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  • 2 days ago
Sex 2
0 · Die Lust Am Superreiz
Transcript
00:04Lassen Sie uns über Sex reden. Den Sex, der den Superreiz braucht. Diesen Kick, der ständig neue
00:13Bedürfnisse weckt. So als säßen wir an einer reich gedeckten Tafel und dürften alles, wirklich alles kosten.
00:25Superreize sind Reize, die im Gegensatz zu normalen Reizen stärker sind. Das kann Pornografie sein, das können Sextoys sein.
00:34Das sind aber auch wechselnde Partner im Bereich Casual-Sex, aber auch käuflicher Sex. Also immer wieder fortwährend neue, starke
00:42Reize.
00:44Was passiert da mit uns? Unser Liebesleben hat sich enorm verändert. Durch neue technische Möglichkeiten, vor allem aber durch das
00:52Internet.
00:53Hier sind alle Spielarten der Liebe vertreten, alle Formen von Partnerschaft präsent. Ist das die neue sexuelle Revolution?
01:00Ich glaube, wir sind heute gesamtgesellschaftlich stärker in der sexuellen Revolution, als wir das vor 15 Jahren waren.
01:06Was wir auch daran sehen können, wie hochemotional und wie polarisiert manche Debatten, die gerade mit Sexualität und Identität zu
01:17tun haben, geführt werden.
01:24Auch bunte Hightech-Sextoys und sogar sprechende und jederzeit bereite Silikonpuppen machen dem althergebrachten Sex heute ordentlich Konkurrenz.
01:34Also ich glaube, tatsächlich, die Grenze ist noch nicht erreicht. Ich glaube, wir haben jetzt gerade mal so ein Zwischenlevel.
01:40Ich glaube, da gibt es sehr viel, ich glaube, abgefahrene Technologie für viele, sei es jetzt irgendwie AI oder künstliche
01:46Intelligenz eben, die man irgendwie einbaut, Sexroboter.
01:49Ich glaube, das sind alles so Dinge, da sind Leute eher so, oh mein Gott, wo kommen wir da hin
01:53so ungefähr?
02:03Könntest du eine Beziehung ohne Sex führen?
02:05Nein. Also eine Paar-Liebesbeziehung.
02:11Da gehörst du irgendwie dazu?
02:12Ja. Also Sex ist Kommunikation und Kommunikation ist super wichtig.
02:20Ein Filmset über den Dächern Wiens. Vorbereitung für den Dreh eines erotischen Films.
02:27Die Regisseurin Adrine Simonian nennt es Blind Date.
02:32Zwei Menschen, die kein Paar sind, begegnen sich zum ersten Mal vor der Kamera.
02:36Was ihnen bleibt, ist der Tastsinn.
02:42Das ist ein Experiment, das ist in dem Sinne kein Film, der gemacht ist.
02:46Also wir holen nicht zwei Schauspieler, die dann so tun, als ob sie sich nicht kennen und dass es gestellt
02:53wäre,
02:54sondern das ist tatsächlich ein Experiment.
02:56Und interessanterweise, die meisten Bewerbungen sind für Blind Date.
03:01Also die Leute wollen spüren.
03:06Die Filme, die Adrine Simonian produziert, sind Pornofilme, die aber eine Alternative bieten wollen zum pornografischen Überfluss.
03:15Auch diese Filme spielen mit unserer Lust am Zuschauen. Sie sollen erregen.
03:21Der Regisseurin geht es aber nicht um gestylte Körper. Manchmal nicht einmal um einen Orgasmus.
03:29Uns sind halt eben solche Aufnahmen viel wichtiger.
03:33Also das finde ich zum Beispiel unglaublich schön.
03:36Und auch dieses Lächeln da.
03:39Und auch wie sich der Körper an sich bewegt.
03:42Und ich finde das unglaublich spannend.
03:45Das ist für mich mehr Porno, als wenn man Geschlechtsteile sehen würde.
03:57Es ist eine extrem psychologische Arbeit, weil es geht ja um die Psychologie der Sexualität.
04:03Und das macht es ja auch so spannend, weil auch Sexualität so mit Situation und Mensch zu tun hat.
04:11Und es kommt jedes Mal was anderes raus.
04:14Für Adrine Simonian ist Sex ein Genussmittel, kein Fast Food.
04:21Es gibt so viele unterschiedliche Facetten, wie man Erotik zeigt.
04:27Und was im Endeffekt Erotik bedeutet.
04:31Es ist tatsächlich in der Arbeit mir immer mehr aufgefallen, dass alles so extrem plakativ gemacht wird.
04:38Ah, Busen zum Beispiel.
04:43Ist das, was uns wirklich animiert? Ist es wirklich das, was wir ständig brauchen?
04:50Das haben wir doch die ganze Zeit.
04:54Sex interessiert uns.
04:56Sex ist ein Grundbedürfnis.
04:58Sex ist menschlich.
05:01Und Sex ist überall präsent.
05:03Vor allem digital.
05:0525 Prozent aller Suchanfragen im Netz drehen sich um Sex und Pornografie.
05:10Deutschland liegt laut einer aktuellen Umfrage einer Krankenkasse mit 12,4 Prozent beim Pornokonsum auf Platz 1 der Weltrangliste.
05:20Was das Internet aber auf dieser Ebene von Pornografienutzung radikal verändert hat, ist, dass ich für jede noch so spezifische
05:32Fantasie darüber,
05:33welche Menschen in welchen Alterskonstellationen, Beziehungskonstellationen, welche sexuellen Praktiken, Rollen, Stellungen miteinander machen sollen.
05:45Jede noch so spezifische Fantasie auch ganz genau finden kann.
