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00:02Sehnsuchtsort für Abenteurer, Naturliebhaber und Sportler.
00:06Zulande, zu Wasser und in der Luft.
00:08Das ist die Adèche,
00:10benannt nach einem der wildesten Flüsse im Süden Frankreichs.
00:15Sie ist schwierig, weil es mitten im Strom viele Felsen gibt,
00:19mit denen man kollidieren kann.
00:23Über Jahrmillionen fräste das wilde Wasser der Adèche
00:26tiefe Schluchten und atemberaubende Grotten in die Karstlandschaft.
00:31Darin finden sich Höhlenmalereien,
00:34die zu den bedeutendsten der Welt gehören.
00:37Es ist, als wäre die Zeit stehen geblieben,
00:40als hätte man Gemälde von Leonardo da Vinci oder von Raphael vor sich.
00:46Dicht unter der Erde verbergen sich hier noch ganz andere Schätze.
00:52Die Adèche ist auch das Land der Trüffel,
00:54der schwarzen Diamanten.
00:56Ich suche sie seit 30 Jahren, als Erster in meiner Familie.
01:01Und vor über 200 Jahren erhob sich ein Ballon der Gebrüder Montgolfier
01:06hier erstmals in die Lüfte.
01:08Ihre Nachfahren halten die Erinnerung daran bis heute wach.
01:12Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Familie zu sein.
01:16Sie leistete Außergewöhnliches
01:18und erfand unter anderem den Heißluftballon.
01:40Die Adèche entspringt hier, im Osten des Zentralmassivs,
01:44auf 1430 Meter Höhe und fließt in südöstliche Richtung.
01:51Dabei durchquert die Adèche das nach ihr benannte Departement in Südfrankreich.
02:01In seinem Oberlauf zwängt sich der anfängliche Gebirgsbach durch ein enges Tal,
02:06bevor er zum stattlichen Fluss wird.
02:11An seinen Ufern liegen alte Klöster, Burgen und Brücken.
02:26Auf den Feldern blüht im Sommer der Lavendel.
02:32Die Abflussmenge der Adèche schwankt zwischen 110 Kubikmeter pro Sekunde im Winter
02:38und spärlichen 12 Kubikmetern im Sommer.
02:48Coline Charelle und Théo Brun sind hier, sozusagen im Kajak, aufgewachsen.
02:55Théo gehört mit seinen 19 Jahren zu den Top 10 Junioren Frankreichs.
03:00Die 22-jährige Coline wurde sogar schon Junioren-Weltmeisterin im Kanu-Slalom.
03:10Die GoPro-Kamera hier wird zeigen, dass ich der Bessere bin.
03:14Das werden wir ja sehen.
03:18Also, mit ihm zu trainieren, macht immer Spaß.
03:21Wir trainieren nicht oft zusammen, weil wir unseren Sport schon auf einem hohen Niveau betreiben
03:25und überall in Frankreich trainieren.
03:27Aber wenn wir zurückkommen in unsere Schluchten der Adèche,
03:31dann treffen wir uns, um ein paar Runden zusammen zu drehen und Spaß zu haben,
03:34uns ein wenig zu necken und für einen kleinen Wettbewerb unter uns.
03:39Die beiden waren über eine Stunde mit dem Auto unterwegs,
03:43um die Einstiegsstelle bei Valen-Pont d'Arc zu erreichen.
03:48Die meisten Kanu- oder Kajakfahrten beginnen hier auf diesem ruhigen Abschnitt.
03:5432 Kilometer Fluss liegen jetzt vor ihnen.
03:58Ungefähr sechs Stunden werden die beiden Sportler dafür brauchen.
04:01Denn neben Sprints sind natürlich auch Pausen eingeplant.
04:07Coline und Theo kennen den Fluss seit ihrer Kindheit.
04:12Mein Stiefvater hat mir im Alter von neun Jahren das Kajakfahren beigebracht.
04:16Seit ich klein bin, schwinne ich in der Adèche.
04:19Diese Umgebung, die Natur hier, hat mich beeinflusst, mit dem Kajakfahren zu beginnen und dabei zu bleiben.
04:28Lange Sprints gehören zum Trainingsplan der ambitionierten Jungprofis.
04:33Beide schenken sich nichts.
04:35Mal hat Coline die Nase leicht vorn, dann wieder Theo.
04:39Abhängen können sie einander nicht.
04:45Dann wartet ein Stück flussabwärts die erste Stromschnelle.
04:50Niedriger Wasserstand macht das Paddeln hier im Sommer erst so richtig schwierig.
05:02Umso wichtiger ist es, die ideale Linie zwischen den Felsen zu finden.
05:1625 Stromschnellen gibt es auf den 32 Flusskilometern zwischen Valen-Pont d'Arc und Saint-Martin-Dardèche.
