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Die USA, Russland und China sichern sich Einfluss am Nordpol - mit militärischer Präsenz. Jetzt will Europa aufholen. Beim Gipfel in Finnland geht es um Sicherheit, Rohstoffe und Schifffahrtswege. Kommt die EU zu spät?

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Transkript
00:00Die Europäer nehmen den Kampf um Einfluss in der Arktis auf.
00:04Bei einem Gipfeltreffen in der nordfinnischen Stadt Rovaniemi am Polarkreis
00:08beraten Bundeskanzler Friedrich Merz und andere Spitzenvertreter mehrerer EU-Staaten darüber,
00:13wie sich Europas Interessen in der Region sichern lassen.
00:17Dabei geht es um neue Schifffahrtsrouten, die durch den Rückgang des arktischen Eises entstehen,
00:23um riesige Rohstoffvorkommen, Sicherheitsbedrohungen durch militärische Aktivitäten Russlands und Chinas,
00:29aber auch um das Verhältnis zu den USA.
00:33Und unsere EU-Korrespondentin Katharina Kroll ist von Brüssel aus mitgereist an den finnischen Polarkreis.
00:40Katharina, die EU will eine Arktis-Strategie festlegen.
00:44Warum wird die Arktis so wichtig plötzlich? Was hat sich möglicherweise auch verändert?
00:49Also verändert hat sich vor allen Dingen der Klimawandel.
00:54Der Klimawandel ist das, was hier alles neu bestimmt.
00:58Hier in der Arktis, wir sind jetzt hier direkt am nördlichen Polarkreis,
01:03ist es so, dass der Klimawandel viermal so schnell voranschreitet wie durchschnittlich an anderen Stellen der Welt.
01:11Und das bedeutet, dass vielleicht sogar schon 2040 oder 2050 die nördliche Seeroute offen sein wird.
01:20Und das bedeutet natürlich neue Handelswege.
01:22Und das bedeutet auch, dass viele Länder Interessen haben, diese viel kürzeren Schifffahrtswege in der Zukunft zu nutzen.
01:32Und natürlich auch mit dem schmelzenden Eis werden Rohstofflager zugänglich.
01:38Auch da beginnt ein Rennen darum, diese Rohstoffe sich zu sichern.
01:43Und die Arktis wird eben dadurch strategisch für viele immer wichtiger.
01:49Die Arktis, die hat ja keinen Eigentümer, so kann man es vielleicht mal sagen.
01:53Sie gehört also zu keinem Staat.
01:54Aber Russland, China und die USA bauen dort, wir haben es gerade gehört, ihre Interessen aus.
01:59Kommt denn die Konferenz der Europäer da nicht ein bisschen spät?
02:04Ja, also die Europäer hatten schon eine Arktis-Strategie von 2001.
02:11Und da lag der Schwerpunkt auf Klimawandel und Forschung.
02:16Die Arktis mit Russland, den USA und den europäischen Staaten hatte sich über ganz viele Jahre als eine Einheit auch
02:25empfunden.
02:26Und man hat sehr eng zusammengearbeitet, vor allen Dingen auch die Wissenschaftler.
02:30Und das ist mit einem Schlag vorbei gewesen, mit diesem großen Bruch, als die Russen die Ukraine überfallen hatten.
02:37Da war plötzlich Russland eine große Gefahr, auch hier in der Arktis.
02:41Und natürlich ein einschneidendes Momentum auch, dass die USA den Griff oder den Zugriff auf Grönland damit gedroht haben.
02:50Das bedeutet, sie haben gesagt, Grönland kann durch die Europäer, durch Dänemark nicht mehr ausreichend geschützt werden vor China und
03:00Russland, die sich immer mehr in der Arktis ausbreiten.
03:03Und das sind eben einfach strategische Veränderungen, auf die jetzt die Europäer reagieren wollen.
03:09Deswegen hat die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eine neue Arktis-Strategie angekündigt.
03:15Die soll im Oktober veröffentlicht werden.
03:18Und dieses Treffen hier in Rovaniemi, hier oben im hohen Norden Finnlands, dient der Vorbereitung dieser neuen Strategie.
03:28Katharina, wenn wir uns jetzt mal auf das Gebiet konzentrieren.
03:31Also die Arktis ist ja riesig. Wir haben es schon erwähnt, das Eis dort schrumpft.
03:35Also die Arktis wird zugänglicher.
03:37Wenn sie aber ja keinem Staat direkt gehört, wer entscheidet dann eigentlich dort zum Beispiel über Schifffahrtsrouten?
