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00:03I am in Bukarest, in Romania.
00:07Here I want to go to a thing,
00:09which should all of us be worried about.
00:15Resistente, also unempfindliche Keime
00:18are only our weak, but ultimately all of us.
00:22Because they make Standard-Medicaments weissing.
00:25And we should still be?
00:35I will Apotheken auf die Probe stellen und habe viele Fragen.
00:39Weil ich den Eindruck habe,
00:41dass Superbakterien für uns immer gefährlicher werden.
00:52Sie könnten 100 Jahre medizinischen Fortschritt zunichte machen,
00:57sodass heute noch behandelbare Krankheiten
00:59zu einem Todesurteil werden können.
01:09Bakterien infizieren Menschen, töten sie.
01:11Und das, obwohl wir doch eigentlich Medikamente geben sie haben.
01:14Wie kann das sein?
01:15Und vor allem, wie kommen wir aus dieser lebensbedrohlichen Situation
01:19wieder heraus?
01:33Ich starte meine Spurensuche in der Hauptstadt von Rumänien.
01:37In keinem anderen Land in Europa nehmen die Menschen
01:39so viele Antibiotika ein wie hier.
01:41Und das ist ein Problem.
01:44Je mehr Antibiotika wir einnehmen,
01:46desto mehr resistente Keime können entstehen.
01:50Hier in Rumänien soll es Antibiotika ohne Rezept geben.
01:54Einfach so.
01:55Ich will herausfinden, ob das wirklich stimmt.
01:57Denn in Deutschland ist sowas verboten.
01:59Um den Konsum zu kontrollieren.
02:01In Rumänien ist offiziell eine kleine Notfalldosis erlaubt.
02:05Aber kriege ich hier auch mehr?
02:08So, es geht los.
02:09Und ganz ehrlich, ich hoffe, dass ich ohne was zurückkomme.
02:13Denn bei der Antibiotika-Einnahme ohne ärztlichen Rat
02:16können Fehler passieren.
02:19Schlucken wir zum Beispiel ein unpassendes Antibiotikum,
02:21kann das den krankmachenden Bakterien nichts anhaben.
02:24Das Medikament wirkt schlichtweg nicht.
02:27Bakterien überleben auch, wenn wir zwar das richtige Mittel schlucken,
02:30aber zu wenig davon.
02:32Oder wenn die Einnahmedauer zu kurz ist.
02:34So bekommen die Bakterien die Chance, sich zu vermehren
02:37und resistent zu werden.
02:45Die erste von zehn Apotheken in Bukarest ist gecheckt.
02:50Um niemanden in Verruf zu bringen, zeigen wir nicht, in welcher ich war.
02:58Ich habe einfach behauptet, ich hätte eine Blasenentzündung und zack, hatte ich das hier.
03:04Ein Antibiotikum.
03:06Dass es so einfach sein würde, damit habe ich echt nicht gerechnet.
03:10Ein Einzelfall?
03:12Ich ziehe weiter, immer ohne Rezept, mitten am Tag.
03:15Am Ende geben fünf Apotheken Antibiotika raus.
03:20Dreimal bekomme ich die erlaubte Notfalldosis, einmal eine halbe und einmal sogar eine komplette Packung.
03:27Das ist auch in Rumänien verboten.
03:30Antibiotika ohne Rezept.
03:33Das gibt es nicht nur hier.
03:36Weltweit wird mehr als die Hälfte der Antibiotika ohne ärztlichen Rat abgegeben.
03:47Das ist auch deswegen beunruhigend, weil wir es bei Bakterien mit raffinierten Gegnern zu tun haben.
03:57Das hier finde ich echt verstörend.
03:59Ein Experiment von Forschenden der Harvard Medical School, wo sie rausfinden wollten, was passiert mit Bakterien in Gegenwart von einem
04:06Antibiotikum.
04:07Wie schnell können sie resistent werden?
04:10Dieser Hindernisparcours für Bakterien sollte das zeigen.
04:13Ganz außen jeweils Zonen mit optimalen Lebensbedingungen.
04:17Im Streifen 1 ein Antibiotikum in einer tödlichen Dosis für die Bakterien.
04:21Und die steigert sich Richtung Mitte bis zum Tausendfachen der tödlichen Giftkonzentration.
04:28Dann wurden links und rechts Bakterien aufgetragen.
04:31Die haben sich hervorragend entwickelt, immer weiter verbreitet, genau bis zu der Grenze, an der das Antibiotikum startet.
04:38Das soll ja auch so sein, denn das soll ja eigentlich Bakterien stoppen.
04:42Eigentlich. Denn einige Bakterien schafften es, in das tödliche Feld vorzudringen.
04:47Sie waren resistent geworden.
04:49Und sie meistern sogar die höheren Giftkonzentrationen.
04:53Erst stoppen die resistenten Bakterien zwar, doch nach kurzer Zeit wandern selbst hier einige von ihnen weiter.
05:01Das heißt, die Bakterien verändern sich in der Gegenwart eines Antibiotikums so, dass sie auf einmal in der Lage sind,
05:08es zu überleben.
05:10Diese resistenten Bakterien können dann schwerer oder gar nicht mehr behandelt werden.
05:16Darunter leiden Menschen vor allem in großen Teilen Afrikas, in Indien und China.
05:21Aber auch anderswo spitzt sich die Lage zu.
