00:00Was wäre, wenn eine Zombie-Apokalypse ausnahmsweise mal nicht im Hier und Jetzt,
00:08sondern im Mittelalter ausbricht? Das ist die simple, aber spannende Idee im Survival-Spiel
00:13God Save Birmingham. Simpel und spannend deswegen, weil das Setting einerseits
00:17stilistisch erfrischende Akzente im Genre setzt, andererseits wirkt sich die Mittelalter-Welt
00:22spürbar aufs Gameplay aus. Im 14. Jahrhundert gab es keine Gewehre, keine Autos und mysteriöse
00:27Forschungslabore unter der Erde schon mal gar nicht. Allerdings herrscht in den YouTube-Kommentaren
00:32unter dem ersten Gameplay-Trailer zu God Save Birmingham vor allem Skepsis. Moderne schicke
00:37Optik? Dichte Atmosphäre und spannende Zombie-Begegnungen? Und das alles von einem bislang eher unbekannten
00:43Studio? Das kam vielen ziemlich bekannt vor. Ist God Save Birmingham nur der nächste Blender im
00:54Stil von The Day Before oder könnte hier tatsächlich ein frisches Survival-Abenteuer
00:58auf uns zukommen? Wir versuchen uns mal an einer ersten Einordnung. Auf geht's!
01:02In God Save Birmingham sind wir einer der letzten Überlebenden im – logischerweise – Birmingham des
01:1714. Jahrhunderts. Eine Seuche hat die anderen Menschen in Zombies verwandelt und wir müssen nun irgendwie in der
01:22Kleinstadt voller Untoten klarkommen. Unsere Spielfigur sammelt haufenweise Loot ein, baut sich daraus
01:27nützliche Barrikaden, schleicht sich an Zombies vorbei, haut natürlich auch ein paar davon kaputt und
01:33macht Gebrauch von der Spielephysik. Wir können nämlich mit so gut wie jedem Gegenstand in der Welt
01:37interagieren. Die Objekte nach Belieben ausrichten und so etwa hier etwas zum Hochklettern improvisieren
01:42oder hier eine Brücke bauen. Das sieht in diesem ersten Trailer zwar stark nach einer Art Mittelalter The Last
01:49of Us aus, aber tatsächlich erwartet uns hier eher ein Mittelalter DayZ. Denn God Save Birmingham
01:55konzentriert sich in erster Linie auf den Sandbox-Modus. Also wir folgen keiner Geschichte,
01:59sondern entscheiden völlig frei, wie wir hier überleben. Das Survival-Spiel soll zunächst
02:04als Early-Access-Fassung starten und rund ein Viertel der Stadt zugänglich machen. Einen Starttermin
02:09für die Early-Access-Phase gibt es aber noch nicht. Mit kommenden Updates soll Birmingham dann wachsen und
02:14irgendwann sogar noch eine Kampagne erhalten. Zu der gibt's aber noch gar keine Details. Gerade
02:19weil God Save Birmingham kein lineares Abenteuer ist und keine vorgegebene Geschichte erzählt,
02:25sondern auf dynamische Systeme und viele interaktive Objekte setzt, war die Skepsis unter dem ersten
02:30Trailer so groß. Und hey, ich kann die Sorge wirklich nachvollziehen. Schließlich war ich eines
02:35der gebrannten Kinder, die The Day Before tatsächlich gespielt haben. Und der erste Trailer
02:44zu God Save Birmingham spielt auch gefährlich mit falschen Erwartungen. Das Video verspricht
02:49nämlich mit seiner ganzen Inszenierung ein eher durchchoreografiertes Abenteuer. Genau im richtigen
02:54Moment wollen die Zombies durch eine frisch verbarrikadierte Tür brechen, stürmen durch ein
02:58Fenster oder lungern in einem Korridor herum. Das alles sieht für eine Open-World-Sandbox zumindest im
03:04Trailer ein bisschen zu gescriptet aus. Und es war sicher auch gestellt, ist ja schließlich ein
03:09Werbeclip. Nur wie nah ist das, was wir hier sehen, an dem tatsächlichen Spielgefühl? Nun,
03:13diese Frage kann der zweite Trailer wahrscheinlich etwas besser beantworten. Das Team vom südkoreanischen
03:19Entwickler Ocean Drive Studio hat nämlich nochmal 20 Minuten Gameplay nachgeschoben und darin können
03:24wir schon viel besser erkennen, wie God Save Birmingham wirklich funktioniert und wo es an seine Grenzen stößt.
