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uropa muss sich selbst verteidigen können. Das fordern nicht mehr nur die USA, sondern mittlerweile auch die führenden EU-Länder selbst. Aber wie?

Wie kann Europa die globalen Bedrohungen wie Hyperschallraketen oder Drohnenschwärme selbst abwenden und militärisch so stark werden, dass weder Putin noch Trump Invasionspläne schmieden? Das besprechen wir mit Nikolaus Lang. Er leitet den Thinktank Henderson Institute, das für einen aktuellen Report mehrere Millionen Studien und Patente ausgewertet hat, die zeigen, dass Europa bei mehreren Schlüsseltechnologien die Nase vorn hat.

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Transkript
00:00Europa muss sich selbst verteidigen können. Das fordern nicht mehr nur die USA, sondern mittlerweile auch die führenden EU-Länder
00:08selbst.
00:08Die Frage ist nur, wie?
00:10Wie kann Europa die globalen Bedrohungen wie Hyperschallraketen oder Drohnenschwärme künftig selbst abwenden und militärisch so stark werden, dass weder
00:21Putin noch Trump Invasionspläne schmieden?
00:24Ich bin Scholt Wilhelm, das ist Thema des Tages, der Nachrichten-Podcast der Standard.
00:33Herzlich Willkommen, Nikolaus Lang, in unserem Podcast.
00:37Schön, dass ich bei Ihnen sein darf.
00:38Herr Lang, Sie leiten das Henderson Institute von Boston Consulting Group.
00:44Das ist ein Think Tank, der sich mit geopolitischen und makroökonomischen und technologischen Fragen für die Zukunft auseinandersetzt.
00:51Und Sie haben sich in einer Studie angesehen, wie sich die Verteidigungstechnologien bis 2040 verändern werden.
00:59Da stellen sich ganz viele spannende Fragen.
01:02Aber bevor wir darauf eingehen, möchte ich von Ihnen wissen, Sie waren gerade eben auf der Münchner Sicherheitskonferenz.
01:08Das ist ein Gipfeltreffen der Verteidigungsminister, aber auch der Staatsoberhäupter und Technologieriesen.
01:14Wie war denn Ihr Eindruck?
01:16Wie ist die Stimmungslage 2026?
01:19Also die Munich Security Conference oder MSC abgekürzt 2026 war sehr spannend und unter anderem auch deutlich anders als die
01:2925er-Ausgabe, wo ich auch war.
01:32Die 25er-Ausgabe war ja schon sehr stark geprägt von der etwas pointierten, um nicht zu sagen provokanten Rede von
01:39dem Vizepräsidenten J.D. Vance,
01:41wo ja damals sogar der deutsche Verteidigungsminister Pistorius geantwortet hat, so eine Frechheit vor laufenden Kameras und im Raum.
01:48Das war diesmal deutlich anders. Also ich glaube, die MSC 26 zeichnet sich durch drei Veränderungen aus.
01:56Erstens die amerikanische Position. Das ist nicht nur, was Außenminister Rubio gesagt hat, sondern ich habe auch mit zwei Dutzend
02:07amerikanischen Delegationsvertretern gesprochen,
02:09CEOs, Kongressvertretern und so weiter und so fort, wo schon klar kommuniziert wird, dass man an einer engen Kooperation mit
02:19Europa interessiert ist.
02:21Sicherlich zu bestimmten amerikanischen Konditionen, aber es ist also nicht sozusagen ein Abmelden der Nordatlantikbrücke, so wie das letztes Jahr
02:30war.
02:31Also das ist Punkt eins. Punkt zwei, und das fand ich in den Reden unter anderem vom Bundeskanzler Merz, aber
02:37auch Präsident Macron relativ klar,
02:38haben die Europäer verstanden, dass sie eine eigene geopolitische Macht werden müssen.
02:44Das hat auch Macron in seinem Abschlussstatement gesagt. Also ich glaube, das ist auch eine Sache.
02:49Und die dritte Thematik, die ich interessant fand, ist, dass, und das hatten Sie gerade gesagt, dass eben viele Verteidigungsunternehmen,
02:55unter anderem eben vor allem auch die Europäer, verstanden haben, dass sie ganz einfach viel schneller liefern müssen.
03:03Und was letztes Jahr noch vollkommen unrealistisch wirkte, zeigte sich also schon, dass da eine gute Dynamik da ist.
03:11Das sind so meine Eindrücke. Insgesamt, finde ich, war die MSC 26 deutlich positiver als die 25er.
03:17Das ist schon mal ein gutes Signal, denn ich würde sagen, spätestens seit dem Ukraine-Krieg und auch dem Machtwechsel
03:25im Weißen Haus Richtung Donald Trump
03:27war vielen europäischen Ländern klar, es kann nicht so weitergehen.
03:32Wir müssen uns auf sichere Beine stellen, auf stärkere Beine stellen.
03:36Bevor wir auf die Verteidigungsbudgets der europäischen Länder zu sprechen kommen, würde ich aber gerne nochmal einen Schritt zurück machen,
03:43und zwar auf die globalen Ausgabenblicken für Militär und Verteidigung.
03:48Die wachsen ja in den letzten Jahren rapide an, aufgrund der verschiedenen Krisen auf dieser Welt.
03:54Könnten Sie uns mal einen Überblick geben, wie groß ist dieser Sektor eigentlich, über den wir heute sprechen
04:00und wer dominiert diesen Sektor, welche Länder, welche Hersteller?
04:04Ja, also wenn wir uns die gesamten Verteidigungsausgaben in der Welt anschauen,
04:10dann liegen wir bei circa 2,7 Billionen Dollar, also 2.700 Milliarden Dollar.
04:17Da ist der größte Löwenanteil bei den USA mit 935 Milliarden, dann hat China 313 Milliarden.
04:27Das ist sozusagen jetzt aus den Ländern.
04:30Die Europäer zusammen haben 450 Milliarden, was also auch interessant ist und nachdem wir ja doch hier auch in Österreich
04:37sind,
04:39statistisch auch interessant ist, Österreich hat 5 Milliarden, also Militärausgaben.
04:45Also das heißt noch einmal 2.700 Milliarden weltweit, 935 in den USA, das wird wahrscheinlich über eine Billion dieses
04:55Jahr gehen.
04:56Die Chinesen 300, Europa 450, so in der Größenordnung teilt sich das auf.
05:02Das hat eine riesige Dynamik gehabt, das muss man auch dazu sagen.
05:06Ich weiß nicht, viele haben das vielleicht auch verfolgt, dass Donald Trump zum ersten Mal Präsident wurde, hat er gesagt.
05:12Also ich will, dass alle Länder, alle NATO-Länder, 2% ihres BNPs, Brutto-Nationalproduktes, ins Militär investieren.
05:22Das ist ganz interessant, von den 32 NATO-Ländern waren das damals nur 5 und dieses Jahr sind es alle.
05:30Also wenn Sie Leute jetzt im Weißen Haus sprechen, sagen die, na schaut euch doch mal an, also ich meine,
05:36der Donald Trump hat schon mal was bewirkt,
05:38weil vor acht Jahren hat ein Sechstel der NATO mindestens 2% ausgegeben, jetzt geben alle 2% aus und
05:47die Ziele haben sich ja verändert.
