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  • 1 day ago
Hannes Nüsseler has long worked as a film and culture journalist in Basel—writing for outlets such as TagesWoche, bz Basel and Radio SRF—while building a parallel career as a comic author with graphic novels including Das Seidenband (The Silk Ribbon), Das Haus am Wald (The House by the Forest), and Die Hard. At the beginning of next year (22 February – 11 April 2027), the Cartoonmuseum Basel will exhibit original drawings from all three of these graphic novels, alongside recent and other published works by the artist. In this conversation he looks back on the paths that led him into both fields, the successes and challenges of each, and where he sees cultural journalism heading. (Interview in German, English subtitles available via YouTube settings).

Interview with Cultural Journalist and Comic Author Hannes Nüsseler. Basel (Switzerland), October 1, 2026.
Transcript
00:00:00Hannes, thank you very much for the interview.
00:00:03Thank you very much for the invitation.
00:00:06We have known in the museum.
00:00:08I don't know about which exhibition, but I don't know about which exhibition.
00:00:13I mean, it was a diverse exhibition on the back of the back of the Gemälden in the museum of
00:00:21Basel.
00:00:22That was a great exhibition.
00:00:25Später hast du mich interviewt anlässlich des 20-jährigen Jubiläums von Werningsaas TV.
00:00:31Ja, genau.
00:00:32Wir haben uns natürlich auch über andere Sachen unterhalten.
00:00:37Da kam bei mir der Wunsch, dass wir mal ein Interview mit dir machen.
00:00:41Du bist nicht nur Kultursjournalist, sondern auch Autor von Comics, also Uli Stratow.
00:00:49Und abgesehen davon hat mir dein Artikel über Werningsaas TV auch sehr gefallen, wie du es geschrieben hast.
00:00:57Und das hat mich ziemlich beeindruckt.
00:00:59Und deshalb hat es mich wirklich interessiert, dich ein bisschen näher kennenzulernen und auch mal ein Interview umgekehrt zu machen,
00:01:07also für Werningsaas TV.
00:01:09Über deine zwei oder mindestens zwei, denke ich jetzt mal, Leidenschaften, also Journalismus und die als Comic-Autor.
00:01:20Vielleicht fangen wir mal mit dem Journalist an. Was hat dich zum Journalismus gebracht?
00:01:29Was hat mich dazu gebracht?
00:01:32Ein Stück weit zuerst die Ideenlosigkeit.
00:01:34Also ich habe mit meinem Studium, als ich das abgeschlossen habe in Geschichte und Englische Sprache, also Amerikanistik,
00:01:42da wusste ich eigentlich schon, dass es nicht auf den Lehrberuf für mich hinausläuft.
00:01:48Und gleichzeitig hatte ich nicht wirklich eine Idee, was ich machen soll.
00:01:51Den ersten Job, den ich dann so hatte nach dem Studium, der war gleich hier ums Eck, im Borgstecherhof.
00:01:58Und da hatte ich den Studiengang Hyperwerk.
00:02:03Der wurde ausgedacht von einem Büro, das hieß Hyperstudio.
00:02:09Und die haben so ein Ausschreiben gab es, so einen interaktiven Medienfachgang zu entwickeln.
00:02:17Und das war dann eben dieses Hyperwerk, die waren dort angesiedelt und dort habe ich dann so als, ja, dort
00:02:22habe ich angefangen mit ziemlich vielen Sachen.
00:02:25Also ich habe mit Studierenden gearbeitet, ich habe Projekte mitbetreut und so weiter.
00:02:31Und weil das nicht besonders gut bezahlt war, habe ich nebenbei auch noch als freier Journalist gearbeitet.
00:02:37Und da habe ich so klassisch Regionaljournalismus betrieben, Gemeindeversammlungen und ähnliche Sachen.
00:02:43Bis ich dann eines Tages gefunden habe, jetzt frage ich doch mal bei der Kultur an, weil das ist eigentlich
00:02:48das, was mir am nächsten liegt, ob ich nicht mal über Film Bericht erstatten dürfte.
00:02:53Und das war sehr toll, weil der damalige Kulturchef, der fand dann zuerst ja gut, wir haben ja unseren Pool
00:03:00an Freien, die sich bewähren.
00:03:03Und da war ich geistesgegenwärtig genug, in dem Moment zu sagen, ja, aber wie kann man sich denn bewähren, wenn
00:03:08man es noch nie ausprobiert hat?
00:03:10Und das hat offenbar eingeschlagen oder hat funktioniert, genau.
00:03:15Was hat dich am meisten zur Kultur gezogen, oder zum Kultursjournalismus?
00:03:24Es war halt das, was mich immer interessiert hat, schon von klein auf, und was ich ein Stück weit dann
00:03:29auch während des Studiums betrieben habe mit Literaturwissenschaft, Geschichte im weitesten Sinne.
00:03:35Das ist das, was mir am nächsten lag und deshalb gab es da für mich gar keinen großen Unterschied jetzt
00:03:43zwischen, außer vielleicht bei der Vermittlung, also es macht halt einen Unterschied, ob man ein Seminar, eine Seminararbeit schreibt oder
00:03:50ob man das einer Leserschaft, Leserinnenschaft näher bringen soll, die das jetzt vielleicht nicht jeden Tag sich damit auseinandersetzen und
00:03:59beschäftigen.
00:04:00Und das ist eigentlich, ja, ich fand das eigentlich noch die Herausforderung, dass man es so erzählt, dass es Leute
00:04:06auch wirklich interessieren kann und dass sie dann mal etwas damit anfangen können.
00:04:13Kunstjournalismus, also auch gerade wenn es so richtig um Kunstkritik geht, ist ja nicht immer ganz unheikel, weil man natürlich
00:04:19auch den Leuten auf die Füße tritt und man das ja eigentlich normalerweise ja nicht immer möchte.
00:04:28Aber teilweise halt auch muss und wie gehst du damit um, also wie stark kritisierst du die Leute oder wie
00:04:35bringst du die Kritik rüber oder wie, was sind so deine Leitlinien, also wie du damit umgehst?
00:04:41Also ich habe mit Filmkritiken angefangen und da war man ja darauf eigentlich geeicht, dass man zuletzt Sterne und Daumen
00:04:49rauf vergeben muss.
00:04:51Das war eine Erwartung und wenn man das im Kopf hat, dann kann man sich ein bisschen dem entlang handeln
00:04:56und hangeln und dann schreibt man dann auch so, dass das gerechtfertigt ist, was man dann vergibt.
00:05:03Das ist ehrlich gesagt und das kann am Anfang auch lustig sein, also so ein Verriss schreiben ist natürlich toll.
00:05:08Tut auch nicht weh, wenn es irgendwie internationale Produktionen sind, das bekommt niemand mit, außer vielleicht Filmverleihs, die sich dann
00:05:17melden und finden, warum gibst du da nur zwei oder was weiß ich.
00:05:21Das war dort noch so, das war dort noch so, das ist schon eine Zeit her.
00:05:26Ich bin dann durch mehrmals Wächsen Arbeitgeber, bin ich dann jetzt bei der Kunstkritik gelandet und dort ist es so,
00:05:36dass ich, ja ich möchte den Leuten eigentlich, natürlich kann man darüber schreiben, warum einem die Kunst gefällt und warum
00:05:47man das gut findet,
00:05:49aber ich interessiere mich eigentlich eher für interessante Geschichten, die ich den Leuten mitgeben kann.
00:05:56Also es geht mir nicht so sehr darum, andere von meiner Meinung zu überzeugen, sondern eher sie dazu zu bringen,
00:06:02sich selber eine Meinung zu bilden.
00:06:04Und wenn man dazu einen Ansatz, einen guten Ansatz hat, irgendetwas Interessantes, dann gebe ich das gerne weiter.
00:06:10Aber natürlich gibt es das natürlich auch, dass ich irgendwie mit etwas nicht einverstanden bin und dann versuche ich das
00:06:17im Rahmen auch so rüber zu bringen.
00:06:20Aber ich finde eben, ich muss niemand überzeugen, ich möchte eigentlich die Leute dazu bringen, sich das selber anzuschauen.
00:06:27Und das ist, das finde ich eben das Tolle an Bernie Sascha TV, du kannst einfach mal zeigen, was ist
00:06:33und überlässt es den Leuten, was sie damit anfangen, ob sie dann hingehen.
00:06:38Und mit Worten ist das schwierig, also mit Worten ist auch gar nicht die Wertung da und dann muss man
00:06:43irgendwie, ja mit dem versuche ich irgendwie umzugehen.
00:06:46Ja, aber ich finde, du machst es sehr gut, also du schreibst interessant, aber nicht verschwurbelt.
00:06:56Also es ist irgendwie eine sehr klare, ich finde eine sehr klare Sprache und wie du auch sagst, also im
00:07:03Endeffekt erzählst du irgendeine entsprechende Geschichte und jeder kann sich dann wirklich eine eigene Meinung bilden.
00:07:10Und das finde ich, hat mich auch irgendwie, das ist ja angesprochen, du hast ja auch gesagt schon eben, also
00:07:19Bernie Sascha ist eben so ein ähnlicher Ansatz, also dass man die Leute als Erwachsene betrachtet und nicht bevormunden muss.
00:07:28Aber für dich persönlich, hast du so Kriterien, also jeder schätzt ja irgendwie Kunst zwangsläufig irgendwie ein.
00:07:37Also finde ich das jetzt gut oder schlecht, also spontan.
00:07:42Hast du so Kriterien, also wo du sagst, okay, das ist jetzt eher für mich okay und andere weniger?
00:07:47Also das Kriterium ist, macht das was mit mir?
00:07:51Also kann ich damit was anfangen oder kann ich mich, bringt es mich auf Ideen oder möchte ich mich noch
00:07:55länger damit beschäftigen?
00:07:56Und das ist dann eben unabhängig von, das gefällt mir.
00:08:00Also jetzt ein aktuelles Beispiel ist die Ausstellung im Museum Gegenwart über, ich weiß nicht, wie sie sich ausspricht, Zaufei.
00:08:07Okay, und das ist etwas, was ich spontan nicht sage, das finde ich schön, aber es macht was mit mir.
00:08:14Und ich finde, das ist extrem spannend, sich mit diesem Gesamtding auseinanderzusetzen,
00:08:23weil es geht zum Konsum und Überwachung und Freiheit und die freie Marktwirtschaft und was das mit einem macht.
00:08:29Und ich finde das großartig.
00:08:31Und das möchte ich, und wenn ich das so erlebe, dann möchte ich das irgendwie auch den Leuten mitteilen.
00:08:36Irgendwie, das ist mein individueller, subjektiver Eindruck, aber das kann man sich anschauen.