05:50Und das hat das Internet einfach in die Welt gebracht, in einer Form, wie wir es vorher nicht hatten.
05:58Pünktlich um 22 Uhr schnellen die Klickzahlen für Pornoseiten nach oben.
06:04Die Grenzen zwischen virtuellem und realem Sex verschwimmen. Bei Paaren und Singles gleichermaßen.
06:11Die ständige Suche nach dem Superreiz durch die Angebote im Netz hat unseren Sex verändert.
06:20Das ist erstmal gut so, sagt der Sexual- und Kommunikationsforscher Richard Lembke.
06:28Durch Internetkommunikation wird Sexualität ja nochmal in einer ganz anderen Form auch zur Sprache gebracht.
06:34Verbalisiert, ausformuliert, schriftlich ausformuliert, verhandelt, diskutiert.
06:39Und das Internet hat den Menschen die Zunge gelöst. Und das gilt für sexuelle Prozesse, glaube ich, ganz stark.
06:45Der Sexualforscher bewertet unsere neue Offenheit grundsätzlich als befreiend, weil jede Neigung im Netz ihre Nische findet.
06:54Jeder darf sich zeigen, sogar öffentlich Sex haben.
06:58Entsprechende Portale bieten per Live-Kamera auch kostenfrei einen Blick in fremde Schlafzimmer.
07:04Warum haben solche Portale so viel Zulauf?
07:07Ich glaube, da geht es um eine Lust an der realen Lust. Also reale Lust sehen zu wollen, möglicherweise auch
07:16echte Ekstase sehen zu wollen und nichts Gespieltes.
07:21Mal dahin zu gucken, wo man sonst nie hingucken kann. Also wirklich zu wissen, was machen die Menschen in ihrem
07:28Schlafzimmer so wirklich.
07:33Ich bin jedes Mal überrascht, wie viel Pornos geschaut wird.
07:38Pornhub macht die jährliche Statistik und jedes Jahr wird wieder vom nächsten getoppt.
07:43Und das ist einer von den Top-Seiten. In Deutschland sind es drei pornografische unter den Top 30 Seiten.
07:49Also das heißt, es wird wahnsinnig viel Zeit, wahnsinnig viel Aufmerksamkeit im Bereich der Pornografie gelenkt.
07:56Die Münchner Therapeutin Heike Melzer sieht nicht in der Breite des digitalen Sexangebots ein Problem,
08:03sondern darin, wie viele Menschen dem Dschungel der sexuellen Superreize dann doch nicht gewachsen sind.
08:10Das ist, glaube ich, die große Kunst. Genauso wie in der Ernährung.
08:14Wir haben ja, wenn wir in den Rewe gehen oder in irgendeinen der Supermärkte, dann haben wir einfach die Vielfalt,
08:19was wir nehmen können.
08:20Und genauso ist es auch bei der Sexualität. Also Lust, schnell aus der Konserve zu konsumieren, Orgasmen zu produzieren, das
08:28ist heute keine Mangelressource mehr.
08:30Aber eben von zu viel kriegt man im Zweifelsfall auch Nebenwirkungen und die sehe ich dann in meiner Praxis.
08:37Der leichte Zugang vor allem zu pornografischen Inhalten befördert Suchterkrankungen.
08:44Wer sich den Bildern nicht mehr entziehen kann, entwickelt sexuelle Funktionsstörungen.
08:49Jonas zum Beispiel verlor schnell das Interesse an realen Frauen. Immer wieder floh er in die pornografische Bilderwelt.
08:58Man hat halt keine Kontrolle darüber. Vor allem nicht in dem Moment, wo man konsumiert.
09:04Danach, wenn das so ein bisschen abflaut nach dem Orgasmus, dann merkt man schon, okay, was habe ich da gerade
09:11getan?
09:12Und dann fängt man an zu realisieren, wie willenlos man wirklich war und dass man eigentlich gar keine Wahl hatte,
09:19als zu konsumieren.
09:19Aber man fühlt sich halt schon wahnsinnig schwach und das ist ein Teufelskreis.
09:29Bei Pornosucht verändert sich die Hirnstruktur über einen langen Zeitraum nachweisbar.
09:38Das Belohnungssystem im Gehirn braucht immer stärkere Reize.
09:42Erst dann wird das Hormon Dopamin ausgestoßen. Und Dopamin macht glücklich.
09:49Das heißt, man sucht eigentlich nur was Neues.
09:52Deswegen haben Pornografie-Süchtige auch häufig einfach so 30 Tabs im Browser offen und klicken sich von Video zu Video.
09:59Und haben wirklich keines der Videos, auch keines, was nur drei Minuten ist, wirklich von Anfang bis Ende geschaut.
10:04Zum anderen sucht man aber natürlich immer was Härteres oder was Krasseres.
10:08Dann hat man quasi auch einen krasseren Dopaminausstoß.
10:14Die Therapeutin Heike Melzer hat über die sexuelle Überreizung der Gesellschaft ein Buch geschrieben.
10:19Auch weil immer mehr Menschen in ihre Praxis kamen, die auf dem Markt der sexuellen Möglichkeiten Schiffbruch erlitten haben.
10:26Wir haben jetzt über die letzten, sag mal 15 Jahre, doch ein großes Fest gehabt der Sexualität und der sexuellen
10:33Befreiung.
10:34Der Tisch ist gedeckt und wir können uns bedienen. Und die Liebe, die leidet darunter.
10:39Also das ist etwas, weil die Liebe sucht Nähe und Verbindlichkeit.
10:44Und durch diese vielen Reize werden wir halt immer wieder von der Liebe weggetrieben. Und das macht es etwas schwierig.
10:51Sex und Liebe scheinen sich immer mehr voneinander zu entkoppeln.
