00:00Seit Jahren träumen Strategie-Fans davon, dass endlich zusammenkommt,
00:08was zusammengehört, nämlich Total War und Der Herr der Ringe. Doch vorerst dürfte daraus nichts
00:15werden, bei den Briten von Creative Assembly steht jetzt erst einmal Medieval 3 und Warhammer 40k
00:21an. Und ob es darüber hinaus Pläne für eine Mittelerde-Umsetzung gibt, können wir schlicht
00:27noch nicht wissen. Wie so oft müssen daher fleißige Modder zur Hilfe eilen. Die haben
00:38früher schon, etwa in Total War Medieval 2, Tolkiens Welt zum Leben erweckt. Und seit einigen Jahren nun
00:45basteln Freiwillige an einer Total Conversion zum grafisch-moderneren Total War Attila. Im
00:51vergangenen Dezember ist da nun die Beta 1.0 gestartet, die eine richtige Total War-Kampagne
00:57in Mittelerde unterstützt. Und das sah alles so vielversprechend aus, dass wir uns direkt
01:02reingestürzt haben. Die Mod findet ihr bei Nexus-Mods allerdings nur auf Englisch und unter dem Namen
01:08The Dawnless Days. Ursprünglich hieß das Projekt mal The Rise of Mordor, musste sich aber nach einer
01:14Copyright-Beschwerde durch Lizenznehmer Warner Bros. umbenennen. Habt ihr die Mod dann installiert und eine
01:20Kampagne gestartet, wartet als erstes die Fraktionswahl auf euch. Insgesamt neun Völker
01:26stehen zur Verfügung, mit Mordor, Isengard, den Haradrim und den Ostlingen, vier auf Seiten der Bösen. Für die
01:33gute Sache treten ein Gondor, Rohan, die Zwerge vom einsamen Berg, die Düsterwald-Elben sowie die
01:39Menschen von Tal, die in der Hobbit-Seestadt bewohnen. Es gibt darüber hinaus noch weitere
01:45Fraktionen, z.B. die Orks aus den Nebelbergen oder die Korsaren von Umbar, doch die könnt ihr
01:52bislang nicht selber spielen. In der Kampagne dann dürften sich alle, die schon mal ein Total War
01:57gespielt haben oder sogar Attila kennen, sofort zurechtfinden. Das grundlegende Gameplay besteht,
02:03wie gewohnt, aus dem Reichsmanagement und der Bewegung der Armeen auf der Kampagnenkarte und dann
02:09den Echtzeitschlachten, wo ihr all die richtig hübschen Einheitenmodelle bewundern könnt.
02:13Zusammen mit der Musik entsteht da sofort richtig viel Mittelerde-Flair. Grafisch gesehen haben die
02:20Entwickler nur bei den Umgebungen der Schlachtfelder noch viel zu tun. Aktuell gibt es ein paar
02:25kulturspezifische Siedlungen und ein paar ikonische Orte wie z.B. Isengard hier. Doch auch die wirken
02:31oft noch etwas roh und leer. Und z.B. Minas Tirith oder das Schwarze Tor werden bislang einfach von
02:37normalen Ortschaften repräsentiert, die teilweise auch noch mit Bugs wie diesen Wegfindungsproblemen
02:42hier zu kämpfen haben. Wir sind dann in unsere erste Partie mit Rohan gestartet. Die Herausforderung
02:49mit dem Reiterfolg wird vom Spiel als normal beschrieben, entpuppte sich dann allerdings als
02:54ziemlich knifflig. Denn Rohan wird nicht nur vom kranken Geist Theodens geplagt, den ihr auf
02:59spielmechanischer Ebene durch die Forschung wieder klar bekommt, sondern auch von einer ungünstigen Lage
03:05zwischen mehreren Feinden, darunter die Orks aus den Nebelbergen und die mit Saruman verbündeten
03:10Dunländer im Westen. Setzen sich wie in unserem Fall die Orks gegen die Elben von Lothlorien und
03:16den Menschen aus dem Anduin-Tal durch, fallen auch die über unsere Nordgrenze her. Als wir trotzdem
03:21nach zähem Ringen endlich Isengard einnehmen konnten, stand plötzlich Mordor im Osten Rohans.
03:27Sauchern hatte in der Zwischenzeit nämlich Gondor überrannt. An der Stelle mussten wir uns erstmal
03:32geschlagen geben und starteten einen neuen Durchgang, diesmal mit Gondor selbst. Das
03:38spielte sich direkt deutlich leichter, obwohl das Spiel das Reich der Dunedain als hart
03:43einstuft. Tatsächlich hängt die Herausforderung aber zu einem guten Teil von den Umständen ab.
