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00:03Der Hamburger Hafen.
00:07Normalerweise rollen hier Container.
00:10Heute macht die Bundeswehr eine Übung.
00:14Das ausgedachte Szenario?
00:17Russland droht die NATO anzugreifen.
00:21Die Soldatinnen und Soldaten müssen deshalb an die Grenze fahren.
00:25Um abzuschrecken.
00:27Ein Fall, der auch bei der Truppe einige zum Nachdenken bringt.
00:32Gedanken macht man sich auf jeden Fall, ob das mal real sein wird.
00:37Aber das lassen wir gar nicht so an uns heran, sag ich mal.
00:41Also wir hoffen einfach nur, dass das nicht ernst wird.
00:48So etwas hat es in Hamburg schon seit Ende des Kalten Krieges nicht mehr gegeben.
00:54Mehr als 70 Bundeswehrfahrzeuge in einer Kolonne.
00:58Schwer bewaffnet.
00:59Mitten in der Nacht.
01:08Für Unbeteiligte befremdlich.
01:10Ja, ungewohntes Bild, ne?
01:14Ja.
01:16Das mal.
01:28Wie lange sind die hier langgefahren?
01:29Zehn Minuten?
01:30Also es geht ganz viel durch den Kopf, aber kein gutes Gefühl.
01:34Ganz klar.
01:36Sie sagen, Ihnen geht ganz viel durch den Kopf.
01:38Beschreiben Sie mal.
01:39Keine Ahnung.
01:40Also was macht die Bundeswehr hier?
01:42Wo wollen die jetzt hin?
01:43Nachts?
01:43Keine Ahnung.
01:46Schlechtes Gefühl irgendwie.
01:48Einfach zu viel Weltpolitik.
01:50Da geht einem alles durch den Kopf gerade.
02:04Die Bundesregierung und die Geheimdienste fürchten, dass sich die internationale Sicherheitslage weiter zuspitzen könnte.
02:11Auch hier in Deutschland.
02:13Die Bundeswehr arbeitet deshalb an einem Plan, dessen Details geheim sind.
02:18Gemeinsam mit Ministerien, Ländern und Landkreisen.
02:21Der sogenannte Operationsplan soll das Land vorbereiten und schützen.
02:27Aktuell gilt ein Szenario als am wahrscheinlichsten.
02:30Das Russland, die NATO in ein paar Jahren militärisch herausfordert.
02:35Die Befürchtung ist, dass Russland an der Grenze eines NATO-Bündnispartners aufmarschiert.
02:40Zum Beispiel vor Estland.
02:43In diesem Fall kämen die anderen Länder zu Hilfe.
02:46Das Ziel, Russland allein durch ihre Präsenz von einem Angriff abhalten und so einen Krieg verhindern.
02:53Deutschland würde in diesem Fall zur logistischen Drehscheibe für die NATO.
02:57Ein Transitland für Material und Truppen gen Osten.
03:02Die Truppen müssten tanken, rasten, schlafen und essen.
03:06Wie das alles ablaufen soll, regelt der Operationsplan.
03:11Er wird detailliert geplant und fortlaufend aktualisiert.
03:18Was bedeutet dieses Szenario für die Kommunen und Landkreise?
03:22Stefan Sternberg ist auf dem Weg zu einer landesweiten Katastrophenschutzübung.
03:26Er ist Landrat in Mecklenburg-Vorpommern.
03:30Sein Landkreis Ludwig-Sust-Parchim ist nach Fläche der zweitgrößte Deutschlands und hat bereits schwere Krisen erlebt.
03:38Unter anderem den größten Waldbrand in der Landesgeschichte, der nur mit Hilfe der Bundeswehr gestoppt werden konnte.
03:44Diese Erfahrung unterscheidet ihn von den meisten anderen, der knapp 300 Landräte in Deutschland.
03:52In allen steht womöglich eine noch viel größere Krise bevor, auf die sie sich alle vorbereiten müssen.
04:00Nahe Wismar wird heute die Zusammenarbeit geübt, mit etwa 90 Fahrzeugen und insgesamt 360 Beteiligten aus dem ganzen Bundesland.
04:09Was passiert im Krisenfall, wenn die Bundeswehr aktiv werden muss, wenn sie uns nach außen verteidigen muss, wofür sie ja
04:17nach Grundgesetz da ist?
04:19Und welche Verantwortung übernimmt eigentlich dann ein Landrat, ein Landkreis, die Institutionen des Inneren sozusagen?
04:26Die Landkreise müssen in diesem Fall die Bundeswehr bei der Truppenverlegung unterstützen und gleichzeitig mögliche Krisen vor Ort allein managen,
04:35etwa ein Waldbrand.
04:36Welche Aufgabe haben wir eigentlich dann? Was passiert eigentlich, wenn ich die Bundeswehr nicht anrufen kann mit ihren Erkundern, wenn
04:42ich einen Waldbrand habe?
04:43Da muss ich mir alleine Gedanken machen und ich könnte die Bundeswehr anrufen, aber wenn sie gerade uns irgendwo verteidigt,
04:49muss ich einfach, müssen wir einen Plan haben und das üben wir ja heute.
04:53Der Katastrophenschutz ist in Deutschland erstmal Aufgabe der Länder und Landkreise.
04:57Der Bund und damit die Bundeswehr kann aber bei großen Krisen Amtshilfe leisten.
05:02Auch heute ist die Bundeswehr dabei und unterstützt.
05:08Denn die Katastrophenschützer vor Ort haben großen Aufholbedarf.
05:11Viele von ihnen sind Ehrenamtliche.
05:14Es geht heute um die Basics – tanken, kommunizieren, effektiv und zügig.
05:19Ich brauche als erstes euren Kilometerstand einmal, bitte.
05:23Eins, eins, sechs, drei, vier.
05:3035 Jahre lang in Deutschland waren wir gut und sicher und wenn wir das in Zukunft sein wollen, müssen wir
05:35aber Hausaufgaben machen.