03:34Direkt vorneweg, ja, Ocean Drive hat sich mit den beiden Trailern nicht unbedingt einen Gefallen
03:45getan. Das richtige Gameplay entlarvt nämlich sofort, wie geschönt der erste Gameplay-Trailer
03:50wirklich ist. Der Saal voller Zombies? Leer. Der Untote an der Wand? Nicht da. Die riesigen Massen
03:57an Untoten? Nun, wir können uns schon denken, wieso der Entwickler zunächst die polierten Szenen
04:02gezeigt hat. Die 20 Minuten Gameplay stammen aus einer Alpha-Fassung des Spiels und wirken
04:07entsprechend nicht ansatzweise so beeindruckend wie die gescripteten Szenen. Der erste Trailer war
04:12also vielleicht für den ersten Hype ein kluger Marketing-Schachzug, aber er könnte dem Spiel nach
04:17hinten raus noch das Genick brechen. Denn das erste Video erzeugt eine Erwartungshaltung, die das
04:22eigentliche Spiel wahrscheinlich gar nicht einlösen kann. Nochmal, das hier ist eben kein The Last of Us
04:27im Mittelalter, sondern eher ein DayZ. Aber sei's drum. Ein Sandbox-Zombie-Spielplatz im Mittelalter
04:33ist ja immer noch eine recht unverbrauchte Idee. Unglückliche Vermarktung hin oder her. Schauen wir
04:37uns also das richtige Gameplay einmal genauer an. In God Save Birmingham müssen wir in erster Linie
04:49unsere Anzeigen links oben am Bildschirmrand in Schach halten. Die signalisieren uns nämlich,
04:54dass unsere Figur Hunger und Durst, panische Angst, ein MT und vieles mehr hat. Nur Verletzungen durch
05:00Stürze oder Zombie-Angriffe finden wir nochmal in einem separaten Menü. Bei Angst kann man zwar einfach
05:04in einem sicheren Versteck abwarten, für fast alles andere benötigen wir aber Ressourcen.
05:09Unsere Hauptaufgabe lautet daher, ab in die Stadt Birmingham und alles unter den Nagel reißen,
05:14was im Ort so herumliegt. Und die Stadt ist mit Abstand das größte Highlight des Trailers. Verwinkelte
05:20Gassen, chaotischer Aufbau und haufenweise unterschiedlicher Hütten und Häuser. Dieses
05:25Birmingham sieht einfach unglaublich authentisch aus. Und auf der Suche nach Loot in diesem schicken
05:30Örtchen treffen wir vor allem auf Untote. Das Gameplay-Material zeigt zwei Möglichkeiten,
05:36wie wir mit den Zombies umgehen. Entweder sprinten wir an ihnen vorbei oder wir töten sie… ein
05:41zweites Mal. Egal ob Rennen oder Zuschlagen, beides kostet Ausdauer. Aber weder geht die grüne
05:46Anzeige besonders schnell leer, noch strahlen die Untoten eine erhebliche Gefahr aus. Und das nicht
05:51nur, weil das Gameplay aus dem Easy-Zombie-Killing-Mode stammt. Eine Zombie-Dame bleibt an einem Mini-Zaun
05:56hängen, ein Walker wartet brav auf unsere Angriffe und selbst wenn uns mal ein verwesender
06:01packt, schüttelt unsere Figur ihn schnell wieder ab. Sogar aus der hiesigen Kirche,
06:05in der dann mal wirklich haufenweise Zombies auf uns lauern, kann unser Held noch einigermaßen leicht
06:10fliehen. Und die Spielphysik macht die Zombie-Begegnung sogar noch leichter. Zumindest suggerieren das die
06:24Gameplay-Szenen. Denn wir können nicht nur per Flugkick angreifen, sondern eben auch gezielt
06:30Körperteile anvisieren und abtrennen. Die Gegner bewegen sich dann halbwegs physikalisch korrekt,
06:34ohne die abgehauenen Gliedmaßen weiter. Das ist grundsätzlich eine gute Sache, das kennen wir
06:39ja schließlich aus Filmen und anderen Spielen. Gehört halt dazu. Aber gerade weil das Abschlagen in den
06:44gezeigten Szenen doch sehr simpel aussieht und wir die meiste Zeit eben nur auf wenige Untote treffen,
06:49verlieren die Feinde womöglich schnell etwas von ihrem Schrecken. Es sieht eher so aus, als ob wir uns
06:53nur mit einer Mistgabel durch die gesamte Stadt schnetzeln können. Ob ein anderer Schwierigkeitsgrad
06:58das Problem löst, ist zudem unklar. Der könnte die Feinde zwar widerstandsfähig machen, aber eben
07:03damit auch die Zerstückelungsmechanik untergraben. Wenn wir zu lange brauchen, damit ein Bein dran
07:08glaubt, warum sollen wir es dann überhaupt versuchen? Da ist es fast nur noch ein Tropfen auf den heißen
07:13Stein, dass das Trefferfeedback noch weit von befriedigend ist. Ich meine, unsere Waffe saust einfach
07:17immer wieder ohne Reaktion durchs untote Fleisch. Außerdem kann man sich wohl ziemlich leicht vor den Feinden
07:22verstecken. Gut, dass bei der Dame vom Zaun nicht mehr genug Gehirnzellen für eine ausgeklügelte Suchaktion
07:27übrig sind, können wir schon nachvollziehen. Trotzdem, das sieht alles noch ziemlich unfertig und ziemlich leicht aus.