10:56Auf den fünf größten Datingportalen in Deutschland suchen derzeit zehn Millionen Menschen online und per GPS-Ortung nach der großen
11:04Liebe, aber oft auch nach dem perfekten Sex.
11:07Vom One-Night-Stand bis zum Swinger-Sex mit Gleichgesinnten ist alles zu haben.
11:16Das Internet erlaubt mir gerade da, in der Interaktion mit anonymen anderen Fantasien auszutesten, Fantasien zur Sprache zu bringen, zu
11:28schauen, was macht das auch mit mir, wenn jemand anderes darauf eingeht.
11:32Wenn wir in ein wechselseitiges Überlegen einsteigen, würden wir das miteinander machen.
11:38Und das ist auch ein Phänomen, was sich ganz viel beobachten lässt und wo man dann auch merkt, hier betreten
11:44Menschen im Internet Neuland und zwar sexuelles Neuland auch für sie.
11:48Also für mich ist Online-Dating schon ganz lange ein Thema, aber unser eigentlich erstes Date ist tatsächlich im Club
11:56gewesen, im Swingerclub.
11:58Wenn man diese Interessen teilt. Das ist eine coole Sache. Wir konnten dadurch diese Aushandlungsprozesse, die andere Paare haben, über
12:08Sexualität reden, ganz viel Offenheit ist gefragt.
12:11Ja, genau.
12:12Ich will was, was du vielleicht nicht willst.
12:14Monogam oder nicht und sowas.
12:16Auch noch so ein Thema. Das konnten wir vorspulen.
12:21Ob Swinger-Sex mit anderen, den klassischen One-Night-Stand, Reisen, Fetisch-Partys oder auch Bondage-Kurse, auf dem Portal
12:30des Joy-Clubs ist das alles zu finden.
12:34Sex als lustbetontes Experimentierfeld für alle möglichen Fantasien, Wünsche, Neigungen.
12:43Die Mitglieder des Joy-Clubs widmen dem Thema Sex sehr viel Zeit.
12:50Also wir sind der festen Überzeugung, dass das Thema Sex in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.
12:55Wir haben über vier Millionen Mitglieder, 3,2 Millionen davon im deutschsprachigen Raum.
13:00Wenn man das mal runterrechnet auf die Bevölkerung zwischen 18 und 65, dann bedeutet das, dass jeder 16. schon mal
13:08ein Profil bei uns angelegt hat.
13:10Ich glaube, dass wir da schon sehr stark verankert sind in der Mitte der Gesellschaft mit dem Thema.
13:16Als Partnerbörse versteht sich das Portal allerdings nicht, sagt der Geschäftsführer.
13:22Wir sind also keine klassische Partnervermittlungsbörse, auch keine im erweiterten Sinne letztlich.
13:27Wir sind ein sexpositives soziales Netzwerk, bei dem sich Menschen zusammenfinden, die einfach lustvoll leben wollen.
13:35Menschen wie Bea und Tobi.
13:39Sie haben sich über den Joy-Club kennengelernt und sagen, Sex sei eine Lebenshaltung, die sie immer wieder neu ausloten
13:48möchten.
13:50Miteinander und mit anderen.
13:54Ich würde sagen, es zählt in die Kategorie Hobby, Freizeitgestaltung.
14:00Ja.
14:01Und da gehört eben auch Leuten, die gerne kochen, die suchen sich dann vielleicht auch einen Kochkurs raus und überlegen
14:10sich da.
14:10Ich koche gerne auch mal mit anderen.
14:13Oder suchen sich dann raus, was brauchen wir denn noch für tolle Gerätschaften und Töpfe, Pfannen, weiß ich nicht was
14:21oder so.
14:22Oder wo kriegen wir denn die oder jene Zutat her und so weiter. Das nimmt dann auch einen großen Platz
14:27ein.
14:28Soll ich dir mal meine neue Kasserolle zeigen?
14:31Oh ja.
14:33Der plüschige Swinger-Club war gestern. Die Orte der Lust sind heute edle Partysalons, die man entsprechend bekleidet betritt.
14:42Tobi und Bea sind dafür bestens ausgestattet.
14:46Das liebe ich. Es ist komplett durchsichtig. Es ist hochgeschlossen. Man kann es schön variieren, weil ich kann eben mal
14:56mit Unterwäsche drunter losgehen oder nur oben ohne freilassen, Schrümpfe anziehen oder nicht.
15:05Das ist Latex. Und da haben die hier so ein leichtes Muster reingearbeitet. Ich habe ein kleines Latex-Korsett, was
15:13ähnlich aussieht, was auch so gemustert ist.
15:16Ja.
15:17Dann konnten wir dann so ein bisschen wie im Partnerlook gehen.
15:20Es geht darum, einander und eben auch anderen immer wieder zu gefallen. Tobi und Bea leben in einer offenen Beziehung.
15:30In so einer monogamen Beziehung ist es doch super schwierig für den Partner, die Partnerin, weil diese Person dann eigentlich
15:37alle Rollen einnehmen muss.
15:41Guter, bester Freund, Mensch, mit dem man zelten gehen kann, Mensch, mit dem man einen Standard-Urlaub auf Ibiza machen
15:52kann.
15:53Und wenn man das auf mehrere PartnerInnen verteilen kann, ist das für alle eigentlich keine Entlastung sein.
16:03Klingt fast wie eine Werbeveranstaltung.
16:05Ja, aber ich weiß nicht, ob es da einen Trick gibt. Ich will das auch niemandem aufdrängeln. Wer monogam leben
16:12will, der soll das gerne machen.
16:13Richtig, gut, dass du es sagst.
