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00:11Alles Gute zum Muttertag
00:31Alles Gute zum Muttertag
00:36Alle Mütter dieser Welt
00:40Alles Gute, Gute, Gute zum Muttertag
00:46Ich wünsche euch quasi hier aus Berlin
01:11Alles Gute zum Muttertag
01:15Ich wünsche euch quasi hier aus Berlin
01:20Alles Gute zum Muttertag
01:26Alle Müttern dieser Welt
01:51Alles Gute zum Untertag
01:55Wünscht euch quasi hier aus Berlin
02:00Alles Gute zum Untertag
02:05Wünscht euch quasi aus Ruhrwind
02:10Alles Gute zum Untertag
02:15Alle Müttern dieser Welt
02:20Kraft und Stärke und Gesundheit
02:26Wünscht euch allen mit an dieser Welt
02:30Wünscht euch allen mit an dieser Welt
02:40Wünscht euch allen mit an dieser Welt
03:15Wünscht euch allen mit an dieser Welt
03:18Muttertag
03:32Frau in Großbritannien
03:34nicht mehr Rechte als ein Krimineller
03:36ein Geisteskranker oder gar ein Kind
03:40Sie hat keinen Zugang zu Institutionen
03:43geschweige denn zur Bildung
03:44und wenn sie arbeitet
03:45verdient sie bei gleicher Arbeit
03:47nur ein Drittel so viel wie ein Mann
03:53Die Menschen vergessen oft
03:55wie sehr Frauen Ende des 19. und Anfang
03:58des 20. Jahrhunderts
03:59in Großbritannien Bürger zweiter Klasse waren
04:04Und wenn eine Frau heiratet
04:06wird sie nicht mehr als eigenständiges
04:07Individuum betrachtet
04:08Sie geht völlig in der Identität
04:10ihres Gatten auf
04:11Genau das bekommt Millicent Garrett Fawcett
04:14eine junge Frau aus bürgerlichem Hause
04:16an einem schönen Tag im Jahre 1877
04:19am eigenen Leib zu spüren
04:24Ihre Handtasche wurde gestohlen
04:26und als sie zur Polizei ging um das anzuzeigen
04:29wurde ihr gesagt dass ihre Handtasche das Eigentum ihres Mannes sei
04:32Weil sie selbst vor dem Gesetz nicht den Status eines Individuums hatte
04:36wurde ihre Identität unter die ihres Mannes gefasst
04:41Melicent Garrett Fawcett ist 23 und seit fünf Jahren verheiratet
04:45Später wird sie in ihren Memoiren schreiben
04:48ihr sei es an jenem Tag vorgekommen
04:50als sei sie selbst wegen Diebstahls verurteilt worden
04:54Wenn wir heute von einer Demokratie sprechen
04:56gehen wir davon aus dass alle Erwachsenen darin Bürger sind
04:59Damals ist das ganz und gar nicht der Fall
05:02Die Bürger bilden eine sehr sehr kleine Minderheit
05:07Es sind ausschließlich Männer, Grundbesitzer und Weiße
05:10die an der Bildung der Regierung teilhaben dürfen
05:13die diese wählen und selbst in die Regierungsarbeit gewählt werden dürfen
05:25Im späten 19. Jahrhundert dürfen in England in der Tat ausschließlich wohlhabende Schichtner und Grundbesitzer wählen
05:32In dieser konstitutionellen Monarchie regiert noch immer das Zensuswahlrecht
05:36Nur wer mehr als 10 Pfund Steuern bezahlt hat das Recht zu wählen
05:40Die anderen haben lediglich das Recht zu schweigen
05:46Und zu diesen anderen zählen alle Frauen
05:49auch jene die mehr als 10 Pfund Steuern bezahlen
05:53Sie sind zwar eigentlich reich genug
05:55doch als Frauen werden sie ausgegrenzt
05:57Es herrscht das Zensuswahlrecht
05:59und mit der Zeit wird die Untergrenze zwar herabgesetzt
06:02doch ganz gleich wie es um ihre Besitzverhältnisse bestellt ist
06:05sind Frauen ausgeschlossen
06:07da sie biologisch unfähig sein sollen zu wählen
06:161884 beginnt sich dann allerdings etwas zu tun für die Frauen
06:22Das Gesetz von 1884 gewährt den Ehefrauen endlich das Recht auf ihren eigenen Körper
06:27Das ist sehr wichtig, denn wer den eigenen Körper besitzt, der ist ein Individuum
06:31Im Gegensatz zu einem Sklaven, der seinen Körper nicht besitzt
06:34Sie sind also jetzt Individuen und können von nun an Anspruch auf alle anderen Rechte erheben
06:42Millicent Garrett Forsett engagiert sich also für das Frauenwahlrecht
06:45Mit ihrer ersten Petition sammelt sie 1499 Unterschriften
06:50Trotz dieses dürftigen Ergebnisses geht Millicent nicht auf
06:54Sie ist weiter überzeugt
06:55Wenn sie den Druck auf die Volksvertreter aufrechterhalten
06:59wird es den Frauen gelingen, die meisten von ihnen zu überzeugen
07:02dass sie in das politische System integrierte Bürgerinnen sein wollen und können
07:10Und das wird dann auch zur Methode der sogenannten Suffragisten
07:18Sie wollen nicht alles umkrempeln, sondern Reformen durchführen
07:22Die Vorstellung dieser Frauen, ob bürgerliche oder Arbeiterinnen
07:26ist es die gleichen Bedingungen zu haben wie die Männer
07:29Sie fordern also zunächst eine Gleichstellung im Wahlrecht
07:32Und da die Männer mit einem Zensuswahlrecht vorlieg nehmen müssen
07:35Fordern sie zuerst darin eine Gleichheit
07:38Sprich ebenfalls das Zensuswahlrecht
07:45Wer hat schlussendlich im viktorianischen England das Recht ein Bürger zu sein?