00:08:42Schaut mal her, man muss nicht meiner Meinung sein, aber irgendwie solche Sachen, das finde ich toll.
00:08:47Ja, ich finde das noch schwierig, weil ich war jetzt auch in New York in zwei Ausstellungen,
00:08:52eine in Guggenheim und eine in MoMA, im New Museum.
00:08:58Und beide Ausstellungen wurden, ich sage jetzt nicht was, aber beide Ausstellungen waren so Headline,
00:09:03so Blockbuster-mäßig angekündigt und so.
00:09:06Und beide haben überhaupt nichts gesagt.
00:09:08Und da dachte ich auch, vielleicht liegt es an mir, dass ich einfach nicht keinen Zugang dazu habe.
00:09:12Und deshalb finde ich es noch relativ schwierig als Kunstkritiker, da dann letztlich eine Beurteilung abzugeben.
00:09:20Ja, genau. Ich nehme halt nur mich mit und versuche wirklich, also der Ausgangspunkt ist,
00:09:26da ist jemand, das ist eine Person, die hat sich Zeit genommen und möchte das zeigen.
00:09:30Und dann gehe ich mit, dann gehe ich hin und schaue mir das gerne an.
00:09:34Und nach besten Möglichkeiten suche ich auch etwas, was ich interessant finde und was ich gerne weitergebe.
00:09:41Naja, das ist etwas, was mir, eben, ich habe dann immer so diese, diese, diese Standards von, von Filmkritik.
00:09:49Natürlich kann man Verrisse schreiben, aber es ist, es ist, ich finde es von, es fühlt sich ein bisschen fast
00:09:55wie verschwendete Zeit an.
00:09:56Weil es in, in etwas, natürlich kann man es sehr kritisch und kalt machen, aber es sind Emotionen, die ich
00:10:02nicht so toll finde.
00:10:04Ich beschäftige mich lieber mit etwas, was mir, ja, was mir auch etwas gibt und nicht mit, auf etwas herumhacken.
00:10:11Ich finde, das ist, ja, was geht mich und andere meine Meinung an.
00:10:16Also ich finde, das ist gar nicht so interessant, was mir jetzt gefällt und was nicht.
00:10:19Das finde ich nicht so spannend.
00:10:22Wie würdest du, du warst ja bei mehreren Publikationen auch schon und hast natürlich eine lange Erfahrung.
00:10:31Also wie hat sich das verändert, also wie glaubst du, hat sich das verändert, der Journalismus oder generell, aber der
00:10:37Kulturjournalismus oder hat sich überhaupt was verändert?
00:10:40Im Kulturjournalismus?
00:10:44Ja, also ich meine, halt durch, durch die Abläufe haben sich enorm verändert.
00:10:49Also es muss, verglichen mit früher, da hat man sich Zeit gelassen für einen Text.
00:10:54Das muss jetzt schnell gehen.
00:10:56Also wenn dann am selben Tag was ist, wird geschrieben und dann muss das am nächsten Tag im Print sein
00:11:02und noch am selben Tag online erscheinen.
00:11:05Weil, ja, ich glaube, das führt dazu, dass man sich halt, man muss halt seine Möglichkeiten neu kalibrieren, was da
00:11:14noch geht.
00:11:15Man muss sich halt irgendwie auf, auf einen Fokus einschränken.
00:11:19Das muss aber auch nicht schlecht sein, weil ich glaube sowieso, man nimmt dann einen Eindruck mit und sehr oft
00:11:26ist es ja dann auch über das, was man schreiben möchte und dann ist es genau das.
00:11:30Ja, ja.
00:11:34Ja, also ich stelle es auch, ich stelle es auch online fest, also das hat sich schon ziemlich verändert, also
00:11:40es wird dadurch immer schneller.
00:11:43Aber Gott sei Dank gibt es eben den anderen Trend auch, also gerade bei den Podcasts, da gibt es auch
00:11:47die zwei Stunden, drei Stunden Podcasts und so.
00:11:52Also es gibt eben nicht nur das eine, sondern das andere eben auch.
00:11:55Also von daher muss man da, glaube ich, keine Panik haben.
00:11:59Aber was natürlich ein bisschen mühsam ist, man muss sich ständig mitentwickeln, finde ich, oder?
00:12:03Ja, genau.
00:12:04Ja, und ich finde, es gibt, natürlich gibt es Tools allerdings, also mittlerweile KI, die man sehr gut einsetzen kann
00:12:13für ganz bestimmte Bereiche.
00:12:15Also eben, wir hatten es vorhin vom Beispiel Interview, man führt ein Gespräch mit einer Person und dann braucht es,
00:12:22oder hat es mich ziemlich lange gekostet, um das zu transkribieren und in eine Form zu bringen.
00:12:28Zum Teil auch nur, um damit zwei, drei Zitate rauszupicken für einen Lauftext, also nicht, dass das Gespräch eins zu
00:12:37eins abgedruckt wird.
00:12:38Das geht jetzt sehr schnell.
00:12:41Es ist natürlich dadurch, es gibt natürlich auch die Erwartungshaltung, wenn das so schnell geht, dann kannst du ja auch
00:12:47mehr machen jetzt in dieser Zeit.
00:12:49Das ist dann der Negativeffekt, der dadurch entsteht.
00:12:53Aber ganz ehrlich, ich würde es nicht missen wollen im Moment.
00:12:56Ja, sehe ich auch so.
00:12:59Also, wenn man es dann versucht hat, mehr zu machen, weil man mehr machen kann.
00:13:02Genau, ja, genau.
00:13:03Aber es ist schon irgendwie faszinierende Werkzeuge letztendlich, die man heute hat.
00:13:14Machen wir vielleicht ein bisschen Werbung für Basel.
00:13:15Du hast ja eine Ausstellung in Basel, du hast gerade Xiao Fei erwähnt, andere Ausstellung, die du gesehen hast und
00:13:26die du toll fandest.
00:13:27Ich muss vorausschicken, ich kann mir schlecht Namen merken und ich vergesse eigentlich im Moment, was ich geschrieben habe.
00:13:34Also es gibt so einen Durchlauf, also das ist wirklich enorm.
00:13:37Was mir sehr gefallen hat zum Beispiel ist, das war jetzt zuletzt die Zilla-Leutenecker.
00:13:42Die hat sich so wie eingemietet im Museum Tangeli.
00:13:46Das fand ich sehr spannend auch zu sehen.
00:13:49Ja, weil das ist ja eine Herausforderung für ein Museum, wenn es so monotomatisch daherkommt, dass man da irgendwie, dass
00:13:58man auch spannend fürs Publikum bleibt.
00:14:00Und ich finde, die machen das wirklich sehr gut.
00:14:02Und da haben sie jetzt so die Zilla-Leutenecker, die sucht sich die Nischen heraus in diesem Museum.
00:14:10Und das funktioniert sehr schön, finde ich.
00:14:12Also gerade im Eingangsbereich gibt es so dieses, diesen umgekehrte, ich weiß nicht, das ist ein Schulflugzeug, glaube ich, von
00:14:21dem spanischen Militär.
00:14:22Und das hängt dort eigentlich immer regellos umgekehrt auf dem Kopf.
00:14:26Und sie hat es mit Licht bespielt, sodass es aussieht, als würde sich der Propeller drehen, der Schattenwurf an der
00:14:32Wand.
00:14:32Und da sieht man das Flugzeug mit dringendem Propeller und sitzt jemand drin mit flatterndem Schal.
00:14:38Solche Sachen, finde ich, das gefällt mir sehr gut.
00:14:43Ich denke, es ist Zeit, mal kommen zu seiner zweiten Leidenschaft als Comic-Autor.
00:14:49Wann hast du das angefangen?
00:14:51Oder was war die Motivation?
00:14:53Wolltest du das schon länger machen?
00:14:55Und wie kam es dazu?
00:14:57Ja, also ich bin einfach seit Kind auf, habe ich Comics angeschaut und das hat mich immer fasziniert.
00:15:06Seriell halt, also wie Film auch.
00:15:08Also man hat Bilder in einer Abfolge und die erzählen eine Geschichte.
00:15:11Das hat mich immer fasziniert.
00:15:15Ja, und dann hat es aber ziemlich lange gedauert, bis ich meinen ersten Comic gezeichnet habe.
00:15:21Den habe ich mitgebracht, das ist der hier.
00:15:23Also, zuvor habe ich alles andere Mögliche ausprobiert.
00:15:28Also ich habe dann, ich habe so elektronische Musik gemacht.
00:15:32Ich habe, ich habe, ich habe auch mal Gedichte geschrieben.
00:15:35Auch das habe ich, muss ich mal ausprobieren.
00:15:38Ich habe ein Roman geschrieben.
00:15:41Und da habe ich dann aber gemerkt, oh, ich habe gar nichts zu sagen.
00:15:44Also sprachlich vielleicht okay, aber inhaltlich war ich nicht zufrieden.
00:15:48Das ist in die Schublade gewandert.
00:15:50Und dann war ich so ein bisschen, dann habe ich mich gefragt, was mache ich denn jetzt?
00:15:54Und dann fiel mir ein, stimmt, Comic, das hatte ich jetzt in dieser Form noch nie.
00:16:00Vielleicht mal so eine A4-Seite kurz, irgendwas, aber nie wirklich mit längerem Atem.
00:16:07Dann habe ich das Seidenband gemacht und das ist, ja, es ist so ein bisschen Ausläufer von meinem Geschichtsstudium und
00:16:14von vielem, was ich so angestaut habe, an Themen, die ich einfach interessant fand und die ich einfach mal aufs
00:16:19Papier bringen wollte.
00:16:20Weil das ist so ein bisschen die Motivation.
00:16:23Man möchte es außerhalb vom eigenen Kopf sehen.
00:16:26Dann ist gut.
00:16:27Und dann habe ich mich da dran gesetzt und habe da ein, ich schätze jetzt mal ein Jahr, ziemlich intensiv
00:16:33daran gearbeitet.
00:16:36Und während ich daran gearbeitet habe, habe ich gedacht, ich habe das mit Markerstiften, habe ich das gemacht.
00:16:42Also das ist, man sieht es in dieser Größe nicht mehr, aber das ist A3 groß und je nachdem, wie,
00:16:49ich wollte mich einfach davor auch ein bisschen bewahren, dass ich zu fein werde und zu detailliert, aber Markerstifte gibt
00:16:58es eben auch so dünn.
00:17:00Und dann habe ich mir selber ein Ei gelegt und dann habe ich zuletzt schaffiert und ja, es wirkt eindeutig,
00:17:07das ist schon so.
00:17:07Und während ich daran gearbeitet habe, habe ich gedacht, ja, ich weiß ja nicht, was das wird.
00:17:12Und gleichzeitig habe ich das Gefühl, ja, aber es wird was.