05:25Weltweit sterben jedes Jahr mehr als eine Million Menschen an resistenten Bakterien.
05:31Allein in Europa sind es 35.000 Tote.
05:36Die Keime lauern überall. Im Boden, im Wasser, in der Luft.
05:40Und von dort können sie in unseren Körper gelangen.
05:45Eine konkrete Bedrohung, die mir jedoch abstrakt und weit weg vorkommt.
05:50Mein Immunsystem hat bisher alle Keime in den Griff bekommen.
05:56Nur was, wenn meine Abwehr eines Tages mal so geschwächt sein sollte, dass resistente Bakterien auch mich krank machen?
06:05Ich möchte verstehen, was es bedeutet, wenn Medikamente nicht mehr wirken.
06:10Dafür habe ich eine Verabredung in Deutschland.
06:17In einem Wald in der Nähe von Hannover treffe ich ein Opfer der Antibiotikakrise.
06:24Dachdeckermeister Jan Bausch hätten resistente Bakterien fast das Leben gekostet.
06:33Wenn du mal so zurückdenkst, hättest du gedacht, dass das hier so möglich ist?
06:38Nein, überhaupt nicht.
06:40Ich denke oft zurück.
06:42Da war ganz schlimm in der Situation im Krankenhaus, als es wirklich richtig schlecht war und richtig runter war.
06:48Ja, dass ich mal gesagt habe, das packst du hier nicht mehr.
06:53Alles begann mit einem kranken Herz.
06:57Jan Bausch brauchte dringend ein neues.
07:00Und es gab sogar in kurzer Zeit ein passendes.
07:03Ein seltenes Glück.
07:05Doch anstatt nach der Transplantation gesund zu werden, landete Jan auf der Intensivstation.
07:11Die Ärzte fanden in seiner Lunge resistente Keime.
07:22Jetzt war dieses Organ endlich drin und funktioniert da auch und dann kommt jemand und sagt, da sind fiese Bakterien.
07:29Ja, das war natürlich schlimm.
07:31Du kämpfst hier und bist jetzt endlich soweit.
07:34Jetzt hast du es endlich geschafft, jetzt ist endlich die Pumpe drin.
07:37Jetzt bist du operiert, jetzt kriegst du diesen blöden Keim.
07:39Hat das hier irgendwie nochmal ein Ende?
07:42Jan hatte enormes Glück und Pech zugleich.
07:46Eine unfassbare Geschichte.
07:48Ich will mehr darüber wissen und habe einen Termin mit seinem Arzt vereinbart.
07:52Hier an der Medizinischen Hochschule Hannover, wo Jan das neue Herz eingesetzt wurde.
07:58Wie kann es sein, dass nach der gelungenen OP resistente Bakterien seine Lunge angriffen?
08:03Das kann immer mal wieder passieren, gerade nach Organtransplantation, weil wir ja das Immunsystem der Patienten künstlich runterfahren müssen, um
08:13keine Abstoßungsreaktion zu riskieren von dem neuen Organ.
08:17Und da hat sich ein Bakterium in der Lunge eingenistet und eine Lungenentzündung verursacht, sodass wir wirklich dann mit vielen
08:29Antibiotika und auch Antibiotika-Kombinationen versucht haben, diese Lungenentzündung zu bekämpfen.
08:36Wir mussten aber feststellen, dass wir eigentlich kein geeignetes Antibiotikum mehr im Schrank haben, weil dieser Erreger wirklich gegen alle
08:45Antibiotika resistent war.
08:48Ist das was, was Sie öfter mal sehen?
08:50Also wir kommen zunehmend in die Problematik, dass wir halt kein Reserveantibiotikum mehr haben, dass diese Multiresistenz, wo vielleicht noch
09:01ein Reserveantibiotikum wirken würde, dann umschlägt in eine Panresistenz, wo wir gar kein Antibiotikum mehr haben.
09:08Und da steht man dann als Kliniker wirklich mit dem Rücken an der Wand und weiß auch nicht mehr, was
09:15man dem Patienten geben soll.
09:17Ein bekanntes Problem.
09:20Penicillin, Streptomycin, Tetrazykline, Erythromycin, Vankomycin, stets passierte dasselbe.
09:27Kaum waren die Antibiotika auf dem Markt, schon gab es erste resistente Bakterien, bei denen sie nicht mehr wirkten.
09:35Die Medikamentenentwicklung wurde immer aufwendiger.
09:38Komplett neue Wirkmechanismen mussten her.
09:44Viele der großen Pharmafirmen zogen sich nach und nach aus dem Geschäft zurück.
09:50Heute sucht kaum noch jemand nach neuen Antibiotika.
10:00Aber es gibt jemanden, der nicht aufgibt.
10:05Ich bin mit ihm verabredet, in einem Wald im Saarland.
10:11Hallo, willkommen im Bakterienland.
10:13Dankeschön.
10:14Die letzten Meter gehen nur zu Fuß.
10:17Okay, na dann.
10:20Daniel Krug sucht schon jahrelang nach neuen Antibiotika.
10:24Und zwar draußen, in der Natur.
10:27Dass ich für meine Antibiotika-Recherche Wanderschuhe und einen schmutzabweisenden Overall brauche, hätte ich vorher nicht gedacht.
10:33Aber Daniel möchte mir einen ganz besonderen Ort zeigen.
10:43Ein Team aus Sicherheitsleuten wartet schon auf uns.
