00:00Endlich, Drova ist da! Das 2D-Gothic und ich liebe Gothic. Gibt es echt viel zu wenig
00:19Rollenspieler, die sich Gothic als Vorbild nehmen. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten,
00:23endlich ein Video dazu zu machen. So, jetzt aber wirklich. War krank, aber jetzt geht's los,
00:31rein ins Spiel. Ich werde nicht plötzlich ein zweites Mal direkt hintereinander kran...
00:35Okay, das war komisch, aber damit kann jetzt ja eigentlich nix mehr pass...
00:42Äh, Jonas, kannst du morgen mit den News anfangen?
00:46Jetzt aber endlich, Dro...
00:50Tja, manchmal macht einem das Leben und viele andere Projekte einen Strich durch die Rechnung.
01:06Eigentlich wollten wir schon letztes Jahr zum Release ein Video zu Drova machen,
01:11aber ihr habt's ja gerade selbst gesehen, das Universum hatte echt was dagegen.
01:15Sogar so sehr, dass ich beim Schreiben dieses Textes nochmal krank geworden bin. Kein Witz.
01:20Also Daumen drücken, dass wir ohne weitere Zwischenfälle durchkommen und
01:24endlich, endlich über Drova Forsaken Kin sprechen können.
01:28Das Rollenspiel, das am 15.10.2024 für PC und Konsolen erschienen ist,
01:32verdient nämlich jede Aufmerksamkeit. Wie in besten Gothic 1 und Gothic 2 Zeiten
01:37erkunden wir ne Welt voller interessanter Figuren, entscheiden uns zwischen verschiedenen Lagern und
01:41können Quests auf unterschiedliche Art und Weise lösen. Dass sich Drova stark an Gothic
01:46orientiert, daraus macht das deutsche Team von Just2D kein Hehl. Im Gegenteil, sogar das Intro
01:51spricht niemand Geringeres als Bodo Henkel alias Xardas höchstpersönlich ein.
01:55Neben Schätzen und Nahrung hatten sie noch etwas Besonderes gefunden. Es leuchtete rot und zog die
02:05Blicke aller Umstehenden auf sich. Aber Drova ist eben nicht einfachen
02:10Gothic-Klon. Es hat vielmehr genau begriffen, was die deutsche Rollenspielreihe so besonders
02:15macht, überträgt die Erkenntnisse in eine zweidimensionale Welt und baut ganz nebenbei
02:19noch ein paar eigene Ideen mit ein. Diese Mischung funktioniert so erstaunlich gut,
02:23dass uns das Spiel auch Monate nach Release nicht aus dem Kopf geht.
02:26Also klären wir nochmal ganz genau, was Drova Forsaken Kin so besonders macht.
02:36In Drova Forsaken Kin hört unser selbst zusammengebauter Held Jogl seit seiner
02:42Geburt vom sagenumwobenen Land Drova. Dort sollen die Menschen in Frieden und Harmonie leben und
02:47niemand muss hungern. Die Realität spuckt unserem Helden aber schnell ins Gesicht.
02:51Oder zumindest auf den Boden. Denn Jogl landet nach einem gefährlichen Ausflug
02:56durch den mysteriösen Nebel zwar tatsächlich in Drova, aber von der friedlichen und harmonischen
03:01Welt sehen wir nichts. Überall lauern Monster, die Menschen sind alles andere als freundlich und
03:06wirklich willkommen sind wir auch nicht. Und sogar untereinander trauen sich die
03:10Leute nicht über den Weg und haben sich sogar in zwei verschiedene Lager zerstritten. Und als wäre
03:14das alles immer noch nicht genug, kreist ein tödlicher Schleier das vermeintliche Paradies
03:18ein, breitet sich immer weiter aus und bedroht damit sämtliches Leben.
03:21Wir müssen in all diesem Chaos nun nichts weniger als die Welt retten. Und sehr schnell macht Drova
03:32klar, dass es in Sachen Quests und Open World ganz oben mitspielt. Aber von vorne.
03:36Im Intro erhalten wir ein Kristall und sollen den zu einem Droiden in der Stadt Nemeton bringen.
03:41Und mit dieser vermeintlich simplen Aufgabe stolpern wir genau wie in Gothic immer tiefer
03:46in die Gesellschaft von Drova rein. Denn wo liegt Nemeton überhaupt?
