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00:05J-Ball
00:13Rockstar hin, Rockstar her. Auch Rocker können es irgendwann ein bisschen ruhiger angehen lassen.
00:1840 Jahre BAB, meine Damen und Herren, 20 Jahre danach gibt es ein neues A-Schuh-Konzert in Köln.
00:24Er bekommt in der übernächsten Woche den Beethoven-Preis.
00:27Wolfgang Niedecken mit dabei. Wolfgang Niedecken, herzlich willkommen!
00:36Sie haben nun ohne jede Übertreibung Musikgeschichte geschrieben.
00:41Was hat Ihnen eigentlich in Ihrem Leben, wenn Sie jetzt zurückblicken und Sie haben Ihre Autobiografie geschrieben,
00:45was hat Ihnen einen besonderen Druck gemacht?
00:48Druck hat mir eigentlich gar nichts gemacht.
00:50Es war, ich habe gehört zu der Generation, die das Privileg hatte, diesen Urknall der Beatbands zu erleben.
00:59Also bevor es Beatbands gab in den 60ern, gab es Schlagersänger, es gab Kirchenmusik, Fahrtwindermusik,
01:06Dixielente, was die Größeren hörten und es war nichts für uns dabei.
01:09Es war nichts dabei und plötzlich kommt diese Beatwelle für mich in Form einer Single mit einem grünen Label
01:18und da stand Odeon drauf und unten stand From Me To You und auf der Rückseite stand nochmal Odeon
01:23und es stand Thank You Girl und die fand ich unglaublich toll.
01:27Da wollte ich noch so eine Odeon haben und dann hat meine Mutter, nachdem ich lange genug gequengelt habe,
01:32hat sie mir dann noch eine Odeon Single gekauft und dann habe ich irgendwann gemerkt, da steht ja noch was.
01:37Das war Beatles.
01:38Und dann sah man die Fotos von diesen Kerlen, die das alles selber machten.
01:44Die hatten keine Band hinter sich, wo Max Greger dirigierte oder wo einer mit einer Fliege und einem Anzug,
01:52den wir nie angezogen hätten, die Treppe runterkam und das Mikrofon merkwürdig hielt.
01:57Das war alles nicht da, das waren ein paar Jungs, die machten zusammen ihr Ding.
02:01Die schrieben die Songs, die spielten die, die sangen die fantastisch und das handelte wohl von was, was auch auf
02:09uns zutraf.
02:10Wir wussten ja nicht genau, was es war, weil mit unserem Schulenglisch kam man nicht.
02:13Aber es traf irgendwo in die Mitte.
02:13Es traf genau in den Nerven, es traf wirklich genau rein, das machen wir auch.
02:18Also wir haben das wirklich verteilt, wir haben gesagt, du spielst diese Gitarre mit den vier Seiten,
02:21du die, eine von denen mit den sechs Seiten, du auch und du trommelst.
02:25Dann haben wir irgendwie geguckt, dass wir irgendwie was kriegten, was so ähnlich funktionierte.
02:29Dann haben wir uns erstmal neben den dualen Monoplatten-Spieler gestellt und haben so getan, als wenn wir das wären.
02:34Ja.
02:35Bei meinem Vater aus dem Keller habe ich eine Geige, die hat da wohl irgendwas aus den Trümmern gezogen,
02:40die habe ich da rausgeholt und habe einen Hals abgesägt, ein Brett drangenagelt, schwarz angestrichen,
02:45vier Seiten drauf und vor Mutters Frisierspiegel gestanden und war Pormekane.
02:54Wir haben ja auch nicht richtig Englisch gekonnt, das haben wir gesungen, wenn wir Beatles-Songs nachgesungen haben.
02:59Ich weiß noch, Rollover Beethoven, ja, normal ist, I'm gonna write a little letter, gonna send it to my local
03:05DJ.
03:06Was haben wir gesungen?
03:08Gonna write a little letter, gonna to my local DJ.
03:12Aber das war geil.
03:15Wir haben eben mit den Beatles angefangen, aber Mick Jagger war mal ziemlich baff, als er erlebt hat, was abgeht,
03:20wenn Bob spielt.
03:20Ja, das war die Geschichte, als uns Fritz Rau engagiert hatte, 1982, wir waren gerade mit verdammt langher durch die
03:28Decke gegangen,
03:30um das Müngersdorfer Stadion für die Stones beim zweiten Konzert voll zu kriegen.
