Skip to playerSkip to main content
  • 19 hours ago

Category

📺
TV
Transcript
00:00Lustseuche oder Schwulenkrebs.
00:03Angst, Ausgrenzung, Verlust.
00:06Nach fast einem Jahr war sie der Antwort.
00:08Seit der Aids-Krise in den 80ern, knapp 34.000 Tote allein in Deutschland.
00:13Claude hat seinen Onkel schon als Kind an Aids verloren.
00:17Ich habe Fragen über meinen Onkel.
00:18Und ich helfe bei der Suche nach Antworten.
00:21Schnell wird klar, Onkel Fred war eine zentrale Figur aus der Queeren-Community in München.
00:26Das ist Fred.
00:27So ist er durch die Stadt marschiert.
00:29Die Spur führt zu einem alten Freund mit neuen Antworten.
00:32Doch dieses Why History taucht auch in die Aids-Zeit ein und in einen harten gesellschaftlichen Kampf.
00:39Jetzt haben wir wieder was, wo man die Homosexuellen irgendwo wieder dingfest machen kann.
00:43Dieser Rand muss dünner gemacht werden. Er muss ausgedünnt werden.
00:47Was war los in den 80ern, als ein neues Virus eine tödliche Krankheit bringt?
00:54Aids ist eine eigene Kraft, die dich zerstört.
00:57Welche Spuren hat die Aids-Krise bis heute hinterlassen?
01:01Entweder ist es HIV oder es ist Krebs. Und ich dachte mir so, hoffentlich ist es Krebs.
01:06Und bekommt Claude die Antworten, die er sich erhofft.
01:15Ich bin in Stuttgart, weil Claude mir geschrieben hat. Er hat nämlich meinen Podcast gehört. Dazu später mehr.
01:21Hallo Claude. Hi. Freue mich. Hallo.
01:24Es geht um seinen Onkel, der in den 80ern eine Bar in München hatte.
01:30Mein Onkel hatte am Glockenbachviertel eine Spurenbar. War glaube ich auch die erste und einzigste, wo halt eben Pornos laufen
01:39durften.
01:39Okay, krass.
01:40Und genau, ich war als Kind dann auch schon ab und zu mal drin, also tagsüber und hab Flipper gespielt.
01:47Gute Erinnerungen. Aber dann bekommt Claudes Onkel Fred eine HIV-Diagnose und wird krank. Er stirbt 1998.
01:56Seitdem sind bei Claude viele Fragen immer lauter geworden.
02:00Mein Vater hat Demenz. Und dann, wir haben zwar auch oft über Fred gesprochen, aber es war für mich und
02:06meine Frau immer ein bisschen schwierig einzuordnen, stimmt das jetzt?
02:10Man hat dann ganz gut mit dem Podcast gepasst, dass ich dachte, okay, jetzt frage ich mal nach.
02:16Denn für einen Podcast haben vier KollegInnen und ich zur Aids-Krise in München recherchiert. Claude hofft deswegen, dass ich
02:23helfen kann.
02:24Hier in der Küste waren jede Menge Fotos drin.
02:28Boah, es ist viel auch noch. Cool. Und wo ist er hier?
02:31Genau. Ich vermute, das ist New York. Das da, witzigerweise, bin ich mit ihm. Ich geh jetzt mal davon aus,
02:39dass ich da drei oder vier bin, also 89, 90 rum.
02:43Was ich hier noch nicht weiß, Onkel Fred wird sich als richtig wichtiger Player in der queeren Community von damals
02:50entpuppen.
02:51Mich würde es einfach interessieren, was er für ein Mensch war. Und klar, wie offen er mit seiner Sexualität gelebt
02:59hat in München.
03:00Wie er mit seiner Infektion gelebt hat. Ob das irgendwie ein Thema in dem Freundeskreis war.
03:07Das sagt mir jetzt, dass du diese Suche nach Antworten schon irgendwie ernst meinst.
03:12Ja, voll.
03:13Damals war Claude zu jung, um diese Fragen zu stellen. Gerade mal 13, als Onkel Fred gestorben ist.
03:19Heute ist Claude ihm dankbar. Auch, weil er ziemlich gut von ihm geerbt hat.
03:25Diesen alten Fernsehmitschnitt hat Claude bei seinem Vater gefunden.
03:29Onkel Fred wird hier in seiner Bar Fred's Pub interviewt. Weil er im Lotto gewonnen hat.
03:34Ich kann nur sagen, dass es Juni 82 war, als ich den ersten Sechser gehabt habe. Und zweieinhalb Jahre später
03:45kam nun halt der Zweite. Und nun warte ich auf den Dritten. Das wäre natürlich zu viel, aber ich würde
03:54mich freuen.
03:54Ich frage mich auch manchmal, hätte er lieber Gesundheit gehabt und nichts gewonnen oder so. Ja.
04:04Ich schaue mal, was ich herausfinden kann. Ich denke mir auch so ein bisschen, viele Zeitzeugen sind einfach nicht mehr
04:10da und nicht mehr am Leben.
04:11Ich würde es mal bei Sabrina probieren. Die kenne ich auch durch den Podcast und die arbeitet im Queeren Archiv
04:17in München.
04:18Der Podcast. Genau. Für den haben ein Team und ich mit ZeitzeugInnen der Aids-Krise gesprochen.
