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00:00Es ist eine verborgene Macht, die uns alle kontrolliert.
00:04Sie bestimmt, wann und wie gut wir morgens aufwachen,
00:08wie wir uns tagsüber fühlen,
00:10ob wir krank werden und sogar, wann wir sterben.
00:15Unsere innere Uhr beeinflusst jede Faser unseres Seins.
00:19Und schon bald bringen wir sie wieder durcheinander,
00:22mit der Zeitumstellung.
00:25Alles, was Sie wissen müssen, jetzt bei Quarks.
00:37Herzlich willkommen! Wie spät ist es eigentlich?
00:40Zeit für Quarks. Schön, dass Sie mit dabei sind.
00:42Man kann ja mit den Uhrzeiten schon mal durcheinander kommen.
00:45Vor allem, wenn die Zeit umgestellt wird.
00:47Von Normalzeit, auch Winterzeit genannt, auf Sommerzeit.
00:50Ist ja bald wieder so weit.
00:51Ich kenne keinen, den diese halbjährliche Umstellung kalt lässt.
00:55Und da stellt sich natürlich die Frage,
00:57warum reagieren wir so empfindlich?
01:01Was macht das mit unserem Körper?
01:03Und auch wenn es ein bisschen weit hergeholt ist,
01:06Kühlschrank ist im Keller,
01:07hilft es eigentlich unserem Körper,
01:10morgens ein Glas Sekt zu trinken.
01:13Wenn der Chef in der Früh zum Geburtstagssekt ruft,
01:17gibt's kein Entkommen.
01:20Aber morgens wird der Sekt irgendwie anders.
01:23Was du heute kannst entkorken,
01:26das Verschieben nicht auf morgen.
01:31Nach der langen Nachtruhe erwartet das Verdauungssystem
01:34normalerweise morgens Nahrung.
01:38Deswegen ist der Magen besonders gut durchblutet.
01:42Stimmung, Stimmung, Stimmung.
01:47Das ganze System ist jetzt hochaktiv.
01:51Mageninhalte gelangen direkt ins Blut.
01:53Und so geht der Sekt am Morgen auch schneller ins Gehirn als am Abend.
01:57Man merkt den Alkohol sofort.
02:01Heute nehme ich auch mal ein Gläschen Sekt.
02:03Sonst trinke ich ja immer nur Leitungswasser.
02:13Aber die Hochphase dauert nicht lange an.
02:19Denn Alkohol erhöht auch die Konzentration
02:22des Signalmoleküls Adenosin.
02:25Und das macht schläfrig.
02:29Die Folge, nach dem Glas Sekt
02:32braucht man eigentlich erst mal einen Mittagsschlaf.
02:35Na, Sie sind ja die Krone der Erschöpfung.
02:41Na dann, Prost.
02:45Das mit dem Sekt ist nur ein Beispiel dafür,
02:48wie die Uhrzeit und natürlich Alkohol
02:50Einfluss hat auf unseren Körper.
02:52Viele Körperfunktionen sind in gewissem Maß
02:55abhängig von der Zeit.
02:56Unser Biorhythmus steuert beispielsweise
02:58die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol.
03:01Das durchflutet unseren Körper kurz nach dem Aufwachen.
03:04Das ist fast besser als Kaffee.
03:06Auf jeden Fall besser als Sekt.
03:08Im Lauf des Tages steigen dann der Blutdruck und die Aufmerksamkeit.
03:12Das merken Sie oft am frühen Nachmittag.
03:14Da können Sie am schnellsten reagieren.
03:16Und am frühen Abend ist die Körpertemperatur am höchsten.
03:19Und gegen Mitternacht sind Sie im besten Fall voller Schlafhormone.
03:23Da steigt nämlich der Melatoninspiegel.
03:26Also, unser Körper richtet sich nach unserer inneren Uhr.
03:30Aber nach was richtet sich die innere Uhr?
03:36Das Leben auf der Erde folgt einem 24-Stunden-Takt.
03:41An diesen Takt haben sich in der Evolution alle Lebewesen angepasst.
03:48Pflanzen, Tiere und Menschen.
03:51Sie alle haben einen inneren Rhythmus entwickelt.
03:54Eine innere Uhr, die in ihnen tickt.
03:58Sie bestimmt nicht nur, ob wir aktiv sind oder schlafen.
04:02Sie beeinflusst fast alle Körperfunktionen.
04:05In welchem Takt die innere Uhr genau tickt, ist individuell unterschiedlich.
04:1020 verschiedene Gene prägen unsere innere Uhr.
04:13Und legen fest, ob wir Frühaufsteher sind oder eher nicht.
04:21Ein ganz persönlicher Rhythmus, der ohne äußeren Einfluss funktioniert.
04:26Diese innere Uhr bestimmt nicht nur, wie leicht es uns fällt, früh aufzustehen,
04:30sondern auch, wie leistungsfähig wir dann sind.
04:34Wer morgens früh fit und konzentriert ist, dessen Takt ist etwas kürzer als 24 Stunden.
04:39Ein Lärchentyp.
04:42Tickt die innere Uhr dagegen langsamer, ist der persönliche Rhythmus länger als 24 Stunden.
04:48Und wir sind abends länger wach.
04:50Kommen aber auch morgens schwerer aus dem Bett.
04:53Und zählen zum Eulentyp.
04:57Der Mensch ist tagaktiv.
04:59Und alle unsere Sinne sind darauf eingestellt.
05:02Das Sonnenlicht gibt unserem inneren Rhythmus die Tageszeit von außen vor.
05:06Es gelangt über die Augen in den Körper.
05:10Spezielle Rezeptoren reagieren hier auf Helligkeit
05:12und sorgen vor allem durch das Schlafhormon Melatonin dafür,
05:15dass sich innere und äußere Tageszeit synchronisieren.
05:21Das verbindet uns mit dem Ort, an dem wir leben.
05:24Weil der Zeitpunkt des Sonnenaufgangs sich mit jedem Längengrad um vier Minuten verschiebt,
05:29stehen Menschen im Osten Deutschlands etwa 36 Minuten früher auf als im Westen.
05:35Ganz ohne Wecker.
05:40Im Winter verschiebt sich unser Rhythmus nach hinten.
05:43Er startet später, weil auch die Sonne später aufgeht.