05:29Regelmäßig gönnen die beiden sich kurze Verschnaufpausen.
05:35Sollen wir nach der Tour noch etwas Muskelaufbau betreiben?
05:40Kein Problem, ist vielleicht ein guter Ausgleich.
05:51Rapide Charulmanie, der längste Stromschnelle der Adèche, wurde nach Karl dem Großen benannt.
05:57Eine Herausforderung, selbst für Profis.
06:07Der Charulmanie ist eine schwierige Stromschnelle mit vielen Hindernissen. Man muss unbedingt eine gute Linie fahren.
06:15Das ist die letzte Stromschnelle vor dem Pont d'Arc.
06:19Sie ist schwierig, weil es mittendrin viele Felsen gibt, mit denen man kollidieren kann.
06:26Und dazu kommt, dass hinter einem oft viele Boote folgen, die auf einen auffahren können.
06:34Bei dem Tempo, das die beiden an den Tag liegen, kommt das aber eher selten vor.
06:40Ein Stück weiter flussabwärts erhebt sich vor ihnen der Pont d'Arc. Eine 60 Meter breite und 54 Meter hohe
06:49Felsenbrücke.
06:50Sie entstand, als die Adèche vor einer Million Jahren das Kalkgestein durchbrach.
06:56Die Flussschleife hinter der neuen Abkürzung viel trocken.
07:00Nichts deutet von außen darauf hin, dass sich hier eine weltberühmte Höhle verbirgt.
07:05Der Weg zur Grotte Chauvet ist beschwerlich.
07:08Für Normalsterbliche ist sie tabu, zum Schutz der Felszeichnungen in ihrem Inneren.
07:14Nur für ein paar Wochen im Jahr darf Archäologin Carol Fritz mit ihrem Team hier hinein.
07:23Diese Wege wurden womöglich auch von den Menschen benutzt, die die Felsbilder schufen.
07:29Sicher ist jedoch nur, dass es damals die heutige Vegetation noch nicht gab. Nur die Berge. Der Bewuchs war ganz
07:36anders.
07:39Erst 1994 entdeckte der Höhlenforscher Jean-Marie Chauvet die Grotte, die seither seinen Namen trägt.
07:46Hermetisch abgeriegelt, die Tür zur Sixtinischen Kapelle der Steinzeit.
07:52Die ursprüngliche Öffnung der Höhle ist heute verborgen.
07:56Der neue Eingang wurde geschaffen, um Wissenschaftlern – und eigentlich nur denen – den Zutritt zu ermöglichen.
08:04Doch unsere Kamera erhielt ausnahmsweise exklusiven Zugang.
08:12Nach einem anfangs engen Eingangsbereich mit niedrigen Decken öffnet sich die Höhle bald zu teils weiten Sälen.
08:20Auf den ersten Metern ist von Höhlenmalereien noch nichts zu sehen.
08:26Die Tropfsteingebilde erinnern eher an moderne Kunst.
08:32Dann aber tauchen die ersten Tierbilder aus der Dunkelheit auf.
08:36Vor allem Höhlenbären sind ein häufiges Motiv.
08:40Eine eiszeitliche Art, die ein Drittel größer war als heutige Braunbären.
08:46Auf 600 Metern finden sich über 400 Wandbilder mit tausend gemalten oder in den Fels geritzten Tierdarstellungen und Symbolen.
08:57Typisch für die prähistorische Kunst ist das Einbeziehen der Höhlenwände.
09:02Als hätten die Künstler ihre Motive bereits im Felsrelief entdeckt und nur ihre Umrisse hervorgehoben.
09:10Wie bei diesen Hirschen.
09:18Immer wieder finden sich auch Knochen von Höhlenbären.
09:23Über Jahrtausende wurde die Grotte offenbar abwechselnd von Menschen oder von Bären genutzt.
09:31Anhand der Holzkohle, die zum Zeichnen oder Feuermachen verwendet wurde, konnte die menschliche Nutzung der Höhle auf zwei Phasen zwischen
09:3937.000 und 28.000 Jahren vor Christus datiert werden.
09:45Also in die letzte Kaltzeit und frühe Altsteinzeit.
09:53Tiefer in der Höhle entdeckt die Forschergruppe eine Fülle menschlicher Handabdrücke.
10:00Und dazwischen immer wieder auch Tatzenabdrücke von Bären.
10:04Stellenweise finden sich die Spuren beider Spezies unmittelbar nebeneinander.
10:12Für Carol Fritz eine spannende Entdeckung, deren Hintergründe sie erforscht.
10:20Chauvet ist die erste und bis heute einzige Höhle, in der es einen steten Wechsel zwischen Mensch und Bär gab.