05:37Und das fängt vom Cyberangriff an und endet eben bei irgendeiner Großschadenslage, wo vielleicht nicht jeder da ist, auf den
05:43wir uns sonst immer verlassen konnten.
05:45Wenn die Bundeswehr mit ihren Partnern die NATO-Außengrenze sichert, dann sind in Deutschland die Länder und ihre Landkreise beim
05:52Katastrophenschutz auf sich alleine gestellt.
05:55Das bedeutet, sie müssten die kritische Infrastruktur aufrechterhalten.
05:59Es muss im Krisenfall weiter Strom, Wasser und Lebensmittel geben.
06:04Die Krankenversorgung müsste gewährleistet sein.
06:07Dabei helfen dann die sogenannten Blaulichtorganisationen, wie die Polizei, die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk.
06:16Im wirklichen Verteidigungsfall übernimmt der Bund den Zivilschutz, muss dafür aber weitgehend auf die Strukturen der Länder und Landkreise zurückgreifen.
06:29Während die Katastrophenschutzübung läuft, besprechen sich die Verantwortlichen.
06:35Unter ihnen die sechs Landräte von Mecklenburg-Vorpommern, die Bundeswehr und der Landesinnenminister.
06:44Die Zuständigkeiten bei Krisen können sich je nach Lage unterscheiden.
06:48Was macht der Bund? Was das Land? Was die Landkreise? Das alles muss abgestimmt sein.
06:56Es geht nicht darum, dass wir üben, dass Fahrzeuge fahren, sondern erstens den Verband zu fahren.
07:00Aber viel wichtiger, dass wir wissen, dass es Situationen gibt, wo wir sehr konzentriert, sehr schnell versorgen wollen.
07:07Deswegen freuen wir uns, dass wir nur üben und hoffen, dass wir niemals den Ernstfall brauchen.
07:12Aber wenn wir den Ernstfall brauchen, wollen wir sicher sein, dass es funktioniert.
07:16Deswegen können wir für alle diese Anforderungen ein einziges Konzept letztendlich erstellen.
07:21Und das haben wir getan und das wollen wir jetzt, ich sag mal, am heutigen Tag dann hier beüben.
07:27Sternbergs Landkreis liegt strategisch wichtig zwischen Hamburg und Berlin.
07:31Auch deshalb kann der Operationsplan hier große Auswirkungen haben.
07:36Aber dass wir auch selber nochmal mit Netz und doppeltem Boden planen müssen.
07:40Und auch nochmal unsere eigenen kreislichen Strukturen hinterfragen müssen, wie resilient sind wir denn wirklich, an welchem Punkt.
07:46Ich habe heute Morgen, als ich hergekommen, gedacht, naja, jetzt wäre ja so ein Cyberangriff.
07:50Also ich meine, das wäre mal lustig, was dann passiert.
07:54Ich finde es total gut, dass wir das heute machen und ich finde es gut, dass wir das auch aufnehmen.
07:59Aber ich glaube, wir Landkreise selber müssen auch nochmal unter uns sechs Landräten darüber reden, wie wir mit dem Eigenschutz
08:03noch besser umgehen, um die Häuser, die Zugbrücken stückweit hochzuziehen.
08:11In dieser Zusammensetzung sind die Katastrophenschützer noch nicht zusammengekommen.
08:21Sie üben reibungslos, von einem Ort zum nächsten zu kommen, um in Krisen schnell helfen zu können.
08:32Aktuell steht Sternberg in der Kritik wegen einer zu teuren Dienstreise, die er mit einer kurzfristigen Buchung begründet.
08:40Er ist im vergangenen Jahr wiedergewählt worden. Im Wahlkampf plakatierte er sich selbstbewusst als Landrat für Katastrophenschutz.
08:48Es ist das Thema für ihn.
08:53Wir haben gerade darüber gesprochen, wie es war, also wie gerade das Konvoifahren war und haben gerade gehört, dass es
08:58gar nicht so einfach ist,
08:59ein Konvoi immer mit der gleichen Geschwindigkeit zu fahren, immer mit 50 auf der Autobahn, dass man sich da sehr
09:04beherrschen muss.
09:05Wie war es sonst? Meinungen?
09:06Sehr anspruchsvoll war die Kombination in der Verbindung mit der Bundeswehr und der Bundespolizei.
09:12Wir haben quasi aus drei Marschteilen auf der Strecke von Ludwigslust hierher dann eine gebildet,
09:18haben uns selbst mit der Bundeswehr in Höhe Ludwigslust auf der Autobahn zu einem Verband gehoppelt
09:25und unterwegs auf der A14 dann nochmal die Bundespolizei mit eingegliedert.
09:30Alles gut geklappt, tatsächlich auch von der Kommunikation.
09:33Also lieben Dank für die Zeit heute, ist ja ehrenamtliche Zeit.
09:37Ihr hättet auch zu Hause setzen können heute, aber schön, dass ihr das macht.
09:42Und der Ecke regnet.
09:44Achso, dann in Nordwest-Mecklenburg scheint die Sonne, das haben wir jetzt geklärt. Schön.
10:01Für die Bundeswehr kommt die Gefahr klar aus einer Richtung.
10:06Generalleutnant Andrej Bodemann ist verantwortlich für die Ausarbeitung des Operationsplans.
10:15Wir gehen davon aus, dass Russland in einigen Jahren eine strategische Fähigkeit erarbeitet hat,
10:21die es Russland ermöglichen würde, einen sogenannten großmaßstäblichen Krieg auch gegen die NATO führen zu können.
10:28Und sollte es eben ein Bedrohungspotenzial Russlands an der NATO-Ausflange geben,
10:32dann würde die NATO reagieren, um Russland davon abzuhalten, abzuschrecken, tatsächlich einen Angriff durchzuführen.
10:40Rostock. Diese Soldaten üben, wie sie im Ernstfall den Zugang zu wichtigen Orten kontrollieren.
10:45In diesem Fall ist es ein Landeplatz.
10:49Hier Checkpoint. Zivilist Kfz mit Bundeswehrangehörigen und Zivilist in Schleuse eingefahren. Kommen.