05:47Unabhängig vom individuellen Rhythmus werden wir alle ein bisschen mehr Eule.
05:55Unsere innere Uhr.
05:57Ein grundlegender Mechanismus für das Leben auf der Erde.
06:02Und alle Romeo- und Julia-Fans, so warum nicht Nachtigall?
06:05Ich bin auf jeden Fall mehr Eule als Lerche.
06:09Neben Genen und Tageslicht gibt es noch andere Faktoren, die unseren Tag- und Nachtrhythmus beeinflussen.
06:14Zum Beispiel die Temperatur.
06:16Forschen haben herausgefunden, dass einige indigene Völker schlafen gehen, wenn die Temperatur sinkt.
06:21Meist ein paar Stunden nach Sonnenuntergang.
06:24An heißen Tagen schlafen sie entsprechend weniger.
06:27Und auch interessant, selbst wenn bei manchen indigenen Völkern künstliches Licht nicht weit verbreitet ist,
06:33ist die Gesamtschlafenzeit ähnlich wie bei uns.
06:35Und wahrscheinlich haben wir aber insgesamt mehr Probleme, unser Zeitempfinden mit unseren Uhren in Einklang zu bringen.
06:43Zumindest bei meiner Kollegin Maiti Nguyen-Kim scheint das so zu sein.
06:47Deshalb hat sie das mal bei sich ganz genau untersucht.
06:50Ich hoffe, Sie können Blut sehen.
06:55Mein Leben ist gerade ziemlich voll.
06:59Fernsehen, Veranstaltungen, Webvideos.
07:03Und das quer durch Deutschland.
07:06Natürlich bin ich nicht immer fit.
07:09Lebe ich gegen meine innere Uhr oder arbeite ich zur falschen Zeit?
07:13Wie hier, Donnerstagmorgen.
07:14Ein Tonstudio in Berlin.
07:16Ich spreche mein erstes Buch ein.
07:19Kapitel 7.
07:20Baby-Dinos und Monster-Burger.
07:24Studieuhr zeigt, es ist 9.30 Uhr.
07:27Ich fühle mich ein bisschen platt, wie so oft morgens.
07:30Aber ich frage mich, wie sieht es in meinem Körper aus?
07:33Wo steht meine innere Uhr?
07:36Seit kurzem können Wissenschaftler der Berliner Charité diese innere Uhrzeit, auch Bodytime genannt, bestimmen.
07:43Linker Arm vielleicht?
07:44Herr Mayer, im Tonstudio Blut abgenommen bekommen.
07:47Das ist für mich auch eine Premiere.
07:50Für mich auch.
07:52In meinem Blut stecken Informationen, wo gerade meine innere Uhr steht.
07:57Ob es in meinem Körper früher oder vielleicht später als die normale Uhrzeit ist.
08:02Ich bin gespannt auf den Uhrenvergleich.
08:07Jetzt heißt es erstmal, zurück an die Arbeit im Tonstudio.
08:11Die Schokolade schmelze ich jetzt in einem Wasserbaut.
08:17In der Zwischenzeit untersucht Herr Mayer mein Blut.
08:21Er checkt, ob bestimmte Gene darin aktiv sind.
08:26Das Prinzip dabei?
08:28Manche Gene sind vor allem morgens aktiv, jedoch kaum später am Tag.
08:34Andere dagegen werden erst mittags so richtig aktiv.
08:39Und wieder andere erst abends.
08:44Welche gerade in meinem Blut wie aktiv sind, verrät also meine innere Uhrzeit.
08:50Herr Mayer bestimmt jetzt diese Genaktivitäten.
08:54Welche werden aktiv sein und damit was über die Uhrzeit auf meiner inneren Uhr verraten?
08:59Die Analyse dauert mehrere Tage.
09:08Währenddessen mache ich im Tonstudio weiter.
09:11Dort ist gerade Zeit für eine Pause.
09:15Es ist jetzt kurz nach zwei auf der Studiouhr.
09:17Ich fühle mich ziemlich fit gerade und bin gespannt, ob meine innere Uhr dasselbe sagt.
09:25Also nehmen wir nochmal Blut ab.
09:29Und wieder Uhrenvergleich.
09:36Nach Feierabend dann das gleiche Spiel im Hotel.
09:41Es ist jetzt kurz nach halb sieben.
09:45Ich fühle mich ein bisschen erschöpft, aber wie immer nicht so richtig müde.
09:53Ein paar Tage später.
09:55Die Ergebnisse sind da.
09:57Ich erfahre den Stand meiner inneren Uhr.
10:00Dazu treffe ich Professor Achim Kramer von der Berliner Charité.
10:04Er hat den Test entwickelt.
10:07Ja, also ich bin total gespannt, was jetzt rauskam.
10:12Wir vergleichen die Uhrzeit mit der Genaktivität in meinem Blut.
10:16Es zeigt sich,
10:17dass Sie eigentlich zwei Stunden verschoben sind.
10:22Und zwar in Ihnen ist nicht 9.36 Uhr,
10:24sondern es fühlt sich für Sie an wie 7.36 Uhr.
10:27Nee, es fühlt sich an wie 5.36 Uhr.
10:31Ja, ja, aber unser Test sagt 7.36 Uhr.
10:35Und wir haben das ja noch zweimal gemacht.
10:38Ja, gegen Mittag um 14.20 Uhr ungefähr.
10:41Genau, 14.20 Uhr.
10:42Da zeigt die Genaktivität an minus 2,4 Stunden.
10:46Für Sie fühlt sich das ungefähr an wie 12 Uhr mittags.
10:49Und die letzte war?
10:5118.35 Uhr oder so.
10:54Und da sagt unser Computeralgorithmus minus 3,2 Stunden.
10:58Also eigentlich statt 18.30 Uhr 15.20 Uhr oder so.
11:04Das heißt, morgens fühle ich mich sehr müde.
11:05Es ist viel früher in meiner inneren Uhr oder in mir drin.
11:08Und abends ist es eben auch noch nicht so spät.
11:10Ja, noch nicht so spät.
11:11Sie können eigentlich länger fit sein.
11:13Das stimmt.
11:13Ich werde relativ spät müde.
11:15Das heißt aber, ich müsste auch länger schlafen und später zu Bett gehen,
11:21um nach meinem natürlichen Rhythmus zu leben.