03:50Ach, der nette Mann hier gibt uns ne Karte, die… naja, Karte kann man das ja wohl kaum nennen.
03:55Na zumindest zeigt sie uns grob nen Weg zur Stadt. Einmal hier außen komplett herum,
04:00die nahegelegene Brücke ist nämlich kaputt. Aber auf dem Weg gibt's halt viel zu viele
04:03starke Monster. Vielleicht dann doch erstmal Halt bei den Holzfällern machen und dort stärker
04:08werden? So lenkt uns das Spiel sanft in eine Richtung, ohne dass es uns auf einem bestimmten
04:12Weg zwingt. Denn wir können theoretisch wirklich bis zu Nemeton durchlaufen, nur kommen wir dann
04:17auch entsprechend schwach dort an. Zumindest zu Beginn sind wir nur einer von vielen und sollten
04:22Arbeit von den NPCs lieber annehmen. Also doch erstmal zu den Holzfällern. Da erhalten wir dann
04:27die erste Mission und verdienen uns Geld und neue Ausrüstung. Oder wir lernen bei der ruppigen
04:31Truppe mehr zu den Gefechten, dazu später mehr. Die Quests fallen auf den ersten Blick
04:35Genre-typisch aus. Sammle dies, finde den, besiege das. Aber in jedem Gespräch lernen
04:40wir mehr über die Welt und fast alle Missionen können wir auf unterschiedliche Arten lösen.
04:44Ein kleines Beispiel. Ganz zu Beginn sollen wir herausfinden, ob sich jemand am Essensvorrat
04:48der Holzfäller bedient. Wir warten also bis nachts oder legen uns kurz schlafen, nähern uns langsam
04:53dem Lager und erwischen O-Wein auf frischer Tat. Was nun mit ihm geschieht, ist völlig uns
04:58überlassen. Wir können ihn als Messer liefern, wir können ihn selbst umhauen, wir können ihm
05:02aber auch einen Job bei den Holzfällern beschaffen. Die sind nämlich sowieso chronisch unterbesetzt,
05:06seitdem in Drova mehr Monster herumschleichen und die Menschen lieber ins nahegelegene Ruin
05:10Lager fliehen. Später erfüllen wir dann Aufgaben für die Anhänger von Nemeton oder dem Ruin Lager
05:15und müssen uns sogar für eine der beiden Fraktionen entscheiden. Ganz wie im großen Vorbild halt. Und
05:20beide haben ihre klaren Motivationen und Geschichten. Das Ruin Lager hat sich etwa
05:24von Nemeton losgesagt und nimmt entsprechend liebend gern neue Leute auf. In Nemeton kommen
05:29wir hingegen nicht einmal ohne weiteres in die Stadt hinein. Zu groß ist die Angst vor Verrätern,
05:33die fürs andere Lager spitzeln. Ihr seht schon, nicht nur gibt es hier kein Schwarz und Weiß,
05:37die Welt und ihre Hintergründe schwingen ständig mit. Da stört es uns auch kaum,
05:41dass die Figuren alle stumm bleiben. Mit Ausnahme des Intro-Filmchens gibt es im
05:45Spiel keine Sprecher. Bei einer derartigen Menge an Texten und dem kleinen Entwicklerteam verständlich,
05:50zumindest für die Hauptstory hätten wir uns aber schon Stimmen gewünscht. Aber hey,
05:54Drova kreiert trotzdem audiovisuell ne fantastische Atmosphäre. Es fehlt zwar an
05:59Sprechern, dafür punktet das Rollenspiel mit ner gelungenen dynamischen Musikuntermalung
06:03und einem tollen Sounddesign. Die Stücke versprühen die Schwere und Melancholie des
06:08kaputten Paradieses, die lauten Tiere und knarzenden Pflanzen machen die Welt lebendig.
06:12Während die Quests und Figuren ne große Stärke von Drova sind,
06:24fällt die eigentliche Geschichte im Vergleich etwas ab. Sie ist solide,
06:27wartet mit ein paar Highlights auf und treibt uns gut durch die Welt,
06:30aber vom Hocker reißt sie auch nicht. Dafür haben wir das alles schon mal zu oft in ähnlicher
06:34Form in anderen Rollenspielen gesehen. Besonders schade, der Nebel kommt selten
06:38als die große Bedrohung herüber, die er eigentlich sein soll. Es ist eben nicht die
06:42Geschichte, es sind die Figuren, die Konflikte und die Mythologie des Ortes,
06:46die uns so sehr an Drova fesseln. In einer Hinsicht übertrumpft das Spiel sogar sein
06:50großes Vorbild. Mit fortschreitender Handlung entwickeln sich auch andere Figuren weiter.