10:57Die Soldaten sollen den Transporter kontrollieren.
11:04Diese Männer sind nur nebenberuflich Soldaten. Sogenannte Heimatschützer.
11:09Viele hier haben die Waffe nur einige Tage im Jahr in der Hand.
11:13Kommandeur Stefan Schmidt ist noch nicht zufrieden.
11:15So, das Bild auflösen. Die Männer zusammennehmen.
11:23Heimatschützer sind zum größten Teil Reservekräfte.
11:27Das heißt also, das, was die aktive Truppe macht und praktisch tagtäglich macht,
11:31machen diese Kräfte teilweise dann ungefähr zwei bis drei Wochen im Jahr, vier bis fünf Wochen im Jahr.
11:38Das heißt also, die Übungsabschnitte sind sehr viel kürzer und natürlich müssen wir das auch immer wiederholen.
11:44Ganz kurz, Auswertung der Situation. Wir haben ein einfahrendes Fahrzeug, Meldung erfolgt, soweit gut.
11:50Betretenes Checkpoint, soweit gut. Hier darauf achten, wenn gesichert wird, auffächern, v-förmig.
11:56Ja, dass sich Fahrer, Beifahrer mit dem, der kontrolliert und dem, der sichert, immer im Blick haben,
12:01gegenseitig beobachten können und dass sich die Feuerlinien nicht kreuzen.
12:05Zweitens, was wurde im Fahrzeug gefunden?
12:09Drei Stromgewerfe, zehn Magazine circa und Munition.
12:14Wer sollte das wissen? Bitte?
12:15Wer sollte das wissen?
12:17Kruppenführer.
12:19Der Kruppenführer.
12:20Am besten alle, oder?
12:21Oder alle.
12:22Das heißt, bei dem Punkt der Waffe, laut Waffe, Munition.
12:27Dementsprechend ändert sich mein Verhalten.
12:29Was könnten die sicherer machen, die die Personen sichern?
12:39Ich geh zumindest schon mal in ne Bereitschaft, sodass ich schießen kann, weil ich nicht weiß, was wollen die.
12:47Alles auf Anfang.
12:52Diesmal soll es besser laufen.
12:54Die Prüfung der Papiere ist bereits durchgefüllt worden. Eine zivile Person wird kontrolliert, wirkt stark nervös.
13:02Geplant sind bislang etwa 6000 Heimatschützer.
13:08Waffe! Waffe!
13:13Die Heimatschützer bekommen eine Grundausbildung und für die Tage, die sie im Einsatz sind, einen Verdienstausfall.
13:22Ob in Zukunft noch mehr Freiwillige gebraucht werden, ist offen.
13:30Jetzt geht es um Landes- und Bündnisverteidigung und das ist die Vorbereitung dazu.
13:35Und die Heimatschutzkräfte sind ein wesentlicher Bestandteil, weil unsere aktiven Kräfte dann sicherlich auch nicht mehr hier in Deutschland sind,
13:43sondern in einen Einsatzraum verlegen müssen.
13:45Und dann bedeutet das für die Heimatschutzkräfte, vorbereitet zu sein, ausgebildet zu sein und fähig zu sein, verteidigungswichtige Infrastruktur abzusichern.
13:57Der Hafen von Rostock.
14:00Orte wie dieser wären im Verteidigungsfall strategisch extrem wichtig und mögliche Ziele für Angriffe von Saboteuren.
14:09Im Sommer 2025 läuft hier eine Verlegeübung.
14:13Ein Fährschiff soll bis oben mit Fahrzeugen beladen werden und für eine Übung nach Litauen fahren.
14:20Diese Heimatschützer bewachen den Hafen.
14:23Rein.
14:24Vor vorne.
14:27Fragen?
14:29Dann Waffen übernehmen.
14:33Ich möchte einen kleinen Beitrag leisten. Ich habe mir überlegt, ich möchte einfach nicht immer auf dem Super sitzen und
14:37die Tagesschau schauen.
14:39Wir sind in bewegten Zeiten und das soll mein kleiner Beitrag sein zur Sicherung Deutschlands.
14:45Die Gruppe geht zum Eingang der Hafenanlage. Dort kommen die Fahrzeuge für die Fähre an.
14:50Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind leider auch nicht mehr im Frieden. Ich glaube, wir sollten uns vorbereiten.
15:04Wir sind heute im Wachdienst. Das heißt, wir gehen einen 24 Stunden Wachdienst. Der beginnt demnächst und endet morgen um
15:13diese Zeit.
15:14Das heißt, wir werden in verschiedenen Aufgaben als Torposten, Streifenposten, Beobachtungsposten eingesetzt, um diesen Bereich zu sichern.
15:25Alexander hat früher Wehrdienst geleistet und kehrt nun nach Jahren in den Dienst zurück – als Heimatschützer.
15:32Matthias hatte mit der Bundeswehr nichts am Hut. Er arbeitet eigentlich beim Jugendamt.
15:38Doch als Russland die Ukraine angreift, meldet er sich freiwillig, lernt marschieren, schießen und bewachen.
15:47Ich fühle mich hier mit meiner Waffe und der Uniform sicherer als zu Hause auf dem Sofa.
15:52Also wir werden gut ausgebildet. Wir werden auf diverse Situationen vorbereitet. Und nein, ich fühle mich gut dabei.
16:00Also manche fragen, warum machst du das? Wozu machst du das?
16:05Jeder von uns hat andere Werte, die er halt als wichtig schätzt.
16:09Und dementsprechend, manche befürworten das.
16:12Dass gerade die, die früher schon mal einen Grundwalddienst gemacht haben, länger bei der Armee gewesen sind.
16:17Und auch die, die sagen, wir sind nicht mehr im Frieden, aber wir sind halt in einer schwierigen Lage.
16:23Und die verstehen das. Andere wiederum sagen, für welches Deutschland dienen wir?
16:28Oder für was macht der das? Und das muss jeder für sich selber entscheiden, für wen er diesen Dienst leistet.