11:23Genau, wenn Sie wirklich das können von Ihrem Beruf,
11:27dann einfach ausschlafen und nicht irgendwie zu früh mit dem Wecker aufwachen,
11:33sonst kriegen Sie ein Schlafdefizit.
11:36Ich mache das eigentlich falsch, weil ich stelle mir immer in den Wecker,
11:38ich versuche sehr früh aufzustehen, damit ich abends müde werde.
11:42Aber das funktioniert auch nicht immer.
11:44Das passt nicht zu Ihren Genen.
11:46Denn meine Gene machen mich zur Eule.
11:53Ich finde das total spannend.
11:55Stellen Sie sich vor, Sie schleppen sich jahrelang durch jeden einzelnen Tag
11:59und sind immer erschöpft.
12:00Und dann finden Sie raus, dass Sie ganz entgegen Ihrer inneren Uhr gelebt haben.
12:05Die blaue Kurve hier zeigt, wie es aussieht,
12:09wenn die innere Uhr des Menschen mit der äußeren Uhr der Gesellschaft übereinstimmt.
12:12Aufwachen um sechs Uhr ungefähr, langsam fitter werden, Fitnessspritze gegen Mittag.
12:16Beim Mai, das ist die rote Kurve, ist das alles um circa zweieinhalb Stunden verschoben.
12:22Wenn Mais Wecker morgens um sieben Uhr klingelt,
12:25dann ist es für Ihren Körper eigentlich erst vier Uhr dreißig.
12:28Hart.
12:28Das Problem dabei ist, dass Eulen abends trotzdem nicht eher müde werden.
12:33Und das kann auf Dauer ungesund sein, wenn man zum Beispiel bestimmte Arbeitszeiten einhalten muss.
12:38Es gibt aber eine Möglichkeit für alle Eulen der Welt,
12:41zumindest im Urlaub, dem Problem ein wenig entgegenzuwirken.
12:46Mit Zelten.
12:46Zelten.
12:47Warum?
12:48Weil man im Freien viel Tageslicht abbekommt und sich so die innere Uhr der Sonnenuhr wieder ein bisschen anpasst.
12:56Ich war Skifahren. Eine Woche lang Tageslicht. Wenn das mal nicht genauso gut ist wie Zelten.
13:02Jeden Morgen justiert mich das natürliche Licht auf Tagesbeginn.
13:08Sonnenschein. Praller Sonnenschein.
13:14Dann habe ich nochmal meine innere Uhr checken lassen.
13:17Und siehe da, sie war nur noch 45 Minuten verschoben statt zweieinhalb Stunden.
13:23Also, liebe Leute, raus ans Licht.
13:26Viel Tageslicht am Morgen, vielleicht sogar mit so einer Tageslichtlampe, kann helfen.
13:31Doch was die Wissenschaft weiß, kommt nur langsam in der Bevölkerung an.
13:35Dabei gibt es eine Gruppe Menschen, die besonders betroffen ist.
13:41Morgens, kurz vor acht. Am Gymnasium in Alsdorf bei Aachen.
13:47Die erste Stunde fängt an. Aber nicht alle gehen hin.
13:53Carsten ist in der Oberstufe und gerade noch zu Hause.
13:56Ich gehe erst später zur Schule, bin aber dafür wacher im Unterricht, kann besser mitmachen.
14:01Ich nehme die Unterrichtsinhalte mit, als wenn ich in der ersten Stunde da rumsitzen würde, wie so ein nasser Sack.
14:08Das macht ein spezielles Konzept möglich. Alle Schüler lernen in der ersten und vierten Stunde selbstständig.
14:15Ein Lehrer ist in der Nähe. Aber ihren Lernstoff teilen die Schüler selber ein.
14:21Kontrolliert wird das natürlich auch.
14:25Durch Freistunden in der Oberstufe können die Schüler ihre Stunden so legen, dass sie in der ersten zu Hause bleiben
14:31können.
14:32Die Chronobiologin Eva Winnebeck weiß, warum das sinnvoll ist.
14:38Also was wir genau wissen, was passiert, dass ab der Pubertät die Schlafzeiten der Jugendlichen graduell immer später werden.
14:48Bis sie ungefähr so 20, 22 sind und dann kippt das wieder.
14:52Dann wird man langsam, ganz langsam im Laufe seines Lebens wieder früher von seinen Schlafzeiten.
14:56Und dadurch, dass die Jugendlichen aber morgens früh aufstehen müssen, sie gehen spät ins Bett, müssen morgens früh aufstehen, entsteht
15:03ein absoluter Schlafmangel.
15:05Und zusätzlich, weil ihre innere Uhr spät ist, sitzen sie im Endeffekt in ihrer biologischen Nacht morgens im Unterricht und
15:13versuchen, Mathe zu lernen.
15:15Selbst wenn sie früher ins Bett gehen, sie können gar nicht einschlafen.
15:20Die innere Uhr hält sie wach und verschiebt die Schlafphasen nach hinten.
15:24Wie die sogenannte REM-Phase, die vermutlich hilft, Lerninhalte und Gefühle zu verarbeiten.
15:31Der Wecker reißt also die Jugendlichen aus dem Schlaf. Und sie sind total gerädert.
15:37Und wir wissen ganz genau, das hat einen Zusammenhang mit Alkoholabhängigkeit, Übergewicht, klassisch natürlich Müdigkeit und Konzentrationsproblemen, aber auch Risikobereitschaft
15:48geht hoch.
15:48Wir wissen, die Unfallhäufigkeit geht hoch, im Straßenverkehr sind die gefährdet, die lernen schlechter, wir haben höhere Depressionsraten durch Schlafmangel
15:57und so weiter.
16:01Und in der Schule leiden die Noten.
16:04Da ist jetzt auch Carsten angekommen.
16:07Seine Schule will biologische Faktoren nicht über Zensuren und damit über die Zukunft der Schüler entscheiden lassen.
16:14Und legt deswegen Prüfungen nicht auf den frühen Morgen.
16:19Man weiß aus vielen verschiedenen Studien, dass Personen mit späteren Chronotyp, das heißt Personen, die tendenziell später schlafen gehen,
16:29deren innere Uhr später gestellt sind, benachteiligt sind in der Schule.
16:34Und ganz speziell bei Prüfungen. Es kommt darauf an, wann diese Prüfungen stattfinden.
