Skip to playerSkip to main content
  • 3 hours ago

Category

📺
TV
Transcript
00:01Was ist Liebe? Der von Platon erzählte Mythos besagt, dass am Anfang des Universums alle Menschen kugelförmig waren.
00:11Sie hatten zwei Köpfe, vier Arme und vier Beine und waren so mächtig, dass sie die Götter angriffen.
00:20Als Strafe teilten die Götter die Menschen in zwei Hälften und schwächten sie dadurch in ihrer Kraft.
00:28Dies führte dazu, dass seitdem alle Menschen unter ihrer Unvollständigkeit litten und ihr Leben mit der Suche nach der verlorenen
00:37anderen Hälfte verbrachten.
00:40Gibt es also wirklich eine andere Hälfte, die uns geistig und körperlich ergänzt?
00:47Wird unser Leben vollständig sein, wenn wir diesen Menschen gefunden haben?
00:53Wie fühlt sich das an? Ist das Liebe?
01:06Im Bett habe ich meinen Mann halt mal ganz ohne irgendwelche Hilfsmittel dazwischen.
01:13Da ist aber mehr Kontaktfläche möglich.
01:17Ich wollte nicht schnarchen, das tut mir leid.
01:44Das war einfach der Mensch, in dem ich mich verliebt habe und den ich klasse fand.
01:54Das finde ich so wunderbar unanstrengend, dass ich weiß, dass Kai sagt, was er will.
02:05Und ob man jetzt nur irgendwie einmal mehr aufs Klo oder nicht oder das ist mir so wurscht, das gehört
02:12so zum Leben dazu.
02:13Ich überlege mir ja auch nicht, jetzt habe ich Hunger zwischendurch.
02:17Oh nee, ist es anstrengend, mir jetzt ein Brot zu schmieren oder so.
02:21Ja, das macht man doch einfach und denkt da gar nicht so drüber nach.
02:25Und so denke ich auch nicht drüber nach.
02:31Bis zum nächsten Mal.
02:59What are you doing?
03:00What are you doing?
03:04Oh, Klee-Poo.
03:07Yeah.
05:37What are you doing?
06:12What are you doing?
06:13What are you doing?
06:14What are you doing?
06:20What are you doing?
06:21What are you doing?
06:22What are you doing?
06:25What are you doing?
06:25What are you doing?
06:27What are you doing?
06:29What are you doing?
06:45What are you doing?
06:50What are you doing?
06:56What are you doing?
07:00What are you doing?
07:02What are you doing?
07:14What are you doing?
07:25What are you doing?
07:29What are you doing?
07:30What are you doing?
07:32What are you doing?
07:41What are you doing?
07:48What are you doing?
07:50What's wrong with me?
08:01You're so stupid.
08:02There was a huge amount of space and Anne came to it and I couldn't understand it.
08:10It just changed and it was for me like coming to home.
08:15And that feeling was very strong in our time,
08:19I was really focused on one moment,
08:23this deep, inner, seelous through.
08:26So, now I'm home.
08:28I had this feeling of coming home,
08:32or even more,
08:35finally, someone has no more.
08:39I had my whole life that feeling,
08:41there was a person missing.
08:43Then I met Kai,
08:45and then this feeling was not there.
08:47I thought,
08:49now I found him.
08:51We both went into this relationship
08:54with the consciousness,
08:55we didn't know how much time it was planned.
08:58But that's no one,
09:00that's no one.
09:01But for me,
09:02it's just a bit more than that.
09:05Because at the beginning of my life,
09:07I was probably not older than two.
09:09And now I'm 50.
09:11I had already many bonus tracks.
09:13What are you talking about now?
09:14We're talking very often about the death.
09:18And I know from Kai,
09:20that he perhaps
09:21maybe at a moment
09:23that he might not live anymore.
09:26So,
09:27where he really doesn't live anymore.
09:29And where he wishes,
09:30that the death is coming.
09:32And I know,
09:35that I will guide him.
09:36that I will guide him.
09:36that I will guide him.
09:41That he will guide him,
09:48and again,
09:50that he will guide him.
10:01That's what he wants to do.
10:02Then, my glasses.
10:13Take the equipment, please.
10:18Equipment.
10:23Nach wenigen Metern betraten sie das Gebäude erneut, durchquerten eine Art Abstellkammer,
10:30dann einen von flackerndem Neon erhellten Korridor, um schließlich ein paar lose Treppenstufen hinaufzugehen.
10:38Attilio immer dem Mann folgend, ohne dass ein Wort gesprochen wurde.
