- vor 7 Monaten
Alexandra wurde 1942 als letzte von drei Töchtern der Eheleute August Treitz (1899–1969) und Wally Margarete Swetosch (1912–1969) in Heydekrug im Memelland geboren.[2][3] Ihre Familie kam im Zweiten Weltkrieg nach der Evakuierung des Gebiets rechts der Memel im Jahr 1944 und anschließender Flucht vor der Roten Armee zunächst nach Sachsen und dann nach Kiel. Eintrag von Doris Treitz in das Poesiealbum einer Mitschülerin am 7. März 1956
Dort besuchte sie die Volksschule und danach die Ricarda-Huch-Schule, damals ein Mädchengymnasium. Bereits mit zehn Jahren spielte sie Klavier, sang, tanzte und malte. Vom ersten selbst verdienten Geld, das sie durch den Verkauf von Zeichnungen erhielt, kaufte sie sich eine Gitarre.[4] Früh brachte sich Doris Treitz das Gitarrenspiel bei, erhielt Klavierunterricht und begann, eigene Lieder und Gedichte zu schreiben.
Mit siebzehn Jahren wollte sie als Modedesignerin arbeiten, brach die Schule ab und begann ein Grafikstudium an der Muthesius-Werkkunstschule.[5] In dieser Zeit hatte sie mehrere Gelegenheitsjobs, unter anderem als Sekretärin, Stenotypistin und Zimmermädchen. 1961 zog sie zusammen mit ihrer geschiedenen Mutter und ihrer Schwester nach Hamburg-Rothenburgsort und besuchte die Meisterschule für Mode. Nebenbei sang sie in Bars und Kneipen slawische Lieder, aber auch eigene Kompositionen. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte den neunten Platz. Im selben Jahr heiratete sie den 30 Jahre älteren russischen Emigranten Nikolai Nefedov (1912–1989), der als Untermieter bei ihrer Familie lebte. Anschließend wollte sie mit Nefedov in die USA auswandern. Am 26. Juni 1963 brachte sie ihren Sohn Alexander zur Welt. Die Ehe scheiterte; Alexandra und ihr Sohn blieben in Deutschland.
Dort besuchte sie die Volksschule und danach die Ricarda-Huch-Schule, damals ein Mädchengymnasium. Bereits mit zehn Jahren spielte sie Klavier, sang, tanzte und malte. Vom ersten selbst verdienten Geld, das sie durch den Verkauf von Zeichnungen erhielt, kaufte sie sich eine Gitarre.[4] Früh brachte sich Doris Treitz das Gitarrenspiel bei, erhielt Klavierunterricht und begann, eigene Lieder und Gedichte zu schreiben.
Mit siebzehn Jahren wollte sie als Modedesignerin arbeiten, brach die Schule ab und begann ein Grafikstudium an der Muthesius-Werkkunstschule.[5] In dieser Zeit hatte sie mehrere Gelegenheitsjobs, unter anderem als Sekretärin, Stenotypistin und Zimmermädchen. 1961 zog sie zusammen mit ihrer geschiedenen Mutter und ihrer Schwester nach Hamburg-Rothenburgsort und besuchte die Meisterschule für Mode. Nebenbei sang sie in Bars und Kneipen slawische Lieder, aber auch eigene Kompositionen. 1962 nahm sie an der Miss-Germany-Wahl teil und belegte den neunten Platz. Im selben Jahr heiratete sie den 30 Jahre älteren russischen Emigranten Nikolai Nefedov (1912–1989), der als Untermieter bei ihrer Familie lebte. Anschließend wollte sie mit Nefedov in die USA auswandern. Am 26. Juni 1963 brachte sie ihren Sohn Alexander zur Welt. Die Ehe scheiterte; Alexandra und ihr Sohn blieben in Deutschland.
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MenschenTranskript
00:00:00Diese Stimme, dunkel, melancholisch, unverwechselbar.
00:00:09Mit ihren unsterblichen Hits schrieb die Sängerin Alexandra Ende der 60er Jahre Schlagergeschichte
00:00:14und begeistert auch noch 30 Jahre nach ihrem Tod die Menschen.
00:00:18In ihrer kurzen Karriere gelang es Alexandra, sich als erste deutsche Liedermacherin ein musikalisches Denkmal zu setzen.
00:00:36Doch wer war diese Frau, die eine geheimnisvolle Aura umgab?
00:00:40Was steckt hinter ihrem mysteriösen Unfalltod?
00:00:48In Heidekrug, der ehemals östlichsten Stadt des Deutschen Reiches, dem heutigen Silute,
00:01:07heiraten 1936 der Justizsekretär August Treitz und die Schneiderin Wallis Vetosch.
00:01:13Sie bekommen drei Töchter. Alexandra ist die Jüngste und erblickt am 19. Mai 1942 als Doris, das Licht der Welt.
00:01:22Ich bin in Memeland geboren und meine Mutter ist aus einer altenbändischen Familie.
00:01:26Mein Vater ist halb Litauer und ich glaube, die Liebe zur östlichen Folklore, die liegt uns allen ein bisschen im Blut.
00:01:34Alexandra war das Nestekchen in der Familie. Sie genoss alle Vorteile und hatte Narenfreiheit.
00:01:45Sie war etwas eigenwillig und setzte sie schon als Kind durch.
00:01:50Mit ihren Schwestern Marianne und Melitta verbringt Doris eine unbeschwerte Kindheit,
00:01:56bis der Zweite Weltkrieg die Familie auseinanderreißt.
00:01:571944 mussten wir das Memeland träumen. Es gab nur am Abend eine kurze Aufforderung und am anderen Tag marschierten schon die Russen über die Grenze.
00:02:14August Treitz wird eingezogen und gerät in russische Gefangenschaft.
00:02:19Seine Frau Walli flieht mit ihren Töchtern von Ostpreußen über Sachsen nach Schleswig-Holstein.
00:02:23Im zerstörten Kiel findet ihre Flucht ein Ende. Der Vater kehrt heim.
00:02:35Als ich elf Jahre alt war, habe ich im Kirchenchor gesungen.
00:02:38Da gab es dann an Sonnenfeiertagen 60 Pfennige. Dafür konnten wir ins Kino gehen.
00:02:42Das war also eine grandiose Sache. Aber ich muss sagen, ich habe nicht wegen dieser 60 Pfennige gesungen,
00:02:47sondern weil es mir wirklich sehr viel Spaß machte.
00:02:49Ich weiß, ich war immer die dritte Stimme. Ich habe immer unten im Bass gesungen.
00:02:54Mutter Walli, die in Ostpreußen eine leidenschaftliche Klavierspielerin gewesen war,
00:02:58bittet ihren Mann für ihr Geliebtes, Dorettchen, ein Klavier zu kaufen.
00:03:05Ich habe mit zehn Jahren angefangen, Klavierunterricht zu nehmen und war mit großer Begeisterung dabei.
00:03:12Also es war nicht so, dass man mich nun prügeln musste.
00:03:15Nun komm, endlich üben. Ich habe geübt und habe die Schularbeiten nicht gemacht und habe den ganzen Tag am Klavier gesessen.
00:03:19Meine Mutter hat auch sehr viel mit Klassik zu tun gehabt.
00:03:27Sie hat Klavier gespielt, hat sehr viel Schubert gespielt.
00:03:29Es gibt noch Aufnahmen davon, die ich oft gerne höre.
00:03:35Doris tritt regelmäßig bei Schülerkonzerten auf, nimmt Ballettunterricht, schreibt Gedichte und gewinnt Malwettbewerbe.
00:03:42Die vielen künstlerischen Neigungen führen bei dem jungen Mädchen zu einem Wirbel von Gefühlen und Entschlüssen.
00:03:51Es war so, ich habe nach dem Gymnasium, wollte ich unbedingt einen künstlerischen Beruf ergreifen.
00:03:55Es hat mich zur Bühne hingezogen und zur Grafik.
00:03:57Also ich war früher recht zersplittert.
00:03:59Und mein Vater hat gesagt, also wenn du schon eine Kunst sein musst, bitte lieber Grafik.
00:04:03Doris beginnt für wenige Monate eine Ausbildung an der Kieler Mutesius Schule.
00:04:07Ich habe dieses Studium ja nicht zu Ende gemacht, aber ich habe immerhin so an die 40, 50 Tierbilder früher verkauft.
00:04:17Das war so ein fantastischer Nebenerwerb und ich muss sagen, meine Bilder sind immer fantastisch mit weggegangen.
00:04:22Also habe ich viel Glück gehabt.
00:04:24Denn davon konnte ich mir eine Gitarre kaufen von diesem Geld und konnte mir das Gitarrespielen beibringen.
00:04:30Und mit der Gitarre nahm das Verhängnis, wenn Sie so wollen, nein, nicht das Verhängnis, nahm mein eigentlicher Beruf seinen Anfang.
00:04:41Musik
00:05:00«В том саду, где мы с вами встретились,
00:05:13вас любимый куст ры с антем расцвёл,
00:05:19Doris Eltern lassen sich scheiden.
00:05:45Die Mutter zieht mit ihrer ältesten Tochter Melitta und ihrem Dorettchen nach Hamburg.
00:05:50Diese Weltstadt verspricht Aufregung, neue Impulse und Möglichkeiten.
00:05:55Doch die anfängliche Euphorie wird schon bald gebremst, das Geld ist knapp und die drei Frauen müssen lernen, umzudenken.
00:06:05Sie finden eine Sozialbauwohnung in Rothenburgs Ort, dem Arbeiterviertel.
00:06:10Wallit Reitz vermietet eines ihrer drei Zimmer und arbeitet wieder als Schneiderin.
00:06:13Im Gegensatz zu ihrer ältesten Schwester wird Doris weiter von ihrer Mutter unterstützt, die davon träumt, dass ihre Jüngste einmal Karriere macht.
00:06:23So stößt Wallit Reitz eines Tages auf eine Illustrierte, die Teilnehmerinnen für die Miss Germany Wahl sucht.
00:06:32Doris schafft als Miss Hamburg den Sprung unter die elf schönsten Frauen Deutschlands und wird am Tag der Wahl gefragt, was sie sich im Fall eines Sieges wünschen würde.
00:06:40Vielleicht könnte ich mir das leisten, mir einen Löwen zu kaufen, einen jungen Löwen, den ich aufziehen würde.
00:06:46Und dann würde ich gerne, natürlich hoffe ich dann dadurch, Chansonsängerin zu werden.
00:06:51Und zwar möchte ich mal gerne russische Chansons singen und überhaupt vom Balkan, französische.
00:06:58Also es ist mein Berufstraum.
00:07:00Traum.
00:07:08Trotz der Startnummer 1 schafft sie es nicht aufs Siegertreppchen.
00:07:12Doch das stört sie nicht.
00:07:13Sie ist inzwischen frisch verliebt und tröstet sich in den Armen ihres russischen Freundes Nikolai Nevjedov,
00:07:19der seit kurzem bei ihrer Mutter zur Untermiete wohnt.
