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  • vor 2 Tagen
Seit Jahren träumen einige Strategiefans davon, dass endlich zusammenkommt, was zusammengehört, nämlich Total War und Der Herr der Ringe. Doch vorerst dürfte daraus nichts werden, bei den Briten von Creative Assembly steht jetzt erst einmal Medieval 3 und Warhammer 40k an.

Wie so oft müssen daher fleißige Modder zur Hilfe eilen. Die haben früher schon, etwa in Total War: Medieval 2, Tolkiens Welt zum Leben erweckt. Und seit einigen Jahren nun basteln Freiwillige an der Total Conversion The Dawnless Days  zum grafisch moderneren Total War: Attila .

Im vergangenen Dezember ist da nun die Beta 1.0 gestartet, die eine richtige Total-War-Kampagne in Mittelerde unterstützt. Und das sah alles so vielversprechend aus, dass wir uns direkt reingestürzt haben.
Transkript
00:00Seit Jahren träumen Strategie-Fans davon, dass endlich zusammenkommt,
00:08was zusammengehört, nämlich Total War und Der Herr der Ringe. Doch vorerst dürfte daraus nichts
00:15werden, bei den Briten von Creative Assembly steht jetzt erst einmal Medieval 3 und Warhammer 40k
00:21an. Und ob es darüber hinaus Pläne für eine Mittelerde-Umsetzung gibt, können wir schlicht
00:27noch nicht wissen. Wie so oft müssen daher fleißige Modder zur Hilfe eilen. Die haben
00:38früher schon, etwa in Total War Medieval 2, Tolkiens Welt zum Leben erweckt. Und seit einigen Jahren nun
00:45basteln Freiwillige an einer Total Conversion zum grafisch-moderneren Total War Attila. Im
00:51vergangenen Dezember ist da nun die Beta 1.0 gestartet, die eine richtige Total War-Kampagne
00:57in Mittelerde unterstützt. Und das sah alles so vielversprechend aus, dass wir uns direkt
01:02reingestürzt haben. Die Mod findet ihr bei Nexus-Mods allerdings nur auf Englisch und unter dem Namen
01:08The Dawnless Days. Ursprünglich hieß das Projekt mal The Rise of Mordor, musste sich aber nach einer
01:14Copyright-Beschwerde durch Lizenznehmer Warner Bros. umbenennen. Habt ihr die Mod dann installiert und eine
01:20Kampagne gestartet, wartet als erstes die Fraktionswahl auf euch. Insgesamt neun Völker
01:26stehen zur Verfügung, mit Mordor, Isengard, den Haradrim und den Ostlingen, vier auf Seiten der Bösen. Für die
01:33gute Sache treten ein Gondor, Rohan, die Zwerge vom einsamen Berg, die Düsterwald-Elben sowie die
01:39Menschen von Tal, die in der Hobbit-Seestadt bewohnen. Es gibt darüber hinaus noch weitere
01:45Fraktionen, z.B. die Orks aus den Nebelbergen oder die Korsaren von Umbar, doch die könnt ihr
01:52bislang nicht selber spielen. In der Kampagne dann dürften sich alle, die schon mal ein Total War
01:57gespielt haben oder sogar Attila kennen, sofort zurechtfinden. Das grundlegende Gameplay besteht,
02:03wie gewohnt, aus dem Reichsmanagement und der Bewegung der Armeen auf der Kampagnenkarte und dann
02:09den Echtzeitschlachten, wo ihr all die richtig hübschen Einheitenmodelle bewundern könnt.
02:13Zusammen mit der Musik entsteht da sofort richtig viel Mittelerde-Flair. Grafisch gesehen haben die
02:20Entwickler nur bei den Umgebungen der Schlachtfelder noch viel zu tun. Aktuell gibt es ein paar
02:25kulturspezifische Siedlungen und ein paar ikonische Orte wie z.B. Isengard hier. Doch auch die wirken
02:31oft noch etwas roh und leer. Und z.B. Minas Tirith oder das Schwarze Tor werden bislang einfach von
02:37normalen Ortschaften repräsentiert, die teilweise auch noch mit Bugs wie diesen Wegfindungsproblemen
02:42hier zu kämpfen haben. Wir sind dann in unsere erste Partie mit Rohan gestartet. Die Herausforderung
02:49mit dem Reiterfolg wird vom Spiel als normal beschrieben, entpuppte sich dann allerdings als
02:54ziemlich knifflig. Denn Rohan wird nicht nur vom kranken Geist Theodens geplagt, den ihr auf
02:59spielmechanischer Ebene durch die Forschung wieder klar bekommt, sondern auch von einer ungünstigen Lage
03:05zwischen mehreren Feinden, darunter die Orks aus den Nebelbergen und die mit Saruman verbündeten
03:10Dunländer im Westen. Setzen sich wie in unserem Fall die Orks gegen die Elben von Lothlorien und
03:16den Menschen aus dem Anduin-Tal durch, fallen auch die über unsere Nordgrenze her. Als wir trotzdem
03:21nach zähem Ringen endlich Isengard einnehmen konnten, stand plötzlich Mordor im Osten Rohans.