06:54Ganz banal wie etwa am Anfang, dass jemanden sich den Holzfällern anschließt. Später steigen
06:58Charaktere aber auch in ihrem Rang auf, wechseln ihren Standort und so weiter und so fort.
07:02Dadurch wirkt die Gesellschaft im Spiel deutlich lebendiger als etwa in Gothic.
07:06Und dann ist ja da noch die toll designte offene Welt. Denn das hier … ist nicht Drova.
07:12Das hier ist Drova. Es macht einfach so einen unendlichen Spaß, dieses Gebiet zu erkunden.
07:17Nicht nur, weil an jeder Ecke gute Quests und Geheimnisse warten,
07:21sondern auch, weil Just2D hervorragend moderne Standards da weglässt, wo es Sinn ergibt.
07:25Questmarker gibt's nicht. Tutorials? Pff, nicht nach den grundlegendsten Mechaniken.
07:30Ne Karte? Ja, aber die müssen wir uns erstmal kaufen, zusammen mit Tinte,
07:35mit der wir dann selbst interessante Orte markieren, sonst müssen wir uns alles merken.
07:38Jede Form von Unterstützung müssen wir uns selbst verdienen. Sogar ne Schnellreise,
07:43die die Entwickler im Dezember 2024 per Patch nachreichten, spielen wir uns erst
07:47einmal in einer Questreihe frei. Das einzige Zugeständnis ist ein Personenregister,
07:51das aber auch erst mit nem Update nach Release erschienen ist.
07:54Ein modernes Gameplay-Element ist zudem der Suchmodus à la Witcher 3. Bei gedrückter
07:59rechter Maustaste gehen wir langsamer, lassen Hindernisse verschwinden und decken Sammel-Items
08:03und Spuren auf. Ein cooles Gimmick, mit dem wir nichts übersehen. Drova setzt es übrigens auch
08:07gerne mal in Quests ein, hier folgen wir etwa den Fußspuren eines Monsters und entdecken so
08:11seinen Unterschlupf. Aber auch ohne Suchmodus bleibt Drova trotz Vogelperspektiven
08:21und begrenztem Bildausschnitt immer übersichtlich. Mit der Maus schwenken wir die Kamera vor Jogl
08:25immer ein Stück voraus, sodass er nicht ganz mittig im Bild herumläuft. So sehen wir trotz
08:29der Perspektive immer genügend. Drova kann so sogar verdammt gut vertikale Bereiche nutzen.
08:34Unübersichtlich wird es nie, nur manchmal etwas unlogisch. Unser Jogl kann nämlich nicht springen
08:39und bereits kleine Vorsprünge werden zu unüberwindbaren Hindernissen. Ist kein Beinbruch,
08:43fällt aber bei einer sonst so immersiven Welt umso mehr auf. Dennoch, die Welt und ihr Aufbau,
08:47die verschachtelten Quests und die Mischung aus alten und neuen Tugenden sorgen dafür,
08:51dass wir in dieser Welt versinken wie in kaum einer anderen. Und Drova weiß vor allem immer,
08:55wann genug ist. Keine Mission ist zu lang, die Welt bleibt üppig, aber nicht zu groß. Sogar
08:59die solide Geschichte ist genau dann vorbei, wenn sie nichts mehr zu erzählen hat. Nichts
09:03wirkt hier gestreckt, nichts zu groß. Mit seiner Welt und seinen Quests überzeugt
09:17Drova also bereits auf ganzer Linie. Wie sieht's aber mit dem restlichen Spiel aus,
09:20also mit Rollenspielsystemen und den Gefechten? Kurz gesagt, sehr gut, wenn auch nicht überragend.