10:47Daniel will mit mir gleich in ein altes Bergwerk klettern.
10:54Wir werden gleich einen Lebensraum erforschen, der sich von allen anderen Lebensräumen deutlich unterscheidet.
11:01Das heißt, wir haben dort die Chance, auch Kleinstlebewesen zu finden, die wir anderswo nicht finden.
11:06Kleinstlebewesen als Hoffnungsträger gegen resistente Keime?
11:10Das gab's schon mal.
11:12Vor rund 100 Jahren bemerkte Alexander Flemming, dass ein Schimmelpilz krankmachende Bakterien abtötet.
11:17Der Pilz musste folglich Stoffe in sich tragen, die Keime zerstören.
11:22Die konnten isoliert werden und es entstand Penicillin.
11:28Bis heute ist es im Einsatz und rettet Menschenleben.
11:36Echt jetzt?
11:37Ja, viel größer wird's nicht.
11:41Daniel wagt es zuerst.
11:50Platzangst darf man hier nicht haben.
12:00Vor vielen hundert Jahren wurden hier unten schon von den Römern Kupfermineralien abgebaut.
12:06Einige Stellen enthalten extrem viele Schwermetalle und ziehen besonders wehrhafte Mikroorganismen an.
12:13Genau die sucht Daniel.
12:15Irgendwo, wo sowas Grün-Blaues ist.
12:18Was Grün-Blaues. Für mich sieht hier unten irgendwie alles gleich aus.
12:25Aber Daniels Expertenblick entgeht zum Glück nichts.
12:29Hier? Ah, okay.
12:32Ja, hier haben wir eine schöne Mischung von verschiedenen Kupfermineralien.
12:38Also ich finde, da sollten wir eine Probe nehmen.
12:43Ausgerechnet in diesem Schwermetallmatsch spekuliert Daniel auf Bakterien, die Leben retten sollen?
12:52Was ist das Besondere an diesen Bakterien?
12:55Wir sind in dieser Umgebung, in der Stress ausgeübt wird auf die Mikroorganismen in Form von Schwermetallkonzentrationen.
13:03Das heißt, hier sind ganz einzigartige Mikroorganismen zu erwarten, die aber auch hier nicht allein sind,
13:08sondern in einer Gesellschaft, in einer mikrobiellen Gesellschaft leben.
13:13Und dort ist zu erwarten, dass auch ihre Fraßfeinde sich angesiedelt haben.
13:17Das heißt, Bakterien, die ganz besonders gut darin sind, in dieser speziellen Nische trotzdem noch andere Bakterien um die Ecke
13:22zu bringen.
13:23Und das heißt auch, dass in dieser Gemeinschaft sich ziemlich sicher welche befinden,
13:26die selbst resistente Bakterien vielleicht wiederum als Nahrungsquelle für sich erschließen können.
13:31Und das heißt, sie müssen spezielle Substanzen entwickelt haben.
13:34Und an genau diesen Naturstoffen sind wir als mögliche Antibiotika interessiert.
13:39Hier unten sucht Daniel also echte Killerbakterien.
13:43Solche, die in der Lage sind, sogar resistente Bakterien zu töten.
13:48Denn vielleicht kann man aus ihren Kampfstoffen neue Antibiotika machen.
13:56Das ist schon ein sehr starker Ansporn, sich dafür zu engagieren,
14:01dass dieses Gleichgewicht zwischen uns und den infektiösen Keimen halt sich nicht so sehr auf die Seite der Erreger verschiebt.
14:11Was ist da deine Befürchtung?
14:13Letztendlich möchten wir, glaube ich, alle nicht in einem Zeitalter landen,
14:17wo eine sehr einfache Erkrankung wie eine Mittelohrentzündung plötzlich einen tödlichen Verlauf nimmt.
14:21Ein Leben, selbstbestimmt, wie wir es derzeit kennen,
14:25wäre unter einem solchen permanenten Infektionsdruck einfach überhaupt nicht vorstellbar.
14:31Rückzug. Daniel und ich bringen unsere Beute ans Tageslicht.
14:35Ich bin gespannt, ob sich unser Einsatz gelohnt hat.
14:48So, dann würde ich sagen, schauen wir doch mal, was wir finden.
14:51Ab ins Labor mit den Proben.
14:53Im Labor möchte Daniel so schnell wie möglich herausfinden,
14:56ob in den Gesteinsproben aus dem Bergwerk Killerbakterien stecken.
15:00Und, wo wir nehmen los?
15:01Also, zunächst mal, würde ich sagen, suchen wir uns jetzt mal die interessantesten Proben.
15:05Also, letztendlich ist unser Ziel ja, Bakterien rauszulocken aus den Proben.
15:11Das heißt, wir müssen ihnen jetzt etwas anbieten, damit sie aus dieser Probe rauskommen.
15:15Und das genau machen wir jetzt hier.
15:19Lebende E. coli, die jetzt hier auskeimen und anfangen, sich zu teilen.
15:24Das heißt, das ist unser Lockstoff?
15:25Das ist unser Lockstoff, das Beutebakterium.
15:29Ein Tropfen Beutebakterium kommt jetzt auf eine Nährstoffplatte, auf der es sich vermehren kann.
15:35Daniel will damit räuberische Bakterien aus unseren Höhlenproben anlocken.
15:42Also ein paar Bergwerkskrümel dazu, aus denen hoffentlich Killer herauskommen.
