Skip to playerSkip to main content
  • 15 hours ago

Category

📺
TV
Transcript
00:00I had him so hard in the Eier, but I'm not so ehrenless.
00:03If he doesn't let him, then he's dead.
00:05He should leave it, otherwise I'll come.
00:19Here are the original quotes from Klassen-Ted by Whatsapp.
00:28Dieses GIF hat ein Schüler in einen Klassen-Chat gepostet.
00:31Jemand hält einer Frau eine Waffe an den Kopf.
00:34Nur ein Beispiel von vielen.
00:37Eigentlich, muss ich ganz ehrlich sagen, haben wir seit zwei Generationen mindestens Kinder und Jugendliche im digitalen Raum eigentlich komplett
00:43alleine gelassen.
00:47In diesem Film gehen wir tief rein in echte Klassen-Chats und finden verstörende Inhalte und Eskalation.
00:54Wir fragen exklusiv nach bei hunderten Schülerinnen und Schülern.
00:58Was machen die Klassen-Chats mit ihnen und wer trägt die Verantwortung dafür, dass Kinder hier sicher sind?
01:06Willkommen zu Inside Klassen-Chats.
01:11Wir starten in Hattingen, im südlichen Ruhrgebiet.
01:16Hier ist eine WhatsApp-Chat-Gruppe unter Schülerinnen und Schülern aus der ganzen Stadt so eskaliert, dass der Staatsschutz sich
01:23eingeschaltet hat.
01:27Hunderte Schülerinnen und Schüler sind in der Gruppe, vor allem Fünft- und Sechstklässler.
01:32Auch von diesem Gymnasium in Hattingen.
01:38Mit einigen von ihnen können wir für Inside-Klassen-Chats sprechen.
01:42Sie gehen in die 5a und sind zehn und elf Jahre alt.
01:46In die Gruppe wurden sie einfach hinzugefügt, erzählen sie uns.
01:51Bei unseren Gesprächen ist übrigens ihre Klassenlehrerin dabei.
01:55Also ich war mit meinem Freund draußen und auf einmal explodierte mein Handy gefühlt.
02:01Die ganze Zeit wurde heiß.
02:04Dann gucke ich da so rein, auf einmal eine Gruppe.
02:07Das war eine WhatsApp-Gruppe, wo drauf stand, fugen so viele Leute, wie du kennst, rein.
02:15Weil ich glaube, der Abgeordnete wollte, dass das eine Gruppe wird, die über Millionen Menschen drin hat.
02:21Und einmal da habe ich da reingeguckt, wollte rausgehen.
02:25Da ist in jeder Sekunde eine Nachricht reingekommen.
02:30Maximal 1024 Personen dürfen in eine WhatsApp-Gruppe rein.
02:34So sind die Richtlinien des US-Messenger-Dienstes.
02:37In der Hattinger-Gruppe waren irgendwann rund 1000 Kontakte, erzählen uns die fünf Klässler.
02:43Die Gruppe wird mit Nachrichten nur so zugespampt und es ploppen auch verstörende Fotos und Videos auf.
02:49Darunter Nacktfotos von Kindern und Erwachsenen.
02:57Als ich so alt war wie ihr, gab es noch gar keine Smartphones und kein WhatsApp.
03:01Jetzt müsst ihr sowas sehen. Wie ist das, sowas zu sehen?
03:05Eigentlich ganz blöd, dass ich das auch gesehen habe.
03:08Das war das allererste Mal, dass ich auch Nacktbilder von anderen Leuten gesehen habe.
03:12Und ich konnte auch die Nacht nicht schlafen, weil das war auch am Abend, wo ich das gesehen habe.
03:18Und dann bin ich irgendwann ganz spät in der Nacht eingeschlafen.
03:21Und ich habe die ganze Zeit versucht, das irgendwie aus meinem Kopf rauszupressen.
03:24Und jetzt habe ich das auch geschafft.
03:26Dass es die Gruppe gibt, kommt raus, weil ein Schüler des Gymnasiums sich ihr anvertraut.
03:33Beratungslehrerin Sandra Weber. Sie ist auch die Klassenlehrerin der 5a.
03:41Das sind ja Ihre Schülerinnen, Ihre Schüler, also quasi so in dem Moment Ihre Schutzbefohlenen, ne?
03:46Ja, das stimmt.
03:47Das heißt, das ist eine private Gruppe, aber man wird dann als Lehrkraft trotzdem aktiv.