05:48Man ist ja jetzt von 2% in Richtung 5 gegangen, also 3,5 Militär, 1,5 Infrastruktur.
05:53Also ich glaube, das wird ein ganz großer Teil auch der Wirtschaftsentwicklung in Zukunft werden, sprechen wir auch glaube ich
06:00nachher nochmal drüber.
06:02Das ist also sozusagen die Ausgabenseite.
06:04Wer sind die großen Akteure?
06:06Da gibt es also in Amerika fünf große Rüstungsunternehmen, Giganten sozusagen.
06:12Das ist Lockheed Martin, das ist Boeing, das ist Raytheon, General Dynamics und Northrop Grumman.
06:19Diese fünf haben sich da auch zusammengetan in den 90er Jahren und sind eben entstanden aus einer Vielzahl kleinerer Unternehmen.
06:26Aber wir haben natürlich auch in Europa interessante Player, Airbus, Defense and Space, BI, Rheinmetall, Leonardo und viele andere, die
06:37natürlich da eine Rolle spielen.
06:39Aber wir müssen uns schon dessen bewusst sein, dass halt unter den Top 100 Unternehmen die große Mehrheit, nämlich fast
06:4540 aus den USA kommen und dann haben wir ein paar russische Unternehmen, ein paar chinesische Unternehmen.
06:52Aber die Verteidigungsindustrie ist heute schon noch nach wie vor sehr USA dominiert.
06:58Die USA galten ja über Jahrzehnte als Schutzmacht Europas, so zumindest haben wir sie so gesehen.
07:04Wie abhängig ist denn Europa heute noch von den USA und auch vielleicht von anderen Ländern, die die Technologie bereitstellen?
07:11Sie haben ja auch gesagt, viele Rüstungskonzerne kommen auch aus Russland oder eben aus China.
07:18Ja, also ich meine, die Realität heute schon ist, ich habe das jetzt gerade auch wieder an der MSC gesehen,
07:25dass ich meine, der nach wie vor die große Mehrheit des Geldes, das wir als Europäer ausgeben,
07:33ob das jetzt für uns ist oder für die Ukraine ist, nach wie vor in die USA fließt, weil ganz
07:39einfach in Europa die Produktionskapazität fehlt.
07:42Und ich glaube, eine der Kernherausforderungen der Zukunft ist, dass diese Produktionskapazität eben aufgebaut werden muss.
07:49Aber die Realität ist schon so, dass wir Europäer uns seit dem Zweiten Weltkrieg eigentlich auf das Schutzschild der USA
08:01verlassen haben.
08:03Und bei jeder großen Krise, ob das sozusagen jetzt die Berliner Mauer war oder die Steigerung sozusagen der Atomsprengköpfe,
08:17weit über 60.000 in den 90er Jahren waren immer die USA, die die Europäer eigentlich geschützt haben.
08:25Und insofern sind wir, haben wir jetzt verstanden, dass wir selbstständiger werden müssen.
08:30Aber natürlich sind wir heute noch nicht in der Lage, vollkommen eigenständig uns da zu verteidigen.
08:37Und ein Beispiel, das wir auch in der Studie bringen, ist eben die European Sky Shield Initiative.
08:45Also die ist abgekürzt ESSI.
08:47Und das ist eine Initiative, wo wir versuchen, ein Verteidigungssystem aufzubauen.
08:53Und das funktioniert aber auch nur, indem wir also die deutschen Iris-T-Raketen
08:59mit den amerikanischen Patriot-Systemen und den israelischen Arrow-3-Systemen kombinieren.
09:05Ich würde sagen, besser als gar nichts, aber natürlich sicherlich keine strategische Autonomie in der jetzigen Situation.
09:13Und insofern, ja, ich glaube, wir müssen, wir, also viele Akteure sagen, das ist eine,
09:19wir brauchen jetzt mindestens fünf bis zehn Jahre, um eine Industrie,
09:24die über Dekaden eigentlich ausgehungert worden ist, jetzt wieder aufzubauen.
09:29Und insofern reicht es auch nicht, dass man in Deutschland 100 Milliarden Sondervermögen abruft,
09:34sondern die müssen halt auch verarbeitet werden.
09:37Kommen wir gleich auf diesen Report zu sprechen, den Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen erstellt haben.
09:43Da haben Sie Millionen von Studien über Verteidigungstechnologie, wissenschaftliche Arbeiten etc. analysiert
09:50und dabei festgestellt, dass Europa eigentlich bei vielen Schlüsseltechnologien ziemlich gut aufgestellt ist
09:56oder zumindest das Potenzial hätte, künftig eine militärische Schlüsselrolle einzunehmen.
10:02Vielleicht mal ganz allgemein, wie kommen Sie zu diesem Ergebnis?
10:06Was macht Sie in dem Fall so optimistisch?
10:09Ja, also ganz ehrlich gesagt, wir waren dann auch etwas überrascht von den Ergebnissen.
10:14Also ich habe ja diesen Report zusammengeschrieben mit dem General Philippe Lavinia.
10:18Philippe Lavinia war NATO Supreme Allied Commander in Washington DC, also einer der obersten NATO-Befehlshaber.
10:27Und als wir eben uns da mal vor einem Jahr zusammengesetzt haben und gesagt haben,
10:31lass uns jetzt mal genau schauen, was sind eigentlich die Technologiefelder der Zukunft?
10:35Wie stehen wir eigentlich da? Hatten wir also gesagt, okay, wir wollen jetzt mal über das Anekdotenhafte weggehen.
10:42Und das ist ja auch Teil unserer Thinktanks, dass wir versuchen, Geopolitik quantitativ anzugehen
10:48und nicht nur eben Anekdotenhaft.
10:51Und was wir da ganz konkret gemacht haben, ist, wir haben 250 Millionen Studien durchforstet.
10:57Wir haben 90 Millionen Patentfamilien durchforstet, um also mal sozusagen Spreu vom Weizen zu trennen
11:07und auch zu sagen, okay, wo ist eigentlich jetzt Europa stark, wo sind die USA stark und so weiter und
11:14so fort.
11:14Und was da rauskommt, ist, dass also die NATO hat neun, das nennen sie Emerging Defense Technologies, also neun Felder.
11:23Und von den neun Feldern ist Europa in sechs Feldern.
11:26Wenn es um Studien geht, um Publikationen geht, um die meist zitierten Publikationen geht, ist Europa führend.
11:34So, das ist ja auch mal ein Statement, das man nicht so schnell irgendwo in Headlines hört.
11:41Und das ist sicherlich auch für uns, also sowohl für den General Lawin, als auch für mich überraschend gewesen.
11:49Wir sind natürlich da nochmal tiefer eingestiegen und haben gesagt, wie kann das sein?
11:53Und was Sie natürlich sehen, und das sehen Sie auch in diesem Report, sehr interessant ist,
11:57dass die Europäer weit vor den USA sind, wenn es um die meist zitierten Publikationen geht.
12:02und die USA dafür wieder weiter weg sind, wenn es um die besten Patente geht.