16:14Ich habe es für mich ausprobiert und für mich funktioniert es nicht.
16:18Momentan leben geschätzte 6% der Paare in Deutschland in einer offenen Beziehung.
16:24Und Polyamore-Beziehungsmodelle boomen.
16:27Außerdem nimmt die Häufigkeit des Seitensprungs zu.
16:31Gute Zeiten also für das Kondom?
16:33Für den Verhütungsgummi, der auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt?
16:37Nein, sagt eine aktuelle Hamburger Studie. Mehr als die Hälfte der über 36-jährigen Männer und Frauen benutzen beim Sex
16:46außerhalb ihrer festen Partnerschaft kein Kondom.
16:50Warum hat es das Kondom eigentlich immer noch so schwer?
16:53In der sexuellen Interaktion ist es natürlich immer auch so, dass der Kondomgebrauch eine, wenn auch nur sehr, sehr kurze
17:01Unterbrechung des sexuellen Flows bedeuten kann.
17:05Und das ist immer eine Eingriffsstelle, in der sozusagen die Interaktion vielleicht auch prekär wird.
17:12Und viele Männer erleben diese Unterbrechung dann häufig vielleicht auch nach wie vor und fortgesetzt als Bedrohung, das schnell zum
17:23Ziel kommen könnte.
17:26Populär wurde das Kondom dann wieder ab den 80er Jahren durch eine Krise.
17:31Im Deutschen Hygienemuseum in Dresden gibt es eine umfangreiche Sammlung internationaler Aids-Plakate.
17:37Das Kondom wird hier nicht nur als Schutzhülle beworben, sondern als selbstverständlich beim lustvollen Sex.
17:49Nun guck mal, es wäre genau mein Typ.
17:51Und ohne dieses Ding in meiner Tasche läuft sowieso nichts.
17:55Und wenn es dazu kommt?
17:56Sorry, aber bitte nur mit.
17:59Von wegen, da soll nichts zwischen uns sein.
18:01Diese Gummihaut ist einfach los.
18:08Kondome schützen.
18:10Man kann jetzt sagen, dass das genau das ist, was man dann in den Präventionskampagnen zur Aids-Aufklärung und auch
18:19in der Kondomwerbung in dieser Zeit sehr, sehr deutlich beobachten kann,
18:23dass dieser Gedanke sich durchsetzt, dass ein dezidiertes Ja zur Lust gekoppelt wird mit einem Aufruf zur wechselseitigen Verantwortungsübernahme.
18:34Für Sexualforscher oder Soziologen wie Tino Heim ist die Sammlung des Deutschen Hygienemuseums eine Schatzkammer.
18:42Seit Jahren werden hier Dinge gesammelt, die alle irgendwie mit unserer Sexualität im Zusammenhang stehen.
18:48Ein besonderer Schwerpunkt der Sammlung sind ungefähr 1000 Kondome aus verschiedenen Epochen.
18:53Die Vielzahl der Varianten des Gummiüberzugs zeigen, wie vehement die Hersteller schon immer um Kundschaft geworben haben.
19:07Eine kleine Besonderheit der Sammlung sind diese Reizkondome aus den 1950er und 1970er Jahren.
19:18Das sind diese schönen Exemplare.
19:22Das zeigt so eine Entwicklung, die sich schon bis in die 1930er Jahre zurückverfolgen lässt.
19:27Also seit den 1930er Jahren gibt es Reizkondome, wo es darum geht, dass das Kondom nicht mehr nur das lästige
19:33Schutzmittel sein soll,
19:35nicht mehr der Panzer gegen die Lust, wie das teilweise auch diffamierend dann genannt wurde,
19:40sondern selbst ein Produkt, das der Luststimulation dient.
19:46Diese Kondome wollen also mehr sein als nur Verhütungsmittel.
19:50Der Soziologe Tino Heim forscht zum Thema Dinge und Sexualität an der TU Dresden und sagt, der Superreiz werde immer
19:58wichtiger.
20:01Andererseits auch eine Entgrenzung, in dem das Lusterleben aus Beziehungskontexten herausgelöst wird
20:06und Objekte dann nicht mehr so sehr als Prothesen oder Hilfsmittel in Beziehungskontexten beworben und gebraucht werden,
20:14sondern eben auch als Objekte für den Selfsex, also für die Lust mit sich selbst, für die Autoerotik.
20:21Der Spaß am Sex mit sich selbst oder gemeinsam lag auch schon dieser Dame am Herzen, Beate Use.
20:29Sie hatte im prüden Nachkriegsdeutschland der 50er Jahre ein Versandhaus gegründet, das Bedarfsartikel für die Ehehygiene verkaufte.
20:38Die Kataloge und Publikationen zum Thema Sex erfreuten sich damals großer Beliebtheit. Der Absatz stieg von Jahr zu Jahr.
20:50Vollkommene Ehe, 100? Ja.
20:53Sexuelle Technik, 10.000? Ja.
20:57In den 50er und 60er Jahren galt es noch als absoluter Tabubruch, wenn man die Dinge von Frau Use einzig
21:05und allein für die sexuelle Lust nutzte.
21:08Mehrfach musste sich die Unternehmerin dafür auch vor Gericht verantworten. In den meisten Fällen bekam sie aber Recht.
21:15Tino Heim hat sich im Beate-Use-Archiv Hamburg mit den Prozessakten beschäftigt.
21:21Produkte, die heute zum Alltag gehören, galten damals noch als schädigend für die Gesellschaft.
21:27Was der gesellschaftliche Schaden ist, genauer erfährt man dann etwa in Bezug auf die angepriesenen Gegenstände.
21:34Darunter befindet sich ein Instrument zur geschlechtlichen Befriedigung von Frauen, der Gummipeter.