03:49Natürlich, genau. Das ist im Grunde immer so ein Graubereich, weil es ja nichts ist, was eigentlich in der Schule
03:55direkt stattfindet.
03:56Aber in dem Moment, wo es natürlich irgendwie in die Schule spielt und mich dann natürlich auch ganz explizit Kinder
04:01irgendwie ansprechen und um Hilfe fragen, ist es natürlich ein schulisches Thema, ganz klar.
04:05Für Sandra Weber ist sofort klar, dass die Gruppe aus mehrfacher Hinsicht problematisch ist.
04:11Sie ist unkontrollierbar groß und neben Nacktfotos tauchen hier auch rechtsextreme Inhalte auf.
04:17Sie meldet den Fall dem Schulleiter des Gymnasiums, Thorsten Köhne. Und der ruft die Polizei.
04:31Ja, ich habe die Polizei angerufen. Das bedeutet, habe gesagt, das kann ich nicht für mich behalten mit den Inhalten
04:35mit fünf, sechs Klässlern, die das gezeigt bekommen.
04:39Und dann ist sie gekommen. Dann haben wir darüber diskutiert. Dann sind wir in die Klasse gegangen mit der Polizei.
04:44Ja, und im Nachhinein habe ich überlegt so, ich bin froh, dass der Schüler sich bei Frau Weber gemeldet hat,
04:49dass dieses Vertrauensverhältnis da ist, dass halt die Kinder überhaupt geschützt werden können.
04:53Eins ist uns wichtig. Hatting ist kein Einzelfall. Das bestätigen fast alle, mit denen wir während unserer Recherche sprechen.
05:02Wir wollen mehr wissen, wollen belastbare Zahlen und beauftragen, Infratest-DiMAP nachzufragen, bei mehr als 1.000 Schülern zwischen 10
05:10und 16 Jahren, bundesweit.
05:13Unsere Ergebnisse zeigen wir Ihnen am Beispiel dieser fiktiven Schule. Wir nennen sie Schule X.
05:21Die Schüler hier sind übrigens Statisten.
05:24Vier von fünf nutzen Klassenchats, fast alle bei WhatsApp.
05:29Unter Klassenchats verstehen wir übrigens Gruppen, wo Schüler unter sich sind. Es sind keine Erwachsenen mit drin.
05:35Von den Schülern, die Mitglied in Klassenchat sind, sagen etwa 60 Prozent, dass der Chat ihnen schon geholfen hat, ein
05:42Problem in der Klasse zu lösen.
05:44Mehr als ein Drittel hat Erfahrungen mit unangenehmen oder belastenden Inhalten gemacht.
05:49Henriks Ex Hannah, die ist voll die Schlampe.
05:52Warum habt ihr Stress gemacht?
05:53Weil die es verdient hat.
06:10Mein Name ist Janine Michaelsen und ich bin Moderatorin und Schauspielerin.
06:15Rauer Ton, Beleidigungen per Textnachricht. Das kommt Janine Michaelsen bekannt vor.
06:22Mich schockiert grundsätzlich die Art und Weise, wie wir Menschen mittlerweile miteinander und übereinander sprechen auf Plattformen, die öffentlich oder
06:30aber auch nur privat zugänglich sind.
06:31Da musst du gar nicht in Klassenchats gehen und da musst du auch gar nicht auf Kinder gucken und da
06:36musst du dich auch nicht fragen, warum Kinder das machen.
06:38Weil ich weiß nicht, wie viele Instagram Nachrichten von irgendwelchen Menschen, die öffentliche Figuren unter Klannamen beschimpfen und dann klickst
06:48du auf die Profile drauf und dann siehst du deinen Familienvater und eine Mutter mit drei Kindern.
06:52Da wäre es doch Hanebüchen zu überlegen, die Kinder machen das nicht. Die sind ja erst elf, die machen das
06:59nicht. Weil asozial und menschenverachtend wird man erst mit 18.
07:03Aber was macht es mit Kindern, die erst elf oder zwölf sind, alleine in solchen Räumen unterwegs zu sein? Mit
07:09Inhalten, auf die sie vielleicht nicht vorbereitet sind?
07:15Für Inside-Klassenchats fragen wir nach an einer Gesamtschule in Kreuztal.
07:21Viele, mit denen wir hier sprechen, haben schon selbst schlechte Erfahrungen in Klassenchats gemacht oder negative Dinge mitbekommen.
07:30Es gab ganz viele Sticker mit Körperteilen, also abgehackt. Ich war sehr schockiert, weil das, was von meiner eigenen Klasse
07:39kam, das war so, oh, also so sind die.