15:53Und dann brauchen die Bakterien Zeit für sich.
16:03Dann schauen wir uns jetzt mal an, was wir auf den Agarplatten herangezüchtet haben.
16:12Da gibt es für jede Spezies ganz individuelle Muster, wie sie sich praktisch vorwärts bewegen.
16:17Und was sie letztendlich machen, ist nichts anderes, als die Umgebung zu erkunden und herauszufinden, ob sich Beutebakterien in der
16:23Umgebung befinden.
16:25So etwas habe ich noch nie gesehen. Bakterien, die ausschwärmen, um andere Bakterien zu jagen.
16:33Daniel hat sowas schon öfter gefunden.
16:36Hier sieht man zum Beispiel im Zeitraffer, wie eine Kolonie von einem Bakterium sich hier munter regelrecht durch das Beutebakterium
16:44hindurch frisst.
16:50Bakterien töten Bakterien. Kein Wunder, dass Daniel und sein Team an den Wirkstoffen dieser Mikroorganismen interessiert sind.
16:59Seit vielen Jahren schon sind sie ihnen auf der Spur.
17:02Mehr als 10.000 Proben haben sie mittlerweile gesammelt. Potenzielle Lebensretter.
17:10Einige wenige davon sind die sogenannten Frontrunner, die laufen den anderen davon und sind praktisch unsere hoffnungsvollsten Kandidaten zur Entwicklung,
17:17zu neuen Medikamenten.
17:20Dafür müssen sich die Killerbakterien aus den Proben bewähren.
17:25In diesem Raum.
17:27Hier testen die Forschenden, welche von ihnen auch unter Laborbedingungen wachsen und zuverlässig ihre Kampfstoffe herstellen.
17:38Und das ist sozusagen unsere Top-Auswahl der Bakterien aus den diversesten Bodenproben, die auch untereinander die wenigste Verwandtschaft zu
17:49bekannten Bakterien zeigen.
17:51Das heißt, hier ist die Chance am größten, wirklich was Neues zu finden.
17:55Wirklich neue Wirkstoffe zu finden und sie den Bakterien abzuluchsen, ist enorm aufwendig und dauert.
18:02Monate, manchmal sogar Jahre.
18:05Aber immer wieder gelingt es dem Team hier, vielversprechende Kampfmoleküle bis ins Detail aufzuklären und zu isolieren.
18:14Wir als Forscher entdecken hier ständig neue Moleküle, die die wichtigen Indikationen nach der WHO-Prioritätenliste für Problemkeime adressieren.
18:23Und jetzt kommt es eben darauf an, einen Partner zu finden, der bereit ist, die Investitionen zu tätigen, um diese
18:30Moleküle vom Laborstadium hinaus in die klinische Anwendung weiterzuentwickeln.
18:36Die Pharmafirmen müssten also eigentlich nur zugreifen und aus den Molekülen Antibiotika machen.
18:42Warum sie das nicht tun, will ich von der WHO wissen.
18:47Die beschäftigt sich schon lange mit der Antibiotika-Krise und warnt eindringlich vor resistenten Bakterien.
19:00Wenn doch immer wieder neue Wirkstoffe gefunden werden, warum zögern Unternehmen dann, daraus Medikamente zu machen?
19:08Das klassische Modell für eine Pharmafirma ist, eine Pharmafirma bringt ein Medikament auf den Markt und Geld wird verdient, indem
19:15dieses Medikament benutzt wird.
19:16Je mehr das Medikament benutzt wird, desto mehr Geld erhält die Pharmafirma und desto lukrativer wird es.
19:22Bei Antibiotika wollen wir ja genau das nicht.
19:25Antibiotika werden für kurze Zeit gegeben, andere Medikamente muss man vielleicht lebenslang nehmen.
19:32Und verglichen mit anderen Gebieten in der Medizin macht es das sehr wenig lukrativ.
19:38Benedikt Hutner leitet bei der WHO die Abteilung für Strategien gegen antimikrobielle Resistenzen.
19:44Das heißt, es rechnet sich nicht. Wie kann man das denn ändern?
19:48Einerseits ist die Idee, dass eben vielleicht die öffentliche Hand sozusagen eingreift, starten.
19:55Zum Beispiel, indem man in der Pharmafirma, wenn sie dann ein gewisses Medikament entwickeln, das bestimmte Kriterien erfüllt, einen Betrag
20:03erhält und dass dann dieses Medikament zur Verfügung steht.
20:07Und der Gewinn für die Pharmafirma dann aber nicht abhängig davon ist, ob es benutzt wird oder nicht.
20:14Das Problem ist einfach, dass man dazu sehr enge internationale Zusammenarbeit braucht.
20:22Die wäre auch nötig, um die Entstehung resistenter Keime weltweit zu stoppen, erklärt Benedikt mir.
20:28Eine konkrete Möglichkeit seien Impfungen.
20:31Denn wer geimpft ist, wird weniger krank und braucht damit auch weniger Antibiotika.
20:42Es ist immer viel leichter, in gewisser Weise Resistenz zu verhindern, als zu kontrollieren, wenn sie mal da ist.
20:49Und das Ganze ist noch zusätzlich dadurch verkompliziert, dass Resistenz ja nicht auf den Menschen beschränkt ist,
20:56sondern dass es auch Tiere, dass es in der Umwelt resistente Keime gibt.
