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00:00:00Musik
00:00:3527. September 1966, Landgericht Dortmund.
00:00:40Beginn der Schwurgerichtsverhandlung gegen die Dominas-Bande.
00:00:44Für die emsigen Bildreporter der Sensationsprozess des Jahres.
00:00:47Denn zur Anklage stehen ein Doppelmord, sechs versuchte Morde, 80 bewaffnete Raubüberfälle, Einbrüche und Diebstähle,
00:00:54bei denen Brillanten und Goldschmuck im Werte von 1.520.000 Westmark erbeutet wurden.
00:01:01Dagegen verblassten 1.221 andere Mordprozesse, die im gleichen Jahr vor anderen westdeutschen Gerichten verhandelt wurden.
00:01:09Gefährlichster der vier männlichen Angeklagten, der 37-jährige, zwölfmal vorbestrafte Berufsverbrecher Petras Dominas.
00:01:17Sie verstehen doch Deutsch, keine Bewegung, sonst knallt's!
00:01:22Von der Presse animiert, spielt Dominas auch im Gerichtssaal den Super-Gangster.
00:01:28Helmut Balk, viermal vorbestraft, lange Zeit ergebenster Helfer des Bandenchefs.
00:01:40Sein Wahlspruch bei jeder zertrümmerten Schaufensterscheibe, wie viel schöner ist das Leben, wenn wir einen Hammer heben.
00:01:49Gerhard Balk, vorbestraft mit neun Jahren Zuchthaus wegen versuchten Polizistenmördes.
00:01:54Fahrer der Bande.
00:02:00Die Hoffnung, auch diesmal glimpflich davon zu kommen, hat er fahren lassen.
00:02:05Harry Balk, Jüngster der Bande und geistig zurückgeblieben.
00:02:08Eifrigster Lehrling des Bandenchefs.
00:02:24Der Ausgang des Prozesses bekümmert ihn am wenigsten.
00:02:41Seine eigentliche Bedeutung erfährt der Prozess aber erst durch diese Frau.
00:02:45Maria Anna Kreuzer, Essener Rechtsanwältin und Notarin.
00:02:49Ungezählte Male hat sie in der schwarzen Verteidigerrobe gestanden und dem gleichen Saale schwungvolle Plädoyers gehalten.
00:02:56Diesmal aber ist sie selber Angeklagte, beschuldigt, bei den Verbrechen der Dominas-Bande Beihilfe geleistet zu haben.
00:03:02Noch ist die Rolle, die sie in der Bande gespielt hat, ungeklärt.
00:03:05In der Voruntersuchung hat sie jede Aussage darüber verweigert.
00:03:09Der Prozess soll erst aufklären, was scheinbar unerklärlich ist.
00:03:13Die Zuschauer erhoffen sich davon die eigentliche Sensation des Prozesses.
00:03:17Zu Hunderten warten sie noch vor dem Gerichtsgebäude.
00:03:23Den hermetisch abgeriegelten Verhandlungssaal kann nur noch betreten, wer sich als Prozessbeteiligter ausweist.
00:03:29Jetzt ausweist bitte.
00:03:34Darf ich?
00:03:37Gucken Sie mir doch mal den Hintern, vielleicht habe ich doch den Flattgeschütz versteckt.
00:03:41Ihre Handtasche bitte.
00:03:46Für die beiden von der untersuchungshaft verschonten Gangsterbräute, Luzi Balk und Betty, ist das willkommene Gelegenheit, Aufsehen zu erregen, um
00:03:54in die Zeitung zu kommen.
00:03:56Sind Sie als Zeugin geladen?
00:03:58Als Angeklagte.
00:04:00Entschuldigen Sie bitte.
00:04:02Darf ich?
00:04:02Von mir aus.
00:04:05Bettis Bursen ist echt.
00:04:07Stand an allen Zeitungen, nicht gelesen.
00:04:13Ihre Handtasche bitte.
00:04:19Was ist denn das?
00:04:20Ein Pistölchen, sehen Sie doch.
00:04:24Zum Zigarettenhandsinn.
00:04:29Dürfen Sie trotzdem nicht mit reinnehmen, das weiß ja keiner.
00:04:31Kriegen Sie am Abend zurück.
00:04:32Nehmen Sie es dem von Mittag, das ist sowieso seine.
00:04:34Zum Beispiel von dir, Betty, warum hast du mir den Gag nicht verkauft?
00:04:37Süß, oder eine Redaktion zahlt doch viel zu beschissen.
00:04:40Herr, Betty, gibst du nachher an der Verhandlungsparte Dominas einen Kuss, aber exklusiv für mich?
00:04:44Ja, aber nicht unter Nuller.
00:04:45Okay, bitte.
00:04:45Bitte alles eintreten, die Behandlung beginnt.
00:04:48Nun, ich bin ein Restaurant.
00:05:47Untertitelung des ZDF, 2020
00:06:16Untertitelung des ZDF, 2020
00:06:34Dortmund, Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Witten, Siegen, Mönchengladbach, Paderborn
00:06:41und wieder Dortmund.
00:06:42Quer durchs Ruhrgebiet führte die Spur der Dominasbande.
00:06:46Spätestens nach dem fünften Überfall hätte der Polizeiführung klar sein müssen, dass
00:06:50immer die gleichen Täter am Werke waren.
00:06:52Doch der dringend erforderliche Einsatz einer Sonderkommission wurde vom Landeskriminalamt
00:06:56abgelehnt.
00:06:57Wegen angeblichen Personalmangels und weil keine hinreichende Gewähr bestehe, dass die
00:07:01Täter noch zu fassen sind.
00:07:02Nur einem nicht voraussehbaren Zufall war es zuzuschreiben, dass der Juwelenräuberbande
00:07:08doch noch der Prozess gemacht werden konnte.
00:07:10Ein Monsterprozess ungewöhnlichen Ausmaßes nimmt seinen Lauf und kostet jeden Verhandlungstag
00:07:1510.000 Mark.
00:07:17Allein die Aufzählung der über 80 Bandenverbrechen dauert zwei volle Tage.
00:07:22So, wir machen dann weiter mit der Vernehmung der Angeklagten zur Person.
00:07:28Frau Kreuzer, Sie sind geboren am, äh, bitte?
00:07:33Herr Landgerichtsdirektor, ich möchte eine Erklärung abgeben.
00:07:36Meine Mandantin wird, wie schon in der Voruntersuchung, auch während des Prozesses keinerlei Aussagen
00:07:42machen.
00:07:44Na gut, wir werden das im Protokoll vermerken.
00:07:47Ruhe, bitte.
00:07:49Herr Dr. Gehring, erstreckt sich das Schweigen Ihrer Mandantin auch auf Fragen nach Ihren
00:07:52Personalien und nach Ihrem Lebenslauf?
00:07:54Ja, ich bitte übrigens noch, die Damen und Herren Geschworenen darauf hinzuweisen, dass
00:07:58meiner Mandantin die Aussageverweigerung zusteht und dass ihr daraus keinerlei Nachteile
00:08:03bei der Urteilsfindung erwachsen dürfen.
00:08:06Ich verweise auf die Entscheidung des Reichsgerichts und des Bundesgerichts.
00:08:09Danke, Herr Rechtsanwalt, danke.
00:08:11Sie haben es soeben gehört, Sie dürfen aus der Aussageverweigerung der Angeklagten für
00:08:15das Urteil keinerlei Schlussfolgerungen, weder positiver noch negativer erzielen.
00:08:19So zur Feststellung der Personalien wird dann Band 2 der Ermittlungsakte Seite 14 zum
00:08:25Gegenstand der Verhandlung gemacht.
00:08:26Maria Anna Kreuzer, Rechtsanwältin, geboren am 8. Dezember 1908 in Atendon-Sauerland als
00:08:35Tochter des königlichen Landvermessers Josef Birkenbach, erzogen im Pensionat des
00:08:40Ursulinerinnenklosters, Abitur 1928 am Liebfrauen-Opulizeum, Studium Volkswirtschaft, Mathematik und
00:08:47Rechtswissenschaft, Referendarexamen in Jura 1932.
00:08:51Ist das soweit richtig, Frau Kreuzer?
00:08:54Ja.
00:08:55Haben Sie Ihren Beruf damals schon ausgeübt?
00:08:58Nur kurz, Herr Vorsitzender, von 1939 bis 40 als Justiziarin bei der Dynamit Nobel AG
00:09:04in Kreuzdorf, dann erfolgte ja die Eheschließung.
00:09:07Ach ja, die Eheschließung erfolgte am 20.03.40 mit Dr. Jürg-Josef Kreuzer, geboren 20.04.07.
00:09:15Herr Vorsitzender, eine Zwischenfrage.
00:09:19War der Ehemann der Angeklagten damals noch Regierungsrat oder schon Leiter der Gestapo?
00:09:23Verzeihung, Herr Oberstaatsanwalt, verhandeln wir nun den Lebenslauf meiner Mandantin oder
00:09:27den Ihres lange verstorbenen Ehemannes.
00:09:30Ich sehe wirklich keine Notwendigkeit dazu.
00:09:33Schon gut, Herr Dr.
00:09:34Gehrling.
00:09:34Wir kommen später darauf zurück, Herr Oberstaatsanwalt.
00:09:39Also, verheiratet, seit dem 20.03.40 mit Dr. Jürg-Josef Kreuzer, geboren am 20.04.07,
00:09:46bestorben am 19.04.58.
00:09:49Der Ehe entstammen die 1941...
00:09:51Personalien, Bildungsgrad, Familienverhältnisse.
00:09:54Alle Formalitäten wurden korrekt abgehandelt und dabei das Wichtigste doch außer Acht gelassen.
00:10:00Wie war es zu der scheinbar unerklärlichen Komplizenschaft mit einer Verbrecherbande gekommen?
00:10:04In den zwei Zentner schweren Ermittlungsakten war davon kaum die Rede.
00:10:09Tatsächlich hatte die Geschichte der Dominas-Bande schon 14 Jahre vorher im westfälischen Zuchthaus
00:10:14Werl begonnen.
00:10:16Petras Dominas verbüßte dort seine erste Zuchthausstrafe und wurde wegen guter Führung
00:10:21als Kalfaktor für den Prominentenflügel abgestellt.
00:10:26Also, Dominas, Sie wissen Bescheid.
00:10:29Respektvolles Benehmen, exakte Umgangsform.
00:10:32Kein Janofen-Sprach.
00:10:33Was war er denn?
00:10:33Nein, SS-Standartenführer.
00:10:35Zuletzt war er Chef von seiner Gestapo-Leitstelle.
00:10:38Sehr empfindlich, mit stark depressive Neihungen.
00:10:41Die haben geobachtet auf Selbstmordvorbereitungen.
00:10:43Lebenslänglich, wofür denn?
00:10:45Hat noch kurz vor Kriegsende die Erschießung von elf kanadischen Kriegsgefangenen angeordnet.