07:43Also ich dachte mir so, okay, vielleicht sollte ich jetzt verlassen. Ich wollte einfach nur noch verlassen die Gruppe.
07:49Kinder erleben in den Klassenchats auch Ausgrenzung und Mobbing.
07:54Ich wurde damals gemobbt in der Klassengruppe, so circa in der siebten Klasse. Da wurde ich damals aus der Klasse
08:00rausgeschmissen, aus der Klassengruppe.
08:03Und dann wurden halt Wetten über mich gemacht, wer mich als erstes fertig macht, wie viel Geld die dann dafür
08:08bekommen.
08:09Und was ist, denkst du, ist allgemein der Grund, warum Leute in Klassenchats so drauf sind?
08:13Ich glaube, die trauen sich da viel mehr und haben da viel mehr Sicherheit als draußen, weil die denken, das
08:18kommt nicht raus, was sie da schreiben.
08:21Und denken vielleicht, dass sie da keine Konsequenzen haben.
08:26Kann das auch dazu führen, dass man nicht mehr so gerne in die Schule kommt?
08:28Ja, das hatte ich mal in der Grundschule. Ich bin da halt sehr oft gemobbt.
08:33Und ich wollte irgendwann auch nicht mehr in die Schule gehen deswegen, weil meine Eltern haben gesagt, in einem Ohr
08:39rein und in den anderen raus.
08:40Und was klappt bei dir jetzt inzwischen?
08:42Ja, manchmal. Aber manchmal bleibt dieser Gedanke einfach im Kopf und das ist halt doof, weil dann das da drin
08:51bleibt.
08:52Man könnte es vielleicht löschen, aber manche können diese Nachricht ja immer wieder senden und dann bleibt es halt auch
08:58in der Klasse hängen.
09:01Unsere Inside-Klassenchats-Befragung zeigt, etwa jeder sechste Schüler, der in einem Klassenchat ist, wurde dort schon einmal beleidigt oder
09:10gemobbt.
09:11Weil etwas im Klassenchat gepostet wurde, hat sich jeder vierte schon Sorgen gemacht.
09:16Und etwa jeder sechste hatte deswegen schon mal keine Lust, in die Schule zu gehen.
09:32Mein Name ist Bob Blume. Ich bin Lehrer, Papa, Buchautor und Podcaster im Bildungsbereich und beschäftige mich seit vielen Jahren
09:41mit Social Media und den Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche.
09:46Die meisten Kinder in Deutschland bekommen spätestens zum Übergang in die weiterführende Schule ein Smartphone, sagt Bob Blume.
09:53Dass das Folgen haben müsse, sei klar.
09:56In einer Phase der Orientierungslosigkeit bekommt man ein unfassbar mächtiges Werkzeug in die Hand, das man ausprobiert.
10:06Und dieses Ausprobieren hat eben mit anderen Menschen zu tun.
10:09Gleichzeitig kann man den Effekt, den es auf andere Menschen hat, auf Mitmenschen, auf Mitschülerinnen und Mitschüler, aber noch nicht
10:16einschätzen.
10:17Und das führt dann eben zu diesen massiven Problemen.
10:19Auch zu psychischen. Darauf weisen auch verschiedene Studien hin.
10:24Wir haben es momentan mit 12 bis 15 Prozent von Kindern und Jugendlichen zu tun, die psychisch so starke Probleme
10:31haben, dass sie eigentlich klinisch betreut werden müssen.
10:34Ein Fünftel sagt von sich, dass sie psychisch unter Druck sind. Und das Digitale kann das natürlich noch mal massiv
10:41verstärken.
10:42Kinder und Jugendliche können in Klassenchats zu Opfern werden, zu Mitläufern und auch zu Tätern.
10:54Zurück in Kreuztal.
10:58Wir treffen Alex. Er ist 19 Jahre alt. Alex heißt eigentlich anders. Wir zeigen sein Gesicht nicht, um ihn zu
11:05schützen.
11:06Denn Alex hat problematische Sticker in eine Schüler-WhatsApp-Gruppe gepostet. Da war er 14.
11:11Eines Samstagmorgens klingeln zwei Polizisten bei ihm und seinen Eltern an der Tür. Ein Lehrer hat ihn angezeigt.
11:20Dann saßen wir im Wohnzimmer mit dem Polizisten und ich saß auch an der Ecke und der Polizist hat mich
11:27die ganze Zeit angeschaut.
11:30Und ja, ich hatte so ein bisschen Herzrasen, muss ich sagen. So total unter Schock. Genau, hat er mir uns
11:39erzählt, was die Sache war.
