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People
Transcript
00:00I got this diagnosis.
00:01At the moment, it was in my mind,
00:03I don't want to live with it,
00:04because I don't want to see it,
00:06if I just don't see anything.
00:08It started with panic attacks.
00:10With this thought, I'm blind, I'm blind in my mind,
00:13because I couldn't imagine that.
00:27I'm Emma, I'm 19 years old.
00:29I'm blind and blinded.
00:34I have the stock in my hand,
00:36so that when I notice, I'm unsure,
00:38or it's dark, I can't go out.
00:39I don't use it anymore,
00:41because it's often unangenehm,
00:42because I have the acceptance of it,
00:44that I'm always blind at first,
00:46and I don't have the chance to see the people
00:50as a person.
00:52But I'm working on it,
00:53the full time to set up.
00:55If I look at it, I see a bit of a dark,
00:57a little dark in the background of the church.
00:59I know that it's a church,
01:01but I just see a little dark.
01:02And I can see a little bit of points,
01:04like the cars or the people.
01:06But I don't know what the color of the car has,
01:09but it's really so...
01:11I grew up in Bayern,
01:13I had a really nice childhood.
01:15We had a lot to walk,
01:16a lot to see,
01:17and a lot to see with friends.
01:18I had in the second class
01:20that first time I noticed,
01:21okay, I just noticed,
01:22I just see it bad.
01:23I was in the last row,
01:24and I noticed,
01:25okay, the Tafel,
01:26I see nothing more.
01:27And we set up every one or two weeks,
01:29and then I was every time
01:30in a row,
01:31and I didn't say it to anyone,
01:32that I didn't see it bad.
01:33Every time I was able to read it,
01:35then it was legal.
01:36And then I was in the first row,
01:37and I was still not able to read it.
01:39After my parents noticed,
01:41we went to the doctor's doctor.
01:43The doctor told me the different Tafels
01:45and realized,
01:46okay, there is nothing more.
01:47And then I had these
01:48Brillengläser for me,
01:50where I could see,
01:51okay, is it better with the Brille?
01:52But it wasn't.
01:53And that was the moment,
01:54when the doctor said,
01:54I don't know, I don't know,
01:55I don't know, I don't know,
01:56I'm going to go in the Augenklinik.
01:57Then I was in the room,
01:57and then he looked at me and said,
02:01no, it's not just a Brille,
02:03it's a seldom disease,
02:05it's called Morbius Stargard,
02:06which is a genetic disease.
02:08The strength is now at 13%,
02:09and will probably in the next time
02:11to 10% down.
02:14Meine Mutter hat dann tatsächlich
02:16angefangen zu weinen
02:17und gefragt, wie das denn ist,
02:18weil sie sich immer vorgestellt hat,
02:19mit mir später Tennis zu spielen,
02:21weil so derzeit habe ich
02:21eben gerne Tennis gespielt,
02:22dass das ja dann gar nicht gehen würde
02:24und dann auch so mit Führerschein.
02:25Und da habe ich das erste Mal gemerkt,
02:26irgendwie ist das gerade doch nicht so lustig,
02:27irgendwas passiert hier gerade,
02:28ist nicht so gut.
02:29Ich glaube, dass in dem Moment
02:30bei mir so ein bisschen
02:31der Schalter umgelegt wurde,
02:32von wegen,
02:32ich möchte meine Mutter nicht traurig machen.
02:34Ich werde jetzt so versuchen,
02:36ein normales Kind zu sein.
02:39Ich glaube, das war dann auch der Punkt,
02:40wo ich irgendwie angefangen habe,
02:41so zu tun,
02:42als wäre alles normal
02:43und das angefangen habe zu verstecken.
02:45Weil ich mir irgendwie dachte,
02:46okay, die Mama ist jetzt gerade traurig.
02:48Ich will eigentlich doch nicht,
02:49dass die Mama traurig ist.
02:50Anscheinend macht mein schlechter Sehen
02:51gerade eben die Mama traurig.
02:53Der Arzt meinte ja damals eben,
02:54es würde bei zehn Prozent stehen bleiben.
02:56Ich habe dann aber weiterhin gemerkt,
02:57es wird schlechter.