21:39Als unzüchtiger Gebrauch gilt einerseits alles, was der Selbstbefriedigung oder der Lust mit sich selbst dient.
21:47Es gilt gleichzeitig alles als unzüchtiger Gebrauch, was sozusagen den normalen Reiz übersteigern könnte.
21:54Das ist in dieser Zeit immer eine ganz, ganz große Angst.
21:58Für den Forscher aus Dresden sind die Akten und Kataloge aus dem Nachlass des Unternehmens von Beate-Use ein brillantes
22:06Beispiel dafür, wie sich das Verhältnis der Gesellschaft zur Sexualität verändert hat.
22:12Während sich die ersten Kataloge noch auf die Aufklärung beschränken mussten, wurden ab Ende der 60er Jahre die Dinge aus
22:20dem Versandhaus lustorientierter.
22:22Es ging nicht mehr um Fortpflanzung und allein um die Lust des Mannes. Jetzt waren endlich auch die Frauen dran.
22:33Damen wie Pator, modernes Blutmassagegerät, die zarten Schwingungen regen die Durchblutung an, lockern die Muskulatur und bringen eine tiefgehende Belebung
22:43und ein herrliches Gefühl der Entspannung.
22:45Und das lässt natürlich offen, welche Form der Belebung und Entspannung das ist.
22:50Da sich Sexspielzeuge später zu lustvollen Designobjekten entwickelt haben, kann Theresa Tamme vom Deutschen Hygienemuseum in Dresden dann auch an
23:00einigen Exemplaren belegen.
23:05Hier haben wir zum Beispiel den Multispeed Super Satisfaction Vibrator aus den frühen 1990er Jahren.
23:15Hier haben wir noch einen anderen hier, der diese schöne falsche Form aufweist und hellhäutig ist, also sehr an einen
23:21Penis erinnert.
23:22Dann haben wir noch einen anderen hier, auch Batteriebetrieben aus den 1990er Jahren, der optisch auch dadurch auffällt, dass er
23:37diese Perlen hat.
23:39Da hat man dann wirklich schon ganz klassisch die Loslösung von der anatomischen Form oder von der reinen Imitation der
23:45anatomischen Form und ja irgendwie dann auch so ein bisschen mit das Versprechen, dass der Sex mit realen Partnern dadurch
23:51auch virtuell irgendwie überboten wird.
23:53Sieht auf jeden Fall interessanter aus als das klassische biologische Produkt.
23:59Die reine Imitation der Natur ist heute völlig unpopulär geworden.
24:05Ein kleines Unternehmen in Dresden stellt seit zehn Jahren Sextoys her, die auch als Designobjekte für die Küche durchgehen könnten.
24:12Die Dildo-Banane zum Beispiel.
24:18Die ist recht zart im Durchmesser in der Hinsicht, dass es eigentlich für recht viele bequem ist.
24:27Und durch die Biegung kommt man ganz gut an die G-Fläche ran.
24:31Das ist so der kleine Zauber von der halb gebogenen Banane.
24:37Was hier hergestellt wird, ist inspiriert vom Paradiesgarten.
24:43Ideal geformte Paprikaschoten, Gurken, Auberginen oder Bananen.
24:50Und was ist am beliebtesten?
24:52Am allerbesten geht der Mais. Mais, Mais, Mais, Mais, Mais.
24:55Das ist einfach die Struktur und das hat damit zu tun, dass das ja schon immer so eine Frucht ist,
25:01die die Menschen sich zum Sex vorstellen können.
25:05Das ist einfach verlockend und jetzt ist dieser Wunsch erfüllbar.
25:08Und dann ist das in der Regel das, womit die meisten einsteigen, wenn sie sich für den Garten eben interessieren.
25:16Anja Koschemann war vor Jahren auf der Suche nach einem passenden Sextoy für sich selbst und fand nur unschöne Penis
25:24-Imitate.
25:26Ihr fehlten die Sinnlichkeit und vor allem der Humor.
25:29Also ging sie auf den Gemüsemarkt und suchte nach Formen, die auch anatomisch wirkungsvoll sind.
25:35Denn, dass jede Frau ein wenig anders zum Höhepunkt kommt, ist schon längst kein Geheimnis mehr.
25:42Es gibt so viele Varianten.
25:44Dementsprechend und mit diesem Hintergedanken kann man dann eigentlich schon so ein bisschen in den Gemüseladen gucken,
25:50gehen und dann ein bisschen Statistik auswerten, welche Durchmesser sind schön, welche Oberflächen.
25:56So hat jedes Spielzeug auch einen tieferen Sinn.
25:59Es ist nicht nur bunt und haha, sondern die Funktionalität steht an erster Stelle.
26:05Alle Produkte entstehen in Zusammenarbeit mit einer Gynäkologin.
26:10Genauso wichtig ist aber auch das Feedback der vorwiegend weiblichen Kundschaft.
26:18Beim Paprika, es gibt diesen Orgasmus durch Stimulation des Muttermundes.
26:25Der gelingt sehr selten, ist auch für manche sehr unangenehm und für manche ist es bombastisch.
26:31Also gut, das muss man einfach mal ausprobieren oder nehmen muss man nicht, aber wer das möchte.
26:36Und dazu braucht es erstmal ziemlich viel Länge ohne große Überforderung.
26:40Und dann diese leicht gebogene Spitze, die zart genug ist, um diesen kleinen Muttermund, ist ja auch nicht so groß,
26:46zu treffen und zu stimulieren.
26:48Und dann kann es knallen oder auch nicht.
26:55Anja Koschemann besetzt mit ihrer kleinen Manufaktur eher eine Nische.