10:27Eine Zeit lang gab es hier nur Bären, dann wieder Menschen. Danach kamen die Bären zurück und so weiter.
10:34Das sehen wir an den Wänden. Es gab Zeichnungen, die später von Krallen zerkratzt wurden und Krallenspuren, die übermalt wurden.
10:42Wir wollen also diese Interaktion verstehen, wie diese Grotte von Menschen und Bären benutzt wurde.
10:48Heute dürfen nur wenige Menschen in die Höhle, denn vor allem die Feuchtigkeit ihres Atems gefährdet die Felszeichnungen.
10:56Aber es gibt einen Weg, sie mit eigenen Augen zu sehen.
11:01Im Boden der Addis warten noch mehr Überraschungen.
11:05Auf einem Kalksteinplateau über dem Fluss wachsen knorrige Pflaumeisen.
11:11Und die sind das Ziel von Trüffelsucher Gérard Bleye und seinem treuen Dackelrüten Ronny.
11:23Die beiden sind auf der Suche nach Trüffeln, Sommertrüffeln, um genau zu sein.
11:29Sie wachsen unter den hiesigen Eichen, doch gezielt gesucht werden sie erst seit ein paar Jahrzehnten.
11:35Davor war die Adesh keine Trüffeladresse.
11:41Die Edelpilze wachsen knapp unter dem Waldboden.
11:47Die Sommertrüffel findet man von Anfang Mai bis Ende Juli.
11:52Sie haben einen ganz eigenen Duft.
11:55Man findet sie hier in der Wildnis, das heißt unter Eichen, die von der Natur selbst gepflanzt wurden.
12:02Man sucht und findet sie mit Hunden.
12:06Aber wir haben Konkurrenz, das sind die Wildschweine.
12:11In der kalten Jahreszeit wachsen in diesem Eichenwäldchen auch die dunkleren Wintertrüffel.
12:17Es sind allesamt knollige Edelpilze der Gattung Tuber.
12:22Wildschweine fressen die Trüffel und scheiden deren Sporen unverdaut aus.
12:27So können sich die Pilze verbreiten.
12:30Sie brauchen Kalk- und wasserhaltige Böden.
12:33Die gibt es häufig unter Eichen, schwarzen Linden oder Pappeln.
12:43Woran erkennt man, dass ein Sommertrüffel reif ist?
12:46Zuerst ist da der Hund.
12:48Wenn er kratzt und intensiv sucht, dann hat er was.
12:53Um nun den Reifegrad festzustellen, reicht es, ein kleines Stück aus dem Peridium, der Haut zu entfernen.
12:59Dann sieht man das Innere.
13:02Wenn das weiß ist und ihm der Duft fehlt, ist er unreif.
13:05Er muss braun sein und duften.
13:12Girard Bleye wohnt südlich von Obena.
13:15Er ist nicht nur Trüffelsucher, sondern auch Trüffelzüchter.
13:19Vor 15 Jahren hat er eine eigene Eichenschonung angelegt und mit Trüffelsporen versetzt.
13:26Trüffel gehen eine Verbindung mit den Wurzeln ihrer Wirtspflanze ein.
13:31Sie zu finden ist jetzt Sache der Dackelhündin Mila.
13:40Alle Hunde sind gut im Schnüffeln. Man dressiert sie einfach, indem man sie riechen lässt.
13:45Kurz nach dem Absetzen von der Mutter lässt man sie Trüffel riechen und schon gehen sie denen nach.
13:51Egal welche Hunderasse. Dackel und Labradore besonders. Alle Hunde sind gut darin.
14:04Unterdessen haben Colleen und Theo mit ihren Kajaks die Felsenbrücke Pont d'Arc erreicht.
14:18Hinter dem Felsdurchbruch gibt es einen fast weißen Kieselstrand, auf dem die Kanuten gern Rast machen.
14:25Mit unverbautem Brückenblick.
14:31Für mich ist die Bogenbrücke das erste Weltwunder. So was wie der verborgene Schatz der Ardèche.
14:38Und es ist immer wieder eine Freude hierher zurückzukehren und diese wunderbare Landschaft zu sehen.
14:45Das Naturschutzgebiet der Ardèche-Schluchten beginnt direkt hinter dem Pont d'Arc, der das Tor zu den Schluchten ist.
14:52Hier gibt es eine enorme Vielfalt an Fauna und Flora.
14:58Man kann Habichtsadler bewundern und diese großen Klippen, die der Ardèche 24 Kilometer lang folgen.
15:10Die nächsten Kilometer zählen für Colleen und Theo zu den schönsten der Strecke.
15:22Zeit für ein wenig Spezialtraining.
15:25Die spielende Beherrschung des Sportgeräts und verschiedener Paddeltechniken erhöht die Sicherheit und die Perfektion, zum Beispiel beim Slalom.