16:34Und für mich ist das halt meine Familie.
16:39Für die einen ist Aufrüsten und Vorbereiten beruhigend. Für andere ist genau das ein Problem.
16:47Eine Antikriegsdemo Ende September in Hamburg.
16:50Fünf Tage lang soll hier in Hamburg der Kriegsfall geprobt werden.
16:54Das ist nur ein weiteres Ergebnis der Extremaufrüstung. Sowohl nach innen als auch nach außen.
17:01Lass uns diesen Wahnsinn stoppen. Danke, dass ihr heute alle hier seid.
17:05Einige hundert Menschen haben sich heute versammelt.
17:10500 Soldaten proben ab heute fünf Tage den Ernstfall. Krieg.
17:17Und warum das Ganze? Warum das Ganze aufgrund einer verschärften Sicherheitslage?
17:25Wir sagen, liebe Militärs, ihr schafft euch eure verschärfte Sicherheitslage doch selbst!
17:33Warum sind Sie heute hier?
17:34Ich möchte gerne protestieren gegen die Kriegsübungen hier in Hamburg.
17:41Ich mache mir Sorgen, dass das überhand nimmt. Wir geben zu viel Geld für Rüstung aus.
17:48Und was macht das mit Ihnen menschlich, emotional, dass hier in Hamburg so eine militärische Übung stattfindet?
17:54Emotional bin ich beklommen und denke daran, dass ich Enkelkinder habe, die nicht in den Krieg ziehen sollen, die nicht
18:04auf Menschen ihres Alters schießen sollen.
18:08Ich will das nicht. Und ich glaube, je mehr wir aufrüsten, desto größer wird die Gefahr.
18:13Und natürlich macht mir das Angst in dem Sinne, aber vor allem macht es mich auch einfach wütend, so wie
18:22aggressiv wir auch als Jugend dieser Kriegsrebereitung,
18:28einfach nicht mehr entkommen und wie jede Bereiche von unserem Leben irgendwie davon angegriffen werden.
18:33Ich bin selber Mutter von fünf Kindern. Ich habe zwei Söhne. Ich habe drei Enkelkinder und darunter auch zwei Enkelsöhne.
18:40Und das, was ich jetzt alles sehe, macht mir sehr, sehr große Angst. Ich weiß nicht, wie ich das sagen
18:47soll.
18:47Man zieht seine Kinder mit viel Liebe, mit sehr viel Liebe und Geborgenheit auf.
18:53Und dann zieht man junge Männer groß, um sie dann letztendlich in den Krieg zu schicken. Das bricht mir das
18:58Herz.
19:00Hamburg! Fallt aufs Militär!
19:05Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage aus dem Sommer 2025 befürworten 70 Prozent der Befragten Mehrausgaben für die Verteidigung.
19:15Aus Sicht der Bundeswehr ist Aufrüsten alternativlos. Russische Politiker drohen immer wieder auch Deutschland.
19:23Und hierzulande häufen sich Berichte über aus dem Ausland gesteuerte Sabotage und Spionage.
19:29Die Bundeswehr ist betroffen durch einmal Drohnensichtung natürlich an vielen militärischen Standorten, aber auch an Sabotageversuchen.
19:36Ich denke zum Beispiel an den Fund von Sprengstoff und Munition entlang der NATO-Pipeline.
19:41Also dort, wo der Flugbetriebsstoff an unsere Bundeswehrflugplätze geliefert wird, als auch die Flugplätze der alliierten Partner, wie zum Beispiel
19:49Rammstein.
19:50Und dort haben wir in der Nähe einer Pumpstation, in der Nähe einer US-Liegenschaft durch Zufall bei Baggerarbeiten Sprengstoff
19:55und Munition gefunden.
19:57Und die Forensik sagt uns, das ist nicht altes Zeug, was die RAF da noch hat liegen lassen, sondern es
20:02ist etwas, was möglicherweise durch andere dort vergraben worden ist.
20:09Auch kritische Infrastruktur ist von mutmaßlicher Spionage betroffen, deutschlandweit.
20:16Im Landkreis Ludwig-Sus-Pachim steht ein großer unterirdischer Gasspeicher.
20:22Er hat eine große Bedeutung, auch für die Gasversorgung von Hamburg und Berlin.
20:28Hier soll es, vermutlich im Winter 2023, einen Vorfall gegeben haben.
20:34Landrat Sternberg erinnert es so.
20:38Zwei Männer nähern sich dem Gasspeicher.
20:42Sie tragen Jacken des Landkreises Ludwig-Sus-Pachim, auf denen ein Emblem der unteren Wasserbehörde genäht ist.
20:49Sie machen Fotos der Anlage.
20:52Als die Mitarbeiter des Gasspeichers sie ansprechen und fragen, warum ihr Besuch nicht angemeldet ist,
20:58antworten sie der Erzählung nach mit osteuropäischem Akzent.
21:03Die Mitarbeiter rufen die Polizei.
21:06Als sie wieder herauskommen, sind die Männer verschwunden.
21:09So wird es Landrat Sternberg berichtet.
21:13Verifizieren oder unabhängig prüfen lässt sich diese Darstellung nicht.
21:16Das Unternehmen des Gasspeichers bestätigt uns allerdings einen sicherheitsrelevanten Vorfall.
21:22Spricht aber nur von einem Mann, der am Zaun gestanden haben soll.
21:28Sternberg wird damals von der Polizei gefragt, ob Mitarbeiter von ihm vor Ort waren.
21:33Er recherchiert.
21:35Herauskommt, weder waren Landkreismitarbeiter vor Ort, noch gibt es Jacken der unteren Wasserbehörde.
21:42Man denkt ja schon auch darüber nach, wer überhaupt auf die Idee kommt.
21:46Also es hat sich ja jemand die Mühe gemacht, auf die Internetseite zu gehen, sich das Organigramm anzugucken,
21:51darüber nachzudenken, welche Behörde könnte dann passen.
21:55Man hätte ja auch einfach sagen können Landkreis.
21:57Das war ja viel detaillierter vorbereitet.