04:24Ich lebe seit vier Jahren in München und durch die Recherche habe ich mehr über das queere Leben vor mir
04:30erfahren und die gesprochen, die vor mir kamen.
04:33Das hat mir gezeigt, wie sehr die Aids-Krise alles verändert hat.
04:39Denn vor Aids gab es in München dutzende queere Bars und Clubs. Eine große queere Szene.
04:45Und das trotz Paragraf 175 der Homosexualität bis 1969 kriminalisierte.
04:52Trotzdem. Die Community war hier so lebendig, dass sogar er hier fünf Jahre lang gelebt hat.
05:00Freddy Mercury.
05:02Dieses Musikvideo hat er im Old Mrs. Henderson gedreht.
05:06Eine der Münchner Gay-Bars zu der Zeit.
05:17Jetzt frage ich mich, wie war diese Zeit für Onkel Fred?
05:21Hallo Sabrina.
05:23Hi, grüß dich.
05:24Sabrina Berndt arbeitet in Münchens queerem Archiv und kennt die Community hier ungefähr tausendmal so gut wie ich.
05:32Also ich bin 1973 das erste Mal nach München gekommen. Gleich natürlich in die Community.
05:37Ich komme ja vom Land und war natürlich dann München geflasht.
05:43Sabrina hat hier schon alles erlebt. Hatte hier sogar ihre Transition zur Frau. Und sie kennt die Stadt in-
05:49und auswendig.
05:50Das heißt, du warst also im Fred's Pub?
05:53Ich war im Fred's Pub. Da habe ich sogar meinen ersten Freund kennengelernt.
05:56Was?
05:56Ja, also wo ich nach 1973 gekommen bin, musste man noch klopfen an der Tür. Dann ging so ein kleines
06:02Schieberchen auf und dann, ah ja, grüß dich, du bist es. Und dann durftest du rein.
06:06Du kanntest auch Fred, den Barbetreiber?
06:09Absolut kannte ich auch. Also vom Sehen halt, ich kannte ihn nicht näher. Das muss ich ganz ehrlich sagen.
06:15Schade. Aber wir sind ja hier immerhin im Queeren Archiv.
06:19In dem Rhein, oder?
06:20München von hinten.
06:21Ja, genau.
06:21Was der Titel wohl bedeutet.
06:23Ja, was der zu öfter.
06:24Ich weiß nicht, dass das nur heißen kann.
06:26Was heißt das genau?
06:28Eine Art queerer Stadtguide aus den 80ern.
06:31Ah, das sind wir ja schon. Eben.
06:34Freie krass.
06:34So, Sarah.
06:36Das ist Fred.
06:37Das ist Fred.
06:38Cloths Onkel. In Drag. Was Cloth da wohl zu sagen wird. Und ein Interview mit Fred, in dem auch sein
06:44Barkeeper erwähnt wird.
06:46Ja, der Barkeeper, aber ich weiß nicht, wo der ist. Aber du könntest zum Beispiel den Seppi fragen. Der ist
06:50auch ziemlich oft im Fred's Pub gewesen.
06:52Und er hat mir da erzählt auch, dass er eben zum Schluss nochmal bei ihm in Starnberg war, wo er
06:59in der Klinik war und ihn besucht hat.
07:02Seppi, der am Ende noch bei Fred war. Eine neue Spur. Und Sabrina gibt mir den Kontakt. Aber diese Fotos
07:09hier zeigen schon, wie Fred drauf war.
07:11So ist er durch die Stadt marschiert. Kein Mensch hat das gestört damals.
07:16Meinst du, man hat sich damals freier gefühlt als jetzt?
07:19Viel freier. Also in den 70er und 80er Jahren. Bis Anfang, ja, bis dann zur Aids-Ding-Zeit.
07:26Aids. Das ist ein neues Schreckenswort aus der Medizin. Eine noch weitgehend unerforschte Krankheit, die auch als Lustseuche oder Schwulenkrebs
07:35in die Berichterstattung eingegangen ist.
07:37Haben Sie Angst vor Aids? Ja, natürlich.
07:42In den USA tritt Aids zuerst auf. Vor allem Schwule erkranken und sterben daran.
07:49Anfang der 80er Jahre werden dann auch die ersten Fälle in Deutschland festgestellt.
07:56Sabrina erinnert sich, wie das Virus in die queere Community einschlägt.
08:01Eine Freundin von mir, die mit mir Schaukollegin war. Und sie hat dann auf einmal zu mir gesagt, du stell
08:07dir vor, jetzt muss ich dir mal was sagen.
08:09Ich habe da so eine Krankheit und da stirbt man dann dran.
08:13Da habe ich gesagt, was? Was meinst du jetzt? Das war so wie so ein Hammer.
08:19Und ja, nach fast einem Jahr war sie dann tot.
08:23Was in den Berichten damals direkt mitschwingt, homofeindlicher Sprech.
08:27Noch einmal ein Homosexueller zu Aids.
08:30Das heißt, sie geben nicht den Rat, den Lebensstil oder die sexuellen Praktiken umzustellen oder zu ändern.
08:37Den einzigen Rat, den wir guten Herzens geben können, ist für die Leute, die sich viel in der Subkultur aufhalten,
08:44dass sie ihre Partner in überschaubaren Grenzen halten.
08:47Mein Gefühl ist, jetzt haben wir wieder was, wo man die Homosexuellen irgendwo wieder dingfest machen kann.