00:07:21Doris liebt alles Russische, lernte schon als Kind die Sprache und singt zur Gitarre russische Volksweisen.
00:07:30So dauert es nicht lange, bis sie sich mit Nikolai verlobt und mit ihm zu seiner Familie nach Boston fliegt.
00:07:36Tante Walli war gar nicht damit einverstanden.
00:07:38Das weiß ich ganz genau, das hat sie ja uns in Remscheid auch gesagt.
00:07:42Hildegard, meine Doris möchte einen Russen heiraten und 30 Jahre älter.
00:07:48Nein, da bin ich gar nicht mit einverstanden.
00:07:51Es sind solche großen Unterschiede.
00:07:53Es kann nicht gut gehen.
00:07:54Dieser Mann hat eine ganz andere Mentalität, eine russische und wir haben ein deutsches Herz.
00:08:02Doris heiratet im Dezember 1962 ihren Nikolai.
00:08:06Sie fühlt sich bei diesem älteren Mann geborgen und plant mit ihm in die USA auszuwandern.
00:08:11Sie will den engen, ärmlichen Verhältnissen entfliehen und erhofft sich an der Seite des Kaufmanns die Erfüllung ihrer Träume.
00:08:18Am 26. Juni 1963 wird ihr Sohn Alexander geboren.
00:08:23Ich konnte immer hören, wie sie Gitarre spielt und singt.
00:08:39Sie hat so geübt und ich könnte sitzen und zuhören.
00:08:45Nach einigen Monaten merkt Doris, dass sie sich der Ehe nicht gewachsen fühlt und bittet ihren Mann um die Scheidung.
00:09:01Sie hat Angst, dass das Wohl ihres Sohnes, den sie liebevoll Sascha nennen, unter ihren zunehmenden Auseinandersetzungen leiden könnte.
00:09:07So wandert Nikolai allein nach Amerika aus und Doris zieht mit dem kleinen Sohn wieder zu ihrer Mutter.
00:09:14Frau zieht der Nebel durch die menschenleere Stadt.
00:09:22Mein Herz ist einsam, weil es dich verloren hat.
00:09:32Könnte ich dich doch fragen, was ist nur geschehen?
00:09:38Könnte ich dich verstehen, dann werde ich dir sagen, ich kann dich verstehen.
00:09:49Und so wird für mich die Zeit zu einer Ewigkeit.
00:09:56Ich warte vergebens, so viele Stunden des Lebens.
00:10:06Lass neu uns beginnen, wenn die Nebel zerrinnen.
00:10:13Nach der Trennung von ihrem Mann beginnt Doris eine Ausbildung
00:10:42bei der renommierten Schauspiellehrerin Margot Höpfner.
00:10:47Die Freiheit, die Hemmung wegzuspielen, die habe ich auf der Schauspielschule gelernt.
00:10:53Normalerweise kann jeder Mensch nicht seine Gefühle frei produzieren.
00:10:56Das muss man halt lernen.
00:10:57Dass man ungehemmt ist, dass man sich geht, wie man denkt, wie man fühlt.
00:11:03Schon nach kurzer Zeit besticht Doris durch ihr Können und erhält ihr erstes Engagement.
00:11:08In Neumünster habe ich eine sehr schöne Rolle gespielt.
00:11:11Und mein großer Traum ist, einmal in Berlin auf den Brettern zu stehen, eben als Schauspielerin.
00:11:24Auch der Film lässt nicht lange auf sich warten.
00:11:27In Friedrich Ebert, Geburt einer Republik, spielt Doris eine Spartakistin und singt vor dem Berliner Reichstag die Internationale.
00:11:36Leider sind diese Aufnahmen nach ihrem Tod aus dem Film herausgeschnitten worden und seitdem verschollen.
00:11:41Neben zahlreichen Jobs, die sie ausgeführt hatte, tingelte sie des Abends auch noch durch Bars umher, um ein bisschen Geld zu verdienen für ihre Schauspielkunst.
00:11:56Sie hat da bereits schon Lieder gesungen und sich mit der Gitarre begleitet.
00:12:01In den drei Jahren ihrer Schauspielausbildung weiß Doris manchmal nicht, wie sie das Schulgeld und den Unterhalt ihres Sohnes bezahlen soll.
00:12:21Zahlreiche Versuche, ihre Tonbänder mit eigenen Liedern an Plattenfirmen und Sendeanstalten zu vermitteln,
00:12:26werden mit der Begründung abgelehnt, diese seien zu melancholisch und schwermütig.
00:12:31In den anrühchigen Bars, in denen sie singt, macht man ihr eher das Angebot als Tänzerin aufzutreten, was sie aber nur kurze Zeit tut.
00:12:38Sie ist verzweifelt und sie denkt schon daran, alles aufzugeben.
00:12:43Hereinspaziert, hereinspaziert, hier sehen Sie Sensationen.
00:12:49Für eine Mark hereinspaziert, das wird sich für Sie lohnen.
00:12:55Da liest Walli Treitz erneut eine Anzeige. Diesmal sucht die Deutsche Wochenschau Volkssänger.
00:13:00Während der Dreharbeiten bekommt Doris Kontakt zu den City Preachers, einem aufstrebenden Folkloreensemble,
00:13:06und damit auch ihre erste große Chance, sich als Sängerin zu profilieren.
00:13:11In einer dunklen Hamburger Bar, wo noch vor kurzem Musicbox und Plattenspieler für leere Tische und leere Kassen sorgten,
00:13:19fand eine Gruppe junger Leute Einlass und mit ihnen ein neuer Sound.
00:13:24Sie haben sich einer neuen Welle verschrieben, die aus Amerika kommend sich bereits in London und Paris durchgesetzt hat.
00:13:29Sie singen Volkslieder aus aller Welt, Chansons, Balladen und Blues.
00:13:33Durch ihren ersten Auftritt in der Wochenschau wird Doris schließlich entdeckt.
00:14:02Ich habe mir das Schauspielstudium selbst verdient, wie es viele meiner Kolleginnen mussten,
00:14:08als Redakteurin, als Sekretärin, als Autovermieterin.
00:14:13Bis es dann endlich so weit war, dass mich Fred Weyrich, mein Plattenproduzent, für die Platte entdeckte.
00:14:18Und zwar auf einer Party bei meinem ehemaligen Chef.
00:14:21Das war keine Party in dem Sinne, das war eine Jubiläumsfeier.
00:14:24Und da habe ich Gitarre gespielt und gesungen.
00:14:25Und es hat dann anscheinend gut gefallen.
00:14:28Da kam sie mit einer Gitarre unterm Arm, Gitarrenkasten unterm Arm und mit einem Fähnchen von Glide,
00:14:34also ziemlich dürftig angezogen.
00:14:36Und da weiß ich noch, ich stand vor ihr, sie guckt mich an mit ihren großen Augen.
00:14:43Und ich sagte zu ihr, wenn sie so singen, wie sie aussehen, dann können wir, glaube ich, was zusammen machen.
00:14:48Fred Weyrich ist derart von Doris vielsprachigem Repertoire und ihrer Ausstrahlung fasziniert,
00:14:57dass er ihr auf der Stelle einen Vertrag anbietet und Probeaufnahmen organisiert.
00:15:02Ich glaube nicht, dass ich vor drei oder vier Jahren mit den Liedern, die ich singe und mit meiner Art zu singen,
00:15:21also Erfolg gehabt hätte, zumindest nicht in Deutschland.
00:15:25Fred Weyrich stößt mit seiner Neuentdeckung bei der Phonogrammdirektion auf strikte Ablehnung.
00:15:29Doch er gibt nicht auf und ermöglicht Doris ohne Erlaubnis der Plattenfirma einen Auftritt vor wichtigen Musikjournalisten und Händlern.
00:15:36Mit Fräulein Doris Neffjodorf bin ich nach Husum gefahren und habe sie dort hinter der Bühne versteckt, in einem Nebenraum.
00:15:43Ich bin raus, habe ihnen eine nette Begrüßung gemacht, ich habe etwas in der Tasche, einen kleinen Geheimtipp.
00:15:48Ich bitte um eure Unterstützung und um euer Urteil.
00:15:51Ich darf Ihnen jetzt vorstellen, sie kommt mit ihrer Gitarre, mit ihrer Stimme, mit ihrem Charme und ihren Liedern.
00:16:01Doris Neffjodorf
00:16:03Wir sind am nächsten Morgen nach Hause gefahren und auf der Fahrt nach Hause,
00:16:28da haben wir über einen Namen gegrübelt, wie sie heißen könne.
00:16:32Doris Neffjodorf sei ja wohl ein bisschen schwierig zu merken und so kamen wir von einem Gedanken in den anderen.
00:16:40Dann erzählte sie mir von ihrem Sohn, dass der doch Sascha hieße.
00:16:44Und Sascha, da sagte ich, was ist denn Sascha, Alexandra oder wie heißt Alexander?
00:16:49Lange Rede, kurzer Sinn.
00:16:51Ich sage, pass auf, was halten Sie von Alexandra?
00:16:54Ganz kurz Alexandra.
00:16:56Fabelhaft, da bin ich mit einigermaßen.
00:16:57Doris' erfolgreicher Auftritt in Husum überzeugt nun auch die Phonogrammdirektion.
00:17:04Und Fred Weyrich erreicht sogar, dass sein Schützling mit einer Langspielplatte gestartet wird,
00:17:09ein bis dato einmaliges Wagnis in der Branche.
00:17:12So wird aus der Schauspielschülerin Doris die Sängerin Alexandra.
00:17:16Über Meere weich fliegt mein Herz zu dir, fliegen all meine Träume hinaus.
00:17:35Noch vor Alexandras LP-Veröffentlichung erfährt Fred Weyrich,
00:17:56dass der Schweizer Bandlieder Hasi Osterwald noch eine Sängerin für seine Tournee sucht.
00:18:01Sie kam, ich habe die beiden aufeinander geführt, das ist Alexandra und das ist Hasi Osterwald.
00:18:11Und da sagte er sofort auf sie zu, haben Sie Lust mit mir sechs Wochen auf Tournee in Russland zu gehen?
00:18:19Ich habe gesagt, die flippt mir aus.
00:18:21Die ist dem Bein um den Hals gefallen, das wäre ihr größter Wunsch, ihr sehnlichster Wunsch.
00:18:25Das kann doch wohl gar nicht wahr sein, dass sowas auf sie zukommt.
00:18:37Auf der Reise strapaziert Alexandra ständig die Nerven ihrer Kollegen,
00:18:43weil sie in jeder freien Minute Gitarre übt, singt oder komponiert.
00:18:47Sie will perfekt sein und schnell als Profi akzeptiert werden.
00:18:55Das war das erste öffentliche Auftreten auf einer Bühne, was Singen anbelangt.
00:18:58Und das war wirklich für mich ein Kopfsprung ins kalte Wasser, kann man es nennen.
00:19:04Alexandra und das Hasi Osterwald-Ensemble reisen von Leningrad nach Grosny, von Tiflis bis zur Krim
00:19:10und legen in anderthalb Monaten mehr als 36.000 Kilometer zurück.