02:58Und irgendwann hatten wir dann nochmal die Rückmeldung,
03:00es würde bei fünf Prozent stehen bleiben.
03:01Ist dann auch nicht passiert.
03:02Also so im Laufe der nächsten Jahre
03:03wurde es dann immer schlechter.
03:05Dann war ich mit 14 das nächste Mal in der Augenklinik
03:08und habe dann dort die Diagnose
03:09mit den Worten, dass es irgendwann in schwarz-weißen Schemen enden würde.
03:18Das war dann auch so der Moment, wo es bei mir anfing,
03:20dass es mir psychisch nicht mehr so gut ging.
03:21Ich habe diese Diagnose bekommen.
03:23Ab dem Moment fing es bei mir im Kopf an,
03:25okay, ich möchte damit nicht leben,
03:26weil ich möchte nicht erleben, wie das ist,
03:27wenn ich eben so wenig sehe.
03:29In meinem Kopf war das ein bisschen so,
03:30ich sitze dann irgendwie in einem Zimmer,
03:32finde ich mal den Lichtschalter,
03:33bin in irgendeiner dunklen Ecke.
03:34Jeder entfernt sich von mir und ich bin ganz alleine.
03:36Also ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen
03:38und wollte das dementsprechend auch nicht erleben.
03:40Also ich bin eigentlich mehr oder weniger
03:41direkt in so eine Depression gefallen.
03:44Fing ja auch Corona an.
03:45Das war natürlich für mich dann auch so ein bisschen schlechtes Timing,
03:48weil man dadurch ja auch den Rest der Normalität
03:50noch irgendwie verloren hat
03:50und nicht mehr so viel mit den Freunden machen konnte und so weiter.
03:53Dann bin ich damals in eine Magersucht gerutscht,
03:55weil ich somit versucht habe,
03:56das, was ich durch die fehlende Sehkraft nicht mehr kontrollieren konnte,
03:59um das Essen zu kontrollieren.
04:00Und zeitgleich fingen bei mir Panikattacken an.
04:02Immer mit dieser Gedankenschleife,
04:04ich werde blind, ich werde blind im Kopf,
04:06weil ich mir das einfach überhaupt nicht vorstellen konnte.
04:09Dann bin ich mit 15 im Oktober,
04:11also ziemlich genau ein Jahr nach der Diagnose,
04:13dann das erste Mal in die Klinik gekommen.
04:17Das Wichtigste in der Zeit,
04:18als es mir dann schlechter ging,
04:19waren die Menschen um mich herum,
04:21vor allem natürlich meine Freunde
04:22und ganz besonders auch meine beste Freundin,
04:24die einfach die ganze Zeit da war,
04:26die auch seit der fünften Klasse meine beste Freundin war.
04:28Ich konnte mich auch noch,
04:29wie ich eben besser gesehen habe
04:30und glücklicher immer war so ein bisschen.
04:32Mit der habe ich dann zum Beispiel
04:33auch in der Klinik ganz oft telefoniert.
04:34Die hat mich irgendwie auf dem Laufenden gehalten,
04:36was jetzt so bei uns in der Freundesgruppe vor sich ging
04:38und somit war ich irgendwie nicht ganz abgeschottet.
04:40Auch während ich mir in meiner kleinen Welt
04:42nicht vorstellen konnte, dass es weitergeht,
04:43habe ich trotzdem noch draußen mitbekommen,
04:45okay, das Leben geht doch auch irgendwie weiter.
04:48Wir kennen uns schon seit der fünften Klasse
04:49und haben uns tatsächlich auch in der Schule kennengelernt
04:51und sind seitdem auch befreundet geblieben.
04:53Ich muss sagen, seitdem beste Freunde.
04:55Das ist ganz wichtig.
04:57Und sind seitdem auch beste Freunde.
05:01In der Zeit, wo es Emma schlecht ging,
05:03war das natürlich auch für alle Angehörigen
05:04und auch für mich sehr schade zu sehen,
05:06dass sie daran eben auch Schwierigkeiten hatte,
05:08was aber glaube ich auch ganz normal ist.
05:09Ich denke nicht, dass irgendjemand mit dieser Diagnose
05:11ganz normal umgehen könnte.
05:13Es ist natürlich schwierig, das erst mal zu akzeptieren.