09:25Die Kämpfe sind deutlich schneller und direkter als in Gothic. Wir kloppen mit leichten oder
09:29schweren Angriffen direkt auf Gegner und Monster drauf. Mit jedem Treffer füllen wir unsere
09:33Fokusleiste. Erreicht die einen Kasten, lösen wir auf Knopfdruck die entsprechende Spezialfertigkeit
09:38frei, etwa lassen wir Feinde bluten oder lösen nen Zauber aus. Mit einem Seitenschritt weichen
09:42wir hingegen aus. Welche Waffe wir dabei einsetzen, wirkt sich extrem auf die Gefechte aus. Wer auf
09:47Zweihänder wie etwa Äxte setzt, hat beispielsweise keine Handöffnung Schild über und kann nicht
09:52parieren. Dafür ist unsere Reichweite deutlich höher. Mit Schleuder und Bogen schießen wir
09:56hingegen aus der Ferne, sind aber im Nahkampf ziemlich wehrlos. Weil wir vor allem zu Beginn
10:00nur wenig aushalten, müssen wir das System schnell verinnerlichen und am besten Waffen
10:04kombinieren. Unsere Figur kann nämlich zwei Sets dynamisch hin- und herwechseln. Wir ballern also
10:09etwa zunächst mit der Schleuder und wedeln dann mit dem Schwert herum.
10:11Durch den Fokus und die Spezialattacken entwickeln die Gefechte auch ne tolle Dynamik. Die Angriffe
10:16können nämlich in knappem Kampf durch ihre Wucht gern mal zu unseren Gunsten entscheiden. Vor allem
10:20bei mehreren Feinden kommt das System aber an seine Grenzen. Wenn von allen Seiten Gegner
10:24anschwärmen, ziehen wir gern mal in Sekunden den Kürzeren, selbst wenn wir eigentlich stark genug
10:28für die Monster sind. Also heißt es lieber einzelne Feinde rauslocken und…
10:32Vorders Pfund aufs Maul.
10:34Sorry, der musste einfach einmal sein. Zudem müssen wir auch aufpassen, wen wir angreifen,
10:39denn in Drova gibt es kein Level-Scaling. Die Feinde haben einen festen Level, wenn wir an
10:43einem Monster nicht vorbeikommen, müssen wir es später noch einmal versuchen. Also,
10:46wenn Jogl endlich stärker geworden ist. Cool, wer fleißig mit NPCs spricht,
10:50lernt die Feinheiten des Kampfsystems in Detail und kann sogar etwas üben. Ist aber halt auch
10:54kein Muss. Neben Quests und Kämpfen sammeln wir haufenweise Items, tauschen unsere Fundstücke bei
10:59Händlern ein, erhalten Erfahrungspunkte, brauen uns Essen und Tränke für Buffs und vieles mehr.
11:04Hier bleibt Drova ziemlich Genre-typisch. Das Level-System stammt hingegen wieder fast
11:081 zu 1 aus Gothic. Wir steigen mit einem neuen Level nicht einfach auf und verteilen Punkte
11:12auf Statuswerte. Wir müssen Lehrer finden und können nur bei ihnen neue Fertigkeiten und
11:16Attribute erlernen. Aber auch hier hat Drova ne kleine, feine eigene Idee. Waffen sind nun
11:21nicht mehr an einen bestimmten Attributwert gebunden, vielmehr ist die insgesamt investierte
11:26Zahl wichtig. Das sorgt dafür, dass wir am Anfang munter Punkte ausgeben, statt sie für
11:30bestimmte Lehrer zu horten, weil wir eben dieses eine Schwert anlegen wollen.
11:34Insgesamt klingt Drova for Second Kind wie ein herausragendes Spiel. Und das ist es in
11:47gewisser Weise auch. In kaum einem anderen Rollenspiel habe ich mich in den letzten
11:51Monaten so verloren. Kaum ein anderer Titel hat die Magie von Gothic so gut verstanden und es
11:55trotzdem eigenständig genug geblieben. Aber Drova funktioniert eben nur, wenn man sich auf
12:00diese Art von Rollenspiel einlässt. Man muss es in Kauf nehmen, dass man zunächst wie der
12:04ärmste Schlucker durch die Welt läuft, dass man sehr oft sterben wird und das nicht nur am Anfang,
12:08dass man viel lesen wird ohne Sprecher im Ohr, dass man über 30 Stunden auf eine
12:12pixelige Region schaut. Drova ist nicht perfekt, gerade in Sachen Story, Waffenvielfalt und
12:17Kampfsystemen geht es definitiv noch besser. Dennoch ist es ein fantastisches Cliout geworden,
12:22das sich vor den großen Vorbildern wirklich nicht verstecken muss.
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