03:43Oder wem gehören zum Beispiel auch Rohstoffe, die möglicherweise auch auf dem Meeresboden liegen?
03:51Die internationalen Gewässer sind für alle frei zugänglich.
03:54Aber das Problem ist jetzt, dass Länder wie Kanada, die USA, Russland, einige dieser Gewässer der Arktis als ihre eigenen
04:01Gewässer ansehen.
04:02Und da fängt dann der Streit an.
04:05Und Rohstoffvorkommen sind hier oben im hohen Norden sehr intensiv.
04:10Hier zum Beispiel in Finnland, Lappland, Rovaniemi gehört zu Lappland, liegt eines der ganz großen Rohstoffvorkommen auch Europas, von Nickel,
04:21von Kupfer.
04:22Und hier kann natürlich auf finnischem Boden die Ausbeutung der Rohstoffe, die ja so wichtig sind für die grüne Transition
04:33der Energie,
04:34also den Ausbau der erneuerbaren Energien wie Solarpanelle, Batterien, Elektroautos, das kann hier von Finnland natürlich einfach gemacht werden.
04:45Aber wenn das Eis schmilzt, wird auch der Kampf darum, wem die Rohstoffe dann dort in der Arktis ganz oben,
04:53wo jetzt noch Eis ist, gehören,
04:54wird es darum auch neue Konflikte und Spannungen geben, ganz sicher.
04:59Und wenn man schon heute auf die Karte schaut, die Militärpräsenz in der Arktis ist ja enorm.
05:04Russland baut seine Präsenz da auch noch aus, aber auch die NATO ist da aktiv.
05:08Droht eigentlich im hohen Norden so was wie ein Wettrüsten, so einst wie im Kalten Krieg?
05:14Also es ist auf jeden Fall so, dass die NATO hier im hohen Norden immer mehr Präsenz zeigt.
05:22Die nordischen Länder wie Finnland, Norwegen, Schweden haben natürlich schon eine lange Erfahrung damit,
05:31auch Russlands Aktivitäten, Chinas Aktivitäten in der Arktis zu beobachten.
05:36Selbst im Zweiten Weltkrieg spielte diese Region ja eine sehr, sehr wichtige Rolle.
05:40Jetzt sind Finnland und Schweden nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine der NATO beigetreten.
05:46Und so hat die NATO hier eine ganz neue Präsenz und auch Operationsmöglichkeit.
05:52Die Staats- und Regierungschefs, die heute hier in Rovaniemi sind, haben sich einen finnischen Luftstützpunkt angeschaut.
05:59Und da wird ganz klar, dieser Luftstützpunkt beobachtet, vor allen Dingen die 1340 Kilometer lange Grenze zwischen Finnland und Russland.
06:11Die Finnen sind ja auch vor allen Dingen seit dem Zweiten Weltkrieg immer schon gewohnt, seit dem Kalten Krieg,
06:19dass sie diese lange Grenze mit Russland teilen und die wollen sie verteidigen.
06:24Also die Finnen sind da schon sehr geübt, zum Beispiel sich auch auf mögliche Bedrohungsszenarien vorzubereiten.
06:31Es gibt hier überall in jedem Unternehmen, in dem wir waren, gibt es unterirdische Bunker.
06:36Es gibt Bunker, in denen Sportstätten sind, die also anders genutzt werden in Friedenszeiten.
06:45Aber dieses Land ist sehr vorbereitet auf mögliche Bedrohungen.
06:51Und davon kann natürlich die NATO und können die anderen europäischen Staaten sehr lernen.
06:56Und die NATO verlegt sehr viel Militärpräsenz hier in den hohen Norden, auch als Signal gegenüber Donald Trump.
07:08Du hast das erwähnt, Birgit, dass Donald Trump seinen Griff auf Grönland hat und damit droht, Grönland zu übernehmen.
07:16Und das ist auch eben ein klares Signal an Trump.
07:20Ja, wir haben hier die Sicherheitslage im hohen Norden, in der Arktis, im Griff.
07:26Kathrin, lass uns doch mal auf die Meere, die Seewege schauen.
07:29Die sind ja für Europa extrem wichtig, für Wirtschaft auch.
07:32Unterseekabel laufen ja von den USA zum europäischen Festland.
07:36Nach Angaben aus NATO-Kreisen gilt es mittlerweile als sicher, dass die russische U-Boote nahe Spitzbergen
07:42eine neuartige Technologie zur weitgehend spurenlosen Sabotage von Unterseekabeln erprobt haben.