05:15Da war es natürlich auch wichtig,
05:16dass wir alle für sie da waren und sie unterstützt haben.
05:19Wir kannten uns, als es mir noch gut ging
05:20und sie war halt dann trotzdem noch da,
05:21als es mir so schlecht ging
05:22und ist auch jetzt immer noch da,
05:23wo es mir wieder besser geht.
05:24Wir haben dadurch wirklich viel zusammen erlebt
05:25und viel durchgemacht
05:26und ich bin total dankbar,
05:27dass diese Freundschaft einfach immer da war.
05:29Was auch wichtig war,
05:30ist, dass es sich dadurch gar nicht so sehr geändert hat,
05:32unser Verhältnis.
05:33Ja, und auch weiterhin Spaß hatten.
05:34Also es war jetzt dann auch nicht plötzlich alles blöd
05:36und wir haben nur noch darüber geredet,
05:37sondern eigentlich im Gegenteil.
05:38Das ist meistens irgendwie doch wieder in den Hintergrund gerückt
05:41und war für mich auch manchmal ein bisschen so eine Auszeit.
05:43So, okay, irgendwie ist doch noch alles wie früher,
05:45auch wenn ich jetzt schlechter sehe.
05:48Mit 17 war ich dann unter dieser gesetzlich-Blind-Marke.
05:51Das heißt, man gilt im Sinne des Gesetzes als blind,
05:53was dann zum Beispiel bei mir in der Sehkraft unter zwei Prozent ist.
05:57Ich habe am Anfang nie gesagt, dass ich blind bin.
05:59Ich habe immer nur gesagt, ich sehe schlechter.
06:01Konnte auch dieses Wort eigentlich überhaupt nicht in den Mund nehmen,
06:03weil das war für mich total schlecht assoziiert.
06:06Ich dachte, nee, blind will ich nicht sein.
06:07Es fing dann jetzt erst vor einem Jahr,
06:09also so mit 18 dann erst an,
06:10dass ich wirklich gesagt habe,
06:11ich bin blind und ist halt irgendwie so.
06:13In meinem Kopf war das dann immer so ein bisschen so,
06:16ja, wenn ich schon blind bin, dann darf ich nicht blöd sein.
06:18Für mich war dadurch das Abi einfach super wichtig,
06:20weil ich auch das Gefühl hatte,
06:21das eröffnet mir dann eben doch alle Türen
06:23und ich kann dann eben studieren
06:24und mein Leben doch relativ normal weiterleben.
06:26Und ich hatte damals dann immer schon so ein bisschen
06:28den Wunsch, Psychologie zu studieren.
06:30Und ich wusste natürlich, dafür ist ein gutes Abi jetzt einfach notwendig.
06:33Und dann war das ein Ziel für mich,
06:34was mir auch wirklich geholfen hat.
06:36Für mich war das Abi damals wirklich entscheidend auch,
06:39dass es mir besser ging,
06:40zum Beispiel auch in Bezug auf das Essen.
06:41Das war so wirklich mein Ziel
06:43und auch so meine Motivation dann zuzunehmen
06:45und zu merken, okay, ich muss jetzt essen,
06:47sonst wird das mit dem Abi hier nichts.
06:48Und ich sehe schon schlecht,
06:49dann ist es schwierig,
06:50wenn ich mich vielleicht auch noch konzentrieren kann,
06:52weil ich irgendwie zu wenig gegessen habe oder so.
06:54Das war wirklich auch der Moment,
06:55wo das für mich zum Glück dann endlich leichter wurde.
06:57Ich war ja auf einer Regelschule,
06:59hab dann auch da mein Abi gemacht.
07:00Das war so ein kleines Experiment,
07:02weil ich war die erste blinde Schülerin bei uns auf der Schule.
07:04Dann war das natürlich auch unklar,
07:05ja, wie würde das jetzt alles werden?
07:06Ich wurde zu der Zeit von meinen Lehrern eben total unterstützt,
07:09dass wir gemeinsam geguckt haben,
07:11okay, wie kann ich dieses Abi jetzt schreiben?
07:13Dafür bin ich einfach total dankbar,
07:14dass die da offen waren.