12:07Das heißt, wir haben in Europa eine Lücke zwischen Exploration, also Forschung und Exploitation,
12:14das heißt Umsetzung oder Nutzung.
12:17Und ich glaube, das ist eine der Herausforderungen, die wir da sehen.
12:20Aber um jetzt mal ganz konkret zu werden, also wir haben ganz klar viel mehr Publikationen
12:27und auch bessere Publikationen, wenn es um das Thema Quantentechnologie geht.
12:31Wenn es um das Thema Raumfahrt geht, wenn es um das Thema KI geht,
12:36wenn es um das Thema Biotech und Bioagents geht und auch um das Thema sichere Kommunikation.
12:44Also insofern, das sind alles Bereiche, wo wir in den Universitäten, Hochschulen,
12:50Instituten in Europa eigentlich die Grundlage haben,
12:55was in dem Bereich Defense und Security auch Führer zu sein.
12:59Es muss halt nur umgesetzt werden.
13:00Wie erklären Sie sich diesen Gap zwischen Erforschung und dem Research-Teil?
13:07Das heißt, wir finden ganz tolle neue Technologien,
13:10aber wir können sie nicht in die Tat umsetzen oder nicht zu Produkten machen.
13:13Wie erklären Sie sich diese große Differenz, die in Europa anscheinend gegeben ist?
13:18Ja, ich glaube, das hat im Wesentlichen drei Gründe.
13:22Also ich glaube, erstens ist Europa nach wie vor, wenn es um Verteidigung geht,
13:29furchtbar fragmentiert.
13:30Also jemand hat mir mal gesagt, wir kaufen rund um unseren Kirchturm.
13:35Ja, also das heißt, es ist sozusagen primär ein nationales Forschungs- und Beschaffungsthema.
13:42Ich gebe Ihnen da ein paar konkrete Beispiele.
13:4480 Prozent der europäischen Beschaffung im Verteidigungsbereich,
13:4890 Prozent der F&E erfolgt national.
13:52Und das führt natürlich dazu, und das ist, glaube ich, ganz klar,
13:55dass wenn wir jetzt also zwischen Schweden im Norden und Italien im Süden
14:00auf nationaler Ebene forschen und einkaufen, dann haben wir Doppelentwicklungen,
14:05dann haben wir kleine Stückzahlen und dementsprechend hohe Kosten.
14:10Und wenn Sie die USA und Europa vergleichen und die großen Waffensysteme nehmen,
14:15hat Europa viermal mehr Waffensysteme als die USA.
14:18Das heißt, die Fragmentierung ist der erste Grund, warum es nicht funktioniert.
14:24Der zweite Grund ist der Nachfragedruck.
14:26Das ist auch das Thema.
14:28Ich meine, die europäische Verteidigungsindustrie hat in den letzten Jahren
14:32von europäischen Armeen sehr geringe Nachfrage gehabt.
14:37Auch kein Commitment gehabt im Sinne von, wie viel Munitionen,
14:42wie viele Systeme wollen wir denn eigentlich von ihnen abnehmen.
14:45Ja gut, und wenn ich da jetzt der Manager eines europäischen Verteidigungsunternehmens bin
14:48und sage, ich weiß nicht, wie viel ich da produzieren soll,
14:51dann kann ich das natürlich nicht machen.
14:53Und da hatten natürlich die USA auch dadurch,
14:56dass USA regelmäßig in Konflikten involviert waren.
15:00Korea-Krieg, Vietnam-Krieg, Wettlauf mit der Sowjetunion,
15:04Afghanistan, Irak und so weiter und so fort,
15:07war natürlich da ein konstanter Nachfragedruck da, den die Europäer nicht hatten.
15:11Und das Dritte, und da habe ich interessanterweise auch an der MSC
15:15mit ganz vielen Venture-Capital-Unternehmen gesprochen,
15:19Private-Equity-Unternehmen gesprochen, Banken gesprochen,
15:22ist das Thema Defense Finance gewesen.
15:25Wir haben den Verteidigungsbereich nicht finanziert.
15:30Ich meine, wenn Sie sich heute Wehrtechnik-Startups anschauen in den USA
15:34und in Europa über die letzten zehn Jahre wurde in den USA 70 Milliarden investiert,
15:42in Europa 7 Milliarden investiert, also ein Zehntel.
15:48Und dementsprechend habe ich natürlich eine Situation,
15:51dass wenn ich ein Zehntel des Kapitals zur Verfügung habe,
15:54dann komme ich halt nicht dazu.
15:55Also die drei Gründe, warum wir ein tatsächliches Umsetzungsproblem haben,
15:59ist nationale Fragmentierung, schwacher Nachfragedruck und fehlendes Geld.
16:05Man sieht ja auch, dass wenn es zu großen Konflikten kommt,
16:09dass oft dann nicht auf europäische Lösungen gegriffen wird
16:13oder zurückgegriffen wird, sondern auf amerikanische.
16:15Sie haben das, glaube ich, ganz gut gesagt.
16:17Wir haben mehr Waffensysteme vom gleichen Typ
16:21oder vom ähnlichen Typ zur Verfügung.
16:23Das bedeutet aber auch, dass wahrscheinlich die Nachschublinie
16:26gar nicht so einfach sicherzustellen ist,
16:28wenn man dann so viele verschiedene Systeme warten muss, beliefern muss.
16:32Ich kann mir vorstellen, das ist auch ein Problem,
16:34wenn es tatsächlich nicht nur um jetzt die Beschaffung geht,
16:36sondern auch um die tatsächlichen Konflikte geht.
16:39Ja, absolut.
16:40Ich meine, ganz operativ gesagt,
16:41wenn Sie also in einem hypothetischen Konflikt in Osteuropa sind,
16:46ist halt die Frage, haben Sie eine Panzergeneration
16:49oder haben Sie sieben Panzergenerationen?
16:51Und haben Sie Mechaniker, die sieben Panzer reparieren können
16:55und Ersatzteile haben für sieben Panzer oder nur für eine?
16:58Ich glaube, das ist eine der großen Herausforderungen.
17:01Absolut, ja.
17:02Und das ist auch ein Thema, das wir teilweise jetzt auch sehen,
17:05wenn man operativ darüber diskutiert,
17:07wie kann man wehrfähig werden in Europa?
17:10Das ist eben das, was man auch die Interoperabilität nennt,
17:15also die Fähigkeit unterschiedlicher Systeme miteinander zusammenzuarbeiten.
17:18Das ist eine der großen Herausforderungen, die wir haben.
17:21Absolut, ja.
17:23Kommen wir gleich auf diese Trendkehrt zu sprechen,
17:27die wir machen müssen als Europa.
17:29Davor würde ich gerne nochmal darauf eingehen.
17:31Sie haben gemeint, wir sind in sehr vielen Bereichen sehr weit vorne,
17:35was die Forschung betrifft.
17:36Was sind denn so typische Anwendungsfelder, wo Europa ganz stark ist,
17:41wo man auch sagen könnte, da könnten wir in Zukunft ganz vorne mitspielen?