07:50Und warum?
07:51Wer hat das Recht zu wählen?
07:52Wer erlässt die Gesetze?
07:54Und wer untersteht ihnen?
07:56Indem sie diese Fragen stellen
07:58erschüttern die Suffragisten nach und nach das System
08:01Und definieren damit die Stellung der Frau
08:03Aber auch die des Einzelnen in der britischen Gesellschaft neu
08:07Er wird vom Untertan zum Bürger
08:13Doch das Tauziehen ist noch lange nicht entschieden
08:15Mary Ward, eine zu dieser Zeit sehr erfolgreiche Schriftstellerin
08:19Und Bekannte von Millicent Garrett Fawcett
08:21Steigt ebenfalls in den Ring
08:23Aber auf der Seite der Antisuffragisten
08:26Es steht sehr viel auf dem Spiel
08:28Angeblich ist das Empire in Gefahr
08:30Im Januar 1889 veröffentlicht sie mit dem Schiffredakteur einer konservativen Zeitung
08:36einen Appell gegen die Bewegung für das Frauenwahlrecht
08:40Das Manifest behauptete im Grunde
08:42dass die Rolle der Frauen sich von der der Männer in der Politik unterschied
08:46und dass es im Parlament vor allem um Empire, Kriege und Außenpolitik gehe
08:51Themen also die Frauen nicht ernsthaft interessierten
08:54Deshalb sollten Frauen kein parlamentarisches Wahlrecht haben
08:58Es gab damals die Ansicht
09:01dass die Männer aufgrund ihrer körperlichen Fähigkeiten
09:04in die öffentliche Sphäre gehörten
09:06also in die Politik und an den Arbeitsplatz
09:08Frauen gehörten in die private Sphäre
09:11Im späten 19. Jahrhundert
09:13ist es für viele Männer und Frauen unvorstellbar
09:16dass Frauen aus der privaten
09:18in die öffentliche Sphäre übertreten
09:28Die Öffentlichkeit ist es damals nicht gewohnt
09:31Frauen zu sehen, die das ihnen vorbehaltene Wirkungsfeld verlassen
09:34Wagen sie es, öffentlich das Wort zu ergreifen
09:37ist das Urteil erbarmungslos
09:42Ich glaube, der Begriff hysterisch geht auf Frauen zurück
09:45die sich in der Öffentlichkeit sehr leidenschaftlich für eine Sache einsetzen
09:49Denn ab dem 19. Jahrhundert wurden Frauen, die irgendwie von der Norm abwichen
09:54als hysterisch bezeichnet
09:58Sie werden mit Affengesichtern dargestellt
10:01oder in zerlumpen Kleidern
10:02Ihre Körper und Gesichter werden verunstaltet
10:05was bedeuten soll, dass sie im Kopf nicht ganz richtig sind
10:08und in ihrem Körper ebenso
10:09was die Fortpflanzung angeht
10:11denn sie sind natürlich unfruchtbar
10:18Wenn die Frauen sich mit Politik beschäftigen
10:20ist niemand mehr da, um Heim und Kinder zu versorgen
10:23und das ist ein großes Problem
10:24denn eine Frau definierte sich damals in erster Linie als Ehefrau
10:28die Kinder bekommt und sich um das Heim kümmert
10:36Selina ist nun 32 Jahre alt
10:401896 heiratet sie Robert Cooper
10:41und bringt im Jahr darauf ihren Sohn John Ruskin zur Welt
10:45Doch der Junge stirbt im Alter von vier Monaten an einer Bronchitis
10:50Selina überwindet diese Tragödie
10:52doch sie ist überzeugt davon
10:53dass die äußerst schwierigen Lebensbedingungen der Arbeiterinnen
10:56für den Tod ihres Sohnes verantwortlich sind
11:02Sie ist beispielhaft für die Frauen in der Textilindustrie
11:06Sie ist Mitglied einer Frauenerwerbsgenossenschaft
11:08Sie arbeitet eng mit den Menschen in ihrer Straße zusammen
11:11und kennt jeden
11:12Sie versucht die Arbeiterinnen zu organisieren
11:15damit sie sich für das Wahlrecht engagieren
11:17und sammelt Unterschriften
11:21Selina Cooper schließt sich den Suffragisten an