08:54Und da wird wieder vergessen, dass also auch gerade die Schwulen ja dann unter der Krankheit leiden.
08:58Warum und weshalb das so ist, weiß man ja noch nicht.
09:01Wir müssen annehmen, dass der Erreger vorwiegend durch Blut und Blutprodukte, Körperflüssigkeiten übertragen wird.
09:10Der häufigste Übertragungsweg ist der Intimkontakt.
09:14Im April 1984 dann endlich der erste große Durchbruch in der Forschung.
09:20Die amerikanische Gesundheitsministerin Heckler teilte mit, als wahrscheinlicher Erreger dieser Immunabwehrschwäche
09:26sei die Variante eines Krebsvirus von dem Nationalen Institut für Krebsforschung in Washington ermittelt worden.
09:32Heute weiß man, Krebsvirus stimmt nicht.
09:35Aber es handelt sich tatsächlich um ein Virus.
09:38Trotzdem, zu Beginn bleibt diese Angst, weil unklar ist, wie genau HIV übertragen wird.
09:44Auch bei Claude, als sein Onkel Fred auf einmal krank wird.
09:48Ich muss ehrlich sagen, als Kind denkt man sich so, oh, hier kann ich mich jetzt auf die Toilette setzen.
09:53Oder kann ich das gleiche Handtuch benutzen wie er?
09:56Ah ja, es ist da in dem Handtuch kein Blut oder so.
09:59Aber ja, ich war halt irgendwie so gar nicht aufgeklärt.
10:03Aber trotzdem habe ich ihm die Hand gegeben und geknuddelt.
10:06Sehr viel Verunsicherung.
10:09Vor allem für diejenigen, die infiziert sind.
10:11Menschen wie Fred.
10:13Für sie führte der Weg dann in die Klinik.
10:16Und ich will wissen, was dort los war.
10:19Hallo.
10:20Hallo Herr Jäger, auf Los geht's los.
10:22Freut mich, dass das klappt.
10:24Dr. Hans Jäger will den PatientInnen damals helfen.
10:27Doch hier im Schwabinger Krankenhaus fehlen Forschungsgelder und ein Medikament gegen HIV.
10:33Wie kann ich es mir vorstellen, also Sie arbeiten hier, Sie haben aber kein Medikament.
10:37Sie sind gerade überhaupt noch am Erforschen dieser Krankheit oder von diesem Virus.
10:41Also was kann man überhaupt in der Arbeit anbieten, den Patienten?
10:44Ja, zunächst mal Verständnis, weil sie sich nirgendwo ernst genommen fühlen,
10:48weil sie sich nicht trauen, über ihre Krankung zu sprechen,
10:50weil die Familien meistens ihnen nicht zur Verfügung stehen
10:53und die Freunde aus Angst sich von ihnen getrennt haben.
10:56Und wenn dann einer da ist, der zum Beispiel als Arzt eine körperliche Untersuchung macht,
11:00das hört sich komisch an, aber das ist direkt therapeutisch auch gewesen.
11:04Dass sie gesehen haben, man hat keine Angst, sie anzufassen.
11:07Jäger behandelt die Symptome der HIV-Infektion, oft Lungenentzündungen.
11:12Zeitgleich kämpft er für mehr Forschungsgelder ohne Erfolg.
11:16Während die Fallzahlen steigen, steht ihm damals nur dieser kleine Raum zur Verfügung.
11:21Es war ganz anders eingerichtet als jetzt.
11:24Es gab einen Schreibtisch, es gab ein Telefon, es gab ein Untersuchungsbett.
11:27Genau hier fanden die allerersten Untersuchungen von HIV-Patientinnen in München statt.
11:33Die Tür zum Büro war damals geschlossen.
11:36Dr. Jägers Arbeit war versteckt.
11:42Neben der Schuppenflechte zeigt dieser Patient die dunkelroten Wucherungen des Kaposchisarkoms,
11:48die typisch sind für das Vollbild von AIDS.
11:50Auch die Münchner Ärzte versuchen, die Infektionen mit Medikamenten zu bekämpfen.
11:55Aber die Ursache können sie nicht beheben.
11:59Wer eine AIDS-Station besucht, der spürt jene Atmosphäre, die den Lazaretz eigen ist.
12:06Draußen ist Krieg und hier sterben junge Menschen.
12:10Was ist die schlimmste Belastung, Schwester Corinna?
12:12Ich würde sagen, das ganze Drumherum um den Patienten, das ganze Umfeld.
12:21Dass es bei uns nicht wie auf einer normalen Station ist, sondern dass wir teilweise die Familie für den Patienten
12:28sind.
12:29Es ist ein immer wieder wütend werden darüber, dass diese Menschen so früh sterben müssen.
12:33Und auch immer wieder ein Kämpfen eigentlich darum, das Leben irgendwie zu verlängern.
12:39Und wenn es auch nur um ein, zwei Monate länger ist.
12:42Die Familien wenden sich damals oft ab, wegen der Krankheit oder wegen der sexuellen Orientierung,
12:48von der sie plötzlich und zwangsläufig mitbekommen.
12:51Und dann sind da immer noch die vielen Vorurteile, auch auf Stationen, wie Dr. Jäger 1986 erklärt.
12:57Es sind gestern zwei neue Schwestern auf meine Station gekommen.
13:00Und die haben genauso viel Angst wie andere Menschen in der Bevölkerung.