03:34Das erste war gut verkauft, das zweite blieb bei 20.000 hängen.
03:38Und dann hatte er die Idee zum zweiten Konzert, holte er dann diese Band, die jetzt jeder hört in ganz
03:43Deutschland,
03:44und dann haben wir gesagt, also wenn, dann spielen wir beide Konzerte, sonst gar nicht.
03:47Also so dreist waren wir schon, und dann hat er uns für beide Konzerte geholt,
03:51und am ersten Tag kommt Jagger genau ins Stadion, als er gerade verdammt lang her spielt.
03:56Das Stadion ist fast explodiert.
03:5880.000 Kölner, die stolz auf ihre Bands sind, das hört sich gut an.
04:02Und er sagte dann den Satz, er sagte den Satz, what the hell is this for it?
04:15Das ist unheimlich doll, das geht unheimlich runter bei uns.
04:19Das ist ein riesiger Erfolg bei Vox, sing meinen Song.
04:43Und ich habe mich gefragt, in diesem Jahr sind dabei bei dieser Sendung, bei einem Musikwettstreit, kann man es glaube
04:48ich auch schon nennen.
04:50Wettstreit auf keinen Fall.
04:51Doch, mir kommt das trotzdem so vor.
04:52Wer singt wie, wer interpretiert was, was kommt dabei rum, es gibt keine Punkte.
04:57Nein, also bei allem, was irgendwie jetzt so ein Ranking-Ding gewesen wäre, ich sage immer, Kultur hat nichts mit
05:03Stabhochsprung zu tun.
05:04Das kann man nicht wirklich bemessen.
05:07Also ich wäre niemals bei irgend so etwas wie, wie heißen die Dinger alle, Deutschland sucht den Superstar oder solche
05:13Dinger.
05:13Ja, das kann ich mir auch nicht vorstellen.
05:14Das ist, ich finde das auch Quatsch.
05:17Sehr subjektive Wahrnehmung.
05:19Die Kriterien, die man anlegen kann, ob ein Song gut ist oder nicht, sind sehr subjektiv.
05:25Aber es ist verdammt mutig.
05:26Das Prinzip ist ja, dass man von den verschiedenen Künstlern, die ja zusammenkommen,
05:30dass man dann immer ein Lied sich aussucht und seine eigene Interpretation abgibt.
05:35Und das ist ja so unterschiedlich von Wolfgang Niederheng zu Annette Louisan über alle möglichen.
05:42Jetzt auch Naidoo ist dabei.
05:43Das ist so klasse, was da läuft.
05:45Sie haben vorhin gesagt, das ist Ihre Lieblingssendung.
05:47Das ist meine Lieblingssendung.
05:48Weil ich das finde, wenn so wunderbare, großartige Profis, Künstler, wirklich Künstler, wunderbare Musiker sich wertschätzen.
05:56Jeder macht seinen Stil, in seinem Stil, seine Interpretation zu dem Hit.
06:02Ja, aber dazu kommt natürlich auch, dass Sie auf Kölsch singen.
06:06Ja, ich habe die Songs so gemacht, wie ich denke, so kann ich sie zu meinen machen.
06:11Ich habe nicht alles auf Kölsch gesungen, ich habe teilweise auch Englisch gesungen, teilweise sogar Hochdeutsch.
06:16Zum ersten Mal habe ich im Fernsehen Hochdeutsch gesungen, den Song von Sammy Deluxe.
06:20Da hatte ich das Gefühl, da kann ich Hochdeutsch singen.
06:23Und das Ding...
06:23So weit hat es funktioniert, Wolfgang.
06:25Wunderbar, wunderbar funktioniert.
06:27Das ist das Hochdeutsch.
06:29Aber bei den meisten Songs war es tatsächlich so.
06:31Erst als ich die dann tatsächlich auf Kölsch gesungen habe, ich weiß noch, der erste, das war der Song von
06:36Nena,
06:37den ich mir dann auf Kölsch zu Hause mal vorgenommen habe, weil ich gedacht habe,
06:43diese hochdeutsche Fassung, ich komme mir immer vor, als wenn ich der Sänger einer Nena-Coverband wäre.
06:49Und das bin ich ja nicht. Und dann habe ich das Ding auf Kölsch gesungen und plötzlich war ich das.
06:54Plötzlich war ich das. Es war ganz magisch.
06:57Und dann habe ich bei allen anderen Songs natürlich auch probiert.