22:00Die Polizei nimmt nie offiziell Ermittlungen auf.
22:03Beamte berichten uns vertraulich, sie seien damals von Hausfriedensbruch ausgegangen.
22:07Heute würden sie anders vorgehen.
22:09Denn in den letzten Monaten häufen sich Berichte über Menschen, die kritische Infrastruktur in Deutschland ausspähen.
22:15Oft mutmaßlich von Russland aus.
22:18Ob das so ist oder andere dahinter stecken, kann oft keiner mit Bestimmtheit sagen.
22:22In vielen Fällen werden keine Täter ermittelt.
22:25Der Vorfall führte im Landkreis zu konkreten Maßnahmen.
22:29Es hat uns im Nachhinein einiges abverlangt.
22:32Und dann hat das bei uns dazu geführt, dass wir ein komplettes Register aufgeführt haben.
22:37Wer hat eine Kreisjacke, wer hat keine?
22:40Wie sind die genormt?
22:41Was steht drauf?
22:43Wer hat alles einen Dienstausweis?
22:45Sind die Dienstausweise mit Fotos?
22:46Sind sie nicht mit Fotos?
22:47Und dass man gleichzeitig auch noch im Haus darüber nachdenkt.
22:50Welche Orte könnten es eigentlich noch sein, über die wir im täglichen gar nicht nachdenken?
22:55Wo sind wir als Gesellschaft verwundbar?
22:59Was würde unseren Alltag zusammenbrechen lassen?
23:02Wie kann das Land längere Zeit ohne Strom auskommen?
23:07Der Operationsplan regelt für die Bundeswehr viele Details und muss Lösungen parat haben.
23:14Wo kommt das Benzin für das Militär her?
23:17Wo schlafen die Truppen?
23:19Wer schmiert die Brote?
23:21Wer regelt wann was?
23:34Auch Unternehmen sollen dabei helfen.
23:37Nahe der Grenze zu Polen wird genau das erstmals trainiert.
23:42Zivile Unternehmen sollen Aufgaben übernehmen, die die Bundeswehr im Einsatzfall nicht mehr selbst leisten kann.
23:48Die Sicherheitsfirma Securitas etwa soll für Sicherheit sorgen.
23:54Auch bei dieser Übung geht es darum, reibungslos Truppen zu versorgen, die nach Osten fahren.
24:01Das Rüstungsunternehmen Rheinmetall hat eine Versorgungsstation für Truppen aufgebaut.
24:06Mit Zapfsäulen, Zelten, Sanitätsanlagen, Schlafmöglichkeiten.
24:12Diese Soldaten fahren am selben Tag weiter Richtung Litauen.
24:19Die Bundeswehr schließt bereits jetzt für den Einsatzfall feste Verträge mit Unternehmen.
24:37Das Militär kann seine Soldaten für Tage oder Wochen quer durch Europa schicken.
24:43Soldat sein ist ihr Beruf.
24:46Die Landkreise hingegen müssen vor allem auf Freiwillige setzen.
24:49Guten Abend Kameraden, ich begrüße euch zu unserem heutigen Ausbildungsdienst.
24:54Team 1, Darius, Ulf und Martin.
24:58Ihr nehmt den Wexellader.
25:00Auf geht's Kameraden.
25:02Diese Feuerwehrleute aus dem Landkreis Ludwig-Sust-Parchim engagieren sich zusätzlich zum regulären Dienst und ihren Jobs, auch noch im
25:09Katastrophenschutz.
25:12Man fokussiert ja im Moment sehr auf Bundeswehr, was ich richtig finde.
25:15Ich glaube, dass die Bundeswehr auch lange eine Sparwehr war, weil man friedliche Zeiten und so weiter hat.
25:21Aber man darf neben der Bundeswehr eben nicht auch die Organisationen, die im Raum sitzen, vergessen.
25:26Weil wir machen das inländische Geschäft, wenn die Bundeswehr an den Grenzen und im Ausland für uns unterwegs ist.
25:33Der Wexellader ist neu. Extra für den Katastrophenschutz.
25:38Diese Fahrzeuge sind extrem wichtig für die Bereitstellung von Material am Einsatzort.
25:43Und das will geübt sein.
25:59Ulf Bennoer ist schon seit mehr als 40 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Grabo.
26:04Er hat schon viele Krisen erlebt.
26:06Das Thema hier in der Region vor allem Waldbrände.
26:10Der ist aber in sich, das sind 30 Meter Schläuche.
26:12Ja, ja.
26:13Wir gehen eben auch.
26:14Ja.
26:15Ja, gut.
26:16Da ist er ja.
26:19Wir sichern jetzt das Material.
26:22Im Einsatzfall wäre es ja auch wichtig, dass das Material so gelagert wird, dass es auch heil dort ankommt, wo
26:28es gebraucht wird.
26:29Es gibt ja Zentrallager, da ist ja alles gelagert, was man bei Schadenslagen braucht für die Bevölkerung.
26:34Und das würden wir hinfahren.
26:36Es steht nicht nur geschrieben, das und das.
26:37Alles, was gebraucht wird.
26:40Noch ein Stück?
26:41Ja, gut.
26:41Pass auf.
26:46In diesem Container lagert vor allem Waldbrandtechnik.
26:50Die wurde hier nach der letzten großen Krise angeschafft.
26:552019 brennt es so schlimm wie noch nie in der Landesgeschichte von Mecklenburg-Vorpommern.
27:00Etwa 1200 Hektar Fläche stehen in Flammen, tagelang.
27:04Mehrere Dörfer werden evakuiert.
27:09Stefan Sternberg muss den Katastrophenfall ausrufen, nur wenige Monate nach seiner Wahl.
27:16Also man kommt ja nicht ins Amt und kriegt sofort, hallo, schön, dass Sie Landrat geworden sind, hier ist Ihr
27:21Krisen-Handbuch.
27:24Und sollte es jetzt irgendwo brennen, das ist der Laufzettel, den laufen Sie dann ab.
27:28Das war ja überhaupt nicht so.
