00:00Höre nach Matthäus 22, Vers 34 das Wort des lebendigen Gottes.
00:07Da aber die Pharisäer hörten, dass er den Sadduzean das Maul gestopft hatte,
00:12versammelten sie sich.
00:14Und einer unter ihnen, ein Schriftgelehrter, versuchte ihn und sprach,
00:19Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?
00:23Jesus aber sprach zu ihm,
00:26Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte.
00:36Dies ist das vornehmste und größte Gebot.
00:39Das andere aber ist ihm gleich.
00:43Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
00:49Amen.
00:51Ich möchte euch heute eine Auslegung von Dr. Martin Luther, dem Reformator, zu diesem Text vorlegen.
00:58Und ich beginne mal aus der Auslegung von Dr. Martin Luther vorzulesen.
01:02In diesem Gebot, was ich gerade vorgelesen habe, sagt Martin Luther jetzt,
01:07da hat er alles gefasst, was man von guten Werken predigen, lehren und fassen kann.
01:13Bei Juden und auch bei Heiden.
01:16Gott selbst sagt, also wird mir gedient, wenn du mich liebst,
01:21deinen Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gemüt und deinen Nächsten wie dich selbst.
01:28Aber dienen heißt, wenn du tust, wenn du tust, was man dir befiehlt.
01:36Darum muss folgen, wer Gott recht dienen will, der muss tun, was Gott ihnen heißt und nicht, was ihn selber
01:48gut dümmtel.
01:50Denn du sollst wissen, wenn du deinen Nächsten liebst und ihm alles Gute tust,
01:57dass du mir, Gott, einen köstlichen Dienst getan hast
02:01und ich, Gott, es dafür halten will, als habest du mich mit diesem Werk geliebt
02:07und an mir mit diesem Werk Gutes getan.
02:12Solche Lehre, sage ich Martin Luther, wird am jüngsten Tage gar einen wunderlichen Lärm verbreiten.
02:20Ja.
02:21Ist nun aber das nicht der leidige Teufel, dass wir dies so lassen vorübergehen
02:27und bedenken es nicht, dass wir unserem Herrn Jesus Christus selbst so leicht können dienen
02:33und tun es trotzdem nicht?
02:36Ein Jammer ist es doch, dass wir diese Lehre so klar haben und schlagen es in den Wind, als wäre
02:44Gott gar nicht da.
02:45Denn hier steht es doch, das andere ist dem ersten gleich.
02:50Also, wer Gott dienen will, der soll nicht sich in irgendeinem Winkel verkriechen,
02:56sondern unter den Leuten bleiben, ihnen dort dienen, womit er kann und gewiss sein, er diene Gott damit.
03:05Denn er hat es doch befohlen und dazu auch noch gesagt, das andere ist im ersten gleich.
03:13Ja, also, sagte er in anderen Örtern mehr, er bedürfe ihres Goldes, ihres Tempels und anderer nicht,
03:21sondern, wenn du mir recht willst dienen, so weise dich herunter zu deinem Nächsten.
03:27Dann, du hast Weib, Kind, Gesinde, Nachbarn, Fürstenherren und allerlei Stände,
03:33da findest du zu schaffen genug, da diene mir.
03:38Will dein Kind nicht gehorsam und fromm sein, trage Flux Ruten auf und haue getrost zu.
03:45Will das Gesinde nicht recht tun, er strafe es oder weise ihm die Tür.
03:49Ist dein Nachbar arm, betrübt, krank, dann hilf, diene und tröste ihn.
03:57Sei deinem Fürsten willig und gehorsam, so hast du es mir, Gott, getan.
04:05Wiederum, wo wir unserem Nächsten nicht dienen, da will Gott dafür halten, dass wir es auch ihm nicht getan haben.
04:16Hassen und betrügen wir sogar unseren Nächsten, so haben wir es an Gott getan.
04:22Und er wird es reichlich an uns rächen.
04:29Aber diesen Spöttern wird geantwortet werden, ihr habt das doch gewusst und ihr hättet es wissen müssen.
04:37Denn es ist euch genug vorgeschrieben und gepredigt worden, was ihr dem Nächsten tun sollt, als hättet ihr es mir
04:45getan.
04:47Aber das Widerspiel geschieht in der ganzen Welt.
04:50Falsche Prediger und böse Tyrannen tun unserem Herrn Gott in seiner Kirche großen Schaden.
04:58Alles dient dem Teufel, weil sie des Nächsten liebe nämlich nicht achten.
05:04Christus spricht, das Andere ist dem Ersten gleich.