07:15Durch die ganzen Herausforderungen und auch die Ungewissheit,
07:17wie wird das überhaupt in den Abi-Prüfungen,
07:19wird das wirklich dann so klappen,
07:20wie wir uns das jetzt gerade alle denken,
07:22waren wir dann am Ende doch alle sehr stolz,
07:24würde ich sagen, dass ich ein 1.5er Abi ablegen konnte.
07:27Ich war ja in der Zeit vom Abi gar nicht so viel in der Schule,
07:30weil's mir einfach psychisch oft so schlecht ging
07:32und ich dann auch immer wieder mal in der Klinik und so weiter war.
07:34Für mich war halt auch die Fini in dem Moment ganz wichtig,
07:36weil sie mir ja oft auch die Materialien zum Beispiel geschickt hat
07:38und ich da ja total dankbar für die Unterstützung bin.
07:41Wir haben auch sehr viel zusammen gelernt,
07:42also ich hab oft ihre Sachen mal vorgelesen zum Beispiel
07:44und dadurch hab ich's ja auch selber gelernt
07:46und sie halt auch direkt mit.
07:47Und so nach der ganzen Abi-Zeit,
07:48wo das wirklich so das Hauptding war,
07:50wo ich drauf fokussiert war,
07:51okay, scheiße, ich seh das grad eigentlich gar nicht,
07:53war so die Abifahrt für mich dann so voll so,
07:55irgendwie ist halt auch noch ein normales Leben,
07:57auch wenn ich blind bin.
07:58Das hat man auch total gemerkt,
07:59dass es einmal direkt nach dem Abi so viel besser ging,
08:01weil in der Schule wird man ja auch jeden Tag damit konfrontiert,
08:03dass man Sachen nicht sehen kann,
08:04dass man Sachen nicht erkennen kann
08:05und dadurch irgendwas nicht machen kann.
08:07Und das hat man dann total gemerkt,
08:08dass es nach dem Abi und auch jetzt immer noch
08:10einmal dadurch viel besser ging
08:11und diese Belastung einfach weggefallen ist.
08:13Ich glaub, schon in der sechsten Klasse
08:14haben wir darüber das erste Mal geredet,
08:15dass wir halt, wenn wir 18 sind,
08:17zusammen Fallschirmspringen gehen wollen
08:18und dann halt zusammen so ins Erwachsene-Leben springen wollen.
08:21Und das war auch für mich immer so ein Strohhalm,
08:22an dem ich mich irgendwie festgeklammert hatte,
08:24auch in der Zeit, wo ich vielleicht dann
08:25ja nicht mehr leben wollte,
08:26immer so diese Hoffnung,
08:27okay, aber irgendwie will ich's dann doch erleben.
08:29Und dann war ich irgendwie 18,
08:30war Fallschirmspringen, hatte mein Abi
08:31und plötzlich stand dann doch irgendwie
08:32das ganze Leben für mich offen.
08:33Die Zeit nach dem Abi, die hat mir auch wirklich dann geholfen,
08:42meine Krankheit ein Stück weit mehr zu akzeptieren,
08:44weil ich auch einfach irgendwann mal so ein bisschen
08:46den Platz hatte im Kopf überhaupt darüber nachzudenken,
08:48was bedeutet das jetzt?
08:49Und irgendwie bin ich ja schon blind
08:50und es ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte
08:52und ich kann mir ja ein Leben damit eigentlich total vorstellen.
08:54So wurde es dann das erste Mal wirklich besser,
08:56als ich gemerkt habe, gut,
08:58ein Teil von mir fängt an, die Krankheit zu akzeptieren.
09:00Für mich war ihm ja die ganze Zeit klar,
09:02ich möchte dann Psychologie studieren
09:03und brauche dafür aber Techniken,
09:05weil so wie ich's jetzt im Abi gemacht habe,
09:06mit hauptsächlich Vergrößerung wird's einfach nicht klappen
09:08und ich muss mehr mit Sprachausgabe
09:09und auch mit der Punktschrift arbeiten
09:11und habe mich dann für die
09:12plinnentechnische Grundreha in Marburg entschieden,
09:15wo ich eben alle möglichen Techniken lernen kann,
09:17um dann selbstbestimmt zu leben und auch zu studieren.
09:22Ich lese jetzt hier die Punktschrift,
09:23also das, was auf dem PC ist,
09:25wird mir jetzt hier auf der Zeile angezeigt,
09:27immer eine Zeile.