07:00Das war schon eine schöne Erfahrung.
07:02Diese Woche stand anschließend, jetzt habe ich irgendwo gelesen, eine Zeile in der Zeitung oder im Netz irgendwo,
07:06da stand dann da, Wolfgang Niedegen, klang 20 Jahre jünger.
07:11Ich meine, erst wenn es zu Ihrem Vater war schwierig, aber wann war eigentlich klar,
07:15ich gehe meinen Weg als Künstler, egal ob als Bildender oder als Musizierender?
07:19Das war klar, als ich vom Gymnasium geflogen bin.
07:24Also die Möglichkeit, das zu tun, was mein Vater gerne gehabt hätte, die war verbaut.
07:30Und mir war es wirklich egal, ob die verbaut war oder nicht.
07:34Ich habe dann auf der Kunsthochschule die Aufnahmeberprüfung bestanden und habe genau das gemacht, was ich wollte.
07:40Ich hatte allerdings auch eine Mutter, die mich total unterstützt hat.
07:44Also die hat meinem Vater gesagt, der Junge muss ja nichts, der Junge muss glücklich werden.
07:50Ah, das ist schön.
07:57Das war sehr wichtig, die hat das auch überall durchgezogen, als ich dann nach dem Kunststudium, was für meinen Vater
08:04eine Katastrophe war,
08:06meinte, man muss dazu wissen, mein Großvater war Kirchenmaler und sozusagen, mein Vater hat ja ein Lebensmittelgeschäft.
08:14Das war der Erbsenzähler und mein Großvater war für ihn, ich sage es mal auf Hochdeutsch, der Püppchensmaler.
08:23Die beiden haben sich nicht ausgehalten.
08:26Normalerweise geht es ja andersrum, da kommt der Schwiegersohn, was macht er denn, stellt er was da, kann der irgendwas?
08:32Nein, nein, mein Großvater war der Bohemian und dem kam der Spießer nicht recht.
08:38Und dann ging das so weiter in der Familie?
08:39Dann ging das immer so weiter, das ging halt immer so weiter und mein Vater sah dann, dass ich brotlose
08:45Kunst studierte
08:46und dann war das mit der Kunst, das Studium habe ich abgeschlossen, erfolgreich, alles wunderbar.
08:51Dann machte ich Zivildienst und während der Zivildienstzeit fing ich wieder an, Musik zu machen.
08:57Also mein armer Vater, Gott, leider, leider hat er nie erlebt, dass das irgendwann mal auch nicht mehr brotlos war.
09:05Er hat es leider nicht erlebt und ich hätte das so gerne gehabt, dass er beruhigt gestorben wäre.
09:12Na ja, immerhin habe ich dieses Stück verdammt lang her, das handelt ja von ihm.
09:16Exakt.
09:17Dieses Gespräch, was ich nie mit ihm führen konnte.
09:19Genau.
09:20Und ja, vielleicht sitzt er ja tatsächlich auf einer Wolke und kriegt mit, dass irgendwas funktioniert.
09:25Wie lange nicht am Grab war, es hat ja was von einer Hymne bekommen, dieses Lied verdammt lang her, muss
09:29man immer sagen.
09:29Dieses Lied, wenn wir ehrlich sind, erst mal kein Mensch verstanden. Das war ein wunderbarer Refrain, wo jeder seine Bedeutung,
09:36sein Ding reinlässt.
09:38Verdammt lang her, dass wir auf Klassenfahrt waren, verdammt lang her, dass mein Fußballverein Meister wurde.
09:43Dass wir Weltmeister wurden.
09:44Jeder hat das irgendwie reininterpretiert. Letztendlich war das das Gespräch mit meinem Vater.
09:49Klar. Ich vermute aber trotzdem, dass Sie sehr glücklich darüber sind, dass keiner Ihrer beiden Söhne Erbsenzähler geworden ist.
09:55Ja, also...
09:56Und die Familientradition sozusagen.
09:58Ja, also manchmal wäre es natürlich beruhigend, wenn irgendjemand mal etwas Nicht-Brotloses studieren würde von all diesen Kindern, die
10:06ich in die Welt gesetzt habe.
10:07Aber ich könnte ja überhaupt nicht bei meinen Kindern ankommen und sagen, du musst irgendwas auf Nummer sicher machen.
10:14Die würde ich ja auslassen.
10:20Es gibt ja andere Bands, wenn ich das so sagen darf, die in die Jahre kommen, die werden immer wilder.