05:07Wer sich dies nicht will bewegen lassen, dass er hier auf Erden ein Himmelreich könnte ausrichten
05:13und ein Gotteshaus und Kirche aus seinem eigenen Haus oder Stande machen, der ist dahin gegeben.
05:22Denn wo Gottesdienst ist, da ist der Himmel.
05:26Und das Gebet ist der größte Gottesdienst.
05:28Wenn ich nun meinem Nächsten diene, so bin ich schon im Himmel.
05:33Denn ich diene Gott.
05:38Was heißt den Nächsten lieben?
05:41Nun, ihm alles Gute tun.
05:44Denn lieben, wo es rechtschaffend so geht, geschieht nicht allein mit Gedanken und Worten, sondern mit der Tat.
05:52Wo die Liebe ein Herz umfangen hat, da lehrt und treibt sie auch den Leib,
05:58dass er aufstehe, singe, sage von dem, das sie lieb hat.
06:04Ja, sorgt mehr dafür als für sich selbst.
06:10In diesem Leben sollen wir uns als so halten, dass wir Gott und unseren Nächsten lieben.
06:17Und darum sollen wir diese zwei Lehren wohl fassen und also unterscheiden, dass wir sagen,
06:23Mose und das Gesetz gehört zu diesem Leben.
06:27Aber zu jenem Leben müssen wir den Herrn haben, welcher heißt Christus, Davids Sohn,
06:34der zur Rechten Gottes sitzt und dem alle seine Feinde zu den Füßen liegen müssen.
06:41Durchs Gesetz und durch unsere Werke können wir jenes Leben nicht erlangen.
06:47Denn unsere Werke sind nicht genug, die Sünde zu bezahlen und die Feinde unterzutreten, mitnichten.
06:54Gottes Sohn hat müssen vom Himmel kommen, Mensch werden und mit seinem Tod und Blut die Sünde bezahlen,
06:59sich zur Rechten Gottes setzen und die Feinde unter seine Füße treten.
07:04Ja, also die Lehre vom vornehmsten und größten Gebot, wie wir Gott und unserem Nächsten dienen sollen,
07:13müssen wir haben zu diesem Leben.
07:16Aber die Lehre und die Erkenntnis, wer Christus sei, müssen wir haben zu jenem Leben,
07:23auf das wir wissen, wo wir bleiben sollen, wenn dieses Leben ein Ende nimmt.
07:27Nämlich, wenn dieses Leben aufhören will, dass wir sagen können,
07:31Ja, ich glaube, dass Jesus Christus ein Herr sei über jenes Leben
07:35und deswegen handele ich in verborgener Weise mit ihm sein Wort in Kraft, Gebet und Geist.
07:42Dass es also auch dann kommt.
07:43Und darum sollen wir fleißig beten, dass wir diese Lehre halten und in ihr bleiben.
07:47Es sind so hohe und liebliche Worte, dass es über alle Maßen ist
07:53und halte sich ein jeder in Furcht und Demut und lasse sich diese Worte zu Herzen gehen.
07:59Denn wo jemand durch diese Worte nicht bewegt wird, das ist ein böses Zeichen.
08:07Es ist ein Zeichen, dass der Teufel sein Herz ganz besessen hat.
08:11Und ist doch jetzt alle Welt so ganz verstockt und sonderlich die allergelehrtesten und klügsten,
08:17dass sie unseren Herrn Gott so freundlich reden lassen und dennoch den Teufel mehr denn Gott lieben.
08:22Das ist ja verrückt.
08:24Und unser Herr Gott, er bietet sich aufs Freundlichste gegen uns, tröstet uns,
08:29gibt uns alles, was wir bedürfen, zum Notdruck des Leibes und des Lebens
08:32und fordert dafür von uns nichts, nichts, denn dass wir ihn wieder lieben sollen.
08:39Verheißt uns aber auch das ewige Leben in seinem Jungen Jesus Christus.
08:44Dennoch mag ihm niemand recht dienen.
08:47Das ist die Welt.
09:17Das schöne, zarte, edle Kräutlein.
09:20Und wiederum, dass Gott seinen Dienern wohl und reichlich lohnt,
09:26hier zeitlich gibt das Paradies und alles Gute
09:29und dort ewiglich gibt das ewige Leben in Christus Jesu, unserem Herrn.
09:34Lasst uns unserem lieben Herrn Gott für diese Lehre von Herzen danken und ihn mit Ernst anrufen und bitten,
09:44dass er uns gnädig dabei erhalten wolle, dass wir bei ihm bleiben mögen ewiglich.
09:50Amen.
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