16:40Und man weiß, wenn die früh stattfinden, sind diese Personen benachteiligt.
16:46Vermutlich sind es Hormone, die in der Pubertät die innere Uhr um zwei bis drei Stunden nach hinten verstellen.
16:51Am besten funktioniere ich eigentlich, wenn ich abends gegen zehn halb elf ins Bett gehe und dann aber nicht zur
16:58ersten, sondern zur zweiten Stunde komme.
17:00Dadurch hat man meistens dann schon einen viel angenehmeren Tag. Und das ist auch meistens das Entscheidende wirklich, wie man
17:06den Morgen anfängt dabei.
17:07Und sofern man das entscheiden kann, ist das enorm praktisch einfach. Man wird auch ein bisschen glücklicher.
17:11Ich bin von anfänglich 2,4 auf jetzt 1,9 hochgegangen. Ja, es hat mich selber auch sehr überrascht, dass
17:22dieser eine Unterschied so viel ausmachen kann.
17:26Also ich, ja, es ist einfach besser für mich so.
17:32Auch den Lehrern passt das Konzept des Alsdorfer Gymnasiums.
17:37Also ich würde nie mehr anders unterrichten wollen. Ich sehe keinen Grund.
17:41Wenn es irgendwo mal hakt, dann muss man mit der Schülerin, dem Schüler sprechen.
17:44Aber für alle dann die Freiheiten zu nehmen, da sehe ich überhaupt keinen Grund.
17:50Wie konzentriert und aufnahmefähig ein Schüler ist, hängt davon ab, wie spät es ist.
17:55Wenn Jugendliche leistungsfähig und gesund sein sollen, dann darf die Schule nicht weiter gegen ihren späteren Rhythmus arbeiten.
18:03Wir reden hier nicht über Grundschüler oder 10- oder 11-Jährige. Es geht hier wirklich um Jugendliche, die unter
18:09diesem Problem leiden.
18:10Und für die sollte auf jeden Fall die Schule später anfangen, egal wie.
18:15Wissenschaftler sagen das schon seit Jahrzehnten. An unseren Unterrichtszeiten aber hat sich noch nichts geändert.
18:24Krass, oder? Was so eine Veränderung bewirken kann. Ich wünschte, diese Erkenntnis wäre viel weiter verbreitet.
18:30Unter Jugendlichen gibt es, auch dank Pubertät und der Hormonumstellung, besonders viele Spättypen.
18:36In der Gesamtbevölkerung aber gibt es ganz unterschiedliche Abstufungen. Sehen Sie hier.
18:41Wann gehen die Leute ins Bett? Wann stehen sie auf? Alles, wenn man sich frei entscheiden ließe.
18:45Auffällig ist, die meisten sind hier im mittleren Bereich.
18:49Ca. 60% gehen zwischen 23 und 1 Uhr ins Bett und stehen nach 8 Stunden Schlaf zwischen 7 und
18:559 Uhr morgens auf.
18:57Der Rest, immer noch 40%, braucht eigentlich andere Zeiten.
19:02Da machen allerdings die meisten Berufe nicht mit.
19:04Das heißt aber auch, dass viele Eulen ihr volles Leistungspotenzial gar nicht ausschöpfen können.
19:10Genau wie in der Schule tut sich da nur langsam was.
19:18Entspannt aufwachen. Ohne Wecker klingeln und das an einem ganz normalen Arbeitstag.
19:23Dieser Traum wird nun wahr für Selma Siebitsch und Walter Gaugel.
19:28Guten Morgen.
19:29Guten Morgen.
19:30Guten Morgen, auch schon wach.
19:32Ja, voll ausgeschlafen.
19:33Ciao.
19:33Ein halbes Jahr lang dürfen sie zur Arbeit erscheinen, wie es ihnen ihre innere Uhr vorgibt.
19:38Denn die steuert, wann wir wirklich wach und fit sind.
19:43Das Familienunternehmen Späh im schwäbischen Scheer möchte in einer firmeninternen Studie herausfinden, wie sich das auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter
19:52auswirkt.
19:53Bislang fängt die Arbeit für Selma und Walter zwischen 7 und 8 Uhr an.
19:57Für Walter jeden Morgen eine Tortur.
20:02Wenn mein Mecker klingelt, ich hasse ihn, muss ich ehrlich sagen, ich drücke ihn dann mindestens einmal wieder tot.
20:08Dann darf er noch mal 10 Minuten, sage ich jetzt mal, dann weckt er mich nochmals auf.
20:13Und dann bin ich aber ganz konsequent, dann muss ich dann aufstehen, weil sonst werde ich nochmals einschlafen.
20:17Das Unternehmen möchte den Beschäftigten gesündere Arbeitsbedingungen bieten.
20:23Die Gesundheitsmanagerin Leila Späh hat deshalb mit dem Experten für Chronobiologie, Michael Wieden, die Studie konzipiert.
20:31Denn?
20:32Ein Schlafdefizit hat langfristig eben sehr negative Konsequenzen für die Gesundheit.
20:37Das können bis hin zu Depressionen, bis hin zu Übergewicht, bis hin zu Suchtverhalten.
20:43Und das ist letztlich auch ein Kostenfaktor. Schlafmangel kostet die deutsche Wirtschaft rund 49 Milliarden Euro pro Jahr.
20:51Aber kann das überhaupt funktionieren, dass jeder dann zur Arbeit erscheint, wenn er ausgeschlafen ist?
20:57Die Firma Späh produziert individuell angefertigte Bauteile und Dichtungen.
21:02Und dafür müssen alle Abteilungen Hand in Hand arbeiten.
21:06Selma ist etwa für die Beratung und Betreuung von Kunden verantwortlich.
21:11Walter kümmert sich um den reibungslosen Ablauf der Produktion.
21:15Von der Beschaffung der Materialien bis zur Lieferung an den Kunden.
21:19Bislang musste er als wichtiger Ansprechpartner spätestens um 8 Uhr auf der Arbeit sein.
21:27Teil dieses Projektes ist ja auch eben zu sagen, wir lassen jetzt mal die Frage, das geht nicht, weil, stehen
21:33und gehen dann zu einem Punkt und sagen, wie kriegen wir es denn hin, das?
21:37Sandra Späh, die Geschäftsführerin, sieht das als Herausforderung und hat die Zukunft im Blick.