21:01Das heißt, wenn man Antibiotika-Resistenz kontrollieren will, kann man diese anderen Sektoren nicht komplett ignorieren.
21:08Resistenzen entstehen nicht nur, weil wir Menschen Antibiotika falsch einnehmen.
21:12Auch unseren Nutztieren in der industriellen Landwirtschaft geben wir viel zu viel davon.
21:18Dadurch können in ihnen resistente Keime entstehen, die dann über Gülle, Mist, Abluft oder tierische Lebensmittel in die Umwelt gelangen
21:25und so auch in unseren Körpern landen.
21:29Und die Übertragung geht immer weiter. Von Mensch zu Mensch, rund um den Globus.
21:37Die Antibiotika-Krise müssen wir also ganzheitlich betrachten, weil alles mit allem zusammenhängt.
21:45Resistente Bakterien sind überall und bleiben nicht dort, wo sie entstehen.
21:51Damit bedrohen sie letztlich jede und jeden von uns.
21:56Ganz besonders allerdings diejenigen, deren Immunabwehr geschwächt ist. So wie bei Jan Bausch aus der Nähe von Hannover.
22:03Nach seiner Herztransplantation kämpft er auf der Intensivstation gegen einen Keim, bei dem kein Antibiotikum anschlägt.
22:10Seine Frau Anche ist auch in dieser schweren Zeit immer an seiner Seite.
22:17Er hat mich, denke ich, schon wahrgenommen. Aber er war eigentlich schon ganz weit weg.
22:21Und dann kam eben der Professor und hat gesagt, es gibt vielleicht noch eine Möglichkeit und das wäre eine Phagentherapie.
22:32Und dann habe ich überlegt, wir haben ja keine Option.
22:36Also entweder mein Mann verstirbt, weil einfach nichts mehr greift oder wir versuchen diese letzte Chance.
22:44Die Idee dahinter, Bakterien mit speziellen Viren attackieren, die Phagen genannt werden.
22:51Jeder Phage dockt spezifisch an eine Bakteriensorte an und rückt sein Erbgut hinein.
22:58Dadurch wird das Bakterium sozusagen umprogrammiert und stellt ab jetzt Phagen her.
23:05Irgendwann sind es so viele, dass das Bakterium platzt und stirbt.
23:09Die neuen Phagen werden frei und können weitere Bakterien angreifen und abtöten.
23:18Phagen machen mich neugierig.
23:21Um mehr über sie herauszufinden, fahre ich ans Meer, wo es besonders viele von ihnen geben soll.
23:33Auf der Nordseeinsel Helgoland bin ich mit Biologin Nina Bartlau verabredet, die an Phagen forscht.
23:40Aber auch ganz gut Wind heute, ne?
23:42Vor der Karte.
23:44Nina will mich mit in die natürliche Umgebung von Phagen nehmen, das offene Meer.
23:48Mit einem Forschungsschiff.
23:52Ah, die ist hier?
23:53Yes, genau.
23:56Moin!
23:57Moin!
23:58Moin!
23:58Hallo!
24:07Nina ist fasziniert von Phagen, weil sie für das Ökosystem unverzichtbar sind, erzählt sie mir.
24:14Wenn Phagen im Meer Bakterien töten, hat das viele Vorteile.
24:18Wenn die Bakterien infiziert sind, zerplatzen die dann und dann werden ganz viele Nährstoffe frei, die dann andere Organismen auch
24:25nutzen können.
24:27Auf der anderen Seite erhalten sie die Vielfalt von diesen Bakterien, dass sie im Gleichgewicht sind.
24:34Dadurch wird das System dann deutlich stabiler, das Ökosystem.
24:37Das heißt, ohne Phagen ist das gar nicht vorstellbar hier alles, oder?
24:41Genau.
24:42Letztlich.
24:42Okay.
24:43Ohne Phagen geht's nicht.
24:45Phagen killen jeden Tag etwa 20 Prozent der Bakterien im Meer, erzählt mir Nina.
24:51So sorgen sie dafür, dass es hier draußen von keiner Sorte zu viel gibt.
24:55Sie setzen Nahrung für andere Lebewesen frei.
24:58Und sie beeinflussen sogar, wie viel Kohlenstoff im Meer gebunden bleibt.
25:02Meine Neugier auf Phagen wird immer größer.
25:10Wir sind an unserem Zielort angekommen.
25:13Für eine Wasserprobe wird eine Spezialflasche ins Meer gelassen, die in der gewünschten Tiefe geschlossen werden kann.
25:28Das hier draußen eingesammelte Wasser will Nina auf Phagen, also Viren, untersuchen.
25:34Das sieht jetzt nach ganz normalem, klarem Wasser aus.
25:37Das sieht aus, oder?
25:38Ja, aussehen tut es das.
25:40Aber da drin sind pro Liter eine Milliarde Bakterien und zehn Milliarden Viren.
25:46Aber sehen können wir sie halt nur nicht, weil sie so klein sind.
25:51Zehn Milliarden Viren, also auch Phagen pro Liter.
25:55Tatsächlich sind sie die häufigste Daseinsform auf der Erde.
26:04Zurück auf der Insel will Nina die Phagen aus den Proben herauslocken.
26:08Dieses Mal brauchen wir keinen Lockstoff, sondern Nina filtriert unser Meerwasser stufenweise.
26:20Das heißt, das hier ist wirklich der Feinste dann, ne?