07:48Wenn so ein Kabel ausfällt, da sind ja nicht nur Internet und Kommunikation betroffen, sondern auch sicherheitsrelevante Daten.
07:55Ist das eigentlich bei dieser Konferenz auch ein Thema?
07:58Also wie schützt Europa oder auch künftig diese Infrastruktur?
08:04Also die Infrastruktur ist hochgradig sensibel.
08:08Und das haben wir ja gerade gesehen in der Baltischen See, in der Ostsee.
08:13Dort hat es Russland mit seiner Schattenflotte ja geschafft, Unterseekabel zu beschädigen,
08:21sodass eine Verbindung der nordischen Länder mit Festland Europa gestört war.
08:26Und dort haben die Anrainerstaaten ihre Präsenz auf dem Wasser extrem erhöht.
08:34Und im Moment haben sie die Gefahr, so scheint es, im Griff.
08:37Und ich glaube, das ist auch die Herangehensweise in anderen Regionen.
08:43Man will die Präsenz erhöhen und man will die kritische Infrastruktur schützen.
08:48Und hier auf dem Gipfel haben wir gehört, dass die hybride Bedrohung der Russen,
08:53die ja überall in Europa ist, eben auch Finnland und die nordischen Staaten betrifft.
08:58Du hast es angesprochen. Wir müssen auch noch mal auf die USA schauen.
09:02Werden möglicherweise die Europäer mit dem Präsidenten Trump an der Spitze der USA
09:07auch von dem einzigen Verbündeten dann ausgebotet, wenn es um die Arktis geht?
09:15Also im Moment scheint ja die Lage nicht weiter eskaliert zu sein.
09:22Die europäischen Mitglieder der NATO haben ja ganz klar Dänemark jede Unterstützung zugesagt.
09:31Dänemark, die Grönland gehört zum Königreich Dänemark.
09:35Und die dänische Ministerpräsidentin, die im Übrigen auch hier in Finnland ist,
09:41hat sich ja klar gegen jede Übernahmeversuche der USA gewährt.
09:47Donald Trump hat vor kurzem noch wieder auf seinem eigenen True Social Kanal eine Karte gepostet.
09:56Da war Grönland, Kanada und die USA in den amerikanischen Flaggen eingefärbt.
10:03Das heißt, er hat das Thema nicht losgelassen.
10:05Aber dieser Gipfel hier ist natürlich auch ein Zeichen Richtung USA.
10:11Hier, wir sind präsent, wir haben die Arktik im Griff und wir wollen hier unsere eigenen Interessen wahren.
10:18Und natürlich ist es eine riesengroße Gefahr für die NATO, wenn die USA als NATO-Staat drohen,
10:25einen anderen NATO-Staat wie hier jetzt die Insel Grönland, die zu Dänemark gehört, zu übernehmen.
10:31Diese Gefahr ist nicht vorbei und auch darüber haben wir gehört,
10:35sprechen die Staats- und Regierungschefs hier hinter verschlossenen Türen, natürlich.
10:40Und von Wissenschaftlern habe ich hier gehört, dass vor allen Dingen dadurch,
10:45dass Donald Trump den Klimawandel leugnet und natürlich der Klimawandel dazu führt,
10:51dass das Eis hier schmilzt, dass auch das auf dem Gebiet der Forschung ein großes Problem ist.
10:56Und die Forscher sprechen davon, dass die Arktis in drei Teile geteilt ist.
11:01Einmal Europa und die westlichen Staaten wie Kanada, Grönland, Island, dann USA
11:06und dann als dritter Part als Arktis an Rhein-Russland.
11:13Und dann kommt China noch dazu.
11:15Denn China investiert in Forschung und Infrastruktur und arbeitet eng noch dazu mit Russland zusammen.
11:20Gleichzeitig nimmt der chinesische Schiffsverkehr auf der Arktis-Route zu.
11:242026 sollen es, glaube ich, sieben chinesischen Handelsschiffe sein.
11:28Die USA, die beäugen das natürlich misstrauisch.
11:31Macht auch der EU China, Arktis, diese Expansionen von China in der Arktis sorgen?
11:40Ja, man hat auf jeden Fall den Blick darauf.
11:43China ist kein Arktis-Staat.
11:45Deswegen ist es nicht in dieser engen Gruppe.
11:49Aber natürlich, China hat Eisbrecher, mit denen es auch diese Routen mit nutzen will.
11:58Und natürlich hier auch seine Präsenz und seinen Einfluss versucht auszuweiten.