00:10:48Was, da sitzt er immer noch?
00:10:50Tja, bei den eigenen Leuten verstehen die dumm ist kein Spaß.
00:10:54Also, der Kreuzer geht ihnen sowieso auf den Wecker mit seinen ständigen Einjahmen,
00:10:58in denen er mit Enthüllung und über Kriegsverbrechen alter Kameraden droht,
00:11:01die schon längst wieder in Amt und Würden sind.
00:11:03So weit müssen Sie ihm auch ausreden.
00:11:05Der Direktor kriegt nur Arja davon.
00:11:07Fällt doch auf Sie zurück.
00:11:08Sie müssen sein Vertrauen gewinnen.
00:11:10Ich werde ihm schon eine Geschichte erzählen.
00:11:12Hoffentlich.
00:11:17Herr Kreuzer, ich bringe hier einen neuen Kalfaktor.
00:11:22Komm.
00:11:24Petermann muss ins Anschluss-Sazerett eingeliefert werden.
00:11:26Mahn-Geschwür, muss operiert werden.
00:11:29Ziehen Sie erst die Bettwäsche ab.
00:11:30Ich schlafe schon 14 Tage in den schmutzigen Bezügen.
00:11:33Jawohl.
00:11:37So, dann fängen Sie noch die Zelle aus.
00:11:40Geben Sie dem Blattpanz ein frisches Wasser.
00:11:43Der Kanarienvogel auch.
00:11:47Bis Zelleneinschluss stehen Sie Herrn Kreuzer zur Verfügung, wenn er sie braucht.
00:11:58Krimineller?
00:11:59Jawohl.
00:12:00Vier Jahre Zuchthaus.
00:12:01Weswegen?
00:12:05Ich bin in einer selbstgenähten britischen Offiziersuniform
00:12:07in ein Versorgungsdepot der Besatzungsmacht eingedrungen,
00:12:11um Lebensmittel zu stehen, Herr Standartenführer.
00:12:13Tüchtig, tüchtig.
00:12:15Kommandeunternehmen, was?
00:12:16Jawohl, so ungefähr.
00:12:18Erfolg gehabt?
00:12:19Jawohl.
00:12:20Ich habe zwei Tommys kommandiert, eine LKW vor der Auszufahren.
00:12:23Wurde aber dabei geschnappt.
00:12:25Einen ganzen Lastwagen voll gleich?
00:12:27Die sollten wohl auf dem schwarzen Markt verkauft werden, was?
00:12:30Nein, Herr Standartenführer.
00:12:31Für meine hungernden Kameraden im Lager sollten sie sein.
00:12:34So?
00:12:36In was für einem Lager waren Sie denn?
00:12:38Für Displaysuit Persons in Münster.
00:12:40Sind Sie Ausländer?
00:12:41Bald ein Deutscher.
00:12:43Von den Russen verjagt worden, was?
00:12:45Mein Vater war amtsweiter in Riga, Herr Standartenführer.
00:12:47Ich verstehe.
00:12:48Wo ist denn Ihr Vater jetzt?
00:12:50Inzwischen ausgewandert nach Kanada mit der ganzen Familie.
00:12:52Ich konnte leider nicht mit, weil ich verurteilt wurde.
00:12:55Gleich vier Jahre hat man ihn dafür aufgebrummt?
00:12:57Wer denn ein deutsches Gericht?
00:12:58Das britische Militärgericht in Münster.
00:13:00Die kennt doch kein Pardon, wenn es gegen uns Deutsche geht.
00:13:03Das habe ich am eigenen Leibe erfahren.
00:13:04Eine Ungerechtigkeit ist das, was hier mit Ihnen geschieht.
00:13:07Alle anderen sind schon längst auf freiem Fuß.
00:13:09Nur Sie lässt man hier sitzen.
00:13:13Na, mal abwarten.
00:13:16Jedenfalls wären wir fast leidensgefährdend.
00:13:18Wie heißen Sie denn?
00:13:19Dominas.
00:13:20Petras Dominas.
00:13:21Spielen Sie auch Schach-Dominas?
00:13:23Einigermaßen, Herr Standartenführer.
00:13:24Ach, lassen Sie den Standartenführer.
00:13:26Kommen Sie, spielen wir eine Partie.
00:13:28Ich weiß nicht.
00:13:30Unsinn.
00:13:31Wie kann auch der Wachtmeister nachher eine Wäscherei schaffen?
00:13:33Dann bekomme ich womöglich Ärger, Herr Standartenführer.
00:13:35Ach was.
00:13:38Sie haben mir zur Verfügung zu stehen.
00:13:41Passt auf.
00:13:48Links oder rechts, Dominas?
00:13:49Rechts, bitte.
00:13:50Sie fangen an.
00:13:54Die Insassen des D-Flügels haben Sie zum Rapport bereit zu halten.
00:13:57Die Zellen werden von einem Vertreter des Justizministeriums besichtigt.
00:14:01Dem Besucher können persönliche Anliegen und Beschwerden vorgetragen werden.
00:14:05Der Besucher ist mit, Herr Oberregierung sei anzusprechen.
00:14:08Die Zellen sind sofort in Ordnung zu bringen.
00:14:12Lass ich diese Kerle alles herausnehmen?
00:14:14Zellen in Ordnung bringen.
00:14:16Das haben Sie ja noch nicht mal die Engländer gewagt, als Sie ja die Anstalt verweisteten.
00:14:19Ich mag das schon.
00:14:19Kommt ja gar nicht in Frage.
00:14:21Wir tanzen doch nicht nach deren Pfeife.
00:14:23Los, stellen Sie auf.
00:14:291.467 Kriminelle in 372 Zellen.
00:14:32Und 37 Kriegsverbrecher in dem ganzen Trakt hier, das ist doch nicht mehr zu verantworten.
00:14:36Die Zellen der Kriminellen sind zu 400 Prozent überbelegt und hier stehen 70 Prozent leer.
00:14:41Warten Sie, bis die letzten 37 auch begnadigt sind, dann haben Sie Ihr Haus wieder für sich.
00:14:45So lange wird es schon noch gehen.
00:14:46Man brauchte die Kriegsverbrecher doch nur in den separaten Trakt des A-Flügels umzulegen, wo früher die zum Tode Verurteilten
00:14:52untergebracht waren.
00:14:53Dann bekämen wir mit einem Schlag 200 Zellen frei.
00:14:55Fällt doch nicht in unsere Zuständigkeit, mein Lieber.
00:14:57Als Ersten möchte ich diesen, der die vielen Eingaben gemacht hat, sprechen.
00:15:01Kreuzer, geben Sie mir schon die Unterlagen.
00:15:04Er weiß aber nicht, dass wir Sie abgefangen haben.
00:15:07Will ich ihm auch nicht auf die Nase binden.
00:15:09Ich werde auch am besten allein mit ihm sprechen.
00:15:10Natürlich. Bitte hier, Herr Oberregierungsrat.
00:15:14Hier, bitte.
00:15:16Alle leer.
00:15:23Bitte hier, Herr Oberregierungsrat.
00:15:28Strafgefangener Dominus abkommandiert.
00:15:29Das finden Sie.
00:15:30Jawohl.
00:15:37Herr Kreuzer, Herr Oberregierungsratei vom nordrhein-westfälischen Justizministerium, wird mit Ihnen über die Petitionen sprechen.
00:15:43Sie können ihm alle Fragen stellen, die Sie auf dem Herzen haben.
00:15:48Na, das möchte wohl sein.
00:15:51Vielen Dank, Herr Kollege.
00:16:03Das ist ja wohl der Gipfel der Perfidie.
00:16:06Mein eigener Mann kommt zu mir als Oberregierungsrat.
00:16:11Kompliziere die Situation nicht noch mehr, Josef.
00:16:14Wer kompliziert ja was, hä?
00:16:16Ich sitze nur bald sieben Jahre hier drin und ersticke noch an dieser Schande,
00:16:19während dieses ganze Renegatengeschmeiß schon wieder an der Sonne ist.
00:16:22Renegatentum ist längst nicht mehr gefragt.
00:16:24Sie brauchen uns jetzt.
00:16:26Dich auch.
00:16:26Alle, die Sie 45 noch verdammt haben.
00:16:28Ach, Unsinn.
00:16:29Speichellecker suchen Sie, wie diese Mannstein und Kesselring.
00:16:32Vorige Woche sind Sie begnadigt worden.
00:16:33Warum wohl?
00:16:34Weil Sie sie gegen die Russen brauchen?
00:16:36Diese Versager?
00:16:37Das glaubst du doch wohl nicht im Ernst.
00:16:40Nicht eine Kompanie würden Ihnen die Amis anvertrauen.
00:16:43Verzeih, aber du hast nicht die geringste Ahnung, was politisch draußen vorgeht.
00:16:53Deutschland soll wieder bewaffnet werden.
00:16:55Eine eigene Bundeswehrmacht bekommen.
00:16:57Die Schmach von 45 wird endlich ein Ende haben.
00:17:01Da können Sie deutsche Marschelle nicht mehr als Kriegsverbrecher diffamieren und im Zuchthaus behalten.
00:17:05Begreifst du das denn nicht?
00:17:07Warum will man mich dann und sogar meine Familie zugrunde richten?
00:17:11Mariannes Antrag auf Wiederzulassung als Rechtsanwältin ist schon wieder abgelehnt worden.
00:17:14Das ist doch unmenschlich.
00:17:15Wovon soll sie denn die Mädchen und sich ernähren?
00:17:17Das ist allein deine Schuld, Josef.
00:17:19Entschuldige, wenn ich dir das sage.
00:17:21Aber wenn du heutzutage noch solche Pamphlete in die Welt hinausschickst, dann kannst du nichts anderes erwarten.
00:17:28Da sollen solche Drohungen, die Kriegsverbrechen von anderen.
00:17:34Wie sollte ich mir denn anders helfen?
00:17:36Ich war so verzweifelt, Hubert.
00:17:40Einer nach dem anderen kam raus.
00:17:42Außerdem ist es unanständig und ehrlos, Kameraden verraten zu wollen, um die eigene Haut zu retten.
00:17:48Na, das könnt ihr mir nicht vorwerfen.
00:17:50Alles, aber das nicht, Hubert.
00:17:52Dann hätte ich schon 47 im Prozess meine Haut retten können.
00:17:55Der britische Ankläger hatte mir angetragen, als Zeuge der Anklage aufzutreten.
00:17:58Nicht einen von euch habe ich verraten.
00:18:00Ja, auch nicht, wo die Akten der Leitstelle verblieben sind.
00:18:04Die sind doch vernichtet worden.
00:18:07Nicht alle?
00:18:08Als du dich mit den Kameraden der Dienststelle hier, mit Menko und Gerling nach München absetztest,
00:18:13habt ihr doch den letzten Benzin vor Ort mitgenommen.