26:22Genau, da gehen dann nur noch die Phagen durch.
26:24Die Bakterien werden zurückgehalten und die Phagen sammeln wir da drin hoffentlich.
26:31Phagen sind etwa 50 Mal kleiner als Bakterien.
26:34Und auch die können wir mit bloßem Auge ja nicht sehen.
26:38Doch mein Wunsch, sie doch zu Gesicht zu bekommen, ist groß.
26:46Was fasziniert dich denn so an Phagen?
26:49Dass so kleine Strukturen quasi eigentlich die Welt regieren.
26:56Nina wird Phagen weiter erforschen.
26:59Dabei arbeitet sie mit dem Max-Planck-Institut für Marine-Mikrobiologie und vielen anderen zusammen
27:05und verschickt regelmäßig Teile ihrer Funde.
27:08Und Ani, D.S.M.Z.
27:10Das ist die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig.
27:15Damit steht auch mein nächstes Ziel fest.
27:37Im Labor der DSMZ in Braunschweig treffe ich Christine Rode.
27:42Sie verspricht mir, dass ich die Phagen heute zu Gesicht bekomme.
27:47Aber erst mal filtrieren wir gemeinsam nochmal das Meerwasser von Helgoland.
27:51Dieses Mal nur in einem anderen Maßstab.
27:53Hier drinnen sollten jetzt jede Menge Phagen sein.
27:58Die werden nun von Christine Rode auf die Probe gestellt.
28:01Genau wie bei Daniel die Bakterien.
28:06Können Phagen auch unter Laborbedingungen Bakterien killen?
28:14Die Bakterien sind die trübe Zone.
28:18Da ist die dichte Bakterienschicht oder Rasen, Bakterienrasen genannt.
28:23Und wir sehen, wo wir aufgetropft haben.
28:25Da ist eine klare, völlig klare Zone.
28:29Da haben sich die Phagen durch die Bakterien durchgefressen.
28:33Und in beiden, ne?
28:34Hier auch.
28:35Ja, genau.
28:36Wow.
28:38Komplett weg, die Bakterien.
28:41Genau, ganz klar.
28:42Da kann man Zeitung durchlesen.
28:46Und dann bekomme ich endlich die Gelegenheit, diese Bakterienkiller ganz genau zu sehen.
28:54Matthias Müsken vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung nebenan, nimmt mich mit zu seinem Elektronenmikroskop, dem selbst kleinste Dinge nicht entgehen.
29:10Oh, wie schön.
29:12Das ist so das klassischere Bild, was man so von Phagen vielleicht hat, oder?
29:17Genau, das ist der, der gerne gezeigt wird.
29:34Endlich sieht man sie mal.
29:37Ein kostbares Gut, erzählt mir Christine Rohde.
29:40Deshalb kommen alle Phagenproben hierher.
29:49In diesem Robotikarchiv werden sie aufbewahrt.
29:53Es ist die vielfältigste Bakteriophagensammlung, die es gibt.
29:58Der Roboter sucht Proben heraus, die weltweit verschickt werden.
30:03Das ist ein Schatz, der hier ruht.
30:05Wir müssen Mikroorganismen für künftige Generationen bewahren einfach.
30:11Und das hat tatsächlich schon einen Status der kritischen Infrastruktur.
30:17Also wir sind sehr wichtig, um die Gemeinschaft in der Forschung und Industrie zu bedienen.
30:28Inwiefern sind Phagen denn auch Hoffnungsträger für mit Bakterien infizierte Menschen?
30:33Wir stecken schon längst in einer Antibiotika-Krise.
30:36Es gibt viele, viel zu viele multiresistente Bakterien.
30:40Es gibt sogar panresistente, bei denen wirklich gar kein Antibiotikum mehr anschlägt.
30:46Und da sind wirklich Phagen der Ausweg.
30:49Weil Phagen haben keine toxischen Nebenwirkungen.
30:52Man wird nicht allergisch gegen Phagen, das ist einfach nicht bekannt.
30:58Und Phagen wirken so schön spezifisch, dass sie auch unser Mikrobiom in Ruhe lassen.
31:05Ich wünsche mir, dass deswegen Phagen mehr zum Einsatz kommen werden,
31:09weil sie eben so zielgerichtet wirken, nur gegen ganz bestimmte Bakterien.
31:14Die Vermutung der Forschenden, Phagen lassen die guten Bakterien im Körper in Ruhe
31:20und zerstören nur die Krankmachenden.
31:23Mit drei unterschiedlichen Phagen aus Braunschweig soll das überprüft werden.
31:29In Berlin, in einer klinischen Studie.
31:34Hier bei der Charité Research Organisation werde ich gleich einen Patienten treffen,
31:39der an dieser Studie teilnimmt.
31:48Normalerweise wird hier hinter strengen, verschlossenen Türen geforscht.
31:52Doch diese beiden Ärzte geben mir Einblick.
31:54Andra Schmeifeld und Martin Witzenrath.
31:58Sie bringen mich direkt zum Patientenzimmer.
32:26Hannes Gerber hat Mukoviszidose, eine erbliche Stoffwechselkrankheit.
32:32Resistente Bakterien haben seine Lunge befallen.
32:40Das heißt, inwiefern bist du eingeschränkt in deinem Alter?
