Zum Player springenZum Hauptinhalt springen
  • vor 5 Wochen
Zwei Drittel der in Österreich verkauften Biere gehören mittlerweile zur Brau Union und damit zum niederländischen Großkonzern Heineken. Welche Auswirkungen hat das auf die heimische Braukunst? Und droht dem Bierriesen bald eine Kartellstrafe in Milliardenhöhe?

In dieser Folge von "Österreich, erklärt" verfolgen wir die Entwicklung des Bieres in Österreich: vom mittelalterlichen Brauprivileg bis hin zur Bildung großer Verbünde wie der Brau Union. Wir beleuchten, wie Kartelle den Markt geprägt haben, warum viele kleinere Brauereien verschwunden sind und welche Rolle internationale Eigentümer heute spielen. Und wir erklären, worum es im laufenden Kartellverfahren gegen die Brau Union und deren Mutterkonzern Heineken geht.

In dieser Folge zu sehen: Conrad Seidl (Innenpolitikjournalist & "Bierpapst"); Redaktion & Schnitt: Laura Schmidt; Gestaltung: Yasaman Hasani; Kamera: Tobias Holub; Sounddesign: Christoph Neuwirth; Chef vom Dienst: Zsolt Wilhelm

Thumbnail: Wikimedia/Mtcv, Brau Union, Adobe Stock; Collage: Yasaman Hasani

Mehr zum Thema und die neuesten Updates auf https://www.derstandard.at.