00:18:15Aber es war Befehl des Reichsführers, alle Akten zu vernichten.
00:18:18Habe ich auch ausgeführt.
00:18:22Aber der Zentraleitung Berge von Akten zu verbrennen, das war ja ganz einfach nicht mehr zu schaffen.
00:18:26Die Engländer rücken ja schon am nächsten Morgen ein.
00:18:29Wo sind die nicht verbrannten Akten geblieben?
00:18:31Marianne hat sie in Sicherheit gebracht, sie wurde ja nicht verhaftet.
00:18:33Wo hat sie sie gelassen?
00:18:35Sie flüchtete doch nach meiner Festnahme aufs Land und nahm die Akten mit.
00:18:38Den Engländern sind sie also nicht in die Hände gefallen?
00:18:41Nein, niemand hat sie je wieder zu Gesicht bekommen.
00:18:43Ihr könnt da ganz unbesorgt sein.
00:18:45Aber du wolltest doch wohl davon Gebrauch machen.
00:18:48Na ja, ich hatte nur ein bisschen die Nerven verloren.
00:18:59Von Marianne wusste ich ja, dass ihr inzwischen alle wieder Anschluss gefunden habt.
00:19:04Menke, in Dortmund Leiter der Kripo.
00:19:08Gerling, eine große Anwaltspraxis in Essen.
00:19:12Na und du?
00:19:16Ja, das verbittert doch, wenn man als Einziger noch hier festgehalten wird.
00:19:19Du musst doch ein bisschen Geduld haben, Josef.
00:19:21Ja.
00:19:21Das Schlimmste ist vorüber.
00:19:24Die Amerikaner und Engländer haben schon einen Schlussstrich gezogen.
00:19:28Und längst eingesehen, wie falsch es war, so mit uns umzuspringen.
00:19:32Deutschland ist wieder im Kommen, sagt das auch den anderen Kameraden, die noch hier sind.
00:19:36Nichts wäre dümmer, als jetzt die Geduld zu verlieren.
00:19:39Na ja, wir halten schon noch durch.
00:19:44Dann kann ich das hier wohl als erledigt behandeln, Josef.
00:19:48Natürlich.
00:19:52Kümmert euch jetzt ein bisschen um Marianne.
00:19:55Selbstverständlich.
00:19:55Ich fahre in den nächsten Tagen zu ihr.
00:19:57Wo wohnt sie jetzt?
00:19:58In Essen, bei ihrem Bruder.
00:19:59Kanapa Mark 2.
00:20:05Seid ihr so spät gekommen, damit euch niemand sehen sollte?
00:20:08Oder warum sonst?
00:20:09Ich hatte in Düsseldorf einen Termin.
00:20:11Deshalb ging es nicht früher.
00:20:12Ja, also bitte nehmt Platz.
00:20:15Mehr Komfort kann ich euch leider nicht bieten.
00:20:16Ich wohne hier nur zur Untermiete.
00:20:20Entschuldigt.
00:20:21Stören wir auch die Kinder nicht?
00:20:22Nein, nein, die schlafen.
00:20:26Frau Kreuzer.
00:20:28Bitte?
00:20:29Marianne, ich war in Werbe bei Josef vergangene Woche.
00:20:33Ja, das weiß ich.
00:20:33Das hat er mir ja inzwischen geschrieben.
00:20:35Ich bin dir sogar sehr dankbar dafür.
00:20:37Hast du es ja immerhin übers Herz gebracht, ihm etwas Mut zu machen.
00:20:41Marianne, nun lass doch mal deine Ressentiments beiseite.
00:20:44Was immer war.
00:20:45Wir sind immerhin so weit, dass wir wenigstens dir erst mal helfen können, hier herauszukommen.
00:20:50Donnerwetter.
00:20:51Ich hatte schon geglaubt, ihr wolltet mich auch nur mit Durchhalteparolen in Stimmung bringen.
00:20:55Lass das doch.
00:20:56Also gut.
00:20:58Was habt ihr mit mir vor?
00:21:00Du beantragst noch einmal deine Zulassung als Anwältin.
00:21:03Hai wird dafür Sorge tragen, dass sie erteilt wird.
00:21:06Und dann steigst du erst mal in meine Praxis ein.
00:21:08Ich brauche jemanden, der mir die Offizialverteidigungen abnehmen kann.
00:21:11Strafsachen?
00:21:13Ja.
00:21:14Ich war Justiziarin.
00:21:17Strafrecht ist nicht meine Domäne.
00:21:19Ich würde lieber wieder in die Industrie.
00:21:23Mit Offizialverteidigungen ist doch nicht die Butter aufs Brot zu verdienen.
00:21:26Du bekommst von mir ein angemessenes Gehalt.
00:21:29Wir werden auch versuchen, euer beschlagnahmtes Vermögen und die Villa freizubekommen.
00:21:33Wenn ihr so gute Beziehungen habt, warum kann ich dann keine eigene Praxis aufmachen?
00:21:37Das braucht Zeit.
00:21:39Die Anwaltskammer und die Stadt Essen müssten dazu ihre Genehmigung geben.
00:21:42Wir wollen das nicht überstürzen.
00:21:45Na also gut.
00:21:47Ich bin einverstanden.
00:21:49Ist vielleicht ganz reizvoll, die Outsider in Schutz zu nehmen.
00:21:52Ich kann jedem nachfühlen, was es heißt, draußen zu sein.
00:21:55Nicht mitten an der Krippe zu sitzen.
00:21:57Dann bringst du ja die besten Voraussetzungen für eine gute Strafverteidigerin mit, Marianne.
00:22:02Vielleicht.
00:22:04Es wäre allerdings noch eine Voraussetzung zu erfüllen, Marianne.
00:22:08Die Akten der Leitstelle sind 45 nicht alle vernichtet worden.
00:22:11Du hättest einige damals anderweitig in Sicherheit gebracht, sagte mir Josef.
00:22:15Ja, das stimmt.
00:22:17Dafür müsstet ihr mir ja dankbar sein.
00:22:18Wenn sie den Engländern in die Hände gefallen wären, säßen jetzt gewiss noch einige mehr von euch in Werl.
00:22:24Wo sind die Akten jetzt, Marianne?
00:22:26Die findet niemand.
00:22:27Trotzdem müssen wir sie haben.
00:22:29Wo sind sie?
00:22:30In einem Bauernhaus unter den Fußbodendielen.
00:22:33Ich hatte mich 45 dort einige Wochen versteckt gehalten.
00:22:36Wenn sie noch dort sind, muss es auch eine Möglichkeit geben, sie herauszuholen.
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00:25:44Untertitelung des ZDF, 2020
00:25:52ZDF, 2020
00:26:32Das letzte Zimmer am Ende des Tages ist es.
00:26:34Die Bedienung schläft dort.
00:26:35Sie steht aber gleich auf, um mir Frühstück zu machen.
00:26:37Ich habe gesagt, dass ich früh abreise.
00:26:38Und der Inhaber?
00:26:39Der steht nie vor 10 Uhr auf.
00:26:41Ist noch jemand im Hause?
00:26:41Nein, die Schwester kommt immer erst mittags.
00:26:44Die wohnt im Ort.
00:26:46Hier, damit müsste es doch gehen.
00:26:49Ja, ja. Wie komme ich hier weg?
00:26:51Sie packen das Zeug in diese beiden Koffer.
00:26:53Die sind leer.
00:26:55Und weiter?
00:26:57Sie verlassen das Haus wie gehabt und warten.
00:27:04Frau Kreuzer, Sie wollten direkt werden.
00:27:07Ja, ist gut, Kindchen.
00:27:09Ich komme in 10 Minuten.
00:27:10Machen Sie mir doch bitte zwei Eier im Glas,
00:27:12ein Schinkenbrot und einen guten Kaffee.
00:27:14Jawohl, Frau Kreuzer.
00:27:20So, jetzt müsste es gehen.
00:27:22Wie geht es dann weiter? Soll ich den Pauweh nehmen?
00:27:23Sie gehen die Chaussee in Richtung Dortmund.
00:27:25Dann komme ich mit dem Wagen und fahre Sie nach Dortmund.
00:27:27In Dortmund kann ich nicht behalten.
00:27:28In der nächsten Bürostadt suchen mich die Bullen zuerst.
00:27:30Um 7.40 Uhr fährt ein Zug nach Frankfurt.
00:27:33Hier habe ich die Fahrkarte und etwas Geld für den Anfang.
00:27:38Ach, den Hausschlüssel, den muss ich zurückgeben.
00:27:43Wie komme ich aus dem Haus?
00:27:45Ich fahre gleich den Wagen aus der Garage und lasse die Tür auf.
00:27:53Ich fahre gleich den Wagen aus dem Haus.
00:28:19Ich fahre gleich den Wagen aus der Nachbarschaft mit dem Haus.
00:28:43Morgen, Frau Kreuzer.
00:28:44Morgen, Kirchen.
00:28:46Ach, wunderbar.
00:28:49Dankeschön.
00:28:50Tut mir leid, dass ich Sie schon so früh rausholen musste,
00:28:52aber ich habe um neun schon einen Termin im Essen.
00:28:55Das macht nichts. Ich muss jeden Morgen so früh raus.
00:28:57Der alte Höhmann schläft immer den halben Vormittag.
00:28:59Na, ist das nicht ein bisschen viel für Sie, so?
00:29:01Die ganze Wirtschaft allein, nur mit Höhmann?
00:29:04Ach, das geht schon. Nachmittags kommt Höhmanns Schwester und Hilfe.
00:29:08Ist der Wörtchen auf? Da muss ich mich beeilen.
00:29:10Der ganze Abfallstimmung von gestern.
00:29:10Nein, der ging nur auf die Toilette, als ich runterkam.
00:29:13Das hätte mich auch gewundert. Der war gestern Abend wieder ganz schön voll.
00:29:16So, ist der immer noch sein bester Gast?
00:29:18Na, meistens schon.
00:29:20Ach, Herr Elga, ich habe noch eine Bitte an Sie.
00:29:22Können Sie mir nicht rasch noch meinen Wagen ein bisschen waschen?
00:29:24Der ist gestern wieder so eingesaut worden.
00:29:26Ja, Frau Kreuzer, dann kommen Sie gleich aus der Garage.
00:29:28Ja, selbstverständlich.
00:29:43Ist das alles?
00:29:45Ja.
00:29:46Ja.
00:29:50Ja.
00:29:55Ja.
00:29:56Ja.
00:30:04Ja.
00:30:05Ja.
00:30:06Ja.
00:30:06Ja.
00:30:06Ja.
00:30:09Ja.
00:30:15Ja.
00:30:16Ja.
00:30:18Ja.
00:30:38Wann sind Sie aus Verl ausgebrochen, Dominas?
00:30:42Weiß ich doch heute nicht mehr.
00:30:46Sie können sich ruhig eines gemäßigteren Todes bedienen, Angeklagter.