03:27Sauchern hatte in der Zwischenzeit nämlich Gondor überrannt. An der Stelle mussten wir uns erstmal
03:32geschlagen geben und starteten einen neuen Durchgang, diesmal mit Gondor selbst. Das
03:38spielte sich direkt deutlich leichter, obwohl das Spiel das Reich der Dunedain als hart
03:43einstuft. Tatsächlich hängt die Herausforderung aber zu einem guten Teil von den Umständen ab.
03:48Je nachdem, wie sich die KI-Reiche um einen herum entwickeln, kann sich die Spielerfahrung
03:52deutlich verändern. Außerdem profitieren wir von einigen Aussetzern der KI, die nicht immer
03:58konsequent genug handelt. Zum Beispiel ließen sich die Korsachen von Umba zu leicht aus dem
04:02Krieg drängen, was die Front praktisch auf Osgiliath beschränkte. Und als wir dann in
04:07einem Gegenangriff Minas Morgul einnehmen konnten, traute sich Sauron aus irgendwelchen Gründen bis zum
04:13Spielende nicht, die Festung des Hexenkönigs wieder einzunehmen, trotz militärischer Überlegenheit.
04:19Stattdessen kampierten Scharen von Orks und Trollen dauerhaft auf dem engen Pass davor. Das führte
04:25dann auch dazu, dass der dunkle Herrscher seine übrigen Grenzen nicht mehr richtig sichern konnte
04:29und wiederholt Zwerge, Elben und Menschen aus dem Norden in die Domäne der Schwarzen Lande
04:34vordringen konnten. An KI und Balance sollten die Modder also definitiv noch arbeiten. Die
04:40Grundlagen machen aber definitiv schon Lust auf mehr. Gerade am Anfang fühlen sich die Reiche in
04:46ihrer Stärke und Ausrichtung in etwa so an, wie wir das auf Basis der Vorlage erwarten würden.
04:50Und die KI spielt auch nicht komplett wild darauf los, sondern verfolgt erkennbare Ziele.
04:57Letztendlich konnten wir durch die Blockade bei Minas Morgul ungestört die reichen Ländereien
05:01Gondas stabilisieren und ausbauen. Dadurch snowballte unsere Wirtschaft bald, was jetzt
05:07in einem Total War aber auch nichts Ungewöhnliches ist. Da ist eine Kampagne oft schon nach den ersten
05:12großen Hindernissen eigentlich schon gewonnen. Am Ende konnte Mordor unseren hochgerüsteten Armeen
05:18aus Schwanenrittern von Dol Amroth, Turmwachen aus Minas Tirith und Bogenschützen aus Sitilien
05:23nichts mehr entgegensetzen. Sauron wurde niedergeworfen, was die Kampagne siegreich beendete.
05:33Wie ihr euch dabei vielleicht schon denken könnt, kommt es in Dawnless Days in einem
05:37rund 15- bis 20-stündigen Durchgang zu keiner Hildenreise der Gefährten. Allein mit Frodo und
05:44Co. durch die Wildnis zu streifen, ließe sich auch nur schwer in das Gameplay von Total War
05:48integrieren. Aktuell wird ein kleiner Teil der Handlung daher einfach durch Events abgedeckt,
05:54in denen ihr immerhin verschiedene Pfade beschreiten könnt. So lässt sich beispielsweise Aragorn zum
05:59König Gondors krönen oder alternativ als einfacher General verpflichten, wodurch euch
06:04Denitor erhalten bleibt. Und das ist durchaus eine Überlegung wert, der Truchses gibt nämlich
06:09einen ausgezeichneten Gouverneur ab. Wir hoffen einfach mal, dass auf Dauer noch mehr solcher
06:14Inhalte ihren Weg ins Spiel finden. Dadurch entsteht einfach nochmal eine engere Verbindung
06:19zu den Schicksalsjahren der Vorlage. Doch auch so verströmt die Mod schon sehr viel Flair. Wenn es
06:26nicht gerade mal wieder regnet, blitzt da das Licht auf den markanten Rüstungen Gondors. Die
06:31Rohirren brechen unaufhaltsam über die Landschaft und Kampftrolle in voller Montur aus Mordor nehmen
06:37es allein mit einer ganzen Armee auf. Gerade in Bezug auf die Einheiten ist diese Mod aktuell
06:42das hübscheste, was ihr in Sachen Strategiespiel in Mittelerde finden werdet, auch wenn das mangels
06:47moderner Konkurrenz nicht allzu viel heißen will. Gefehlt haben uns eigentlich nur noch ein paar
06:53Heldeneinheiten. Mal ein fliegender Nazgul oder Gandalf als Ein-Mann-Armee würden gut ins Setting
06:59passen. Das lässt sich aber vermutlich mit der Attila-Vorlage nicht so leicht umsetzen,
07:04dafür wären Troja oder die Warhammer-Titel mit ihren Heldeneinheiten prädestiniert gewesen.