17:46Ja, das Erste mag zwar komisch klingeln,
17:49weil wir glauben, dass KI vor allem in China und den USA ist,
17:52aber wir glauben, dass wir also gerade im KI-Bereich in Europa,
17:57im Defense-Bereich sehr weit vorne sind.
18:01Wenn Sie sich das Münchner Startup Helsing anschauen,
18:04das wertvollste europäische Defense-Startup mit 12 Milliarden Marktbewertung,
18:10dann sehen wir ganz klar, dass Helsing also gerade hier auch eine große Rolle spielt,
18:15wenn es um Drohnen geht, um KI-geführte Mission-Software geht.
18:21Und ich war an der MSC bei einem öffentlichen Frühstück,
18:25deshalb kann ich auch darüber sprechen,
18:27wo es ja auch der EU-Verteidigungskommissar Kobilius war
18:30und eben auch ein Vertreter von Helsing war.
18:32Und ich glaube, was so KI-Software in Drohnen eben eine Rolle spielt,
18:37ist enorm, weil ganz einfach die Software in Drohnen
18:40sich alle paar Monate weiterentwickelt
18:42und dementsprechend ist also KI in der Drohnen-basierten Kriegsführung
18:50eine ganz große Differenzierung
18:52und da spielt also Europa durchaus vorne mit.
18:55Das ist ein Punkt.
18:56Zweiter Punkt, Quantentechnologie, Quantencomputing.
18:59Auch hier spielt es eine große Rolle,
19:01Quantencomputing spielt eine Rolle,
19:03wenn es um Quantensensorie geht,
19:04also um genaue Messungen geht,
19:06aber auch um Quantenkommunikation,
19:08das heißt abhörsichere Verbindungen im Kriegsfall sicherzustellen.
19:13Und da gibt es also auch jede Menge europäische Unternehmen,
19:17die da eine Rolle spielen.
19:18Ich zitiere jetzt ein österreichisches Unternehmen,
19:20da möchte ich sagen, die sind nicht im Defense-Bereich tätig,
19:22aber AQT in Innsbruck ist in diesem Bereich aktiv.
19:27Aktiv zivil, aber wie gesagt,
19:29wir sehen also da durchaus auch Unternehmen,
19:31die da aktiv sein können.
19:34Kommunikation und Verschlüsselung,
19:35ich meine, da haben wir auch eine große Fähigkeit,
19:39ob das jetzt 6G ist oder vernetzte Gefechtsführungsnetze sind.
19:44Ich glaube, da hat zum Beispiel auch Europa mit ESOR
19:47einen gemeinsamen Standard für Kommunikation nach vorne gebracht
19:50und da ist zum Beispiel das französische Start-up Pascual seit 2019
19:55sehr stark aktiv, aber auch frequent ist aus Wien und ähnliche anderen.
20:00Also da spielt das sicherlich auch eine Rolle.
20:02In der Drohnentechnologie, da sehen wir halt ganz klar,
20:06ich meine, das ist ein Riesenbereich
20:10und da spielt eben auch die Möglichkeit,
20:14ganz einfach eine große Rolle,
20:16diese Drohnen, also nicht nur im Volumen zu entwickeln,
20:19sondern eben auch in deren Fähigkeit zu entwickeln.
20:21Also ich gebe Ihnen ein Beispiel,
20:23das fand ich auch interessant.
20:25Am Anfang des Ukraine-Kriegs
20:27hatte Europa und hatte eine durchschnittliche europäische Armee
20:31und auch die russische Armee 2000 Drohnen.
20:342002, 0, 0, 0.
20:37Im Jahr 2024 hat die Ukraine und Russland
20:42an der Front jeweils 4 Millionen Drohnen eingesetzt.
20:454 Millionen.
20:472025 laut dem EU-Kommissar Kobilius
20:50waren es 7 Millionen auf jeder Seite.
20:54Das heißt, Sie sehen nur,
20:55wie die Quantität sich da ganz einfach auch entwickelt hat.
20:58Nächster Bereich, das ist das Thema Sensoren und Radar.
21:01Ich meine, da spielt natürlich auch das ganze Thema
21:05Laserwaffen und Störsysteme eine Rolle.
21:08Und dann natürlich auch das ganze Thema
21:10Raumfahrt und Satellitentechnik.
21:12Ich meine, da spielt die ESA auch eine große Rolle.
21:15Also insofern, es gibt meines Erachtens diese Felder,
21:18wo Europa durchaus aktiv und attraktiv sein kann.
21:23Was müsste jetzt also passieren,
21:24um von dieser reinen Theorie in die Praxis zu kommen
21:28und Europa dahin zu bringen,
21:30dass man diese Technologien auch zu Produkten machen kann?
21:34Die drei Themen, die wir haben,
21:38Fragmentierung, fehlender Nachfragedruck und geringe Finanzierung,
21:42sind, glaube ich, Themen, die wir ganz einfach adressieren müssen.
21:46Also was können wir machen, um, glaube ich,
21:49die Fragmentierung da zu adressieren?
21:51Ich glaube, da gibt es ja verschiedenste Programme,
21:54die heißen dann EDIS und REARM EUROPE und so weiter und so fort.
21:59Ich glaube, da geht es ganz einfach schon darum,
22:01dass von der NATO und auch von der europäischen Führung
22:06eine klare Bündelung der Beschaffungsströme stattfinden muss.
22:11Ich glaube, das ist total klar.
22:13Und diese Nachfrage muss gebündelt werden.
22:14Ich meine, die EU hat sich jetzt zum Ziel gesetzt,
22:17dass sie 2030 40 Prozent der Rüstungsgüter gemeinsam beschaffen will.
22:22Wie gesagt, also 2021 waren das erst 18 Prozent.
22:26Aber ich glaube, das ist also eine ganz wesentliche Sache.
22:29Wir müssen, wir müssen bündeln, bündeln, bündeln.
22:32Wir müssen es schaffen, dass wir nationale Egoismen
22:37und nationale Spezifikationen hintanstellen.
22:39So, das ist das eine.
22:40Das Zweite ist, haben wir gesagt, der fehlende Nachfragedruck.
22:44Ich glaube, da können Regierungen kommen
22:47und ganz einfach Abnahmesicherungen und Garantien geben.
22:52Wenn ich eben ein Unternehmen im Verteidigungsbereich bin
22:56und Abnahmegarantien habe für Munitionen, für Waffensysteme,
23:00dann produziere ich die auch.
23:02Das müssen Garantien sein,
23:03die also über irgendwelche Legislaturperioden hinweggehen,
23:06weil sonst kriegen wir das also auch nicht hin.
23:09Und das Dritte, habe ich ja gesagt, ist das fehlende Kapital.
23:12Also ich meine, da geht es jetzt darum,
23:14dass wir verstärkt Wagniskapital in Europa einbringen,
23:20gemischtes Kapital in Europa einbringen.
23:22Also was meine ich mit hybriden Kapital?
23:25Die USA haben ja jetzt begonnen,
23:28aus deren Department of War
23:30gemeinsam mit Finanzinstitutionen
23:33sich an bestimmten Firmen zu beteiligen
23:35oder auch zu finanzieren.
