00:01Es sind schreckliche Bilder, die Italien schockieren.
00:04An einer Tankstelle verbrennen im Juni 2026 vier ausländische Erntehelfer.
00:10Sie werden in ihrem Fahrzeug eingesperrt, haben keine Chance.
00:14Leider ist es so, wenn diese Arbeiter nach Italien oder nach Europa kommen,
00:18dann finden sie oft nur das vor, diese Grausamkeit. Absolute Grausamkeit.
00:25Die vier werden mutmaßlich von kriminellen Vermittlern getötet,
00:29weil sie gegen ihre Arbeitsbedingungen aufbegehren.
00:32Der Mord wirft ein Schlaglicht auf die Ausbeutung der Erntehelfer und die Netzwerke dahinter.
00:39Wir sind in Süditalien an der Ionischen Küste zwischen Kalabrien und der Region Basilicata.
00:44In dieser fruchtbaren Gegend werden Erdbeeren, Pfirsiche, Aprikosen, Melonen und Kiwis angebaut
00:51und nach ganz Europa exportiert.
00:53Auch die vier ermordeten Erntehelfer arbeiteten hier.
00:5645 Euro pro Tag für acht Stunden waren vereinbart.
01:00Ihren letzten Lohn hatten sie im April bekommen.
01:05Wir treffen Gervasio Ungolo, Landwirt und Gründer eines Vereins,
01:09der auf die Ausbeutung der Erntearbeiter aufmerksam machen will.
01:12Mit ihm kehren wir an den Ort zurück, an dem die vier Männer starben.
01:19Dieser Ort steht heute für das, was aus der Landwirtschaft in Italien und in Europa geworden ist.
01:24Es macht keinen Unterschied, ob es Pakistaner, Afghanen, Bengalen oder Afrikaner sind.
01:29Das sehen wir Jahr für Jahr auf unseren Feldern.
01:32Und es gibt kaum den Willen, über die wahren Ursachen dieser Tragödien nachzudenken.
01:39Auch die Gewerkschafter Federica Pietramala und Alessandro Di Callo kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen der Erntehelfer.
01:46Sie zeigen uns, wie die Menschen, meist arme Einwanderer, hier leben müssen.
01:52Hast du gesehen, wie groß das Haus ist? Da lebten mindestens 30 Menschen.
01:57Die beiden versuchen, den Erntearbeitern vor Ort zu helfen.
02:01Sie suchen sie auch dort, wo sie von ihren sogenannten Caporali untergebracht werden.
02:06Illegale Vermittler, die Erntearbeiter rekrutieren, morgens auf die Felder fahren und dabei einen Großteil ihres Lohns einbehalten.
02:16Jetzt ist dieses Gebäude unbewohnt.
02:19Aber bis zu den Ereignissen von Amendolara am 1. Juni war es bewohnt.
02:24Gut 30 Arbeiter waren hier untergebracht.
02:30Die Spuren noch sichtbar.
02:38Es ist ein Ort, an dem die Caporali die Arbeiter halten.
02:42Sie lassen sie sogar für den Aufenthalt in diesem verfallenen Gebäude bezahlen.
02:46Bis zu 100 Euro im Monat.
02:49Dann holen sie sie ab, fahren sie zur Arbeit und lassen sich auch den Transport bezahlen.
02:56Eine Autostunde weiter treffen wir eine Gruppe afrikanischer Erntehelfer.
03:00Nach eigenen Angaben haben sie einen Arbeitsvertrag.
03:04Doch eine Wohnung finden sie nicht.
03:07Das Problem, um eine Wohnung zu bekommen, die Italiener wollen keinem Schwarzen eine Wohnung geben.
03:12Und wenn du bei der Polizei deine Papiere verlängern willst, verlängern sie sie dir nicht.
03:17Sie geben sie dir nur für zwei, drei Monate.
03:19Das ist nicht gut.
