00:00Ja wie jetzt? Das war es schon? Das Ende von Diablo 4, Vessel of Hatred, das ihr hier übrigens
00:12nicht seht, hat mich richtiggehend schockiert. Bei keinem anderen Diablo Addon hat mich der
00:18Schlussakt so geärgert wie zu Mephistos Rückkehr. Und zwar gerade weil Vessel of Hatred sonst
00:25ein richtig gutes Addon geworden, ja teils sogar großartig ist. Eine neue Klasse, ein
00:37neues Gebiet, viele neue Endgame Aktivitäten und Verbesserungen am Itemdschungel, all das
00:43und mehr steckt in diesem 40 Euro teuren Paket ja drin. Aber dann so ein Finale abzuliefern,
00:50ne Blizzard, das ist mir zu schwach. Die große neue Attraktion ist natürlich der Spiritborn.
01:02Auf deutsch heißt der Geistgeborene und es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung
01:08des Mönchs aus Diablo 3. So viel vorweg, der Spiritborn spielt sich klasse. Mit der neuen
01:16Klasse seid ihr extrem flink unterwegs, beamt euch geradezu über das Schlachtfeld und verursacht
01:24enorme Schadensmengen. Die Klasse ist um vier Geister herum angelegt. Gorilla, Tausendfüßler,
01:30Adler und Jaguar stehen jeweils für spezielle Spielstile und Elementarschäden. Ihr könnt die
01:36ihnen zugeordneten Fähigkeiten im Talentbaum aber nach Lust und Laune kombinieren. So entdeckt ihr
01:43viele spaßige Kombos und verstärkende Effekte. Im Test haben sich aber Gift- und Blitzschaden als
01:56zwei der effektivsten Builds herausgestellt. Die Defensivfähigkeiten des Gorillas sind
02:02im Vergleich schwächer. Mit dem Jaguar könnt ihr derweil das neue Wildheit-Attribut stapeln,
02:09um viele Treffer in kürzester Zeit zu erzielen. Die starken Ultimates lassen sich teils durch die
02:17richtige Talent- und Itemkombination mehrfach hintereinander abfeuern, was zum Spektakel auf
02:23dem Bildschirm beiträgt. Und heiliges Blechle, wie spektakulär kracht und blitzt es bei Diablo
02:304 immer noch. Nicht nur grafisch ist das weiterhin sehr ordentlich, das Spielgefühl ist gewohnt wuchtig.
02:37Schläge fühlen sich mächtig an, Feinde sterben im Dutzend, bestimmte Charakterbuilds flügen wie
02:44Sensen über den Bildschirm. Aber gleichzeitig gibt's eben auch eine gewisse Herausforderung.
02:49Beim Schwierigkeitsgrad kommt jetzt ein neues System zum Einsatz. Die höchste Weltstufe zu
02:55erreichen ist inzwischen ein ganzes Stück härter, dafür müsst ihr vorher nicht mehr
03:00zwangsweise Story-Dungeons abschließen. Auch das Paragon-System wurde aktualisiert und wirkt
03:06sehr gelungen. Das Leveln bis Stufe 300 gestaltet sich dabei etwas zäh, doch schon ab dem nach etwa
03:1330 Stunden erreichten Level 200 fühlt sich der Charakter gut gerüstet an.
03:19Insgesamt wird Diablo 4 damit für Solospieler im Endgame anspruchsvoller, während das Sammeln
03:28von XP und wertvoller Beute in der Gruppe attraktiver ist. Apropos, das Endgame lässt
03:34sich aktuell noch nicht final bewerten, weshalb ich im Test auf GameStar.de auch
03:39erstmal nur eine Wertungsprognose abgebe. Apropos Nummer 2, die Item-Balance macht
03:47bisher einen besseren Eindruck als im Hauptspiel. Ich hatte mehr Spaß als zuvor,
03:52meine Heldin mit besseren Gegenständen auszustatten. Jedenfalls ab der Item-Stufe
03:57legendär. Blaue und gelbe Gegenstände tausche ich immer noch im Dutzend aus,
04:02ohne mich groß um die Werte zu scheren. Sagen wir mal so, Vessel of Hatred macht
04:07bei der Itemization einen Schritt in die richtige Richtung. Aber es bleibt ein
04:12Minischritt. Quasi ein Gartenzwerg-Schritt. Riesig ist dagegen die Präsentation des Endgames.