21:44Von der Geschäftsleitung her sind wir natürlich auch immer bestrebt, uns möglichst gut jetzt auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren,
21:50weil wir, denke ich mal, auch hier in der Gegend Probleme haben mit Fachkräftemangel, klar wie überall.
21:56Und da sind wir immer auf der Suche nach, sag ich mal, Verbesserungen.
22:02Es geht los, die Studie startet.
22:04Selma, Walter und zehn andere Beschäftigte werden gesundheitlich durchgecheckt, um sicher zu sein, dass es keine organischen Gründe für Schlafstörungen
22:13gibt.
22:15Ein Fragebogen soll erste Hinweise geben, wie die innere Uhr der Teilnehmer tickt.
22:21Gehört Selma zu den Lärchen, ist sie also ein Frühtyp oder gar eine späte Eule?
22:26Der jeweilige Chronotyp ist genetisch festgelegt und kaum zu verändern.
22:32Auf der Basis dessen, was ich jetzt so gehört habe, ist davon auszugehen, dass sie entweder ein Normaltyp oder ein
22:40leichter Frühtyp ist.
22:42Das wird sich aber dann noch zeigen, weil so richtig herausstellen wird es sich dann, wenn sie wirklich eine Zeit
22:48lang die Möglichkeit gehabt hat, wirklich auszuschlafen.
22:52Walter ist nach erster Einschätzung ein Normaltyp, so wie rund 60 Prozent der Deutschen.
22:57Sie werden ohne Wecker zwischen sieben und acht Uhr wach.
23:01Die Lärchen sind dagegen spätestens um sechs Uhr putzmunter.
23:05Sie machen circa 15 Prozent der Bevölkerung aus.
23:09Spätypen können locker bis zehn Uhr schlafen, manche bis elf oder zwölf.
23:14Chronobiologen sind sich einig, dass die Leistungshochs deshalb sehr unterschiedlich sind, auch wenn es dazu keine exakten Studien gibt.
23:22Für die wissenschaftliche Auswertung notieren Selma und die anderen
23:26Einschlaf- und Aufwachzeit, wie sie geschlafen haben und wie fit sie sich fühlen.
23:33Und für uns führen sie ein Videotagebuch.
23:37Ihr Feedback nach zwei Monaten Studie.
23:40Ich finde es ganz toll und ich genieße es in vollen Zügen, aufzustehen, wenn ich ausgeruht, ausgeschlafen bin, ins Bett
23:49zu gehen, wenn ich müde bin.
23:51Ich bin circa eine halbe Stunde oder 45 Minuten später drin, wie ich es sonst immer war.
23:56Und ich fühle mich auch sehr ausgeschlafen morgens und gehe deswegen gefühlt auch fitter und lieber zur Arbeit.
24:07Termine mit Kunden legt er jetzt später. Das geht einfacher als zuvor gedacht.
24:12Das gilt auch für firmeninterne Besprechungen und Sitzungen.
24:16Und niemand wird in dem Familienunternehmen als faul angesehen, nur weil er später zur Arbeit kommt.
24:23Doch dann das. Nach einigen Wochen muss sich Selma wieder den Wecker stellen.
24:30Ich habe Handwerker im Haus und ja, die kommen immer zur gleichen Uhrzeit.
24:39Ich hätte mir nicht gedacht, dass es wirklich so einen Unterschied macht, ob man jetzt mit Wecker oder ohne aufsteht.
24:48Und mit Wecker werde ich einfach irgendwie aus meinem Schlaf gerissen, ja. Und ohne ist es einfach ein sanftes Aufwachen.
24:59Darüber hinaus hat Selma festgestellt, dass sie mehr Schlaf braucht, als sie bisher glaubte.
25:05Fast neun Stunden, von 22 bis sieben Uhr.
25:09Walter steht jetzt um halb acht auf, geht dann kurz Gassi und ist meist gegen neun Uhr in der Firma.
25:14Leben nach der inneren Uhr bedeutet Regelmäßigkeit. Und das hat Vorteile im Vergleich zu früher.
25:22Unregelmäßige ins Bett Gehzeiten führen dazu, dass ich im Allgemeinen länger schlafe oder dann auch mal viel früher aufwache.
25:30Vor allem eben einen unruhigen Schlaf habe.
25:33Sechs Monate später. Michael Wieden präsentiert die Ergebnisse.
25:39Alle Teilnehmer schlafen ohne Wecker tatsächlich länger. Im Durchschnitt eine halbe Stunde.
25:46Und sie schlafen besser. Michael Wieden sieht darin viele Vorteile für das Unternehmen.
25:52Einmal natürlich Reduzierung der Fehlzeiten, die man dadurch erreichen kann.
25:55Auf der anderen Seite eine höhere Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.
25:58Dadurch natürlich auch eine Reduzierung gegebenenfalls der Fehlerquoten, die auftreten können.
26:04Die Kreativität der Mitarbeiter wird dadurch gefördert.
26:07Das heißt, da sind viele Elemente drin, die unabhängig auch sogar von der Gesundheit selbst zu einem positiven Effekt für
26:14das Unternehmen führen kann.
26:15Das überzeugt auch die Chefin. Zwar müssen durch die unterschiedlichen Anfangszeiten die Absprachen untereinander intensiver sein.
26:22Doch das lohnt sich. Denn hellwach arbeitet es sich einfach besser.
26:28Nicht schlecht. Es klingt fast wie Urlaub, nur eben während der normalen Nicht-Urlaubszeit.
26:33Aber es geht dabei ja nicht nur um die Leistungsfähigkeit. Wichtig ist ja vor allem auch die Gesundheit.
26:39Wenn die innere Uhr und die äußere Uhr ständig nicht zusammenpassen, dann betrifft es unseren ganzen Körper.
26:45Nieren und Leber, das gesamte Immunsystem, alle unterliegen einem deutlichen Tagesrhythmus.
26:51Und auch Krankheiten haben ihre eigenen Zeiten.
26:54Migräne zum Beispiel tritt typischerweise zwischen 4 Uhr und 9 Uhr morgens auf.
26:59Akutes Fieber mit Temperaturen über 37 Grad Celsius setzt bei bakteriellen Infektionen eher morgens ein,
27:06bei viralen Infekten meistens nachmittags.