10:44An den Wänden saßen auf unbequemen Stühlen aus Metallgestellen junge Frauen mit sehr langen Fingernägeln,
10:52sehr kurzen Röcken und gegelten Haaren und warteten geduldig.
10:56Also ich finde es sehr spannend.
10:58Es ist einfach spannend, wie Kai vorliest und ich höre ihm wahnsinnig gerne zu.
11:03Und Anne ist eine sehr, sehr, wie soll ich sagen, engagierte Mithörerin und man kann sich dann auch so schön
11:11austauschen danach.
11:13Und was ich auch besonders genieße, ist, wenn es Bücher sind, wie das jetzt gerade, was wir beide noch nicht
11:19kennen,
11:21dann hat keiner einen Wissensvorsprung oder so, sondern wir steigen dann gemeinsam in so eine Geschichte ein.
11:27Also für mich ist es sehr wichtig.
11:29Mir fehlt auch sehr schnell was, wenn wir das eine Weile nicht tun.
11:34Es ist intensiver als zum Beispiel zusammen einen Film zu gucken, weil es über längere Zeit geht.
11:42Und jeder entwickelt beim Vorlesen seine eigenen inneren Bilder und über die sprechen wir dann auch.
11:53Und das verbindet sehr stark.
11:57War der Sonnenaufgang nicht einmal zu erahnen gewesen.
12:04Wir sind die idealen Blickableiter füreinander, sagen wir immer.
12:08Also wenn ich allein unterwegs bin, gaffen die Leute nicht an.
12:12Wenn Anne allein unterwegs ist, gaffen die Leute sie an, weil sie auch sehr unkonventionell wirkt.
12:17Und wenn wir gemeinsam unterwegs sind, dann haben wir den Eindruck, da wissen die Leute gar nicht, wo sie zuerst
12:22hingucken sollen.
12:22Und ja, Blickableiter.
12:28Also spießiger Erdbebogen.
12:31Dann nehme ich einen spießigen Erdbebogen.
12:33Hast du was für dich gefunden?
12:35Mit Baiser.
12:37Rhabarber Baiser.
12:37Dachte ich mir.
12:39Ich genieße es sehr, mich mit ihm auch so zusammen zu zeigen.
12:47Ich finde, das gehört einfach auch zu uns dazu.
12:50Und wenn das mal länger nicht ist, dann vermisse ich es sehr.
12:55Also ich finde, da fehlt mir einfach was.
12:58Also mir fehlt einfach ein Stück von mir selber, habe ich so das Gefühl.
13:02Meine bessere Hälfte, sagt man doch.
13:07Ja, ich genieße es natürlich auch.
13:10Ungemein.
13:11Zumal das jetzt wirklich für mich was sehr Besonderes ist, dass sich meine Frau mit mir auch gerne sehen lässt.
13:18Ja, und jetzt diese Selbstverständlichkeit.
13:20Es ist schon, es ist so selbstverständlich, dass ich jetzt erst, wo ich das erzähle, merke,
13:26ja, es ist wirklich was, was mir einen besonderen Wert darstellt.
13:53Ich bin jetzt schon seit längerer Zeit dabei, immer mal wieder in eine Retrospektiv-CD zu produzieren.
14:00Ich habe früher mal 20 Jahre lang sehr intensiv Musik gemacht, eigene Lieder geschrieben, bin auch damit aufgetreten.
14:06Kann ich jetzt aufgrund meiner Behinderungsentwicklung nicht mehr machen.
14:10Aber mir lag jetzt doch was daran, meine eigenen Lieblingsstücke von damals nochmal zusammenzufassen auf einer CD.
14:21Da hat sich das Saxophon mehr in den Hintergrund gerückt, etwas mit Hall, als wäre das, käme das so, weiß
14:26ich, aus einer Höhle, die nebendran liegt oder so.
14:28Entsteht halt eine ganz andere Stimmung, als wenn das so gleichwertig im Studio ist.
14:32Und ich dachte, es käme der Stimmung von dem Song wirklich sehr entgegen, auch gerade im Anschluss an Track 1,
14:38kommt sie dann als Track 2.
14:39Hier kommt die Stimme.
14:40Die Schatten starten ihren Lauf, vom Licht vorausgesandt. Die Bürger steigen.
14:49Immer noch raus, die Stimme.
14:50Und sie sind verfeucht von dieser Nacht. Der neue Tag erhebt sich sacht und schaudert.
14:58Auf dem Gesang? Probieren. Also ich glaube, die Textverständlichkeit leidet dann noch nicht drunter.