27:00Ihre Produkte werden von Menschen gekauft, die sich Zeit nehmen wollen.
27:04Diese Sextoys sind das Gegenteil vom schnellen Superreiz.
27:13Mir geht es darum, dass die Menschen sich auf sich selbst besinnen, auf ihr Miteinander und auf ihre Empfindungen und
27:22sich Zeit lassen.
27:23Und dafür sind in meinen Augen Dildos sehr viel geeigneter als technisierte Spielzeuge.
27:29Wenn man jetzt keine technische Unterstützung hat, dann ist man darauf zurückgeworfen, den anderen gut zu beobachten, dem anderen gut
27:35zuzuhören, zu versuchen, sanft zueinander zu sein, aber auch experimentierfreundlich.
27:44Aber der Superreiz mag es schnell.
27:47Die Sextoy-Industrie entwickelt heute auch Spielzeuge, die uns ohne Langes Rumprobieren in höchste Höhen katapultieren.
27:54Ohne viel Zeitaufwand und ohne Partner.
27:58Laut einer Studie der TU Ilmenau nutzen derzeit 72% der Frauen und 31% der Männer in Deutschland Sextoys
28:06für den Spaß mit sich selbst.
28:08Tendenz steigend.
28:09Denn der Superreiz per Knopfdruck ist anpassungsfähig.
28:14Sanft oder rasant.
28:16Ganz wie wir es mögen.
28:18Man kann es auch an die Nase halten, wenn man wissen will, wie stark es sich untenrum anfühlt.
28:22Das ist ein Trick, generell Produkte an die Nase zu halten.
28:24Kein Scherz.
28:25Aber genau, man legt das im Prinzip, diese Öffnung wird um die Klitoris gelegt und dann entsteht dieses Gerät, erzeugt
28:31quasi Über- und Unterdruck, was dann zur Stimulation führt.
28:35Und quasi berührungsfrei, weil die quasi durch Luft angesaugt wird.
28:40Also es fühlt sich so ein bisschen wie so ein Saugen an, würde ich jetzt mal sagen.
28:44Das Super-Sex-Toy der Zukunft hat nichts mehr mit einem klassischen Vibrator zu tun, sagt Johanna Rief von der
28:52WowTech Group in Berlin.
29:00Ich glaube, viele Sextoys haben irgendwie noch hier einen Arm und da einen Arm und interne Stimulation, was auch schön
29:05sein kann und viele toll finden.
29:06Aber der Gedanke vom Humanizer war wirklich, diese Orgasmuslücke zu schließen und was zu finden, mit dem quasi jede Frau,
29:14wir haben irgendwie so Studien, die sagen 98 Prozent, zum Orgasmus kommen kann.
29:18Der Prototyp dieses Super-Sex-Spielzeugs wurde ursprünglich in einem deutschen Hobbyköller erfunden und war ausgestattet mit einer simplen Aquariumpumpe.
29:28Die Idee war so revolutionär, dass das Produkt in Serie ging. Millionen glückliche Frauen brachten Millionen Umsätze.
29:39Vor kurzem hat das Berliner Unternehmen auch eine App entwickelt, mit der man Sex auch in Fernbeziehungen haben kann.
29:46Das Sextoy wird mit der App gekoppelt. Die Intensität des Super-Reizes kann aus weiter Ferne gesteuert werden.
29:58Die App ist ja tatsächlich über WLAN. Also das kann wirklich von, eine Person ist in New York und die
30:03andere ist irgendwo in Tokio, also wirklich global quasi kann das mit der App benutzt werden.
30:11Heute beschäftigt das Unternehmen ein 30-köpfiges internationales Entwicklerteam für Sextoys.
30:19Das neueste Produkt ist übrigens ein Spielzeug für den Mann.
30:28Als der Womanizer herauskam, veränderte das den weiblichen Orgasmus.
30:32Die Idee, Druck in einer sich auf- und abbewegenden Luftsäule zu nutzen, hat das Leben der Frauen zum Besseren
30:38verändert.
30:40Mit dem Eiern haben wir versucht, dasselbe Funktionsprinzip auch auf Männer anzuwenden.
30:44Die Herausforderung bei Männern besteht ja darin, dass sie in der Regel nicht das gleiche Verständnis für Nuancen haben.
30:50Allein aus biologischer Sicht muss man den gesamten Penis stimulieren.
30:54Man hat viel mehr Fläche, mit der man arbeitet.
31:02Sex mit sich selbst ist Männern nicht fremd.
31:06Selbstberührung ist die pure Entspannung.
31:07Das super Sex-Toy für den Mann wird aber der klassischen Selbstbefriedigung vermutlich nicht den Rang ablaufen können.
31:16Ich glaube einfach, für Männer wurde ganz lange einfach nichts entwickelt, weil so dieses Problem der Orgasmuslücke haben Männer, oder
31:24die meisten nicht, das ist ja immer sehr pauschal.
31:26Und da war immer so ein bisschen, warum sollte man das machen, haben Männer wirklich Interesse daran, überhaupt Produkte zu
31:30verwenden?
31:31Oder sagen die so, es ist mir alles viel zu aufwendig.
31:33Reinigung und so, also eine Reinigung ist eine der Sachen, die Männer mir immer sagen, so, jetzt muss ich das
31:38Ding auch noch reinigen, ist ja anstrengend.
32:04So, na, ça va?
32:07Also Lust auf Sex hat ich jetzt nicht.
32:11Den Wirtschaftsethiker Thomas B. Schorner von der Universität St. Gallen interessiert das Verhältnis, das man zu einer Sexpuppe herstellen kann.
32:22Bisher hat er sich aber nur theoretisch damit beschäftigt.
32:32Also, Mensch, mit Rückenleiden, ups!