27:09Und was für Krankheiten gilt, gilt auch für deren Behandlung.
27:13Jede Tablette hat ihre Zeit.
27:15Und dazu haben wir ein Gedankenexperiment gemacht.
27:19Ein Pfleger im Nachtdienst muss entscheiden, wann ein Patient welches Medikament bekommt.
27:25Nachts halb vier im Pflegeheim.
27:28Simon hat Zahnschmerzen. Und das war seine ersten Nachtschicht.
27:34Nachts ist auch er ein anderer.
27:38Leider auch unkonzentrierter.
27:42Die sortierten Tabletten, alle durcheinander.
27:47Wann sollten noch mal welche genommen werden?
27:53Simons Zahn pocht. Das Gehirn leer.
27:56Ja, konzentrieren.
27:59Erstmal die Basics.
28:01Egal welche Medizin, die innere Uhr bestimmt, wann sie wirkt.
28:06Erster Stopp.
28:07Der Magendarmtrakt.
28:09Simon weiß, der ist tagsüber besser durchblutet als nachts.
28:13Am Tag gelangen Wirkstoffe also schneller ins Blut und werden im Körper verteilt.
28:19Gleichzeitig beginnt aber auch schon der Abbau.
28:21Da geben Leberenzyme den Takt an.
28:24Und auch der variiert.
28:28Und die Niere?
28:30Sie scheidet wieder aus.
28:32Am Tag mehr als in der Nacht.
28:34Jetzt aber konkret.
28:36Die Blutdrucktablette.
28:39Normalerweise steigt der Blutdruck frühmorgens.
28:42Dann wird der Patient die Tablette wohl auch morgens brauchen.
28:51Die Magentablette dagegen besser abends nehmen.
28:54Denn da produziert der Magen am meisten Säure.
28:57Und die wird gefährlich, wenn der Magen nachts leer ist.
29:00Dann greift sie die Magenwand an.
29:05Zwischendurch muss Simon sich um seinen eigenen Schmerz kümmern.
29:11Das Pochen wird schlimmer.
29:14Kein Wunder.
29:16Nachts empfindet man Schmerzen viel intensiver.
29:20Jetzt eine Tablette gegen zu viel Cholesterin.
29:23Ja, die kommt ins Abendfach.
29:25Nachts produziert der Körper nämlich viel davon.
29:29Dann ein Abführmittel im Zäpfchen.
29:32Das auf alle Fälle morgens nehmen.
29:34Denn die Körperwärme löst das Zäpfchen sofort auf.
29:37Der Wirkstoff ist vor Ort.
29:39Und dann kann es schnell gehen.
29:48Ein Notfall.
29:50Um vier Uhr.
29:51Das ist bestimmt ein Atemproblem.
29:53Typisch für die Uhrzeit.
29:55Nachts ist die Lunge empfindlich.
29:58Die letzte Tablette.
30:00Cortison für den späten Abend.
30:03Das Besondere ist hier die Beschichtung.
30:05Die sorgt dafür, dass sich die Tablette erst nach drei bis vier Stunden löst.
30:10Der Grund?
30:11Der Patient braucht das Cortison erst am frühen Morgen, wenn der Schmerz kommt.
30:15Kann das Cortison rechtzeitig wirken, braucht man nicht zu viel davon.
30:19Das ist gut.
30:26Obwohl alles stimmt?
30:33Noch schnell eine Tablette gegen den eigenen Schmerz.
30:36Viel hilft aber gerade nachts nicht viel, sondern erhöht nur das Risiko für Nebenwirkungen wie Magenschmerzen.
30:44Und eine Tablette liegt dann doch falsch.
30:47Was Simon nicht wusste, dieser Patient hat nachts sehr hohen Blutdruck.
30:51Das kommt nur bei etwa jedem Zehnten vor.
30:54Was er sicher weiß, seine innere Uhr hätte gerne jetzt schon Feierabend.
31:00Es ist schon faszinierend, welche Aspekte unseres Lebens von unserer inneren Uhr beeinflusst werden.
31:06Wie konnte es eigentlich passieren, dass wir so aus dem Takt geraten sind?
31:10Ein Problem, Sie ahnen es bereits, ist künstliches Licht.
31:14Wir können jederzeit die Nacht zum Tag werden lassen.
31:17Das bringt nicht nur Insekten in eine ungünstige Lage.
31:22Seit Beginn der Menschheit lebten wir unter freiem Himmel.
31:26Unsere Körper synchronisierten sich mit der Sonne.
31:31Tagsüber waren wir aktiv, nachts erholten wir uns.
31:36Auch in der Agrargesellschaft, die vor etwa 12.000 Jahren begann, war das noch so.
31:41Mittag war, wenn die Sonne am höchsten stand.
31:44Doch das änderte sich im Laufe der Zeit.
31:51Mitte des 19. Jahrhunderts breitete sich die Eisenbahn immer weiter aus.
31:55Mit ihr legte der Mensch plötzlich große Entfernungen zurück.
31:59Züge mussten zeitlich koordiniert, Fahrpläne entworfen werden.
32:04Passagiere waren gezwungen, ihre Uhren an Bahnhöfen neu zu stellen.
32:08Ein logistisches Problem.
32:09Und nur einer der Gründe, sich auf eine allgemeingültige Zeit zu einigen.
32:14Und das mit weitreichenden Folgen.
32:22Zeitgleich entzogen sich die Menschen während der Industrialisierung zunehmend im Sonnenlicht.
32:28Statt unter freiem Himmel zu arbeiten, verbrachten sie nun ihre Tage in Fabrikhallen.
32:33Die Sonne konnte ihre aktivierende Funktion nicht mehr so ausüben, wie die Jahrtausende zuvor.
32:42Die Menschen waren gezwungen, sich dem neuen Zeitdiktat immer weiter unterzuordnen.
32:47Entgegen ihrer inneren Uhr.
32:50Denn die teuren Maschinen mussten sich rentieren.
32:52Und auch nachts laufen.
32:55Das System der Schichtarbeit war geboren.
33:00Nachts zu arbeiten, war vor allem dank einer Erfindung möglich.
33:04Der elektrischen Glühlampe, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Leben flächendeckend veränderte.
33:09Sie brachte weitaus mehr Licht in unsere Nacht, als es bis dahin möglich war.