15:48Die Klippen und Schluchten der Ardèche sind auch der Arbeitsplatz von Nicolas Bazin und seinen Kollegen von der Umweltpolizei des
15:56Naturparks.
15:57Die Ranger achten darauf, dass typische Tiere und Pflanzen der Schluchten, wie der phönizische Wacholder, ungestört und unangetastet bleiben.
16:08Zu deren Schutz dürfen weite Bereiche der Schluchten nicht betreten werden.
16:19Ich bin Ornithologe und Kurator des Naturschutzgebietes Gors de Lardèche und beobachte heute die Greifvögel.
16:27Gerade fliegen die jungen Falken aus.
16:32Wanderfalken vor allem, aber auch Geier und Adler kreisen in der Luft.
16:42Unter den typischen Tieren der Schluchten sind die bekanntesten der Habichtsadler und der Schmutzgeier.
16:49Und für die Pflanzen sind es der phönizische Wacholder und die vielen kleinen Blumen mit den gelben Blüten, die im
16:57Frühling wachsen.
16:57Wie das Brillenschötchen, das Chicoréblatt oder der großfruchtige Obstgeldkorb.
17:04Geschützte Arten und typisch für mediterrane Klippen.
17:10Um die zu schützen, müssen Wanderer auf ihren Wegen und Kanuten am Fluss bleiben.
17:20Die Sandbänke und Inseln des Flusses sowie die angrenzenden Wiesen sind die Heimat von Arten wie dem großen Ochsenauge.
17:30Der Wind trägt den Sand die Ufer entlang bis in Nebentäler, wo er wertvollen Lebensraum für ganz besondere Insekten bietet.
17:42Das hier ist so eine Sandfläche am Grund der Schlucht. Ein Gebiet, das sehr reich an Insekten ist.
17:49Hier sehen wir gerade einen Teppich von Wespen, von Kreiselwespen, die wir wissenschaftlich Bambix rostrata nennen.
17:56Man sieht die Männchen, die herumschwirren und patrouillieren auf der Suche nach Weibchen, um sich zu paaren und fortzupflanzen.
18:04Dafür graben sie diese kleinen Löcher in den Sand.
18:08In die legen die Wespen ihre Eier und Beutetiere als Futter für die Larven ab.
18:14Das klingt wie in einem Bienenstock.
18:21Auf den angrenzenden Klippen sonnern sich Perleidechsen, die arm lang werden können.
18:29Die Könige der Adäsch sind jedoch die Greifvögel.
18:33Harpichtsadler und Milane gehen hier auf die Jagd.
18:36Schmutz und Gänsegeier nehmen, was übrig bleibt.
18:41Sie sind die fliegenden Aufräumkommandos des Adäsch-Tals.
18:46Gut bewacht von Nicolas Bazin.
18:51Zurück zur Chauvet-Höhle bzw. in ihre Kopie.
18:57Keine zwei Kilometer von der Originalhöhle entfernt, wurde 2015 eine weitgehend identische Replik eröffnet.
19:06Sie bringt die Welt der Steinzeitmenschen einem breiten Publikum näher.
19:12In Eiszeit-Architektur.
19:21Valerie Molles ist als Kulturbeauftragte Chefin aller Höhlenführer und kennt hier jeden Winkel.
19:31Für Chauvet II wurden die interessantesten Höhlenbereiche von den besten Künstlern Frankreichs nachgebaut.
19:43Auch der ursprüngliche Eingang.
19:47Hier haben wir den prähistorischen Eingang, den der Homo sapiens benutzte, wenn er kam, um in der Höhle zu zeichnen.
19:55Die Künstler von heute stellten die Höhlenmalereien eins zu eins nach, mit Techniken und Materialien der Steinzeit, wie Holzkohle und
20:06rotem Ocker.
20:07Dabei kopierten sie jede Erhebung und Vertiefung im Felsenrelief, auf dem ihre Vorgänger die Tiermotive erkannt und zum Leben erweckt
20:16haben.
20:17Das hier ist ein Megaceros, ein Vorzeithirsch, der in unserer Galerie lebensgroß zu sehen ist.
20:27Hier aber hat man ihn diskret aus dem Relief der Wand hervorgehoben.
20:31Der Fels wurde oft einbezogen.
20:37Dreidimensional vermessen bauten die besten Bildhauer Frankreichs die Höhlenwände detailgetreu nach,
20:43bevor die besten Graveure, Zeichner und Maler die Ritzzeichnungen und Malereien kopierten.
20:52Alles, was wir hier in der Replik sehen, befindet sich exakt so auch in der Originalhöhle.
20:58Das gilt auch für die Knochen, die man sieht.
21:01Alles Bärenknochen.