23:37Das tun die jetzt auch nicht,
23:39weil sie glauben, dass das die beste
23:42oder die einzige Variante ist.
23:44Aber das ist natürlich die Möglichkeit,
23:46bestimmte Sachen wie zum Beispiel in den USA
23:48Critical Mineral Supply zu verstärken und zu beschleunigen.
23:52Das sind die drei Bereiche.
23:55Wie gesagt, gemeinsam kaufen,
23:57Abnahme sichern
23:58und die Finanzpotenziale
24:00oder die Finanzierungspotenziale steigern.
24:03Ja, dass diese Rüstungsaufträge,
24:05die da im Raum stehen,
24:06nicht zum Spaß gemacht werden,
24:08das ergibt sich durch die allgemeine Bedrohungslage,
24:11die wir in Europa
24:12in den letzten Jahren erleben mussten.
24:14Jetzt ist es aber trotzdem so,
24:16dass wenn wir viel mehr
24:18in Europa in Rüstung investieren
24:20und unser Militär stärken,
24:22dass wir Geld nehmen werden,
24:24das vielleicht an anderer Stelle fehlen wird.
24:27Sei es soziale Ausgaben,
24:29Gesundheit, Bildung etc.
24:32Von diesem Nicht-Investieren
24:34in den Rüstungsbereich
24:35und von dem Schrumpfen der Armeen
24:36hat ja Europa lange Zeit profitiert.
24:39Wir haben da von der Friedensdividende gesprochen.
24:42Was ist denn Ihrer Ansicht nach,
24:44abgesehen jetzt von der reinen Stärkung der Sicherheit,
24:48das beste Argument für Regierungen zu sagen,
24:51okay, wir investieren jetzt auch mehr
24:53in Rüstung, mehr in Verteidigung,
24:55mehr in unsere Militärs?
24:58Kann das auch eine Art Wirtschaftsaufschwung bringen?
25:01Weil ich stelle mir das relativ schwierig vor,
25:04wenn man im Endeffekt Produkte herstellt,
25:06die im allerbesten Fall in Silos stehen bleiben
25:09und nicht verwendet werden.
25:11Ja, nein, das ist klar.
25:14Wobei ich glaube,
25:14da muss man also eine Sache schon relativ klar sehen.
25:16Also ich glaube,
25:17wie Sie richtig gesagt haben,
25:18ich meine,
25:19ich glaube,
25:19die Bedrohungslage in Europa
25:21hat sich ganz einfach geändert.
25:23Viele Wirtschaftslenker und Politiker
25:26waren geprägt von den 1990ern und 2000ern.
25:30Da gibt es zwei Bücher,
25:31die ich jedem empfehle,
25:32um zu sehen,
25:33wie sich die Welt geändert hat.
25:34Das eine ist Francis Fukuyama 1994,
25:36The End of History.
25:37Und das andere war Tom Friedman,
25:39der Anfang der 2000er geschrieben hat,
25:41The World is Flat.
25:43Und ich glaube,
25:44die Realität ist ganz einfach,
25:45dass wir inklusive meiner selbst
25:47in einer Welt aufgewachsen sind,
25:49die sich als historische Anomalie
25:53sozusagen herausstellt.
25:54Und wir sind halt jetzt viel mehr in einer Welt,
25:57wie sie vielleicht in der Vergangenheit war,
25:58wo sie also auch eine bestimmte
26:02Verteidigungsfähigkeit haben müssen.
26:04Vielleicht auch noch ein Punkt.
26:05Ich glaube,
26:06wir haben in diesen Dekaden,
26:07hat Europa sich auf drei externe Partner verlassen.
26:12Und ich glaube,
26:13ein Teil des Europäischen Wirtschaftswunders
26:15der 2000er war dadurch geprägt,
26:17dass man also die Verteidigung
26:18an die USA outgesorgt hat,
26:20die Energie an Russland
26:21und das Wachstum an China.
26:23Und jetzt sind halt alle diese drei Partner
26:25in unterschiedlichen Formen
26:27nicht mehr so vorhanden,
26:29wie wir uns das gerne vorstellen würden.
26:31Das heißt,
26:31wir sind auf uns selbst gestellt.
26:32Das ist das eine.
26:33Das andere ist jetzt die Frage,
26:36soll ich lieber in,
26:38und darauf zielt ja auch Ihre Frage,
26:40soll ich lieber in Verteidigung
26:41oder in Bildung
26:42oder in soziale Sicherheit investieren?
26:44Ich glaube,
26:45das ist ein bisschen,
26:46muss man dessen auch bewusst sein,
26:48dass Verteidigung schon auch,
26:51also nicht nur in Raketensilos endet.
26:55Das stimmt.
26:55In manchen Bereichen ist das der Fall.
26:58Aber wir müssen auch sagen,
27:00dass viel Verteidigung
27:01einen durchaus Dual-Use-Effekt hat.
27:04Das heißt,
27:05also Innovationen,
27:05die in Verteidigungsunternehmen stattfinden,
27:07können dann auch in der Privatwirtschaft
27:09genutzt werden.
27:10Ein sehr altmodisches Beispiel,
27:12aber ich finde das immer sehr schön,
27:13weil es ja plastisch ist,
27:14weil jeder das von unserem Flugzeug gesehen hat,
27:16ist der alte Jumbo-Jet von Boeing gewesen,
27:18die berühmte 747,
27:19die ja ursprünglich als Panzer-
27:21und Truppentransporter definiert worden war
27:22und die dann eigentlich nie dazu genutzt worden ist.
27:25Und das erklärt ja auch diesen seltsamen Höcker,
27:27den dieses Flugzeug oben hatte,
27:29weil man eben eigentlich nur oben die Menschen hatte
27:32und unten eigentlich das Material geplant hatte.
27:34Und das ist für mich so ein Beispiel,
27:36ein pragmatisches Beispiel,
27:37wo man sieht,
27:37dass also durchaus da auch ein Dual-Use-Effekt sein kann.
27:41Ich glaube, die Realität,
27:41die wir uns dessen bewusst sein müssen,
27:43ist schon das,
27:44dass also wenn wir jetzt von diesen 2 Prozent,
27:47von denen ich gesprochen habe,
27:49also Militärspend im GDP auf 5 gehen,
27:52dann haben wir natürlich rein arithmetisch
27:54über die nächsten 10 Jahre
27:55also 30 Basispunkte Wirtschaftswachstum,
27:58das aus diesem Bereich kommen wird.
28:01Teilweise schuldenfinanziert, ist auch klar,
28:03aber in dem Bereich natürlich eine große Rolle spielt.
28:07Aber insofern glaube ich,
28:08und dann gibt es ein drittes Thema,
28:10das dürfen wir nicht vergessen,
28:11ist, wir befinden uns ja heute schon
28:16in sowohl einem kinetischen
28:18als auch in einem hybriden Konflikt.
28:20Das war übrigens auch ein wesentliches Thema
28:22an der MSC,
28:23an der Munich Security Conference.