03:22Schätzungen zufolge arbeiten allein in Italien mindestens 200.000 Menschen unter solchen diskriminierenden und sklavenähnlichen Bedingungen,
03:29so wie die vier Opfer von Amendolara.
03:32Die Staatsanwaltschaft in Kalabrien führt die Ermittlungen gegen die zwei festgenommenen Caporali.
03:37Zum konkreten Fall darf Chefankläger Alessandro Lalesio zwar keine Auskunft geben,
03:42doch dass Mafia-Clans hier die Hände im Spiel haben, davon ist er überzeugt.
03:48Die Gewinnmaximierung erfolgt durch die Ausbeutung von Menschen.
03:51Ich halte das für eine der brutalsten und schwerwiegendsten Formen der Barbarei, die es geben kann.
03:57Überall dort, wo mafiöse Organisationen die Möglichkeit sehen, Profite zu machen, versuchen sie, sich einzuschleusen.
04:04Womit? Mit ihrer wahren Stärke.
04:06Der Fähigkeit, Angst zu verbreiten.
04:08Mit Einschüchterung.
04:09So verschaffen sie sich Vorteile, auch im Bereich der Landwirtschaft, der Agrarproduktion und des Transports landwirtschaftlicher Zeugnisse,
04:16wie einige Ermittlungen belegt haben.
04:20Die Opfer der Gewalttat, Amin, Ulla, Safi und Wasem, auch sie arbeiteten auf einem der Erdbeerfelder in der Basilikata.
04:30Ausbeutung sei hier zwar Alltag, erzählt uns Gervasio Ungolo, doch die meisten Bauern vor Ort versuchten, sich an die Regeln
04:36zu halten.
04:40Die meisten Betriebe halten sich an die Regeln. Das sind ethisch und fachlich gut aufgestellte Unternehmen.
04:47Doch dann gibt es die anderen. Jene Betriebe, über die wir in den Zeitungen lesen.
04:58Das Problem beginne aber schon bei der Einwanderung.
05:00Viele Erntearbeiter kommen mit einem regulären Visum nach Italien.
05:04Für Firmen, die dann nicht existieren oder verschwinden.
05:07Oft sind es die illegalen Vermittler selbst, die diese Arbeiter schon in Pakistan oder Indien anwerben,
05:13mit Versprechen, die sie hier nie einlösen.
05:19Um überhaupt nach Italien zu kommen, verschulden sich diese Menschen.
05:23Mit 10.000 bis 15.000 Euro.
05:26Man verspricht ihnen eine Arbeit, mit der sie diese Schulden abbezahlen können.
05:31Und ein besseres Leben, ein besseres Einkommen.
05:34In Wirklichkeit warten in Italien Hungerlöhne auf sie.
05:41Und so werden sie oft zu Gefangenen ihrer Vermittler.
05:44Die Gewerkschafter Federica und Alessandro versuchen, Arbeiter aus solchen Verhältnissen zu befreien.
05:50Wie diese Gruppe nepalesischer Erntehelfer.
05:52Sie arbeiteten im selben Umfeld wie die vier Ermordeten von Amendolara.
05:57Für dieselben kriminellen Vermittler.
06:01Wenn wir auf dem Feld gearbeitet haben, haben sie geschrien, schneller.
06:07Wenn ihr nicht arbeitet, werden wir euch rausschmeißen.
06:11Ihr bekommt kein Geld.
06:13Euer Lohn wird gekürzt.
06:24Nur wenige wagen es, die Caporali anzuzeigen.
06:27Diese Arbeiter aus Nepal haben es getan.
06:31Diese Arbeiter haben die Caporali angezeigt.
06:34Sie sind jetzt in einem Schutz- und Hilfsprogramm, sowohl für die Aufenthaltsgenehmigung als auch für eine Wohnung.
06:44Nie wieder Sklaverei.
06:47Dieser Satz steht jetzt an der Tankstelle von Amendolara.
06:51Eine Mahnung und ein Appell dort, wo vier Menschen lebendig verbrannt wurden.
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