00:19:15Die Tournee wird für alle Beteiligten zu einem Riesenerfolg.
00:19:18Als das Ensemble im Juni 1967 nach Berlin zurückkehrt und in einem Hotel seine Abschiedsvorstellung geben will,
00:19:30wird es von den gewalttätigen Studentenunruhen und der Ermordung Benno Ohnesorgs überrascht.
00:19:39Alexandra möchte so schnell wie möglich nach Hause zu ihrem Sohn.
00:19:43Doch da taucht plötzlich Fred Weyrich auf, der ganz andere Pläne mit ihr hat.
00:19:47Wir fahren nach Saarbrücken und nicht nach Hamburg.
00:19:50Sie wollte aus dem Auto springen.
00:19:52Ich will nach Hause, ich bin müde, bin kaputt.
00:19:54Sag ja, du darfst, erst übermorgen.
00:19:56Jetzt gehen wir erst nach Saarbrücken.
00:19:58Du bist Gast bei Gilles Berbicot in dessen großer Show mit Druckbrand.
00:20:03Was sagst du nun?
00:20:04Alexandra war jedenfalls voller Ehrfurcht und Glück, dass ich überhaupt in dieser Show drin sein durfte.
00:20:13In letzter Minute kommen Alexandra und ihr Produzent in Saarbrücken an.
00:20:19Druckbrands erwartet sie schon ungeduldig und befiehlt Alexandra, sich umgehend für ihren ersten Fernsehauftritt umzuziehen.
00:20:25Fred Weyrich drückt ihr ein Samtkleid in die Hand, das ihre Mutter für sie geschneidert hat.
00:20:29In der Bicot-Show war Bicot außerordentlich angetan.
00:20:36Wir alle waren angetan.
00:20:39Und Bicot hat sogar gesagt, Mensch, Druck, das ist ja einer von uns.
00:20:45Druckbrands war für sie, will ich einmal sagen, ein väterlicher Dino.
00:20:50Der Mann, der es mit einem Blick gesehen hat, dass in dieser Frau wahnsinnig viel steckt, wahnsinnig viel künstlerische Potenz, wahnsinnig viel Ausstrahlung.
00:21:04Sie schritt die Treppen runter, singend, als hätte sie in ihrem Leben nie was anderes getan.
00:21:09Dafür ist sie eine solche Selbstverständlichkeit.
00:21:10Und ich hörte durch das Mikrofon eines Kameramanns neben dem, ich stand durch das kleine Ohrenmikrofon,
00:21:16hörte ich, wie der Pranz in der Regie umsagte, ein Weltstar ist geboren, ihr Arschlöcher, passt besser auf, die ist doch riesig.
00:21:23Und ich hörte durch das kleine Ohrenmikrofon,
00:21:53Nicht nur die Deutschen, sondern auch die Franzosen werden hellhörig.
00:22:22Man macht Alexandra das Angebot, Adamo auf seiner ersten Deutschland-Tournee zu begleiten.
00:22:33Die erste Begegnung war in Berlin, in der Philharmonie, anlässlich eines Konzerts von Salvatore Aramo,
00:22:42in einer sehr erfolgreichen Veranstaltung, bei der im Vorprogramm nach dem Modell Olympia drei junge Interpreten die Chance bekommen haben, aufzutreten.
00:22:55Und eine davon war Alexandra.
00:22:58Sie hat einen enormen Erfolg gehabt, da sehr viel Branche anwesend war.
00:23:03Also Medienleute haben die natürlich den Namen Alexandra inhaliert.
00:23:09Von dem Moment an war sie ein Thema.
00:23:11Das war sie ein Thema.
00:23:12Das war sie.
00:23:13Das war sie.
00:23:14Das war sie.
00:23:15Das war sie.
00:23:16Das W bye für coil.
00:23:18Das war sie.
00:23:20Untertitelung des ZDF, 2020
00:23:50Am Ende des Tournees, wir waren Freunde, wir haben Witz zusammen gemacht, wir haben gelacht und es war auch deutlich, dass wir auf dieselben Wellen waren.
00:24:01Das genügt, es genügt ein Blick, um das zu verstehen.
00:24:06Während unserer gemeinsamen Tournee im letzten Jahr habe ich auch Gelegenheit gehabt, ihn persönlich kennenzulernen
00:24:21und er ist für mich eine Mischung, eine ideale Mischung aus Herz und Intelligenz.
00:24:27Die Wellen sind flüsternd erwacht und beginnen zu tanzen.
00:24:39Auf goldenen Seen ich, sich, sich, sich, sich im Walzer des Sommers zu drehen.
00:24:51Dreht euch, dreht euch, du mein Traum, du meine Liebe.
00:25:06Alexandra ist die erste Interpretin, der Adamo erlaubt, seine Lieder zu singen und für ihn deutsche Übersetzungen und Texte zu schreiben.
00:25:14In dem Verhältnis von Alexandra zu Adamo muss es irgendeine Art Seelenverwandtschaft oder sonst was gegeben haben.
00:25:25Sie hat also immer sehr euphorisch von ihm gesprochen und nach ihrem Tod, als ich da ein bisschen verhautigt half, den Nachlass zu sichten,
00:25:35fand ich in einer Schachtel, in einem, so einem Seidentütchen, eine Locke von Adamo.
00:25:42Die hatte sie sich irgendwie als Talisman aufgehoben gehabt.
00:25:55Durch die Zusammenarbeit mit Gilbert Bécot und Adamo, ihre Sprachbegabung und besondere Ausstrahlung,
00:26:10wird Alexandra auch der Start in Frankreich erleichtert.
00:26:14Kaum ein deutscher Sänger schaffte bisher den Sprung ins französische Showgeschäft.
00:26:18Alexandra kann es kaum erwarten, nach Paris zu fliegen.
00:26:25Die Tür nach draußen hat uns wirklich Philipps Frankreich geöffnet.
00:26:31Da wurden Verträge skizziert und auch schon abgeschlossen,
00:26:35die eine Garantie für anderssprachige Produktionen gab.
00:26:39Untertitelung des ZDF, 2020
00:27:09Ich habe in Paris drei Fernsehsendungen gemacht, unter anderem auch mit Yves Montin.
00:27:19Das heißt, ich habe sie nicht gemacht, ich durfte mitwirken.
00:27:21Und ich muss sagen, mit sehr viel Erfolg, ich habe auch zum Olympia-Kontakt aufgenommen.
00:27:24Und man ist sehr interessiert, mich im Sommer unter Vertrag zu nehmen.
00:27:27Natürlich nicht für den Hauptteil, sondern im Vorteil, aber das will sehr viel heißen.
00:27:39Anfangs ist Alexandra häufiger im französischen Fernsehen vertreten als im deutschen,
00:27:44da Showmaster wie Peter Frankenfeld und Vico Toriani skeptisch sind und erst einmal abwarten wollen.
00:27:50Die Verpflichtungen erfordern schon bald ein professionelles Management.
00:28:11Alexandras Wahl fällt auf Hans R. Bayerlein, den sie inzwischen liebt und dem sie vertraut.
00:28:16So kam die Geschichte Bayerlein, der ja damals durch Udo Jürgens sich einen sehr großen Namen gemacht hatte
00:28:22und eigentlich das funktionierendste Büro auf dem Gebiet überhaupt war,
00:28:27wovon man nur Traum träumen durfte, mit ihm zusammenzuarbeiten. So geschah hat den auch.
00:28:32Ihnen haben immer nur Leute interessiert, die zur damaligen Zeit, die außerhalb des Klischees waren.
00:28:39Sie hat eine neue Qualität in das Popgeschäft gebracht.
00:28:47Sie war die erste, die sich mit dem Begriff Chanson nicht nur auseinandergesetzt hat, sondern die das gelebt hat.
00:28:54Im Juni 1968 nimmt Alexandra im tschechischen Karzbad erstmals an einem internationalen Festival teil.
00:29:16Also das war für sie in der Tat eine sehr schwierige Angelegenheit, ein fremdes Land noch dazu in einem Ostblock,
00:29:21wo man sich auch nicht so frei bewegen konnte. Sie hat ein ziemliches Flattern bekommen
00:29:28und ich habe versucht, sie ein bisschen wieder auf Norm zurückzuholen und ihr die Aufregung zu nehmen.
00:29:39Und das ging dann neben vielem guten Reden durch eine Valium-Tablette.
00:29:47Und sie ist dann tatsächlich am Abend so sicher gewesen, als ob sie ihr Leben lang nichts anders gemacht hätte,
00:29:54als in Karlsbad bei einem Interversionsfestival aufzutreten.
00:29:58Und auch die 2. západon-Nemeckige Televizierungspolitik ARD
00:30:02reprezentiert die знäma spezifische Hviede, Alexandra.
00:30:07Ich war noch ein Kind, da kamen Zigeunen, Zigeunen in unsere Stadt.
00:30:24Die Wagen so bunt, die Pferdchen so zack, sie zogen die Wagen so schwer.
00:30:37Und ich lieb hinterher, immer nur hinterher.
00:30:46Durch ihr Auftreten, durch ihr Habitus, durch ihre charmante Art sich zu präsentieren, war sie der Liebling der internationalen Presse, die dort zugegen war.
00:30:56Und das schlug sich dann nachher darin nieder, dass sie mit einem Pressepreis, dem Preis der Medien, als erste Auszeichnung in ihrer Karriere belohnt wurde.
00:31:07Zigeunerjunge, Zigeunerjunge, zigeunerjunge spielte am Feuer.
00:31:21Ja, das ist der Zigeunerjunge, mein Lieblingslied.
00:31:24Und dazu möchte ich sagen, dass meine Mutter und sehr oft erzählt hat, meine Schwestern und mir, wie es damals gewesen ist, wenn die Zigeuner von fern ins Dorf kamen,
00:31:33wenn man schon die Kastanierten und die Tambourins klappern hörte und dann hatten sie oft dann Tanzbären mit.
00:31:38Und all diese Dinge, die habe ich, glaube ich, doch da reingebracht, die habe ich mir alle vorgestellt.
00:31:42Und dieses Lied liebe ich ganz besonders.
00:31:44Aber ich durfte nicht gehen.
00:31:49Die Wagen so bunt, die Pferdchen so zattig, es zog mich zurück an den Ort.
00:31:58Und ich lief heimlich fort.
00:32:02Und ich lief heimlich fort.
00:32:02Das war auch mein erster großer Erfolg, der mich in Deutschland bekannt gemacht hat und nun auch inzwischen in Frankreich.
00:32:09Also ich kann das noch gar nicht zurecht fassen, dass es so schnell gegangen ist.
00:32:13Das war auch mein erster Weg.
00:32:43Das war auch mein erster Weg.
00:33:13Welches ist Ihr nächstes großes Ziel?
00:33:23Ich möchte zur Elite zumindest im deutschen Showgeschäft gehören und das nicht erst in zehn Jahren.
00:33:28Der beachtliche Verkauf ihrer ersten Langspielplatte bestärkt Alexandra, eigene Kompositionen und Texte auf einer zweiten LP zu veröffentlichen.