21:02Es wird immer nur über den Menschen und seine Kunst der Höhle geredet.
21:06Aber es war auch eine Bärenhöhle.
21:084.000 Bärenknochen wurden gefunden.
21:13In der Originalhöhle ist Archäologin Carol Fritz dabei, jedes Detail akribisch zu dokumentieren.
21:21Im Fokus steht dabei vor allem eine spezielle Anordnung von Knochen und Steinen rund um einen Bärenschädel.
21:29Das Team geht der Frage nach, ob es sich um einen Ritualplatz handelte.
21:37Sicher ist, dass dieser Schädel auf Kohleresten steht, deren Alter auf 35.000 bis 36.000 Jahre datiert wurde.
21:45Er ist damals bewegt worden. Aber was sagt uns, dass es nicht ein Kind war, das den Schädel genommen und
21:51im Spiel dort abgelegt hat?
21:52Wir können daher noch nicht sagen, ob das hier ein Ritualplatz war oder nicht.
22:02Neben der Interaktion von Bär und Mensch interessiert sich die Forscherin für die lebendige Art der Darstellung der Tiere.
22:10Im Herzen der Originalhöhle finden sich bis zu 12 Meter lange Bildkompositionen.
22:22Die prähistorischen Künstler nutzten Tiere als Ausdruck ihrer Fantasie. Das ist nicht nur in Chauveso, sondern in der gesamten Kunst
22:30dieser Zeit.
22:31Der Mensch steht an zweiter Stelle. Er malt nicht sein eigenes Abbild, sondern eben Tierbilder, als Medium könnte man sagen.
22:39Das ist charakteristisch für die paläolithische Kunst.
22:48Aber die Grotte Chauvet enthält auch einige Besonderheiten.
22:52Vor allem die Darstellung von Löwen, die man nur hier findet.
22:57Außerdem scheint es, als habe der Künstler Bewegungen darstellen wollen.
23:06Ich kenne viele Grotten, aber so etwas habe ich noch nie gesehen.
23:11Man hat den Eindruck, die Zeit sei stehen geblieben, weil die Bilder so gut erhalten sind und solch eine grafische
23:17Qualität haben.
23:20Es ist, als hätte man Gemälde von Leonardo da Vinci oder von Raphael vor sich.
23:25Wir können alle Bewegungen verfolgen und man hat den Eindruck, dass uns die Menschen von damals erklären wollen, was sie
23:32gemacht haben.
23:35Die Naturdarstellungen aus dunkler Vergangenheit haben für Carol Fritz auch eine Botschaft an den Menschen von heute.
23:44Ich finde es wichtig zu erkennen, dass wir Menschen des 21. Jahrhunderts die Verbindung mit der Natur verloren haben.
23:53Die vielen Katastrophen heute, die globale Erwärmung, haben da ihren Ursprung.
24:01Der Mensch heute nimmt sich zu wichtig und sollte zur Natur zurückkehren, eine andere Sicht der Welt bekommen.
24:14Nach spätestens fünf Stunden müssen die Forscher den Rückweg zum Ausgang antreten.
24:19Und nach drei Wochen schließt sich der Hülleneingang selbst für sie wieder, für mehrere Monate.
24:26Nur so lässt sich das Kulturerbe der steinzeitlichen Künstler vor dem Verfall schützen.
24:48Auch auf der Trüffelfarm von Gérard Bleye nähert sich der Feierabend.
24:53Zumindest für Dackelhündin Mila.
25:02Der Trüffelsammler muss seine Ausbeute jetzt noch gründlich reinigen.
25:12Ich wasche sie unter fließendem Wasser ab. Mit der Bürste.
25:19Ich schrubbe damit die Erde, den Dreck von der Haut.
25:29So, sie ist fertig für den Verkauf. Man lässt sie ein oder zwei Stunden auf dem Geschirrtuch trocknen, dann in
25:35den Kühlschrank.
25:36Au Frigo.
25:4225 Kilometer entfernt in der 2000-Seelen-Gemeinde Ruyance treffen sich die Trüffelsucher der Region und ihre Kunden.
25:51In der Saison öffnet hier jeden Freitag von halb zehn bis zwölf der Trüffelmarkt.
25:56Von Ende November bis Ende Februar verkauft Gérard Bleye hier seine Wintertrüffel.
26:02Mitte Mai bis Ende Juli ist Saison für Sommertrüffel.
26:07Ein Renner ist Gérards Camembert mit Trüffel.
26:10Da die Edelpilze keine Hitze vertragen, werden sie kalt über Speisen gehobelt.
26:15Die Kunden für diese Delikatesse kommen aus ganz Frankreich.
26:21Ich liebe Trüffel. Ich komme aus der Bretagne, aus St. Malou. Da gibt's keine.