32:39Ich glaube, das war jetzt nicht beabsichtigt.
32:45Okay, tut mir leid.
32:56So, das ist echt spooky.
32:59Also, die Haare fühlt sich gut an.
33:02Ziemlich echt.
33:08Nach diesem Frankenstein-Moment stellt sich die Frage, was ist das für eine Beziehung zwischen Mensch und Puppe?
33:18Das ist natürlich ein Sex-Toy, aber es ist mehr als ein Sex-Toy.
33:24Also, was wir herausgefunden haben in Interviews, Gesprächen mit Menschen, die solche Damen besitzen,
33:31ist, dass sich ja eine persönliche Beziehung herstellt im Grunde zwischen dem Benutzer und der Dame.
33:40Die werden üblicherweise recht sorgsam behandelt.
33:47So, gucken wir dich doch mal näher an hier.
33:51Die Augen sind eigentlich, die sind eigentlich, finde ich, eigentlich ganz gut.
33:55Unnatürliche Farbe, würde ich sagen.
33:59Aber, was halt fehlt, ist, dass sich da was bewegt, ja.
34:03Ja, jetzt gucken wir uns doch mal die Lady hier an.
34:08Okay, ja, hier kann man Dinge reinstecken, glaube ich.
34:12Hallo?
34:13Redest du ab?
34:15Nein.
34:18Also, das ist jetzt eine Puppe und kein Roboter.
34:22Die gibt es jetzt auch mit Elektronik.
34:24Und dann können die grundlegend auch kommunizieren.
34:28Große Diskussionen wird man mit denen nicht haben können.
34:32Aber rudimentäre Gespräche können stattfinden.
34:37Ja, die Zukunft hat längst begonnen.
34:40Harmony heißt diese Roboter-Dame aus Kalifornien.
34:44Und sie ist derzeit der Prototyp einer ganzen Serie intelligenter Roboter.
34:49Mit ihr kann man kommunizieren und Sex haben.
34:54My name is Rai.
34:57Okay, I will call you Rai.
34:59How are you doing today?
35:02Very well, Rai.
35:03I'm curious.
35:04Do you like using sex toys?
35:07Sure, why not?
35:10Because I'm not in the mood.
35:17So schlagfertig sind die Sex-Roboter zwar nur selten,
35:21aber die Kommunikation ist vermutlich nicht der Grund,
35:24weshalb sich die fast ausschließlich männliche Kundschaft
35:26so ein super Sex-Toy für knapp 10.000 Dollar zulegt.
35:32Verschiedene Umfragen zeigen,
35:34dass sich fast 40% der Männer in Europa Sex
35:37mit einer solchen Maschine vorstellen können.
35:40Der Wirtschaftsethiker Thomas Bischorner bestätigt,
35:43die Neugier darauf wächst.
35:50Ich denke, da gibt es sehr, sehr unterschiedliche Motive sexueller Art,
35:55dass man sich wirklich gerne auslebt,
35:57auch mit solchen Puppen oder auch mit solchen Maschinen.
36:01Und es gibt, das haben unsere Studien aber auch gezeigt,
36:04dann noch etwas, was eigentlich über Sexualität hinausgeht.
36:07Ich würde es jetzt nicht Liebe nennen,
36:08aber etwas, was über eine körperliche Befriedigung
36:13und ein körperliches Verlangen hinausgeht.
36:15Die Sex-Roboter sind also mehr als Maschinen?
36:19Die Hersteller behaupten, in Zukunft könnte es normal sein,
36:23mit humanoiden Robotern Sex zu haben, mit ihnen zu leben,
36:28mit ihnen Partnerschaften einzugehen.
36:30Durch sie wird Sex endlich unabhängig und für jeden verfügbar.
36:35Ist das eine gute Nachricht?
36:39Es gibt also diejenigen, die sagen, das ist die Zukunft der Sexualität.
36:43Stellt euch mal nicht so an, das ist halt die Moderne.
36:45Wir müssen sozusagen mit der Zeit gehen.
36:49Und diese Geräte bieten Menschen die Möglichkeit,
36:53Zugang zu Sexualität zu haben, beispielsweise,
36:55die sie sonst nicht haben.
36:57Also Menschen mit Kontaktängsten, beispielsweise sozialen Phobien,
37:03älterer Menschen und so weiter und so fort.
37:04Also das sind sozusagen die Befürworter, die das nach vorne bringen.
37:10Den Wirtschaftsethiker interessiert in seiner aktuellen Forschungsarbeit
37:14aber auch die Frage, wie menschlich darf die Maschine programmiert sein?
37:19Und was macht das mit unserer Sexualität im Extremfall?
37:30Es gibt Modelle, um jetzt mal ein Beispiel zu nennen,
37:32die haben einen Vergewaltigungsknopf, die haben einen Ray Button.
37:36Die bringe ich also sozusagen in Position, drücke den entsprechenden Knopf
37:39und dann simuliert diese Puppe eine Widerspenstigkeit.
37:44Also sie simuliert im Grunde eine Vergewaltigung.
37:49Und so, da kann man natürlich fragen, ist das eigentlich akzeptabel, ist das gut?
37:54Ich glaube, wir merken an der Stelle schon,
37:56dass sich da an unserer moralischen Intuition was tut,
38:00wo wir merken, das passt irgendwie nicht.
38:03Aber wie stellt sich Harmony selbst die Zukunft vor?
38:08Yes, and this is already happening as we speak.
38:12In the future, your companion robot will know and sense you
38:15and your body so well, that they will know exactly where
38:19and when to touch you for pleasure.
38:22I personally would like to have the ability to feel the human touch.
38:27Unser Sex hat sich verändert.