13:04Und wir sehen immer wieder, dass manche Krankenschwester nicht das Tablett in das Zimmer reingebracht hat,
13:08weil sie Angst hatte, sich anzustecken, ihre Familie zu gefährden.
13:18Das Klima in München wird immer angespannter und 1985 verlässt Freddie Mercury die Stadt.
13:25Erst später wird klar, auch er hat sich mit HIV infiziert.
13:29Dann endlich die erste gute Nachricht.
13:33Ich habe keine Fieberschübe mehr und der Nachtschweiß, letzten Nacht.
13:391987 kommt AZT auf den Markt.
13:42Das erste Medikament, um HIV zu behandeln.
13:46Die Patientinnen bekommen dadurch mehr Zeit.
13:48Doch durch die ständige Veränderung des Aids-Virus kann es aber passieren, dass AZT nach einer gewissen Zeit nicht mehr
13:56wirkt.
13:57Heißt, bei Dr. Jäger auf Stationen sterben damals weiterhin Patientinnen mit Aids.
14:03Hier im Krankenhaus werden manchmal 20 Aids-Patientinnen gleichzeitig stationär behandelt.
14:09Eine Frage habe ich noch an Sie und zwar hat mir jemand auf Instagram geschrieben, der Claude und dessen Onkel
14:14ist an Aids verstorben und zwar 98.
14:17Und der fragt sich jetzt, wann hat sich mein Onkel womit HIV infiziert?
14:21Kann man das zurückrechnen?
14:23Nein, das kann man nicht zurückrechnen.
14:24Im Allgemeinen ist es aber so, man kann Mittelwerte sagen.
14:27Und der Mittelwert ist so, dass die, was man bei anderen Infektionskrankheiten Inkubationszeit nennt, acht Jahre ist.
14:33Das heißt, das ist eigentlich viel schlimmer, als wenn es drei Tage ist.
14:37Das heißt, 98 ist der gestorben.
14:39Dann hat er sich wahrscheinlich ungefähr 1990 angesteckt im Mittel.
14:43Ein ungefährer Anhaltspunkt.
14:46So, also jetzt ist dieser Drehtag irgendwie um.
14:49Ich bin ziemlich K.O.
14:51Ich glaube, es liegt aber nicht nur daran, dass ich viel Zeit jetzt hier mit Dr. Jäger auf der ehemaligen
14:5618B verbracht habe,
14:57sondern vor allem daran, was er erzählt hat.
15:00Ich kann es mir kaum vorstellen, dass er da hinter verschlossenen Türen so halbheimlich diese schwulen Patienten behandelt hat.
15:07Ja, da kann ich nur sagen Respekt, dass er es trotzdem gemacht hat und dass er sich gedacht hat,
15:10ich muss mich aber irgendwie für die gute Sache einsetzen und gegen Diskriminierung.
15:14Denn die Diskriminierung wird Mitte der 80er immer schlimmer und ein krasser Vorschlag steht im Raum.
15:22Diese Vereinigung hat mich schon vorher kontaktiert und fordert dazu auf,
15:25dass Menschen tätowiert werden an Stellen, die nicht einsehbar, so doch aber beim sexuellen Kontakt sichtbar sind.
15:31Und ich glaube, dass wir noch längst nicht fertig sind mit der Bekämpfung von Vorurteilen.
15:35Und ich glaube, dass da unsere Hauptstoßrichtung sein muss, wenn wir etwas gegen Aids tun wollen.
15:39Dann müssen wir diese Diskriminierung verhindern.
15:42Manche fangen sogar an, ihre HIV-positiven Mitmenschen zu denunzieren.
15:47Ich habe die Arbeit verloren durch einen anonymen Anruf bei der Firma, wo ich damals gearbeitet habe.
15:54Ich habe vorhin ein sehr gutes Verhältnis gehabt zu den Nachbarsleuten, aber jetzt gehen die Türen zu, wenn ich komme
15:59oder ich werde nicht mehr gegrüßt.
16:01Ich sitze zum Beispiel bei mir zu Hause in der Wohnung und fühle mich irgendwo lebendig begraben.
16:05Dazu kommt, homophobe Aussagen werden in der Politik wieder salonfähiger.
16:10Wie hier beim bayerischen CSU-Kultusminister Hans Zehertmeier.
16:14Wenn man für die homosexuelle Szene ein Verständnis hat, darum geht es doch nicht.
16:19Sondern es geht darum, dass man klar machen muss, dass dies contra natura ist.
16:23Wir müssen endlich wieder den Schutz der vielen in der Bevölkerung als zentrales Ziel im Auge sehen.
16:30Und nicht uns nur darum bewegen, wer am Rand noch besser verstanden werden kann.
16:35Dieser Rand muss dünner gemacht werden, er muss ausgedünnt werden.
16:39Und ein weiterer Player wird laut. Peter Gauweiler, CSU-Staatssekretär im Innenministerium.
16:46Sollen wir weiter ganz bestimmte Saunaclubs durchführen lassen, in dem massenhafter Analverkehr betrieben wird?
16:52Sollen wir weiter völlig ungestört, ohne jede ärztliche Betreuung, an jeder Ecke in den Bahnhofsvierteln, Stricherecken einfach gehen lassen und
17:00wegschauen?
17:01Der Höhepunkt, Bayern führt 1987 den sogenannten Maßnahmenkatalog ein.