09:28Und dann kann man das hier lesen,
09:29Mr. und Mrs. Dersley.
09:31Jetzt kannst du die nicht.
09:34Im Legos-Zellweg.
09:36Und dann vier.
09:37Wir waren sehr stolz darauf,
09:39ganz und gar normal zu sein.
09:47Sehr stolz.
09:49Ich bin jetzt seit zwei Monaten
09:50an der Deutschen Blindenstudienanstalt,
09:52auch kurz Blister.
09:53Ich bin hier gerade in einem Schulungsraum,
09:55wo ich jetzt hier die Blindenschrift gerade lesen kann
09:57und am PC mit der Sprachausgabe arbeite.
10:00Das A ist einfach ein Punkt und dann weiß ich,
10:02okay, da steht jetzt ein A.
10:03Oder das G hat die oberen vier.
10:04Dann weiß ich, es ist ein G.
10:05Ich habe jetzt erst Anfang Februar angefangen,
10:07also jetzt vor zwei Monaten.
10:08Deswegen ist mein Lesetempo auch nicht so schnell.
10:10Das wird aber dann mit der Zeit auf jeden Fall schneller,
10:12dass es dann auch lössig wird.
10:13Dersley war ...
10:19... war Direktor einer Firma.
10:22Ich habe früher total gerne gelesen, eben auch Bücher,
10:24dass es jetzt halt einfach nicht mehr ging.
10:25Dann hauptsächlich Hörbücher
10:26und jetzt kann ich einfach wieder selber lesen.
10:28Mir macht das total Spaß.
10:29Man hat dann verschiedene Unterrichtsfächer,
10:31die eben für blinde und sehbenährte Menschen
10:33jetzt dann relevant sind.
10:34Zum Beispiel IT und Punktschrift
10:36oder auch Orientierung und Mobilität,
10:38wo man dann zum Beispiel mit dem Stock das Gehen lernt.
10:44Ja, was hat sich jetzt hier verändert für dich?
10:46Ich habe gemerkt, dass die Bordsteinkante
10:47niedriger geworden ist,
10:48weil ja davor sehr hoch der Abstand zur Straße
10:51wahrscheinlich, weil jetzt dann hier eine Einfahrt ist.
10:53Genau, wahrscheinlich.
10:54Wie kannst du das überprüfen,
10:55ob hier eine Einfahrt ist?
10:56Ich könnte jetzt gucken,
10:58was vielleicht links von mir ist,
10:59beziehungsweise auch ich höre jetzt,
11:00dass die Häuserwand weg ist.
11:02Das heißt, es wird wahrscheinlich eine Einfahrt sein.
11:04Genau, dann schau doch mal mit dem Stock,
11:05ob es auch wirklich eine Einfahrt ist.
11:09Ja.
11:10Genau, richtig.
11:11Die Häuserwand ist weg und hier ist eine Einfahrt.
11:13Bekommt man an der Bordsteinkante schon gut mit.
11:16Meine Aufgabe ist es immer,
11:17Techniken zu zeigen,
11:18wie sie sich mit dem Stock orientiert
11:20und ihr Strategien beizubringen,
11:22wie sie diese im Alltag und im Straßenverkehr anwenden kann.
11:26Wenn du jetzt hier über die Straße möchtest,
11:28welche Möglichkeiten hast du,
11:29das mitzubekommen,
11:31dass das Signal auf grün umspringt?
11:34Bei der Ampel ist jetzt unten drunter
11:36ein Drücker.
11:37Wenn ich den drücke,
11:38dann wird die mir anzeigen,
11:39dass sie grün ist.
11:40Was ist noch unter der Ampel?
11:42Ähm, da ist jetzt hier noch der Pfeil.
11:44Der zeigt nach geradeaus,
11:46also nach vorne,
11:47dass ich genau weiß,
11:48dass ich dann geradeaus über die Straße muss,
11:50um am anderen Ende der Ampel anzukommen.
11:51Am Anfang konnte ich es mir gar nicht vorstellen,
11:53nach Marburg zu gehen,
11:54einfach auch mal mit anderen Blinden zusammen zu sein,
11:56weil ich immer die Einzige war,
11:57die irgendwie schlecht gesehen hat,
11:58bei mir jetzt zu Hause.