00:17:15Und dann gab es eine Vernissage im Cartoon Museum und ich habe mich schlau gemacht nach Comic Verlagen.
00:17:25Und das ist der erste und der einzige deutschsprachige ist der Edition Moderne und dort habe ich angerufen.
00:17:33Und der David Basler, der war an dieser Vernissage im Cartoon Museum und ich bin dort hingegangen und habe ihm
00:17:39das so als Papierstoß überreicht.
00:17:42Und das war der Anfang, genau.
00:17:45Kannst du ein bisschen erzählen, um was es da geht?
00:17:47Ja, das ist Seidenband, das ist so, das ist, jemand hat gesagt, es sei eigentlich eine Gothic-Novel und das
00:17:56stimmt.
00:17:56Also das war mir erst im Nachhinein klar, ja klar, das ist dann wahrscheinlich der Einfluss des Englischstudiums und so.
00:18:03Es geht darum, dass um die Basel Textilindustrie, so um die Wende zum 19. Jahrhundert, das ist so eine napoleonische
00:18:13Zeit.
00:18:14Und das ist sehr spannend, dass es da gab es, da war Frankreich im Streit und im Krieg mit dem
00:18:20Rest von Europa.
00:18:21Es gab so Boykotte und sowas, Handelsboykotte und Blockaden.
00:18:25Und Basel hat geschmuggelt.
00:18:28Also sie haben sich darüber weggesetzt.
00:18:29Und das war für mich so, ja, das war so die Idee, irgendwie dazu was zu machen.
00:18:35Und ich hatte so ein bisschen adoleszente Idee von, ich möchte einen Kung-Fu-Kämpfer auftreten lassen, hier bei uns
00:18:43irgendwo in einem historischen Setting.
00:18:45Und dazu brauchte ich einen Bösewicht.
00:18:48Und das war für mich dann die Basler Bandelherren, das sind so der Teig, die Patrizier, die sich da sehr
00:18:59schäbig benehmen.
00:19:00Ja klar, überspitzt, aber ich fand das eine gute Sache und habe dann auch noch Bücher gelesen zu Kolonialismus und
00:19:08die Verstrickungen in den Kolonialismus von der Stadt Basel.
00:19:13Und das war ein, für den Verlag Edition Moderne war das ein Erfolg.
00:19:19Also das hat funktioniert.
00:19:22Wieso bist du da vorgegangen?
00:19:23Also Geschichten erzählen ist ja nicht so einfach.
00:19:25Also du musst ja irgendwie, ich weiß nicht, einen Plan haben.
00:19:28Also entstand die Geschichte dann während dem Schreiben oder hast du vorher so einen Plan gehabt, also die verschiedenen Stadien?
00:19:36Ja, ich habe vorher schon, ich habe den Comic eigentlich zuerst in klein mit Bleistift gezeichnet.
00:19:43Und zwar so, ja vielleicht Viertel von dieser Größe habe ich wirklich mit zuerst sehr detailliert mit Bleistift schon vorgezeichnet.
00:19:54Und auch natürlich mit Dialogen und mit sonstigen.
00:19:59Und da habe ich ausprobiert und herumgeschoben, wie könnte es sein.
00:20:02Und das ist natürlich immer ein Erstling und wenn ich es anschaue, da gibt es Stellen, wo ich, das funktioniert
00:20:10ganz ohne Worte.
00:20:11Und die finde ich sehr toll, weil es so handlungsgetrieben ist.
00:20:15Und dann wiederum gibt es Zeiten, wo endlose Sprechblasen drauf sind, wo der ganze historische Kontext irgendwie rüberkommt.
00:20:23Und irgendwie im Kopf hatte ich halt Film.
00:20:26Und im Film gibt es halt diese Szenen, wo die Leute sitzen und dann sprechen sie miteinander.
00:20:30Und wenn man das so eins zu eins auf Comic überträgt, dann sieht das so aus, genau.
00:20:37Ja, Comic ist eigentlich Film, aber halt mit Frames.
00:20:40Ja, genau, genau.
00:20:41Und das wollte ich auch fragen, also wo entscheidest du, welcher Frame ist sinnvoll, welcher nicht?
00:20:49Also gibt es da manchmal irgendwie Konflikte, wo du denkst, dann lasse ich den drin oder gibt es da noch
00:20:54einen oder nicht?
00:20:56Also Künstler haben ja teilweise das Problem, also Maler zum Beispiel, wann ist das Bild fertig?
00:21:01Mhm, ja.
00:21:03Oder beim Schnitt fragt man sich, okay, muss das jetzt so drin sein oder brauche ich da noch was oder
00:21:08nicht?
00:21:09Und ist es da ähnlich oder?
00:21:11Ja, es ist natürlich, wenn man es zuerst herstellen muss, dann ist das Überlegen, braucht es das oder nicht, ist
00:21:19vorher natürlich intensiver.
00:21:20Also bevor ich dann mich irgendwie in einer Seite verrenne und das irgendwie endlos mache, das überlege ich mir natürlich
00:21:27vorher gut.
00:21:28Und zum Teil ist es im Nachhinein dann auch nicht so gelungen, also das kann natürlich schon auch sein.
00:21:33Bei diesem hat der Verlag angeregt, dass ich doch bitte nicht ein bisschen von dem Starren 6 Panels pro Seite
00:21:43Schema abweiche, damit man auch ein bisschen atmen kann.
00:21:47Und das hat recht gut funktioniert und dann habe ich im Nachhinein, habe ich dann noch großzügigere Bilder gemacht.
00:21:53Das sieht man vielleicht hier ein bisschen, damit man ein bisschen die Atmosphäre mitkriegt.
00:22:02Solche Sachen.
00:22:03Das hätte ich mir beim ersten Mal, war das klein verquetscht und hätte ich mir so vielleicht gar nicht die
00:22:08Mühe gemacht, aber ja, also das überlege ich mir schon, wie man Wirkung, mir mal am besten Wirkung herstellt.
00:22:17Ja, klar und zum Teil, das habe ich alles eins zu eins auf Papier gemalt mit diesen Stiften.
00:22:27Da habe ich nichts mehr daran verändert.
00:22:29Also das ist eins zu eins, ist das so in dieses Buch gerutscht.
00:22:32Das hat sich beim nächsten dann verändert.
00:22:35Da ist es eher so, dass ich dann mal auch offener gezeigt habe und dann im Nachhinein den Ausschnitt gesucht
00:22:43habe drauf.
00:22:44Also schon mit einer Vorstellung, wo er ungefähr ist, aber ich weiß nicht, ob man dann vielleicht noch ein bisschen
00:22:49ranzoomt oder ob das Ganze gezeigt wird.
00:22:53Genau, also das entwickelt sich dann mit der Zeit.
00:22:56Das würde ich auch fragen, ob dein Zeichenstil oder deine Vorgehensweise sich verändert hat im Zeitlauflauf.
00:23:01Ja, das hat er, ja.
00:23:02Ja, also ich glaube nicht, es finden alle immer, ja, meine Figürchen sehen immer gleich aus und ja, das ist
00:23:08wahrscheinlich schon so.
00:23:09Aber ich habe dann so ein bisschen den Anspruch, dass ich nicht immer genau dasselbe nochmals mache, was manchmal auch
00:23:15ein bisschen hinderlich ist.
00:23:16Aber beim zweiten habe ich dann auch die Technik verändert.
00:23:20Also da habe ich, da bin ich von diesen Markerstiften weggekommen und dann sieht das, dann habe ich Tusche genommen
00:23:27und Pinsel und habe das aber noch kombiniert mit diesen Rastern.
00:23:34Also früher wurde das per Hand mit Rasterfolie gemacht.
00:23:37Also ich habe dann das per Photoshop eingesetzt und da habe ich auch versucht, nicht nur der Stil ist anders,
00:23:48sondern auch was die Anzahl Sprechblasen und so angeht, dass ich habe versucht, möglichst wenig Text zu benutzen und trotzdem
00:24:00eine Geschichte zu erzählen, was auch nochmals eine Herausforderung war.
00:24:04Und ich habe versucht, nachdem das halt, das ist total maximalistisch, also da passiert alles aufs Mal, mit vielen Toten,
00:24:14habe ich so den Thriller-Aspekt, den habe ich beibehalten, aber ich wollte es, ich wollte es unterschwellig machen und
00:24:21mit einer Wendung, die man so jetzt vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte.
00:24:28Also es gibt natürlich auch Traumsequenzen drin, weil die sind sehr dankbar für Comic.
00:24:35Genau.
00:24:36Und hier war es, war die Ausgangslage, war was anderes, da ging es jetzt weniger um, da ging es jetzt
00:24:44nicht um die nachträgliche Verarbeitung meines Geschichtsstudiums,
00:24:49sondern da war es, ja, der Input, also das Anfangsding war ein Haus, das ich in meiner Kindheit kannte und
00:24:57das ich immer sehr unheimlich fand.
00:25:00Und da wurden viele Geschichten dazu erzählt, zu dem Haus und das hat sich irgendwie in meinem Kopf festgesetzt, dass
00:25:07ich mal fand, dazu würde ich gerne was machen.
00:25:09Ja, cool.
00:25:12Du hast noch ein Kinderbuch gemacht.
00:25:14Ja, genau, Kinderbücher habe ich auch gemacht, da ist es ganz einfach, da habe ich nämlich, das habe ich für
00:25:22meinen Sohn gemacht, das sieht man auch schon am Titel an, der heißt nämlich auch Max.
00:25:26Genau. Und da, ja, da habe ich halt frei, also ich erzähle sehr gerne Kindergeschichten und dann kommt auch mal
00:25:35die Frage von erzähl mal was eigenes und dann sucht man sich auch irgendetwas aus, was man kennt und ich
00:25:41habe mir das ausgesucht, das ist die, die Geisterbahn.
00:25:45Es gibt eine ganz alte Geisterbahn, die hat mich schwer beeindruckt als Kind und ich wollte ihm das irgendwie auch
00:25:50nahe bringen, dass das doch eine recht tolle Sache ist.
00:25:55Und dann habe ich rund um dieses, um diese Geisterbahn habe ich die Geschichte erzählt, es geht darum, dass die
00:26:01Geisterbahn, die ist ziemlich im Argen, also sie ist sehr alt und verlottert und es will eigentlich niemand mehr richtig
00:26:06drauf.
00:26:07Und da Max hat dann die rettende Idee und versucht sich die, die echten Gespenster zusammen.
00:26:13Genau, macht ein Casting für, für die Geisterbahn, genau.
00:26:17Gut.
00:26:18Hast du irgendwie so Vorbilder gehabt, also du hast gesagt eben, du bist so Comics-Fan, also schon immer.
00:26:23Ja, ja, ja.