11:42Und ich glaube, da habe ich so erst gecheckt, dass es um die Sticker geht.
11:49Solche Sticker hatte Alex damals in einen Schülerchat geteilt. Hitler-Bildchen. Rassistische Parolen.
11:56Die Sticker hatte er nicht selbst erstellt, sondern sie aus anderen Gruppen auf sein Smartphone heruntergeladen, sagt er. Und dann
12:03weitergeleitet.
12:06Ich glaube, das ist nicht so Gruppenzwang unbedingt, aber man möchte einfach Teil davon sein.
12:15Man hat das vielleicht zu Freunden geschickt, manchmal in die Gruppe, aber nie wirklich ernst gemeint.
12:23Ich habe mich drüber lustig gemacht, würde ich sagen, weil ich bin ja nicht irgendwie rechtsradikal oder so. Wir haben
12:34das einfach auf Spaß zueinander geschickt.
12:37Dass die Sticker womöglich verfassungswidrig sein könnten, weil sie zum Beispiel den Nationalsozialismus verherrlichen, war Alex nicht klar.
12:46Die Polizisten klären ihn über die Rechtslage auf. Ein Strafverfahren gibt es nicht. Er wird nur verwarnt.
12:52Es ist ein Vorgang, der in Deutschland so immer wieder passiert. Darauf deutet unsere Recherche hin.
12:59Und damit sind wir zurück in Schule X. Und bei unserer Inside-Klassenchats-Befragung.
13:06Von den Schülern, die in Klassenchats schon Erfahrungen mit unangenehmen oder belastenden Inhalten gemacht haben,
13:12sagt mehr als jeder Vierte, dass er dort Bilder von Gewalt und Verletzungen gesehen hat.
13:18Etwa jeder Sechste hat Bilder oder Videos gesehen, die zu Hass, Gewalt oder Ausgrenzung gegen bestimmte Gruppen aufrufen.
13:25Und etwa jeder Achte hat Videos oder Bilder gesehen, die nackte Körper zeigen.
13:32Unsere Recherchen zeigen, dass darunter auch nackt Bilder von Kindern sind und Bilder, die sexuelle Gewalt an Kindern zeigen.
13:52Mein Name ist Prof. Dr. Thomas Gabriel Rüdiger. Ich bin Leiter des Instituts für Cyberkriminologie an der Hochschule der Polizei
13:59des Landes Brandenburg.
14:00Und ich beschäftige mich seit fast 15 Jahren mit dem digitalen Kinderschutz.
14:04Einer der Forschungsschwerpunkte des Cyberkriminologen, digitale Sexualdelikte.
14:10Hier soll inzwischen etwa jeder zweite Tatverdächtige unter 21 sein.
14:14Das könnte auch mit den Schüler-Chatgruppen zusammenhängen.
14:17Der Besitz liegt dann bereits vor, wenn man im Prinzip das automatisch herunterlädt.
14:21Und wenn du jetzt also in einer Gruppe bist und du hast dort irgendeinen, der einen kinderpornografischen Inhalt,
14:26warum auch immer, postet, lädt sich das automatisch in die Smartphones, in die Galerien der anderen Kinder herunter.
14:33Viele meiner Erfahrung nach, sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche, die stellen das zum Beispiel nicht aus und es
14:39ist automatisch drin.
14:41Wer 14 oder älter ist und ein solches Bild herunterlädt, selbst wenn nur aus Versehen, macht sich strafbar.
14:49Ich weiß nicht, ob jedem klar ist, was für soziale Auswirkungen es haben kann, wenn sich irgendwie zum Beispiel in
14:54der Nachbarschaft oder wie auch immer rumspricht,
14:57dass es Ermittlungsmaßnahmen wegen dem Besitz von sogenannten kinderpornografischen Inhalten gab und sei es nur wegen des Kindes in der
15:03Familie.
15:04Das kann aus meiner Sicht massive soziale Auswirkungen auf Familien haben.
15:09Verstörende Videos, rechtsextreme Sticker, aber auch Nacktbilder von Kindern.
15:14Es sind Grenzüberschreitungen, die für viele Kinder und Jugendliche inzwischen zur Normalität geworden sind, sagt der Cyberkriminologe.
15:22Eigentlich muss ich ganz ehrlich sagen, haben wir seit zwei Generationen mindestens Kinder und Jugendliche im digitalen Raum eigentlich komplett
15:28alleine gelassen.