07:15Abgesehen von den Schauwerten hält The Dawnless Days auch in Sachen Mechanik einige Anpassungen
07:20und Neuerungen bereit. Zum Beispiel wurde das Religionssystem aus Attila durch ein
07:25Kultursystem ersetzt. Das entscheidet maßgeblich darüber, ob ihr eine Provinz ohne militärische
07:30Präsenz stabil halten könnt. Es repräsentiert bei den Bösen außerdem Mordas Schatten, der sich
07:36über die Welt legt. Von dem müssen die Guten bestimmte Provinzen reinigen, um Siegpunkte zu
07:41erhalten. Auch der Ausbau besonders prestigeträchtiger und einzigartiger Gebäude wie in Minas Tirith
07:48oder Osgiliath liefern solche Punkte. Und wird eine wichtige Festung einer Seite erobert, erhält die
07:54andere einige Runden lang einen Moralbonus. Ebenfalls komplett überarbeitet wurden die
08:00Erfahrungsstufen von Generälen, Admirälen und Armeeverbänden. Besonders bei letzteren macht das
08:05einen echten Unterschied, weil ihr die Verbände dadurch spezialisieren könnt. Bei Gondor etwa
08:10dürft ihr explizit Kampfbohne gegen Südvölker auswählen oder gezielt die Schlagkraft gegen Orks
08:15erhöhen. Daneben gibt es viele weitere kleine Änderungen, teilweise wurden einzelne Mechaniken von
08:21Attila gleich komplett rausgenommen, wie zum Beispiel Krankheiten. Andere wurden dagegen
08:25modifiziert. Die deutlich erhöhte Zahl an Bauplätzen pro Provinz etwa verändert die
08:30wirtschaftliche Dynamik spürbar. Dadurch könnt ihr euch zumindest in der ersten Spielhälfte einer
08:35rund 100 bis 200 Runden langen Kampagne auch in wenigen Provinzen einigeln und dennoch eine
08:41schlagkräftige Armee aufstellen. Solche Eigenheiten ergänzen sich dann teilweise mit den volksspezifischen
08:47Sondermechaniken. So können zum Beispiel die Zwerge besonders viel Geld durch Minen generieren
08:52und sind erstmal nicht auf ein großes Flächenreich angewiesen. Zudem können sie Wohlstand für
08:58kurzfristige Boni anhäufen, laufen dann aber Gefahr der Gier anheim zu fallen, wie das einst Thorin und
09:04seinem Großvater passiert ist. Gondor ist es dagegen erlaubt, in jeder seiner vielen Regionen ein
09:10begrenztes Kontingent an relativ billigen Spezialtruppen auszuheben. Das soll die Ausdehnung
09:15und den politischen Unterbau des Königreichs widerspiegeln. Isengard wiederum ist darauf
09:20ausgelegt, aus einer einzelnen besonders starken Provinz heraus explosionsartig zu expandieren und
09:25die Reiche der Menschen zuerst mit billigen Hilfstruppen der Dunländer und dann mit den
09:30Elite-Urukais zu überrennen. Gerade diese ganz unterschiedlichen Ausgangssituationen zusammen
09:35mit originellen Spezialmechaniken erwecken die Welt schon jetzt spürbar zum Leben und sorgen
09:41für Wiederspielwert. Die Entwickler sollten nur versuchen, diese Eigenheiten noch besser in die
09:46zweite Spielhälfte hinüber zu retten, wo aktuell aufgrund der Balance viele Kleinigkeiten an Bedeutung
09:52verlieren. Neben den bereits erwähnten KI-Problemen und fehlenden Umgebungsassets sind zudem ein paar
09:59Bugs aufgefallen. Zum Beispiel funktionieren Steuerungsgruppen manchmal nicht richtig, wodurch
10:04die betroffenen Truppen sich nicht mehr richtig Information ziehen lassen. Doch das sind natürlich
10:09alles verständliche Baustellen bei einer Mod, die ja noch lange nicht fertig ist. Und auch wenn
10:15die Fertigstellung noch eine Weile dauern dürfte, können wir The Dawnless Days allen der Herr-der-Ringe-Fans
10:20auch jetzt schon ans Herz legen, vor allem wenn ihr Attila sowieso schon besitzt. Und dann schauen wir mal,
10:26ob nicht doch irgendwann auch ein offizielles Total War in Mittelerde rauskommt. Damit vielen Dank
10:32fürs Zuschauen und bis zum nächsten Mal.
10:39Bis zum nächsten Mal.
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