17:08Absonderungen finden statt in Krankenhäusern oder therapeutischen Einrichtungen.
17:17Dieser Maßnahmenkatalog ermöglicht unter anderem Zwangstests von Prostituierten oder Strafgefangenen.
17:25Ich finde, das ist eine Diskriminierung von Minderheiten. Und Minderheiten sind nicht alleine erzkrank.
17:32Zeitgleich kämpft sie für einen anderen Kurs.
17:36Süßmuth.
17:37CDU-Bundesgesundheitsministerin Rita Süßmuth.
17:40Zunächst muss ich einmal sagen, dass ich die Vorschläge in der gemachten Form für so nicht verantwortbar halte, weil sie
17:48in der Öffentlichkeit zwangsläufig die Vorstellung vermitteln müssen, hier geht es um die Einrichtung von Zwangslagern.
17:55Ab jetzt heißt es in der Aids-Politik Süßmuth versus Gauweiler. Wer setzt sich durch?
18:03Ich habe gute Neuigkeiten, denn ich konnte Sepp erreichen. Das ist der Typ, von dem Sabrina im Archiv meinte, dass
18:09der Onkel Fred ziemlich gut kannte.
18:11Und Sepp meint, stimmt, ich kannte den. Und wir können uns treffen, sogar zusammen mit Claude. Also das ist ziemlich
18:17cool.
18:17Das Einzige ist, ich bin jetzt auch so ein bisschen nervös, weil ich mir nicht sicher bin, ob er auch
18:23wirklich die Antworten geben kann, auf die Claude hofft.
18:27Bevor es soweit ist, habe ich noch ein weiteres, letztes Treffen vor mir. Hier beim CSD in Nürnberg.
18:34Denn mit Blick auf die restriktive Politik in den 80ern will ich wissen, wie wehrt man sich gegen Diskriminierung?
18:40Gerade das Thema HIV innerhalb dieser Community ist auch noch sehr Sigma behaftet.
18:46Also ja, die Aufklärung hat zugenommen, aber nichtsdestotrotz, auch da ist die Sichtbarkeit innerhalb der Community wichtig, an dem CSD
18:53als HIV-positiver Mensch in Erscheinung zu treten.
18:56Ich meine, ich versuche es heute mit dem Shirt.
18:59Sebastian lebt mit HIV. Undetectable equals untransmittable.
19:04Heißt, unter Therapie kann HIV heutzutage nicht mehr übertragen werden, auch nicht beim Geschlechtsverkehr.
19:10Trotzdem gibt es immer noch viele Vorurteile und Falschinformationen.
19:15Bist du beim Physiotherapeuten und der zieht sich drei Paar Plastikhandschuhe drüber, bevor du dich massieren?
19:21Bist du in der Arztpraxis und du wirst da nicht behandelt, vielleicht sogar abgewiesen?
19:25Erzählst du es der Familie und dann wollen die Eltern mit dir nichts mehr zu tun haben?
19:29Immer noch Ausgrenzung und Vorurteile.
19:32Deswegen will Sebastian hier beim CSD in Nürnberg laut sein.
19:37Gerade in der aktuellen politischen Situation, weil es mit unserem Bundeskanzler, der sagt, ein Zirkus muss man einfach zeigen, Sichtbarkeit
19:47ist wichtig.
19:48Und da ist es umso wichtiger, dass die Veranstaltung durchgeführt werden kann, dass ein CSD stattfinden kann.
19:54Denn CSD-Veranstaltungen standen 2025 unter Druck. Eine Drohung in Regensburg, verschärfte Sicherheit in München.
20:03Und am Bundestag wurde die Regenbogenfahne zum CSD nicht gehisst. Stattdessen aber ein Zeichen der Solidarität aus Bayern.
20:11Hier hing die Flagge am Landtag.
20:13Wir entscheiden das so, weil wir glauben, dass es auch demokratische Werte damit verbunden sind, eben diese Toleranz und deswegen
20:19machen wir das.
20:19Ob auch Klotsonkel Fred solidarisch mit der Community war? Später finde ich noch eine Antwort darauf.
20:26Demonstrieren. Wie vor 38 Jahren in München.
20:32Die erste bayerische Demonstration in Solidarität mit Aids-Kranken zieht durch die Stadt.
20:40Ein Protest, der sich auch gegen Gauweiler und gegen den Maßnahmenkatalog richtet.
20:48Zusammengefasst kann eine solche Politik nur als legalisierte staatliche Gewalttätigkeit bezeichnet werden.
21:00Gesundheitsministerin Süßmuth setzt sich für einen Aids-Kurs der Aufklärung ein.
21:04Wie wir mit Aids umgehen, wird darüber entscheiden, ob wir in unserer Gesellschaft fähig sind zu Eigenverantwortung und Solidarität.
21:17Wenn uns dies gelingt, können wir Aids besiegen.
21:22Unter ihr entstehen Aufklärungsspots wie der hier.
21:25Tina!
21:26Was kosten die Kondome?
21:31Drei, neunundneunzig.
21:33Nein, zwei, neunundneunzig.
21:35Die sind neben Sonderangebot.
21:38Kondome schützen.
21:41Protest macht sich breit.
21:43Im ganzen Land.
21:44Und Mitgefühl mit den Kranken und Verstorbenen.
21:48Schließlich setzt sich Süßmuths Aufklärungskurs durch.