26:27Die meisten kommen aus dem gleichen nachvollziehbaren Grund. Ich habe Vergnügen am Geschmack. Ganz einfach.
26:37Dabei waren Trüffel jahrhundertelang praktisch nur in der ländlichen Küche zu finden.
26:43Im Café Arnault hat die Bruderschaft der Trüffelsucher ihren Sitz und Prüfer Gérard Miarot ein wachsames Auge auf die Qualität
26:51der Sommertrüffel.
26:53Sie werden wegen ihres hellen Innenlebens auch weiße Trüffel genannt.
27:01Für die Kategorie Extra müssen sie mehr als 20 Gramm wiegen und reif genug sein.
27:08Sie dürfen keinen Defekt aufweisen. Dann kommen sie in diese höchste Kategorie.
27:16Zwischen 10 und 20 Gramm gehören sie in die Kategorie 1.
27:19Alles andere, was zu viele Fehler hat, wie dieser, ist zweite Wahl. Das ist alles.
27:30Je nach Gewicht und Größe kosten Sommertrüffel zwischen 200 und 500 Euro das Kilo.
27:37Die aromatischeren Wintertrüffel bis zu 1000.
27:42Je einer der Markttage Winters wie Sommers zieht als Trüffelfestival besonders viele Besucher an.
27:51Wir machen dann Werbung in den Zeitungen, in der Presse und das funktioniert.
27:56Wir sind auch heute wieder glücklich, all diese Menschen zu sehen.
28:05170 Kilometer nördlich, in Annonais, hat man den Gebrüdern Montgolfier ein Denkmal gesetzt, als großen Söhnen der Stadt.
28:16Die Montgolfiers erfanden hier den Heißluftballon und starteten die ersten Ballonflüge der Geschichte.
28:25Für den offiziellen Jungfernflug am 4. Juni 1783 verwendeten die Brüder eine Hülle aus Papierbahnen, verstärkt mit dünnem Stoff.
28:36Dieses Ereignis wird an jedem Jahrestag auf dem Platz vor dem ehemaligen Kloster im Herzen von Annonais reinszeniert.
28:44In zeitgenössischen Kostümen, so authentisch wie möglich.
28:50Initiator des Spektakels ist der Ballonclub der Stadt, angeführt von einem Nachfahren der Erfinder, Roland de Montgolfier.
29:01Am 4. Juni 1783 versammelten sich die Gebrüder Montgolfier auf dem Place des Caudilliers.
29:08Und wie man gleich sehen wird, wurde ein Heißluftballon aus Papier mit Stroh erhitzt.
29:13Wir machen das im gleichen Stil und mit den gleichen Hilfsmitteln wie 1783.
29:20Auch damals versammelte sich die ganze Stadt auf dem zentralen Platz.
29:25Voller Neugier darauf, was sich die Gebrüder Montgolfier ausgedacht hatten.
29:30Schon im Dezember zuvor hatten sie im Geheimen einen ersten erfolgreichen Testflug unternommen.
29:37Anfangs ohne Korb, Pilot und Passagiere.
29:41Dafür war das ganze Unternehmen noch zu heikel und unerforscht.
29:45Nur die Hülle sollte erprobt werden und sich mit Hilfe eines Feuers darunter in die Lüfte erheben.
29:51Dafür muss sie auch heute in eine geeignete Position und Höhe gebracht werden.
29:59Ein Holzrahmen soll die Öffnung am unteren Ende des Ballons offen halten.
30:11Dann wird die schwere Ballonhülle mit Seilen auseinandergezogen und aufgespannt, um darunter einen Feuerkorb zu platzieren.
30:23Der Meister persönlich zündet das Strohfeuer an.
30:28Die Gebrüder Montgolfier glaubten anfangs fälschlicherweise, der Rauch würde für den Auftrieb sorgen.
30:35So wählten sie Wolle und Stroh als Brennmaterial, um möglichst viel Rauch zu erzeugen.
30:47Die Hülle füllt sich allmählich mit der heißen Luft und schließlich ist der Ballon startklar.
31:04Die Begeisterung für den perfekten Start ist groß.
31:08Denn nicht jedes Jahr sind Wind und Wetter so günstig für die Reinszenierung wie heute.
31:24Große Emotion bei diesem 40. Flug des Heißluftballons. In der Moderne.
31:30Eigentlich seit dem 200. Jubiläum. 40 Ballonflüge. Wunderbar.
31:45Am Rande der Stadt liegt die Keimzelle der Ballonfahrt.
31:49Die Papierfabrik von Etienne und Joseph de Montgolfier, die sie vom Vater geerbt hatten.
31:56Roland de Montgolfier hütet das Vermächtnis der berühmten Familie im heutigen Papiermuseum.