11:241900 sammelt sie 800 von den 29.359 Unterschriften
11:30die den Abgeordneten in London vorgelegt werden
11:33bei dieser Gelegenheit lernt sie Millicent Garrett Fawcett kennen
11:41Millicent Garrett Fawcett steht einer frisch gegründeten Organisation vor
11:45die seit 1897 alle Suffragistenvereinigungen des Landes in einem einzigen Verband vereint
11:51dem Nationalen Verband der Vereinigungen für das Wahlrecht der Frauen
11:55der National Union of Women's Suffrage Societies
11:59kurz NUWSS
12:02Es läuft alles immer mehr auf die Idee einer einheitlichen Kampagne
12:07und einer einheitlichen Organisation hinaus
12:09so soll alles so effizient wie möglich werden
12:14Doch ein scheinbar weit entferntes Ereignis bringt die Lage durcheinander
12:18Im späten 19. Jahrhundert wandern tausende englische Pioniere nach Südafrika aus
12:25angelockt von den riesigen Goldvorkommen, die dort gerade entdeckt wurden
12:29Allerdings gestehen ihnen die Afrikaner in ihrem Land lediglich das Recht zu
12:33zu arbeiten und Steuern zu zahlen
12:41Die englischen Pioniere machen Druck auf ihre Regierung
12:45die sofort verlangt, dass sie als vollwertige Bürger anerkannt werden
12:48und die gleichen Rechte erhalten wie die Einheimischen
12:51Die Afrikaner weigern sich
12:541899 erklärt ihnen das britische Empire
12:57im Namen der Anerkennung des Status seiner Untertanen den Krieg
13:00Die Aktivistinnen, die für das Frauenwahlrecht kämpfen
13:04sind sehr erstaunt
13:12Sie beobachten das und fragen sich, warum und wie ihre Regierung so weit geht
13:17einen Krieg im Namen britischer Männer zu führen
13:19die nicht einmal auf britischem Boden leben
13:21während sie den Frauen diese Rechte nicht gewähren will
13:29Und analog dazu wird ihnen klar
13:31Moment, es gibt also Zeiten, in denen es tatsächlich in Ordnung ist
13:35sich der Regierung zu widersetzen
13:37Im Grunde geht es ja um ein Prinzip, das unterstützenswert ist
13:40und das sogar unsere eigene Regierung unterstützt
13:43Das alles rechtfertigt die Idee des Widerstandes gegen den Staat
13:50Heute geht es bei uns um den Muttertag
13:53Da gibt es Blumen, Pralinen und Karten
13:56Aber so war der Tag eigentlich ja gar nicht gedacht
13:59Die Idee für den Tag entstand im amerikanischen Bürgerkrieg
14:051868 gründet Ann Jarvis, Pastor und Frau aus West Virginia, Müttervereine
14:10Sie bringt Soldatenmütter beider Seiten zusammen, deren Söhne im Bürgerkrieg starben
14:15Dass jeden dieser Männer eine Mutter großgezogen hat
14:18Mit Liebe, Hoffnung
14:20Daran will sie erinnern mit dem Muttertag
14:22Doch sie erlebte nicht, sie stirbt an einem zweiten Sonntag im Mai
14:25Ihre Tochter Anna setzt ihn durch
14:28Sie studiert, hält Reden, bringt 1914 US-Präsident Woodrow Wilson dazu
14:32Den Muttertag einzuführen
14:34An jedem zweiten Sonntag im Mai
14:37Der Muttertag wird ein Fest
14:40Vor allem für Geschenke und Blumenhändler
14:42In den USA wird er heute finanziell nur durch Weihnachten übertroffen
14:47Gegen diesen Kommerz protestierte schon 1943 Muttertagsgründerin Anna Jarvis
14:52Sie rief zum Boykott auf, kam sogar ins Gefängnis als Unruhestifterin
14:57Ihr Muttertag aber blieb erhalten
15:00Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen
15:06Dann wird euch alles andere dazugegeben
15:10Und dann wird euch die
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