10:24Und bei Ihnen habe ich das Gefühl, da ist ein Wilder, der hat sich vorgenommen, auch in Würde zu altern.
10:30Ja, also das war mir immer ein Grauen.
10:34Diese Rock-Opis, die sich dann in Leder schießen lassen und so tun, als wenn sie mega hip wären.
10:40Und ich fand das immer peinlich. Und ich meine, ich habe natürlich zu Hause da auch eine ganz, ganz strenge
10:46Polizei.
10:47Also meine Kinder würden mir unmittelbar sagen, Alter, du machst dich lächerlich.
10:51Das ist das Große.
10:54Was haben Sie eigentlich von Ihren beiden Söhnen gelernt?
10:57Von meinen beiden Söhnen habe ich auf jeden Fall gelernt.
11:02Ich fange mal andersrum. Die Story wäre die.
11:05Wir hatten ein Album aufgenommen und die haben das gehört.
11:11Das war das Stück für den Moment.
11:14Das war so 99 gewesen oder 98.
11:18Und das war so sehr an den Zeitgeist herangeschmissen, dieses Arrangement dieses Stückes.
11:24Und meine Söhne kamen da und haben das gehört und sagten,
11:28Vater, was hast du denn da gemacht? Das bist du doch gar nicht.
11:32Das wollte ich nie wieder hören.
11:33Ich habe immer darauf geachtet, dass ich das nie wieder hören werde.
11:36Ich habe immer nur, also ab da, spätestens ab da, habe ich immer diese Stimme hinten im Kopf gehabt,
11:43Vater, da bist du doch gar nicht. Was hast du denn da gemacht?
11:46Aber eines habe ich wirklich gewundert, das zu lesen.
11:48Sie sind ja sozusagen, ja, auch eine Ikone der kölschen Sprache, des Dialektes.
11:55Und Ihre Kinder, Sie haben vier, zwei Söhne, zwei Töchter, die können das gar nicht so gut.
11:59Je jünger Sie sind, desto weniger sprechen Sie es.
12:04Verstehen nimmt auch ab.
12:06Aber die fragen dann halt nach, was hat der Papa gesagt.
12:09Weil ich nicht, wenn sowas emotional wird, kann ich kein Hochdeutsch mehr.
12:13Wenn ich schimpfe, also die wissen alle, wenn ich richtig sauer bin, ist es auch egal,
12:18ob sie verstehen, was ich sage, dann ist Ende.
12:24Aber ich meine, das muss man sich doch einfach mal vorstellen.
12:27Diese einzigartige Erfolgsgeschichte von BAP.
12:29Man kann ja gar nicht glauben, wie lange es die Gruppe BAP schon gibt,
12:33in veränderten Besetzungen, aber immer Wolfgang Niedecken als Frontman.
12:36Wenn Sie BAP hören, Frau Weiß, wo auch immer, brauchen Sie da Untertitel?
12:40Verstehen Sie, was die so singen?
12:41Nee.
12:42Ja, ne?
12:43Ich höre es ja gleich, ich verstehe es aber nicht.
12:46Ist aber auch egal.
12:47Es ist ja wurscht.
12:48Es ist egal.
12:48Wir verkaufen ja im Wesentlichen Innenhefte.
12:51Da muss man immer die CD mitkaufen.
12:57Es steht eine große Tournee an.
13:01Am 30. ist der Tag, an dem Sie 60 Jahre alt werden.
13:03Ein Rocker wird 60.
13:05Ist doch komisch, ne?
13:05Ja.
13:06Ist überhaupt nicht komisch.
13:07Also meine Mutter hat immer gesagt, wenn ich alt werde will, muss die Jungen stirren.
13:11Dann ist die Lösung besser.
13:13Hat zu Recht gehabt.
13:13Hat zu Recht gehabt.
13:14Ihr Vater hat ja diesen ganz großen Erfolg nicht mehr miterleben können, muss man sagen.
13:18Aber das kam ja nicht über Nacht, aber irgendwann, so beschreiben Sie, das haben Sie gemerkt,
13:22okay, wenn wir auftreten, ist voll.
13:24Also wir wurden immer gebucht, damit es abgeht.
13:27Also alle haben uns gebucht.
13:29Wir sind in diese ganze, irgendwann galten wir als die Band der Bewegung.
13:33Das war von innen gesehen so merkwürdig, weil wir waren alles andere als die Band der Bewegung.
