00:00Meine Lieben, wer kennt sie nicht, diese wunderbare Episode der Hochzeit zu Kana im Johannes-Evangelium.
00:10Da gibt es ja unendlich viel Stoff für Predigten.
00:14Und über eine Perikope hat Luther mindestens drei Predigten gehalten, und zwar über die Stelle Johannes 2, Verse 4 bis 11.
00:22Da heißt es, seine Mutter spricht zu den Dienern, was er euch sagt, das tut.
00:30Es waren aber all da sechs Steine an der Weinkrüge, gesetzt nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen je einen, zwei oder drei Maß.
00:41Jesus spricht zu ihnen, füllt die Wasserkrüge mit Wasser, und sie füllten sie bis oben an.
00:48Und er spricht zu ihnen, schöpft nun und bringt es dem Speisemeister, und sie brachten es.
00:55Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wusste nicht, woher er kam,
01:04die Diener aber wussten es, die das Wasser geschöpft hatten,
01:07ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm,
01:10jeder Mann gibt zum Ersten den guten Wein, und wenn sie trunken worden sind, als dann den Geringeren.
01:17Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen zu Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit.
01:32Und seine Jünger glaubten an ihn.
01:35Amen. Johannes 2, Verse 4 bis 11.
01:38Martin Luther sagt dazu folgendes, hier, hier sehen wir den rechten Glaubenskampf.
01:47So hart sich die Worte des Herrn auch anhören, so deutet seine Mutter sich dies alles dennoch nicht als Zorn,
01:56sondern sie bleibt fest dabei, er sei gütig,
01:59und lässt sich diese Meinung auch nicht nehmen durch den Stoß,
02:05dass sie ihn im Herzen nicht für gütig und gnädig halten sollte,
02:10wie es jene tun, die nämlich ohne Glauben sind und beim ersten Stoß schon umfallen
02:15und nicht mehr von Gott halten, als sie von ihm fühlen.
02:20Hätte die Mutter sich abschrecken lassen durch diese harten Worte,
02:23dann wäre sie still weggegangen.
02:25Nun aber befiehlt sie, den Dienern zu tun, was er sagen würde
02:32und beweist damit, dass sie den Stoß überwunden hat.
02:38Was meinst du?
02:39Wenn einem Menschen in seiner Not,
02:41besonders in den hohen Nöten des Gewissens,
02:45die Antwort von Gott kommt,
02:47was habe ich mit dir zu schaffen?
02:50Verzweifeln und verzweifeln und verzagen muss er,
02:53wenn er nicht die Art Gottes in solchen Werken kennt und im Glauben geübt ist.
03:03Darum ist dieser Abschnitt im Evangelium das Höchste.
03:08Und wir sollen wohl merken, dass wir Gott die Ehre geben müssen,
03:14dass er gütig und gnädig sei,
03:16auch wenn er sich anders stellte
03:19und wenn alle Sinne und alles Fühlen
03:23auch noch so anders dächten.
03:27Denn dadurch wird das Fühlen getötet
03:30und geht der alte Mensch unter,
03:34auf das nur noch Glauben an Gottes Güte
03:37und kein Fühlen mehr in ihm bleibe.
03:40Und hier siehst du,
03:43wie die Mutter einen freien, feinen Glauben behält,
03:46uns allen zum Vorbild.
03:49Sie ist sich gewiss,
03:51dass er gnädig sein wird
03:53und gewiss ist sie auch,
03:56dass sie ganz anders fühlt,
03:58als sie glaubt.
04:00Darum lässt er es seiner Güte allein
04:05frei anbefohlen sein,
04:08setzt ihm weder Zeit noch Maß
04:11und so lasst uns ebenfalls handeln.
04:16Dann sind wir rechte Christen.
04:20Nun siehst du außerdem in diesem Evangeliumstext,
04:23dass die Mutter Christi die Diener
04:26von sich fort und zu Christus hinweist.
04:31Sie sagt nicht,
04:32tut, was ich euch sage,
04:33sondern tut, was er euch sagt.
04:38Nur auf sein Wort hin
04:40soll man jeder hinweisen.
04:44Marias Wort,
04:45was er sagt, das tut,
04:47ist und soll,
04:48soll sein ein tägliches Wort
04:50der gesamten Christenheit.
04:53Damit soll alle menschliche Lehre
04:57zu Boden gestoßen werden,
05:00einschließlich die der Kirchen.
05:02Was er sagt,
05:04das tut
05:05und nichts anderes,
05:08dann wird schon genug zu tun sein.
05:11Amen.
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