00:26:24Hast du da ein paar Leute, die dich am meisten beeindruckt haben?
00:26:30Ja, also ich bin halt so, die klassischen franco-belgischen Sachen, die haben mich schwer beeindruckt, also von Franca über
00:26:39Tanta, das sind so die fixen.
00:26:42Und dann gibt es aber auch die neue französische Schule und da gibt es ganz viele vom Schwanzfahrer über, also
00:26:47tolle, ja, da gibt es, da gibt es etliche, die mich schwer beeindruckt haben, ja.
00:26:52Ja, ja, ganz klar.
00:26:53Also gerade die Linie Claire, also die habe ich, die habe ich immer wieder, das ist das Letzte, was ich
00:26:58gemacht habe, das erschien als Zeitungsbeilage bei meinem Arbeitgeber bei der BZ Basel.
00:27:06Das hat mich sehr gefreut, dass das gerade geklappt hat.
00:27:09Ja, also so geschlossene Lieden finde ich faszinierend, aber gleichzeitig bewundere ich das enorm, wenn es malerisch ist.
00:27:15Also malerisch ist es, wenn es irgendwie, wenn man auch mit der Unschärfe umgehen kann, das finde ich toll.
00:27:21Ja, ich bin kein Comic-Experte, aber mir war es immer so, ich dachte immer, es gibt so ein bisschen
00:27:30so einen Unterschied, Mentalitätsunterschied, also zwischen den Nationen, also in Deutschland, also es gibt ja vielleicht, also es gibt ja
00:27:38die Comics, die jeder kennt, also Mickey Mouse, etc.
00:27:40Und es gibt eben die französische Schule eher, also würde ich es jetzt mal nennen, wie gesagt, ich bin keine
00:27:44Experte.
00:27:46Aber ich glaube, in Frankreich ist das viel populärer, oder? Also Comics.
00:27:51Ja, das denke ich auch. Also es ist, das meine ich umsonst, ist das wohl das größte, das Angoulême-Festival
00:27:58ist in Frankreich.
00:28:01Ja, da gibt es viel weniger Berührungsängste und es gibt auch viel weniger, es geht ja noch nicht darum, ist
00:28:07es das Hochkultur, ist es E-Kultur, Unkultur, sondern einfach kann das was, macht das was.
00:28:12Es ist eben auch das, was mich interessiert, es ist mir eigentlich nicht so wichtig, dass jetzt ein großer Name
00:28:20da ist, sondern was macht das eigentlich, kann ich mit dem was anfangen, erzählt das was interessant ist.
00:28:27Ja, genau. Ja, ich hatte Querbeet, also ich meine, die ganzen lustigen Taschenbücher zum Beispiel, die fand ich auch toll.
00:28:35Ich fand auch mal ein, ich fand auch irgendwelche Superhelden-Comics, fand ich toll zum Anschauen.
00:28:40Manga habe ich verpasst, das war irgendwie, zu meiner Zeit war das hier noch nichts, noch kein Thema oder kein
00:28:47großes Thema, zumindest.
00:28:48Ja, Manga kriegte ich auch erst mit, ein Freund von mir, der in Berlin, der hatte auch so im Kulturbereich
00:28:56ein Unternehmen und der hatte irgendwie viele Mangas und das ist schon auch interessant, ist aber nicht unbedingt so mein
00:29:03Ding, also es gibt ja diesen, es gab immer noch diesen Comic-Laden, glaube ich, beim Theater.
00:29:08Ja, ja, natürlich, ja. Und das war irgendwie so, genau. Und da hat mich auch so Tintin und die ganze
00:29:16Sache fasziniert, aber auch dann so abgefahrenere Sachen, hat dann auch mal in Frankreich, halt so in Paris Sachen angeschaut
00:29:25und das ist eine wahnsinnige Bandbreite letztendlich, die es da gibt.
00:29:29Und das ist schon interessant, aber Freunde von mir aus, die kennt das fast kaum, irgendwie komischerweise. Seltsam.
00:29:37Ich bin ehrlich gesagt, ich schaue mir, weil ich im Kopf immer irgendwie etwas selber am machen bin, schaue ich
00:29:43mir manchmal gar nicht so oft andere Sachen an.
00:29:46Also eben, ich habe so einen Grundstock von Comics, die kenne ich und die schaue ich auch immer wieder mal
00:29:50gerne an.
00:29:51Es ist auch toll, also man kann sie auch immer wieder anders anschauen, weil man sich auf anderes konzentriert, dann
00:29:57ist die Geschichte, die kennt man eh, aber dann ist es irgendwie, wie machst du das mit dem Spannungsaufbau von
00:30:02Seite zu Seite, da musst du irgendwie aufpassen oder solche Sachen, das finde ich dann interessant.
00:30:08Aber ich entdecke immer wieder mal tolle Sachen, also auch gerade mit dem Cartoon Museum, wo ich immer wieder vorbeigehe
00:30:16und einfach staune, was es alles gibt. Das ist wirklich sehr, sehr toll, ja.
00:30:21Ja, das ist heute irgendwie so ein generelles Problem, egal in welchem Bereich man schaut, du hast eigentlich eine wahnsinnige
00:30:27Vielfalt.
00:30:28Also es gibt auch, ich würde nicht sagen, viel zu viel. Es ist ja schön, wenn es so viel gibt.
00:30:34Manchmal kann es auch ein bisschen Stress sein, also weil du denkst, Wahnsinn, ja.
00:30:38Also in jedem Bereich, also Comics, also Musik und so.
00:30:41Ja, das ist so, ja.
00:30:41Also im Mainstream kommt vieles gar nicht an, aber wenn du da mal irgendwie tiefer bohrst und dann, ja, dann
00:30:49sieht man schon, dass die Welt nicht so klein ist, wie man so immer denkt.
00:30:53Und das finde ich schon auch faszinierend und toll, dass es es auch gibt, dass man eben auch so Nischen
00:31:02noch hat.
00:31:04Ja, ja, absolut, ja. Und ich glaube, so Klassiker, eben Klassiker, dass sich überhaupt so etwas herausbildet, ist schwieriger geworden.
00:31:10Eben weil es so viele verschiedene Geschmäcker und Interessen gibt, das ist noch, genau, wie früher mit Fernsehen.
00:31:17Da gab es drei Sender und dann hat man über dasselbe gesprochen.
00:31:21Heute gibt es Internet und da ist es, genau, da finden alle was.
00:31:29Aber bist du an was Neuem?
00:31:31Im Moment bin ich, ja, also es gibt verschiedene Sachen.
00:31:36Das eine ist Nicht-Comic, das ist ein Projekt, wo ich zusammen mit einem Historiker, mit dem Benni Pfister,
00:31:44wollen wir die Geschichte des Landhofs aufarbeiten.
00:31:46Das ist Sachbuch, das habe ich in der Form noch nicht gemacht.
00:31:51Ursprünglich wollte ich das als Comic machen, aber dann habe ich gemerkt, das ist mit Verlag ist das schwierig.
00:31:56Also das sind nicht, dass man da die beiden Publiken zusammen bekommt, das ist schwierig.
00:32:05Also die Leute, die sich für Gezeichnete interessieren und die, die sich für die Geschichte interessieren, das ist schwierig.
00:32:11Beim Seidenband hat es einigermaßen geklappt, dort ist es schwierig.
00:32:14Und jetzt machen wir das als Sachbuch mit Illustration, wäre gedacht, ja.
00:32:20Genau, und das Zweite, was jetzt wahrscheinlich bald fertiggestellt wird, ist eine zweite Kindergeschichte,
00:32:27die ich auch für den Max gemacht habe.
00:32:30Auch schon älter, das ist eine Weile jetzt in der Schublade gelegen.
00:32:34Und das kann ich jetzt beim selben Verlag, SIW, kann ich das herausbringen.
00:32:39Das freut mich sehr.
00:32:41Und dann habe ich noch, das ist sehr toll, das Kartenmuseum wird ja im neuen Jahr den Erweiterungsanbau einweihen
00:32:50und dort darf ich die erste Ausstellung bestreiten, bin ich sehr stolz darauf, dass das funktioniert.
00:32:58Darüber werden wir natürlich auch berichten.
00:33:00Das würde mich freuen, ja.
00:33:02Ja, Eröffnung ist in der Museumsnacht, also da wird es eine Menge Leute haben wahrscheinlich.
00:33:08Cool.
00:33:08Also zumindest auf den Straßen.
00:33:17Du bist ja eben auf diesen, hast du noch andere Leidenschaften, also neben den beiden?
00:33:24Habe ich noch ein Leben.
00:33:25Also genau, hast du noch ein Leben bei den ganzen Sachen?
00:33:29Äh, ja, also ich meine, ich bin verheiratet, ich habe einen Sohn, ich bin sehr gerne draußen.
00:33:39Ähm, ich, äh, ja, ich weiß, das, äh, es braucht ziemlich viel Zeit.
00:33:46Also das ist, äh, solche Sachen sind sehr, also es sind, einsam ist schlecht, aber es ist nicht sehr sozial.
00:33:53Also man sitzt halt in einem Kämmerchen und beschäftigt, man ist sehr in seinem eigenen Kopf.
00:33:58Und dann gehe ich sehr gerne raus, ähm, führe auch sehr gerne laufend, joggend, also joggend, laufend immer noch.
00:34:06Äh, das ist jetzt, äh, so gelenketechnisch nicht mehr so, aber ich bin gerne draußen und bewege mich.
00:34:12Ja, das auf jeden Fall, genau.
00:34:14Ja, ich glaube, das ist auch wichtig, weil, was ich merke, das ist auch, also wenn man so editiert, ähm,
00:34:19man kommt dann teilweise in so eine, so eine Stimmung rein.
00:34:24Ja.
00:34:24Wenn man denkt, das muss ich jetzt auch fertig machen, ja, und man, eine Stunde vergeht, zwei Stunden vergeht, drei
00:34:29Stunden, und du denkst gar nicht mehr an deinen Körper.
00:34:31Und irgendwann kriegst du, also irgendwann mal Probleme, ja.
00:34:34Ja, genau.
00:34:34Also man muss irgendwie einen Ausgleich schaffen, falls sonst, äh, äh, also gesunder Körper, äh, gesunder Geist und gesundem Körper.
00:34:42Ja, ja, ja.
00:34:42Also ohne Körper geht's halt leider auch noch nicht.
00:34:45Das Zitat, das Originalzitat ist ja, ähm, es wäre wünschenswert, wenn in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wäre.
00:34:52Also von dem her, ja, genau. Schon da wusste man, dass es nicht so weiter mit her ist.
00:35:00Hast du irgendwie, da du ja selber Künstler bist, ähm, hast du dann so irgendwie auch eher mehr Empathie für
00:35:11die Künstler oder weniger?