28:25Wir haben heute,
28:27neben dem offenen Konflikt
28:29in der Ukraine,
28:32haben wir einen hybriden Konflikt,
28:35der sich widerspiegelt
28:38in Drohnenüberflügen,
28:40in entgleisten Zügen,
28:42in Angriffen auf die kritische Infrastruktur,
28:46wie wir es zuletzt auch in Berlin gesehen haben,
28:48etc. pp.
28:49und insofern müssen wir uns dagegen auch verteidigen.
28:53Und viele dieser neuen Felder,
28:55die ich Ihnen genannt habe,
28:56Kommunikation, Cyber Security und so weiter,
28:58haben eigentlich mit hybrider Kriegsführung zu tun
29:00und viel weniger mit kinetischer Kriegsführung
29:02auf einem Schlachtfeld.
29:06Sie schreiben in Ihrem Bericht auch,
29:08dass es Bereiche gibt,
29:10in denen wir auch auf absehbare Zeit
29:12noch auf andere Länder angewiesen sein werden.
29:15Welche meinen Sie?
29:17Ja, also es gibt sicherlich Bereiche,
29:19wo wir in Europa nach wie vor
29:21auf andere Länder angewiesen sein werden.
29:23Das ist zum Beispiel die Hyperschalltechnologie.
29:26Ja, also ich meine,
29:27wir haben jetzt gerade
29:28an der Munich Security Conference
29:29darüber gesprochen,
29:30dass es also jetzt eben Missiles gibt,
29:32die mit Mach 6,
29:34also das ist die sechsfache
29:37Schallgeschwindigkeit,
29:39fliegen.
29:40Das ist etwas,
29:41wo die USA und die China
29:42absolut dominant sind.
29:44Gut, auch Russland,
29:45aber davon werden wir wahrscheinlich
29:47keine Missiles beziehen.
29:50Das spielt sicherlich eine ganz große Rolle.
29:52Ein anderer Bereich ist das ganze Thema
29:55Drohnenschwärme.
29:56Also ich meine,
29:57wir bauen jetzt Drohnen,
29:59wir bauen jetzt Kamikaze-Drohnen
30:02und so weiter und so fort,
30:03aber KI-gestützte Drohnenschwärme,
30:06die sozusagen untereinander abgestimmt
30:08angreifen,
30:08ist sicherlich ein Thema
30:10und das ist ja nur ein Schritt.
30:11Ich habe Ihnen das ja vorher gesagt,
30:12also ich meine,
30:13vor dem Krieg, wie gesagt,
30:152000 Drohnen wahrscheinlich pro Armee
30:17war eine gute Anzahl
30:18und jetzt haben wir letztes Jahr
30:19auf beiden,
30:21also im ukrainischen Frontsektor,
30:232024 vier Millionen Drohnen
30:25auf jeder Seite gehabt,
30:262025 sieben Millionen Drohnen gehabt.
30:29Und jetzt überlegen Sie mal,
30:30wenn Sie diese zu Schwärmen koordinieren
30:32und die dann da angreifen,
30:34dann ist das natürlich auch ein Thema,
30:35dass da eine große Rolle spielt.
30:38Auch das Thema Verteidigung und Abwehr,
30:41ich meine,
30:42ich habe es gerade am Anfang
30:43unseres Gesprächs genannt,
30:44also diese Sky Shield-Initiative,
30:46diese ESSI,
30:48zeigt halt,
30:49dass wir zwar auf der einen Seite
30:50die deutschen Iris-T-Raketen nehmen,
30:52aber auf der anderen Seite
30:53Patriot und auch Arrow 3 nehmen
30:56und dementsprechend, glaube ich,
30:57zeigt das halt auch,
30:58dass wir da noch durchaus abhängig sind.
31:03Aber ich glaube,
31:04es ist auch eine Illusion zu glauben,
31:05dass man autark sein kann.
31:07Ich meine,
31:07die Frage ist ganz einfach,
31:08welche Technologien können wir kontrollieren,
31:10in welchen können wir besonders führend sein
31:13und ich glaube,
31:14die Realität ist,
31:15dass das dann trotzdem
31:16auch in der westlichen Welt
31:17zu einer Kooperation führen wird.
31:18Sie schreiben in dem Bericht
31:20diese Unterscheidung zwischen Autarkie und Autonomie,
31:23das haben Sie gerade jetzt auch angeschnitten.
31:25Was meinen Sie mit Autonomie?
31:27Wo kann Europa sozusagen auf eigenen Beinen stehen
31:30und nicht komplett abhängig sein?
31:35Autarkie heißt ja,
31:36ich bin vollkommen unabhängig
31:38von jeglicher externen Belieferung,
31:41jeder externen IP-Lösung und so weiter und so fort.
31:44Und das ist also aus meiner Sicht,
31:47ob Sie jetzt hier eine Technologie hernehmen
31:49oder Waffensysteme hernehmen,
31:51sehr, sehr schwierig zu erreichen.
31:55Die strategische Autonomie heißt halt ganz einfach,
31:58was sind differenzierende Technologie-Elemente,
32:02die ich kontrollieren möchte.
32:04Das kann zum Beispiel
32:06verschlüsselte Kommunikation sein,
32:07das kann Cyberabwehr sein,
32:09wo ich ganz einfach im Ernstfall
32:12doch durchhalten kann
32:14und Lieferungen,
32:15also Systeme selbst produzieren kann
32:19und zur Verfügung stellen kann.
32:20Und da muss halt auch Europa
32:22dann relativ klar werden zu sagen,
32:24welche Lösungen kaufe ich zu,
32:26welche Lösungen produziere ich selber,
32:30wie weit kann ich auch zum Beispiel
32:32bestimmte Komponenten auf Lager legen,
32:36damit ich im Zweifelsfall, im Konfliktfall
32:39dann auch Komponenten,
32:40die aus dem Ausland kommen,
32:42verfügbar habe
32:43und selbstständig dann die Systeme bauen kann.
32:45Ich glaube, das ist ganz einfach wichtig.
32:47Nur das Problem ist,
32:48dass ja heute so eine Überabhängigkeit
32:53von den USA da war
32:54und teilweise auch ein,
32:55ganz ehrlich,
32:56auch nie ein adäquates Mapping
33:00und Analyse stattgefunden hat,
33:02von wem brauche ich denn was,
33:04dass das sicherlich eine meines Erachtens
33:06der absoluten Prioritäten sein muss,
33:09auch für die EU zu wissen,
33:11wo sind die kritischen Fähigkeiten,
33:13wo sind die kritischen Komponenten,
33:15was lege ich mir auf Lager,
33:16was lege ich mich nicht auf Lager.
33:17Gutes Beispiel finde ich da die USA,
33:19die jetzt ganz einfach verstanden haben,
33:20auch etwas spät,
33:21aber verstanden haben,
33:23dass sie gerade bei Sachen wie Nickel,
33:25Kobalt, seltenen Erden und so weiter
33:27sehr abhängig sind von durchaus
33:32politisch spannungsgeladenen Regionen
33:33dieser Welt.
33:35Kobalt kommt aus dem Kongo,
33:37die seltenen Erden werden in China raffiniert,
33:40dass man da halt auch begonnen hat
33:41und gesagt hat,
33:42okay, ich muss zum einen investieren,
33:44ich muss aber kurzfristig halt
33:45in Stockpiling,
33:46also in Lagerhaltung investieren,
33:48um eine bestimmte strategische Autonomie
33:50zu erreichen.