04:29Die Story setzt direkt nach dem Hauptspiel an, aber ihr könnt auch einfach mit einem
04:33neuen Charakter durchstarten. Auf der Suche nach Nay'uel und dem gemobbsten Seelenstein
04:38bekommt ihr es mit Mephistos Schergen zu tun. Der Herr des Hasses entfesselt eine ganze Reihe neuer
04:44Gegner. Aber spannender fand ich die Rückkehr bekannter Elemente. Vor allem der Trip in
04:50Mephistos altes Gefängnis ruft Erinnerungen an Diablo 2 wach. Hier punktet Vessel of Hatred
04:55mal wieder mit der Düsternis, die mir schon im Hauptspiel so gefallen hat. Die Höllenkreaturen
05:00stellen wirklich abscheuliche Sachen mit menschlichen Fleischsäcken und ihrem roten
05:05Lebenssaft an. Wach. Aber auch die NPCs haben eine kranke Ader. So werden etwa gleich bei
05:12mehreren Gelegenheiten erntefrische Organe verspeist. Okay, wechseln wir zu erfreulicheren
05:21Anblicken. Hey, schaut mal! Kurast! Die Azteken-Metropole im Dschungel ist zurück und
05:27sieht besser aus denn je. Hier verbringt ihr ebenso viel Zeit wie im Umland des neuen Gebiets
05:33Nahantu. Die Atmosphäre hier ist eine schöne Abwechslung zu Sumpfwüste und Tundra im Norden.
05:39Wie üblich reitet ihr aber meist stur von einer Kartenmarkierung zur nächsten,
05:44weil ihr die Open World auf dem Weg dorthin eh nicht von Gegnern befreien könnt. Die Feinde
05:50spawnen alle paar Sekunden wieder rein. Nur die geduldigsten Spieler finden Zeit für all die
05:56Events, Nebenquests, Dungeons und Keller, die über die Map verteilt sind. Und natürlich trefft
06:02ihr dabei wieder in Städten und bei Events auf andere Spieler, weil die Shared World euch genau
06:07wie im Hauptspiel nie zu 100% allein lässt. Das alles war ich aus Diablo 4 gewohnt. Was mich
06:15negativ überrascht hat, wie Blizzard die Geschichte des Add-ons auf den letzten Metern
06:20in den Sand setzt. Versprochen, ich spoilere an dieser Stelle nichts wichtiges. Aber meine Herren,
06:27so kann man ein Add-on doch nicht beenden! Ja, es gibt einen coolen Bosskampf und ja,
06:39die Kampagne hat sehr schöne Szenen mit Wow-Faktor. Aber erstens wirkt das letzte Drittel
06:46der 15 Stunden Spielzeit ganz schön gestreckt. Zweitens hat die Story einen gewaltigen Cliffhanger.
06:52Und drittens beschäftigt euch das Spiel anschließend noch mit belanglosen Füllstoff,
06:58wie dem Abschluss von drei Dungeons oder dem Verdienen einer Flüsterbaumbelohnung.
07:04Das soll aufs Endgame vorbereiten, aber die Präsentation als Teil der Hauptquest wirkt
07:12befremdlich. Wer wie ich darauf wartet, dass der Cliffhanger aufgelöst wird,
07:17ist daraufhin nur noch umso enttäuschter. Hier deutet alles auf ein weiteres Add-on
07:22oder ein Diablo 5 hin. Tatsächlich bestätigte Blizzard uns gegenüber bereits weitere Erweiterungen.
07:29Das ist ja auch völlig okay, aber weil die Story so abrupt zum Stillstand kommt,
07:34fühlt es sich an, als hätte Blizzard einfach vergessen, den zweiten Teil der Erweiterung
07:39mit auszuliefern. Okay, wie kommen wir jetzt aus diesem Loch wieder raus? Ich weiß,
07:47mit guten Nachrichten zum Endgame. Das wird in Vessel of Hatred gleich mehrfach aufgebohrt. Da
07:53wäre zum einen die dunkle Zitadelle. Hier braucht ihr unbedingt ein bis drei Mitspieler,
07:59weil es in bester Koop-Manier, Bodenplatten zu drücken und Fallen zu deaktivieren gilt.
08:04Dank Partyfinder lassen sich schnell passende Mitspieler finden. Ein Run dauert zwischen 30
08:10und 90 Minuten, in drei Flügeln des Gebäudes wollen ebenso viele Bosse unter Zeitdruck gelegt
08:16werden. Ohne Teamwork geht hier nichts. Neben einer angemessenen Menge der üblichen Beute
08:23findet ihr hier auch einzigartige Verbrauchsgegenstände. Davon abgesehen gibt es aber
08:29bei den 200er-Bossen wie Duriel noch immer mehr lohnenswerten Loot. Die Fieslinge lassen sich
08:35hier mit On einfacher beschwören, weil mehr entsprechende Gegenstände droppen. Als Raid-Inhalt
08:42stellt die Zitadelle dennoch einen guten ersten Schritt dar. An der Balance muss Blizzard noch
08:48arbeiten. Ein weiterer neuer Bereich ist die Unterstadt in Kurast. Auch hier geht's unter
08:55Zeitdruck zur Sache. Wer spezielle Bosse und Strukturen zerstört, sammelt zusätzliche Sekunden.