15:04Es war für mich eine Überlebensstrategie auch, weil es ist natürlich auch das Alter, wo alle anderen Kumpels unterwegs sind
15:10mit den Mädels im Schwimmbad oder sonst wo auf lauschigen Waldspaziergängen und dann auf einmal auf dem Hochsitz miteinander verschwinden.
15:18Mein Hochsitz war jetzt nicht so ganz mein Ding. Und ja, so saß ich einfach zu Hause und habe Texte
15:25geschrieben, Lieder geschrieben.
15:27Also aus heutiger Sicht würde ich sagen, es war für mich wirklich auch eine Art, über diese nicht ganz leichte
15:31Zeit zu kommen, die für niemand leicht ist.
15:33Aber es war dann halt mein Weg. Und ich will jetzt nicht sagen, dass alle meine Lieder nur Therapie waren
15:39oder so.
15:39Also ich glaube, ich habe es im Lauf der Jahre geschafft, dass es auch noch darüber hinaus eine gewisse eigene
15:45Qualität noch erreichen konnte.
15:47Aber der Antrieb am Anfang war ganz bestimmt, einfach irgendwie mit mir und der Welt klar zu kommen.
15:58Hallo Susanne. Danke für die Einladung. Aber sehr gerne. Hallo Heike.
16:04Jetzt komme ich zu dem ersten Lied, was sozusagen zur neuen Generation der Lieder gehört, wo ich sage, das ist
16:11mein erstes Lied,
16:13zu dem ich stehen kann und was ich auch immer noch singen würde. Und zu der Zeit hatte die Anne
16:20gerade drüben in der Wohnanlage, wo ich wohnte, angefangen zu arbeiten als Krankenschwester.
16:27Und hat durch die Tür hindurch, durch meine Wohnungstür hindurch gehört, dass da Musik war. Und hat Anne mich später,
16:36als ich mal irgendwie wegen pflegerischer Sachen mich gemeldet habe beim Pflegedienst, hat Anne gefragt, was war denn das für
16:41Musik?
16:42War das irgendwie Konserve oder war das Livemusik oder was? Da habe ich ihr erzählt, ja, ich habe da mit
16:47einem Bekannten gerade eine Aufnahme gemacht von einem ganz neuen Lied.
16:50Ja, lass mal hören. Und dann habe ich ihr also genau diese Aufnahme vorgespielt, die ihr auch gleich hören werdet.
16:57Ausgerechnet ein Liebeslied.
16:59Also man könnte es in einem Film nicht besser inszenieren. Und dann fand Anne das so schön, dass sie fragte,
17:10gibt es da noch mehr davon, von diesen Liedern?
17:12Da habe ich gesagt, ja, natürlich schon. Oh, komm, lass uns mal verabreden und so und dann Lieder anhören. Das
17:17war ein bisschen eine heikle Sache, weil eigentlich sollte kein Privatkontakt bestehen
17:20zwischen Pflegepersonal und Einwohnern. Aber, mein Gott, wir waren groß und war uns dann auch wurscht.
17:27Dann haben wir uns also ein, zwei Wochen später verabredet. Anne kam zu mir, mal eines frühen Abends.
17:34Und ich habe mir, so wie ich euch jetzt auch was vorspiele und erzähle, auch einfach erzählt und Aufnahmen vorgespielt.
17:41Und dann sind wir zusammen essen gegangen. Da drüben, gerade in die damals noch existierende Pizzeria.
17:47Danach wieder zurück in die Wohnung, weiter Musik angehört und am Ende des Abends waren Anne und ich ein Paar.
17:53Ist doch schön.
17:56Ich werde vermissen. Zu dem Ganzen war dieses Lied ausgerechnet ein Liebeslied. Und jetzt kommt der Hammer.
18:02Der Titel von diesem Lied ist ausgerechnet auch noch gefunden.
18:08Kai, ich weiß, du glaubst ja nicht an sowas, aber ich glaube ja an sowas.
18:12Oder?
18:13Ja.
18:14Da ist was.
18:14Also entweder, man kann so rum oder so rum denken.
18:17Entweder habe ich was geahnt und habe es vorweggenommen oder ich habe es vorweggenommen und habe es damit herbeigezaubert.
18:23Von woanders her.
18:24Es kam von woanders.
18:26Ich weiß, was ich meine.
18:29Ich habe es nicht im Internet bestellt.
18:35Also jetzt dieses Lied mit dem Titel gefunden.
18:38Eine Aufnahme von 2001 und wirklich aufgenommen und just den Nachmittag, wo Anne das dann gehört hat durch die Tür.
19:12Ja.
19:15Ja.
19:16Ja.
19:35Mit Anne zusammenzuleben ist für mich mein Leben.
