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Alice Dwyer - EINSWEITERgefragt 19.12.2011 EINSWEITER

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Transkript
00:00Hallo, herzlich willkommen in 1 weiter gefragt. Sie ist 23, hat in knapp 30 Fernsehfilmen und
00:08über 16 Kinofilmen mitgespielt. Wie kann das sein? Sie spielt schon seit sie 13 ist, Alice Dwyer. Man
00:14kennt sie vor allen Dingen in ernsten Rollen, auch als verführerische Kindsfrau. Und Alice hat 2008
00:19den Max-O-Fühls-Preis als beste Nachwuchsdarstellerin bekommen. Sie kommt mit einer internationalen
00:24Produktion in die Kinos und ich freue mich sehr, dass sie da ist. Herzlich willkommen, Alice.
00:28Dankeschön. Sag mal, du hast mal von dir selber gesagt, dass du ein disziplinierter
00:32Mensch bist. Wie drückt sich das bei dir aus? Ich glaube, der Beruf als Schauspieler, da muss
00:39man eine gewisse Disziplin haben, um das alles durchzuziehen. Das fängt teilweise tierisch
00:43früh an, vier omaßen Zeiten, das geht gar nicht ohne. Das heißt, du stehst auf jeden Fall früh auf
00:48und bleibst dann 15 Stunden konzentriert am Ball. Ich gebe mein Bestes, ja. Jetzt sieht man dich
00:54in der internationalen Produktion, die verlorene Zeit. Sag doch mal ganz kurz, worum geht's
00:58in dem Film? Der Film ist eine Liebesgeschichte, spielt in zwei Zeitebenen. Einmal 44 in Polen,
01:04einmal 76 in New York. Und es geht um ein Pärchen, was sich im Konzentrationslager kennenlernt,
01:10gemeinsam flüchtet, sich verliert im Laufe der Flucht und 30 Jahre später lebt sie in New York. Beide
01:17denken voneinander, dass sie tot sind und sie glaubt, ihn in einem Fernsehinterview zu sehen und sucht ihn
01:22nicht mehr. Und das wird parallel erzählt. Du spielst sehr häufig ziemlich ernste Rollen. Liegt dir das
01:29eher, ernste Rollen zu spielen? Es ist nicht, dass ich mir das nur so aussuche. Also es sind oft
01:35spannendere Geschichten, finde ich. Ich würde auch wahnsinnig gerne mal eine Komödie drehen.
01:41Vielleicht darf ich das ja bald mal. Als Herausforderung? Ja, ja. Es ist ja das Tolle
01:47auch an dem Beruf, dass man verschiedene Sachen machen darf. Und so langsam wird es Zeit, glaube ich.
01:52Wir gucken uns jetzt erstmal ganz kurz kleine Ausschnitte aus zwei Filmen von dir an,
01:56um mal so einen Eindruck zu bekommen. Was hast du da erzählt, hä? Pass mal auf, jetzt sei mal schön
02:08dankbar, ja? Ich habe diese bescheuerte Sache von gestem Abend aus der Welt geschafft. Keiner
02:13weiß davon. Können wir da auch nichts sagen. Wir sind nur wegen Alkohol geflogen, nicht wegen
02:18versuchten Totschlag. Und der Rest? Du warst heute noch nicht zu Hause. Als ich ankam,
02:27wollten deine Eltern wissen, wo du warst. Was soll das mit Hamburg? Hey, antworte mir! Sag was!
02:35Ich wusste gar nicht, dass du so an dieser beknackten Schule hängst. Ihr lebt wie Ratten. Wie
02:46Die Ratten im Dreck.
02:49Und wisst ihr, was Ratten machen?
02:52Ratten verbreiten Krankheiten.
02:56Ihr Schmarotzer.
02:59Du bist für uns Problem.
03:00Ich werde euch Ordnung beibringen.
03:01Ich bin krank.
03:02Und nicht krank.
03:04Du bist schwank.
03:04Ich bin für sein Essen.
03:06Das kann man nicht arbeiten.
03:07Verstehen.
03:08Und das heißt, kein Essen.
03:12Baratten säubern.
03:16Der letzte Aufschnitt war jetzt geradeaus die verlorene Zeit.
03:21War die Rolle eine große Herausforderung für dich?
03:23Ja.
03:25Also das fing an mit der Vorbereitung auf den Film, die körperlich sehr anstrengend war.
03:31Also mein Kollege und ich mussten einfach in kürzester Zeit wahnsinnig viel abnehmen.
03:36Das heißt, ich habe die Zusage bekommen, habe sofort angefangen, die E zu halten.