33:17So lebten und arbeiteten die Menschen, wenn sie eigentlich hätten schlafen sollen.
33:23Es begann ein Leben gegen die innere Uhr.
33:26Der Organismus konnte sich immer schlechter regenerieren.
33:31So ist es bis heute.
33:33Und seit der Erfindung von Notebooks und Smartphones nehmen wir das künstliche Licht sogar mit ins Pad.
33:38Dem Körper gaukeln wir so vor, es sei Tag.
33:42Obwohl es Nacht ist.
33:45Unser Leben.
33:47Eine 24-Stunden-Verfügbarkeitsgesellschaft.
33:50Zum Supermarkt bis Mitternacht.
33:52Hotlines rund um die Uhr.
33:55Schichtarbeit für jeden Dritten.
33:59Wir tun nur so, als ob wir wach sein oder schlafen können, wann immer wir wollen.
34:04Bezahlen müssen wir das mit unserer Gesundheit.
34:10Dummerweise lässt sich die Zeit nicht mehr zurückdrehen.
34:13Wir können ja nicht einfach um 21 Uhr alle Lichter ausgehen lassen.
34:16Wir sollten aber trotzdem alles tun, um unsere innere Uhr nicht noch mehr durcheinander zu bringen.
34:22Trotzdem ist es bald wieder soweit.
34:24Da gibt es diesen einen Tag im Jahr, der eine Stunde kürzer ist.
34:28Die Umstellung auf die Sommerzeit.
34:30Heißt, nachts um zwei ist es plötzlich drei.
34:35Weil alle automatischen Uhren eine Stunde nach vorne springen.
34:38Jedes Land kann grundsätzlich selbst entscheiden, in welcher Zeit es leben will.
34:43Weil die Zeitumstellung aber so viele nervt, hat das Europäische Parlament 2019 beschlossen, die Umstellung abzuschalten.
34:50Das Problem dabei ist, nicht alle EU-Mitgliedsländer ziehen mit.
34:54Und ob die Sommerzeit die neue Normalzeit wird oder es doch bei der Winterzeit bleibt, ist auch noch nicht beschlossen.
35:01Wenn man allerdings die Deutschen fragt, dann ist die Sache eindeutig. Fast.
35:09Eigentlich bestimmt der Lauf der Sonne den Tag und die Nacht auf der Erde.
35:16Aber wir leben jeden Tag nach einer abstrakten Uhrzeit.
35:21Wollen Menschen, dass sich auch diese Uhrzeit nach dem Sonnenverlauf richtet.
35:24Das wollen wir in Oberhausen herausfinden.
35:28Wir haben hier mal so einen Tagesverlauf mit den Sonnenständen.
35:32Wenn Sie sich mal angucken, hier geht die Sonne auf, hier geht sie ganz nach oben, hier geht die Sonne
35:36wieder unter.
35:37Wenn Sie jetzt mal rein nach den Sonnenständen überlegen, und es ging nur nach Ihnen, wann würden Sie gerne aufstehen?
35:47Ich meine, die ist so mit der aufgehenden Sonne.
35:52Wir legen es einfach nach unten runter.
35:54Alle sind sich einig, sie wollen mit dem Sonnenaufgang aufstehen oder sogar erst deutlich danach.
36:01Das Licht am Morgen ist ihnen wichtig.
36:04Können wir mal unten dran liegen.
36:05Wahrscheinlich dann hier.
36:06Das heißt, es ist schon relativ hell.
36:09Ja, es ist schon relativ hell.
36:10Ich bin eher ein Mensch, der spät aufsteht und dafür lange wach bleibt.
36:15Ja, mit der Helligkeit ist man einfach aktiver.
36:17Hilft halt, um in den Tag zu kommen.
36:19Ich brauche Licht, um wach zu werden.
36:22Damit ich weiß, der Tag beginnt und bringt mir gute Laune.
36:29Dann wollen wir noch wissen, wann die Menschen arbeiten und wann sie ins Bett gehen möchten.
36:37Ja, tendenziell mit der untergehenden Sonne.
36:40Ja, es muss schon dunkel sein.
36:44Licht am Abend, das hemmt sich mir so ein bisschen beim Schlafen.
36:47Wenn man im Sommer dann lieber die Chalosin runter macht und es ist dunkler zu schlafen, ist wesentlich besser.
36:51Sehr spät, sehr spät, Ingo Niel.
36:55Aufstehen und schlafen gehen mit der Sonne.
36:58Das war früher einmal so.
37:00Heute bestimmt eine abstrakte Uhrzeit unser Leben.
37:03Und die bringen wir jetzt ins Spiel mit dieser Zeitleiste.
37:07Die ist so definiert, dass um 12 Uhr die Sonne am höchsten steht.
37:14Der Wecker klingelt jetzt aber bei vielen von uns vor der zuvor gewünschten Aufwachzeit.
37:22Es ist noch dunkel.
37:24Das Licht am Morgen fehlt.
37:31Die Sommerzeit setzt jetzt noch einen drauf.
37:34Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt.
37:37Die Zeitleiste verschiebt sich.
37:40Und mit ihr der Wecker, der jetzt noch eine Stunde früher klingelt.
37:46Auf einmal klingelt der Wecker nicht dann, wo sie von alleine aufstehen würden.
37:49Genau, ja.
37:51Dann würde der früher schon klingeln.
37:53Wie geht es Ihnen damit?
37:54Nicht gut, weil es dann noch relativ dunkel ist.
37:58Und das ist halt nicht, wie ich es gewohnt bin.
38:02Dafür wäre es aber abends ein bisschen länger hell.
38:04Würde das wettmachen?
38:06Das stimmt.
38:07Nein, das würde das nicht wettmachen.
38:08Weil ich habe es eigentlich ganz gerne, wenn ich dann abends meine Zeit zu Hause habe.
38:12Und meistens dann vielleicht mit Freunden vom Fernseher sitze.
38:14Oder noch ein bisschen Schreibarbeit für Uni oder Arbeit mache.
38:18Dann mache ich das eigentlich ganz gerne, wenn es dunkel ist.
38:20Weil ich dann nicht mehr das Gefühl habe, ich verpasse irgendwas draußen.
38:24Die Zeitverschiebung bringt mich ja auch körperlich in eine Verschiebung rein.
38:28Das spürt man.