00:30:51Ich bin gewohnt zu reden, wie es mir passt.
00:30:52Ich verbiete Ihnen diese Frechheit, Angeklagter. Sie haben weiß Gott allen Grund, sich hier anständig aufzuführen.
00:30:57Das ist ja wohl meine Sache, nicht?
00:30:59Am 10. Oktober 1952 war der Ausbruch, nach Feststellung der Anstaltsleitung. Ist das richtig?
00:31:03Die müssen Sie ja wohl am besten wissen.
00:31:06Bitte.
00:31:08Sie sind damals nach Frankfurt am Main entkommen und am 12. Dezember bei einem versuchten Einbruch in das Pelzhaus Jäger
00:31:13wieder festgenommen worden.
00:31:14Ich meine, kann das stimmen?
00:31:15Na, wenn es da steht.
00:31:16Ach, Herr Vorsitzender.
00:31:18Vielleicht kann uns der Angeklagte dabei gleich erzählen, wer ihm bei der Flucht behilflich war.
00:31:23Das Sägeblatt beschafft hat er.
00:31:24Bis jetzt immer noch ein Kalfaktor, Herr Oberstaatsanwalt.
00:31:28Wollen wir das nicht bis zur Beweisaufnahme zurückstellen, Herr Oberstaatsanwalt?
00:31:34Ich möchte erst die Befragung zur Person abschließen.
00:31:38Stellanheim, Herr Landgerichtsdirektor.
00:31:39Welche Strafe haben Sie für die Frankfurter Einbrüche erhalten?
00:31:43Fünf Jahre Z.
00:31:46Richtig.
00:31:47Wegen fortgesetzten schweren Diebstahls im Rückfall fünf Jahre Zuchthaus.
00:31:51Hatte Sie in dem Prozess schon Frau Kreuzer verteidigt?
00:31:54Nein.
00:31:56Sie hatten Frau Kreuzer doch, glaube ich, geschrieben, dass sie ihre Verteidigung übernehmen möchte.
00:32:00Weiß ich nicht.
00:32:01Frau Kreuzer hatte damals einen Autounfall und lag mit einem Oberschenkelheilsbruch im Krankenhaus, Herr Landgerichtsdirektor.
00:32:08Ach ja, war das erst das nächste Mal. Ich danke Ihnen.
00:32:11Die fünf Jahre haben Sie aber voll verbüßt den Zuchthaus Putzbach.
00:32:14Natürlich.
00:32:16Aber Sie sind doch erst 59 entlassen worden.
00:32:18Er hatte noch die Reststrafe aus Werdel abzusitzen.
00:32:22Ja, ja, ich sehe schon. Danke.
00:32:24Also waren Sie von 52 bis 59 ununterbrochen in Haft?
00:32:28Zwangsläufig.
00:32:29Zwangsläufig.
00:32:31Und während dieser Zeit lernten Sie dann wohl Helmut Balck kennen?
00:32:35Gerhard war das.
00:32:37Gerhard?
00:32:37Herr Landgerichtsdirektor, in Putzbach war ich noch nicht.
00:32:40So, Gerhard, na ja, da muss man sich ja was durchfinden hier.
00:32:43Gerhard saß doch in Putzbach die neun Jahre wegen versuchten Polizistenmordes ab.
00:32:46Na gut, Gerhard.
00:32:47Jedenfalls rührt doch aus dieser Zeit doch schon die Bekanntschaft mit Dominas her.
00:32:51Ja.
00:32:52Gerhard hatte uns aus Putzbach geschrieben, dass Dominas nach seiner Entlassung zu uns nach Bottrop kommen wollte.
00:32:58Sie hatten wohl damals schon vereinbart, dass wir uns zusammentun und auf blonde Mädchen legen wollten.
00:33:04Auf was?
00:33:05Auf Brillanten, sagt man so, in Fachkreisen.
00:33:11Ach, und das war schon in Putzbach verabredet worden.
00:33:14Ach, was der lügt.
00:33:15Lassen Sie sich doch keine Märchen erzählen, Herr Vorsitzender.
00:33:17Ich hatte nur meiner Schwester Betty geschrieben, dass der Dominas bei uns wohnen soll, weil er doch keine Bleibe hatte.
00:33:23Und die Betty gerade von ihrem Mann geschieden war.
00:33:25Ja, nun mal nicht so vereilig, Herr Balck.
00:33:27Den ersten Juwelendiebstahl nach seiner Entlassung aus Putzbach hatte Dominas doch mit Helmut ausgeführt.
00:33:32Meine Stimme, das Helmut.
00:33:33Ja.
00:33:33Und zwar, ja, am 15. Mai 59 beim Jubiläer Spallek in Dortmund.
00:33:41Ja, an den genauen Tag da.
00:33:43Kann ich mich nicht mehr erinnern, aber Mai war es.
00:33:45Na, das klappte aber wohl nicht so richtig.
00:33:47Nee, der Dominas konnte ja damals noch nicht Siemeli von echten Steinen unterscheiden
00:33:51und hatte fast nur Ringe mit falschen Steinen gegrapscht.
00:33:54Du hast doch den Tünnefladen aus, Baldova, du Idiot.
00:33:56Sie sind jetzt ruhig, Dominas.
00:33:58Helmut, kommst du doch mal lieber hier vor.
00:34:01Das wird besser sein.
00:34:17Helmut, wie war das mit den falschen Steinen?
00:34:20Dominas verkaufte sie seinem Abnehmer als echte.
00:34:23Der ließ uns dann hochgehen.
00:34:25Ja, ja, am 29. Mai 59 wurden Sie und Dominas auf eine anonyme Anzeige hin schon wieder verhaftet.
00:34:32Ja, durch seine Dusseligkeit nur.
00:34:33Ja, und in dem Prozess wurden Sie dann alle beide von Frau Kreuzer verteidigt.
00:34:37Ja, Dominas hat sie ja aus der Haftanstalt geschrieben.
00:34:41Verlangte Frau Kreuzer ein Honorar dafür?
00:34:43Nee, hätte mir ja auch gar nicht bezahlen können, woher denn.
00:34:46Sie erhielten zwei Jahre Gefängnis und Dominas vier Jahre Zuchthaus.
00:34:49Ja, der Staatsanwalt hat auch noch den Rucksack für ihn beantragt, ich meine Sicherungsverwahrung für ihn beantragt.
00:34:56Aber das konnte Frau Kreuzer ja abhandeln.
00:35:01Hat ja ein tolles Pädoyer für ihn gehalten.
00:35:03Und wenn er nicht wieder aus dem Knast ausgebrochen wäre, dann hätten Sie ihn bestimmt auch noch früher entlassen.
00:35:07So zu Herzen gehend hat sie über sein trauriges Leben geredet.
00:35:11Und da hat er ja auch einen Ausbruchversuch unternommen?
00:35:14Er ist ja auch draußen gewesen.
00:35:16Aber dann war er so dusselig und geht in Zigarettenladen, wo die ganzen Wachtmeister der Haftanstalt kaufen.
00:35:21Einer hat ihn erkannt und gleich wieder mit zurückgenommen.
00:35:26Und dann erzählt er noch, von wem er das Sägeblatt hat.
00:35:30Wem hat er das erzählt?
00:35:31Na mir, dass ihm Frau Kreuzer wie schon in Well heimlichen Sägeblatt zugesteckt hat.
00:35:37Als wir vom Termin kamen, dann zog er es aus dem Jackettarmel.
00:35:41Das haben Sie gesehen?
00:35:44Natürlich.
00:35:45Und wenn ich nicht so verschwiegen gewesen wäre, hätte das der Frau damals schon die Stellung kosten können.
00:35:50Stimmt das, Dominas?
00:35:55Kein Wort.
00:35:56Von einem Kalfaktor hatte ich das Sägeblatt für 200 Zigaretten.
00:36:00Und die Zigaretten hatte mir Frau Kreuzer zugesteckt.
00:36:03Nun gut, das werden wir alles noch klären.
00:36:05Ihre vier Jahre haben Sie jedenfalls wieder voll verbüßt.
00:36:07Entlassen wurden Sie am 26. September 1963.
00:36:12Bitte.
00:36:13Und da begann ja wohl die Ära der Dominasbande.
00:36:17Nicht wahr?
00:36:28Ja.
00:36:53Du bist bist du.
00:36:56Hallo, Taxi!
00:37:01Fahren Sie mich zum Carnapamarkt.
00:37:02Nimm lieber die Straßenbahn, ist billiger.
00:37:05Hab mal keine Sorge um dein Geld, Jüngchen.
00:37:07So viel verdient man schon in vier Jahren Z,
00:37:08dass man sich eine Taxi in die Freiheit leisten kann.
00:37:10Na, wenn du es so dick hast.
00:37:25Vier Jahre Zuchthaus liegen wieder hinter Dominas.
00:37:2948 Monate bitterer Erkenntnis,
00:37:31dass kleines Unrecht nie gut gedeiht.
00:37:34Zwölfeinhalb Jahre seines Lebens
00:37:36hatte er für mickrige Einbrüche und Diebstähle
00:37:38in Gefängnis- und Zuchthauszellen verbracht.
00:37:41Der Weg in ein braves, bürgerliches Leben war ihm verschlossen.
00:37:46102 Mark Arbeitslohn,
00:37:47die ihm bei der Entlassung ausbezahlt worden waren,
00:37:50reichten nicht aus, um auch nur eine Woche anständig zu leben.
00:37:54Selbst der Anstaltsgeistliche
00:37:55war um einen hoffnungverheißenden Bibelspruch verlegen gewesen.
00:37:59Und der Oberaufseher hatte ihm nur geraten,
00:38:02dreh das nächste Ding in einer anderen Stadt, Jüngchen.
00:38:04Es fällt immer auf die Anstaltsleitung zurück,
00:38:06wenn du bei uns nicht gebessert worden bist.
00:38:17Da war ihm dann der Gedanke gekommen,
00:38:19alte Schulden einzutreiben
00:38:21und aus den viel grösseren Verbrechen anderer
00:38:24endlich Kapital zu schlagen.
00:38:26Der Plan war absurd.
00:38:28Aber Dominas einfältig genug,
00:38:31ihn verwirklichen zu wollen.
00:38:48Zu wem möchten Sie denn?
00:38:49Zu Frau Kreuzer.
00:38:50Zu der Rechtsanwältin?
00:38:51Ja.
00:38:52Da müssen Sie schon nach Breteney rausfahren,
00:38:54dort hat sie jetzt eine Villa.
00:38:55Die wohnt nicht mehr im Mietshaus.
00:39:25Untertitelung im Auftrag des ZDF,
00:39:31Das ganze Bein, Jüngchen.
00:39:33Kriegst doch was raus, Kumpel!
00:39:34Geschenk!
00:39:49Bis heute Abend an Marianne.
00:39:52Auf Wiedersehen.