03:48Je nachdem, wie sich die KI-Reiche um einen herum entwickeln, kann sich die Spielerfahrung
03:52deutlich verändern. Außerdem profitieren wir von einigen Aussetzern der KI, die nicht immer
03:58konsequent genug handelt. Zum Beispiel ließen sich die Korsachen von Umba zu leicht aus dem
04:02Krieg drängen, was die Front praktisch auf Osgiliath beschränkte. Und als wir dann in
04:07einem Gegenangriff Minas Morgul einnehmen konnten, traute sich Sauron aus irgendwelchen Gründen bis zum
04:13Spielende nicht, die Festung des Hexenkönigs wieder einzunehmen, trotz militärischer Überlegenheit.
04:19Stattdessen kampierten Scharen von Orks und Trollen dauerhaft auf dem engen Pass davor. Das führte
04:25dann auch dazu, dass der dunkle Herrscher seine übrigen Grenzen nicht mehr richtig sichern konnte
04:29und wiederholt Zwerge, Elben und Menschen aus dem Norden in die Domäne der Schwarzen Lande
04:34vordringen konnten. An KI und Balance sollten die Modder also definitiv noch arbeiten. Die
04:40Grundlagen machen aber definitiv schon Lust auf mehr. Gerade am Anfang fühlen sich die Reiche in
04:46ihrer Stärke und Ausrichtung in etwa so an, wie wir das auf Basis der Vorlage erwarten würden.
04:50Und die KI spielt auch nicht komplett wild darauf los, sondern verfolgt erkennbare Ziele.
04:57Letztendlich konnten wir durch die Blockade bei Minas Morgul ungestört die reichen Ländereien
05:01Gondas stabilisieren und ausbauen. Dadurch snowballte unsere Wirtschaft bald, was jetzt
05:07in einem Total War aber auch nichts Ungewöhnliches ist. Da ist eine Kampagne oft schon nach den ersten
05:12großen Hindernissen eigentlich schon gewonnen. Am Ende konnte Mordor unseren hochgerüsteten Armeen
05:18aus Schwanenrittern von Dol Amroth, Turmwachen aus Minas Tirith und Bogenschützen aus Sitilien
05:23nichts mehr entgegensetzen. Sauron wurde niedergeworfen, was die Kampagne siegreich beendete.
05:33Wie ihr euch dabei vielleicht schon denken könnt, kommt es in Dawnless Days in einem
05:37rund 15- bis 20-stündigen Durchgang zu keiner Hildenreise der Gefährten. Allein mit Frodo und
05:44Co. durch die Wildnis zu streifen, ließe sich auch nur schwer in das Gameplay von Total War
05:48integrieren. Aktuell wird ein kleiner Teil der Handlung daher einfach durch Events abgedeckt,
05:54in denen ihr immerhin verschiedene Pfade beschreiten könnt. So lässt sich beispielsweise Aragorn zum
05:59König Gondors krönen oder alternativ als einfacher General verpflichten, wodurch euch
06:04Denitor erhalten bleibt. Und das ist durchaus eine Überlegung wert, der Truchses gibt nämlich
06:09einen ausgezeichneten Gouverneur ab. Wir hoffen einfach mal, dass auf Dauer noch mehr solcher
06:14Inhalte ihren Weg ins Spiel finden. Dadurch entsteht einfach nochmal eine engere Verbindung
06:19zu den Schicksalsjahren der Vorlage. Doch auch so verströmt die Mod schon sehr viel Flair. Wenn es
06:26nicht gerade mal wieder regnet, blitzt da das Licht auf den markanten Rüstungen Gondors. Die
06:31Rohirren brechen unaufhaltsam über die Landschaft und Kampftrolle in voller Montur aus Mordor nehmen
06:37es allein mit einer ganzen Armee auf. Gerade in Bezug auf die Einheiten ist diese Mod aktuell
06:42das hübscheste, was ihr in Sachen Strategiespiel in Mittelerde finden werdet, auch wenn das mangels
06:47moderner Konkurrenz nicht allzu viel heißen will. Gefehlt haben uns eigentlich nur noch ein paar
06:53Heldeneinheiten. Mal ein fliegender Nazgul oder Gandalf als Ein-Mann-Armee würden gut ins Setting
06:59passen. Das lässt sich aber vermutlich mit der Attila-Vorlage nicht so leicht umsetzen,
07:04dafür wären Troja oder die Warhammer-Titel mit ihren Heldeneinheiten prädestiniert gewesen.