32:44Bei mir persönlich merke ich es darin, dass die Lungenfunktion, also die Lungenleistung,
32:48die man einen ausatmen kann, durch die Beschädigung einfach eingeschränkt ist
32:52und mit der Zeit tendenziell immer weiter abnimmt.
32:56Und das merkt man natürlich im Alltag, wenn man sich körperlich anstrengt.
33:00Umso mehr in Witzen geht es bei mir noch.
33:02Aber die Antikötika wirken nicht.
33:04Transplantation wird bei mir auch sehr schwierig.
33:07Aufgrund der Bakterien, die ich habe.
33:08Dementsprechend ist das eigentlich mit die einzige Hoffnung, die mir bleibt.
33:13Gewissenhaft bereiten die Forschenden Inhalationslösungen vor.
33:17Zum einen den Cocktail aus den drei unterschiedlichen Phagen aus Braunschweig.
33:23Außerdem ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff, Placebo genannt.
33:29Später werden weder Patient noch Arzt wissen, was von beidem in der Spritze ist.
34:16Dann wünsche ich dir alles Gute.
34:18Danke, danke.
34:22Die Proben von Hannes und anderen Patienten werden jetzt ausgewertet.
34:27Ob die Phagen die Anzahl der Bakterien reduzieren konnten?
34:33Noch ist die Studie in vollem Gange.
34:38Warum ist denn diese Studie so wichtig?
34:40Es gibt bisher viele Berichte, dass Bakteriophagen angeblich wirken.
34:45Aber es gibt keinen tatsächlich wissenschaftlichen Nachweis, dass Bakteriophagen wirken.
34:48Dafür braucht man eine klinische Studie, die tatsächlich die Therapie mit einer Scheintherapie, mit Placebo vergleicht.
34:55Und dann eben zeigt oder auch widerlegt, dass Bakteriophagen wirksam sind.
35:04Was ist die Hoffnung dahinter?
35:06Die Hoffnung ist zunächst mal, dass die Bakteriophagen in dieser Indikation, in der wir sie jetzt prüfen,
35:11diese Besiedlung, die die Zahl der Bakterien reduzieren kann.
35:16Insgesamt ist natürlich die Hoffnung, dass Bakteriophagen tatsächlich als Medikament einsetzbar sind.
35:21Eher im Bereich der chronischen Infektionen, wo man Zeit hat, den Erreger zu isolieren und nachzuweisen,
35:28dass bestimmte Bakteriophagen gegen diesen Erreger auch wirksam sind.
35:32Und dann kann man die Bakteriophagen einsetzen, um diesen Erreger ganz spezifisch zu therapieren.
35:39Wenn Bakteriophagen jetzt im besten Fall irgendwann als neues Arzneimittel dazukommen, können wir dann auf Antibiotika verzichten?
35:48Ich glaube nicht, dass Bakteriophagen die Antibiotika ersetzen werden,
35:53sondern Bakteriophagen können das Spektrum erweitern einer Antibiotikatherapie.
35:59Und Bakteriophagen haben gezeigt, dass sie auch die Antibiotikaresistenz von bestimmten Erregern quasi verändern können
36:08und dadurch, dass der Erreger dann auch wieder gegen das Antibiotikum sensibel wird.
36:14Die Charité ist eine der größten Universitätskliniken Europa.
36:18Dass wir zur Rettung von Menschenleben auch künftig Antibiotika brauchen werden, ist hier längst klar.
36:24Deshalb gibt es ein Team, das die Antibiotika, die noch wirken, beschützt.
36:30Miriam Stegemann und Ulrike Trost gehören dazu.
36:34Und wirksame Medikamente gegen Bakterien, erzählen sie mir, braucht man hier im Krankenhaus ständig.
36:45Bei Organtransplantationen, bei Patienten, die Chemotherapien brauchen aufgrund von bösartigen Erkrankungen,
36:51also Krebstherapien, Autoimmunerkrankungen im Bereich von Intensivstationen, bei Neugeborenen.
36:58Alle möglichen Bereiche in der Medizin sind darauf angewiesen, dass sie eben effektive Antibiotika zur Verfügung haben,
37:07weil wir ansonsten eben ein viel größeres Risiko haben, dass mehr Menschen an Infektionen mit resistenten Erregern versterben.
37:15In Krankenhäusern ist die Verschreibungsdichte von Antibiotika am höchsten.
37:20Teilweise bekommen Kranke gleich mehrere dieser Medikamente.
37:24Damit sind Kliniken ein Hotspot für die Entstehung resistenter Keime.
37:29Ulrike Trost und Miriam Stegemann überprüfen deswegen sehr genau, was ihre Kolleginnen und Kollegen verschreiben.
37:35Dann schauen wir uns nochmal hier an, was wir an Reserveantibiotika zum Beispiel kühllagernd haben.
37:44Das ist dieses Medikament. Das wird wirklich sehr, sehr gezielt eingesetzt.
37:51Und kommt wirklich im absoluten Notfall nur zum Einsatz.
37:56Denn das ist ja etwas wirklich, wie Goldstaub, hier müssen wir wirklich sehr, sehr sorgfältig umgehen.
38:02Und es wird eben auch genauestens dokumentiert, wann und wie wir diese Medikamente bei den Patienten einsetzen.
38:12Fühlt sich an wie die Schatzkammer der Station.
38:15Und aus der nehme ich eine weitere Strategie des Teams mit.
38:18Antibiotika möglichst gezielt und kurz einnehmen.