00:39:53Aber acht kann's werden.
00:39:54Wir warten mit dem Essen.
00:40:20Komme ich ungelegen, Frau Kreuzer?
00:40:22Na ja, kommen Sie rein.
00:40:47Meine Zeit ist wieder einmal um, Frau Kreuzer.
00:40:49Sie haben mich sogar in einen Tag früher entlassen.
00:40:52Ja, nehmen Sie bitte Platz, Herr Dominas.
00:40:58Kann ich Ihnen ein Whisky eines Silzano anbieten?
00:41:01Lieber nicht.
00:41:02Mein Magen ist in den vier Jahren nicht besser geworden.
00:41:05Immer noch Ihre alte Gastritis.
00:41:08Sicher schon Magengeschwüre.
00:41:10So genau haben die das im Knast nicht untersucht.
00:41:22Ist das alles echt?
00:41:23Ach, nicht alles.
00:41:24Ein paar Kopien sind schon drunter.
00:41:27Bitte.
00:41:28Danke.
00:41:39Sie haben's also wieder geschafft.
00:41:41Das sieht nur so aus.
00:41:43Aber das, was ich mal war, das hab ich noch lange nicht wieder erreicht.
00:41:47Immerhin.
00:41:48So lässt es sich doch leben.
00:41:51Einen Namen haben Sie ja auch.
00:41:52Ja.
00:41:53Hilfskreuzer Maria Anna.
00:41:57Mutter der kleinen und mittleren Hehler und Gangster.
00:42:00Bezahlt vom Erlös der geklauten Nerzmäntel und Juwelen.
00:42:04Daran sollten Sie sich nicht stoßen, Frau Kreuzer.
00:42:06Geht doch den anderen Rechtsanwälten genauso.
00:42:10Womit soll denn uns eins das teure Verteidiger honorar bezahlen?
00:42:15Für einen guten Verteidiger muss man eben rechtzeitig was auf die Seite legen, nicht?
00:42:19Also nun lassen wir das mal.
00:42:21Was haben Sie denn jetzt vor?
00:42:23Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?
00:42:25Ja, dann würde ich Sie bitten.
00:42:26Kann ich zum Tennis deinen Wagen nehmen, bitte, ja?
00:42:28Äh, ja, ja.
00:42:29Der Autoschlüssel ist in meiner Wildlederjacke.
00:42:32Na komm.
00:42:35Aber bitte fahr vorsichtig, Gerni.
00:42:36Ja, natürlich.
00:42:41Hübsches Mädchen, Ihre Tochter.
00:42:43Ja.
00:42:45Soll die auch mal Rechtsanwältin werden?
00:42:48Optiker lernen Sie.
00:42:49Irma studiert Jura.
00:42:55Tüchtige Mädchen.
00:42:58Dominas, brauchen Sie Geld für den Anfang?
00:43:01Sagen Sie das ruhig, ich helfe Ihnen gerne, soweit ich kann.
00:43:05Ich gebe es Ihnen wieder, sobald ich flüssig bin.
00:43:08Aber Geld alleine reicht nicht aus.
00:43:12Ich könnte Ihnen vielleicht eine Stellung beschaffen.
00:43:14Ich kenne da einige Leute.
00:43:15Eine Stellung?
00:43:16Als Verkäufer?
00:43:17Oder als Waschmaschinenvertreter vielleicht?
00:43:19Nein, nein, etwas anderes schon.
00:43:21Sparen Sie sich die Mühe, Frau Kreuzer.
00:43:24Für eine bürgerliche Resozialisierung bin ich nicht mehr verwendungsfähig.
00:43:29Ich habe nur noch eine Chance.
00:43:31Den ganz großen Coup.
00:43:33Ein paar hunderttausend müssen bei Rausspringen.
00:43:35Dann mache ich rüber nach Kanada zu meiner Familie.
00:43:38Mit Hirnvorstrafen kommen Sie nie nach Kanada.
00:43:41Ich weiß.
00:43:43Nicht als Petras Dominas.
00:43:44Der hat abgewirtschaftet.
00:43:46Deshalb komme ich auch zu Ihnen.
00:43:48Ich brauche neue Papiere.
00:43:50Einen Pass auf einen anderen Namen
00:43:52und ein blütenweißes polizeiliches Führungszeugnis.
00:43:55Falsche Papiere von mir?
00:43:56Echte Papiere.
00:43:58Von diesem Herrn zum Beispiel.
00:44:00Der hier war.
00:44:01Er hat Sie heute Abend zum Essen eingeladen.
00:44:02Ist doch die beste Gelegenheit.
00:44:04Also es ist vollkommen sinnlos,
00:44:06dass wir uns weiter darüber unterhalten.
00:44:07Ich kann Ihnen nur mit Geld helfen.
00:44:09Und das will ich auch gerne tun.
00:44:11Fragen Sie doch diesen Herrn,
00:44:14ob er sich nicht gewundert hat,
00:44:16dass damals von ihm keine Akte dabei war.
00:44:18Wieso?
00:44:18Die ist doch 45 mit verbrannt worden.
00:44:21Oder hat Ihnen mein Mann etwas anderes erzählt?
00:44:23Ihr Mann hat mir sehr viel
00:44:25über seine früheren Kameraden erzählt.
00:44:27Und ich habe darüber Tagebuch geführt.
00:44:29In Geheimschrift natürlich.
00:44:31Also Sie sind wirklich ein Kindskopf, Dominas.
00:44:34Vor den Enthüllungen eines Kriminellen
00:44:35wird ein Ministerialrat zittern.
00:44:37Glauben Sie das im Ernst?
00:44:39Also warten Sie, ich gebe Ihnen Geld.
00:44:42Wo habe ich denn wieder den Schlüssel?
00:45:18So, Dominas.
00:45:19Ein toller Schritt.
00:45:21Was ist das für einer?
00:45:23Ein Chevrolet.
00:45:24Man muss schon ein bisschen Aufwand treiben,
00:45:26wenn man heutzutage etwas darstellen will.
00:45:28Könnte mich auch reizen.
00:45:42Tausend Mark.
00:45:43Reicht das erst mal?
00:45:44Ach, so viel brauche ich doch gar nicht.
00:45:46Ich muss mich nur neu einkleiden.
00:45:47So sieht auch jeder, woher ich komme.
00:45:49Nun nehmen Sie das schon.
00:45:51Ich gebe es Ihnen wieder,
00:45:52sobald ich wieder bei Kasse bin.
00:45:53Aber das hat ja keine Eile.
00:45:55Vielen Dank erst mal.
00:45:56Und die anderen Hirngespinste,
00:45:58die lassen wir ein für alle Mal begraben sein, Dominas.
00:46:00Ich verschaffe Ihnen schon einen einträglichen Job
00:46:02und dann kommen Sie auch wieder auf die Beine.
00:46:04Verbleiben wir so?
00:46:05Sie verschaffen mir die Papiere,
00:46:06dann können wir so verbleiben.
00:46:08Also gut, ich werde mich darum bemühen.
00:46:10Okay.
00:46:14Wo kann ich Sie erreichen?
00:46:16Bei den Balks in Bottrop.
00:46:19Zu den Balks gehen Sie?
00:46:20Ist denn das gut in Ihre alten Kreise zurück?
00:46:22Bei Ihnen kann ich ja wohl kaum bleiben.
00:46:26Ich brauche erst mal ein Unterkommen.
00:46:30Mit Familienanschluss.
00:46:32Und ein bisschen was fürs Herz.
00:46:36Ja, was ist denn?
00:46:40Mensch!
00:46:41Oh, Peter!
00:46:42Oh, Peter!
00:46:45Es ist diese Zeit, dass Sie dich rausgelassen haben.
00:46:47Länge hat ich es nicht mehr ausgehalten.
00:46:49Ich auch nicht, Betty.
00:46:54Betty!
00:46:55Was ist denn?
00:46:56Gott, verdammt!
00:46:57Der Dominas ist auch.
00:46:59Ja!
00:47:00Kinder!
00:47:00Und Peter ist aus dem Knast zurück.
00:47:02Oh, das ist die Leiche wieder vor mir machen.
00:47:05Das ist die ganze teure Zeug.
00:47:07Ich will mal her.
00:47:08Komm.
00:47:08Nee, nee, nee.
00:47:09Jetzt kann sie nicht leicht mit ihr in der Kuschel gehen.
00:47:11Auf prima.
00:47:12Hat es so lange gedauert,
00:47:13könnte auch bis nach dem Mittagessen wachen.
00:47:15Ach, Quatsch, ich will nicht essen.
00:47:16Gebt aber König, Späger, klopse.
00:47:19Du sagst, du bist wohl jäck geworden.
00:47:21Gebt mir hier mal die Fläsch.
00:47:24Hm, lecker.
00:47:28Komm.
00:47:29Nicht doch die Kinder.
00:47:30Du musst doch abschließen.
00:47:31Was?
00:47:321440 Tage ohne ich,
00:47:33da habe ich von nichts anderem geträumt.
00:47:38Bis zum Verrückt werden.
00:47:39Könnt ihr denn nicht in euer Zimmer gehen?
00:47:40Mensch, Dominas, alter Junge.
00:47:42Lass sie es da aus.
00:47:44Sag.
00:47:45Wieder raus?
00:47:46Denk nicht mehr dran.
00:47:47Na, halblank, Dicker, die vier Jahre.
00:47:49Meine Güte, wat betudelt ihr euch denn?
00:47:51War doch nicht das letzte Mal,
00:47:52dass der Lorbarst ein war.
00:47:53Halt die Klappe, Oma.
00:47:54Diesmal war es unter Garantie, das letzte Mal.
00:47:55Weiß ich, weiß ich.
00:47:56Hat er vor vier Jahren auch schon gesagt.
00:48:01Na, dann Prost.
00:48:02Prost.
00:48:02Prost.
00:48:03Prost.
00:48:07Haljutsch.
00:48:11Guck mal.
00:48:12Was habt ihr denn da aufgekratzt?
00:48:14Ein Arm mit dem Banditen.
00:48:16Unsere neue Nummer.
00:48:18Was denn für neue Nummer?
00:48:18Na, ist das eine Überraschung?
00:48:20Schöne Überraschung.
00:48:22Spielautomatenklauen.
00:48:23Ihr seid wohl vom wilden Affen gebissen.
00:48:25Wer ist denn auf die Idee gekommen?
00:48:26Seht ihr, das habe ich gleich gesagt.
00:48:27Dem Dominas wird das nicht gefallen.
00:48:29Wart's doch ab.
00:48:30Die Idee ist wirklich nicht schlecht.
00:48:45Harvey, nimm's Bild ab.
00:49:01Besuch.
00:49:02Versuch.
00:49:15So, jetzt nehme ich die Güte zusammen.
00:49:17Die Petermann Geschicklichkeitsautomaten GmbH beglückwünschen Sie dazu.