00:33:40Ich habe eine Schwäche dafür, Texte zu machen und auch wieder wegzuwerfen.
00:33:48Aber ein paar bleiben immer übrig.
00:33:50Und ich freue mich, wenn andere Leute sie auch so gut finden, dass ich sie auf der Platte aufnehmen kann und dann später auch auf der Bühne singe.
00:33:57Sie wollte gegen den Strom Dinge machen, die nicht alltäglich sind und besonders damals nicht alltäglich waren.
00:34:10Weil damals gab es keine Liedermacher. Das waren ja alles Vorläufer dieser Entwicklung.
00:34:15Wir wollten einfach, dass man anfängt über andere Dinge zu singen als über Herzschmerz und vor allen Dingen Italien.
00:34:21Die Lieder, die sie damals gesungen hat, waren durchaus ernstzunehmende Lieder auf einer gewissen Verbesserung deutscher Schlager hingearbeitet.
00:34:33Der deutsche Schlager war damals nicht, war zwar sehr erfolgreich, aber er war leider sehr schlecht.
00:34:39Das ist nicht so angenehm. Also ich würde lieber sagen, ich bin aus Honolulu, als gerade aus Deutschland im Showbusiness.
00:34:45Warum? Haben Sie da schon Ahnung?
00:34:46Leute lächeln und ja, eben das deutsche Schlagergeschäft hat keinen guten Namen.
00:34:52Besonders nicht in Frankreich. Und das liegt wahrscheinlich weniger an der Musik als an den Texten.
00:34:57Es sind genug Franzosen, die ganz gut Deutsch sprechen.
00:35:00Was sind wir Menschen, doch für Leute?
00:35:08Heute sagt man, du bist mein einziger Freund.
00:35:12Und morgen vielleicht, es war nicht so gemeint.
00:35:16Weil keiner zu seinen Worten mehr steht.
00:35:20Wenn es um die eigenen Vorteile geht.
00:35:23Vergessen ist morgen die Liebe von heute.
00:35:28Was sind wir Menschen, doch für Leute?
00:35:29Alexandra erreicht, dass auf dem Nachfolgealbum zur Hälfte ihrer eigenen Lieder erscheinen.
00:35:35Doch die LP wird zum Ladenhüter.
00:35:37Die Phonogramm weigert sich, genügend Werbung zu machen und eine Single auszukoppeln.
00:35:41Nicht einmal Mein Freund der Baum findet bei der Direktion gefallen.
00:35:45Ich habe gerade eben irgendwann eine Kritik gelesen.
00:35:48Alexandras Lieder gehen ins Herz, aber nicht ins Ohr.
00:35:52Das ist wohl alles gesagt, nicht?
00:35:55Aber ich fasse diesen Spruch als Kompliment auf.
00:35:58Die Medien, also das war damals in erster Linie Rundfunk und Fernsehen, mehr Rundfunk als Fernsehen, waren nicht sonderlich Helfer der Entwicklung von Alexandra.
00:36:10Dort ist sehr viel Vorbehalt gewesen.
00:36:14Die Stimme war ihnen nicht deutsch genug.
00:36:17Die Lieder waren ihnen nicht deutsch genug.
00:36:19Die Lieder waren noch nicht reif.
00:36:22Die Zeit war noch nicht da für die Lieder.
00:36:25Und deswegen musste ja laut Vertrieb, da wurde ich ja, ich kriegte ja Fesseln angelegt.
00:36:29Er hat gesagt, bitte mach uns einen Hit, sonst bist du die Dame los oder wir sind sie los.
00:36:33Also, dann haben wir in der Notfrist der Teufel fliegen, haben wir nach russischen Motiven gesucht und fanden Sehnsucht.
00:36:40Es war ein Segen, dass wir das fanden.
00:36:42Doch nicht für Alexandra.
00:36:43Für sie ist Sehnsucht ein einfältiges russisches Kinderlied, ein Durchschnittsschlager, den sie keinesfalls singen möchte.
00:36:50Fritt Weyrich pocht auf ihre Vertragserfüllung und setzt den Termin für die Aufnahme fest.
00:36:54Das Studio war am Potsdamer Platz, das ehemalige Esplanathotel, direkt am Tiergarten.
00:36:59Alles eine einsame Gegend, man guckte in die russische Zone da, in die DDR rein.
00:37:03Und sie erschien im Studio, sehr schlecht gelaunt, das sah ich ja schon an, weil sie Sehnsucht auf sich zukommen sah.
00:37:11Dann kam der Rudi Bauer, versuchte ihr das im Klavier zu demonstrieren, wo ihre Einsätze sind, Übergänge etc.
00:37:17Und das passte ihr nun überhaupt nicht.
00:37:20Mit diesem Mann kann ich nicht arbeiten.
00:37:21Und da rutschte mir die Hand aus und ich klatschte mit der Hand auf den Flügeldeckel und das knallte wie ein Schuss in diesem großen Raum.
00:37:29Und darauf verließ sie fluchtartig das Studio, rammte raus, war verschwunden.
00:37:35Nach einer Stunde etwa, draußen goss es in Strömen, kam sie zur Tür rein, mit verwaschenem Haar, sie sah also wirklich gefährlich aus.
00:37:44Mit verwaschener Schminke im Gesicht.
00:37:46Ich möchte jetzt singen!
00:37:47Und sie gingen also ans Mikrofon runter und sie sang genau einmal diese Sehnsucht durch.
00:37:56So, wie es dann auf der Platte erschienen ist.
00:37:58Als Sehnsucht in kurzer Zeit die Hitparaden stürmt und auch in Frankreich Beachtung findet, versteht Alexandra die Welt nicht mehr.
00:38:18Das Lied der Tiger wird ihr kommerziell größter Hit.
00:38:23Das Komische daran ist, dass diese perfekte Live-Künstlerin später, nachdem sie geschworen hatte, Sehnsucht nie wieder zu singen,
00:38:33dann mit diesem Lied so erfolgreich wurde, in so vielen Fernsehsendungen auftreten musste,
00:38:38aber da es nur ein Vollplayback-Band gab, konnte sie es nicht anders als mit Lippenbewegung, Lippen synchron singen.
00:38:47Sehnsucht liegt noch immer in den Tönen abends, wenn das alte Lied erklingt.
00:39:00Die endlosen Steppen und die tiefen Felder, die wie graue Schatten oft vor mir stehen.
00:39:27Nebel die Gewöße, taubedeckte Wälder, alles möchte ich einmal, einmal wieder singen kann.
00:39:42Sehnsucht heißt das alte Lied der Tiger, das schon damals meine Mutter sang.
00:39:54Sehnsucht lag im Spiel der Ballerleiter, wenn sie abends vor dem Haus erklang.
00:40:07Den neuesten Titel, den Sie aufgenommen haben, Sehnsucht, der ist ja schon ein bisschen gängiger als der Zigeunerjunge.
00:40:20Ein bisschen mehr in Richtung Publikumsgeschmack. Wie wird es weitergehen?
00:40:23Ich freue mich auf der einen Seite, dass das Publikum mir auch solche Lieder wie Sehnsucht abnimmt,
00:40:30auf der anderen Seite aber wird es in Richtung ganz anspruchsvolle Chanson weitergehen.
00:40:35Sie war immer die Persönlichkeit Alexandra, die genau wusste, was sie wollte.
00:40:41Und in dem Augenblick, wo sie unsicher wurde, hat sie dann hilfesuchend um Rat gefragt,
00:40:47aber bei den Leuten, zu denen sie Vertrauen hatte. Und das waren ganz, ganz wenige.
00:40:51Alexandra bittet Hans Beyerlein, ihr zu helfen.
00:40:55Sie hat das Gefühl, dass man sie auf eine bestimmte Schlagerschiene festzulegen versucht
00:40:59und befürchtet, wie Roy Bleck und Renate Kern Lieder singen zu müssen, die nicht zu ihr passen.
00:41:05Ich habe den Eindruck, als ob die Phonogramm sich der Potenz Alexandra nicht voll bewusst war.
00:41:13Man hätte dort gerne weitergemacht mit Russen, Themen und Kasachok und dergleichen mehr,
00:41:25weil das in der Tat eben leichter zu verkaufen gewesen wäre, aber natürlich dann irgendwann ein Ende hat.
00:41:32Das war zuerst mein Wunsch, in russische Richtung zu marschieren.
00:41:36Und heute, muss ich sagen, möchte ich da wieder raus, weil es ist zur allgemeinen Weltwelle geworden
00:41:40und es gefällt mir überhaupt nicht, da nur mit drin zu schwimmen.
00:41:43Es war schwierig für einen Sänger, der ehrlich bleiben wollte,
00:41:52vielleicht gegen die Showbusiness-Mentalität zu kämpfen,
00:41:58weil man musste sehr viele Kompromisse akzeptieren.
00:42:03Mein Herz war leer, nur fremde Menschen um mich her.
00:42:08Ich war allein, eine schwarze Balalaika gab er zum Abschied mir.
00:42:25Eine schwarze Balalaika blieb mir vom Glück mit dir.
00:42:31Sascha, Sascha, deine Lieder singe ich, singe ich immer wieder.
00:42:46Die russische Welle hat sich totgelaufen.
00:42:50Und es gab ja auch andere Interpreten, die sich der russischen Welle bedient haben.
00:42:54Ein Leben lang russische Welle zu reiten, ist weder für sie noch für einen anderen Interpreten,
00:43:00nicht mal für Ivan Rapprov interessant.
00:43:02Und natürlich haben wir versucht, ihr Lieder oder sie zu bestärken,
00:43:10die Lieder, die sie gerne gemacht hätte oder gemacht haben wollte, auch tatsächlich zu machen.
00:43:16Wenn einer Texte haben soll ich nicht texten, meine Texte sind teilweise besser als die, die ich sonst singe.
00:43:20Um die Zweifler zu bekehren, hat Bayerlein eine brillante Idee.
00:43:33Er bittet Udo Jürgens, den er vom erfolglosen Schnurzensänger zur Nummer 1 des Showbusiness aufgebaut hat,
00:43:38mit Alexandra zusammenzuarbeiten.
00:43:41Udo kenne ich ja nun schon ziemlich lange.
00:43:43Ich kenne ihn schon da, als mich noch kein Mensch gekannt hat.
00:43:45Und ich habe ihn immer gern gemocht, seine Art zu singen, seine Lieder.
00:43:49Wir haben zusammen etwas angefangen, was es nicht gab.
00:43:51In Deutschland eben Texte in die Richtung, wie die französischen Chansons sind.
00:43:56Und ja, wir wollten eigentlich eine Menge zusammen machen.
00:44:00Ein Lied haben wir zusammen geschrieben, aber eben nur eins.
00:44:03Ein sehr schönes Illusion.
00:44:04Und das Bewusstsein zu schärfen für unsere Alltagssorgen und die auch in Lieder einfließen zu lassen,
00:44:10das war etwas, was wir versucht haben.
00:44:12Udo Jürgens hat die Melodie gemacht, ich habe dann den Text drauf gemacht.