33:51Ich glaube, die Abhängigkeit
33:54und die Probleme,
33:55die sich aus einer Abhängigkeit
33:56ergeben können,
33:58die wurde ganz stark diskutiert
34:00im Zuge dieses Regimewechsels
34:02in den USA,
34:03als Donald Trump wieder Präsident
34:06geworden ist.
34:07Da wurde einerseits darüber viel gesprochen,
34:10was passiert,
34:11wenn die USA plötzlich entscheiden,
34:13eine Software für europäische Militärs
34:16abzuschalten oder zum Beispiel
34:18die Updates für die F-35,
34:20sich Kampflugzeuge nicht mehr auszuliefern,
34:22weil man vielleicht politischen Ungnade
34:25gefallen ist
34:25oder weil man gegensätzliche Interessen
34:28verfolgt.
34:31Jetzt, wenn Sie sagen,
34:32dass Europa ein starker Player werden könnte,
34:35zum Beispiel in der Quantenkommunikation,
34:37in der Verschlüsselung,
34:38bei KI zum Beispiel,
34:40dann sind das alles Produkte,
34:42die ja aufsetzen auf bestehenden
34:44anderen Produkten,
34:45die vielleicht dann von den USA
34:46geliefert werden,
34:47sei es jetzt diese Drohnen selbst
34:49oder sei es irgendwelche
34:51Radarsysteme etc.
34:52Ich bin jetzt kein Experte,
34:53deswegen verzeihen Sie mir bitte
34:54meine Unschärfe.
34:56Aber das würde bedeuten,
34:58dass Europa
34:59einen wesentlichen Bestandteil
35:00dieser zukünftigen
35:01Waffentechnologien liefern würde,
35:03sei es jetzt eben
35:03KI oder Verschlüsselung.
35:06Denken Sie denn,
35:07die USA oder auch China
35:08würden überhaupt zulassen,
35:10dass Europa so eine
35:12Schlüsselrolle einnimmt
35:13in Zukunft?
35:15Ja, ich glaube,
35:16da gibt es zwei Sichten.
35:18Also das eine ist auf die USA
35:19und das andere ist auf China.
35:20Ich meine,
35:21ich habe selbst vor 30 Jahren
35:22meine Dissertation in China
35:24geschrieben,
35:25bin also wahrscheinlich
35:26in den letzten 30 Jahren
35:28hundertmal in China gewesen.
35:30Also ich kenne das Land auch gut,
35:31USA sowieso.
35:33Ich glaube,
35:33das ist schon noch
35:34mein Unterschied.
35:34Also ich glaube,
35:34die USA,
35:36lassen wir uns ganz klar sein,
35:37die USA sind
35:39nach wie vor
35:40politisch,
35:41aber auch ökonomisch
35:42interessiert
35:43an der europäischen Nachfrage.
35:45Ich meine,
35:46wir haben ja das Gespräch
35:46damit begonnen,
35:47dass wir gesagt haben,
35:48die USA investieren
35:50circa 900 Milliarden,
35:51ein bisschen mehr
35:51als 900 Milliarden
35:52ins Militär,
35:53Europa 450 Milliarden.
35:55Davon geht die Mehrheit
35:56heute in die USA.
35:58Das heißt,
36:00die amerikanische
36:02Verteidigungsindustrie
36:02ist eigentlich daran interessiert,
36:04dass nach wie vor
36:05ein Teil dieser 450 Milliarden
36:06und das wird ja mehr
36:07in der Zukunft
36:08auch in die USA gehen.
36:09Also insofern
36:11gibt es natürlich
36:12immer Marginalszenarien
36:14und Restszenarien,
36:15wo man sagt,
36:16da ist jetzt jemand
36:17im Weißen Haus,
36:18der dann sagt,
36:19nee, also die Europäer
36:20kriegen jetzt nicht
36:20den letzten Release
36:21und so weiter und so fort.
36:24Ich glaube aber
36:25nach wie vor,
36:26dass die USA
36:28durchaus auch
36:29interessiert sind,
36:30dass Europa
36:31wehrfähig ist
36:32und auch
36:34stark ist.
36:35Ich meine,
36:35bei aller Diskussion,
36:36die auch wiederum
36:37die Marco-Huvio-Rede
36:39da in München
36:40ausgelöst hat.
36:42Ich finde,
36:42man muss immer
36:42die Rede nehmen
36:43und man muss dann
36:44auch noch
36:44sozusagen die Gespräche
36:46mit der Delegation
36:47nehmen.
36:48Und ich glaube,
36:49da ist also
36:49sowohl ein wirtschaftliches
36:51Interesse daran,
36:52dass Europa stark bleibt,
36:53ein militärisches Interesse
36:54daran,
36:54dass Europa stark bleibt.
36:56Und ich kann Ihnen nur sagen,
36:57ich habe auch mit
36:58großen Tech-Firmen
36:59gesprochen,
37:00die machen sich schon
37:01große Sorgen,
37:02dass die Europäer
37:02jetzt alle
37:03eine Sovereign Cloud
37:04wollen und die machen
37:05sich also große Sorgen
37:06und sagen,
37:07wie können wir
37:08den Europäern
37:09eigentlich eben
37:10dieses Vertrauen
37:11geben in uns,
37:13weil natürlich
37:13am Ende des Tages
37:14dann die auch sehen,
37:16dass das
37:17wirtschaftlich
37:18herausfordern wird.
37:19Also insofern,
37:19ich sehe USA
37:21weniger kritisch,
37:23aber nichtdestotrotz,
37:24glaube ich,
37:25müssen wir halt
37:25auf jeden Fall zeigen,
37:26dass wir in bestimmten
37:28Bereichen
37:28eine dominierende,
37:30führende Rolle
37:31spielen können,
37:31ob das jetzt
37:32Sensorik- und
37:34Elektronikfelder sind,
37:35ob das Cyber ist,
37:37das sind alles Themen,
37:38wo ich sagen würde,
37:38da müssen wir
37:39investieren und auch
37:40aussuchen,
37:41die Bereiche,
37:42wo wir für USA
37:43attraktiv sind.
37:44Das ist, glaube ich,
37:45das Thema.
37:45Was China betrifft,
37:46ist eine andere Sache.
37:47Ich meine,
37:47China ist sicherlich
37:48ein strategischer
37:50Wettbewerber.
37:53Die Chinesen
37:54sind viel smarter
37:55in der Nutzung
37:56von Dual-Use-Technologie.
38:00Ich meine,
38:00es ist auch interessant,
38:01ich meine,
38:02die Chinesen haben
38:02quasi ein Monopol
38:03an privat genutzten
38:04und geschäftlich
38:06genutzten Drohnen,
38:07welches sich dann eben
38:08auch im militärischen
38:09Bereich umsetzt.
38:11Die sind natürlich
38:12auch daran interessiert,
38:14gerade was KI
38:14und Quantencomputing
38:15betrifft,
38:16da auch in der
38:19Führung zu sein.