07:41Die Untoten sind aber eben nur ein Aspekt vom Überlebenskampf in God Save Birmingham. Wichtig sind auch
07:46der Loot und das Physiksystem. Immerhin sollen und müssen beide unsere Motivation anfeuern.
07:51Tatsächlich sehen beide Mechaniken auch ziemlich spannend aus. Der Gameplay-Trailer zeigt, dass
07:56unsere Figur neue Klamotten, Essen, Verbandszeug, Wein, Gemüse und vieles mehr findet. Außerdem kann
08:02sie wirklich fast jeden Gegenstand hochheben und an beliebiger Stelle wieder absetzen oder ihn gleich mit
08:07dem Beil in seine Einzelteile zerlegen, die wiederum einsammeln und daraus etwas bauen und so weiter und so fort.
08:12Weil jede Aktion eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, entwickelt sich in einigen Momenten sogar
08:17eine richtige Spannung. Haben wir jetzt wirklich genug Zeit, damit wir genügend Wasser in unsere
08:21Pulle bekommen? Haben wir die Tür wirklich genügend verbarrikadiert? Schaffen wir es schnell genug,
08:26auf unsere Waffe zu wechseln? Ebenfalls cool, unser Held stellt wirklich alles zwischen sich und
08:30die Zombies. Egal ob Truhe, Stuhl oder ein Rad. Die wirklich spannenden Manöver zeigt das echte Gameplay
08:35aber nicht. Ob wir wirklich wie im gescripteten Trailer eine Brücke improvisieren oder per Stuhl auf den Dachboden
08:41klettern können, wissen wir nicht. Bislang wiegt die Physik daher eher wie ein nettes Gimmick, mehr nicht.
08:45Das Gameplay lässt aber auch noch viele Fragen offen. Es gibt zum Beispiel einen Tag-und-Nacht-Wechsel,
08:58aber gibt's auch unterschiedliches Wetter? Etwa Regen, bei dem die Untoten dann im Matsch ausrutschen?
09:03Was für Skills wird es geben? Dann gibt's offensichtlich klare Points of Interest wie dieses Haus hier.
09:09Gibt es in Sandbox-Modus damit Story-Elemente? Vielleicht sogar Missionen an diesem The Witcher-
09:13Gedächtnisbrett? Vor allem Aufträge wären auch bitter nötig, denn am Ende des Trailers fragen
09:18wir uns vor allem, warum? Warum machen wir das alles? Klar, auch ein DayZ unterhält uns
09:23dutzende Stunden ohne wirkliche Kampagne. Aber da gibt es zum einen die PvP-Komponente,
09:28die jede Session unberechenbar und spannend hält. Zum anderen gibt es wirklich Ziele, die wir erst nach
09:33langer Zeit erreichen können. Zum Beispiel ein Fahrzeug zum Laufen bringen. Selbst ein Don't Starve
09:37bietet ja noch einen Adventure-Modus, bei dem wir kleine Aufgaben erfüllen. Solche Elemente
09:42fehlen in God Save Birmingham bislang komplett. Hier gibt es keine Fahrzeuge, keine anderen Spieler
09:47und bislang eben auch keine Ziele. Aber was soll uns dann langfristig fesseln? Selbst in diesen
09:52ersten 20 Minuten hat unsere Figur sogar schon Ritterhandschuhe gefunden. Was irgendwie egal ist,
09:56weil in den gezeigten Szenen scheinen die Klamotten auch keine unterschiedlichen
10:00Verteidigungswerte zu besitzen. Wir wissen immerhin aus einem anderen Trailer, dass wir später auch mal eine
10:05richtige Rüstung und neue Waffen finden. Aber was machen wir damit, außer noch mehr Zombies
10:09umhauen? Können wir vielleicht eine kleine Basis aufbauen, KI-gesteuerte Überlebende retten oder
10:14vielleicht sogar die Untoten endgültig aus der Stadt vertreiben? Keine Ahnung! Genau diese Fragen
10:19sollte sich das Entwicklerteam von Ocean Drive stellen, damit aus dem grundlegend spannenden
10:24Setting von der Mittelalter-Zombie-Apokalypse auch tatsächlich ein spannendes und unterhaltsames Spiel wird.
10:29Denn es ist zwar super, dass das Team nach dem geskripteten Trailer auch nochmal das richtige Spiel und die
10:33wirklich schicke kleine Open World zeigt, aber der momentane Zustand von God Save Birmingham
10:38macht eben auch deutlich, dass der Survival-Titel noch sehr weit weg von einem Release ist, selbst
10:44von einem Early-Access-Release.
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