03:40Wie, was heißt das? Hast du einfach gar nichts mehr gegessen?
03:42Nee, ich habe einfach das meiste weggelassen.
03:45Okay.
03:46Also, und das ist einfach dann irgendwann körperlich anstrengend, wenn du dann anfängst zu drehen,
03:51zwölf Stunden drehst und zwei Äpfel am Tag ist.
03:54Das ist, irgendwann sagt der Körper auch, tschüss.
03:57Ist auch was passiert?
03:58Bist du irgendwann mal zusammengeklappt?
03:59Ich bin einmal umgeklappt und das war aber auch total richtig, dass der Körper irgendwann das Zeichen gibt, wann Schluss ist, wann es reicht.
04:08Das stellt sich auch was im Kopf um.
04:10Also man kann auch nicht Mittagessen ganz groß, wenn man jemanden spielt, der kurz vorm Verhungern ist.
04:15Das ist etwas, was automatisch sich umstellt auch.
04:18Also man übernimmt auch immer diese Rolle schon in der Zeit, in der man dreht?
04:23Ja, ungewollt. Also ja, schon. Immer mal wieder.
04:28Du hast ja sehr früh angefangen zu schauspielen. Also du warst elf und mit neun bist du schon auf die Schauspielschule gegangen.
04:35Wie bist du überhaupt dazu gekommen, dass du gesagt hast, ich möchte jetzt gerne mal Schauspieler?
04:40Ich wollte das als Kind immer machen. Ich habe Theater gespielt und viel Filme gucken dürfen immer mal wieder und fand das ganz toll.
04:50Ich habe mich dann mit einer Freundin bei einer Kinderagentur beworben.
04:54Alleine? Du und deine Freundin?
04:55Ja, genau. Meine Mutter fand das gar nicht lustig, dass ich das machen möchte.
04:58Mein Vater auch nicht. Also haben wir dann einen Brief hingeschrieben.
05:01Und wir haben die täglich mit Anrufen genervt. Und dann haben die uns zum Casting eingeladen.
05:08Geht das überhaupt ohne Eltern? Ich meine, ihr wart ja noch minderjährig.
05:11Ja, das war dann ein bisschen schwierig. Wir haben denen erst gesagt, dass unsere Eltern da voll hinterstehen.
05:15Dann brauchten wir aber eine Unterschrift und dann war es ein bisschen schwieriger.
05:18Und ich glaube, meine Mutter dachte, ich gebe eh schnell auf und hat das dann unterschrieben und nicht ernst genommen.
05:22Dann habe ich mit elf meine erste Rolle bekommen und dann hat sie sich geärgert und ich mich gefreut.
05:26Ja, und seitdem drehe ich.
05:29Ja, und du hast vor allen Dingen nicht nur irgendeine Rolle bekommen, sondern du hast vor allen Dingen gleich eine Hauptrolle auch bekommen.
05:33In dem Kinofilm Anna Wunder, ohne dass du im Grunde groß erfahren warst.
05:38Wie war das für dich damals? Kannst du dich da noch daran erinnern? Eine Hauptrolle?
05:41Ja, ich bin völlig ausgeflippt. Ich war der glücklichste Mensch überhaupt, glaube ich.
05:45Das war völlig abgefahren, wenn man zwei Jahre Castings macht und nie was kriegt.
05:51Ich frage mich heute manchmal, wie ich das überhaupt, dass ich da überhaupt weitergemacht habe.
05:55Und das war großartig. Das war toll.
05:59Und da stand deine Mutter dann auch hinter dir und hat gesagt, okay, oder war sie immer noch skeptisch?
06:03Da war sie noch skeptisch und hat dann, sie hat mich begleitet am Set, war immer da und hat dann irgendwann angefangen, mir zuzugucken bei der Arbeit.
06:11Und hat gesehen, dass ich arbeite und konzentriert bin und Spaß dabei habe.
06:16Und dann hat sie entschieden für sich, dass das wohl vielleicht auch richtig für mich ist.
06:21Und seitdem unterstütze ich mich sehr.
06:23Ich finde das sehr beeindruckend, weil wenn du sagst, mit neun hast du dir das überlegt, mit deiner Freundin zusammen.
06:28Das heißt, es kommen ja komplett von dir aus.
06:30Also deine Eltern haben sich ja eher dagegen gewehrt.
06:33Sonst gibt es ja oft so Eltern, die sagen, ich möchte gerne, dass meine Kinder große Schauspieler oder große Musiker werden.
06:38Und die fast schon so dahin drängen.
06:39Dann war es genau das Gegenteil.
06:41Das heißt, du musst ja einen wahnsinnig starken Willen gehabt haben, wenn du dich noch dagegen durchgesetzt hast.
