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  • vor 10 Monaten
Chile will die Supermacht der grünen Wasserstoffproduktion werden. Der erste Wasserstoffzug in Südamerika ist in Betrieb. Doch in Deutschland gibt es noch technische Probleme. Wasserstoff für die Bahn: Antrieb der Zukunft oder nur heiße Luft?

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Transkript
00:00Chile ist der größte Kupferproduzent der Welt mit rund einem Viertel Weltmarktanteil.
00:06In der Küstenstadt Antofagasta im Norden Chiles wird gerade ein kleines Stück Technikgeschichte geschrieben.
00:13Das Logistikunternehmen FCLB gehört einem der größten chilenischen Kupferproduzenten.
00:19Einst transportierte die Firma das Kupfererz mit Dampfloks.
00:22Heute fährt die Zugflotte mit klimaschädlichem Diesel.
00:25Dieser Zug aber soll den Wandel einleiten.
00:31Hallo, ich bin José Luis Adazme, Chefingenieur der Antofagasta Railways.
00:36Ich zeige Ihnen die erste wasserstoffbetriebene Lokomotive in Chile und Südamerika.
00:42Der Zug ist brandneu und wurde kürzlich aus China verschifft.
00:46Derzeit werden die letzten Vorbereitungen für die ersten Tests getroffen.
00:50Hier sieht man einen Teil der Tanks mit ihren Ventilen, um die Brennstoffzelle versorgen zu können.
01:00Sie ist mit 20 Zylindern Wasserstoff ausgestattet.
01:06Abhängig von der Strecke und dem Streckenabschnitt könnte die Lokomotive eine Reichweite von 166 Kilometern haben.
01:13Ist der Streckenabschnitt günstiger, könnte man auch eine größere Autonomie erreichen.
01:24Der Zug soll zunächst auf einer kürzeren Strecke zwischen dem Lager der Firma, einige Kilometer außerhalb der Stadt und dem Hafen getestet werden.
01:33Später soll er längere Strecken zwischen dem Hafen, Bolivien und den Kupferminen zurücklegen.
01:38Jedes Jahr transportiert FCIB rund sieben Millionen Tonnen Kupfer und andere Materialien.
01:44Die Erze werden im Norden Chiles, Argentiniens und Boliviens abgebaut und über ein 700 Kilometer langes Schienennetz durch Berge und Wüsten zur Weiterverarbeitung transportiert.
01:55Die Dekarbonisierung des Schienennetzes ist der Schlüssel zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens.
02:01Eines der Ziele ist es, die Emissionen bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren.
02:12Die meisten Emissionen kommen derzeit von den Lokomotiven.
02:18Noch kommt der Wasserstoff aus Brasilien und wird aus Biomasse hergestellt.
02:23Nach Angaben von FCIB ist das wesentlich teurer als Diesel.
02:27Das Unternehmen glaubt jedoch, dass sich dies bald ändern könnte.
02:31Chile hat große Ambitionen in Sachen Wasserstoff.
02:37Erste Pilotprojekte gibt es bereits und im Süden des Landes soll die nötige Infrastruktur entstehen.
02:42Das Land will zur weltweiten Nummer 1 für günstigen Wasserstoff werden
02:46und baut die Windenergieerzeugung für die zukünftige Wasserstoffproduktion aus.
02:50Es gibt Gebiete in Patagonien, in denen der Wind etwa zwei bis viermal so stark weht wie zum Beispiel in Deutschland.
02:59Wasserstoff kann dort sehr billig sein und könnte gleichzeitig Wasserstoffzüge versorgen.
03:04Die Weltbank glaubt, dass Lateinamerika schon im Jahr 2030 bis zu einem Drittel der weltweiten Nachfrage nach sauberem Wasserstoff decken
03:17und zu einem starken Konkurrenten für Afrika und Australien werden könnte.
03:20Das Wichtigste sind die Kosten für den gelieferten Wasserstoff.
03:26Diese Kosten sind etwa zehnmal so hoch wie die von Erdgas.
03:30Das zeigt die großen Herausforderungen dieser ersten Projekte.