27:30Ich kam da an, es war super hektisch, es war super panisch, das war so heftig.
27:36Die Feuerwehr bekommt den Brand damals nicht selbst unter Kontrolle.
27:40Erst als die Bundeswehramtshilfe leistet und mit schwerem Gerät anrückt, kann das Feuer gelöscht werden.
27:48So eine Bundeswehrfeuerwehr ist einfach technisch und auch materiell anders ausgestattet wie eine normale Feuerwehr im ländlichen Raum.
27:55Und das ist eine bittere Erfahrung für mich.
27:57Aber man muss eben realistisch sein, dass wir in Teilen 35, 40 Jahre alte Technik haben, die ihr Lebensende erreicht
28:05hat,
28:05die eigentlich im Zivil- und Bevölkerungsschutz nicht mehr gut genug ist und die wir dringend tauschen müssen, um uns
28:11auf den Weg zu machen.
28:12Ich muss mal Chef ran, geht los, ja?
28:14Genau, ja.
28:16Okay.
28:20Aber ihr guckt, ne?
28:22Ein bisschen gucken.
28:35Richtig rum?
28:39Jetzt klappt das gerade nicht.
28:42Es ist nicht jeder Tag gleich.
28:43Und heute haben wir natürlich mal wieder so einen Tag, wo es nicht klappt.
28:47Was soll ich machen?
28:48Mit dem Lkw können sie medizinisches Material transportieren, Zelte oder Stromgeneratoren.
28:55Das auf- und abladen üben sie regelmäßig.
28:58Ich fahr jetzt mal gerade, komm mal schön mit.
29:00Ja, der hängt ein Loch.
29:02Ach so.
29:05Nochmal runter.
29:08Doch, das passt.
29:10Ja.
29:12Jetzt haben wir genug gespielt.
29:14Ist leider nicht immer ... Aber das übt.
29:26Das ist so ein Kuriosum.
29:27Früher, wenn sie gefragt haben zu Weihnachten oder zum Geburtstag, was wünschst du dir?
29:30Da hast du ja gesagt Gesundheit und Frieden.
29:32Das hast du ja belächelt.
29:33Und das sind ja beides Dinge, die heute nicht mehr so selbstverständlich sind.
29:35Es gibt heute zu Tag nichts mehr, was nicht passieren kann.
29:38Ist leider so.
29:39Wir müssen leider damit machen.
29:40Wir müssen uns auf, ich sag nicht, auf Krieg vorbereiten, aber wir müssen uns darauf
29:44vorbereiten, dass wir wieder in der Lage sind, wenn irgendwas passiert, den Menschen
29:48zu helfen.
29:50Punkt.
29:59Die Gesellschaft ist verwundbar, vor allem an Knotenpunkten und Lebensadern.
30:05Wie Autobahnen.
30:07Die sind für die Wirtschaft wichtig, aber auch für die Bundeswehr.
30:12Im Spannungsfall werden über die Autobahnen Menschen und Material nach Osten transportiert.
30:17Die Hauptrouten würden dann für den zivilen Verkehr ganz oder teilweise gesperrt werden.
30:25Aber was ist dann mit der Bevölkerung?
30:27Wie bekommt sie weiter Lebensmittel, Medikamente oder Benzin?
30:34Wir müssen dann als Landkreis, als Straßenverkehrsbehörde einfach den Plan B haben.
30:39Wie sehen die Strecken aus für die Bevölkerung, für die Logistikbranche, für all das, was sonst
30:44auf diesen Hauptstrecken läuft, um es durch unseren Landkreis zu führen und dann ist unsere
30:49Aufgabe als Landkreis sagen zu können, da und da geht es, aber auch da und da geht
30:55es nicht, weil vielleicht eine Brücke nicht mehr diese Tonnage hat, dass zum Beispiel sie
31:01am Tag so und so viel Lkw verkraften würde mit so einem Gewicht.
31:05Das ist die Bundesstraße 5, so und wenn man jetzt hier sieht, wir bringen rein logisch mal
31:12das Beispiel, wir haben einen NATO-Bündnisfall und die A24 würde ausfallen, dann wäre die
31:17Bundesstraße 5 an dem Punkt die nächste zentrale Straße zwischen Hamburg und Berlin als Transitstrecke
31:24sozusagen für Logistik.
31:26Was passiert aber, wenn zur gleichen Zeit eines NATO-Bündnisfalles ein in den letzten Jahren
31:32häufiger vorgekommenes Elbhochwasser stattfindet und zum Beispiel wir hier auch ein Szenario
31:36haben, wo wir in den Einsatz kommen.
31:38Da sieht man dann hier die unterschiedlichen Punkte, da sieht man hier zum Beispiel auch
31:41Versorgungspunkte, die dann über die Bundesstraße bestückt werden müssen, Krankenhäuser,
31:45Deiche, die verstärkt werden müssen im Zweifel und so weiter.
31:49Mehrere Krisen auf einmal.
31:51Truppenverlegung und beispielsweise ein Hochwasser.
31:54Das würde das zivile Leben im Landkreis ans Limit bringen.
32:03Deshalb spricht Stefan Sternberg heute im Landratsamt in Parchim mit der Bundeswehr, den sogenannten
32:09Blaulichtorganisationen aus seinem Landkreis und den Verwaltungen.
32:16Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Blaulichtfamilie, sehr geehrte Partnerinnen und
32:22Partner darüber hinaus, sehr geehrter Vertreter der Bundeswehr.
32:24Es geht ja heute auch darum, wie wir uns gut aufstellen.
32:29Ich will noch mal sagen, ich glaube, dass Ludwigslos Parchim für die Katastrophe an sich
32:35relativ gut aufgestellt ist, aber für eine multiple Krise, die kommen könnte, egal in
32:41welcher Konstellation, glauben wir oder sind wir von überzeugt.
32:45Und das haben wir auch im ersten Blaulichtfrühstück so ein bisschen herausgearbeitet, sind wir
32:48eben noch nicht an dem Punkt, dass wir sagen, da sind wir schon richtig gut und richtig fit
32:53und haben gut um die Ecke gedacht.