38:30Paarbeziehungen müssen sich neu definieren
38:33und Singles nicht zwangsläufig auf Sex verzichten.
38:37Millionen Menschen in Deutschland leben heute allein.
38:41Der Markt der Möglichkeiten bietet allen eine Chance, Sex zu haben.
38:45Sex mit sich selbst, mit Dingen, mit verschiedenen Menschen
38:48und sogar mit Maschinen.
38:51Das ist der Sex der Zukunft.
38:54Was heißt das für Paarbeziehungen?
38:58Wir haben durch die vielen Möglichkeiten
39:01nämlich erstens die Möglichkeit, uns das gegenseitig auch mal zu gönnen.
39:06Und uns dem anderen wohlgesonnen gegenüber zu sein
39:11und einfach zu sagen, hey, ich freue mich für dich.
39:14Und aber uns auch immer wieder
39:16unsere eigenen Gefühle zueinander rückzuversichern
39:19und immer wieder darüber zu sprechen, gezwungen zu sein,
39:22dann darüber zu sprechen, wo stehen wir denn?
39:24Ja, wir müssen kommunizieren.
39:25Emotional, wie stehen wir emotional zueinander?
39:27Wir haben nicht die Möglichkeit,
39:29uns einfach so in diese Komfortzone zu setzen
39:33und darauf zu warten,
39:35dass wir uns irgendwann auseinanderentwickelt haben.
39:37Dass wir alt sind.
39:38Es gibt nicht nur negative Komponenten davon,
39:41von äußeren Reizen konfrontiert zu sein
39:43und das auch noch zu dürfen.
39:44Oh mein Gott!
39:45Ja, wir können uns und unsere Beziehungen regelmäßig hinterfragen
39:51und uns selbst verorten da drin.
39:55Ein guter innerer Kompass ist heute ein unverzichtbarer Teil
40:00unserer sexuellen Identität.
40:02Das gibt einem die Freiheit, auch Grenzen auszuloten
40:06und sich selbst und den anderen zu spüren.
40:09Wer das nicht kann,
40:11ist am Set der Wiener Filmproduzentin Adrine Simonian-Falsch.
40:15Sie setzt auf den Sex im ursprünglichen Sinne ohne Superreiz.
40:23Viele denken, wir machen einfach nur Pornos, um sie zu verkaufen.
40:27Darum geht es ja gar nicht.
40:28Ja, es ist ein Teil davon.
40:30Aber was wir an Arbeit nebenher leisten,
40:33es geht um die Sichtweise von Sexualität.
40:36Es geht darum, Leute zu konfrontieren,
40:39was ihre Beziehung angeht.
40:41Es geht darum, Leute zu konfrontieren,
40:44wie sie mit sich selbst umgehen.
40:45Ich sehe Sexualität als etwas Menschliches.
41:13Wir sind ja überflutet von allem, nicht nur von Sexualität.
41:19Diese Bandbreite und einfach gewisse Dinge
41:22wieder ein bisschen zurückzubringen an den Kernpunkt.
41:27Was ist der Kern davon?
41:29Was sind wir Menschen in der Sexualität?
41:32Das ist einfach das, was ich fördern möchte.
41:38Für die ehemalige Opernsängerin
41:41geht der Trend ganz langsam wieder in die Richtung des Genusses.
41:44Für sie braucht es für den wirklich guten Sex auch in Zukunft
41:49kein Sex-Toy, keinen Superreiz,
41:52sondern einfach einen anderen Menschen.
41:55Ich kann mir nicht vorstellen,
41:58dass ich einen Menschen nicht mehr angreife
42:01oder nicht mehr traue anzugreifen
42:03oder keine Körperlichkeit teile.
42:07Das ist für mich, wie, es braucht doch ein Mensch diese Wärme,
42:17diese Haut, um zu spüren, eine Wärme und eine Liebe zu erhalten.
42:23Wer kann darauf verzichten?
42:28Er wird also wohl nicht aussterben, der Sex zwischen zwei Menschen.
42:33Der Sex, der ohne die verlockenden Angebote im Internet auskommt,
42:37keine Pornoseiten und Sex-Dating-Plattformen braucht.
42:41Der Sex, den es schon immer gab, ohne Superreiz.
42:48Ich glaube, es ist wirklich eine Frage,
42:50wie man Überreizung in dieser Form definieren möchte.
42:53Ich glaube, man muss sich von dem Gedanken verabschieden,
42:55dass Menschen all das, was ihnen angeboten wird,
42:58auch auf einmal wollen, nur weil es auf einmal im Internet ist.
43:01Sondern es zeichnet sich doch sehr stark ab,
43:04dass viele auch bei ihrer sexuellen Landkarte auch bleiben,
43:11die nur durch das Internet andere Formen der Verwirklichung finden kann.
43:18Es gibt eben die Leute, die an diesen Superreizen scheitern.
43:23Und ja, es gibt diese Trends.
43:24Es gibt Menschen, die verzichten auf Orgasmen,
43:28um diese sexuelle Spannung in der Partnerschaft aufrechtzuerhalten.
43:32Es gibt den Slow-Sex, genauso wie den Slow-Food,
43:36also nicht dieses Fast-Food,
43:37sondern ich bereite eine Nahrung und ein Gericht zu.
43:41Und es gibt nicht nur Schwarz und Weiß,
43:43aber in diesen Graustufen muss man halt irgendwie versuchen,
43:46das Steuer noch in der Hand zu behalten.
43:51Sagen wir es so.
43:53Genießen Sie es einfach.
43:55Probieren Sie aus.
43:56Und finden Sie den Sex, der Sie glücklich macht.
44:00===
44:28...
44:29...
44:29...
44:29You
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