00:03Wir waren gerade dabei, unseren Test der Complete Edition von Shogun 2 fertig zu stellen, als die
00:09Nachricht eintrudelte, dass Sega das Remaster vorübergehend aus den virtuellen Regalen nimmt.
00:15Man sei sich bewusst, dass das Spiel weder den Erwartungen der Spieler gerecht wird,
00:19noch den eigenen Standards genüge. Darum wird sich jetzt mit den Entwicklern zusammengesetzt
00:24und geschaut, wie man das Ganze nochmal hinbiegen kann. Und puh, das ist schon eine Ansage. Selbst
00:31für das in den letzten Jahren vom Fan-Unmut gebeutelte Creative Assembly ist das ein neuer
00:37Tiefpunkt, auch wenn die Hauptarbeit wohl vom polnischen Studio Metaboo stammt. Die Verantwortung
00:42tragen aber natürlich Sega und Creative Assembly, die das Ganze abgenickt haben. Dabei hatten die
00:47Briten doch nach den Kontroversen um ihre Warhammer 3 DLC Politik Besserung gelobt. Und tatsächlich
00:54sah es zuletzt auch so aus, als hätte der Total War-Macher seine Lektionen gelernt und das Gröbste
00:59hinter sich. Doch jetzt kam es ganz anders. Die Complete Edition für den 15 Jahre alten Klassiker
01:05Shogun 2 mitsamt seiner DLCs ist als Produkt ein Totalausfall und wurde bei Steam zerrissen.
01:11Dabei ist das Spiel selbst gar nicht so sehr das Problem. Shogun 2 spielt sich auch in dieser
01:16modernisierten Version gut. Doch das ist kaum der Verdienst des Remasters, dass mit seinem Preis
01:21ungekennzeichneter KI-Nutzung und einigen anderen zweifelhaften Entscheidungen die Community
01:26der Hund hier auf die Barrikaden bringt. Aber lasst uns mal Schritt für Schritt aufdröseln,
01:31wo der Hund hier begraben liegt.
01:32Die übermächtigen Clans sind ungehorsam geworden.
01:40Es ist an der Zeit, dass ein neuer Kriegsherr zum Shogun wird.
01:45Der wesentliche Vorteil des Remasters besteht eigentlich in der Technik. Shogun 2 unterstützt
01:52jetzt 64-Bit-Architektur und eine Auflösung von bis zu 4K. Neben den Texturen hat sich auch
01:58der Look etwas verändert, gerade die Weltkarte ist etwas heller und detailreicher geworden.
02:03Das ist natürlich etwas Geschmackssache, aber wir finden, dass das Remaster an der Stelle ganz
02:08ordentliche Arbeit leistet und die Karte und das Interface grundsätzlich erstmal hübscher macht.
02:14Allerdings lassen sich auch Grafikfehler beobachten, etwa wenn sich manchmal bei
02:18Kamerabewegungen Details mitbewegen und ineinander verschwimmen.
02:22Außerdem hängt die Kampagnenkarte permanent bei ca. 40 FPS fest.
02:26Das hat uns beim Spielen nicht wirklich gestört, auf der Kampagnenkarte fällt das
02:31kaum auf. Es ist aber kein gutes Zeichen für die Technik und mag auf anderen Systemen zu Problemen
02:36führen. Wichtiger für das tatsächliche Spielerlebnis ist da schon, dass die Rundenberechnung
02:41zackig durchläuft. Und das tut sie. In den Echtzeitschlachten war die Performance
02:47kaum besser und schwankte ebenfalls zwischen 40 und 60 FPS. Hier hatten wir in der an sich
02:53durchaus schicken Umgebung zudem etwas Probleme mit den Kontrasten, insbesondere auf den mit
02:58mehr Vegetation bepflanzten Karten. Die vielen Grün- und Brauntöne zusammen mit Schatten
03:03und Blutlachen machen es teilweise schwer, die eigenen Truppen von den Feindlichen zu unterscheiden.
03:08Und gerade beim Auseinanderhalten der Truppen ist Jogun 2 ohnehin schon etwas kniffliger
03:13als andere Serienvertreter, weil hier alle Clans die mehr oder weniger selben Einheiten
03:18nutzen und sich nur durch ihre Startposition und Fraktionsvorteile unterscheiden.
03:23Und da sind wir auch beim vermeintlich größten inhaltlichen Feature der Complete Edition.
03:28Die jetzt spielbaren mehr als 50 Nebenfraktionen. Doch auch das entpuppt sich schnell als Rohrkrepierer.