00:35:12Ja, also wenn du, wenn du im Kunstjournalismus oder Kultursjournalismus irgendwie jemanden beurteilst.
00:35:19Ja, ja, schon eher mehr, weil ich weiß, was dahinter steckt.
00:35:22Also ich, ich kann abschätzen, ein bisschen abschätzen, wie viel Zeit das sowas braucht, oder wie viel auch Mut, das
00:35:28es braucht, äh, an die Öffentlichkeit zu gehen mit was.
00:35:32Auf jeden Fall.
00:35:35Und, ja, es ist, es ist interessant, also, es nimmt, es nimmt dem Kunstschaffen so ein bisschen den Mystizismus.
00:35:44Also wenn man weiß, okay, das ist auch nur mit Farbe gemacht.
00:35:48Und gleichzeitig sieht man eben aber auch, aber das ist wirklich gut, also es ist wirklich toll umgesetzt.
00:35:54Also es ist so, es ist ein bisschen beides dabei.
00:35:57Ja.
00:35:58Aber in der Regel, ja, ich weiß nicht, wem es was bringt, auf, auf jemanden herumzuhacken.
00:36:07Also ich, das, ich mag das einfach nicht.
00:36:10Also ich, ich, das, ich lasse es dann zwischen den Zeilen halt vielleicht irgendwie durchschimmern, dass es jetzt nicht unbedingt
00:36:16meines war oder so.
00:36:18Das schon, aber ich würde jetzt nicht, ähm, ich mache keinen Filmverriss in Kunst.
00:36:23Also das, äh, außer es geht, ist, ist wirklich etwas, was mich persönlich angreift in dem Moment, wo ich sehe
00:36:30und finde, es geht eigentlich gar nicht.
00:36:32Und es gab ein, zwei Momente, wo ich fand, äh, hier hätte, wäre das jetzt vielleicht sogar passend gewesen, das
00:36:40zu machen.
00:36:41Man macht es dann nicht.
00:36:42Oder ich habe es in dem Moment dann nicht gemacht, ja.
00:36:45Ja, ja, ja, ja.
00:37:15Also den gegenüber, wo ich sage, wie könnt ihr eigentlich so, also, ich soll es sagen, wie könnt ihr sowas
00:37:23eigentlich so hochjubeln, ja.
00:37:24Ähm, weil wenn man genau hinschaut, ist nicht allzu viel Substanz da, also immer, meiner Meinung nach, ja.
00:37:32Und das ist ja immer das persönliche Gefühl, also ich sage jetzt nicht, also das ist jetzt die allgemeine, also
00:37:38ich kann ja auch, ich kann ja auch falsch liegen, ja.
00:37:40Aber das ist dann, also der Ärger ist dann eigentlich weniger auf den Künstler, sondern auf die, auf die Leute,
00:37:45die die, die die Künstler promoten.
00:37:46Ja, ja, die Maschine, die dahinter steckt.
00:37:48Und der Kunstmarkt ist, ist, ist, das begreife ich auch nicht.
00:37:54Also das, das verstehe ich auch nicht, wie sowas funktionieren kann.
00:37:58Ähm, noch mal ein Beispiel, die, die, ähm, die Lichtenstein-Ausstellung im Kunstmuseum.
00:38:03Ähm, da gab es einen Moment von Ärger für mich, weil, ähm, der Lichtenstein, der wurde ja, also sein Frühwerk,
00:38:10Früh-Frühwerk, das kennt man nicht, aber sein der frühesten, die dann irgendwie, durch das, wo er wirklich, ähm, berühmt
00:38:18wurde, da hat er ja Comic-Vorlagen, Kataloge und ähnliches abgekupfert.
00:38:24Ähm, dort hat er angefangen und dann hat er weitergemacht mit Monet und, und Van Gogh und was es dann
00:38:29war.
00:38:29Ja, und wenn man in die Ausstellung geht, dann ist das brav ausgeschildert.
00:38:34Da hat er übrigens den Monet, ähm, verfremdet oder, oder sich angeeignet.
00:38:39Alles gut, aber man findet das nicht bei den, bei den Comic-Motiven, die er dann eben auch verwendet hat.
00:38:46Und da finde ich eben, da gibt es dann dieses krasse Gefälle zwischen dem, was, was der Kunstmarkt, äh, wie
00:38:52der, den Wert beeinflusst.
00:38:55Und das finde ich, ja, das ist einfach, das ist dann Kapitalismus.
00:38:59Also das ist, äh, das ist dann nochmal was ganz anderes, ja.
00:39:04Ja, also ich denke, man hat es nicht im Griff, was die Leute wollen.
00:39:09Also, wie du sagst, Kapitalismus, also im Endeffekt, es wird halt, klar, teilweise auch manipuliert, äh, also auch unabsichtlich, ja,
00:39:17natürlich.
00:39:18Aber, ähm, du hast es nicht im Griff, also was die Leute als, also wertvoll ansehen, äh, und was nicht,
00:39:25ja.
00:39:25Und, äh, manchmal ist es wirklich ungerecht, ja, also das geht ja, ich weiß nicht, Jeff Koons war ja auch
00:39:30mal im, ähm, in den Medien, weil da, glaube ich, irgendwie Oberammergauer Schnitzer oder sowas irgendwie.
00:39:37Also da, da bezieht ja vieles von der, von der Attraktivität der Kunst bezieht es eigentlich über das Handwerk und
00:39:41nicht über die ursprüngliche Idee, ja.
00:39:43Also die Leute finden nicht die ursprüngliche Idee eigentlich so geil, ja, sondern, äh, glaube ich zumindest, ja, sondern die
00:39:50Präzision und die handwerkliche Geschick, ja, der Handwerker, ja.
00:39:54Und, äh, dafür ist dann teilweise schon auch, ähm, da gab es ja auch Prozesse, glaube ich, also bei anderen
00:40:00Künstlern, also nicht bei Jeff Koons, sondern bei anderen, wo dann die, äh, Handwerker auch geklagt haben, also, ähm, auf
00:40:07Honorar oder so.
00:40:09Und, äh, eben, das, das, das kann schon echt teilweise, finde ich auch, also ziemlich, ziemlich ungerecht sein, ja, und,
00:40:18äh, leicht, leicht, äh, bedenklich, aber es ist eben, ja, so funktioniert der Markt letztendlich, ja.
00:40:27Ja, ich finde Kunst noch eine der, der, ähm, ja, wie soll man sagen, er steht immerhin dazu, dass er
00:40:34eine Werkstatt hat.
00:40:35Also er macht das gar nicht, er versucht das gar nicht erst zu verstecken, aber ja, klar.
00:40:40Das andere gibt es sicher auch, dass man profitiert vom Können von anderen, ja.
00:40:45Ja, es gibt ja auch den einen, ähm, ich habe jetzt den Namen wieder nicht erinnert, aber, äh, der halt
00:40:51wirklich einfach Sachen aus dem, aus dem, ich glaube, Instagram oder so, Internet nimmt und dann, äh, wieder veröffentlicht.
00:40:57Und, ja, ja, also, du kannst alles zum Konzept, zur Konzeptkunst machen, ja, und, äh, fraglich ist halt dann, also,
00:41:04wie deine persönliche, äh, Moralvorstellungen irgendwie gehen, ja, oder wie weit du gehen willst letztendlich.
00:41:10Und, äh, da ist teilweise dann, finde ich auch, also, meine Grenze wäre da überschritten bei manchen Sachen, aber, wie
00:41:17gesagt, darauf kommt es nicht an, weil im Endeffekt der Markt bestimmt, also, was halt, äh, wie es läuft, ja.
00:41:22Mhm, und was hast, ja, genau, ja, aha.
00:41:25Und, ich denke, als Künstler oder als, eben, jemand, der involviert ist in dem, dem ganzen Business, du musst dich
00:41:32einfach, also, es ist so, wie es ist, ja, und sich da lang aufzuhalten, irgendwie sich, ähm, da zu beschweren
00:41:40oder irgendwie, du kannst, ich denke, du musst halt das machen, was du machen bist als Künstler und, und, äh,
00:41:46dein Ding durchziehen.
00:41:47Mhm, ja, irgendjemand hat gesagt, ähm, die größten Kunstförderer in der Schweiz sind die Kunstschaffenden selber, weil die halten sich
00:41:57mit einem Brotjob über Wasser, natürlich gibt es Fördergelder hin und wieder, das ist ganz klar, aber, ja, so mache
00:42:04ich das ja auch, also, ich meine, das ist, ich, von dem lebe ich nicht, das ist das, was ich
00:42:08nebenbei noch mache, einfach, weil ich es, weil ich es halt mache, das ist so, ja.
00:42:14Ja, es ist halt kein Job, kein normaler Job, ja, so, es ist irgendwie, also, wie man so schön sagt,
00:42:20eine Berufung, die man einfach machen muss, ja, und, ähm, da.
00:42:27Ja, ja, und gleichzeitig ist das, was ich als Job da mache, ist demnach ein großes, ein tolles Privileg, weil
00:42:33ich mich wirklich mit, mit, eben mit Ideen und mit, äh, Dingen auseinandersetzen kann, die ich sehr spannend finde, also,
00:42:41das ist wirklich sehr toll.
00:42:42Bin ich auch sehr dankbar, dass es das noch gibt, diese Möglichkeit.
00:42:46Ja, und man trifft natürlich also nicht nur die Kunst, sondern auch die Leute dann.
00:42:49Ganz genau.
00:42:50Dahinter, ja, ja, ganz genau.
00:42:51Die sind ja auch spannend, dann teilweise.
00:42:52Ja, ganz genau.
00:42:53Wenn, wenn du siehst, also manche Leute, also es gibt beides, äh, also drei, äh, Grundszenarien, die ich so finde,
00:43:02kennengelernt habe, auf der einen Seite, wo der, wo der Mensch hinter der Kunst quasi mehr oder weniger identisch ist,
00:43:08und dann, also der Künstler und das Werk irgendwie komplett, also in der persönlichen Sicht, äh, verschieden, äh, und, äh,
00:43:19irgendwie, ich weiß mal, wir haben ja auch nicht, ähm, soll man das wirklich so knallhart trennen, ja, also Kunst
00:43:24und Werk, oder, oder, ich weiß auch nicht, also, ihr habt ja noch keine abschließende Idee.