19:39So soll es sein, so und nicht anders.
19:50and that's what I want to do with my partner.
19:56It was very special to me, because it was first of all,
20:00it was very special to me.
20:02It was very special to me because it was first of all.
20:03I found it before not for necessary.
20:06I thought, if I find my partner at all,
20:08I thought, no, heiraten must not be so bad,
20:12and it goes without it.
20:13And when Anne was there,
20:15I found it the naturalest,
20:18and the entschiedenest world.
20:22I was not so long schied,
20:26and I thought, heiraten is a bad thing,
20:29so bad, how can I do that?
20:32It's more anger than anything else.
20:36Yeah, and then I was Kai begegnet,
20:39and as he was going on,
20:41after a few days,
20:45when we were on the night,
20:47of one of the ladies,
20:50a pair,
20:53I thought, what will he actually?
20:55It's just clear.
20:56I thought, what will he do then?
20:58So, oh,
21:00klar will ich den heiraten.
21:03Ich,
21:04ja, das ist dann einfach so.
21:05Ich kann's auch leider nicht erklären.
21:08Und,
21:08dass er keine Behinderung hatte,
21:11na und,
21:12das ist was von Wurscht.
21:24Ja.
21:25Ja.
21:28Immer wenn wir mal hier vorbei laufen,
21:32ja, nochmal Ja zu sagen.
21:34Also, zu dem Kurs gehört immer auch ein Ja.
21:37Ja.
21:38Und,
21:38und das ist einfach schön.
21:39Und das gilt immer noch.
21:41Ja.
21:41Ja.
21:51Ja, das ist ein ganz besonderes Jahr.
21:54Jetzt,
21:55ich bin in diesem Sommer 50 geworden.
21:58Ein Jahr, von dem ich nie gedacht hätte,
21:59dass ich es erreichen würde.
22:00Und ich habe das auch wirklich wunderbar gefeiert.
22:04Es war einerseits sehr, sehr schön und sehr berührend alles.
22:09Aber ich habe danach dann wirklich gemerkt,
22:12jetzt ist die Kraft endgültig weg.
22:14Also es hat mich dermaßen geschlaucht alles.
22:18Also ich war ja vorher schon sehr angegriffen,
22:20kräftemäßig.
22:22Und dann, dann bin ich wirklich zusammengeklappt einfach.
22:25Also dann ging gar nichts mehr.
22:27Mich schreckt das nicht, nicht.
22:30Also ich rechne damit, dass es so kommen wird.
22:36Ich habe auch so das Gefühl, wir haben eine Riesenchance,
22:39dass wir uns so kennen, wie wir uns kennen.
22:44Weil wir, also ich musste mich nie fragen,
22:47ob möchte ich den Kai mal pflegen, wenn er pflegebedürftig ist.
22:52Stimmt.
22:52Was sich viele Paare fragen jetzt in unserem Alter,
22:57wenn sie sich zum Beispiel kennenlernen.
22:58Sie sind schon so über 50.
23:02Oh, könnte ich das?
23:05Ich habe schon oft von Freundinnen gehört,
23:08also wenn mein Mann mal pflegebedürftig wird.
23:11Nee, das halte ich nicht aus.
23:12Und Kai und ich, wir haben jetzt schon den großen Vorsprung
23:17von anderen Menschen.
23:18Wir wissen, wie es ist und es ist nicht schlimm.
23:25Und, ähm, also auch umgehen mit Schwäche von dem anderen.
23:31Kai hat mich auch schon total schwach erlebt.
23:34Der hat mich auch schon mit einem Burnout erlebt
23:36und mit einer Depression, ja ich, das ist so ähnlich, wie wenn man sich
23:41irgendwann mal nackt sieht, ja dann weiß man, ah ja, der andere sieht so aus.
23:46Und so sieht halt eine depressive Seele aus von dem Liebsten.
23:52Also wenn es so kommt, dass ich immer schwächer werde und schwächer werde und irgendwann sterbe
24:00und Arne ist bei mir und bleibt bei mir, dann gibt mir das Sicherheit, Geborgenheit.
24:11Weil in der, in so einer extremen Schwächephase kann man einfach nicht mehr gut entscheiden.
24:17Und dann muss man andere für sich entscheiden lassen und das haben wir sowieso schon sehr gut geregelt.
24:24Und, ähm, nee, deswegen schreckt es mich nicht so.
24:29Also ich weiß, dass ich Kai begleiten werde, egal was kommt und wie es kommt.
24:37Und dann geht es darum, dass Lebensqualität noch da ist und um mehr eigentlich nicht.