13:37Da sind zu diesen Veranstaltungen gegen oder für irgendwas.
13:41Das war wirklich Learning by Doing.
13:43Okay, die Teppichtaschen wollen uns schon wieder hören.
13:45Dann sind wir da hin und haben gespielt und die fanden das super.
13:48Und dann haben uns die Nächsten engagiert.
13:50Und immer fiel dann anschließend, der sagt, ja, Sie sehen ja merkwürdig aus, aber Sie haben schon Recht.
13:57Und dann waren wir irgendwann die Band der Bewegung.
13:59Das ging dann immer weiter.
14:01Und das muss man sagen, ich war ja dann schon 30.
14:05Sie, Wolfgang Niedecken, haben mal gesagt, ich habe das Zitat extra aufgeschrieben,
14:08und zwar kurz vor dem 60., also zu Beginn des vergangenen Jahres.
14:11Ich fühle mich nicht anders als sonst, wegen 60 und so, obwohl das so eine Zahl ist.
14:16Ich verbringe nur wenig Zeit damit, mich mit dem Alter auseinanderzusetzen.
14:19Hat sich das mittlerweile geändert?
14:22Ja, nun, ich musste mich vor dem 60. Geburtstag natürlich auch damit auseinandersetzen.
14:26Ich habe mittlerweile vier erwachsene Kinder.
14:29Ich hatte eine Menge Verantwortung.
14:31Das ist nicht mehr so wie, sagen wir mal, vor über 30 Jahren,
14:37dass meine Hauptsorge war, ob ich den Deckel in der Kneipe bezahlt kriege
14:40und ein bisschen Sprit in den Tank oder so.
14:42Also natürlich ist man mittlerweile, steht man mehr mit beiden Beinen auf dem Boden,
14:48auch mit dieser ganzen Verantwortung, nicht nur für meine Familie, auch für meine Mitarbeiter.
14:53Meine Band sind meine Mitarbeiter, die Leute, die für uns arbeiten.
14:55Das sind alles Leute.
14:58Ich sage auch schon mal ganz gerne, ich leite mein kleines mittelständisches Rock'n'Roll-Büro.
15:03Wollte ich gerade sagen, ich wollte gerade auch gerne von Unternehmen sprechen.
15:05Das hat ja auch was damit zu tun.
15:06Aber das muss eben halt so laufen, dass es mir auch entspricht.
15:11Also ich kann mich mit Zahlen überhaupt nicht auseinandersetzen.
15:14Aber ich bin trotzdem irgendwo, ob ich das nur wollte oder nicht,
15:17irgendwo bin ich der verantwortliche Chef.
15:20Auf meiner Visitenkarte steht sogar Geschäftsführer.
15:24Unglaublich, ich bin Geschäftsführer.
15:25Ich muss doch jetzt an der Stelle mal sagen, auch wenn Sie erst 60 sind,
15:29dass Sie sich wesentlich besser gehalten haben als Mick Jagger.
15:32Ja.
15:33Hallo.
15:38Wolfgang, du wartest mit Überraschungen auf.
15:39Wir haben schon gehört, du machst neuerdings Eindruck,
15:41indem du mit Anzug, im Nadelstreifenanzug bei deinen Töchtern Punkte sammelst.
15:45Ja.
15:45Du bist als Musiker gefeiert, du bist als Mensch sehr respektiert.
15:48Jetzt kriegst du den Beethoven-Preis als Rockmusiker.
15:52Warum?
15:52Ich lege da mal an der Frisur wahrscheinlich.
15:56Nein, nein, ich habe mich auch gewundert, als diese Anfrage kam.
16:00Und ich habe da mal recherchiert.
16:01Und tatsächlich, der Beethoven war wohl jemand, der ähnlich wie der Bochsig sein konnte wie ich,
16:10der auch klar seine Meinung auch formuliert hat, der sich nicht hat einplanen lassen.
16:19Von dem gibt es auch Sätze wie, für die Schweine spiele ich nicht.
16:24Der hat sich schon immer schön so zurückgenommen, dass er nur das gemacht hat, was er selber auch wollte.
16:30Hast du auch schon mal gesagt, für die Schweine spiele ich nicht?
16:32Die habe ich auch schon gemacht.
16:33Welche Schweine waren das?
16:35Würde ich jetzt nicht sagen.
16:37Nein, es gibt Zusammenstellungen von Menschen, für die möchte ich nicht spielen.