11:59Am Anfang fand ich das auch total überfordernd
12:01und ganz schön komisch,
12:02dass plötzlich irgendwie der ganze Alltag
12:04sich so ein bisschen ums Blindsein gedreht hat,
12:06weil ich zu Hause eigentlich
12:07den Großteil der Zeit verdrängt habe.
12:08Ich muss aber sagen,
12:09nachdem ich jetzt zwei Monate hier bin,
12:10hat es sich total verändert.
12:11Ich habe mich total in die Stadt verliebt
12:13und möchte eigentlich gar nicht mehr weg,
12:14weil ich so ein bisschen das Gefühl habe,
12:16das erste Mal mich normal zu fühlen,
12:18weil ich eben nicht die Einzige bin,
12:19die schlecht sieht
12:20und irgendwie auch der Stock hier
12:21so fast zum Stadtbild dazugehört.
12:23Zurzeit liegt mein Sehvermögen
12:24so circa bei einem Prozent.
12:25Ich sehe in der Mitte gar nichts.
12:26Genau das, was ich angucke,
12:27ist quasi weg.
12:28Ich sehe nur im Peripheren,
12:29also im Randbereich.
12:30Da sehe ich total Schemenhaft,
12:31weil ich es zu Hause eigentlich
12:32den Großteil der Zeit verdrängt habe,
12:34weil ich zu Hause eigentlich
12:35den Großteil der Zeit verdrängt habe.
12:36Ich muss aber sagen,
12:37nachdem ich jetzt zwei Monate hier bin,
12:38hat es sich total verändert.
12:39Also im Randbereich,
12:40da sehe ich total Schemenhaft.
12:41Also ich erkenne, dass da was ist,
12:42zum Beispiel irgendwie ein Bett
12:43oder ein Stuhl oder sowas,
12:44aber sehe jetzt keine Details,
12:45also eher einfach nur die Umrisse.
12:47Farben sehe ich noch,
12:48aber so ein bisschen blasser.
12:49Also ich kann zum Beispiel
12:50Blau und Schwarz oft nicht so gut
12:51auseinander halten
12:52oder auch irgendwie Rot und Orange
12:53oder solche Sachen.
12:54In der Mitte, wo ich quasi nichts sehe,
12:56sind das wie so ganz viele kleine Punkte,
12:58die so flimmern.
12:59Ich schreibe es immer ein bisschen
13:00wie so ein leuchtender Ameisenhaufen
13:01in Schwarz und Weiß,
13:02der sich die ganze Zeit bewegt.
13:03Der ist auch nicht still,
13:04was total anstrengend ist,
13:05weil das manchmal schon echt stressig ist,
13:07wenn man darauf achtet.
13:08Sonst blende ich das halt oft aus.
13:09Wenn ich im Bett liege
13:10und zum Beispiel die Augen zu hab,
13:11ist der trotzdem noch da und flimmert.
13:13Für mich ist eigentlich Ordnung
13:14das Wichtigste, dass ich genau weiß,
13:15wo steht was.
13:16Also es hat eigentlich alles
13:17seinen festen Platz bei mir
13:18oder zumindest das meiste.
13:19Sonst ist, glaube ich,
13:20noch viel auch Organisation.
13:21Also dass man oft schon vorausplant,
13:23sich überlegt,
13:24wie komm ich da jetzt am besten hin
13:25oder wie ist vielleicht der Bahnhof aufgebaut,
13:26wo muss ich da dann lang?
13:27Der Rest, würde ich sagen,
13:28ist eigentlich recht gleich
13:30wie bei sehenden Menschen auch,
13:31nur eben teilweise
13:32mit kleinen Alltagshilfen.
13:33Das Einzige, was vielleicht wirklich
13:35bisschen anders ist,
13:36zum Beispiel jetzt hier beim Herz
13:37sind so Klebepunkte,
13:38dass man noch so eine weitere Orientierung hat,
13:40wo ist jetzt der Zeiger?
13:41Hier über dem Mikro ist das auch.
13:43Hier ist ein Punkt bei drei Minuten.