00:44:15Das ist also unsere erste gemeinsame Co-Produktion, unser gemeinsames Werk, wenn Sie so wollen.
00:44:22Und ich hänge sehr dran.
00:44:24Mit Illusionen präsentiert Alexandra auf ihrer dritten Single erstmals ein anspruchsvolles Chanson.
00:44:31Fortan wird sie als weiblicher Udo Jürgens gehandelt und sogar schon mit Hildegard Knef, einem ihrer großen Vorbilder, verglichen.
00:44:37Bayerleins Coup ist also geglückt.
00:44:40Mit Illusionen im Gepäck reist Alexandra zu einem weiteren Schlagerfestival, diesmal ins polnische Seebad Zopott.
00:44:47Sie hatte sehr früh gemerkt, dass mit Ausländern in unserem Land nicht gerade sehr sorgsam umgegangen wird.
00:44:57Und aus dem Grunde hatte sie natürlich sehr großen Drang, international Deutschland zu repräsentieren als Alexandra.
00:45:05In der Nacht vom 21. zum 22. August werden Alexandra und ihr Team aus dem Schlaf gerissen.
00:45:12Truppen des Warschauer Paktes sind in die Tschechoslowakei einmarschiert.
00:45:16Die blutige Niederschlagung des Prager Frühlings erschüttert die Welt.
00:45:19Alexandra verzichtet sofort auf ihre Teilnahme am Festival und trifft alle Vorkehrungen für ihre Abreise.
00:45:25Die Initiatoren sind entsetzt und versuchen sie noch umzustimmen.
00:45:29Aber Alexandra war konsequent.
00:45:32Und das Erste, was sie sagte, hier singe ich nicht.
00:45:36In diesem Moment, wo Panzerketten in Prag rasseln.
00:45:40Es ist eine schlechte Musik für unsere Songs, für unsere Lieder.
00:45:45Und wir organisierten eine schnelle Rückfahrt von Zopott über Berlin nach Hause.
00:45:51Die Illusionen hast du dir gemacht, denn der Mensch, den du einst liebtest, hat dich ausgelacht.
00:46:02Und das Wolkenschloss, das du gebaut, stürzt einen, einer, eins genannt.
00:46:09Und dann fragst du dich, warum muss das sein?
00:46:17Doch die Antwort sagt dir nur das Leben ganz allein.
00:46:22Du mit der Zeit erst, wenn die Jahre deines Sommers gehen, wirst du verstehen.
00:46:28Die Illusionen blühen der Wirklichkeit zum Tanz der Jugendzeit.
00:46:41Ein erster Hauch von Leid wird sie verwehen.
00:46:49Doch solange ein Mensch noch träumen kann, wird sich er irgendwann ein Traum ihm in Erfüllung gehen.
00:47:13Die Presse lobt Alexandras Verhalten in Zopott.
00:47:16Und Hans Beyerlein erwartet sich schon mit der Nachricht, dass sie mit Illusionen am internationalen Songfestival in Rio de Janeiro teilnehmen wird.
00:47:37Rio hat als Stadt auf mich den schönsten Eindruck gemacht, den ich an der Stadt haben kann.
00:47:42Das ist einfach schlichtweg faszinierend. Das ist die Stadt, wo ich meine alten Jahre verbringen möchte.
00:47:50Sie war also begeistert, dass sie in Rio dabei war, begeistert mit 43 Nationen zusammen in einem Festival aufzutreten.
00:47:57Und sie hatte sich vorbereitet mit ihrem Song Illusionen und sie war also die glücklichste Frau überhaupt.
00:48:03Und sie genoss es, in Rio de Janeiro umworben zu werden.
00:48:08Die Zeitungen, die Zeitschriften haben sich auf das hübsche Mädchen gestürzt,
00:48:11die dann natürlich auch in einem sehr knappen Bikini an der Copacabana geschwommen ist.
00:48:16Und es war also wirklich alles das reinste, schönste Leben.
00:48:20Und dann kam der Abend mit dem Auftritt.
00:48:23Sie sang Illusionen und das Publikum hat den Song einfach nicht gemocht.
00:48:27Sie hat ihn nicht angenommen, diesen Song.
00:48:29Das Publikum wollte Samba, wollte Rhythmus, wollte Turbulenz, wollte fröhliche Lieder.
00:48:34Und jetzt kam Alexandra mit ihrer tiefen Stimme und sang Illusionen.
00:48:38Und es war das totale Chaos, der totale Reinfall.
00:48:43Und Alexandra war zu Tode betrübt.
00:48:44Aber dann gingen wir in eine kleine Bodega und da traf sie dann Jobin.
00:48:50Und da ging dann die Sonne wieder auf.
00:48:52Antonio Carlos Jobin, der König des Bossa Nova und Komponist erfolgreicher Lieder wie
00:48:57The Girl from Ipanema, findet sofort Gefallen an Alexandra.
00:49:02Brasilien ist ein wunder Punkt.
00:49:04In Brasilien war ich unheimlich verknallt.
00:49:07Zehn Tage waren viel zu kurz.
00:49:08In der Beziehung zu ihrem Manager kriselt es schon seit längerem.
00:49:14Und so genießt Alexandra die Zeit in Südamerika.
00:49:17Sie besucht die junge Hauptstadt Brasilia,
00:49:20sport- und Fußballstar Pelé im berühmten Maracanian-Stadion an
00:49:23und lässt sich von Samba-Tänzern auf der legendären Avenida Vargas mitreißen.
00:49:27Ihr ständiger Begleiter ist Hansi Hoffmann,
00:49:29der im Auftrag von Trogbrands Fotos und Filmaufnahmen macht.
00:49:33Das war die Tage, mein Freund, wir glaubten sie nie bis zum Ende.
00:49:39Wir singen und danceen für jeden Tag.
00:49:44Wir leben die Leben, wir chooseen, wir leben und nie loseen.
00:49:48Das war die Tage, oh yes, das war die Tage.
00:49:52Ich hatte eine Reihe laufen, die hieß Porträts und Musik.
00:50:12Das war mit Hildegard Knief und Jean-Claude Pascal und so weiter.
00:50:17Also es waren sehr viele, sehr Prominente und sie war eigentlich die Erste, die kein Mensch kannte.
00:50:23Und die habe ich da reingenommen, einfach weil sie es für mein Gefühl verdient hat.
00:50:28Es war eine sehr anspruchsvolle Sendung.
00:50:30Ja, Lubeloo, Tibia, heißt ich liebe dich.
00:50:36Ach, drei Worte nur, sie verzaubern mich.
00:50:39Ihre Melodie, ihren weichen Klang, höre ich heute noch und mein Leben lang.
00:50:47Sie musste vor einer Pfütze sitzen und sollte eigentlich nur mit dem Zweig immer in diese Pfütze schlagen zum Takt.
00:50:57Und es war uns allen ungemütlich und hier im ganz Besonderen.
00:51:01Sie war so ungefähr 10 Meter von uns oder 20 Meter entfernt und hat da unten immer rumgetobt mit dem Bühnenarbeiter.
00:51:10Und der kam dann hinterher und sagte, also die kann nicht mehr, die macht nicht mehr.
00:51:13Die hat gesagt, wir sollen abhauen. Und da sind wir abgehauen.
00:51:17Wer nicht mit Druckbrandts aneckte, hat nie mit ihm gearbeitet.
00:51:22Der ließ nichts durchgehen und arbeitete sehr hart mit ihr.
00:51:27Könnt's noch einmal sein, wie es damals war.
00:51:31An und für sich bin ich ziemlich kompromisslos.
00:51:34Allerdings, wenn ich einsehe, wenn man mich überzeugen kann, dass ich im Unrecht bin,
00:51:38dann gehe ich gerne auf einen Kompromiss ein.
00:51:40Am Abend hatten wir ein Fischessen verabredet.
00:51:45Und Alexander ist so geknickt gewesen, dass sie uns in sämtlichen Fischlokalen gesucht haben.
00:51:52Als wir gerade fertig waren und bezeihen wollten, kamen sie reingestürzt.
00:51:55Kreidebleich. Ich mach's nie wieder, Druck. Ich mach's nie wieder.
00:51:58Am 1. Februar 1969 erhält Alexandra die Goldene Europa als erfolgreichste Nachwuchssängerin.
00:52:23Arbeiten muss man natürlich sehr viel, wenn man diesen Erfolg, den ich heute so schnell bekommen hab,
00:52:28wenn ich den halten will. Und ich will nicht nur halten, ich will besser werden,
00:52:31weil ich weiß, ich kann auch besser werden.
00:52:32Und da darf man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen.
00:52:35Sie ist überglücklich. Doch kurz nach der Verleihung bricht sie zusammen.
00:52:39Die Strapazen der vergangenen Monate waren zu viel.
00:52:42Hinzu kommt der Tod ihres Vaters.
00:52:44Sie wird mit einer schweren Bronchialerkrankung in ein Sanatorium eingewiesen.
00:52:48Ihr Auftritt bei der Vorentscheidung zum Grand Prix abgesagt.
00:52:52Sie war krank. Sie muss irgendwie eine Lungengeschichte gehabt haben.
00:52:56Sie war ein Davos der Luftwegen.
00:52:58Aber davon hat sie auch ganz wenig gesprochen.
00:53:01Sie hat nur, sie hat auch über eine sogenannte Krankheit nicht gesprochen.
00:53:06Das war, das Thema war tabu für sie.
00:53:08Als es Alexandra nach drei Wochen wieder besser geht,
00:53:11verbringt sie noch ein paar unbeschwerte Wintertage in der Schweiz.
00:53:14Ihre Lebensfreude kehrt allmählich zurück.
00:53:17Welch ein Vergnügen, dass Sie meiner Einladung ins Hotel Victoria gefolgt sind, Alexandra.
00:53:21Mein lieber Vicko, Sie haben aber neulich eine etwas merkwürdige Art,
00:53:24Ihre Einladung zu gestalten.
00:53:25Wieso?
00:53:25Danke.
00:53:27Zwei Kerne zerrt mich vom Strand weg in ein Auto und ab ging es hierher.
00:53:30Ist doch originell, oder?
00:53:32Finden Sie diesen Schmuck hier etwa auch originell?
00:53:34Ach so, ja, ja, ja, ja, dann finde ich sehr originell.
00:53:36Und vor allem federleicht sind Sie.
00:53:39Na, ich weiß nicht.
00:53:39Nur ein kleiner Grund, um Sie als Hotel Victoria zu fesseln.
00:53:42Denn unsere Gäste freuen sich auf Sie.
00:53:46Aber nur, wenn Sie mich nachher wieder dahin zurückbringen, woher Sie mich geholt haben.
00:53:51Selbstverständlich.