09:01So habt ihr im Idealfall Zeit, um Leuchtfeuer zu entzünden und eure Belohnung zu verbessern. Aber
09:10Vorsicht, schafft ihr es nicht innerhalb des engen Zeitlimits zum Boss, bekommt ihr gerade
09:16einen Trostpreis. Auch hier gilt, die Unterstadt ist ein cooles Konzept, die Belohnungen stinken
09:23im Vergleich zu den 200er-Bossen aber ab. Blizzard hat aber bereits angekündigt, bis zum Verkaufsstart
09:30am 8. Oktober weitere Verbesserungen an der Balance nachzupatchen. Wer Diablo 2 kennt,
09:38kennt natürlich auch die neuen Runen, die mit Vessel of Hatred ins Spiel kommen. Aber das System
09:45der Item-Verbesserung funktioniert diesmal ein bisschen anders als im Jahr 2000. Aus jeweils drei
09:51niederen Runen lassen sich bessere herstellen, aber genauso wie andere Crafting-Materialien sind
09:58die in Vessel of Hatred schwieriger zu bekommen als gewohnt. Anscheinend haben die Entwickler das
10:06Frustpotenzial dahinter aber bereits erkannt und versprechen für den Launch Besserung. Pro
10:11Charakter dürft ihr nur maximal zwei Runenbürter auf Gegenstände packen, die jeweils aus zwei
10:17Einzelteilen bestehen. Wie bei vielen der neuen Item-Verzauberung lösen diese unter bestimmten
10:23Bedingungen mehr oder weniger mächtige Effekte aus. Sogar Ultimates sind davon betroffen.
10:28Das ist ein willkommenes weiteres Element beim Charakterbau, aber meiner Erfahrung nach kein
10:35Killer-Feature, das die Builds komplett umwirft. Von einem Stellenwert wie in Diablo 2 sind diese
10:42Runen also weit entfernt, dürften aber dennoch rege zwischen Spielern gehandelt werden.
10:47Auch nicht ganz so weltbewegend wie erhofft sind die neuen Söldner. Die haben einen eigenen
10:55Unterschlupf, der sich nach und nach mit vier KI-Helfern und einer neuen Händlerin füllt.
11:00Richtig stark sind die Rekrutierungsquests, die toll auf Englisch und Deutsch vertont werden
11:06und ihre interessanten Geschichten mit schönen Zwischensequenzen inszenieren.
11:10Die Söldner sind also keine anonymen Statisten, sondern echte Charaktere. Eure Bindung zu ihnen
11:20wird dadurch verstärkt, dass ihr mit der Zeit einen eigenen kleinen Talentbaum für sie ausfüllt.
11:26Außerdem gibt's Belohnungen, wenn ihr sie öfter mitnehmt. Im Gefecht sind die Söldner eine nette
11:32Ergänzung, die aber nie kampfentscheidend sind. Auch könnt ihr ihnen keine Befehle geben oder
11:37überzählige Ausrüstung anlegen. Eine verpasste Gelegenheit.
11:41Zuletzt noch ein Wort zur gleichzeitig mit dem Add-on startenden Season 6. Diesmal sollt
11:50ihr sogenannte Reichwandler umhauen, die ein Portal auf dem Rücken tragen. Dahinter warten
11:56recht lieblos zusammengeklatschte Mini-Dungeons mit Belohnungen, die im Vergleich keinen Endgame-Spieler
12:02hinter dem Ofen hervorlocken. Auch fiel die Season-Story zumindest in der Testfassung im
12:07Vergleich zur Vergangenheit sehr mager aus. Ob da im Live-Betrieb noch mehr kommt? Wegen
12:15und weiterer offener Fragen etwa zum Server-Status am Launch und etwaiger Balance-Änderungen mit dem
12:22Day-One-Patch ist dieser Test noch lange nicht abgeschlossen. In den nächsten Tagen und Wochen
12:27werden meine Kollegen und ich das Endgame und den Live-Service-Betrieb von Diablo 4
12:32Vessel of Hatred genau beobachten und unser Fazit bei Bedarf anpassen.
12:37Die neuesten Infos und Analysen findet ihr dabei stets auf GameStar.de.
12:42Für Solospieler lässt sich aber schon jetzt eine Wertung abgeben. Und die fällt wegen des
12:49letzten Spieldrittels und dem enttäuschenden Ende schlechter aus, als es das Alt-On eigentlich
12:55verdient hätte. Vessel of Hatred fügt Diablo 4 eine richtig starke neue Klasse hinzu,
13:03hat tolle Story-Momente und ist extrem hochwertig produziert. Aber ich befürchte,
13:09dass dieser eine Moment, als ich am Ende fassungslos auf den Bildschirm starte,
13:14auch viele andere Spieler ereilen wird und ihre Meinung zur Erweiterung negativ beeinflussen
13:21dürfte. Daran wird selbst das beste Endgame nichts ändern.
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