15:29Wir haben es zugelassen, dass sie mit extremistischen Inhalten konfrontiert werden, mit gewalttätigen Inhalten, mit pornografischen schweren Delikten.
15:37Und wir haben auch zugelassen, aus meiner Sicht, dass das zu einer Art auch Enthemmung teilweise bei manchen führen kann.
15:43Fick dich, du Hurensohn!
15:46Rob, bist du dumm? Gemeldet.
15:50Bitte hört auf zu streiten.
15:53Wer kann, wer muss Kinder und Jugendliche schützen, davor Opfer zu werden, aber auch Täter?
16:00Eltern, Lehrer, Politiker?
16:03Fangen wir mal bei den Eltern an.
16:07Eine Küche irgendwo im Ruhrgebiet.
16:09Wir sind bei Cornelia Crossberger.
16:12Ihr Sohn ist elf und geht in die fünfte Klasse.
16:17Also ich sag mal, beim ersten Elternabend haben wir Eltern noch überlegt, ob wir eine Elterngruppe über WhatsApp bilden zum
16:24Informationsaustausch.
16:26Man wusste noch gar nicht, welches Elternteil zu welchem Kind gehört. Da hatten die Kinder schon längst einen Klassenchat erstellt.
16:32Als ihr Sohn das erste Mal nach einem Smartphone fragt, geht er noch in die Grundschule.
16:37Damals vertröstet Cornelia Crossberger ihn auf die weiterführende Schule.
16:45Und ja, dann kam dieser Tag X und ich habe mich zwar vorher schon mit Eltern ausgetauscht, die diese Phase
16:56schon hinter sich haben, also wo die Kinder ein bisschen älter sind.
16:59Aber man ist nicht wirklich darauf vorbereitet. Auch wenn man denkt, man ist darauf vorbereitet, man hat die richtige Entscheidung
17:04getroffen.
17:06Man wird auch darauf aufpassen. Man wird das kontrollieren. Und in dem Moment, wo sie ihrem Kind das Handy überreichen,
17:14ist das als wenn so ein Rennpferd losgaloppiert.
17:16Sie versuchen noch irgendwie hinterher zu kommen. Es ist schwierig. Es ist wirklich schwierig.
17:20In der Ganztagsschule, die Cornelia Crossbergers Sohn besucht, sind Smartphones tabu.
17:26Auch zu Hause hat er eingeschränkte Nutzungszeiten. Und er weiß, dass seine Mutter sein Handy kontrolliert. Auch den Klassenchat.
17:33Hier stößt Cornelia Crossberger auf verstörende Inhalte. Unter anderem auf dieses GIF.
17:41Da habe ich schon zusammengezuckt. Das fand ich schon erschreckend.
17:45Ja, dass Fünfklässler sich sowas schicken.
17:48Ja, also auch mein Waffe zusammen aus dem einen, aber auch dieser ganz kurze Moment, sich die an den Kopf
17:53zu halten, das finde ich bedenklich.
17:57Und zumal, ich glaube, die Kinder nehmen das gar nicht so krass war. Und das finde ich dann nochmal schlimm.
18:03Man stumpft so ab.
18:06Das sind dann so Schwellen, die runtergehen, von dem, was normal ist.
18:10Genau. Und da sehe ich, ja, da sehe ich tatsächlich eine große Gefahr drin.
18:16Cornelia Crossberger stören viele Dinge am Klassenchat.
18:19Die Art, wie die Kinder miteinander sprechen. Die Masse der Nachrichten.
18:24Immer wieder sagt sie ihrem Sohn, eigentlich möchte ich, dass du da rausgehst.
18:28Nein, Mama, das kannst du nicht machen. Ich bin gerade neu auf der Schule. Und dann bin ich wieder außen
18:33vor.
18:35Das Smartphone ihres Sohnes, der Klassenchat. Für Cornelia Crossberger eine erzieherische Mammutaufgabe.
18:42Und sie ist bei weitem nicht das einzige Elternteil, mit dem wir sprechen, das sich so fühlt.
19:00Ich bin Colleen Monika Fernandes. Ich arbeite als Autorin, als Journalistin, als Moderatorin und als Schauspielerin.
19:11Colleen Fernandes ist selbst Mutter und versteht, warum viele Eltern ihren Kindern spätestens zur 5. Klasse ein Smartphone kaufen.
19:23Es ist ja meistens so, dass das Argument kommt, alle haben ein Smartphone.
19:28Und das ist ja meistens auch keine Lüge, sondern es ist ja in den meisten Fällen so, dass eben alle
19:34anderen ein Smartphone haben.