24:44Ich glaube, es kann einem nichts Besseres im Leben passieren,
24:48als dass man einen Menschen hat, der so zu einem steht.
24:55Das ist die stärkste Form oder der größte Beweis von Liebe.
24:59Aber, ähm, da, ich merke immer, da werde ich dann ganz zögerlich noch viele Worte zu verlieren.
25:04Weil, weil, ich habe so das Gefühl, der, ich kann der, der Größe dieses Geschenkes
25:12dann gar nicht gerecht werden mit Worten.
25:21Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben.
25:23Also ich glaube, ich glaube, da kommt auch wieder was.
25:26Ich muss mir nur echt Zeit geben.
25:28Wenn ich jetzt eine Weile lang so zur Ruhe komme und wieder Stück um Stück Kraft sammeln kann,
25:33dann wird es irgendwann auch wieder gehen.
25:35Und dann platzte, just in diese tiefste Phase der allergrößten Schwäche,
25:42platzte dann die eigentlich freudige Nachricht, dass wir eine Wohnung kriegen können.
25:52Also es war sehr, sehr anstrengend und ich spüre immer noch die Anstrengung in mir.
25:58Und bin völlig fertig abends.
26:01Also ich habe, ich nehme mir ganz viel vor, weil ich mich morgens noch ganz fit fühle
26:04und dann bin ich abends dermaßen fertig.
26:09Wir sind auch beide irgendwie dünnhäutiger geworden.
26:13Und es ist dann auch so, dass wir uns dann gegenseitig oft dann so diese Vorwürfe machen.
26:18So, ah, haben wir doch schon alles besprochen und nee, ist jetzt wieder anders geworden.
26:23Und das gehört natürlich dazu.
26:26Also diese Dünnhäutigkeit und dann so diese dazugehörigen Kommunikationsprobleme.
26:32Aber eigentlich brauchen wir es nicht.
26:34Also das, da würde ich auch gerne manchmal so über meinen Schatten springen.
26:39Und dann kann ich das aber nicht, dann bin ich einfach nur erschöpft.
26:44So, das habe ich, habe ich, habe ich.
26:50Das machen wir später.
26:51Das muss man auch nicht.
26:53Bauhaus lasse ich heute.
26:56So, Sperrmüll habe ich auch rausgestellt.
26:59Also dann.
27:07Na dann.
27:34Oh, das ist ja cool.
27:35Du, ich glaube, ich gehe jetzt doch in die Küche am besten.
27:37Ja, egal wo.
27:39Ja.
27:40Oder meinetwegen ins Bad.
27:42Aber ich fürchte, ich werde sonst immer im Weg sein.
27:49Anne geht es auch oft nicht gut.
27:51Ähm, ist ja auch gesundheitlich nicht so ganz hundertprozentig fit.
27:56Und da gibt es auch jetzt zurzeit immer mal wieder schlechtere Phasen.
27:59Und dann mache ich mir unbedingt genauso Sorgen.
28:02Und dann reagiere ich irgendwie darauf oder versuche zu reagieren.
28:06Und dann ist Anne nicht zufrieden mit dem, wie ich reagiere.
28:10Oder dass ich überhaupt reagiere, weil es ihr lieber wäre.
28:12Ich ignoriere es einfach.
28:15Also, Anne kann am besten mit ihren Leiden umgehen, wenn man sie überhaupt nicht darauf anspricht.
28:20Was ich schwierig finde als Partner.
28:23Ähm, weil ich nehme ja auch Anteil und fühle mit.
28:26Und dann so zu tun, als wäre nichts.
28:29Fällt mir schwer.
28:31Also Fiona sagt schon, im Schlafzimmer zusammenzubauen.
28:34Es ist egal, wo du.
28:35Ja, ich sag's dir nur.
28:36Ich sag's dir nur.
28:39Ähm, wir haben so verschiedenen Umgang damit.
28:43Ich stecke dann da so in dieser Zwickmühle.
28:46Ich möchte es schon Anne würdigen in dem, was sie möchte.
28:51Halte am besten den Mund.
28:53Und gleichzeitig denke ich, hm.
28:55Ich will aber doch irgendwie auch unser Gemeinsames fühlen lassen.
29:00Und auch es benennen dürfen.
29:04Ich hatte mich ja sehr gefreut nach dem Umzug.
29:08Irgendwie neues Leben beginnend.
29:09Und ich wollte so richtig dann neu durchstarten.
29:11Und leider ging es in die andere Richtung dann.
29:15Ich bin pflegeintensiver geworden.
29:18Ich brauche einfach Anne viel mehr.
29:21Ja, das geht auch dann wirklich sehr rein in die Tagesplanung.