00:49:21Versuchen Sie ein neues Spiel an Petermanns Geschicklichkeitsautomaten.
00:49:24Sie werden die reelle Chance haben, Ihren Gewinn zu verdoppeln.
00:49:27Mit ein bisschen Geschick können Sie es an Petermanns Geschicklichkeitsautomaten zu Glück und Wohlstand bringen.
00:49:51Sie haben den Hauptgewinn, die Petermann Geschicklichkeitsautomaten GmbH beglückwünschen Sie.
00:50:00Na, was sagst du nun, Dominas?
00:50:03Was soll das? Willst du künftig mit zwei Markgewinnen arbeiten? Und wie oft klappt das schon?
00:50:09Immer. So oft du nur willst.
00:50:11Glaubst du?
00:50:11Doch. Von morgens bis abends macht er das, das. Und jedes Mal spuckt er so viel Geld, dass mich das
00:50:17Herz vor Freud im Leib hüppen tut.
00:50:19Du lernst das auch, Dominas. Bestimmt noch schneller als ich. Glaub mir.
00:50:24Der ganze Trick dabei ist doch nur, du musst die rotierenden Scheiben lesen lernen, so schnell sie auch laufen.
00:50:29Hauch in Widerstand rein.
00:50:30Eins, zwei, drei, fünf, zwei, vier, drei, sechs, drei, sechs.
00:50:35Schneller.
00:50:39Bei der Zwei musst du drücken, dann kommt die Eins.
00:50:41Na auf, du machst mich ja ganz fest Schugge.
00:50:43Das ist nur am Anfang.
00:50:44Mich hat er vielleicht geschafft mit dem Ding. Jeden Tag hat er da mitprobiert.
00:50:48Fünf, sechs Wochen, dann hatte ich's weg.
00:50:50Bei dir geht das bestimmt schneller.
00:50:52Und wenn wir alle vier drauf arbeiten, dann rollt auch der Dollar, sag ich dir.
00:50:56Den Harry lass mal über draußen.
00:50:57Der stottert auch nicht nur beim Lesen, auch beim Sehen.
00:51:00Du bist ja doof.
00:51:02Zu Hause kann ich schon ganz gut.
00:51:03Nur in der Spielhalle, da bin ich so nervös.
00:51:06Da rück ich immer zu spät.
00:51:09Was wäre denn maximal, damit zu holen?
00:51:12In so einem Automaten sind im Schnitt 50 Mark Bank.
00:51:15In einer Stunde kannst du die abmelken.
00:51:20Bei einer acht Stunden Arbeitszeit werden das 400 Eierchen am Tage gestorben.
00:51:27In acht Stunden 400.
00:51:29Sind in einer Woche zwei Mille, ist doch auch ein schönes Stück Geld.
00:51:31Können Sie bloß, schon hättet.
00:51:33In acht Minuten werden wir 40.000 machen und mehr.
00:51:36In einem Jahr so viel, dass wir alle satt sind und uns zur Ruhe setzen können.
00:51:40Ich mach dann sowieso nach Kanada.
00:51:43Hör zu, du Minas.
00:51:44Ich weiß nicht, was du vorhast.
00:51:47Aber das hier ist eine solide, ehrliche Arbeit, die ein Mann ernährt.
00:51:51Und kein Buller kann uns da in die Suppe spucken.
00:51:53Wie lange läuft denn die?
00:51:54Sobald Sie das spitz haben, lassen Sie uns in keine Spielhalle mehr rein.
00:51:57Ich will keinen Knast mehr schieben.
00:52:03Die letzten zweieinhalb Jahre haben mir gereicht.
00:52:06Das nächste Mal hängen Sie mir einen Rucksack an.
00:52:09Und ich gehe seit Lebensverschütt.
00:52:11Dann bleib draußen.
00:52:12Es fängt dich ja keiner mitzumachen.
00:52:13Was Helmut macht, überlass mir.
00:52:15Erzähl erst mal, was du vorhast.
00:52:18Blonde Mädchen.
00:52:21Brillantin.
00:52:22Die Nachfrage war noch nie so groß wie heut.
00:52:25Und die Schaufenster noch nie so voll davon wie jetzt.
00:52:27Das ist doch viel zu heiß.
00:52:30Was haben uns denn die ganzen Brüche schon eingebracht?
00:52:32Nur Knast.
00:52:33Gerd war neun Jahre drin, du bald 13.
00:52:34Lohnt denn das?
00:52:35Eben nicht.
00:52:37Ganz groß müssen wir herauskommen.
00:52:40Solche Balkenüberschriften müssen die Zeitung von uns bringen.
00:52:42Dann lohnt es.
00:52:43Dann jagen uns die Bullen wie die Ratten.
00:52:46Irrtum.
00:52:46Uns werden sie nicht jagen.
00:52:48Da habe ich vorgesorgt.
00:52:49Och, du spinnst doch wie Märchen.
00:52:51Halt die Klappe.
00:52:52Glaubt mir, ich mache aus euch die größte Gangsterband Europas.
00:52:55Und kein Haar werden sie euch krümmen können.
00:52:57Verlasst euch drauf.
00:53:00Meinst du wirklich, dass wir uns dazu eignen?
00:53:07Na Harry.
00:53:08Wir hatten sie aber wenig Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Brüder.
00:53:13Wieso denn?
00:53:14Na insgesamt hatten sie dann aber über anderthalb Millionen Mark Beute gemacht.
00:53:18Damit ist doch ihre Eignung hinreichender Wiesen, Harry.
00:53:21Was denn?
00:53:22So viele?
00:53:23Ja, das hat sich ganz schön zusammengeleppert.
00:53:25Ja, aber anfangs...
00:53:27Anfangs sah das nicht danach aus, dass wir so erfolgreich sein würden.
00:53:30Wir wären ja fast schon beim ersten Bruch geplatzt.
00:53:32So, wo war denn das?
00:53:33Bei Offermann, in Mönchengladbach.
00:53:34Da war doch der Dominas, so lange wie er war, in die Schaufensterscheibe gefallen und hatte sich das rechte Bein
00:53:39kaputt geschnitten.
00:53:40Ja, das stimmt.
00:53:41Das ist richtig, Herr.
00:53:41Wie ist denn das überhaupt passiert?
00:53:43Na, weil doch der Dominas als Hammermann überhaupt nicht geeignet war.
00:53:46Der konnte ja normale Schaufensterglas nicht von Panzerglas unterscheiden.
00:53:51Deshalb schlug er viel zu doll zu und fiel mit dem Hammer gleich mit durch die Scheibe.
00:53:56Na, hätten Sie denn das unterscheiden können?
00:54:00Ja, ich bin ja ein gelernter Blass- und Gebäudereiniger.
00:54:03Aber er wollte ja alles besser können.
00:54:05Ja, Dominas, im Leben wird alles gelernt sein, nicht?
00:54:07Ja, und wenn der Funkwagen, der schon ran war, nicht eine Reifenpanne gehabt hätte,
00:54:10dann hätten sie uns damals schon geschnappt.
00:54:12So spät sind wir durch den Quatsch weggekommen.
00:54:14Aber die Schaufensterauslage hat der Dominas doch wohl noch ausgeräumt.
00:54:17Ja.
00:54:18Na, was wurde denn bei Offermann alles erbeutet?
00:54:25Brillantring, 1,7 Kareta, 12 Gramm Platin.
00:54:3312.400 Mark.
00:54:36Zähl zusammen, Betty.
00:54:39Das Schwerste von den ganzen Arbeiten.
00:54:41Was, Betty?
00:54:42Was ist denn mit dem letzten Booker?
00:54:45Den wird als Verkaufsprovision investiert.
00:54:47Na, davon war nie die Rede.
00:54:48Es ist aber so, das Zeug muss ja auch verkauft werden, nicht?
00:54:51Und dazu muss ich meinen Mittelsmann erst einmal anfüttern.
00:54:54Ja, wozu denn einen Mittelsmann?
00:54:55Ich kenne in Köln genug Abnehmer.
00:54:57Ja, bei denen nach jedem Bruch die Bullen auftauchen, wie?
00:55:01Nee, lass mal, da hab ich was Seriöseres an der Hand.
00:55:04Huch, wenn du bloß nicht immer so angeben würdest.
00:55:06Du kannst ja deinen Anteil verkaufen, wo du willst, aber dann warst du das erste und letzte Mal dabei.
00:55:10Ja, ja, ist ja gut.
00:55:11Na, du bist ja schlauer.
00:55:13Aber spiel hier nicht dauernd den King.
00:55:15Es geht mir schon lange auf die Nerven.
00:55:1991.700 Mark.
00:55:21Hast du dich auch nicht verrechnet?
00:55:23So viele?
00:55:24Stimmt.
00:55:26Na, seht ihr?
00:55:28Gar nicht schlecht für das erste Mal, wie?
00:55:29Was kommt denn da auf jeden?
00:55:32A Konto ist mal 1.000 Mark.
00:55:33Der Rest nach Verkauf.
00:55:34Was denn?
00:55:351.000 nur für jeden?
00:55:37Bei 150.000 Mark Beute?
00:55:39Du kannst wohl nicht bruchrechnen.
00:55:41Hier steht's doch auf der ersten Seite.
00:55:48Na, das sind doch vielleicht Gangster.
00:55:49150.000 Mark Beute?
00:55:52Da verdient der Spitzbube an unserer Arbeit ja mehr als wir.
00:55:55Was hat er denn davon, wenn er vor den Zeitungsritzen so angibt?
00:55:59Na, Mann, der ist doch gegen Bruch versichert.
00:56:01Wenn er nun der Versicherung meldet, dass ihm für 150.000 Mark Juwelen geklaut worden sind,
00:56:05blättert ihm die Versicherung die 150 Mille auf den Tisch.
00:56:09Zur Polizei sollte man gehen und das anzeigen.
00:56:11Na gut, aber 90.000 habt ihr ja rausgeholt.
00:56:15Wieso kommt dann auf jeden nur 1.000?
00:56:18Anzahlung!
00:56:19Abgerechnet wird nach Verkauf.
00:56:21Und nun misch dich nicht ein in unsere Geschäfte.
00:56:23Na hör mal, Helmut!
00:56:26Luzi, halt du dich da raus.
00:56:28Das geht schon alles klar.
00:56:34Also, sind wir uns nun einig?
00:56:39Ja.
00:56:40Bis auf hier.
00:56:42Wann rollen die Kohlen an?
00:56:54Aber hört doch mal zu, Jungs.
00:56:56Bis jetzt ist doch alles nach Plan gelaufen, nicht?
00:57:00Na, nun hör aber auf, Dominas.
00:57:01Das war doch mehr Schwein als Verstand.
00:57:03Na gut, das nächste Mal wird Helmut klopfen.
00:57:05Er kennt sich besser mit Scheiben aus.
00:57:07Ich mach dann den Schießer.
00:57:09Ist mir auch lieber.