03:34Denn diese kleinen Clans, die man in der Basisversion nicht spielen konnte, haben keinerlei
03:38Individualisierung abbekommen, also keine Intros oder individuellen Vorteile, nicht mal etwas
03:44historischen Kontext. Und das ist schon ziemlich blamabel, da Modder genau das schon längst besser
03:49hinbekommen haben. Jetzt aber mit dem Remaster erstmal ausgeschlossen werden. Der Steam Workshop
03:54wird nämlich nicht mehr unterstützt, dafür gibt es eine neue Mod-Integration mit Mod.io, die sich bei
04:00uns allerdings aufgrund eines Problems mit dem dafür notwendigen Sega-Account nicht
04:04einmal öffnen ließ. Wer auf seine Mods nicht verzichten möchte, muss hoffen, dass das System
04:09bald besser funktioniert und die Modder schließlich nachziehen. Wem das zu blöd ist, der sollte
04:14erst einmal beim Original bleiben. Das ist aber natürlich für neue Spieler, die Shogun 2
04:19gerne nachholen wollen, keine Option. Das ursprüngliche Shogun 2 wurde nämlich zugunsten des neuen
04:24aus dem Shop entfernt. Zumindest solange das Remaster erhältlich war. Jetzt lässt sich
04:29vorübergehend das Original wieder kaufen, die DLCs allerdings nicht, warum auch immer.
04:35Als sie noch verfügbar war, kostete die Complete Edition übrigens stolze 40 Euro,
04:40was einer der Hauptgründe für den ganzen Unmut war. Das ist rund die Hälfte billiger,
04:45als hättet ihr zuvor das Basisspiel und alle DLCs ohne Rabatt gekauft. Allerdings reden wir hier
04:50von einem 15 Jahre alten Spiel, das heute wohl kaum noch jemand außerhalb eines Sales mit
04:55großem Rabatt kaufen würde. Fairer war dagegen der Preis für alle, die Shogun 2 bereits in der
05:00Bibliothek haben. Dann kostete euch die Complete Edition 10 Euro. Allerdings nur bis zum 12. November.
05:07Und da fragten sich viele natürlich sofort, warum? Ist Creative Assembly die Treue der eigenen Fans
05:13also nichts mehr wert, wenn sich die nicht gleich im ersten Monat beschwatzen lassen? Dass Shogun 2 in
05:21die Jahre gekommen ist, macht sich also kaum beim Preis bemerkbar, darf er aber beim Gameplay. Das
05:27hat durchaus seine Vorteile, vor allem das Steinschere-Papier-Prinzip der Truppen und das
05:31Moralsystem haben deutlich mehr Auswirkung als in den neueren Vertretern. Wer aber beispielsweise
05:37Warhammer 3 gewohnt ist, wird sich unangenehm an vergangene Total War-Zeiten erinnern, in denen KI und
05:43Steuerung noch mal anfälliger waren als heutzutage. Genau in diesem Bereich wären mehr Bugfixes und
05:49Anpassungen gefragt gewesen. Doch das wäre natürlich mit Aufwand verbunden gewesen. So durften wir
05:56beobachten, wie Feinde bei Belagerungen die Tore komplett ignorieren und ausschließlich die Mauern
06:01hochklettern. Truppen sehen manchmal dabei zu, wie ihre Freunde direkt neben ihnen niedergemetzelt werden
06:06und auch das Aufstellen mehrerer Einheiten gleichzeitig zickt gerne mal rum. Ebenso lässt die Logik auf
06:13diplomatischer Ebene noch zu wünschen übrig. Zum Beispiel wenn ein Angriff auf euren Vasallen
06:18eure Verbündeten nicht mit in den Krieg ruft. Und apropos, die KI erklärt uns im Remaster wie
06:23verrückt den Krieg. Egal ob in der originalen Shogun-Kampagne oder in der aus Fall of the Samurai,
06:29wir konnten keine vernünftige Diplomatie betreiben. Selbst Verbündete blieben uns nicht lange wohlgesonnen.
06:35Ehe überhaupt die eigentliche Endgame-Mechanik in der Shogun-Kampagne zum Tragen kam, lagen wir im Dauerkrieg,
06:41obwohl wir in der ganzen Partie nur einen einzigen Konflikt selbst begonnen hatten. Wir haben zwar
06:46immerhin auf schwer gespielt, das sollte ja aber nicht jede Diplomatie zum Erliegen bringen.
06:52Welche der erwähnten Fehler noch genau so von früher stammen und welche sich jetzt mit dem Remaster
06:57noch zusätzlich eingeschlichen haben, können wir nicht mehr mit Sicherheit sagen. Das ist im Grunde
07:02aber auch egal, in einem Remaster sollte beides nicht in diesem Umfang vorhanden sein. Und vor allem bleibt
07:08es nicht bei ein paar KI-Problemen. Zum Beispiel begegnete uns immer wieder eine schlechte Audio-Abmischung,
07:13etwa wenn auf einmal ein Sprecher nicht zu hören war oder von der Hintergrundmusik überlagert wurde.