29:24Auch von Anne.
29:25Ähm, weil früher konnte sie problemlos viele Stunden auch mal weg sein und was unternehmen
29:30erledigen oder so.
29:31Und jetzt müssen wir wirklich genau timen und so, oh nee, da brauche ich dich wieder, weil
29:38das und das und das ansteht, notwendig ist.
29:42Ich habe das Gefühl, dass ich Kai noch viel näher bin als vorher.
29:54Vielleicht, weil ich einfach auch ahne, dass er mir abhanden kommen kann.
29:59Ich weiß jetzt im Moment wirklich nicht, wie sich das weiterentwickelt.
30:02Ob das jetzt ein Dauerzustand wird, dass einfach das bloße Sitzen schon ein riesen Problem darstellt.
30:09Ich weiß es nicht.
30:12In manchen Tagen geht es in die Richtung, dass ich denke, up.
30:16Und an anderen Tagen schöpfe ich wieder Hoffnung.
30:20Es ist gerade wirklich so auf der Kippe.
30:23Wenn ich mir vorstelle, das Leiden wird immer mehr und immer mehr und immer mehr.
30:26Und ich weiß auch, wie zäh ich bin.
30:29Also einfach mal so eben von alleine sterbe ich nämlich dann doch nicht.
30:33Sondern man kaut da an diesem Leiden herum.
30:38Und ja, das ist nicht so meine Wunschvorstellung.
30:43Und natürlich, ich weiß nicht, ob ich Angst habe in dem Sinn, aber es ist ...
30:51Was ist es eigentlich?
30:54Ein Unwillen, ein Zorn, eine Wut, ein Genervtsein.
30:58Und einfach ein, ich mag das jetzt nicht mehr.
31:03Und dann zwischendurch ganz große Traurigkeit.
31:08Es ist zwar nicht so, dass ich jetzt noch furchtbar viel zu tun hätte.
31:11Das nicht.
31:12Oder ich habe nicht noch irgendwelche Projekte oder so, wo ich denke,
31:14oh je, ich hätte doch noch so gerne das und das gemacht.
31:17Das ist bei mir nicht so Thema.
31:19Aber einfach so mit Anne zusammen, das ist so schön.
31:23Und das zu lassen und zu verlieren, macht mich traurig.
31:28Ich vermisse Kai viel schneller, wenn ich ...
31:33Auch wenn ich nur bei der Nachbarin bin oder einkaufen bin.
31:40Dann ist Kai, ich nehme ihn quasi mit und finde es unglaublich schade, dass er jetzt nicht da ist.
31:49Also so.
31:50Ich gehe in die Stadt und denke, habe aber auch so eine große Sehnsucht, mit Kai zu sein und dann
31:57mal wieder durch die Stadt zu schlendern.
32:01Und so ist es eigentlich so, ich muss ihn schon ein bisschen in Gedanken mitnehmen.
32:08Und ich hoffe sehr, dass es wenigstens noch mal ein bisschen anders wird, sodass wir es noch mal machen können.
32:15Oder vor ein paar Tagen hatte Anne einen Termin, der einfach gar nicht verlegt werden konnte oder verändert werden konnte.
32:23Und da hatte ich eben jemanden hier, während ich im Bett lag.
32:27Und als ich merkte, so jetzt geht es zu Ende mit den vier Stunden, habe ich mich auch richtig so
32:31auf Anne gefreut wie in den ersten Tagen,
32:33wo man so ganz, ganz frisch verliebt ist.
32:37Diese Freude, die da in mir hochkam, war ja wie früher.
32:46Ja, wir wissen es einfach nicht.
32:49Ich glaube, kein Mensch weiß, was nach dem Tod kommt oder mit dem Sterben.
32:54Ich weiß nur, dass meine Toten, die wohnen alle bei mir im Herzen.
33:02Und da wird auch Kai einen Platz, einen ganz großen Platz einnehmen, wenn er mal tot ist.
33:09Deswegen bin ich so auch sehr gelassen.
33:18Das gibt mir viel Kraft.
33:19Alles Gelassenheit gibt mir total viel Kraft, weil mir die Gelassenheit in den meisten Momenten zurzeit fehlt.
33:38Ich habe ihm immer gesagt, egal was du mal vorhast, ich begleite dich.
33:44Was, glaube ich, beiden Seiten hilft, ist es erlauben, es zulassen.
33:51Du darfst jetzt gehen.
33:52Gute Reise.
34:15Ich habe ehrlich gesagt, bis einen Tag bevor Kai gesagt hat, jetzt geht es nicht mehr, auch immer noch gedacht.