32:04Selbst Ballonfahrer bewundert er seine berühmten Vorfahren und ihre Zeit.
32:11Das war eine wunderbare Epoche. Es gab viel zu erfinden und sie erfanden.
32:18Für die Papierindustrie und das Ballonfahren.
32:22Den Ballon.
32:25Einer der Brüder hat im Papiermuseum der Familie und in seinem Herzen einen besonderen Platz.
32:34Ich sitze jetzt neben Joseph, der diese geniale Idee hatte, als er ein Hemd betrachtete, das vor dem Kamin des
32:42Hauses trocknete, in dem er damals wohnte.
32:48Joseph war ein bisschen wie ich. Er war ein freies Elektron, wie wir sagen. Er hatte ein paar Schwierigkeiten auf
32:57allen Schulen, an denen er lernte. Aber er war genial.
33:07Im Museum der Papierfabriken Canson und Montgolfier, wie es offiziell heißt, wird auch heute noch die jahrhundertealte Kunst der Papierherstellung
33:18aus aufgelösten Textilien demonstriert.
33:22In dieser Flüssigkeit bewege ich die Form horizontal. Dann nehme ich sie heraus und mein Blatt ist geformt.
33:32Nach dem Pressen und Trocknen ist das Papier fertig.
33:37Aus diesem leichten Material stellten die Gebrüder Montgolfier auch die ersten Ballonhüllen her.
33:44Anfangs wurden dünne, ovale Schichten zusammengeleimt, wie bei diesem einfachen Musterballon.
33:57Also wir haben jetzt zwei Bahnen zusammengeklebt. Und wir müssten noch zehn weitere machen. Denn so ein Ballon besteht aus
34:11zwölf Bahnen.
34:15Heutige Heißluftballonhüllen werden nicht mehr aus Papier, sondern aus Ballonseide hergestellt.
34:20Aber das Prinzip ist geblieben. Davon können sich die Besucher auf den Ballonfestivals einen Eindruck verschaffen, die jeden Sommer in
34:29Annonay stattfinden.
34:41Zurück zu den Schluchten der Ardèche, wo Theo und Coline mittlerweile seit gut drei Stunden unterwegs sind.
34:50Wer einmal auf der Ardèche gepaddelt ist, kommt immer wieder, sagt man.
34:59Für mich ist die Ardèche meine Quelle der Inspiration. Wenn ich hier bin, fühle ich mich wohl und frei.
35:06Ich kann tun, was ich will. Das ist es, was ich mag. Und klar, wenn man Kajak fährt, kann man
35:12nur mit der Ardèche verbunden sein.
35:17Was mich an der Ardèche immer wieder erstaunt, ist diese wunderbare Natur, die einen umgibt.
35:23Man muss anerkennen, was für ein Glück es ist, sie bis jetzt und auch in Zukunft genießen zu dürfen.
35:30Natürlich machen wir uns auch Sorgen um die Zukunft mit all den Herausforderungen des Umweltschutzes, auch des Wassers.
35:37Wir sehen, dass wir jedes Jahr weniger Wasser haben, um auf der Ardèche zu paddeln.
35:45Kurz darauf erreichen die beiden eine der bekanntesten und spektakulärsten Flussschleifen, den Cirque de la Madeleine.
35:55Theo übt eine Kerze. Die Figur ist weniger beim klassischen Kajaking gefragt, dafür ein unverzichtbarer Move bei neuen Disziplinen wie
36:06Riverrunner oder Playboat.
36:11Um den Cirque de la Madeleine rangt sich eine Sage.
36:14Auf der Landzunge soll einst ein Libra-Krankenhaus der Tempelritter gestanden haben.
36:21Tatsächlich gab es hier wohl nur ein kleines Kloster.
36:35Schließlich ist die letzte Flussschleife durch die Schluchten erreicht.
36:40Zeit, sich mal wieder zu fragen, wie es eigentlich weitergehen soll.
36:49Ich habe noch keine großen Pläne, also auch keine Pläne zu gehen.
36:54Und da das hier sozusagen meine Quelle ist, denke ich, dass ich so lange wie möglich bleiben werde.
37:00Denn es gefällt mir hier. Hier lebe ich mein bestes Leben.
37:05Je nach Training ist man schon manchmal erschöpft.
37:08Aber es macht immer Freude, auf diesem schönen Fluss zu paddeln.
37:12Und vor allem, wenn man das mit einheimischen Freunden zusammen macht, mit denen man sich im Training verbessern kann.
37:18Es ist wirklich erhellend, diese Erlebnisse zu teilen.
37:21Also überwiegt die Freude und die gegenseitige Anerkennung.
37:25Die Erschöpfung vergisst man schnell.
37:27Es ist ein bisschen zu spüren, aber man lernt es schnell.