07:28Und dann ist da aufmerksame Nutzern natürlich sofort aufgefallen, dass sich Creative Assembly oder das
07:34ausführende polnische Studio generativer KI bedient hat, ohne das entsprechend zu kennzeichnen. Manche
07:40der Fehler etwa bei verwischten Elementen auf Einheitenporträts lassen sich noch mit schlechtem
07:45KI-Upscaling erklären. Aber ein Portugiese mit sechs Fingern oder alternativ fünf Fingern,
07:51aber keinem Daumen oder ein Reiter, dessen Arm im Kopf eines Pferdes verschwindet? Diese Fehler
07:58tauchen zusammen mit vielen Copy-and-Paste-Elementen in den neuen 2D-Intro-Sequenzen der Clans auf,
08:03die im Stil japanischer Holzschnitte gehalten sind. Immerhin könnt ihr über die Einstellungen die alten
08:09Intros zurückholen, das Ganze hinterlässt aber dennoch einen Faden-Beigeschmack, denn da
08:14betrifft es ausgerechnet eines der wenigen eigenen größeren Features des Remasters.
08:24Trotz aller Kritik und Kopfschütteln müssen wir aber auch sagen, dass das eigentliche Spiel
08:28trotzdem wieder Spaß gemacht hat. Wie Eingang schon erwähnt, hat das Remaster daran selbst
08:33keinen großen Anteil, Joom 2 ist aber an sich halt einfach ein gutes Spiel und ein super Weg,
08:39um in die japanische Geschichte einzutauchen. Sei es in die Sengoku-Ära, in der ihr zum Shogun
08:44aufsteigen sollt, oder sei es die Transformationsphase in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da
08:50kämpft das niedergehende Shogunat mit den Kaisertreuen um die Vorherrschaft in Japan,
08:54was zwischen Tradition und Moderne zerrissen ist. Da marschieren dann verstärkt Truppen mit
08:59Feuerwaffen und Kanonen auf, wo zuvor noch die traditionellen Samurai das Schlachtfeld beherrscht
09:04hatten. Der Multiplayer lief übrigens bei uns im Remaster recht reibungslos und stabil,
09:09wobei wir auch da am Anfang noch Probleme mit dem Sega-Account hatten. An und für sich liefert
09:14der Multiplayer wieder den Avatar-Modus mit, in dem ihr durch Mehrspielgefechte euren General
09:19hochlevelt. Außerdem könnt ihr eine Kampagne zusammen oder gegeneinander starten oder die
09:24sogenannte Drop-In-Funktion nutzen, mit der ihr einzelne Schlachten in eurer Singleplayer-Kampagne
09:29gegen menschliche Gegenspieler bestreitet. Und so befindet sich, oder in der aktuellen Lage
09:35besser gesagt, befand sich die Complete Edition in einer ganz merkwürdigen Lage. Denn normalerweise
09:41bedeuten solche extrem schlechten Bewertungsschnitte ja, dass hier gar nichts funktioniert. Tatsächlich
09:46erfüllt das Remaster seine Kernaufgabe aber dahingehend, als dass das Spiel schon etwas
09:51hübscher aussieht, modernere Hardware besser unterstützt und nochmal etwas Aufmerksamkeit
09:56bekommt, sodass auch Leute, die das Spiel damals verpasst haben, nochmal damit in Kontakt kommen.
10:01Das Problem ist nur, dass die Eigenleistung der Complete Edition vor allem im Hinblick
10:05auf den 40-Euro-Preis recht gering wird. Und da oben drauf kommen dann noch die KI-Problematik,
10:12die fehlenden Bugfixes, die nicht überzeugende Performance, der Wegfall der alten Mod-Unterstützung
10:17und der Zeitdruck beim Treuerabatt. Das alles zusammen hat das fast zum Überlaufen gebracht,
10:22erst recht nachdem Creative Assembly im letzten Jahr so sehr bemüht war, den Leuten glaubhaft
10:27zu verkaufen, dass die Kritik zu einem Umdenken geführt hat. Und nach den guten DLCs der letzten
10:33Zeit hätte man das auch beinahe glauben können. Dieses Vertrauen ist jetzt erstmal wieder zerstört
10:38und wird sich auch durch ein paar Patches für die Complete Edition nicht so einfach wiederherstellen
10:42lassen. Und so dürfen wir gespannt sein, was sich die Entwickler dieses Mal zur Beschwichtigung
10:47der Kundschaft einfallen lassen. Zum Glück wird man sich in England denken, ist es noch
10:52ein bisschen hin bis zum Release von Warhammer 40k, dem nächsten großen Ding.
10:57Und damit war's das von uns, vielen Dank fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.