Kategorie

🗞
News
Transkript
00:00Seit Februar läuft gegen die Brau-Union ein Kartellverfahren.
00:04Da sie eine Konzern-Tochter des Heineken-Konzerns ist,
00:09könnte die Kartellstrafe bis zu 3,2 Milliarden Euro betragen.
00:24Mein Name ist Konrad Seidel.
00:26Ich bin langjähriger Innenpolitik-Redakteur beim Standard gewesen.
00:30Ich habe nebenbei, weil man, wenn man über Politik schreibt, auch mal ein Bier braucht,
00:35ein Bier-Business aufgebaut und schreibe seit vielen Jahren, jedes Jahr einen Bier-Guide.
00:44Herr Österreich ist immer schon ein Bierland gewesen, regional unterschiedlich.
00:50Der Westen ist eine viel stärker ausgeprägte Bier-Tradition, aber auch Niederösterreich.
00:571321, dem Stadtrecht von Weitra, ist das Brauprivileg der Weitra-Bürger festgeschrieben worden.
01:05Das hat man den Menschen gegeben, damit sie eine stärkere Bindung zu ihrer Heimat haben
01:11und zum Beispiel dann eine Stadtwache aufstellen können.
01:14Tatsache ist, es hat in Österreich über die Bierbesteuerung, ist die Landesverteidigung organisiert und bezahlt worden.
01:23Was wenige Leute wissen, ist, dass aus der Biersteuer zum Beispiel all die Waffen gekauft worden sind,
01:29die heute in Graz im Zeughaus liegen.
01:31Über die Jahrzehnte und Jahrhunderte hat sich das natürlich alles professionalisiert.
01:37Großer Bruch ist entstanden im 19. Jahrhundert, wo also die Gewerbefreiheit eingeführt worden ist.
01:45Mit der Gewerbefreiheit konnte jeder anfangen, Brauereien zu gründen
01:49und da sind oft Landesproduktenhändler gekommen, oft jüdische Landesproduktenhändler,
01:54die dann Brauereien aufgebaut haben, speziell in Ostösterreich.
02:00Familie Kuffner, die die Otterkringer Brauerei gemacht hat,
02:03Familie Mautner, die in Simmering die Brauerei gemacht hat.
02:07Daraus ist auch die kapitalistische Entwicklung gekommen.
02:12Es haben Leute, die gar nicht brauen konnten, sich einen Braumeister anstellen können,
02:16einen Chemiker anstellen können, forschen können.
02:19Bei uns in Österreich speziell sind ja zwei Biertypen, die weltbedeutend sind, entstanden.
02:26Einerseits in Wien, das Wiener Lager, das lange Zeit vergessen war dann,
02:31weil noch erfolgreicher in Pilsen, das damals auch zu Österreich gehört hat,
02:361842 das Pilsner Bier.
02:38Aus all dem heraus hat sich natürlich die Brauwirtschaft entwickelt in eine Richtung,
02:44wo man gesagt hat, zu viel Konkurrenz ist vielleicht auch nicht gut.
02:491907 wird der Schutzverband Alpenländischer Brauereien gegründet und damit ein Kartell.
02:56Und das Denken in Kartellen ist etwas, was uns bis heute beschäftigt.
03:03Also wir haben in Österreich eine Struktur, die sich immer mehr konzentriert hat.
03:08Das ist in den 90er Jahren sehr stark passiert.
03:13Es hat 1980 das Bierkartell geendet.
03:15Es sind dann mehrere Brauereien bereits zusammengeschlossen gewesen.
03:19Einerseits in der Steiermark, die großen steirischen Brauereien Göß und Reininghaus Buntigam.
03:27Und in Linz zusammengeschlossen die österreichische Brau AG, ursprünglich als Braubank AG, gegründet.
03:35Da war die Linzer Brauerei, die es nicht mehr gibt und die heute in ganz kleiner Form wiederbelebt worden ist.
03:42Aber da sind dann Betriebe dazugekommen, wie das Bürgerbrau in Innsbruck, das schon weg ist.
03:48Die Gmundner Brauerei, die Brauerei Reute.
03:51Sehr viele Brauereien, die geschlossen worden sind.
03:54Und wo man gesagt hat, okay, wir konzentrieren die Produktion.
03:57Wieselburg ist dann als große Braustätte ausgebaut worden.
04:02Es ist dann die Schwächerter Brauerei dazugekommen.
04:04Es ist die Zipfer Brauerei dazugekommen.
04:07Und dann der große Schritt war die Vereinigung von Steirer Brau und Brau AG zur Brau Union,
04:16die dann ihrerseits von Heineken übernommen worden ist.
04:19Und damit gehört zwei Drittel des Marktes fast einem großen Konzern.
04:25Und das, was man sehen muss, ist, dass die kleinen Brauereien, sie weisen darauf hin, dass sie konzernfrei sind.
04:33Und das geht von ganz kleinen Betrieben, das ist bis hinunter zur Größe Gasthausbrauerei,
04:38bis zu sehr großen, was Stiegel betrifft, was Egger betrifft, was Ottergringer.
04:44Das sind so die größeren Player.
04:46Aber da sind auch regionale Player wie Murauer, Hirte.
04:50Das sind Marken, die ihre Unabhängigkeit ständig betonen.
04:55Und die Privatbrauereien nennen sich eben Privat.
05:00Und das ist nicht der Gegensatz Privat oder Staat.
05:03Denn staatliche Brauereien gibt es auf dem österreichischen Markt gerade eine.
05:09Das ist Budweiser Budwar.
05:11Die gehört der Republik Tschechien.
05:13Also das Privat gegen Staat stimmt hier nicht.
05:16Hier ist es eine Darstellung der Unabhängigkeit von Konzernen.
05:23Auch Heineken ist natürlich privat.
05:26Da kann man Aktien kaufen.
05:27Das ist ein privater Konzern natürlich.
05:29Seit Februar läuft gegen die Brau-Union ein Kartellverfahren.
05:37Und in dem Verfahren geht es darum, dass private, unabhängige Getränkehändler sich unter Druck gesetzt gefühlt haben,
05:48dass sie nur Produkte der Brau-Union ausliefern sollen.
05:53Das ist kartellrechtswidrig.
05:55Und wenn das so wäre, dann könnte die Brau-Union dafür gestraft werden.
06:02Da sie eine Konzerntochter des Heineken-Konzerns ist, könnte die Strafe bis zu 10% des Umsatzes des Gesamtkonzerns gehen.
06:15Oder wäre eine Kartellstrafe von 3,2 Milliarden Euro fällig.
06:21Die Zeugen seitens der Brau-Union sagen natürlich, wir haben da nie was Böses gemacht.
06:26Da war nie eine böse Absicht dahinter.
06:28Da sind Missverständnisse.
06:30Vorab haben auch, das hat auch ein Manager von Heineken aus den Niederlanden ist angereist
06:36und hat beim Gericht im Justizpalast ausgesagt, die Brau-Union agiert ja völlig unabhängig von uns,
06:46um im Falle einer Verurteilung nicht den ganzen Konzern mit dem ganzen Konzernumsatz als Basis für die Bemessung einer Geldstrafe zu riskieren.
06:57Und meistens kann man bei solchen Verfahren davon ausgehen, dass das nicht mit einem Urteil, sondern mit einer Art Vergleich enden könnte
07:07und das nicht ganz so heiß gegessen, wie gekocht wird.
07:12Aber wie es so schön heißt, vor Gericht und auf hoher See bist du in der Hand Gottes.
07:17Was ist die Brau-Union?
07:47Was man im Großen sieht, wie sich die Konsumzahlen entwickeln.
07:52Also was wir sehen, und zwar weltweit, ist, dass der Bierkonsum moderat zurückgeht.
08:00Wenn man sich jetzt Österreich anschaut, wir sind mit dem Konsum immer noch relativ weit oben,
08:07mit knapp 100 Liter Bier pro Kopf und Jahr.
08:11Das heißt, das ist ein kleines Bier, das pro Mensch in Österreich getrunken wird am Tag.
08:18Ich gebe zu, ich trinke irgendwem das Bier weg, weil ich trinke meistens mehr als ein kleines Bier pro Tag.
08:24Wenn man sich jetzt anschaut, wie sich das entwickelt, wir haben die Tendenz,
08:29erstens einmal, dass Menschen weniger in die Gastronomie gehen.
08:33Das ist auch eine Folge von Covid.
08:35Es haben sich Konsumgewohnheiten geändert.
08:37Es ist zweitens so, dass wir aufgrund der demografischen Entwicklung immer weniger junge Leute haben,
08:44die in das trinkfähige Alter hineinkommen.
08:47Und die, die hineinkommen, kommen jetzt auch noch in einem hohen Maße aus Kulturen, die nicht alkoholaffin sind.
08:54Die Brauereien reagieren darauf, indem sie immer mehr alkoholfreie Bier- und Biermischgetränke anbieten.
09:02Das, was wir andererseits sehen, es gibt immer noch Innovationen im Markt.
09:08Jedes Jahr, 20 bis 30, wirklich erwähnenswerte neue Biere mit anderen Zutaten, mit anderen Brauverfahren.
09:19Mir geht der Stoff nicht aus.
09:21Es gibt immer wieder Neues zu entdecken.
09:25Und die Leute trinken gerne Bier, weil es gut schmeckt.
09:28Und weil es die Leute zusammenbringt.
09:32Bier- und Bier- und Bohnen
09:33werden über diesen
09:52hier sowjet Australians
09:55in 1 km.
09:56Sie��.
Schreibe den ersten Kommentar
Kommentar hinzufügen

Empfohlen