19:36Und dann möchte man das eigene Kind nicht ausschließen und nicht sagen, du bist jetzt leider, sorry, das einzige Kind
19:42ohne.
19:44Eltern, die nicht wollen, dass ihr Kind ausgeschlossen ist, denen gleichzeitig aber die Fähigkeiten fehlen, ihr Kind im digitalen Raum
19:50zu begleiten.
19:51Die Digitalisierung ist da. Es ist Werkzeug und Waffe gleichzeitig, aber für die Waffe haben wir alle noch keinen Waffenschein.
19:59Und ich glaube, das ist das Problem. Wir müssen jetzt anfangen, uns zu rüsten für den Umgang mit der digitalen
20:08Welt.
20:09Und da habe ich das Gefühl, sind wir einfach alle noch nicht so richtig vorbereitet für die Zeit, in der
20:17wir uns aktuell befinden.
20:18Auch Janine Michaelsen ist Medienmacherin und Mutter. Sie findet, Eltern müssen mehr Verantwortung übernehmen.
20:26Die Frage ist doch eher, wie schaffen wir es in einem Raum, den wir selber, ich rede jetzt von mir,
20:32nicht zur Gänze verstehen, nicht kontrollieren können,
20:35der mir Angst macht und der auch eine gewisse Macht über mich hat, trotzdem in eine Position zu kommen, in
20:43der ich das Gefühl habe,
20:44ich nehme mein Kind an die Hand und begleite es, so weit es geht in diesen Raum mit herein.
20:50Genauso wie ich das auch nicht mit sechs alleine ins Freibad schicke das erste Mal und sage, ja, hier sind
20:55deine Schwimmflügel, viel Spaß, hoffentlich säufst du nicht ab.
20:58Machst du ja auch nicht.
21:01Eltern, die aus dem Bauch heraus entscheiden und sich vor allem eins stellen, viele Fragen.
21:08Und am Ende landen die Probleme aus den privaten Chats der Schüler doch wieder an den Schulen und werden so
21:15zur Herausforderung für Lehrkräfte.
21:18Auch für Schulleiter Köhne und sein Lehrerteam in Hattingen.
21:23Ja, da kriegt man eine Nachricht, der sowieso hat meinem Kind irgendwas geschickt und bedroht.
21:31Entweder ein blödes Foto geschickt oder gesagt so, du bist doof oder halt Schlimmeres, was man sich so vorstellen kann.
21:38Und bitte machen Sie was und sagen Sie, sprechen Sie mit dem anderen Kind.
21:42Ja gut, man spricht natürlich dann mit allen, es betrifft den Schulfrieden definitiv, man kann es auch nicht so stehen
21:48lassen.
21:49In Deutschland muss jede Schule selbst klären, ob und wie sie das Problem mit den Klassenchats angeht.
21:55Vorgaben von der Politik gibt es keine.
21:58Am Gymnasium in Hattingen gibt es seit einigen Jahren in allen fünften Klassen Handyunterricht mit Lehrerin Sandra Weber.
22:06Also du siehst die Scherze, die ja manchmal so sind, die so Buchse runter und dann macht der andere ein
22:10Foto.
22:11Das ist, ich höre kichern, liebster Anis, lieber Ivo, das ist eine Straftat.
22:18Und dann alle, die schon mal über WhatsApp beleidigt wurden.
22:25Dann alle, die schon einmal aus einer Gruppe entfernt wurden, obwohl sie das nicht wollten.
22:33Doch, lassen.
22:37Finden Sie, das ist eigentlich Ihr Job als Lehrerin?
22:40Ja, wenn man jetzt so klassisch den Lehrerjob nimmt, dann wahrscheinlich eher nicht.
22:46Sandra Weber macht diese Präventionsarbeit zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben.
22:51Für die Kinder und für den Schulfrieden.
22:54Es hilft uns natürlich indirekt auch, dass man dann hoffentlich auch weniger Probleme hat mit Sachen,
23:00die dann wieder in natürlich die Klasse getragen werden, durch diese WhatsApp-Gruppen.
23:05Während unserer Recherche treffen wir immer wieder auf engagierte Lehrkräfte, die vermitteln, schlichten, begleiten.
23:12Was viele von ihnen vermissen? Unterstützung von der Politik und eine einheitliche Strategie.
23:23Es wird immer alles on top gemacht, ohne dann mal zu gucken, an welcher Stelle können wir auch Dinge aus
23:29Schule nehmen.
23:30Und ich glaube, eine große Lösung wäre wirklich, die Schulen personell besser auszustatten.