00:57:10Ich kann mit dem Ding nicht umgehen.
00:57:13Mit dem Ballermann wird auch nicht mehr weitergearbeitet.
00:57:16Die Polizei hat bestimmt die Projektile gefunden und kennt jetzt unsere Handschrift.
00:57:22Das ist zu gefährlich.
00:57:24Gut.
00:57:25Ich beschaffe neue Schießeisen.
00:57:28Nun mach doch mal weiter.
00:57:29Was ist denn nun mit den Kohlen?
00:57:31Wann rücken die ihn an?
00:57:33Betty fährt gleich nach Essen.
00:57:36Zu Kreuzer.
00:57:38Soll die etwa die Sohre kaufen?
00:57:41Ja.
00:57:42Ha.
00:57:43Bildest du dir ein, dass die sich auf sowas einlässt, hm?
00:57:46Muss sie.
00:57:47Wir dürfen nur nicht mit der Tür ins Haus fallen.
00:57:49Solche Leute wollen ihr Gesicht wahren.
00:57:51Das muss man respektieren.
00:57:52Ist doch Blödsinn, was du da vorhast.
00:57:54Wo soll die denn die heiße Ware loswerden?
00:57:57Bei einer Rechtsanwältin sind geklaute Brillanten keine heiße Ware, sondern Familienschmuck.
00:58:02Aber die Polizei fahndet doch nach dem Zeugs.
00:58:06Wie lange denn?
00:58:07Ein paar Wochen.
00:58:09So lange kann sie es liegen lassen und dann irgendwo im Ausland verkaufen.
00:58:12Und zwar zu ganz normalen Preisen.
00:58:14Nicht für 10% des Wertes.
00:58:16So lange können wir aber nicht warten.
00:58:18Brauchen wir auch nicht.
00:58:19Sie hat ja Geld und kann uns unseren Anteil gleich auszahlen.
00:58:22Verdient tut sie immer noch genug daran?
00:58:24Na.
00:58:25Ich glaub nicht dran.
00:58:26Da ist die da mitmacht.
00:58:27Das lass meine Sorge sein.
00:58:29Es kommt nur darauf an, wie man die Sache einfädelt.
00:58:31Wo wohnen sie?
00:58:35Adresse steht drauf.
00:58:36Gerhard bringt dich hin.
00:58:37Kauf ein Schmuckkästchen und pack es schön ein.
00:58:41Nicht schlecht als Provision.
00:58:43Dafür werde ich auch ins Ausland fahren und das Zeugs verkaufen.
00:58:46Du siehst aber nicht wie eine reiche Rechtsanwältin aus, Betty.
00:58:50Meine Mutter ist leider noch nicht da.
00:58:52Sie müsste aber jeden Moment kommen.
00:58:53Sie können gern warten, wenn Sie wollen.
00:58:55Nein, nein, ich soll das nur Frau Kreuzer geben.
00:58:56Wenn Sie es ihr bitte geben wollen.
00:58:58Selbstverständlich, wenn Sie nicht länger Zeit haben.
00:58:59Nein.
00:59:00Ach, sind Sie mit Herrn Dominas verwandt?
00:59:03Oder näher bekannt?
00:59:05Nein, nein.
00:59:06Meine Brüder sind mit ihm befreundet.
00:59:07Ach so.
00:59:08Ich muss gehen.
00:59:10Auf Wiedersehen.
00:59:11Auf Wiedersehen.
00:59:21Au, sei doch nicht so grob, Betty.
00:59:23Hab dich nicht so.
00:59:24Da ist eine Dame draußen, die will zu dem da.
00:59:27Was ist denn für eine Dame?
00:59:29Bitte kommen Sie doch rein.
00:59:35Kann ich Sie allein sprechen?
00:59:36Hol mir ein paar Zigaretten.
00:59:37Sie sind doch noch da.
00:59:38Geh schon.
00:59:48Geh schon.
00:59:50Komm, mein Junge.
00:59:51Los, Oma.
00:59:56Bitte nehmen Sie doch Platz, Frau Kreuzer.
00:59:59Sie müssen entschuldigen, aber ich bin nicht gut zu Fuß.
01:00:03Was sollte denn das hier?
01:00:06Ich habe Ihnen doch geschrieben.
01:00:09Eine Abschlagzahlung auf meine Schulden, die ich noch bei Ihnen habe.
01:00:12Dominas, in allen Zeitungen steht, woher der Ring stammt.
01:00:15Ich muss zur Polizei gehen und Sie anzeigen.
01:00:17Sie sind meine Anwältin und haben Schweigepflicht.
01:00:20Und wenn Sie unbedingt jemanden anzeigen wollen, dann doch den hier.
01:00:28Das haben wir bei Offermann rausgeholt.
01:00:3091.700 Mark.
01:00:32Bitte, die Preisschilder sind noch dran.
01:00:35Und was steht in der Zeitung?
01:00:36150.000.
01:00:3958.300 Mark mehr kassierte rechtschaffende Juwelier Offermann von der Versicherung.
01:00:43Das versuchen doch heute alle, bei der Versicherung mehr rauszuholen.
01:00:46Nun lassen Sie mal diesen Offermann.
01:00:48Reden wir von uns.
01:00:49Was solltet ihr neulich diese Anspielung mit der Haiakte?
01:00:52Haben Sie die?
01:00:54Unter anderem.
01:00:55Na, dann werden Sie sie besser mir geben.
01:00:57Sobald ich einen neuen Pass in den Händen habe, Frau Kreuzer.
01:01:02Und dann würden Sie also nach Kanada gehen?
01:01:06Wenn ich die Ware von Offermann abgesetzt habe.
01:01:09Ich brauche nämlich etwas Anfangskapital.
01:01:11Im Moment könnte ich nicht mal die Überfahrt bezahlen.
01:01:16Was glauben Sie denn, was Sie dafür bekommen werden?
01:01:19Haben Sie denn überhaupt einen Abnehmer, der Sie nicht gleich wieder bei der Polizei anzeigt?
01:01:28Frau Kreuzer, ich dachte, Sie könnten sie mir vielleicht beleihen.
01:01:35Wäre doch eine ungewöhnlich günstige Kapitalanlage für Sie.
01:01:39Wie viel brauchen Sie, Dominos?
01:01:4140.000.
01:01:42Ausgeschlossen.
01:01:44Das zahlt Ihnen kein Mensch dafür.
01:01:45Ausgesuchte Stücke.
01:01:4735 wenigstens.
01:01:5015.
01:01:52Mehr nicht.
01:01:56Na gut.
01:01:57Zweckseinführung und Reklame.
01:02:03Was wissen Sie denn nun über den Schmuck, den Ihre Mutter von Dominas bekommen hatte, Frau Lernkreuzer?
01:02:09Woher stammte er?
01:02:12Ich weiß leider nur von einem Ring, den er ihr geschickt hat.
01:02:16Mutti sagte mir damals, er sei von einem Klienten, der noch honorarschuldig war.
01:02:23War das dieser hier?
01:02:25Ja, ich glaube...
01:02:27Fräulein Kreuzer, das ist ein lupenreiner, dreikarediger Solitär.
01:02:32Das ist ein ungemein kostbarer Ring.
01:02:3428.000 Mark wert, wie uns der bestohlene Zeuge Offermann vorhin bestätigte.
01:02:40Meine, der Wert des Ringes steht in gar keinem realen Verhältnis zur etwaigen Honorarforderung Ihrer Frau Mutter an Dominas.
01:02:47Hat Sie denn das nie stutzig gemacht?
01:02:50Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.
01:02:53So.
01:02:56Wann haben Sie denn nun definitiv erfahren oder wahrgenommen, dass Dominas, in die hier zur Anklage stehen, Verbrechen verwickelt war,
01:03:02Frau Lernkreuzer?
01:03:06Herr Landgerichtsdirektor, ich möchte darauf hinweisen, dass gegen die Zeugin in dieser Sache ein Ermittlungsverfahren anhängig war.
01:03:12Es ist zwar eingestellt worden, kann aber jederzeit wieder aufgenommen werden, falls sich neue Belastungsmomente ergeben sollten.
01:03:18Ich glaube, man kann ihr nicht zumuten, diese Frage zu beantworten.
01:03:23Ich habe ja die Zeugin schon hinreichend belehrt, dass sie auf Fragen, bei deren Beantwortung sie sich selbst an einer
01:03:28strafbaren Handlung bezichtigen müsste, nicht zu antworten, braucht der Rechtsanwalt.
01:03:33Frau Lernkreuzer, wollen Sie auf die Frage die Antwort lieber verweigern?
01:03:43Ja.
01:03:45Auf Hinweis verweigerte die Zeugin die Osser.
01:03:49Aber wie es zu den engeren privaten Beziehungen zwischen Ihrer Mutter, Dominas und auch zwischen Ihnen kam, ich meine, das
01:03:54werden Sie doch wenigstens beantworten können, Frau Lernkreuzer.
01:03:57Ja, darüber kann ich leider auch nur sehr wenig sagen. Ich war doch nur übers Wochenende zu Hause. Ich lernte
01:04:03in Dortmund.
01:04:03Na, dann sagen Sie uns nur das Wenige, was Sie wissen. Na, irgendeine Erklärung muss Ihnen Ihre Mutter doch gegeben
01:04:09haben, weshalb Sie Dominas in Ihr Haus einlud.
01:04:11Mutti sagte uns damals, dass Herr Dominas meinem Vater, als er noch in Werl war und auch ihr in sehr
01:04:18uneigennütziger Weise behilflich war.
01:04:21Na, und deshalb fühlte sie sich wohl verpflichtet, ihm einen menschlichen und gesellschaftlichen Halt zu geben, damit er wieder Boden
01:04:30unter die Füße bekam.
01:04:31Seit wann verkehrte Dominas denn nun regelmäßig bei Ihnen in Essen?
01:04:36Seit Weihnachten 1963. Heiligabend hatte ihn Mutti eingeladen.
01:04:42Amen.
01:04:55Amen.
01:04:57Amen.
01:05:26Musik
01:05:38Musik
01:06:01Frohes Weihnacht, Fräulein Gerlind
01:06:03Und nun kommt und wünscht mir endlich ein frohes Weihnachtsfest
01:06:11Frohes Fest, Mutti
01:06:13Fröhliche Weihnachten
01:06:14Und nun holt euch eure Geschenke ab
01:06:16Darauf wartet ihr doch schon
01:06:20Auspacken könnt ihr sie nachher
01:06:21Ihr wisst ja schon, was drin ist
01:06:25Gerlind
01:06:28Damit du mir nicht immer meinen ausspannst
01:06:30Einen Wagen, ach, du bist ja einfach süß
01:06:34Das hätte ich aber doch nicht gedacht, wo steht der denn?