06:45Ja, also meine Eltern waren jetzt nicht streng und haben gesagt, wenn du das machst, dann darfst du irgendwie ein Jahr lang nicht das Haus verlassen.
06:51So war es nicht.
06:52Aber ich wollte das machen.
06:55Warum wolltest du das machen? Weißt du es nicht?
06:57Nicht genau.
06:58Also vielleicht auch, weil meine Eltern nicht meinten, klar, super macht das.
07:01Sondern meinten so, Quatsch, das ist totaler Blödsinn.
07:04Und das möchten ganz viele Mädchen machen.
07:06Was stellst du dir da vor?
07:07Aber das ist natürlich dann reizvoll, dagegen anzugehen.
07:14Das heißt, es gab auch niemanden, der dich unterstützt hat in deinem Traum, der dich da so bestätigt hat.
07:18Das kam wirklich von dir?
07:19Doch, meine Freundin hat mich da.
07:21Die war dabei?
07:22Die war dabei.
07:23Und was macht die mittlerweile?
07:24Die studiert.
07:26Okay, die ist nicht dran geblieben.
07:27Nee.
07:27Das war ja auch alles während der Schulzeit.
07:30Das heißt, du hast parallel, musstest du ja noch in die Schule gehen.
07:33Wie hat das denn funktioniert?
07:34Ich durfte nur bedingt drehen, in den Ferien vor allem.
07:39Immer mal wieder hat die Schule mir freigegeben.
07:41Das hat Mitschüler sehr geärgert.
07:43Die haben nicht verstanden, dass ich doppelt gearbeitet habe.
07:46Weil ich musste natürlich alles nachholen, was ich verpasst hatte.
07:48Und da waren dann auch nicht so viele Produktionen, die ich machen durfte.
07:54Okay.
07:55Aber waren denn auch Mitschüler so neidisch?
07:56Also war es auch eine schwere Phase, dass du überhaupt so Freundschaften schließen konntest?
07:59Auch weil du die Doppelbelastung hattest, ne?
08:01Immer mal wieder.
08:02Ich habe viel verpasst.
08:03Ich habe viele Klassenfahrten auch verpasst dadurch.
08:05Also ich habe dann halt gedreht, wenn die weg waren.
08:08Und das macht es dann schwieriger, in so eine Clique reinzukommen.
08:12Aber ich hatte eigentlich immer sehr nette Mitschüler.
08:14Es gab immer mal wieder irgendwie komische Leute, die Kommentare gemacht haben.
08:18Das habe ich aber so an mir vorbeiziehen lassen.
08:22Du hast mit 13 eine Rolle gespielt in dem Film Baby.
08:25Da hast du so ne Lolita-Figur gespielt und hast den Freund deines Vaters, deines Filmvaters, verführt.
08:31Da gibt es eine Szene, da ziehst du dich fast aus, du setzt dich bei ihm auf den Schoß, du verführst ihn richtig.
08:36Wie kann man sowas mit 13 spielen?
08:39Also woher wusstest du überhaupt, wie man so verführt?
08:42Erstmal war ich tierisch nervös vor der Szene.
08:45Das ist echt das Herz in die Hose gerutscht.
08:48Weil ich eben keine Ahnung hatte, wie man das macht.
08:51Man kennt das dann aus Filmen.
08:52Oder ich habe das mit dem Regisseur besprochen, was er da, wie er sich das vorstellt.
08:57Das ist ja auch noch so naiv.
08:58Es gibt auf der DVD von dem Film Castingszenen, die unglaublich peinlich sind, wo ich versuche, ihn zu verführen.
09:04Das ist einfach das Lustigste in der Welt, weil es so hilflos ist.
09:07Aber das im Film war dann alles andere als hilflos.
09:11Das sah schon krass aus.
09:13Also da hast du wirklich von der Mimik und Gestik her alles so gemacht, wo ich dachte, wow, mit 13, da bin ich noch mit Gummistiefeln durch 14 gesprungen.
09:21Da hast du wirklich dann diesen Mann verführt.
09:22Ja, weiß ich nicht.
09:26Das hat dann viel auch mit der Arbeit mit Philipp Stelze zu tun gehabt.
09:30Und Johannes Gräbert hat mich gecoacht und die Kurji gemacht.
09:33Meine Mutter war auch da und hat auch mit mir geredet.
09:36Hat deine Mutter dir gesagt, wie man jemanden verführt?
09:39Nee, aber die hat einfach geguckt, dass ich mich da wohlfühle und nicht irgendwie panisch, überfordert da sitze.
09:47Kann das doch noch sein, dass es so eine Begabung ist, die du vielleicht hast?