23:37Und zwar nicht nur mit Lehrkräften, sondern mit Schulpsychologen, mit SozialarbeiterInnen.
23:42Und zwar mit den SozialarbeiterInnen.
23:54Höchste Zeit, über jemanden zu sprechen, den wir uns noch gar nicht vorgenommen haben.
23:58Nämlich die Plattform selbst.
24:00Was machen die?
24:01Der Messenger-Dienst WhatsApp gehört dem US-Konzern Meta.
24:05Was innerhalb der Chats passiert, ist privat.
24:08WhatsApp kontrolliert die Inhalte bewusst nicht.
24:12Der Respekt für deine Privatsphäre steht bei uns an erster Stelle.
24:17Aber es gibt auch Altersrichtlinien.
24:20Und dazu steht bei WhatsApp folgendes.
24:22Du musst mindestens 13 Jahre alt sein oder in bestimmten Ländern älter, um dich zu registrieren und WhatsApp zu nutzen.
24:29Das Erstellen eines Kontos mit falschen Informationen ist ein Verstoß gegen unsere Nutzungsbedingungen.
24:35Man kann sogar Benutzer, die jünger als 13 sind, melden und deren Konten sperren lassen.
24:41Doch bei unserer Recherche läuft uns kein einziger Fall über den Weg, wo das passiert wäre.
25:02Ich bin Alexandra Geser. Ich bin Europaabgeordnete für Bündnis 90 Die Grünen.
25:06Und ich befasse mich mit digitalen Themen und ganz besonders stark mit sozialen Netzwerken.
25:11Dass WhatsApp sich aus privaten Chats raushält und Inhalte nicht kontrolliert, findet Alexandra Geser richtig.
25:20Ich glaube nicht, dass WhatsApp kontrollieren sollte, was der Inhalt dieser Chats ist.
25:25Diese Chats werden ja auch für private Kommunikation unter Erwachsenen benutzt.
25:30Und ich bin auf keinen Fall dafür, dass WhatsApp diese Chats durchleuchten muss.
25:34Was aber wichtig ist zu beachten, das WhatsApp gehört ja dem Metakonzern,
25:39der mit Instagram und Facebook auch zwei Social Media Plattformen betreibt.
25:42Und da muss man sich schon fragen, warum Kinder mit solchen Inhalten ständig in Berührung kommen.
25:50Weil viele zum Beispiel politisch-extremistische Inhalte oder auch sehr gewalttätige Inhalte
25:57wie Enthauptungen oder tödliche Verkehrsunfälle, das spülen ja die Plattformen in die Timelines der Kinder.
26:03Und die Kinder nehmen es aus Social Media Plattformen und posten es dann in diese Chats.
26:07Und dafür müssen die Plattformen sehr wohl Verantwortung übernehmen.
26:12In unserem Film geht es um Klassenchats, vor allem bei WhatsApp.
26:16Aber die problematischen Inhalte, die die Kinder sich dort gegenseitig schicken,
26:20die kommen eben oft aus den sozialen Netzwerken.
26:23Auch deshalb wird gerade, auch in Deutschland,
26:26intensiv über ein Social Media Verbot für Kinder und Jugendliche diskutiert.
26:32Das Social Media Verbot ist eigentlich nur eine Notlösung, eine Art Notbremse,
26:37weil Social Media Plattformen so schlimm geworden sind, dass uns keine andere Lösung mehr einfällt,
26:42als zumindest Kinder und Jugendliche davon fernzuhalten.
26:45Es löst aber das eigentliche Problem nicht.
26:47Und das eigentliche Problem ist, dass Social Media Plattformen mit Hass und Gewalt Geld verdienen.
26:53Dass die Algorithmen, also die Softwaresteuerung, die darüber entscheidet,
26:56welche Inhalte wir sehen, so ausgerichtet ist, dass Inhalte, die unsere negativen Emotionen ansprechen,
27:03Angst, Wut und Empörung, immer mehr gezeigt werden als alles andere.
27:09Und das ist gefährlich für unsere gesamte Gesellschaft, nicht nur für Jugendliche.
27:14Wir sehen, das Problem ist vielschichtig.
27:17Trotzdem wollen wir uns rantasten an mögliche Lösungen.
27:21Und damit zurück zur Anfangsfrage.
27:23Wer trägt die Verantwortung dafür, dass Kinder und Jugendliche in Klassenchats geschützt sind?