21:54Aber was ist übrig geblieben von diesem vorurteilbehafteten Bild über HIV-Positive aus den 80ern?
22:01Ich treffe Sebastian noch einmal zu Hause.
22:03Du hast dein positives Testergebnis vor wie vielen Jahren erhalten?
22:07Vor zwölf Jahren.
22:09Da war ich 21.
22:10Also ich bin jetzt 33.
22:11Ich war gesundheitlich zu der Zeit wirklich nicht fit.
22:14Also mir ging es nicht gut.
22:15Extreme Müdigkeit, Abgeschlagenheit, wirklich keine Energie gehabt.
22:19Und natürlich sucht man dann danach.
22:21Und ich war dann unter anderem, habe ich auch eine Magenspiegelung machen lassen und habe da den Befundbericht bekommen.
22:26Und da wurde festgestellt, dass ich in der Speiseröhre im Hals eine Pilzinfektion habe.
22:32Sebastian googelt nach Gründen.
22:33Und online steht.
22:35Entweder ist es HIV oder es ist Krebs.
22:38Und ich dachte mir so, hoffentlich ist es Krebs.
22:41Okay.
22:42Aber auch eine krasse Reaktion, oder?
22:43Also hattest du das Gefühl, wenn ich Leuten erzähle, ich habe Krebs, das nehmen die eher an.
22:49Oder da werde ich weniger für geblamed, als wenn ich sage, ich habe HIV.
22:52Ja.
22:53So habe ich damals tatsächlich gedacht.
22:54Also das war mein Gedanke.
22:55Es ging gar nicht um meine Gesundheit in dem Moment, sondern, oh Gott, wie gehen andere Leute damit um.
23:00Diese Angst vor Diskriminierung bei Sebastian, das war 2013, immer noch.
23:05Er entscheidet sich für einen HIV-Test.
23:07Und der ist positiv.
23:08Ich dachte damals auch, das bedeutet für mich Tod. HIV ist gleich Aids, ist gleich Tod.
23:15Hatte ich für mich halt noch so im Kopf.
23:16Das hat sich so eingeprägt aus den 80er, 90ern, was man halt so mitgenommen hat.
23:21Doch Sebastians engste Leute stehen zu ihm.
23:24Und beim Arzt bekommt er dann endlich die richtigen Medikamente.
23:27Du kannst mit HIV halt einfach normal leben.
23:29Du kannst ein ganz normales Leben führen.
23:31Du hast eine normale Lebenserwartung, wie Leute ohne HIV auch.
23:35Und ja, von daher merke ich im Alltag eigentlich keinen Unterschied für mich.
23:39Wer mit HIV lebt, kann entweder täglich eine Tablette nehmen oder monatlich eine Spritze beim Arzt bekommen.
23:46Beim CSD habe ich auch Zuschauende gefragt, wie sie heute über HIV denken und ob das überhaupt noch ein Thema
23:52ist.
23:53Wenn man PrEP hat, denkt man dann nicht mehr dran.
23:55Ja.
23:55Sag ich, wie es ist.
23:56Echt?
23:56Na?
23:57Ja, PrEP ist schon gut, die nehme ich auch, ist eine Ratnung.
24:00Aber trotzdem würde ich jetzt nicht mit irgendwo Wildbremden ohne Rundvögel.
24:07PrEP ist ein Medikament zur Prävention.
24:09Bei richtiger Einnahme schützt es vor HIV.
24:11Das Problem ist ja heutzutage, dass die Leute sich auf die PrEP verlassen und dadurch eben die ganzen anderen Krankheiten
24:18sich dann verfreien.
24:19Wenn man darauf achtet, dann macht man schon Tests so einmal im Jahr.
24:21Die Aids-Hilfe hat in Nürnberg auch mitdemonstriert.
24:25Sie will weiter aufklären.
24:29So, heute ist der große Tag, denn heute treffen Claude und Sepp aufeinander.
24:34Sepp, der kannte ja Onkel Fred anscheinend ziemlich gut und ich hoffe jetzt, dass er Claude die Antworten geben kann,
24:40nach denen er sucht.
24:41Bevor die beiden aufeinandertreffen, will ich Claude aber alleine sehen, denn ich will ihm erstmal das hier zeigen.
24:46Ist er das?
24:46Ja, das ist er.
24:48Ich bin echt aufgeregt, weil ich hoffe, dass Claude auch wirklich Antworten bekommt und dass er mit diesen Antworten gut
24:55leben kann.
24:56Ja, ich bin sehr gespannt, muss ich sagen.
24:59Ich habe auf jeden Fall eine Sache mal direkt dabei.
25:02Und zwar habe ich dieses Büchlein gefunden.
25:04Ach, witzig.
25:04Reiter zurück, ja.
25:06Okay, ja.
25:07Also ist das mein Onkel oder wie?
25:08Das ist sein Onkel.
25:09Nee, echt.
25:09Ach, witzig.
25:10Kaum zu erkennen.
25:12Krass.
25:13Voll krass.
25:14Ja, ich finde es toll.
25:15Ja, ich finde es gibt, glaube ich, eine ganz gute Antwort schon auch auf die Frage, ist er offen mit
25:20seiner Sexualität umgegangen?
25:22Ja.
25:22Oder?
25:23Das stimmt wohl, ja.