32:56Eines der Probleme, die heute besprochen werden sollen, viele Freiwillige arbeiten gleichzeitig
33:02bei der Feuerwehr, dem Rettungsdienst oder sind Reservisten.
33:06Aber welche Organisation darf im Ernstfall, in der mehrere Krisen gleichzeitig auftreten,
33:11mit der Personenplanen?
33:13Und wie soll die Arbeit vor Ort weiterlaufen, wenn die Bundeswehr wichtige Helfer einberuft?
33:19Was passiert denn eigentlich, wenn Einberufungen, wenn Heimatschutzreservisten und so weiter gebraucht
33:28werden und inwieweit hebelt das denn wieder unsere eventuellen Regelungen, die wir intern
33:34treffen, wiederum aus?
33:36Ohne das jetzt doof klingen zu lassen, aber so Unabkömmlichkeitserklärung, also wer in welcher
33:41Funktion darf hier bleiben, muss hier bleiben, wer wird von der Bundeswehr gezogen, wer
33:48werden können, weil wenn wir auf Land irgendwas machen und dann kretscht der Bund dazwischen,
33:52bringt uns das am Ende dann doch wieder nichts.
33:54Ich glaube, am Ende des Tages geht es darum, miteinander sich auseinanderzusetzen, dahingehend,
34:00wo die Person, die kann nun mal einmal nur eingesetzt werden, am effektivsten ist, in welcher
34:06Phase, welche Krise, beziehungsweise welcher Katastrophe und so weiter.
34:10Wir müssen uns klar werden, das eine ist die Unterstützungsleistung der Bundeswehr beim
34:15Aufmarsch.
34:17Ich glaube, das wesentlich Schwierige wird die Phase sein, wenn wir wirklich tatsächlich
34:21in der Situation des Kampfes sind und gegebenenfalls dann auch vielleicht in die Richtung von Ost
34:27nach West, was kommt, wie Flüchtlinge, wie Verwundete und so weiter und so fort.
34:33Ich glaube, das ist nachher tatsächlich noch für die zivile Verteilung und alles, was
34:38damit zusammenhängt, noch wesentlich interessanter.
34:41Sich auf das Schlimmste vorzubereiten.
34:43Ist das Alarmismus oder Verantwortungsbewusstsein?
34:47Wie findet man da das richtige Maß?
34:50Ich würde gerne nochmal auf diesen Punkt gehen, weil der ist ja alles entscheidend.
34:54Es gibt, das haben wir auch mit der Pressestelle sehr lange diskutiert, es gibt ja diesen Punkt
34:57zwischen, was meint der Bürger, empfindet er das als Panikmache oder nicht oder geben wir
35:04dem Bürger einfach das Gefühl, auch du kannst ein Teil sein, dich darauf vorzubereiten und
35:11einfach dir selber auch ein Sicherheitsgefühl zu geben.
35:14Und ich glaube, dass dieser Punkt, dass wir an diesen Punkt wirklich bis Mitte nächsten
35:19Jahres kommen müssen.
35:20Was ich mir aber nicht vorwerfen lassen möchte zukünftig oder wir als Haus, als Landkreis,
35:25dass man sagt, ihr habt ja nie was gesagt oder uns hat ja nie einer gezeigt, wie es geht.
35:37Medientag der Bundeswehr in Rostock.
35:39Eine inszenierte Show mit monumentaler Musik.
35:46Für Militärs, Medien, Politiker.
35:53Schon lange hat die Bundeswehr nicht mehr so viel wohlwollende Aufmerksamkeit bekommen.
36:01Es spricht der Chef der Bundeswehr, Generalinspekteur Carsten Breuer.
36:05Der Auftrag ist ganz klar. Wir verteidigen jeden Quadratzentimeter des Bündnisgebiets. Zu Land,
36:14zur See und in der Luft.
36:18Deutschland gibt zur Zeit so viel Geld für Verteidigung aus, wie seit Ende des Kalten Krieges
36:22nicht mehr. Es soll von allem mehr geben. Und alles soll moderner werden.
36:27Die Drohne wird durch das HP 47 gestört und kann sich nicht mehr eigenständig
36:32bewegen. Jetzt kommt der Argus-Interzepter zum Einsatz.
36:36Ein Abfangdrohne mit Netzwerker.
36:52Die Bundeswehr fährt alles auf, was sie hat.
37:00Der Höhepunkt, das Schiff macht sich unter Geleitschutz auf den Weg nach Litauen.
37:05Die Bundeswehr produziert solche Bilder bewusst. Sie sollen auch mögliche Feinde abschrecken.
37:24Doch steckt darin auch eine Nachricht für die Bevölkerung?
37:27Wenn jetzt hier Militärkolonnen durchs Land fahren, hunderte Fahrzeuge verladen werden
37:32und an die NATO-Ostwanke transportiert werden, was bedeutet das für die Menschen im Land?
37:37Müssen die sich Sorgen machen? Ich meine, man kann das ja als Zeichen sehen,
37:40dass viel Militär auf den Straßen bedeutet, dass sich die Lage zuspitzt.
37:45Ja, dem würde ich widersprechen. Warum?
37:51Weil wir üben ja, um eine Bedrohung abzuhalten.
37:55Wer nicht übt, kann nicht abschrecken.
37:57Weil der Gegner muss ja wissen, dass wir sowas können.
37:59Wir selber müssen wissen, dass wir das können.
38:01Wir haben es ja viele, viele Jahre gar nicht mehr geübt in einem solchen großen Rahmen.
38:05Wir haben ja erst 2019 wieder damit angefangen, mit den großen NATO-Übungen,
38:09solche Verlegungen von großen Truppenteilen zu tun.
38:15Zurück im Landratsamt in Parchim.
38:25So, ihr dürft raten.
38:28Ein Seminar zur Krisenvorbereitung.
38:30Das ist die Gefahr jetzt.
38:32Ganz genau, sehr richtig.