27:29Cyberkriminologe Thomas Gabriel Rüdiger wünscht sich einen Ansatz,
27:32wo die gesamte Gesellschaft zusammenarbeitet.
27:35Vor allem ist er für mehr Prävention.
27:37Wir brauchen eine verzahnte Strategie, die eigentlich Folgendes macht.
27:41Die Erwachsene auf die Risiken dieses digitalen Raumes vorbereiten,
27:45ihnen vermitteln, was das eigentlich bedeutet, was dort passiert,
27:48damit sie dann nämlich als Eltern ihre Kinder darauf vorbereiten können.
27:52Und es wird immer Eltern geben, die kein Interesse daran haben,
27:55ihren Kindern das zu vermitteln oder einfach die Fähigkeiten nicht haben.
27:58Also gibt es nur eine Institution, an der man das machen kann, das ist die Schule.
28:02Wir brauchen also eigentlich ab der ersten Klasse verpflichtend digitale Bildung,
28:07pädagogisch angepasst auf die einzelnen Altersstufen, in jeder Schule.
28:11Und dann brauchen wir aber natürlich auch noch irgendwie so etwas wie Sicherheitsbehörden,
28:14die sich als einen Teil dieses digitalen Raumes verstehen
28:17und dort als Ansprechpartner und als Akteure sehen.
28:25Cornelia Krosberger hat nach vielen Gesprächen geschafft,
28:28dass ihr Sohn freiwillig aus seinem Klassenchat ausgetreten ist.
28:36Bereuen Sie, dass Sie Ihrem Sohn das Smartphone gegeben haben zur 5. Klasse?
28:40Nein, bereuen ist das falsche Wort.
28:42Da die Digitalisierung nicht wegzudenken ist, würde ich es wahrscheinlich immer wieder so tun.
28:50Aber man lernt halt einfach so immer mehr dazu, wo sich noch irgendetwas verstecken könnte.
28:57Ich sage mal, so doof kann man manchmal gar nicht denken.
28:59Ich finde es in dem Fall auch gerechtfertigt, dem Kind dann zu erklären, warum man das verbietet,
29:05wo man vielleicht eine Gefahr sieht.
29:06Oder auch das Kind zu fragen, was findest du gerade daran so toll, was interessiert dich da dran?
29:12Und nicht immer nur so, weg damit, weg damit und das ist schlecht.
29:17Weil dann schaffen sie wieder was Verbotenes und Verbotenes macht neugierig.
29:23Alex, der rechtsradikale Sticker in einen Schülerchat gepostet hatte, ist inzwischen froh darüber, dass die Polizei bei ihm war.
29:33Aber ich habe das schon relativ vielen Leuten erzählt, was passiert ist und ich glaube, davon wurden die auch schon
29:39so abgeschreckt.
29:41Genau, und so in unserer Klassengruppe gab es, glaube ich, danach nie wieder so radikale Sachen.
29:47Natürlich möchte niemand so mit negativen Erfahrungen mit Polizei machen, aber ich glaube, so für ein Kind damals, für mich,
29:59das hat mir ein bisschen so die Augen geöffnet, glaube ich, und mich dazu gebracht, so ein bisschen reifer zu
30:07denken und mich zu verhalten.
30:12Deswegen, ich glaube, das war eher positiv.
30:15Zur Wahrheit gehört übrigens auch, viele Kinder finden Klassenchats praktisch.
30:21In der 5a in Hattingen probieren die Schüler es mit Chatregeln und einem Klassenchat-Wächter.
30:30Wie funktioniert das? Bespricht man sich vorher oder wie läuft das?
30:34Ja, ich passe auch auf, dass keiner jetzt da Mist reinschreibt.
30:38Und wenn da zum Beispiel Bilder von anderen Kindern reingeschickt werden, dann schickt sie auch sofort wieder.
30:45Und dann habe ich auch Regeln, die Kinder werden dann zum Beispiel für ein paar Tage aus der Gruppe entfernt
30:50werden,
30:50damit sie lernen, damit umzugehen, dass sie das nicht machen.
30:56Inside Klassenchats ist ein Film ohne richtiges Happy End.
31:00Vorerst.
31:00Denn Klassenchats sind längst Normalität.
31:03Und wir als Gesellschaft lernen gerade erst, damit umzugehen.
31:11Und wir als Gesellschaft lernen, damit umzugehen.
31:12Und wir als Gesellschaft lernen, damit umzugehen.
31:24Und wir als Gesellschaft lernen, damit umzugehen.
31:24Und wir als Gesellschaft lernen, damit umzugehen.
31:25You
Comments

Recommended