00:43:32Ja, also irgendwie, man sagt ja irgendwie, alles, ähm, alles, ähm, als, äh, Fiktive ist, ist biografisch und umgekehrt, jede
00:43:42Biografie ist erfunden, also es ist irgendwie so, es steckt natürlich immer ein Teil von einem selber drin, also das
00:43:47ist schon so, aber irgendwie gesagt, eigentlich ist es mir wurscht, wer der Name ist, es muss irgendwas mit mir
00:43:54machen und ich muss etwas damit anfangen können, dann wird es interessant, es geht nicht so sehr darum,
00:43:58dass man irgendwie, äh, das ist mein großes Fass, also wenn die Person dann wirklich schlimm ist, was macht man
00:44:05dann mit der Kunst, die sie herstellt, das ist, uff, das ist wirklich, wirklich schwierig, ja, absolut.
00:44:11Aber ja, diese Begegnung mit Menschen, das ist, das ist super, also ich, ich habe, ähm, nicht lange her, habe
00:44:16ich, ähm, Moby Dick an, an Basel gesehen, und das ist der Jörg Pohl und der macht das alleine, der
00:44:23bringt dieses Buch alleine auf die Bühne, äh, natürlich mit dem ganzen Team und
00:44:28und allem drumherum und das hat mich umgehauen, ich bin sonst nicht so der Theatermensch und ich wollte unbedingt mit
00:44:35ihm über das sprechen und haben wir, eine gute Stunde haben wir dann wirklich
00:44:39generdet über das Thema, weil er ist begeistert vom Buch und ich bin es auch und das, das ist toll,
00:44:45also wenn man sich so mit, mit Leuten, äh, mit Leuten unterhalten kann
00:44:50und das ist, das ist ein großer Gewinn, ja.
00:44:53Ja, finde ich auch, ja.
00:44:55Eben, man trifft halt, also nicht nur Künstler, sondern im Allgemeinen, im Kunstbereich, ob es jetzt, ähm, Leute sind, die
00:45:03in der Galerie, äh, auch sind, ja, mit denen man reden kann,
00:45:07vieles ist ja, äh, Small Talk, aber dann gibt es dann wirklich auch Situationen, wo man dann wirklich, äh, intensiver
00:45:12über die Kunst, die Ausstellung reden kann.
00:45:15Und, äh, und, äh, das ist schon dann teilweise ganz, äh, ja, inspirierend und, äh, äh, sehr nett, ja, also
00:45:23wenn man das, wenn man sowas mitkriegt, also Leute, die man vorher nicht kennt.
00:45:27Und deshalb gehe ich auch eigentlich ganz gerne an Vernissagen, ja, also viele hassen ja das wie die Pest, auch
00:45:33viele Kunstkritiker, äh, ich glaube, eine New Yorker Kunstkritikerin hat auch gesagt, dass ich finde das grauenhaft.
00:45:39Ich finde das eigentlich nicht grauenhaft, weil du lernst einfach Leute kennen und, äh, siehst auch die Reaktion, ja, also
00:45:44die, wie die Leute auf die Kunst reagieren.
00:45:46Weil in der Theorie kann man vieles sagen, ja, ähm, es wird ja immer sehr viel mit Adjektiven, äh, hantiert,
00:45:54ja, als wenn es um Pressemitteilungen geht und so.
00:45:57Aber ob die dann wirklich, äh, äh, ähm, wie nennen wir es schön, äh, äh, ja, begeistert sind oder so,
00:46:06das siehst du dann halt auch an der Vernissage.
00:46:08Ja, ja, ja, ja, ja, ja, das mache ich nicht so mit. Ich bin halt an den Medien, also an
00:46:13den Presse- und Medienrundgängen, da bin ich dabei.
00:46:16Ich bin schlechter Vernissage-Gänger, muss ich gestehen.
00:46:19Würdest du sagen, man sieht es deinen Filmen an, ob dir eine Ausstellung gefällt oder nicht?
00:46:26Äh, ich glaube nicht, weil, ähm, ich bei der, beim Filmen eigentlich nur drauf schaue, dass es einigermaßen mir gefällt.
00:46:39Ja.
00:46:40Also, da geht es weniger darum, ob mir die Kunst gefällt, sondern ob mir der Film gefällt, ja, ja, ja,
00:46:45ja, hinterher.
00:46:45Ja, genau.
00:46:46Naja, also.
00:46:47Ja, es ist dasselbe, du erzählst auch da einfach deine Geschichte, du willst, dass die Geschichte stimmig ist, was du.
00:46:52Ja, genau.
00:46:53Dein Stimmungsbild, das du mitbringst.
00:46:55Genau.
00:46:55Das stimmt, ja.
00:46:56Und ob die Leute das dann, also die, die urteilen natürlich, also an den Kommentaren sieht man das natürlich, also
00:47:01die urteilen natürlich mich und die Kunst, also alles, ja, also manchmal weiß man nicht genau, also finden die jetzt
00:47:07das Video schlecht oder gut oder die Kunst schlecht oder gut?
00:47:11Ja, das stimmt, ja.
00:47:12Und, aber im Endeffekt möchte ich schon, also wenn es mir gar nicht gefällt oder wenn irgendwas, wo ich denke,
00:47:21das macht für mich keinen Sinn, dann filme ich, also ich habe auch schon, also als ich jetzt in New
00:47:25York war, bei einer, eben einer großen, oder bei beiden großen Ausstellungen, da habe ich erst angefangen zu filmen und
00:47:31dachte ich, also, das hat eigentlich keinen Sinn für die Zuschauer auch, ja, also.
00:47:36Also, und dann habe ich auch aufgehört, also, das, ja.
00:47:42Ja, das wäre, also das ist konsequent, das gibt es so bei uns natürlich nicht, also wir sind halt, eben,
00:47:49da hat man diese Vorgabe, wir müssen diesen Platz hier füllen und dann war man, wenn man schon dort war,
00:47:54dann kann man sich den, will man sich den Luxus da nicht leisten, dass man das halt einfach sausen lässt,
00:48:01ja.
00:48:01Ja, klar, also bei mir ist es auch die Überlegung, weil man zahlt ja, also wir werden ja nicht, also
00:48:05wir werden nicht eingeladen, also es finanziert keiner, dass wir da hingehen, sondern es ist alles selber finanziert und da
00:48:12überlegst du natürlich zweimal, also ich möchte dann relativ viel filmen, damit es sich auch lohnt und klar, also ich
00:48:21überlege mir dann zweimal, ob ich das dann, das Film abbreche und das halt sausen lasse, zumal es da große
00:48:26Namen sind, also wo man dann sagen kann, also die würden sicher auch gute Zugriffszahlen kriegen.
00:48:32Einfach wegen Namen und das ist halt leider auch so, also die, die großen Namen ziehen halt dann teilweise schon
00:48:37auch mehr, als wenn du eine Ausstellung hast, die zwar super toll ist, ja, aber die keiner kennt, ja.
00:48:44Aber das ist eben auch was, also das ist auch wieder in New York jemanden kennengelernt, ein Künstler, der macht
00:48:50Bilder aus Linoleum und das…
00:48:55Also der nimmt aus alten, also Nachlässen, Häusern sucht er sich Linoleum zusammen und die haben ja, also bei uns
00:49:06ist es ja nicht mehr so populär, also generell nicht mehr so populär, ist aber eigentlich ein gutes Naturmaterial und
00:49:13das gab es natürlich früher in tausenden von, also mit tausenden von Motiven, Farben etc.
00:49:19Und der nutzt halt diese unterschiedlichen, also wie die unterschiedlichen Motive, Farben, sind eigentlich wie die Farben auf der Tube.
00:49:56Aha, ja, ja.
00:49:57Und der produziert ist also nicht auf eine gute Weise, also es ist nicht so, dass es nur um Tod
00:50:05und irgendwas geht, sondern die Stimmung halt und er schafft es mit diesen Resten von Linoleum tolle Bilder zu entwerfen.
00:50:15Ja, also der hat einfach das Talent, dieses so zusammenzufügen, dass es ein stimmiges Ganzes gibt und trotz dieser Begrenzung,
00:50:23die er hat, weil er hat ja nichts, also er kann nicht irgendwie Neues, Neue irgendwie Farbe einbringen oder Neues
00:50:28Linoleum drucken oder mit einem anderen entsprechenden Motiv, sondern…
00:50:32Das ist abstrakt eher, oder ist es dann…
00:50:35Also figurativ, also Landschafts, sind Landschaftssachen, teilweise Aufnahmen oder Bilder von Industrie, Silhouette und so Sachen, Porträts auch und so.
00:50:48Und das fand ich ganz spannend und der ist natürlich jetzt nicht so ein großer Name wie viele andere, die
00:50:58jetzt momentan da kursieren, ja, aber fand ich eigentlich spannender als vieles, was ich so gesehen habe.
00:51:08Und deshalb, also gerade auch, wir haben ja vorher Konzept Kunst gehabt, also teilweise, also Kunst wie eben Pop Art,
00:51:20da frage ich mich dann teilweise schon auch, also aus der historischen, also aus der Perspektive von jetzt, da ist
00:51:31vieles nicht mehr so spannend.
00:51:32Also historisch natürlich wichtig und klar, aussehenderregend, aber wenn man so zurückblickt, dann, also sagt es mir jetzt noch was,
00:51:42geht dann eher so, ein bisschen so skeptisch, aber wie gesagt.
00:51:46Ja, also das geht mir schon auch so, ja, also es gibt, und das ist dann so, dass das, dann
00:51:54wird Kunst verstaubt, also dann ist das irgendwie so, ja, ich weiß nicht.
00:52:01Dann ist das irgendwie weg, dann hat es nicht mehr mit, dann hat es irgendwie, dann ist der Name so
00:52:07groß, dass es alles andere dahinter bedeutungslos, also versteckt oder verschwindet und dann ist das auch nicht mehr so, ja.
00:52:16Ja, merkwürdigerweise, also zum Beispiel gab es auch eine Ausstellung über Duchamp und die fand ich eigentlich ganz gut, obwohl
00:52:22es eigentlich ja auch sehr konzeptionell ist, ja.
00:52:25Aber irgendwie hatte das noch irgendwie, hat mir jetzt noch was gesagt, dass es hatte irgendwie so einen bestimmten Charme.
00:52:37Aber, ja, ist eben nicht bei jedem so.
00:52:40Aber wie gesagt, das ist natürlich auch, wir haben ja vorher gesagt, das ist das, was das so persönlich mitbringt,
00:52:45ja, in der Ausstellung.
00:52:46Ja, genau. Ich habe mich immer, also während des Studiums, wo ich mich mit Literatur beschäftigt habe, hatte ich so
00:52:55einen Moment, wo ich dachte, Wahnsinn, wie kommt, was da alles in einem Buch drinsteckt, wer hat das da reingetan?
00:53:03Und der Punkt ist natürlich, das bin ich selber, also ein Teil natürlich steht schon da, das ist schon klar,
00:53:08aber es kommt halt, es hängt wirklich davon ab, was ich damit mache.
00:53:12Und dann, so kommt das dort rein. Und, ja, mit Bildender Kunst ist das ähnlich, finde ich jetzt.
