antakya sind es seltene und besondere Momente.
00:15Eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern bietet Unterhaltung und Workshops für die Kleinen an.
00:21Eine willkommene Abwechslung vom Alltag hier im Erdbebengebiet.
00:26Was für ein toller Tag!
00:30Wir haben uns die Gesichter bemalt und einen Film geschaut. Hier ist viel los.
00:39Die Kinder können sich auch um Schauspielern und Improvisieren versuchen oder sogar Gebärdensprache lernen.
00:45Es geht darum, neue Wege zu finden, ihre Gedanken auszudrücken, ihre Gefühle.
00:51Auf den ersten Blick sieht man den Kindern nicht an, was sie durchgemacht haben.
00:55Im Februar 2023 erschütterten zwei starke Erdbeben den Süden und Südosten der Türkei.
01:04Hunderttausende Gebäude, Wohnhäuser, Arbeitsplätze, Schulen stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.
01:10Mehr als 53.000 Menschen starben. Viele weitere wurden verletzt.
01:14Die überlebenden Kinder wurden Zeugen von Tragödie und Tod. Viele haben Familienmitglieder oder Freunde in den Trümmern verloren.
01:26Die Eltern wissen, wie tief das Trauma sitzt.
01:29Sie hatten so viel Angst. Und die haben sie immer noch. Meine Kinder können nicht allein schlafen. Entweder ich oder ihr Vater muss bei ihnen sein.
01:45Schon bei der kleinsten Erschütterung bekommen meine Kinder Angst. Sie rufen mich auf der Arbeit an und sagen,
01:51Papa, es gibt ein Erdbeben, wir können nicht zu Hause bleiben. Die Angst ist immer noch da.
01:55Und die Kinder sind ständig von Erinnerungen an diesen lebensverändernden Moment umgeben.
02:04Antakya wurde durch die Erdbeben fast vollständig zerstört. Das hier alles wieder aufzubauen, wird voraussichtlich noch Jahre dauern.
02:11Derzeit sieht die Stadt aus wie eine gigantische Baustelle.
02:14Die türkische Regierung hat der Erdbebenregion eine bessere Zukunft versprochen und zieht in rasantem Tempo neue Wohngebäude hoch.
02:24Doch zehntausende Familien leben weiterhin in Containercamps, wo Kinder nur wenige Möglichkeiten haben zu spielen.
02:32Und Eltern sich Sorgen machen, wie sie einen weiteren Winter überstehen sollen.
02:36Es gibt häufig Stromausfälle. Wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wir können nicht kochen.
02:48Auch das Wasser wird ständig abgestellt. Und wenn es kommt, ist es schlammig.
02:52Ich habe drei Kinder und es ist schwierig. Sie haben nicht genug Platz für ihre Hausaufgaben, weil wir alle zusammengefärscht in einem Container leben.
03:05Und es regnet jeden Tag herein.
03:07Veranstaltungen wie diese sind wie eine kleine Auszeit von diesem seltsamen neuen Leben.
03:14Bei den meisten Problemen können die Künstlerinnen hier den Kindern nicht helfen.
03:19Aber zumindest, sagen sie, wollen sie Zuversicht und Hoffnung vermitteln.
03:24Wir glauben, dass Lachen genauso wichtig ist wie ein Dach über dem Kopf oder Essen.
03:32Wir alle brauchen das Lachen. Wir alle brauchen Momente, in denen wir uns um unser seelisches Wohlbefinden kümmern.
03:39Besonders nach so traumatischen Ereignissen wie den Erdbeben.
03:46Für die Kinder bringt es ein Gefühl von Normalität.
03:49Frei von Sorgen und Ängsten.
03:52Und es hilft auch den Eltern.
03:54Wenn auch nur für ein paar Stunden.
04:02Und es hilft, es hilft, es heilt die göttliche Kraft!
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