00:53:51Blaue Nacht in Solenzara
00:54:02Aus der Ferne klingt ein Lied
00:54:08Und berauschend ist die Luft
00:54:12Weil ein zarter Blütenduft durch die alten Gassen zieht
00:54:17Blaue Nacht in Solenzara
00:54:21Süße Früchte, roter Wein
00:54:26Doch mein Herz, es ist so leer
00:54:31Denn ich habe dich nicht mehr
00:54:34Du gingst fort, ich blieb allein
00:54:36In Solenzara
00:54:42Dort, wo mich das Glück verließ
00:54:47In Solenzara
00:54:52Dem letzten Paradies
00:54:56Während Alexandra noch zur Kur ist, zieht ihre Mutter von Hamburg nach München
00:55:03Ihr Touretchen hatte einige Monate zuvor eine Wohnung in Nymphenburg gekauft
00:55:07In der sie nun zu dritt leben wollen
00:55:09Dieser Umzug München war eigentlich das Verkehrteste
00:55:13Was Alexandra je in ihrem kurzen Leben gemacht hat
00:55:16Denn sie war Hamburg verbunden
00:55:18Sie musste ans Meer
00:55:19Sie gehörte zum Meer
00:55:20Sie brauchte eigentlich die Atmosphäre
00:55:21Sie brauchte schreiende Möwen
00:55:22Und brauchte das Meer und Sand und Strand
00:55:24Die Umzugsidee war ein Jahr zuvor während der Liaison mit ihrem Manager entstanden
00:55:30Wodurch sich beide näher sein wollten
00:55:32Doch jetzt betrachtet Alexandra den Wohnungswechsel mit gemischten Gefühlen
00:55:36Natürlich war die private Beziehung nicht geplant
00:55:38Und das Management für einen Künstler zu übernehmen
00:55:41Heißt nicht automatisch auch in sein Liebesleben einzusteigen
00:55:45Das hat sich entwickelt ganz schnell, muss ich sagen
00:55:48Das war Spontanität auf beiden Seiten
00:55:52Dass nicht die Liebe erhalten geblieben ist
00:55:59Wie das im Märchenbuch erwartet wird
00:56:01Das ist menschlich und das ist Leben
00:56:04Nach der Trennung befürchtet Alexandra
00:56:08Dass Hans Beyerlein sie beruflich noch stärker als bisher unter Druck zu setzen versucht
00:56:12Das Hin- und Herjagen von einem Termin zum anderen beginnt aufs Neue
00:56:16Sie konnte das einfach nicht mehr verkraften
00:56:30Ihr vermutlich auch ihre körperliche Konstitution
00:56:34Und ihre seelische war sowieso jetzt am Siedepunkt angekommen mittlerweile
00:56:38Das war für sie zu viel geworden
00:56:41Man muss also einen Künstler, wenn er beginnt, ein Interesse in den Medien und beim Publikum zu finden
00:56:47Muss man in der Tat dann natürlich auch ein bisschen antreiben
00:56:50Und ich habe garantiert die Alexandra auch angetrieben
00:56:56Es gab dort ganz sicher, denn das merkte man, wenn man irgendwo bei der Goldene Europa oder solchen Festivals zusammentraf
00:57:04Wie die Spannung zwischen Beyerlein, Beyerleins Mitarbeiter und Plattenfirma und Fred Weyrich
00:57:12Wie die Spannung dort praktisch das Umfeld zum Knistern brachte
00:57:18Sie kam dann wieder zu mir und hat mich gebeten, alles wieder zu übernehmen
00:57:22Und da kamen natürlich ganz neue Fragen auf mich zu
00:57:24Die noch gar nicht beantwortet werden konnten in solcher Schnelle
00:57:28Natürlich gab es dann durchaus verschiedene Auffassungen, was man mit ihr tun sollte
00:57:35Und da gab es auch zwischen Fred Weyrich und mir natürlich Debatten und Diskussionen
00:57:40Das ist ganz logisch
00:57:41Aber ich habe nicht den Eindruck, dass die Vermutung, dass die Beendigung oder das Auslaufen
00:57:49Es war ja keine Beendigung mit einem Schlag, sondern das Auslaufen einer persönlichen Beziehung
00:57:54Konsequenzen auf die Zusammenarbeit im professionellen Bereich gehabt hätte
00:58:00Das Glück, das hier bei mir in Pflege war
00:58:06Das ist der Grund, der mich in diesen Mauern hält
00:58:11Es liegt, Erinnerung auf dem Inventar
00:58:16Ein bisschen Kitchen meiner engen kleinen Welt
00:58:21Das Haus ist 98 Jahre alt
00:58:26Bestimmt hat es einmal ein reicher Mann gebaut
00:58:31Die Zeit macht auch nicht vor den Reichen halt
00:58:37Was heut verstummt ist, das war gestern einmal laut
00:58:41Im sechsten Stock
00:58:44Hab ich mein Zimmer
00:58:47Im sechsten Stock
00:58:49Ist mein Zuhause
00:58:52Ich weiß genau
00:58:54So bleibt es immer
00:58:57Wo soll ich hin
00:59:00Ich zieh nicht aus
00:59:02Im Frühjahr 1969 wählen Musikjournalisten die beliebtesten Sängerin Deutschlands
00:59:13Alexandra belegt hinter Manuela den zweiten Platz, gefolgt von Hildegard Knef
00:59:17In weniger als zwei Jahren ist es ihr gelungen, zur Elite des Showgeschäfts zu gehören
00:59:23Doch der plötzliche Ruhm hat Schattenseiten
00:59:25Aufgrund des zunehmenden Erfolgs war Alexandra immer mehr von Menschen umgeben
00:59:31Die mehr an ihr Geld interessiert waren
00:59:35Als an der Freundschaft meiner Cousine Alexandra
00:59:39Ihre Menschenkenntnis war derart verkümmert
00:59:44Sie hat die große Begabung gehabt
00:59:47Auf die falschen Leute hereinzufallen
00:59:50Während eines Auftritts im holländischen Fernsehen bei Lufanburg
00:59:53Lernt Alexandra den Franco-Amerikaner Pierre Laferre kennen
00:59:56Sein selbstbewusstes Auftreten und sein Charme gefallen ihr
01:00:00Sie hatte natürlich wie jeder Mensch ja auch die Sehnsucht nach einem Partner
01:00:05Aber leider nicht die Zeit, um den Menschen zeitlich entsprechend kennenzulernen
01:00:12Charakterlich kennenzulernen
01:00:13Der Pierre war einerseits ein verschlossener Mensch
01:00:21Der aber viele Geheimnisse verbarg
01:00:26Meiner Meinung nach hatte er mehrere Masken
01:00:30Ich weiß, dass ich mit ihm darüber gesprochen habe
01:00:33Er hat gesagt, du, zieh dich ein bisschen vor vor diesem Mann
01:00:37Der gefällt mir überhaupt nicht
01:00:38Wie schon bei Nikolai setzt Alexandra auch bei Pierre ihren Kopf durch
01:00:42Und verlobt sich mit ihm
01:00:44Der ehemalige Korea-Flieger soll ihr Ehemann und Manager werden
01:00:47Doch ihre Träume zerplatzen schnell
01:00:50Alexandra war von Pierre sehr enttäuscht
01:00:54Denn es stellte sich heraus, dass er eine betrügerische Vergangenheit hatte
01:00:59Und meine Cousine löste daraufhin die Verlobung
01:01:03Alexandra wollte mit aller Kraft verhindern
01:01:06Dass etwas aus ihrem Privatleben bekannt wird
01:01:08Weil das ihrem Image geschadet hätte
01:01:10Alexandra ist auf einen Heiratsschwindler hereingefallen
01:01:14Doch aus Angst vor der Presse wagt sie es nicht, sich an die Polizei zu wenden
01:01:17Der seelische Druck ist so stark, dass sie zusammenbricht
01:01:20Mit starken Blutungen wird sie ins Krankenhaus eingeliefert und notoperiert
01:01:24Aber schon neun Tage später bittet sie die Ärzte um vorzeitige Entlassung
01:01:28Damit sie ihre Verpflichtungen einhalten kann
01:01:31The show must go on
01:01:32Alexandra lässt sich auf der Bühne nicht anmerken, wie es in ihr aussieht
01:01:36Nur hinter den Kulissen bemerkt man die Nervosität
01:01:39Und dass sie sich immer mehr zurückzieht
01:01:41Einige halten sie für arrogant, zickig und launisch
01:01:44Ohne zu wissen, unter welcher Anspannung die 27-Jährige steht
01:01:48Es lebten eigentlich immer zwei Seelen in ihrer Brust
01:01:50Sie konnte also ausgelassen sein bis dort hinaus
01:01:53Sie hat einen herrlichen Mutterwitz
01:01:55Konnte sehr komisch sein, auch in ihren Formulierungen
01:01:57Konnte aber auch zu Tode betrübt sein
01:01:59Und sagte zu mir immer wieder
01:02:01Ich werde keine 40
01:02:02Ich werde keine 40, ich werde viel früher sterben
01:02:06Sie war oft deprimiert
01:02:08Sie hat auch oft geweint
01:02:10Sie sagt, Alexander, du hast alles erreicht
01:02:13Warum weinst du?
01:02:15Ach sagt sie, meine Seele
01:02:17Hildegard, Dante Hildegard
01:02:19Ist oft sehr traurig
01:02:21Ob sie ihren frühen Tod geahnt hat?