03:34Laut Ueckert müssen bis 2030 weltweit rund eine Billion Dollar in Wasserstoffprojekte investiert werden,
03:45um die Kosten so schnell wie möglich zu senken.
03:49Eine Mammutaufgabe.
03:52Ein Blick auf die weltweiten Patentanmeldungen verdeutlicht das Beet.
03:56Daten der Internationalen Energieagentur zeigen, dass die meisten Innovationen und Patente im Bereich Wasserstoff,
04:03in der Automobil-, Luftfahrt- und Stahlindustrie sowie in der Schifffahrtsindustrie stattfinden.
04:09In den letzten Jahren wurden dem Schienenverkehr nur 13 Patente angemeldet.
04:14Hier in schwarz dargestellt.
04:20Genau in den Bereichen, in denen man keine andere Möglichkeiten hat.
04:25Dazu gehören die Stahl- und Zementindustrie, aber zum Teil auch der Bahnsektor.
04:30Der Güterverkehr setzt in Südamerika und weltweit immer noch stark auf Diesel,
04:35sowie die Züge des Logistikunternehmens FCIB in Chile.
04:39Und hier kommt der Wasserstoff ins Spiel, zumal die Elektrifizierung nicht immer die beste oder billigste Option ist.
04:45Wir haben in der Eisenbahnlandschaft mehr als 700 Kilometer Gleise mit äußerst anspruchsvollen Bedingungen.
04:55Es handelt sich um sehr steile Wüstenhänge, bei denen man weite Strecken zwischen Abfahrts- und Zielort zurücklegen muss
05:01und bei denen die Kosten für eine Elektrifizierung angesichts all dieser Eigenschaften sehr hoch sind.
05:11Wasserstoff hingegen benötigt eine umfassende Infrastruktur, um sein Potenzial zu entfalten.
05:17Es geht um ein ganzes Ökosystem, nicht nur der Zug nutzt den Wasserstoff.
05:21Es geht auch um Produktion und Betankung.
05:29In Kanada, Japan, Indien und China, sowie in mehreren europäischen Ländern wie Österreich, Italien, Spanien und Deutschland,
05:36werden Wasserstoffzüge erprobt oder sind bereits in kleinem Maßstab im Einsatz.
05:41Bei den Betreibern der wasserstoffbetriebenen Taunusbahn im Westen Deutschlands ist nach anfänglicher Begeisterung Ernüchterung eingekehrt.
05:50Seit dem gefeierten Start vor einigen Jahren ist die Bahn immer wieder von Pannen geplagt,
05:55berichtet Kai Daubertshäuser vom Rhein-Main-Verkehrsverbund.
06:00Das erste technische Problem, das war schon kurz nach der Auslieferung der ersten Fahrzeuge und Betriebsaufnahme,
06:07das war ein Problem an der Tankanlage auf dem Fahrzeug.
06:10Da kam es zu leichten Undichtigkeiten.
06:13Der Erfolg von Wasserstoffzügen steht zumindest in Deutschland auf wackeligen Beinen.
06:19Aufgrund der zahlreichen technischen Probleme auf der Schiene werden die Wasserstoffzüge derzeit wieder durch Dieselzüge ersetzt.
06:27Wir müssen mit den Erwartungen an Wasserstoff sehr vorsichtig sein.
06:32Ich gehe davon aus, dass Wasserstoff künftig stärker in den Sektoren im Fokus stehen wird, die keine Alternativen haben.
06:38Da diese letztlich die Zahlungsbereitschaft dafür haben.
06:42Die Nachfrage nach Wasserstoff im Schienenverkehr ist nicht groß.
06:47Innovation, niedrigere Kosten und ein massiver Ausbau der Infrastruktur werden darüber entscheiden,
06:53ob Wasserstoffzüge ein exotischer Luxus bleiben oder einfach die beste Wahl sind.
06:59Gerade in Gebieten, in denen eine Elektrifizierung nicht möglich ist oder erschwinglich,
07:04wie beispielsweise auf Fernstrecken in abgelegenen Gebieten, können Wasserstoffzüge eine echte Alternative werden.
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