00:53:23Hast du so, weil, mir fehlt jetzt gerade, also wir haben ja ein gemeinsames Erlebnis, ich weiß nicht, ob wir
00:53:28das erzählen sollen, mit der deutschen Künstlerin aus Freiburg, die Bernda Art Basel, ich überlasse es dir, ja.
00:53:40Ja, aber hast du, hast du, hast du so Anekdoten, die dir gerade spontan einfallen? Ich weiß, also, man vergisst
00:53:48auch, also, bei mir ist es auch so, also, ich vergesse extrem schnell bestimmte Sachen.
00:53:53Ja.
00:53:53Ich kann es halt relativ schnell nachschauen, also, auf unserer Website, wenn wir das so suchen. Aber hast du, fällt
00:53:59dir irgendwie was ein, also, Begebenheiten?
00:54:04Das war schon speziell, das war auch sehr toll, dass wir da so, dass wir da so gemeinsam und kurzfristig
00:54:10zu diesem Außenprojekt der Art dazugelaufen sind.
00:54:13Auch lustig, dass ich zuerst die Künstlerin gar nicht als Künstlerin identifiziert habe und wir da so dabei standen. Das
00:54:22war sehr lustig.
00:54:25Ja, müsste ich jetzt überlegen, da fällt mir jetzt so spontan gerade nichts ein. Also, es gibt immer wieder, es
00:54:33gibt natürlich immer wieder mal so ein Gespräch, Momente, wo ich denke, das ist jetzt toll, dass ich jemanden, dass
00:54:41ich jemanden wirklich so bei mir habe und mich mit ihm verständigen kann.
00:54:45Zum Beispiel im Kartenmuseum war mal der Richard Maguire, der hat einen Comic gemacht, der sieht nicht aus wie ein
00:54:51Comic. Das ist eben, das könnte auch bildende Kunst sein, aber es ist trotzdem eine Geschichte und die ist so,
00:54:57die geht in alle Richtungen und durch alle Zeiten durch und das war ich, fand ich richtig toll, mich mit
00:55:05ihm unterhalten zu können.
00:55:07Ich habe ein Interview mit ihm geführt, aber das habe ich nicht mal verwertet. Das fand ich einfach nur für
00:55:12mich, da war ich so egoistisch und fand, das ist gut.
00:55:15Da konnten wir zusammen über solche Themen reden und dann ist gut. Und den Rest habe ich einfach eine Ausstellungsbesprechung
00:55:23gemacht von dem, was er dort gezeigt hat.
00:55:26Und solche Momente gibt es immer wieder mal auch, dass man vielleicht den Leuten zu nahe tritt mit Fragen.
00:55:32Das hat es, vor allem am Anfang habe ich das ein, zweimal gehabt, dass ich irgendwie zu forsch gefragt habe,
00:55:38warum machst du das überhaupt?
00:55:39Und dann sagt er, ja Moment mal, da muss ich jetzt, kann ich hier gerne zurückfragen, warum machst du das,
00:55:44was du da gerade machst?
00:55:46So, dann finde ich ja, stimmt. Und das ist irgendwie, ich finde es beim Sprechen und beim Interview führen, es
00:55:55ist so ein bisschen, natürlich ist man nicht auf Augenhöhe, das ist schon klar.
00:55:59Aber ich, dass man seinem Gegenüber zumindest zu verstehen gibt, dass man bereit ist, sich mit den Gedanken und mit
00:56:08dem auseinanderzusetzen, was da kommt, ich finde, das ist sehr wichtig.
00:56:13Also ich finde, das ist, ja, gehört dazu, ein Zeichen des Respekts. Und es schlägt sich auch auf die Qualität
00:56:23des Gesprächs nieder. Also das gibt mehr her, als wenn man irgendwie Standardfragen durchgeht und das irgendwie absolviert.
00:56:34Also ich finde es halt auch toll, also wenn man wirklich ein Draht kriegt zu den Leuten und ja, dann
00:56:42auch teilweise auch ein Lob kriegt dafür. Also wenn man gesagt kriegt, waren gute Fragen, gutes Gespräch und so.
00:56:49Und es gibt aber halt auch Leute, wo man halt kein Draht dazu entwickelt und wo du praktisch fragen kannst,
00:56:55was du willst. Also gut, passiert selten, aber haben wir glaube ich auch schon gehabt.
00:57:01Und manche sind dann einfach voll Profis. Also ich glaube, bei Jeff Koons, den wird es wahrscheinlich, ich weiß nicht,
00:57:10also, aber ich glaube, den wird es nicht jucken. Der wird einfach sein Programm durchziehen und seine, ich finde auch
00:57:16beeindruckend, wie er spricht.
00:57:17Ich habe neulich wieder so eine Pressekonferenz oder so einen Talk mit ihm gehört. Also die Präzision, wie er spricht.
00:57:23Ja, und diese, diese, finde ich schon irgendwie ziemlich beeindruckend.
00:57:28Das ist schon eine Kunst an sich. Ja. Und ich glaube, ihn kannst du, also wenn du nicht gerade irgendwie
00:57:31aggressiv angehst, kannst du, glaube ich, ihn fragen, was du willst. Er wird immer eine saubere Antwort liefern.
00:57:36Das finde ich natürlich auch sehr, sehr professionell. Ja, total, total. Also ich hatte mal den David Copperfield am Telefon
00:57:44vor langer Zeit.
00:57:46Als er ja in St. Jakob auftrat, in der Halle. Und da habe ich mir vorher gefragt, okay, was kann
00:57:53ich denn fragen? Ich möchte irgendwie was fragen, was irgendwie überraschend ist oder so.
00:57:58Und ich habe ihn gefragt, ob er am Telefon zaubern kann. Und ich hatte natürlich die Antwort schon im Kopf,
00:58:03die ich hören wollte. Und er hat gesagt, ja klar, ich lege auf und dann bin ich weg.
00:58:08Ja, wieso. Aber das ist nicht das, weil das, das war, das, ich bin sicher, das ist ja schon hundertmal
00:58:15gefragt worden, gerade bei Telefoninterviews.
00:58:18Ja, dass man denn, wenn jemand so professionell ist, ist es extrem schwierig, dass man da irgendwie noch irgendwie so
00:58:24mehr ein Einfallstor findet.
00:58:26Oder eine Seite, die man jetzt so noch nicht, noch noch nicht darüber gesprochen hat. Kann aber auch ein bisschen
00:58:33ein Challenge sein. Also, dass man das halt wirklich irgendwie versucht, sowas zu finden.
00:58:39Was mich so ein bisschen nervt sind manchmal so Künstler, die, okay, nicht, dass wir jetzt in Künstler-Bashing abrutschen,
00:58:49ich glaube, nee, aber sagen wir es mal anders.
00:58:54Also, ich finde Leute, also ich finde es halt dann spannend, also auch für mich selber, also wenn die Leute
00:59:00halt relativ offen sind.
00:59:01Und ich bewundere das, wenn Leute, also nicht dran denken, wie das jetzt irgendwo ankommt.
00:59:12Also, wenn die nicht schon die Schere im Kopf haben und denken, okay, wenn ich das jetzt sage oder jenes,
00:59:18da kriege ich irgendwie Ärger oder will ich nicht oder pipapo.
00:59:22Und die signalisieren, dass sie eben, dass man ein Mensch ist, der halt auch mal Bullshit sagt und misst und
00:59:34der auch dann teilweise stottert oder Pausen macht oder Äh sagt oder sowas.
00:59:42Das finde ich eigentlich sehr sympathisch, ja, und natürlich eben, es gibt dann das andere, also wie Jeff Koons, aber
00:59:50eben, also ich glaube, du kommst den Leuten halt näher, wenn sie halt bereit sind, sich zu öffnen.
00:59:55Und auch für die Leute, ich glaube, ist es eher ergiebiger vielleicht, ich weiß es nicht.
01:00:01Ich glaube, es wäre toll, wenn man das als Performance betrachten könnte, also dass man irgendwie, genau, es braucht eine
01:00:09gewisse Veranlagung vielleicht dazu, eine gewisse, ich weiß es nicht, was es genau dazu braucht.
01:00:16Also ich würde behaupten, dass ich auf der anderen Seite besser funktioniere als jetzt vor der Kamera.
01:00:23Ja, weiß man nicht, weil du wärst ein guter, äh, Vorderkamera.
01:00:32Ja, ich höre zumindest, ich höre gerne zu, das schon, ja, das, das mache ich gerne.
01:00:39Weil, äh, das ist ja auch nicht so einfach, also zuzuhören und dann auch, ähm, ja, die interessanten Fragen zu
01:00:46stellen.
01:00:47Und ich meine, du hast ja auch einen breiten Hintergrund, ja, also von daher eigentlich prädestiniert.
01:00:52Und, ähm, ich denke halt, man muss auch nicht immer, also es gibt ja Leute, also, keinen Namen nennen, aber
01:01:01es gibt ja Leute, die halt, wenn sie Interview haben, also, oh Gott, jetzt rede ich auch schon so lange,
01:01:06ja, aber die eigentlich mehr reden als der, als der Interviewpartner.
01:01:10Und, äh, ja, ja, klar.
01:01:13Finde ich dann auch ein bisschen mühsam.
01:01:14Ja, ja, nein, ich versuche das in der Regel zu verhindern.
01:01:17Also ich versuche alles meinem Gesprächspartner zu geben.
01:01:21Also auch schon, wie es dann, ähm, zuletzt in, in der Form, wie es daherkommt, dass ich versuche, meine Frage
01:01:26möglichst so zu halten, eben, dass das nicht passiert.
01:01:31Weil ich finde das auch seltsam, wenn die Frage irgendwie doppelt so lang ist wie dann die Antwort, dann finde
01:01:36ich ja, okay, dann muss man sich überlegen, ob das vielleicht die richtige Frage war.
01:01:41Vielleicht lässt man die weg, wenn das so daherkommt, ja.
01:01:46Äh, wie lange recherchierst du da? Also, äh, klar, also man kriegt ja immer die Presseinformationen, aber da man recherchiert
01:01:53natürlich auch noch nebenher.
01:01:55Ja, ja, klar. Also wahrscheinlich auch mit KI jetzt auch einfach, wobei man da auch aufpassen muss, also was da
01:02:00irgendwie auch spuckt wird.
01:02:01Ja, absolut, ja.
01:02:02Kostet ja echt Zeit, ja. Also wie lange, äh, also ich, es gibt, es gibt Sachen, wo ich mich eh
01:02:08schon dafür interessiere.
01:02:09Und dann weiß ich vielleicht auch schon ein bisschen was. Und, und es gibt Sachen, da, da lese ich vielleicht
01:02:14die Medienmitteilung, die kommt, zur Vorbereitung.