01:02:25Ich glaube ja
01:02:26Erstes Morgenrot
01:02:39Liegt auf den weiten See
01:02:43Gräser wiegt der Wind
01:02:51Die an den Ufern steht
01:02:56Nach der Trennung von Pierre Laferne ist Alexandra überaus misstrauisch
01:03:15Sie erkennt den Preis, den sie für Erfolg und Ruhm zahlen muss
01:03:18Alexandra bekommt Angst
01:03:21Ich weiß nur, dass sie eines Nachts, dass ich ein Geschrei auf dem Flur hörte
01:03:25Längst, so mitternach, mitternachtszeit
01:03:26Dass sie auf dem Flur um Hilfe rief
01:03:29Man verfolgt mich, man verfolgt mich
01:03:31Sie hatte einen Verfolgungswahn, den hat sie öfter mal gehabt
01:03:34Dass sie sich irgendwie bedroht fühlt
01:03:36Mit wachsender Popularität erhielt meine Cousine Alexandra immer mehr Fanpost
01:03:42Es waren aber nicht nur Autogrammwünsche, sondern auch Bittschriften und vor allen Dingen Drohungen
01:03:48Dieses führte dazu, dass sie sehr besorgt um ihren Sohn war und hatte dann den Wunsch, ihn auf ein Internat zu schicken
01:03:57Alexandra meldet ihren inzwischen sechsjährigen Sohn in einem internationalen Internat am Starnberger See an
01:04:03Sie findet immer weniger Zeit für ihn und möchte nicht, dass er allein von seiner Oma erzogen wird
01:04:09Ihr selbst fällt es schwer, sich von den Fesseln ihrer Mutter zu lösen, die immer noch ihr Leben zu bestimmen versucht
01:04:15Und mit der sie sogar das Schlafzimmer teilt
01:04:17Ihre Schwester Melitta wohnt seitweilig mit ihrem Sohn ebenfalls bei ihr in München, sodass sie kaum Ruhe findet
01:04:24Die Familie ist ihr ziemlich auf die Nerven gegangen und war in einer ständigen Forderungshaltung ihr gegenüber
01:04:31Die Kluft zwischen Familie und der Alexandra wurde immer größer
01:04:36Es entstand die finanzielle Kluft, als auch das Menschliche driftete weiter auseinander
01:04:42Es waren sicherlich Neidgeschichten auch im Spiel, die auch nicht von der Hand zu weisen waren
01:04:50Warum bist du nicht mehr froh wie einst mit mir allein
01:04:59Als wir in der kleinen Stadt zum ersten Male uns begegnet sind
01:05:11Liebten wir die kleine Welt und freuten uns an Sonnenschein und Wind
01:05:21Every day is just the same to me
01:05:32If time stands still
01:05:36Just to think I wanted to be free
01:05:43I bet my fear
01:05:46Jag nicht nach dem falschen Glück
01:05:52Beweis wohin
01:05:54Auf Straßen endlos weit
01:05:57Freu dich doch am Augenblick
01:06:03Denn unser Glück lässt dir zum Leben Zeit
01:06:08Es war so, dass diese Frau im Dauerlauf ihrer Karriere so viel gearbeitet hatte
01:06:19Und so viele Anforderungen gerecht wurde, dass sie überaus nicht nur urlaubsreif, sondern erholungsreif war
01:06:30Im Grunde genommen hätte sie zu einer 8 Wochen Kur fahren müssen
01:06:34Direkt nach der Aufzeichnung der ZDF-Sendung Ein Hoch der Liebe
01:06:38Beabsichtigt Alexandra zusammen mit ihrem Sohn und ihrer Mutter für drei Wochen nach Westerland zu fahren
01:06:43Dort will sie ein wenig ausspannen und ihre Gedanken neu ordnen
01:06:46Während der Dreharbeiten sorgt die erste Mondlandung weltweit für Aufsehen
01:06:51Und fesselt auch das Fernsehteam
01:06:53Doch Alexandra verfolgt nur beiläufig das Geschehen
01:06:56So viele andere Dinge gehen ihr durch den Kopf
01:06:59Ende Juli 1969 schließt Alexandra überraschend eine zweite, sehr hohe Lebensversicherung ab
01:07:11Und zahlt das Schulgeld ihres Sohnes auf zwei Jahre im Voraus
01:07:14Ich saß da bei Alexandra in der Wohnung
01:07:18Wir hatten noch einiges besprochen, was ich erledigen soll, wenn sie abgefahren ist
01:07:22Und da sagte sie dann, ja, aber sie möchte gerne eben ihr Testament machen
01:07:27Und ich gefragt, jetzt noch, es war ja inzwischen Abend geworden und spät
01:07:30Meinte sie, ja
01:07:32Da war ich noch in München und da kam sie erst nachts spät zurück
01:07:37Und sagte Tante Hildegard, wir haben erst ein Testament gemacht
01:07:41Ich weiß nicht, ob ich gemals zurückkomme
01:07:45Ich so, Alexandra, du bist so jung, warum sprichst du so?
01:07:49Doch sagt sie, ich weiß nicht, wie mein Leben verläuft
01:07:54Und sie wirkte etwas unruhig, fand ich
01:07:59Ich habe ihr sehr dazu geraten, ein Testament zu machen
01:08:02Eben auch aus Kenntnis der familiären Problematik
01:08:07Und habe ihr dann einen Anwalt empfohlen, der mein Anwalt war
01:08:12Und das ging dann alles sehr schnell
01:08:14Und ihre Reise in den Urlaub hat unmittelbar begonnen, nachdem das Testament unter Dach und Fach war
01:08:23Am Abend des 30. Juli nimmt Alexandra gemeinsam mit Mutter und Sohn den Autozug nach Hamburg
01:08:30Von dort aus will sie mit ihrem frisch zugelassenen Mercedes Coupé weiter nach Westerland fahren
01:08:35Während der nächtlichen Reise macht Alexandra kein Auge zu
01:08:41Am nächsten Tag läuft ihr Vertrag mit der Plattenfirma aus und sie überlegt, ob sie ihn verlängern soll
01:08:46Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Hamburg sucht sie den Direktor der Phonogramm auf
01:08:51Und erklärt ihm, dass sie weder mit den bisherigen Vertragsbedingungen
01:08:54Noch mit den Liedern, die sie singen soll, zufrieden ist
01:08:57Der Direktor lenkt ein und verspricht ihr bessere Konditionen
01:09:01Wenig später verlässt der weiße Mercedes mit den Initialen der Sängerin Hamburg
01:09:06Die Reise in den ersehnten Urlaub beginnt
01:09:09Das war eine sehr lange Fahrt mit Hitze und so viel Sonne
01:09:14Sie wurde schnell ihr Ziel erreichen, zum Erholen
01:09:17Sie wurde irgendwie schnell nach Sylt ankommen
01:09:21Und die Reise war ziemlich anstrengend für meine Mutter und Oma
01:09:25Nach wenigen Kilometern hat Alexandra Schwierigkeiten mit ihrem Wagen
01:09:29Sie wundert sich, da er gerade erst Generalüberholt worden ist
01:09:32Sie hofft, dass sie es noch bis Westerland schafft
01:09:34Doch da bleibt ihr Mercedes unerwartet stehen
01:09:37Der Auto hat plötzlich nicht funktioniert
01:09:39Ich kann nicht erinnern, wie es damals passiert war, dass sie plötzlich nicht mehr fahren könnte
01:09:43Aber der Auto musste dann geschoben sein zu einer Tankstelle
01:09:47Da waren ein paar Männer, die da geholfen haben
01:09:49Nach einer kurzen Reparatur, für eine genaue Inspektion bleibt keine Zeit
01:09:53Setzt Alexandra ihre Reise fort
01:09:55Gegen 15 Uhr fährt sie in Richtung Tellingstedt
01:09:58Am Ortseingang sieht sie von rechts einen 32-Tonner kommen
01:10:01Der Lkw hält nicht an
01:10:03Das Unfassbare geschieht
01:10:05Ich habe geschlafen damals, als der Unfall passiert war
01:10:11Und dann war ich plötzlich wach
01:10:12Und dann war das ganze Auto schon zerstört
01:10:15Und dann war ich von dem Auto herausgezogen
01:10:18Ich saß draußen, habe nur geheult
01:10:22Meine Oma habe ich gesehen
01:10:24Da war mir schon klar, das war alles nicht in Ordnung
01:10:26Meine Mutter habe ich nicht gesehen
01:10:29Und dann wurde ich ganz schnell zum Kartenhaus gebracht
01:10:33Die Schlager- und Chansonsängerin Alexandra ist bei einem Verkehrsunfall
01:10:47In der Nähe der schleswig-holsteinischen Stadt Heide tödlich verunglückt
01:10:50Die Nachricht vom Tod Alexandras und ihrer Mutter bewegt die Menschen
01:10:53Und sorgt für ein überaus starkes Medieninteresse
01:10:56Niemand kann sich den tragischen Unfall erklären
01:10:59Und erste Gerüchte kommen auf
01:11:01Diese große Kreuzung war durch vier übergroße Haltezeichen abgesichert
01:11:10Mit Vorwarnung
01:11:11Und dann haben wir eigentlich nicht verstanden
01:11:13Dass man da ungebremst auf diese Kreuzung rauf fährt
01:11:16Für die Polizei damals wie heute
01:11:19Handelte es sich um einen selbstverschuldeten Verkehrsunfall
01:11:24Es war zwar ein nicht natürlicher Tod
01:11:27Aber es gab keinen vernünftigen Anhaltspunkt
01:11:31Für die Annahme eines wie auch immer gearteten fremden Verschuldens
01:11:35Außer dem Verschulden der tödlich verunglückten Alexandra
01:11:39Deshalb wurde alles das
01:11:42Was man in einem Ermittlungsverfahren
01:11:45Bei dem auch nur der leiseste Verdacht
01:11:47Fremder Schuld an dem Tod tun würde
01:11:50In diesem Fall nicht getan
01:11:52Das heißt es wurde nicht so intensiv ermittelt
01:11:55Es wurde keine ganz intensive Leichenschau vorgenommen
01:12:01Es wurde keine optische Beweissicherung vorgenommen
01:12:04Es wurde keine Obduktion angeregt
01:12:08So klar wie der Unfall für die ermittelnden Behörden ist
01:12:10So unklar stellt sich die Nachlassregelung dar
01:12:13Alexandras Schwestern und sogar ihr Ex-Verlobter Pierre Laferre stellen Ansprüche
01:12:17Es gab sehr viele Streitigkeiten
01:12:20Was das Erbe betraf
01:12:22Wenn der Sohn ebenfalls verstorben wäre
01:12:26Dann hätten beide Cousinen ein sehr großes Erbe angetreten
01:12:31Dann entbrennt der Kampf um das Sorgerecht
01:12:34Saschas Tanten, aber auch Alexandras Schauspiellehrerin Margot Höpfner
01:12:37Nehmen ihn abwechselnd bei sich auf
01:12:39Bis sich schließlich sein Vater aus Amerika einschaltet
01:12:42Alexandra hatte kein sehr gutes Verhältnis
01:12:45Was man so mitbekommen hat zu ihrem Ehemann
01:12:47Weil sie auch befürchtete
01:12:49Dass er ihr den Jungen wegnehmen möchte
01:12:52Und darum waren wir so auch etwas erstaunt
01:12:57Als plötzlich bei der Beerdigung
01:12:58Herr Neffjedorf am Friedhof da war
01:13:01Nikolai Neffjedorf wird das Sorgerecht für seinen Sohn zugesprochen
01:13:05Er nimmt ihn zu sich nach Boston
01:13:07Mehr als 3000 Trauergäste kommen zur Beisetzung von Alexandra und ihrer Mutter
01:13:12Auf den Münchner Westfriedhof
01:13:13Erschüttert nehmen sie an dem Grab Abschied
01:13:16Das die Sängerin erst wenige Wochen zuvor gekauft hatte
01:13:19Musik
01:13:29Der große Clown geht heim
01:13:58Der große Clown geht heim
01:14:02Er kommt sicher in den Himmel
01:14:04Denn er hat die Menschen froh gemacht
01:14:07Alexandras Tod treibt den Verkauf ihrer Platten in die Höhe
01:14:15Nur sechs Monate nach dem Unfall
01:14:17sind mehr Tonträger von Alexandra verkauft worden
01:14:19als zu ihren Lebzeiten
01:14:211976 erhält ihr Sohn die erste goldene Langspielplatte
01:14:26die jemals posthum an einen deutschsprachigen Interpreten vergeben wurde
01:14:30Doch der Unfall seiner Mutter bleibt für viele rätselhaft
01:14:34Aus der Sicht 30 Jahre später ist man sicherlich immer klüger
01:14:38Hätte man damals schon gewusst, dass es da dunkle Geschäfte, Geheimnisse, unerklärliche
01:14:46Vorfälle im Vorfeld gegeben hat
01:14:48Dann wäre sicherlich mehr getan worden
01:14:51Aber all das ist seiner Zeit nicht vorgebracht worden
01:14:54Anfang der 80er Jahre wurde Yvonne Ziegler-Meyer auf Alexandra und ihre Lieder aufmerksam
01:15:00Sie gründete einen Fanclub und ging den vielen offenen Fragen über Alexandras Leben und ihren Tod nach
01:15:05Ihr Vorhaben eine Biografie zu schreiben wurde jedoch vereitelt
01:15:09Relativ zu Anfang bin ich dann gestoppt worden
01:15:12Weil ich dann, ja was heißt den Fehler
01:15:15Ich habe ja immer gewühlt und gebohrt
01:15:17Aber ich bin noch nie vorher nach Dehlingstedt gefahren
01:15:20Das habe ich erst gemacht, als ich in Hamburg wohnte
01:15:23Und bin dort hingefahren, habe mich mit den Bauern unterhalten
01:15:26Habe von dort bei dem Polizisten Wickers angerufen
01:15:29Privat bei ihm zu Hause
01:15:31Und ich war noch nicht ganz wieder zu Hause
01:15:33Und allein schallt das Telefon
01:15:34Und ab da hatte ich jeden Tag und jede Nacht
01:15:37Sehr unangenehme Drohanrufe
01:15:40Lassen Sie die tote Alexandra aus dem Spiel
01:15:43Ich warme Sie
01:15:43Ich nehme grausame Lache
01:15:46Ich lasse Ihnen die Schnauze zertrümmern
01:15:48Ich schwöre es Ihnen bei Gott
01:15:49Wenn Sie Ruhe geben, ist alles gut
01:15:51Nach Alexandras Tod stellte ihre Anwältin bei Gericht den Antrag
01:15:55Die Wohnung versiegeln zu lassen
01:15:56Ihre Erfahrungen mit Alexandras privatem Umfeld
01:15:59Von dem sie sich bedrängt und belästigt fühlte
01:16:02Sowie der Rechtsstreit um den Nachlass
01:16:04Reichten jedoch dem zuständigen Richter
01:16:06Für die Befürwortung des Antrags nicht aus
01:16:08Die Wohnung blieb unversiegelt
01:16:10Und wenig später war sie nahezu leer geräumt
01:16:13In der Wohnung wurde nach dem Tod Alexandras aufgeräumt
01:16:16Und alles aufgenommen
01:16:17Da habe ich selbst noch dabei geholfen
01:16:19Allerdings sollen verschiedene wichtige Dokumente da verschwunden sein
01:16:24Und man weiß nicht, wo sie hingekommen sind
01:16:29Und so bleibt also wohl auch Alexandras Tod etwas mysteriös und nebulös
01:16:36Das größte Geheimnis ist
01:16:38Wieso fährt jemand mit ungebremster Geschwindigkeit auf eine belebte Kreuzung?