13:45Also man genau weiß,
13:46wenn man da hindreht,
13:47dann ist es so circa die Einstellung,
13:50die man am meisten braucht.
13:51Und man hat von da aus eine Orientierung.
13:53Mein wichtigstes Hilfsmittel im Alltag
13:55ist eigentlich mein Handy,
13:56weil das kann heutzutage fast alles.
13:57Kann damit halt wie jeder andere auch
13:59meine Nachrichten beantworten,
14:00telefonieren oder auch irgendwie
14:01was im Internet suchen,
14:02über die Sprachausgabe,
14:03die mir dann alles vorliest.
14:05Diese sind nicht zum Verzehr bestimmt.
14:07Vielen Dank für Ihr Verständnis,
14:09das Gartenteam.
14:10Gerade auf Bildern,
14:11wenn ich ganz nah ranzoom,
14:12sehe ich oft mehr als jetzt so in Wirklichkeit.
14:14Ich habe auf dem Handy aber zum Beispiel
14:15auch eine Lupen-App,
14:16wo ich sonst noch oft an Sachen ranzoomen kann.
14:18Oder auch wenn ich was nicht sehe,
14:19zum Beispiel im Laden,
14:20wenn ich irgendwie meine Mascara suche,
14:21kann ich meine beste Freundin anrufen
14:22per FaceTime,
14:23und dann kann die mir sagen,
14:24die steht da.
14:25Ich nutze es zum Beispiel auch recht häufig.
14:31Wenn ich Leuten sage, dass ich blind bin
14:33oder die das vielleicht auch anders mitbekommen,
14:35weil ich irgendwie einen Stock in der Hand habe,
14:36ist, ich sag mal,
14:37in 80 Prozent der Fälle die Reaktion bei mir,
14:38du bist hübsch,
14:39du kannst nicht blind sein.
14:40Mich stört das total,
14:41weil wie sieht denn eine blinde Person aus?
14:43Also klar,
14:44vielleicht hat man irgendwie ein Bild
14:45von einer blinden Person im Kopf,
14:46wie man die vielleicht mal in einem Film oder so gesehen hat.
14:48Am Ende des Tages sind wir halt auch nur Menschen,
14:50wo irgendwie die Augen vielleicht nicht so gut funktionieren.
14:54Ich glaube, das Wichtigste für mich waren,
14:55Perspektiven zu finden.
14:56Irgendwas, wo ich weiß, ich kann mich drauf freuen.
14:58Zum Beispiel jetzt auch der Gedanke an einen Blindenhund,
15:01den ich vielleicht am Ende des Jahres
15:02mit ein bisschen Glück bekomme.
15:03Oder eben auch zu wissen,
15:04dass ich wahrscheinlich wirklich
15:05dieses Fach studieren werde,
15:07weil die Möglichkeit zu habe,
15:08mir auch einfach tatsächlich Zeit zu geben.
15:10Dass es eben nicht von heute auf morgen geht,
15:12dass alles plötzlich gut ist
15:13und ich meine Krankheit liebe,
15:14sondern dass es ein Prozess ist
15:15und das eben wirklich auch okay ist.
15:17Dass sich wirklich was verändert hat
15:21von meiner Sichtweise auch auf meine Krankheit
15:23und irgendwie auch auf mein Leben,
15:24habe ich jetzt an meinem 19. Geburtstag gemerkt,
15:26weil mein Wunsch von 14, 15, 16, 17. und 18. Geburtstag
15:31war eigentlich immer zu sehen oder zu sterben
15:34bei einem Kerzeausflasen,
15:35weil ich mir das Leben sonst einfach nicht vorstellen konnte.
15:37Und dieses Jahr war es jetzt das erste Mal anders
15:39und ich bin froh und unfassbar dankbar,
15:41am Leben zu sein.
15:42Die Möglichkeit zu haben,
15:43das Leben jetzt durch meine Krankheit
15:44auch nochmal auf eine ganz neue Art und Weise
15:46irgendwie auch tiefer kennenzulernen.
15:47Und bin total gespannt,
15:48wie das jetzt weitergeht auch im Studium
15:50und freue mich eigentlich inzwischen total auf die Zukunft.
15:52Auf Wiedersehen.
15:54Auf Wiedersehen.
15:55Auf Wiedersehen.
15:57Give my heart to break.