01:02:19Und dann gibt es wirklich Sachen, da gehe ich einfach hin. Dann ist das so. Dann gehe ich hin und,
01:02:24und lasse mich überraschen und schaue, was, was dann passiert.
01:02:28Und das ist, ich finde, gar nicht mal so schlecht. Weil ich, ich meine, wir sind keine, es ist keine
01:02:35Fachzeitschrift, wofür ich schreibe.
01:02:37Äh, man kann nicht erwarten, dass, dass die Leute eben die Bereitschaft mitbringen, sich mit, mit irgendwie, mit Themen zu
01:02:44beschäftigen, die, ja, die nichts mit ihrem Alltag zu tun haben.
01:02:48Und da finde ich es nicht schlecht, wenn ich direkt aus dem Alltag, dann halt Arbeitsalltag in sowas reinkomme und
01:02:54mir das anschaue.
01:02:55Ich finde das, ist zum Teil noch hilfreich. Aber natürlich, wenn ich dann mal dort war, dann, und ich, und
01:03:03ich Fragen habe und es mich interessiert, dann, natürlich, ja, dann lese ich schon noch.
01:03:07Und, und, und versuche für mich einzuordnen, was das war. Und, ähm, es ist nicht so, dass es nur mi,
01:03:13mi, mi ist, sondern ich versuche das schon auch irgendwie zu fundieren.
01:03:16Und ich, das irgendwie, ja, so, möglichst objektiv darzustellen, wie es mir dann halt möglich ist. Auch wenn es ein
01:03:24individueller Eindruck ist.
01:03:27Ja.
01:03:27Äh, das finde ich auch manchmal spontan eigentlich besser.
01:03:30Mhm.
01:03:30Weil man nicht so, ähm, diese Leitplanken schon hat.
01:03:35Ja.
01:03:35Oder diese, diese Struktur.
01:03:38Und man kann da einfach flexibler reagieren.
01:03:40Also am Anfang haben wir, hab ich das auch, also, ziemlich detailliert aufgeschrieben.
01:03:45Mhm.
01:03:45Und, ähm, mittlerweile mache ich eigentlich nur noch ein paar Stichpunkte.
01:03:49Mhm.
01:03:49Und schaue dann vielleicht ab und zu mal drauf, äh, ob ich was gegessen habe oder nicht und so.
01:03:54Und, ähm, ja.
01:03:55Ich bin ein fleißiger Mitschreiber, wenn ich, wenn ich, wenn ich wo bin.
01:03:59Ähm, einfach weil ich auf die, auf, genau auf solche Sätze oder auf, auf, auf Bemerkungen warte, die jetzt nicht
01:04:08direkt aus der Presse mitteilung sind.
01:04:10Weil die habe ich ja da meistens schon in irgendeiner Mappe drin.
01:04:13Und das sind die, das sind die Sachen, die, die eine Besprechung irgendwie lebendig machen, finde ich.
01:04:18Das finde ich noch wichtig.
01:04:20Äh, ja, früher bin ich Filmvorschauer und bin ich, habe ich nie etwas aufgeschrieben.
01:04:26Da bin ich zurückgekommen und habe einfach wirklich nur über den Eindruck so, was mir noch, was noch hängen geblieben
01:04:31ist.
01:04:31So geschrieben.
01:04:32Ja.
01:04:33Aber wenn es eben, wenn man direkt den Leuten begegnet, finde ich es wichtig, dass man, dass man sie auch
01:04:39richtig zitiert und nicht irgendwie was erfindet.
01:04:42Das ist schon wichtig, ja.
01:04:43Eben sind bei deinen Artikeln, oder wie du schreibst, auch eben gut, also du schreibst hier präzise, aber nichts, ähm,
01:04:51und, also nicht aber, sondern präzise, ähm, gut zu lesen und nicht übertrieben.
01:04:58Also nicht dieses, ähm, sensationelle irgendwas, ja, was, also diese, was, also mich zum Beispiel auch nervt teilweise, also wenn
01:05:10ich, ähm, so Artikel lese, also über, also, äh, Reviews auch, ja.
01:05:17Und, ähm, das finde ich eigentlich, also, finde ich einfach gut, ja, dass man den Spielraum lässt und nicht irgendwie
01:05:25irgendwas hochjubelt oder runter.
01:05:27Ja, ja, das Problem ist natürlich, es gibt die knalligere Schlagzeile, wenn man es natürlich den Text auch dementsprechend schreibt
01:05:37und das verkauft sich halt einfach auch besser.
01:05:41Also, also vor allem dann halt online, da besteht schon ein bisschen die Gefahr, dass man das halt immer im
01:05:46Hinterkopf hat, dass man halt immer auf maximalen, äh, Flurschaden ausgerichtet ist und da irgendwie den Zweihänder jedes Mal auspackt.
01:05:57Das, das möchte ich eigentlich nicht. Ich finde das nicht nötig. Aber eben, das ist, das bin ich und dann
01:06:03ist es das, was es braucht.
01:06:04Und dazwischen die Balance zu finden, das ist, äh, genau, das ist die Herausforderung.
01:06:10Es gibt andere Bereiche jetzt in Sachen Kultur und Unkunst, wenn es dann halt in, um, vielleicht um mehr Politik
01:06:18und Finanzen geht, ja, da kann man dann vielleicht berechtigterweise mal nachfragen, was soll das eigentlich.
01:06:25Und das fällt dann leider auch leichter, finde ich, jetzt, ja.
01:06:33Deine Prognose, wohin geht der Kunst- oder überhaupt Kulturschornalismus, also die Ausblick?
01:06:42Ja gut, also ich meine, ich habe angefangen, das war bei der Barser Zeitung, war ich als redaktioneller Mitarbeiter ab
01:06:492004 oder 2005.
01:06:53Und ich bin gerade so nach dem, nach dem Höhepunkt eingestiegen, also mein Vorgänger, meine ich, meinte, ich habe das
01:07:03Doppelte verdient von dem, was ich verdient habe.
01:07:06Das hat mich nicht abgehalten, das zu machen, klar.
01:07:09Ja, ähm, aber dort gab es für jede einzelne Sparte, gab es, gab es eine, eine Fachperson mit Expertise und
01:07:19heute sind wir, ja, sind es viel weniger Leute, die sich mit verschiedenen Sachen gleichzeitig beschäftigen.
01:07:29Ich finde auch das nicht verkehrt, weil eben, wie gesagt, es vermeidet dann so ein bisschen den Tunnelblick, dass man
01:07:35wirklich nur noch sein Ding im Visier hat und uns alles andere ausblendet.
01:07:41Ich finde es eigentlich schön, wenn man sich auch über die Grenzen hinweg irgendwie informiert und schaut, was es so
01:07:47alles gibt.
01:07:48Ähm, tja, ich kann mir vorstellen, dass es sich, also hier auf dem Platz Basel, ja, ich weiß nicht, ich
01:08:03hoffe nicht, dass es sich noch mehr konzentriert, sagen wir mal so.
01:08:07Also, dass es irgendwie doch noch die Räume gibt, wo man sich mit dem beschäftigen kann.
01:08:16Und das ist, ja, das ist noch schon ein schwieriges Thema, weil irgendwie so dieser, dieser Kulturpessimismus, den man mit
01:08:25dem Zusammenhang mit dem Journalismus erlebt, den ich schon sehr lange erlebe, ja, der hört irgendwie einfach nicht auf.
01:08:34Also, das ist, das hängt als Drohding, Gebilde hängt das immer irgendwie über dem Kopf.
01:08:41Und trotzdem versuche ich mich davon nicht beeindrucken zu lassen, weil ich glaube, Kultur ist, gibt so vielen Menschen etwas
01:08:50und ist so, und genau deshalb ist sie wichtig, weil so viele Leute etwas damit anfangen können.
01:08:55Und ich glaube, von jemand anderem zu hören, wie man es auch sehen kann oder ob man es gleich gesehen
01:09:03hat, ich glaube, das Bedürfnis, das besteht nach wie vor, würde ich behaupten.
01:09:09Ja, es ist halt teilweise mühsam, also sich immer anzupassen, weil es entwickelt sich halt immer schneller.
01:09:17Ja, also, oder man hat das Gefühl, es entwickelt sich immer schneller, aber es verändert sich natürlich.
01:09:26Aber ich denke, langfristig, das sieht man ja in vielen anderen Bereichen, sei es jetzt in der Musik oder so,
01:09:33also das Wiederauferstehen der CD, des Vinyls, also der LP und so.
01:09:39Es wird halt nicht mehr Mainstream sein bei bestimmten Sachen, aber, also bei YouTube sieht man das auch, also da
01:09:48wird auch der, oder bei Social Media generell, der Algorithmus permanent geändert.
01:09:54Und man muss sich da auch teilweise halt auch anpassen.
01:10:03Aber ich bin jetzt auch kein Kulturpessimist. Irgendwie geht es immer weiter und es ist ja auch spannend, wenn sich
01:10:08etwas verändert.
01:10:09Ja, genau.
01:10:10Wir können es eh nicht ändern, also man muss sich anpassen.
01:10:14Und teilweise ist es natürlich mühsam, aber wenn es langweilig wäre, wenn es immer gleich bliebe, wäre es wahrscheinlich auch
01:10:22nicht so toll.
01:10:25Ja, ich würde auch gerne andere Formen ausprobieren.
01:10:27Also ich habe mal eine gewisse Zeit lang Beiträge fürs Radio gemacht.
01:10:32Ich finde das auch spannend, also wenn man eben, Podcast haben wir ja vorhin auch erwähnt, glaube ich, solche Sachen.
01:10:38Ich finde, es gibt viele Formen, wie man, wie man eben auch sich über Kunst, Kultur unterhalten kann, was dann
01:10:44halt nicht in gedruckter Form ist.
01:10:46Und da eben, da gibt es dann halt verschiedene Geschäftsmodelle, Businessmodelle und wie man die miteinander in Einklang bekommt.
01:10:52Ich glaube, das ist so ein bisschen eine Herausforderung.
01:10:56Dann würde ich sagen, vielen Dank.
01:10:59Danke dir.
01:10:59Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.
01:11:02Und wir sehen uns dann.
01:11:05Sag nochmal, wann das ist, die Ausstellung?
01:11:07Das wird am 22. Januar sein, zur Museumsnacht, genau.
01:11:12Die Erweiterung des Cartoon-Museums.
01:11:15Perfekt.
01:11:16Mit Ausstellung, genau.
01:11:17Da sehen wir uns dann wieder.
01:11:18Super, freue ich mich drauf.
01:11:19Spätestens.
01:11:20Dankeschön.
01:11:21Alles danke.
01:11:23Danke dir.

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