34:23Es wird ja noch ein bisschen besser.
34:26Also ich habe noch einen Tag vorher die Luft in dem neuen Rollstuhl ein bisschen weicher, also die Luft ein
34:36bisschen abgelassen, damit es ein bisschen weicher wird.
34:39Und dieses noch gemacht und jenes noch gemacht.
34:43Und ich dachte, ja, die nächsten Tage wird es nett, wir machen noch einen Ausflug.
34:48Ich sah uns wirklich schon draußen spazieren in der Stadt, im Café.
34:54Und dann kommt Kai an und sagt, geht nicht mehr.
34:58Und dann hat er mich gebeten, ganz schnell alles zu organisieren.
35:04Und innerhalb von etwa einer Woche hatten wir das organisiert.
35:10Da einen Termin, dass ich bei dem Schmerzarzt war.
35:13Also Kai konnte schon gar nichts mehr selber regeln, kein Telefonat mehr, nichts mehr.
35:19Es geht nur der eine Weg, auf Essen und Trinken zu verzichten.
35:24Es ist die einzige Möglichkeit.
35:27Und ich hatte ja auch alle Medikamente.
35:29Also ich konnte ihn, so wie er irgendwie merkte, jetzt leidet er zu sehr an Grübeln oder irgendwas.
35:40Dann konnte er mir sagen, du, ich will jetzt wieder mehr schlafen.
35:45Und dann hat er mir damals mehr zum Schlafen gekriegt.
35:48Oder ich habe ihm gesagt, du, ich glaube, ich leg dich mal schlafen noch.
35:52Und dann war er so ganz einverstanden.
35:55Also er ist oft auf die Sachen dann gar nicht mehr so gekommen.
35:58Da musst du an ihm schon vorschlagen oder so.
36:01Du, ich glaube, deine Schmerzen fangen wieder an.
36:04Ich gebe dir mal wieder was.
36:06Und dieses Zusammenspielen.
36:11Und das kann man, ja, das hat was mit einer Nähe zu tun, wo es einfach stimmig ist.
36:21Also wo es auch nicht bevormundend ist.
36:25Das muss man vorher gut absprechen, dass es nicht von meiner Seite aus nie bevormundend ist.
36:32Sondern das, und ich muss auch den Wunsch hören, unterstütze mich in dieser oder jener Weise.
36:39Es ist einfach wichtig, dass man es vorher abspricht.
36:43Sonst, ich hätte mich sonst nicht gut gefühlt.
36:46Ich hätte mich sonst bei jeder Morphium-Spritze in Frage gestellt.
36:51Will er das jetzt eigentlich wirklich?
36:54Oder will er wirklich so tief schlafen?
36:56Will er das?
36:59Und es gehört natürlich Mut dazu.
37:05Jemanden Morphium zu spritzen, wo man nicht weiß, stirbt er ja sofort davon?
37:11Oder lebt er noch ein bisschen damit?
37:14Das ist auch so eine Geschichte.
37:17Das weiß man vorher auch nicht.
37:21Aber ich konnte auch mit der begleitenden Ärztin alles besprechen.
37:26Ich konnte die immer anrufen.
37:29Sie hat sich regelmäßig gemeldet.
37:32Sie kam regelmäßig zu Hause besuchen.
37:35Und ich konnte wirklich alles so, auch alle meine Sorgen besprechen.
37:44Ich war so einverstanden mit Kais' Entscheidung.
37:49Also ich nehme es einfach ernst, was mir jemand sagt, wie schlecht es ihm geht.
37:55Jeder hat die Freiheit, den Tod anders anzuschauen als Erlösung, als Freund, als Schwelle zu einer anderen Ebene.
38:07Die Beziehung hört ja nicht auf.
38:09Die ist ja da.
38:10Sie findet nur nicht mehr jetzt hier mit einem Körper statt.
38:14Sie ist ja trotzdem noch da.
38:15Aber ich finde halt so ein Abschied grundsätzlich viel gnädiger als Kai morgens tot im Bett zu finden, das ist
38:27für mich so etwas ganz Grundlegendes.
38:30Dass ich so ein Abschied, der geplant ist, von dem man weiß, der ist einfach, ich finde der gnädig.
38:43Ich bin allen Dingen für die Hinterbliebenen und ich glaube auch für die Menschen, die sterben.
38:48Weil so glücklich, so erlöst, wie ich Kai in dieser Woche erlebt habe, ist es einfach schön.
38:59Also wenn ein Mensch, der jahrelang Schmerzen hatte, mal sagt, ja, es ist so toll, ich habe jetzt mal keine
39:06Schmerzen und danke, dass ich so sterben darf, das ist doch einfach wunderbar.