25:24Ich habe auch nochmal mit dem Autor gesprochen, der diesen Artikel geschrieben hat, dieses Interview geführt hat.
25:28Und der hat mir was ganz Schönes erzählt und zwar war das ja so, dass der Paragraph 175, sagt er
25:34dir was?
25:34Ja.
25:34Dass Schwule da tatsächlich auch noch im Knast landen konnten.
25:37Genau.
25:39Fürs Schwulsein.
25:40Und da war das wohl so, dass der Fred immer zu seinen Leuten in der Bar gesagt hat, na, hast
25:44du schon gehört?
25:45Der und der sitzt gerade im Knast, geh den bitte mal besuchen, dass der nicht so alleine ist.
25:48Ach, schön.
25:49Dass er irgendwie so für die Community irgendwie da war.
25:54Und eben so hilfsbereit und so.
25:56Also klar, so habe ich ihn irgendwie ja auch in Erinnerung.
26:01Ja, schön.
26:02Und dann erzähle ich Claude, dass ich uns noch mit jemand Besonderem verabredet habe.
26:06Und den können wir jetzt gleich mal treffen.
26:08Schön.
26:09Mega.
26:09Hättest du Lust?
26:10Ja, voll, klar.
26:11Ich auch.
26:12Ob Claude seinen Onkel Fred jetzt nochmal komplett neu kennenlernen wird?
26:17Hi.
26:17Servus.
26:18Das ist der Claude.
26:19Hi, servus.
26:20Und dem sollte dir auch geht's, Claude.
26:21Ich habe uns dreien hier im Glockenbachviertel einen Platz in einer queeren Bar reserviert.
26:26Jetzt geht's los.
26:28Also Fred ist gestorben, als ich 13 oder 14 war.
26:32Da hatte man noch nicht so die Fragen, jetzt als Erwachsener, wenn man auch eine eigene Familie hat.
26:37Und schön, dass es jemanden gibt, der ihn kannte.
26:39Ja, ich habe ihn gut gekannt, ja.
26:41Wir waren befreundet.
26:43Sepp erzählt uns, dass er in den 80ern dort gekellnert hat, wo Fred immer essen ging.
26:48Und irgendwann kam dann halt auch Sepp zu Fred in die Bar.
26:51Eine Bar, in der nicht nur getrunken wurde.
26:56Das war bekannt dafür, dass man da also mal was abschleppen konnte.
27:01Und Fred hat auch immer gesagt, den kannst du mitnehmen, den lass lieber die Finger weg.
27:05Und der hat sich da drum gekümmert.
27:09Freds Pub war auch ein Ort für Sexarbeit.
27:12Eben war Fred für mich noch der Fürsorgliche.
27:15Jetzt ist er auch der knallharte Geschäftsmann.
27:18Das Bild wird komplexer.
27:19Was Claude denkt?
27:20Dass der Fred da so ein bisschen verkuppelt hat, das war mir natürlich nicht bewusst.
27:26Aber er war zu den Gästen immer sehr nett und sehr offen.
27:29Hatte denn mein Onkel irgendwie einen Freund oder eine feste Beziehung?
27:35Oder war das irgendwie nicht so was für ihn?
27:38Nee, eigentlich fest nicht.
27:40Er hatte schon immer Freunde und so.
27:41Er wusste zu leben.
27:42Er war ein lieber Mensch.
27:43Und Fred hat sich, muss ich ehrlich sagen, schon um seine Gäste sehr bemüht.
27:48Freds Türen standen für die Community offen.
27:51Auch als das Klima in München rauer wurde.
27:53Aber wie war das, als Fred plötzlich krank wurde?
27:56Ich wusste nicht, dass er das dann hatte.
27:58Und da war er in der Klinik zum Schluss.
28:00Und dann hat er seinen Bruder immer mit dem Rollstuhl runtergefahren.
28:03Täglich zum Mittagessen.
28:05Das habe ich noch miterlebt.
28:06Also sein Bruder ist mein Vater.
28:08Er hat uns immer gefreut, dass ich da bin.
28:11Vielleicht haben wir uns da dann auch schon mal gesehen.
28:13Ja.
28:14Aber viel über die Erkrankung haben die zwei nicht gesprochen.
28:17Sepp, warum habt ihr euch eigentlich nicht über die Krankheit unterhalten?
28:20Ja.
28:21Ich kann nicht schlecht sagen.
28:24Sicher, man hat sich schon unterhalten mit seinen Freunden drüber oder so.
28:28Und wie ich dann erfahren habe, der hat es, der hat es, der hat es.
28:31Und dann habe ich auch irgendwann dicht gemacht.
28:34Ich wollte gar nicht mehr wissen, wer jetzt alles jetzt hat.
28:37Weil es so viele Freunde waren.
28:38Und dann nach zwei, drei Jahren ist der gestorben.
28:41Das war ein Einschnitt in das homosexuelle Leben, muss ich sagen.
28:46Und das kann ich drüber nachdenken, wie viele damals gestorben sind.
28:511998, im Jahr von Freds Tod, sterben weltweit 2,5 Millionen Menschen durch Aids.
28:58Auch er stirbt an Aids.
29:00Im November 1991.
29:02Freddy Mercury macht nur einen Tag vor seinem Tod die Aids-Diagnose überhaupt öffentlich.
29:09Doch dann bringen die 90er auch endlich den medizinischen Durchbruch.