12:03Die Europäer beobachten das sehr genau und haben China hier oben im Blick.
12:11Vielleicht ist es noch gar nicht möglich, aber kann man schon etwas Konkretes erwähnen?
12:16Also wie will Europa nun in der Arktis agieren?
12:19Gibt es da eigene Eisbrecher, stärkere Marinepräsenz?
12:22Was hörst du, was ist möglicherweise angedacht?
12:26Also angedacht ist auf jeden Fall, die Eisbrecherflotte zu verstärken.
12:33Man muss wissen, Finnland ist das Land, das 60 Prozent der Eisbrecher hier herstellt.
12:40Weltweit ist also einer der großen Experten.
12:43Und auch, so wie wir hören, werden hier die besten Eisbrecher überhaupt hergestellt.
12:49Und die finnische Regierung hofft natürlich, dass mit dieser neuen Arktis-Strategie,
12:54die im Oktober dann veröffentlicht wird,
12:57auch das Ziel ist, weitere Eisbrecher anzuschaffen, die Flotte zu erhöhen,
13:03damit man handlungs- und manövrierfähig ist in der Arktis.
13:07Und ansonsten, das hat auch Bundeskanzler Merz gesagt,
13:10und deswegen ist er auch hier angereist,
13:13er sagt, die Arktis ist strategisch so wichtig,
13:16dass wir hier wirklich unseren neuen Fokus drauflegen müssen.
13:22Und das, was hier militärisch passiert, engstens beobachten und monitoren
13:27und eben in jeder Beziehung verteidigungsfähig sein sollen.
13:33Katharina, aus deiner Sicht ist es also ein Treffen,
13:36wo am Ende nicht nur eine Abschlusserklärung oder ein Signal ausgehen soll.
13:41Also was kann dieses Treffen in Finnland jetzt so bewirken?
13:45Also ich glaube, es ist auf jeden Fall erstmal ein symbolischer Akt
13:50gegenüber Trump, gegenüber Russland, aber auch in die EU hinein.
13:55Hier wird jetzt auch mit Experten beraten,
13:58was alles in dieser neuen EU-Strategie vorkommen muss.
14:03Es sind sozusagen die Leitplanken,
14:05die die Staats- und Regierungschefs hier der EU-Kommission mit auf den Weg geben.
14:11Es ist ja ein Treffen, an dem, du hast es eben gerade schon erwähnt,
14:14auch Kanzler Merz teilnimmt.
14:15Der ist derzeit sehr, sehr angeschlagen.
14:18Also es gibt Rücktrittsforderungen,
14:20aber es rumort auch in den eigenen Reihen.
14:23Welchen Eindruck macht er eigentlich in Finnland auf dich?
14:28Also gestern ist Friedrich Merz hier angekommen zum Abendessen.
14:32Er hat sich auch bilateral getroffen mit der finnischen Regierung hier.
14:39Ich habe ihn kurz gesehen, als er bei den Ankommern zur Arbeitssitzung
14:43ein Statement abgegeben hat.
14:46Anders als andere Staats- und Regierungschefs hat er keine Fragen zugelassen.
14:50Er hat nochmal die strategische Bedeutung der Arktis für Europa
14:53und auch besonders für Deutschland betont.
14:56Er hat nochmal betont, dass er die finnische Regierung stark unterstützen möchte.
15:02Er hat keine Fragen zugelassen.
15:04Was aber interessant war, die Journalisten haben den litauischen Präsidenten gefragt,
15:10wie er auf die Regierung Merz und das Erstarken der AfD
15:15und den Wahlsieg in Sachsen-Anhalt schaut.
15:18Da hat er gesagt, es sei sehr wichtig,
15:22die extremen rechten Parteien in Europa zurückzudrängen.
15:26Friedrich Merz habe außenpolitisch sehr viel Unterstützung gegeben
15:30für die Ukraine und im Kampf gegen Russland.
15:35Aber um die Rechtspopulisten zurückzudrängen,
15:38sei es eben wichtig, dass man auch auf die Bedürfnisse der Menschen im Inneren hört.
15:46Wenn Wohlstand, Arbeitslosigkeit nicht im Griff ist,
15:50so sagte er sinngemäß, dann würde man als Regierung abgestraft.
15:54Und das sei eben Demokratie.
15:58Vielen Dank für diese Einblicke und deine Expertise.
16:01Das war Katharina Kroll, unsere EU-Korrespondentin derzeit in Finnland.
16:05Dankeschön für das Interview.
16:09Gerne.
16:10Vielen Dank.
16:12Vielen Dank.
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