38:34Wenn es heißt Gefahr jetzt, und daher kommt das auch mit diesem Fliegeralarm ursprünglich mal,
38:40dann ist es tatsächlich so, dass ihr einmal in das Radio hört.
38:44Und dann kann es auch sein, dass ihr in Deckung gehen sollt, in geschlossene Räume gehen sollt.
38:49Dann fahrt ihr natürlich nicht mehr in die Kita.
38:50Weil die Kinder sind in der Kita erst mal gut aufgehoben, vor allem, wenn sie von uns geschult wurden, die
38:55Erzieherinnen.
38:56Also das ist hier die Gefahr jetzt.
39:00Die Katastrophenschützer des Landkreises sollen gut vorbereitet sein, damit sie im Ernstfall anderen besser helfen können.
39:07In diesem Seminar geht es darum zu lernen, was in der Krise zu tun ist.
39:11Bei einem Waldbrand, einem Hochwasser, einem Angriff.
39:17Es geht um entscheidende Details, wie zum Beispiel, was nehme ich mit, wenn ich mein Zuhause schnell verlassen muss,
39:24wenn keine Zeit mehr bleibt zum Packen.
39:28Bei der Räumung nehmt ihr nur mit, was ein Herz hat.
39:36Ich würde auch meine Katze und meinen Hund mitnehmen.
39:39Bei der Evakuierung habt ihr einen Moment Zeit.
39:47In der Regel ist es ja so, das kennt ihr vielleicht, habt ihr schon mal gehört, da kippt es vorher
39:51eine Info.
39:52Der Herr Sternberg macht auf den Social Media schon mal eine Info.
39:55Es könnte sein, dass dieser oder jener Ort evakuiert werden muss.
39:59Machen sie sich schon mal bereit und so weiter.
40:02Und dann ist es so, dass die einfach ein paar Minuten Zeit haben, Viertelstunde, Stunde, je nachdem, wie das der
40:07Plan ist.
40:08Und können dann evakuiert werden.
40:11Da nehmt ihr euren Rucksack mit.
40:14Diese Menschen haben Familie.
40:15Die haben Angehörige, die haben Tiere zu Hause.
40:19Und das heißt, die müssen auch einsatzfähig sein.
40:22Und wenn meine Familie nicht safe ist, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass zu Hause alles sicher ist,
40:26dann bin ich keine gute Einsatzkraft und theoretisch auch gar nicht einsatzfähig.
40:30Ihr habt fünf Minuten Zeit, holt euch mal bitte Material.
40:38Die Teilnehmer sollen sich eine Situation vorstellen, in der man nicht mehr eben einkaufen gehen kann.
40:46Und auch nicht weiß, wann der Bau oder Supermarkt wieder öffnet.
40:53In Zweierteams sollen sie sich überlegen, was gehört in solch einer Situation in den Rucksack.
41:00Dann fangen wir mal hier beim Buzzer an.
41:03Ja, wir haben zwei Dosen, einmal Truthahn und Kichererbse.
41:07Wir haben den Vorteil, dass wir einen Verschluss haben, den wir aufkriegen.
41:11Das ist ja bei der Variolidose, glaube ich, nicht der Fall.
41:14Ja, die Dose kann man auch vielseitig einsetzen, zum Trinken, Kochen, draus essen, um was zu transportieren.
41:22Oder auch was auszubuddeln, wie auch immer.
41:25Ja, was haben wir? Ich nehme mir mal zum Beispiel die Handschuhe.
41:29Man kann irgendwelche Sachen anfassen, die man sonst vielleicht nicht anfassen möchte, um sich selbst zu schützen.
41:34Selbstschutz ist da eben ganz wichtig.
41:37Man kann damit aber auch zum Beispiel Wasser irgendwo her transportieren, wenn ich nichts anderes habe.
41:42Das sollte für jede Person vorrätig sein.
41:45Sehr gut. Darum ist es extrem wichtig, dass ihr eure Hände nicht verletzt, dass ihr euch keine Infektionen zuzieht,
41:54dass ihr keine Pilzinfektionen unter den Achseln habt, in den Ellenbeugen,
41:59dass ihr euch nicht irgendwo ein Bakterium einfangt, dass ihr euch nicht eine Sepsis holt.
42:04Das ist extrem wichtig.
42:06Denn die regulären Rettungsdienstkrankenhausversorgungen stehen im Zweifelsfall nicht zur Verfügung.
42:13Für sich selbst sorgen und vorsorgen, das müsste eigentlich jeder und jede, sagt das zuständige Bundesamt für Katastrophenschutz.
42:22Es empfiehlt, dass die gesamte Bevölkerung gut informiert und gut ausgestattet ist,
42:27zum Beispiel mit ausreichend Lebensmitteln und Wasser.
42:31Ich glaube, dass es wichtig ist, den Menschen um den Kirchturm herum abzuholen und zu gucken,
42:36mal zu übersetzen aus dieser großen Weltsprache in die eigene Region.
42:43Ich bin ein ganz großer Freund davon, gewisse Teile einfach auch zu kommunizieren und zu sagen,
42:48wir rüsten ja nicht auf, weil wir jetzt alle Lust darauf haben, hier Krieg zu spielen,
42:52sondern wir Landkreise rüsten ja in Wirklichkeit auch auf.
42:56Aber wir rüsten auf, um gut vorbereitet zu sein, um ein öffentliches, ziviles Leben weiter stattfinden zu lassen.
43:02Und das muss ja nicht unbedingt sein, dass wir sagen, uh, uh, uh, wird alles ganz schlimm, die Welt geht
43:07unter,
43:08sondern hey, wir haben einen Plan, wir kriegen das gemeinsam hin, egal was in nächster Zeit kommt.
43:17Ob Unwetter, Pandemie, Energieengpässe oder internationale Konflikte,
43:24Kommunen und Landkreise spielen bei Krisen eine Schlüsselrolle.
43:30Wie gut die Gesellschaft vorbereitet, wie resilient sie ist, entscheidet sich auch vor Ort, vor der Haustür.
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