38:29Richtig.
38:29Lieber einen schönen, entspannten Morgen.
38:31Ganz genau mit diesem natürlichen Becken.
38:33Das ist mir viel wichtiger, als abends noch lange wach zu bleiben.
38:38Welche dauerhafte Zeit soll also in Zukunft gelten?
38:41Die Zeit entsprechend der Sonne oder die verschobene Sommerzeit?
38:47Einworte ich die Sonnenzeit.
38:50Also, die Winterzeit ist es ja dann, ne?
38:54Ja.
38:55Die wäre mir persönlich am liebsten.
38:57Sommerzeit ist am besten.
38:58Da ist es ein bisschen länger hell.
39:01Es ist nicht so schnell dunkel.
39:03Die Winterzeit ist eigentlich die Zeit, mit der ich groß geworden bin.
39:06Die Sommerzeit ist eine künstliche Zeit.
39:07Die normale Zeit wäre meine ganz klare Wahl.
39:10Zum Schluss die Abstimmung.
39:13Sonnenzeit oder verschobene Zeit?
39:16Genau, wir werden die normale Zeit lieber.
39:18Ja.
39:20Zwei Drittel haben sich bei uns für die normale Zeit, passend zur Sonne, entschieden.
39:25Und das wäre eben die Winterzeit.
39:29Würde ich auch sagen, ich bin da sehr konservativ.
39:33Sonnenhöchststand um zwölf ist mein Ding.
39:35Bei einer großen europaweiten Umfrage im Jahr 2018 sah das Ergebnis ganz anders aus,
39:41obwohl da auch ganz viele Deutsche mitgemacht hatten.
39:43Damals wurde den Menschen in der EU die Frage gestellt, ob sie für oder gegen eine Abschaffung der Zeitumstellung sind.
39:50Ergebnis, 84% der Befragten sprachen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus.
39:56Was ja auch irgendwie zu erwarten war, denn es nervt einfach, die Uhren umzustellen.
40:02Auf die Frage allerdings, welche Zeit denn gern dauerhaft eingeführt werden sollte, antworteten für die Sommerzeit 55% und für
40:12die dauerhafte Winterzeit 37%.
40:16Chronobiologen hatten sich oder hätten sich vermutlich eine andere Antwort gewünscht.
40:21Problem bei der Umfrage war, sie war nicht repräsentativ.
40:24Andere Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wiederholten sie, diesmal aber mit repräsentativen Teilnehmern.
40:31Das Ergebnis war dann auch nicht mehr ganz so deutlich.
40:3441 zu 32%.
40:37Und bei Umfragen sind ja die Fragen mindestens genauso wichtig wie die Antworten, also die Formulierungen der Fragen.
40:45Wenn ich mich spontan entscheiden müsste zwischen Sommerzeit und Winterzeit, würde ich natürlich Sommerzeit nehmen.
40:53Es klingt einfach netter und freundlicher.
40:55Müsste ich mich aber entscheiden zwischen Normalzeit und Normalzeit mit Vorstellung um eine Stunde, dann bin ich für Normalzeit.
41:05Normal. Entsprechend anders war mit dieser Formulierung das Umfragergebnis.
41:1162% wollten die Normalzeit, die es im Winter gibt.
41:1616% die Sommerzeit.
41:18Das kommt mir sehr gelegen, aber es gibt neben persönlichen Vorlieben auch noch medizinische Gründe.
41:29Sommerzeit. Das klingt nach schöner, sonnig-warmer Zeit.
41:37Die hätten wir natürlich auch gerne im Winter.
41:40Aber auch bei einer ganzjährigen Sommerzeit bleibt es an Weihnachten kalt, feucht und grau in grau.
41:49Welche Auswirkungen hätte also eine dauerhafte Sommerzeit?
41:56Morgens würde es später hell.
41:58Das wäre vor allem im Winter ein Problem.
42:05Mitte Dezember wäre es in NRW dann noch bis halb zehn dunkel.
42:10Dem Körper würde das helle Licht fehlen, um wach zu werden.
42:17Abends wäre es dafür länger hell.
42:19Das lädt vor allem im Sommer zu langen Feierabenden ein.
42:23Klingt gut, wird aber zum Problem.
42:29Denn später ins Bett gehen und dann früher vom Wecker geweckt werden heißt, nur kurz schlafen.
42:35Und das führt zu einem Schlafmangel.
42:41Studien haben gezeigt, dass wir Menschen dann versuchen, den Schlaf am Wochenende nachzuholen.
42:46Wir verschlafen also unsere schöne, freie Zeit am Wochenende.
42:53Und trotzdem bleibt ein dauerhafter Schlafmangel.
42:56Den nehmen wir zwar nicht mehr wahr, aber er hat langfristig schwerwiegende Folgen.
43:03Wir werden dicker.
43:05Die Fettleibigkeit nimmt zu.
43:08Ebenso unser Alkohol- und Tabakkonsum.
43:13Wir erkranken häufiger am Herz-Kreislauf-System.
43:18Genauso wie an Krebs.
43:22Und ohne, dass wir es merken, geht unsere geistige Leistungsfähigkeit runter.
43:27Wir können uns nicht mehr so gut konzentrieren.
43:31Außerdem erscheint uns die Welt düsterer und wir sind anfälliger für Depressionen.
43:38Durch eine dauerhafte Sommerzeit werden wir zwar nicht sofort zu einer Gesellschaft von dummen, rauchenden, übergewichtigen,
43:46die reihenweise an Krebs- oder Herzinfarkt sterben.
43:52Aber es wird uns eben allen ein kleines bisschen schlechter gehen.
44:01Sommerzeit klingt jetzt gar nicht mehr so super sonnig.
44:04Ich hoffe, dass die nächste Umstellung die vorletzte sein wird.
44:08Teilen Sie gern diese Sendung.
44:09Vielleicht beflügelt das ja so manche Politikerinnen oder Politiker.
44:13Dass Sie zumindest bei so einem leichten Thema wie Zeitumstellung mal Nägel mit Köpfen machen.
44:18Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen einen guten Start in die Sommerzeit.
44:22Kommen Sie nicht durcheinander und schalten Sie auch beim nächsten Mal zur gewohnten Zeit Quarks ein.
44:27Das würde mich sehr freuen.
44:29Bis dahin.
44:29Tschüss.
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