37:37Noch ein letzter Sprint, dann geht es für Colline und Théo sozusagen auf die Zielgerade.
37:43Die liegt für alle Kanoten hinter den Schluchten bei Sos und Saint-Martin d'Ardèche.
37:55In Annonais bereitet man sich unterdessen auf das Ballon-Festival vor.
38:00Es gibt ein kleines im Juni und ein großes Anfang Juli.
38:05Auch Roland de Montgolfier ist voller Vorfreude.
38:09Schönes Wetter, kein Wind und Sonne in zehn Minuten.
38:17Es ist kurz nach sechs Uhr morgens.
38:20Weil der Startplatz, der Park, die Oma nicht alle Ballons gleichzeitig aufnehmen kann, starten sie nacheinander.
38:30Während Roland noch seinen Korb und Brenner aufbaut, erheben sich andere Ballonfahrer bereits in die Lüfte.
38:46Dann rollt Roland mit Freunden und Helfern seine Ballonhülle aus.
38:51Die ist natürlich nicht aus Papier, sondern aus Ballonseide.
38:57Und statt eines Strohfeuers sorgt ein Ventilator dafür, dass sie sich mit Luft füllt.
39:08Mit seinen 83 Jahren kann Roland de Montgolfier seine vielen Ballonflüge gar nicht mehr zählen.
39:18Er hat sich eine ganz besondere Hülle fertigen lassen.
39:22Form und Design erinnern an die große Zeit seiner Vorfahren und die Pionierstunden der Ballonfahrt.
39:33Mit einem Begleiter erhebt er sich in die Lüfte und setzt damit eine über 200-jährige Familientradition fort.
39:54Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Familie zu sein.
39:58Sie haben Außergewöhnliches geleistet, unter anderem die Erfindung des Heißluftballons.
40:04Und ich bin sehr glücklich, ein Teil davon zu sein.
40:08Also auch Heißluftballonpilot und wie Sie ebenfalls Papiermacher, Papierhersteller.
40:18Trotz der frühen Morgenstunden ist es bereits warm und Rollons Ballon ist vergleichsweise schwer.
40:24Statt sich in die Lüfte zu erheben, schwebt er in geringer Höhe über die einstige Papierfabrik und die Außenbezirke von
40:33Annonais.
40:40Welche Flug- bzw. Fahrtrichtung ein Ballon nimmt, ist ohnehin meist Glückssache.
40:46Aber etwas kann man als Pilot doch tun.
40:52Man muss sich nur über die Richtungen der verschiedenen Windschichten in der Luft informieren.
40:57Diese Schichten bewegen sich und durch die Änderung der Höhe kann man zu einer anderen Schicht gelangen und so vielleicht
41:03erfolgreich steuern.
41:06In den unteren Luftschichten herrscht an diesem Morgen eine südwestliche Richtung.
41:12Doch in etwas höherer Lage werden die Ballons plötzlich von einer gegenteiligen Strömung erfasst.
41:21Für Unerfahrene vielleicht besorgniserregend, aber nicht für einen erfahrenen Ballonpiloten.
41:30Eine große Freiheit. Man weiß nie genau, wo man landet. Man hat eine grobe Idee. Aber jeder Flug ist anders.
41:39Jedes Mal etwas Neues.
41:42Erst recht am Himmel über der Ardesh.
41:49Der Ardesh ist nicht bergisch, aber auch nicht flach. Es gibt diese kleinen Flüsse überall.
41:55Und man kann in die Flusstäler absteigen. In den Korridoren können wir die Flüge variieren. Und das ist wirklich außergewöhnlich.
42:06Etwa eine Stunde haben die Ballonfahrer, um Strecke zu machen.
42:10Dann geht das Gas zur Neige. Und man muss frühzeitig Ausschau nach einem geeigneten Landeplatz halten.
42:19Überall gehen jetzt die Ballons runter, wenn eben möglich auf freiem Feld.
42:24Wer es am weitesten schafft, gilt als Sieger eines solchen Ballonfestivals.
42:31Roland hat es ziemlich weit geschafft. Gewonnen hat er nicht. Aber es gab sowieso keine große Siegerehrung.
42:39Wichtiger ist ihm, dass Ballon und Insassen gut gelandet sind.
42:50Hervorragender Flug. Leise. Nicht zu windig. Sehr weiche Landung. Auf einem Feld. Ohne Hindernisse. Perfekt.
43:02Im nächsten Jahr will er unbedingt wieder über die Schluchten der Ardèche fliegen.
43:10Die mündet nach 125 Kilometern gar nicht mehr wild bei Bon Saint-Esprit in die Rhône.
43:18Im nächsten Jahr.
43:20Im nächsten Jahr.
43:27Im nächsten Jahr.
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