09:50Dass man sagt, es gibt halt auch Naturtalente, die sowas einfach so fühlen und spüren können, dass sie das spielen?
09:57Würde ich nie von mir behaupten.
09:58Du warst auch gar nicht auf einer Schauspielschule?
10:00Nee.
10:01Niemals. Brauchtest du gar nicht.
10:03Nee, also ich habe schon Unterricht genommen immer mal wieder, weil ich glaube, das ist ein Beruf, da muss man immer wieder lernen.
10:08Aber ich war nie auf einer Schule, ich habe immer schon gedreht.
10:11Und in der Zeit, wo es für mich relevant war, auf eine Schule zu gehen, war das noch sehr strikt, was die Dreherlaubnis an Schauspielschulen anging.
10:18Und dieser Gedanke, völlig umgeformt zu werden, der war für mich nie logisch.
10:23Okay.
10:23Du hast auch gerade einen Film abgedreht, der kommt im nächsten Jahr in die Kinos, der heißt Drei-Zimmer-Küche-Bad.
10:28Da geht es um junge Leute, die ständig umziehen, immer mal wieder aus verschiedenen Gründen.
10:32Ist das bei dir auch so?
10:33Privat ziehst du häufig um, wechselst du häufig den Wohnsitz?
10:36Nee, also ich bin ein paar Mal umgezogen in meinem Leben, aber eigentlich vermeide ich das.
10:42Ich bin dann berufsbedingt auch oft unterwegs und viel in Hotels und ich bin ganz froh, eine Base zu haben, wo ich sein kann.
10:50Also ich bin jetzt nicht jemand, der jedes Jahr eine neue Wohnung braucht.
10:54Okay.
10:55Du backst auch gerne.
10:56Ja.
10:57Für wen und wann backst du denn?
10:58Das habe ich lustigerweise bei der Vorbereitung für den Film, als ich so Diät halten musste, habe ich damit angefangen.
11:03Ich habe früher nie gebacken und jetzt habe ich angefangen, letztes Jahr zu backen.
11:07Ich esse das auch nicht selber.
11:09Ich verschenke das und alle Leute sind immer sauer, weil ich die mit dem Kuchen vollstopfe.
11:13Das ist halt was total Beruhigendes.
11:15Es ist einfach eine wahnsinnig einfache, beruhigende Arbeit, die gut riecht und immer gelingt.
11:22Das ist sehr klar.
11:23Das heißt, du wirst im Grunde genommen satt durchs Backen an sich, wenn du es beim Diäten angefangen hast.
11:27Ja, ich weiß nicht, ob das irgendwie durch den Geruch von Süßigkeiten vermisst habe.
11:33Ich weiß nicht genau, woher das kam.
11:34Ich habe einfach angefangen damit.
11:36Alice, jetzt bist du 23, du drehst seit zwölf Jahren Filme.
11:40Du hast über 40 Produktionen schon gemacht.
11:42Gibt es noch irgendwas, wo du hin willst?
11:43Hast du noch ein Ziel oder einen Traum vor Augen?
11:45Ja, ganz viel.
11:46Also da kann ganz viel noch passieren und kaum hoffe ich jedenfalls.
11:51Also ich habe mir da jetzt nicht ein bestimmtes Ziel gesteckt, aber solange ich weiter Filme machen kann, die mir gefallen und anderen Leuten gefallen, ist das großartig.
12:01Okay, eine Komödie hast du eben gesagt.
12:02Das wäre vielleicht noch eines deiner Ziel.
12:03Ja, 3-Zimmer-Küche-Bad geht sogar in die Richtung.
12:06Das hat auch sehr viel Spaß gemacht und vielleicht geht da noch mehr.
12:09Ist das dann so, wenn du so Komödien oder diesen Film drehst und das macht mehr Spaß, dass die Arbeit auch leichter ist als jetzt zum Beispiel bei Die verlorene Zeit?
12:17Nee, das ist einfach sehr anders. Bei Die verlorene Zeit haben wir auch versucht, uns die Drehzeit so schön wie möglich zu machen.
12:27Das ist ganz wichtig, wenn man so einen harten Film dreht. Das ist einfach sehr anderes Arbeiten.
12:32Okay, das heißt, wir werden dich auf jeden Fall überall bald wiedersehen.
12:36Weiterhin in ernsten Rollen und wahrscheinlich auch in komischen Rollen.
12:39Ich wünsche dir auf jeden Fall noch weiterhin viel Erfolg.
12:42Dankeschön.
12:42Der kommt wohl von alleine. Alice, danke, dass du da warst.
12:45Vielen Dank.
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