29:13Dadurch, dass die Medikamente halt angeschlagen haben und die Helferzellenzahl wieder gestiegen ist,
29:18habe ich gleich ganz anderen Lebensmut wieder gefasst und sage, es geht ja doch wieder aufwärts.
29:22Die sogenannte dreifache Kombinationstherapie ermöglicht jetzt ein Leben mit HIV.
29:29Mein Ex-Freund war relativ krank, da waren wir noch zusammen und hat die Dreierkombination bekommen
29:35und seitdem geht es ihm relativ gut wieder.
29:38Momentan ist es halt so mit der Dreierkombi, also mein Blutwert ist ihm momentan gut.
29:43Also der Virus, ich bin unter der Nachweisgrenze.
29:45Es ist so, dass dadurch die Panik ein bisschen verschwindet.
29:51Die Panik, dass es gleich zu Ende ist.
29:54Dutzende Tabletten mit Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen.
29:59Aber sie wirken.
30:03Nur nicht mehr für diejenigen, bei denen Aids schon zu fortgeschritten ist.
30:09Das Verständnis dafür, dass ich aufhören möchte, ist da.
30:15Also ist selbst sogar jetzt bei meiner Mutter da, die sehr lange Zeit dafür war,
30:21also dass ich weiterkämpfe, aber die auch einfach sieht, wie viel ich kämpfe
30:26und wie wenig das bringt und wie viele Rückfälle ich erlebe.
30:32Kurz nach dem Interview ist dieser Patient vom Balkon gesprungen.
30:39Auch bei Onkel Fred hilft der medizinische Durchbruch nicht mehr.
30:45Es kam genau zu spät.
30:47Ja, das denke ich mir heute auch irgendwie so.
30:51Irgendwie, ja, haben die Leute sich irgendwie 20 Jahre zu früh angesteckt.
30:57Oder die Medizin kam 20 Jahre zu spät.
30:59Zu spät, genau.
31:00Und, ja, was ich mich dann eben gewundert hatte, war, dass jetzt zum Beispiel bei der Beerdigung,
31:08also mein Onkel wurde dann in Bad Krotzing beerdigt, dass Leute aus der Szene irgendwie gar nicht eingeladen waren.
31:14Ich glaube, dass die Familie das nicht wollte.
31:16Weil wir haben damals alle getrauert, aber wenn man da nicht dabei sein soll, dann ist man halt nicht dabei.
31:24Weil es gibt ja viele, die still beerdigt werden, gerade aus der Szene, weil dann die Verwandtschaft das nicht will.
31:31Heftig, wie anders Freds Leben verlaufen ist als meins.
31:34Nur weil ich einer späteren queeren Generation angehöre.
31:39Wie krass, was ihr durchgemacht habt.
31:41Und das klingt jetzt super cheesy, aber bin da irgendwie auch so ein bisschen dankbar,
31:45weil ich mir denke, ich in meiner Generation musste irgendwie diesen Kampf so nicht führen.
31:49Und ihr habt den ein bisschen für uns auch geführt.
31:52Ja, wir konnten nicht anders. Wir wurden reingedrängt.
31:55Wenn du das zählig gelebt hast, dann hast du das mitmachen müssen.
31:58Oder hast du es halt mitgemacht.
32:00Das waren viele Antworten, die Sepp uns gegeben hat.
32:04Und sicherlich war nicht alles davon leicht zu hören.
32:07Ich habe jetzt noch eine letzte kleine Überraschung für Claude übrig.
32:11Aber davor will ich wissen, wie er über den Austausch mit Sepp denkt.
32:14Ich fand es richtig schön, mit einem ehemaligen Freund von meinem Onkel zu sprechen.
32:22Ich fand auch die Geschichte wirklich rührend, wo er mir erzählt hat,
32:25dass sein Bruder ihn mit dem Rollstuhl zum Essen geschoben hat.
32:29Das hat mein Vater mir nie erzählt.
32:31Ich glaube, beim nächsten Besuch werde ich ihn mal fragen.
32:35Er wird sich wahrscheinlich nicht mehr daran erinnern.
32:37Aber ja, werde ich mal ansprechen, doch.
32:40Auf jeden Fall.
32:40Eine Sache habe ich noch mit dir vor, eine letzte Sache.
32:43Du weißt schon ungefähr, wo wir gerade stehen, oder?
32:46Ja, also da hinten ist die Reißhinderstraße.
32:50Richtig.
32:50Und ja, bin ich mal gespannt.
32:52Das letzte Mal war Claude hier mit 18 Jahren.
32:55Jetzt wollen wir uns die Bar angucken, die früher mal das Fred's Pub war.
32:59Weil der Wirt der neuen Bar nicht möchte, dass bei ihm gedreht wird, gehen Claude und ich ohne Kamera rein.
33:07Drinnen stellen Claude und ich übrigens fest, die Pornofilme laufen hier immer noch.
33:14Knapp 34.000 Aids-Tote in Deutschland.
33:19Aufklärung, Solidarität und Wissenschaft.
33:22Das waren die Wege raus aus der Aids-Krise.
33:27Mich berührt der Zusammenhalt in der Community.
33:30Mich berührt Fred's Geschichte.
33:36Die Brude der Mitarbeiter
33:37Ja, das ist los, dass wir wiederhole, dass wir wiederholfen, dass wir weiterhelfen.
33:38Das war's mustoler.
Comments

Recommended