07:15Abgesehen von den Schauwerten hält The Dawnless Days auch in Sachen Mechanik einige Anpassungen
07:20und Neuerungen bereit. Zum Beispiel wurde das Religionssystem aus Attila durch ein
07:25Kultursystem ersetzt. Das entscheidet maßgeblich darüber, ob ihr eine Provinz ohne militärische
07:30Präsenz stabil halten könnt. Es repräsentiert bei den Bösen außerdem Mordas Schatten, der sich
07:36über die Welt legt. Von dem müssen die Guten bestimmte Provinzen reinigen, um Siegpunkte zu
07:41erhalten. Auch der Ausbau besonders prestigeträchtiger und einzigartiger Gebäude wie in Minas Tirith
07:48oder Osgiliath liefern solche Punkte. Und wird eine wichtige Festung einer Seite erobert, erhält die
07:54andere einige Runden lang einen Moralbonus. Ebenfalls komplett überarbeitet wurden die
08:00Erfahrungsstufen von Generälen, Admirälen und Armeeverbänden. Besonders bei letzteren macht das
08:05einen echten Unterschied, weil ihr die Verbände dadurch spezialisieren könnt. Bei Gondor etwa
08:10dürft ihr explizit Kampfbohne gegen Südvölker auswählen oder gezielt die Schlagkraft gegen Orks
08:15erhöhen. Daneben gibt es viele weitere kleine Änderungen, teilweise wurden einzelne Mechaniken von
08:21Attila gleich komplett rausgenommen, wie zum Beispiel Krankheiten. Andere wurden dagegen
08:25modifiziert. Die deutlich erhöhte Zahl an Bauplätzen pro Provinz etwa verändert die
08:30wirtschaftliche Dynamik spürbar. Dadurch könnt ihr euch zumindest in der ersten Spielhälfte einer
08:35rund 100 bis 200 Runden langen Kampagne auch in wenigen Provinzen einigeln und dennoch eine
08:41schlagkräftige Armee aufstellen. Solche Eigenheiten ergänzen sich dann teilweise mit den volksspezifischen
08:47Sondermechaniken. So können zum Beispiel die Zwerge besonders viel Geld durch Minen generieren
08:52und sind erstmal nicht auf ein großes Flächenreich angewiesen. Zudem können sie Wohlstand für
08:58kurzfristige Boni anhäufen, laufen dann aber Gefahr der Gier anheim zu fallen, wie das einst Thorin und
09:04seinem Großvater passiert ist. Gondor ist es dagegen erlaubt, in jeder seiner vielen Regionen ein
09:10begrenztes Kontingent an relativ billigen Spezialtruppen auszuheben. Das soll die Ausdehnung
09:15und den politischen Unterbau des Königreichs widerspiegeln. Isengard wiederum ist darauf
09:20ausgelegt, aus einer einzelnen besonders starken Provinz heraus explosionsartig zu expandieren und
09:25die Reiche der Menschen zuerst mit billigen Hilfstruppen der Dunländer und dann mit den
09:30Elite-Urukais zu überrennen. Gerade diese ganz unterschiedlichen Ausgangssituationen zusammen
09:35mit originellen Spezialmechaniken erwecken die Welt schon jetzt spürbar zum Leben und sorgen
09:41für Wiederspielwert. Die Entwickler sollten nur versuchen, diese Eigenheiten noch besser in die
09:46zweite Spielhälfte hinüber zu retten, wo aktuell aufgrund der Balance viele Kleinigkeiten an Bedeutung
09:52verlieren. Neben den bereits erwähnten KI-Problemen und fehlenden Umgebungsassets sind zudem ein paar
09:59Bugs aufgefallen. Zum Beispiel funktionieren Steuerungsgruppen manchmal nicht richtig, wodurch
10:04die betroffenen Truppen sich nicht mehr richtig Information ziehen lassen. Doch das sind natürlich
10:09alles verständliche Baustellen bei einer Mod, die ja noch lange nicht fertig ist. Und auch wenn
10:15die Fertigstellung noch eine Weile dauern dürfte, können wir The Dawnless Days allen der Herr-der-Ringe-Fans
10:20auch jetzt schon ans Herz legen, vor allem wenn ihr Attila sowieso schon besitzt. Und dann schauen wir mal,
10:26ob nicht doch irgendwann auch ein offizielles Total War in Mittelerde rauskommt. Damit vielen Dank
10:32fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
10:39Bis zum nächsten Mal.
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