01:06:36Vorm Haus, auf der Straße
01:06:38Irma, du bist mehr für das Reelle, für dich ein paar VW-Aktien
01:06:43Ui, danke Mutti
01:06:44Du, komm mit, ich will ihn dir zeigen
01:06:46Ja, aber fahrt nicht gleich weg und bringt bitte den Sektan mit rein
01:06:50Machen wir es
01:07:00Ein gesegnetes Weihnachtsfest, Frau Kreuzer
01:07:03Und innigsten Dank, dass Sie mich gerade am heutigen Abend in den Kreis Ihrer Familie eingeladen haben
01:07:09Naja, wir sind ja nur mal eine Familie geworden
01:07:12Da wollen wir es auch so halten
01:07:13Trotzdem, Frau Kreuzer, für mich ist es
01:07:17Es ist das erste Mal, dass ich solch ein Weihnachten erleben darf
01:07:22Ja, wenn du erst drüben bei deiner Mutter und bei deinen Schwestern bist
01:07:25Dann hast du das ja jedes Jahr
01:07:27Wer weiß, ob es dazu kommen wird
01:07:32Mein Gott, ist die schön
01:07:34Gefällt sie Ihnen?
01:07:37Oh, wunderschön
01:07:40Und gekauft hast du die sogar
01:07:42Oh, ich bitte um Entschuldigung
01:07:43Ich wusste ja nicht, dass die Kassenzettel...
01:07:45Du bist wirklich ein Kavalier, Dominos
01:07:47Die können Sie unbesorgt tragen
01:07:51Also, ich weiß nicht
01:07:53Irgendwie gefällst du mir
01:07:54Ich meine, wenn du so primitiv wärst wie diese Balks
01:07:57Wenn du nur einmal eine Bank ausgeraubt und mir Geld gebracht hättest
01:08:00Keinen Finger hätte ich für dich gerührt
01:08:02Aber davor bin ich eben wehrlos
01:08:06Ich wollte Ihnen eine Freude machen
01:08:09Ach, lass doch dieses alberne Sie
01:08:14Und was ist das?
01:08:16Eine Überraschung
01:08:32Was ist denn?
01:08:34Geheimschrift
01:08:35Die mir Ihr Mann in Werl beigebracht hat
01:08:39Darin habe ich alles aufgeschrieben, was er mir erzählt hat
01:08:41Und mein ganzes bisheriges Leben
01:08:43Ich führe Tagebuch
01:08:44Ach, ich finde das ja reizend von dir
01:08:47Aber warum soll ich denn das haben?
01:08:49Du sollst spüren, welches Vertrauen ich zu dir habe
01:08:53Ach, Junge
01:09:00Hier
01:09:04Es passt zwar nicht ganz unter den Weihnachtsbaum
01:09:06Aber du hast es dir ja gewünscht
01:09:09Darf ich?
01:09:16Ein automatisch
01:09:17Ein Pass konnte ich noch nicht bekommen
01:09:19So einfach ist es nicht
01:09:20Das eilte nicht so
01:09:22Komm, steck sie weg
01:09:23Die Mädels wissen nichts davon
01:09:24Ja, natürlich
01:09:30Musch, ich finde ihn ja himmlisch
01:09:32Ja?
01:09:33Kann ich nicht schnell mal ein Stück fahren?
01:09:34Na, aber nicht so weit
01:09:35Wir wollen ja noch ein bisschen Weihnachten feiern
01:09:37Heiligabend ist ja nicht nur für die Geschenke da
01:09:39Noch auf fünf Minuten
01:09:40Na gut
01:09:41Oh
01:09:48Auf das wir noch recht oft gesund und zufrieden Weihnachten feiern
01:09:59Kommen Sie mit, Herr Dominas?
01:10:00Ja, wenn ich darf, gern
01:10:01Na gut
01:10:17Von ihm?
01:10:19Mhm
01:10:22Wer ist eigentlich dieser Herr Dominas Mutti?
01:10:25Ein Freund deines Vaters
01:10:26Von früher?
01:10:28Aus Werl
01:10:29Saß er auch politisch?
01:10:32Nein
01:10:36Kriminell also
01:10:38Ich bin ihm zu Dank verpflichtet
01:10:40Musstest du ihn deshalb gleich wie einen Freund der Familie zum Heiligen Abend einladen?
01:10:47Mutti, du bist eine angesehene Rechtsanwältin
01:10:50Du kannst es dir nicht leisten mit einem Kriminellen gesellschaftliche Kontakte zu pflegen
01:10:55Ach, nun komm mal her, setz dich mal schön hin und hör mir mal gut zu
01:10:58Du studierst ja nun schon das vierte Semester Jura
01:11:01Aber von der heutigen gesellschaftlichen Stellung eines Rechtsanwalts
01:11:03Scheinst du nicht die leiseste Vorstellung zu haben
01:11:05Auf jeden Fall aber von der gesellschaftlichen Stellung eines Kriminellen
01:11:09Sie ist asozial, also gesellschaftsfeindlich und unvertretbar
01:11:13Nun mach schon mal eine akademische Pause, Irmilein
01:11:16Wie sieht's denn heute praktisch aus?
01:11:19Der kleine Bankräuber, der mit vorgehaltener Pistole in der Sparkasse an der Ecke 10.000 Mark klaut
01:11:24Das ist ein asozialer Verbrecher, darüber schreibt die Bild-Zeitung
01:11:27Und jeder Mensch weiß, dass Bankraub ein Verbrechen ist, nicht wahr?
01:11:31Der Herr Bankdirektor aber, der mit Wechsel- und Scheckreitereien 10 Millionen ergaunert
01:11:36Das ist ein angesehener Geschäftsmann, vor dem man Hochachtung hat
01:11:39Und zum 60. Geburtstag das Bundesverdienstkreuz verleiht
01:11:42Und du würdest nicht die Nase rümpfen, wenn ich solch einen Herrn Bankdirektor zu uns eingeladen hätte
01:11:47Aber Mutti, das hat doch nicht das Geringste mit dem Anwaltsberuf zu tun
01:11:50Na, ohne uns Anwälte würde die Schose doch überhaupt nicht funktionieren
01:11:54Ohne juristische Fachberatung würde doch niemand die Lücken im Gesetz finden, durch die sie alle schlüpfen
01:11:59Alle? So was sind doch nur Einzelfälle
01:12:01Aber Einzelfälle! Auf 10 Milliarden schätzt man den Profit solcher Manipulationen im vergangenen Jahr
01:12:07Und nicht ein Fall ist vor Gericht verhandelt worden
01:12:10Ich möchte mal wissen, was meine Herren Kollegen Anwälte dafür an Honoraren kassiert haben
01:12:15Onkel Gerling ist einer der führenden Wirtschaftsjuristen
01:12:18Glaubst du, dass er solche Sachen decken würde?
01:12:21Dein lieber Taufpate ist nicht nur führender Wirtschaftsjurist, dank seiner früheren Verbindungen
01:12:26Sondern auch einer der reichsten Anwälte der Bundesrepublik geworden
01:12:29Glaubst du, dass er das mit Strafprozessen erreicht hat? Ganz gewiss nicht
01:12:33Die hat er nämlich rechtzeitig auf mich abgewimmelt
01:12:36Also nun komm, nimm dich jetzt zusammen
01:12:38Spiel ja nicht die arrogante Pute
01:12:39Er ist ein sehr netter Kerl
01:12:41Ja, das habe ich schon an Gerlitt bemerkt
01:12:43Sie ist schon Feuer und Flamme
01:12:46Na, Gerlitt?
01:12:47Zufrieden mit deinem Weihnachtsgeschenk?
01:12:52Na komm, setzt euch
01:12:53Wir wollen noch ein paar Weihnachtstieder singen
01:12:55Oh ja
01:13:01O du Friede
01:13:06O du Siege
01:13:10Gnade
01:13:12Bringen
01:13:14Der Weihnachtszeit
01:13:18desen
01:13:21Ah
01:13:25Große
01:13:27Zusammen
01:13:29Gnade
01:13:30Gnade
01:13:31Gnade
01:13:31Gnade
01:13:31Gnade
01:13:32Gnade
01:13:32Gnade
01:13:47Ehren
01:14:17Untertitelung des ZDF, 2020
01:14:47Untertitelung des ZDF, 2020
01:15:04Untertitelung des ZDF, 2020
01:15:18Damit endlich die euren Blechzinken aus dem Hause kommen
01:15:20Ihr seid wohl mehr Schugge
01:15:22Du nimmst nur die Meerkaräter
01:15:24Mein Abnehmer ist nur an großen Steinen interessiert
01:15:26Hast du mich verstanden?
01:15:27Ja, ja, ist ja gut
01:15:28Wie viele sind drauf auf dem Tablett?
01:15:32Zwei 4,15
01:15:33Vier Dreier
01:15:35Und ein halbes Dutzensfeier, das schaust dir nochmal an
01:15:40Lässt er denn die großen Booker nachts im Schaufenster?
01:15:44Bis 22 Uhr jeden Abend, außer Sonnabend und Sonntag
01:15:48Zur Fortsetzung der Übertragung des Europapokalspiels Borussia Dortmund gegen Inter Mailand
01:15:52Schalten wir jetzt um ins Stadion Rote Erde
01:15:55Hier ist Dortmund, hier ist das Stadion Rote Erde
01:15:58Mit der zweiten Halbzeit des Europapokalspiels Borussia Dortmund gegen Inter Mailand
01:16:02Die Borussen sind wieder komplett
01:16:04Emrechs Verletzung Ende der ersten Halbzeit war doch nicht so schwer
01:16:07Er ist wieder mit von der Partie
01:16:08Mach die Glotze aus und dann go on
01:16:09Wenigst noch den Anstoß
01:16:10Mach aus, hab ich gesagt, jetzt sind alle dran
01:16:28Fahr los
01:16:33Wozu denn wieder mit Ballermann?
01:16:35Ist doch kein Ase auf der Straße
01:16:36Meine Sache
01:16:57Wozu denn mit Ballermann?
01:17:13Hilfe!
01:17:15Hilfe!
01:17:17Räuber!
01:17:18Hilfe!
01:17:20Hilfe!
01:17:20Hilfe!
01:17:45Oh mein Gott!
01:17:48Bloß einer!
01:17:49Oh mein Gott!
01:17:51Oh mein Gott!
01:17:53Ach du lieber Himmel!
01:18:17Du ruft doch schon der Polizei!
01:18:19Nur schnell doch!
01:18:19Sonst lautet andere Zeug auch noch weg!
01:18:22Ach nee, nee, nee!
01:18:24Das ganze Zeugel!
01:18:25Dann nehme ich wieder mit Ballermann!
01:18:26Schau mich an!
01:18:26Hör mich an!
01:18:27Hör mich an!
01:18:38Hör mich an!
01:18:43Schau!
01:18:45Schau!
01:18:51Ich habe mich an!
01:18:53Schau!
01:18:56Schau!
01:18:57Hör mich an!
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