39:10Ja, ja, was will man mehr?
39:20Da ist Kai als Person und unsere Liebe und mehr ist da nicht.
39:29Alles drumherum ist abgefallen wie irgendein verstaubtes Buch, was man findet und dann mal schüttelt und dann ist der Staub
39:38weg und dann ist das wieder schön.
39:49Never habe ich irgendetwas in meinem Leben für Kai geändert. Nie. Gar nie.
39:59Und wenn andere Menschen das anders sehen, dann ist es denen ihr Problem.
40:05Ich weiß, dass das andere Menschen anders sehen, aber das ist mir auch egal.
40:11Ich weiß, wie es gewesen ist.
40:15Und Kai weiß das auch.
40:22Es ist jetzt über ein Jahr her und komme jetzt nach einem Jahr eigentlich erst so zur Ruhe, dass ich
40:31merken kann, was das für Veränderungen in meinem Leben eigentlich bedeutet.
40:37Wie erschöpft ich bin. Und diese Erschöpfung hat natürlich was mit Zusammenleben mit Kai zu tun, aber es fing schon
40:47sehr viel früher an.
40:49Ich habe sehr viel Scheu gehabt, das mal genau anzugucken, weil ich dachte, oh, wenn ich da so hingucke, dann
40:58verrate ich Kai.
41:01Ich möchte nicht, dass irgendjemand sagt, der Kai, ich hätte das alles nur für Kai getan. Das hat wenig damit
41:09zu tun.
41:09Ich würde es heute genauso wieder machen, so wie ich mit Kai gelebt habe.
41:19Und es ist eigentlich, ich habe gar nicht jetzt das Gefühl, dass ich Kai verraten würde dadurch, sondern es tut
41:27gut.
41:27Das ist aber der Wahrheit, so der Realität, der auch vergangenen Realität ins Auge zu schauen, mir anzuschauen, um zu
41:39gucken, was ist denn noch für mich und mein neues Leben möglich.
41:44Und ich glaube, dass ich erstmal ganz viel ausruhen muss, wenn so erschöpft.
41:50Ich denke, dass Kai mich sehr gut eingeschätzt hat und wahrscheinlich auch den Berg an Energieschulden, die ich so aufgehäuft
42:00habe, dass er den auch gesehen hat.
42:02Ich bin ihm so dankbar für seine Entscheidung.
42:06Also wenn ich unterwegs bin, dann ist er eigentlich immer dabei. Er ist aber viel mehr in mir dabei als
42:12früher.
42:13Was mir natürlich fehlt, sind seine Gedanken, sein Blick auf die Welt, dieser Austausch, der fehlt mir einfach.
42:23Und jetzt denke ich immer so mit meiner neuen Frisur, wenn er die erlebt hätte, erstens mal hätte es ihm
42:29saugut gefallen.
42:31Und er hätte immer einfach meinen Kopf streicheln wollen.
42:39Da denke ich auch dran.
42:46Lieber Ingo, lieber Heine, ich schreibe euch noch als lebendige Anne.
42:52Wenn euch diese Zeilen erreichen, bin ich bereits verstorben.
42:57Meine Schwestern, die mich in meinen letzten Lebenstagen auf meinem letzten Weg begleitet haben, verschicken diese Mail mit der Anzeige
43:06im Anhang.
43:08Wenn ich an die Zeit denke, die wir miteinander verbracht haben, so erinnere ich eine Fülle und Dichte in unseren
43:16Begegnungen.
43:16Danke für eure Zeit.
43:20Ich bin sicher, dass wir miteinander verbunden bleiben.
43:24Vielleicht ist etwas ungesagt geblieben, aber es wird auf einer anderen Ebene einen Austausch geben.
43:31Diese Erfahrung habe ich seit Kai's Tod wiederholt erfahren dürfen.
43:37Innige Verbindungen bleiben über den Tod hinaus bestehen.
43:42In Gedanken und aus der Ferne und doch ganz nah und mit euch verbunden grüße ich euch.
43:49Anne
43:57Es ist Zeit für mich zu gehen.
44:00Zuzeitig?
44:02Rechtzeitig?
44:03Für mich ist es die richtige Zeit, Abschied zu nehmen, denn meine Lebenskräfte sind aufgebraucht.
44:10So gehe ich selbstbestimmt und in Würde und blicke dankbar auf ein erfülltes Leben mit euch lieben Menschen und schönen
44:19Aufgaben zurück und schließe es ab.
44:26Und dann?
44:44Ich bin sicher dann, dass ich mich selbst th
Comments

Recommended