01:16:43Es ist ein sehr ungewöhnlicher Tod gewesen
01:16:46Weil ich weiß, sie war eine gute Autofahrerin
01:16:49Sie war eine sehr umsichtige, vorsichtige und zuverlässige Fahrerin
01:16:53Sie fuhr einen neuen Wagen und hatte damit Probleme
01:16:58Und deshalb hatte sie auch handgeschriebene Zettelchen an das Armaturenbrett geheftet
01:17:05Um die Funktionen der Technik besser begreifen zu können
01:17:10Ein Zeuge berichtet, dass Alexandra ungebremst auf die Kreuzung fuhr
01:17:14War es Selbstmord?
01:17:15Wohl kaum
01:17:16Denn wollte Alexandra zu dritt in den Tod rasen
01:17:19Hätte sie ihre Mutter und ihren Sohn nicht noch als Erben eingesetzt
01:17:22Oder wurde am Wagen manipuliert?
01:17:2414 Tage etwa später, nach dem Unfall, ist hier ein Schreiben aus Berlin zur Akte gelangt
01:17:32Anonym wurde dort der Verdacht aufgeworfen, es sei am Auto manipuliert worden
01:17:36Und dann wird doch mal genau darauf hingewiesen
01:17:38Untersucht doch bitte mal die Bremsen, da werdet ihr was feststellen
01:17:43Genau diese Bremsuntersuchung hat aber schon eine Woche vorher stattgefunden
01:17:46Nach der Sicherstellung des Fahrzeugs und Benachrichtigung des Abschleppunternehmers Thompson
01:17:50wurde das Fahrzeug auf den Hofplatz von der Firma verbracht und abgedeckt
01:17:57Es bestand also um die Möglichkeit von jedem, eigentlich von jedem Bürger oder von Fans
01:18:03an das Fahrzeug heranzukommen
01:18:05Die theoretische Möglichkeit, dass da etwas verändert worden ist, die kann man ja nie ausschließen
01:18:09Das Fahrzeug stand acht Tage auf diesem Gelände rum etwa
01:18:13bis der Sachverständige eben die Untersuchung durchgeführt hat
01:18:15Am Tag der Untersuchung ist das Autowrack fast vollständig ausgeschlachtet
01:18:19Der Sachverständige bescheinigt kurz, dass die Bremsen des Fahrzeuges vor dem Unfall verkehrssicher gewesen wären
01:18:25Unerwähnt bleiben die Schwierigkeiten, die Alexandra mit dem Wagen hatte
01:18:29Wo war jene Quittung der Kfz-Werkstatt, die Alexandra noch vor dem Unfall aufgesucht hatte?
01:18:35Diese Quittung ist also nie bei der Akte gewesen
01:18:37Wenn so wie hier festgestellt wird, ich darf die mal nehmen, die Quittung
01:18:41dass dort, das ist ja für Frau Neffedorf ausgestellt
01:18:45vom Unfalltage ein Werkstattbesuch, bei der die Zündspule erneuert und der Vergaser überprüft worden ist
01:18:51Immerhin, es ist also eine Werkstatt angelaufen worden, da hätte man mit Sicherheit hier eine Vernehmung gemacht, was ist da passiert
01:18:57Bei Durchsicht der Unfallakten stößt man auf weitere Ungereimtheiten
01:19:00So ist merkwürdig, dass ein Tag nach Erteilung des Beerdigungsscheines ein zweiter für eine Feuerbestattung angefordert wurde
01:19:06Der Antragsteller gibt sich als Alexandras Anwältin aus, die davon aber nichts weiß
01:19:11Wurden die Akten gefälscht?
01:19:14Wenn ich mir diese Akte nochmal ansehe, muss ich sagen, dass bei dem Satz
01:19:19eine Feuerbestattung soll stattfinden oder nicht stattfinden, zwei verschiedene Maschinen benutzt worden sind
01:19:24Soviel ich weiß, hat der Kollege das auf einer Maschine geschrieben
01:19:29und auf jeden Fall nicht diesen Satz in beiden Fällen stattfinden in München
01:19:33Nein, habe ich nie was gehört und davon war auch keine Rede
01:19:36Wenn sie Alexandra eine Feuerbestattung gewollt hätte, hätte sie ein Urnengrab gekauft
01:19:42hätte nicht ein riesiges Doppelgrab gekauft
01:19:44Sollte die Leiche Alexandras nach versäumter Obduktion beseitigt werden?
01:19:49Der Verdacht erhärtet sich aufgrund eines unerklärlichen Zwischenfalls
01:19:53der bis heute die Gemüter der kleinen Ortschaft Tellingstedt erregt
01:19:56In der Nacht zum 1.8. wurde versucht, da in die Leichenhalle einzubrechen
01:20:01Bloß die ungebetenen Gäste kamen nicht in die Halle rein, wo Alexandra lag, sondern in die Nebenkammer
01:20:10Es ist also sehr mysteriös, dass da eingebrochen wurde
01:20:14Warum?
01:20:14Diese Frage konnte nicht beantwortet werden
01:20:17Die Unfallzeugen sowie Alexandras Ex-Mann sind verstorben
01:20:20Alexandras Schwestern schweigen und Pierre Lafer tauchte in Lissabon unter
01:20:24Eine Gesprächsnotiz der Anwaltskanzlei belegt, dass er die Leiche seiner Verlobten sehen
01:20:29und mit Melitta über das Testament reden wollte
01:20:31Den Ratschlag, damit bis zur Beerdigung zu warten, bedauerte er mit den Worten, dass es wohl dann schon zu spät sei
01:20:38Bis heute bleibt unklar, welche Interessen mit dem Unfall verbunden gewesen sein könnten
01:20:43Wer mehr über die Sängerin erfahren wollte, wurde beschimpft und bedroht
01:20:48Auch das Team dieses Films
01:20:49Ein deutliches Zeichen, dass es etwas zu verbergen gibt
01:20:52Und dass der Fall Alexandra nicht geklärt ist
01:20:55Eine Wiederaufnahme bei Todesermittlungen ist eigentlich immer möglich
01:21:00Wenn die Indizien, die zur Wiederaufnahme anders geben, so stark wären, dass man wirklich vermuten müsste
01:21:07Da könnte eben ein Mord oder ein Mord, muss man schon sagen, dahinter stecken
01:21:12Mord verjährt ja nie
01:21:13Als Alexander Neffjedorf am 26. Juni 1988 an seinem 25. Geburtstag das Erbe antrat
01:21:22Erwartete ihn ein überaus staatliches Vermögen
01:21:25Der sehnlichste Wunsch seiner Mutter, für das Wohl ihres Sohnes sorgen zu können, war somit in Erfüllung gegangen
01:21:31So oft es geht, kommt er nach Europa, wo er als klassisch ausgebildeter Sänger eine Karriere begonnen hat
01:21:37Er träumt davon, zusammen mit seiner Familie nach Deutschland zurückzukehren
01:21:421992 heiratete er seine russische Verlobte Jelena
01:21:46Und lebt seitdem mit ihr und ihrem gemeinsamen, ein Jahr später geborenen Sohn Dennis
01:21:52Abwechselnd in New Jersey und in Boston
01:21:54Alexandras Leben, ihr tragischer Tod und ihre einzigartige Karriere
01:22:01Geben genügend Stoff, um eine Legende entstehen zu lassen
01:22:04Ihr Répertoire hat bis heute seinen Platz in der Schlager- und Chansonszene behaupten können
01:22:09Und die Sängerin wird in ihren zu Evergreens gewordenen Liedern auch künftig weiterleben
01:22:16Du fielst heut früh, ich kam zu spät
01:22:25Du wirst dich nie im Wind mehr wiegen
01:22:28Du musst gefällt am Wege liegen
01:22:31Und mancher, der vorübergeht
01:22:35Beachtet nicht den Rest von Leben
01:22:39Und reißt an deinen grünen Zweigen
01:22:43Die sterbend sich zur Erde neigen
01:22:46Der wird mir nun die Ruhe geben
01:22:50Die ich in deinem Schatten fand
01:22:53Mein bester Freund ist mir verloren
01:22:56Der mit der Kindheit mich verbannt
01:23:01Mein Freund, der war
01:23:03Ist tot
01:23:07Er fiel im grünen Morgen
01:23:11Der mit dem
01:23:26erst
01:23:29Untertitelung des ZDF, 2020
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