38:26Das ist ja unser Job. Wir gucken halt, dass der Antibiotika-Einsatz eben moderat ist, dass er gezielt ist.
38:34Und dass wir eben auch schauen, dass es nach einer gewissen Zeit eben einfach Medikamente wieder abgesetzt werden,
38:40um eben einfach diese Ressource eben zu schützen, damit die Resistenzen gar nicht sich erst so ausbreiten können.
38:47Und dass unter Umständen sogar auch Resistenzen zurückgedrängt werden können.
38:53Was für eine Mammutaufgabe.
39:00Man stößt natürlich auch oft auf Widerstand in unserer Arbeit.
39:04Und das hat ja natürlich ganz unterschiedliche Gründe, dass eben das vielleicht auch gar nicht als so wichtiges Thema wahrgenommen
39:11wird,
39:11sondern abgetan wird, dass wir ja eine wirksame Therapie haben.
39:16Und warum soll man die jetzt unbedingt umstellen?
39:19Die Konsequenzen von Resistenzentwicklung sind oft nicht gleich spürbar.
39:24Und was wir aber jetzt hier über die Zeit erfahren, ist, dass wir mit den Kollegen schon oft dann auch
39:30am Weg finden.
39:31Und da ist es, denke ich, auch ganz wichtig, sozusagen auf Patientenseite das zu verstehen,
39:36dass man sich nicht falsch behandelt fühlt.
39:39Bloß weil eben mein Arzt, meine Ärztin eben jetzt kein Antibiotikum verordnet,
39:43sondern das ganz bewusst eben nicht macht.
39:46Aber manchmal wirken Antibiotika einfach nicht mehr.
39:51So wie bei Jan Bausch vom Anfang unseres Films.
39:56Deshalb suchten sie im Labor nach Phagen, die die resistenten Bakterien in seiner Lunge zerstören sollten.
40:02Und fanden auch was Passendes.
40:06Als Therapie sind Phagen in Deutschland nicht zugelassen.
40:10Die Frau von Jan Bausch ging das Risiko trotzdem ein.
40:21Und innerhalb, ich weiß gar nicht, es war ein Tag oder so, war er wieder wach.
40:26Ich fand es tatsächlich spooky.
40:30Es war verrückt, ja.
40:31Aber es hat geholfen.
40:41Die Lunge von Jan Bausch.
40:44Milchig vor und dunkler nach der Phagentherapie.
40:50Da sieht man eigentlich ganz schön, dass beide Lungen wieder ganz normal belüftet sind.
40:56Die Entzündung ist raus.
40:58Und nach der Phagenbehandlung, ich will jetzt nicht sagen, stand Herr Bausch wie Phönix aus der Asche auf.
41:06Aber es ging wirklich dann klinisch exponentiell schnell voran.
41:12Und das haben nur die Phagen geschafft?
41:15Am Ende haben wir ja die Phagen ergänzend genutzt zum Antibiotikum,
41:22mit dem wir aber halt keinen Erfolg mehr erzielen konnten.
41:25Kann es auch sein, dass Bakterien wieder zugänglicher werden für Antibiotika?
41:30Ja, das ist ein ganz interessantes Phänomen, was wir auch im Labor sehen,
41:35dass letztendlich durch den Einsatz von Bakteriophagen Antibiotika hinterher vielleicht wieder wirken,
41:41die vorher nicht gewirkt haben.
41:44Das Wichtigste, Jan Bausch hat überlebt.
41:51Ich kann wieder ein bisschen arbeiten gehen, dreimal die Woche für vier Stunden.
41:55Dann mache ich dann meinen Job und das ist für mich akkult wert.
42:04Wenn man das alles überstanden hat, dann, also es gibt nichts, was uns beide zum Beispiel noch trennen könnte.
42:09Es gibt einfach nichts.
42:11Und das ist das Schönste aus der Zeit allerdings.
42:13Weil entweder man schafft es oder man zerbricht an sowas.
42:17Und wir haben es geschafft.
42:18Und da freue ich mich jeden Tag drüber.
42:28Schmeiß mal eine Runde.
42:29Ja, danke.
42:35Wir alle vertrauen auf wirksame Medikamente, wenn wir krank sind.
42:40Doch mit Antibiotika gehen wir zu sorglos um.
42:45Dadurch provozieren wir Bakterien, die gegen eben diese Mittel immun sind.
42:49Und das kostet schon jetzt pro Jahr mehr als eine Million Leben.
42:57Einige forschen daher nach neuen Wirkstoffen gegen diese resistenten Keime.
43:02Und immer wieder finden sie auch was.
43:11Doch diese vielversprechenden Mittel haben noch einen langen Weg vor sich bis zur Arznei.
43:17Unsere noch wirksamen Antibiotika müssen wir daher umso mehr schützen.
43:22Um möglichst viele Leben retten zu können.
43:27Weniger Sorgen bereiten mir resistente Bakterien nach all dem, was ich erfahren habe, ehrlich gesagt nicht.
43:32Im Gegenteil, ich habe jetzt erst so richtig begriffen, was sie alles anrichten können.
43:37Aber es gibt auch Hoffnung.
43:40Nicht zuletzt, weil wir alle Teil der Lösung sind.
43:43Indem wir Antibiotika künftig sorgsamer einsetzen und endlich wirklich wertschätzen.
43:48Das kriegen wir doch hin.
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