16:45Da gibt es ja dieses schöne Lied, ich will nicht, dass ihr meine Lieder singt.
16:48Genau, ja.
16:50Aber trotzdem war es noch keine Antwort auf die Frage, wieso den Beethoven-Pokals wird.
16:53Okay, der war widerständig, aber die Begründe, die offizielle...
16:55Ja, das wird mir schon jemand erklären, wieso ich den kriege.
16:57Also ich habe heute ein Interview zu dem Thema gemacht mit einem wirklich sehr gebildeten Mann.
17:03Und der hat mir das schon erklärt, dass das okay ist, wenn ich den kriege.
17:06Also ich habe mich gar nicht erst versucht, jetzt als Beethoven-Kenner da wichtig zu tun.
17:12Und ich kann nicht über Beethoven kompetent reden, wenn, dann kann ich über die Beatles, über die Rolling Stones oder
17:20über Bob Dylan kompetent reden.
17:22Aber ich glaube, es ist eben kein Musikerpreis, sondern es geht tatsächlich auch um Engagement, es geht darum, seine Meinung
17:26zu sagen.
17:26Es geht darum, auch mal durchaus anzuecken und halt nicht stromlinienförmig und ja-sagend durchs Leben zu kommen.
17:33Und das kann man von dir nun wahrlich behaupten.
17:34Es gibt in diesem Jahr wieder ein A-Schuh-Konzert nach 20 Jahren, das war im, was ist es, Oktober
17:39oder November?
17:40Das war der 9. November.
17:419. auch. 92, vor genau 20 Jahren, als mehr oder weniger, ja nicht spontan, aber ein unglaubliches Ereignis stattgefunden hat
17:50in Köln rund um den Klotwigplatz.
17:52Das war damals A-Schuh, Zengen auseinander, Hintern hoch, Kämpfen gegen vor allen Dingen Fremdenfeindlichkeit damals.
17:58Da waren 100.000 Leute.
18:00Ja, wir haben mit dem Erfolg auch nicht gerechnet.
18:02Das war damals, wenn man kurz in Erinnerung bringt, das war die Zeit, wo die Asylantenheime brannten und wo man
18:06sich eigentlich schon dran gewohnt hatte,
18:09dass jeden Tag irgendeine Schreckensmeldung da war.
18:11Und da sind so viele Leute ums Leben gekommen, da wieder der Anschlag und die Synagoge geschändet.
18:16Und weißt du, toll, du weißt, das war in dieser Zeit.
18:19Und so nach und nach hat man sich gedacht, das kann doch nicht sein, dass ich mich daran gewöhne.
18:24Ich habe mich ja selber schon fast dran gewöhnt.
18:26Und eigentlich dieser Text, dieses Songs, das ist genau mein eigenes Erlebnis.
18:29Also ich gehe morgens zum Bäcker und da erzählt einer irgendeinen rassistischen Scheiß.
18:34Und ich antworte noch nicht mal, sondern gehe nach Hause und denke, wie bist du denn eigentlich mittlerweile darauf?
18:39Du antwortest noch nicht mal darauf.
18:40Du kriegst noch nicht mal morgens vor der Theke in der Bäckerei den Arsch hoch.
18:44Also wie soll denn ansonsten einer den Arsch hochkriegen?
18:47Darüber habe ich diesen Song geschrieben.
18:48Und als wir dann mit den Kölsch singenden Kollegen dieses, irgendwie überlegt haben, was tun wir denn nur jetzt?
18:56Wir müssen einen Song aufnehmen und versuchen mit diesem Song diese Bühne auf dem Klotwigplatz zu finanzieren.
19:04Das hat damals 200.000 D-Mark gekostet, dieses Ding da hinzustellen.
19:08Und wir waren noch kurz bevor das Ding losging, da hatten wir, da kommt kein Mensch hin.
19:13Und auf einmal kamen sie alle von allen Seiten und das war auch ein tolles Gefühl.
19:18Ein fast historisches Datum mittlerweile.
19:20Ich bin nach wie vor immer noch stolz auf die Stadt, dass das wirklich auch der Willen der Bevölkerung war.
19:24Wir stellen uns dieser braunen Brühe entgegen, wir wollen die hier in Köln nicht haben.
19:29Wolfgang Niedel.
19:30Schön, dass Sie heute da sind.
19:33Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
19:34Danke fürs Zuschauen. Tschüss zusammen.
19:50Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.
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