38:20Aber auch da,
38:21ich meine,
38:21ich hatte,
38:23der chinesische
38:23Außenminister Wang Yi
38:24hat an der MSC
38:25gesprochen,
38:26ich hatte mit
38:27einigen Vertretern
38:27der chinesischen
38:28Delegation gesprochen,
38:30die haben eigentlich
38:31auch gesagt,
38:32ich zitiere da
38:34eine Ministerin,
38:34die gesagt hat,
38:35wann wird denn
38:36eigentlich diese
38:37Beziehung zu Europa
38:38wieder etwas einfacher
38:39und normaler
38:40und nicht so
38:42eben mit Angst
38:44beladen.
38:46Und ich glaube,
38:47dementsprechend
38:47sind eigentlich
38:49beide
38:49unter Anführungszeichen
38:51Großmächte,
38:52denen sich Europa
38:53gegenüber stört,
38:55durchaus
38:55schon an einer
38:56Kooperation
38:57interessiert.
38:58Ich glaube,
38:59was eben wichtig ist
39:00und darauf kommen wir
39:01nochmal mit diesem
39:01Report zu sprechen,
39:02ist,
39:03Europa muss rausfinden,
39:04in welchen Bereichen
39:05wir deutlich besser
39:07sein wollen
39:07als die anderen.
39:08Dann müssen wir
39:09die Umsetzung
39:10hinkriegen,
39:11wir müssen das Geld
39:11hinein investieren
39:12und dann sind wir
39:13eben auch für unsere
39:14Partner
39:15attraktive Partner
39:16und ich glaube,
39:17das ist das,
39:17was die Relevanz
39:19da stellt.
39:20Aber das heißt,
39:20Sie glauben auch,
39:21dass ein US-Rüstungskonzern
39:24irgendwann einmal
39:25in der Zukunft
39:26soweit sein könnte,
39:28KI aus Europa
39:29in seine Systeme
39:30einzubauen?
39:31Ja, absolut
39:32und ich meine,
39:33das haben wir übrigens
39:33auch in unserer Studie
39:34relativ klar gezeigt,
39:36wir werden,
39:37wir haben gezeigt,
39:38dass die USA
39:39in den letzten Jahren
39:40massiv in Europa
39:42in Defense investiert haben,
39:44um hier IP zu generieren
39:45und zu bekommen.
39:47Also insofern,
39:48dass dieses Bild
39:50ist durchaus möglich.
39:51Und es ist übrigens
39:52auch interessant,
39:52dass also viel mehr
39:53amerikanische
39:54Verteidigungsunternehmen
39:55in Europa investieren,
39:57um sich IP zu garantieren
39:59als europäische
40:00in Amerika.
40:02Letzte Frage an Sie.
40:04Sie haben am Anfang
40:05beschrieben,
40:06wie der Status Quo ist,
40:07dass die USA
40:08und amerikanische
40:09Rüstungskonzerne
40:10den Verteidigungssektor
40:12sehr stark dominieren.
40:14Wenn Sie bis 2040
40:16vorausblicken,
40:16wie Sie in Ihrer Studie
40:17gemacht haben,
40:18in Ihrem Report,
40:20wie wird 2040,
40:21wenn alles so läuft,
40:22wie Europa es tun sollte,
40:25wie wird 2040
40:26der Verteidigungssektor
40:27aussehen?
40:29Also ich glaube,
40:30dass der Verteidigungssektor
40:30sich in den nächsten
40:3210, 15 Jahren
40:33grundlegend verändern wird.
40:35Ich glaube,
40:35dass wir durchaus
40:38eine Reihe
40:39von ganz neuen Playern
40:40aus der Startup-Szene
40:41dabei haben werden.
40:43Wir haben Unternehmen,
40:45die jetzt,
40:45wie gesagt,
40:46wir haben vorher
40:46Helsing genannt
40:47oder das französische
40:48Startup Pascal
40:49oder das portugiesische
40:51Startup TechEver
40:52oder die Isar Aerospace.
40:53Das sind alles
40:54Unternehmen,
40:55die natürlich teilweise
40:56jetzt noch
40:58verhältnismäßig am Anfang
40:59in der Entwicklung stehen.
41:00Aber ich könnte mir gut
41:00vorstellen,
41:01dass ein Teil
41:01dieser Startups,
41:03wir haben in Europa
41:03600 Defense Startups,
41:06dass von diesen
41:06600 Defense Startups
41:08vielleicht 5,
41:0810,
41:0920
41:10relevante Player
41:11in 2040 sein werden.
41:12Das glaube ich schon
41:12und gerade in diesen
41:13neuen Bereichen.
41:14Das ist das eine Thema.
41:15Das andere Thema ist,
41:16wir haben große
41:17Defense Primes,
41:19wie man die so schon
41:20nennt in Europa.
41:21Ob das jetzt BAE ist,
41:22ob das Airbus Defense ist,
41:24ob das Leonardo ist
41:28oder andere Player,
41:30Rheinmetall,
41:31das sind alles Unternehmen,
41:33die meines Erachtens
41:34auch davon profitieren werden,
41:37zum einen in ihren
41:38angestammten Bereichen
41:39zu wachsen,
41:40aber auch in neuen
41:41Bereichen zu wachsen.
41:42Ich glaube,
41:43das sollte die Ambition sein,
41:46dass wir gegenüber
41:47diesen 5 super
41:49mächtigen Unternehmen
41:49in den USA
41:51auch starke 5
41:53europäische Unternehmen
41:53haben und dann
41:54idealerweise
41:55auch noch einmal
41:5610, 20 Startups,
41:58die halt dann auch
41:58mindestens Unicorn-Charakter
42:00und noch größer sind,
42:02damit wir da
42:02dann auch eine
42:03diversifizierte
42:04Verteidigungslandschaft haben.
42:06Nikolaus Lang,
42:07vielen, vielen Dank
42:07für diese Einblicke.
42:09Herzlichen Dank
42:10für das Gespräch.
42:11Und wenn euch
42:12diese Folge gefallen hat,
42:14dann abonniert
42:14am besten den Standard,
42:16so unterstützt
42:16ihr unsere Arbeit.
42:18Alle Infos dazu
42:19findet ihr auf
42:19abopunkt derstandard.at,
42:21dort gibt es
42:22Digitalabos,
42:23Printabos
42:23und auch
42:25Unterstützungsmöglichkeiten
42:26schon ab 3 Euro.
42:28Wenn ihr uns
42:29Feedback schreiben wollt,
42:30dann macht das am besten
42:31via Mail
42:32an podcast
42:33derstandard.at
42:34oder nutzt
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42:36auf YouTube,
42:38auf den Podcast-Kanälen
42:39und hinterlasst
42:40uns gerne auch
42:41eine gute Bewertung.
42:42Darüber freuen wir uns
42:43immer sehr.
42:44Ich bin
42:45Scholt Wilhelm,
42:46vielen Dank fürs Zuhören,
42:47Baba
42:47und bis zum nächsten Mal.
42:49Bis zum nächsten Mal.
42:50Bis zum nächsten Mal.
42:53Vielen Dank.
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