Zwei Freunde erkunden nachts ein verlassenes Krankenhaus. Was als harmloses Abenteuer beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Albtraum. Unheimliche Geräusche, gespenstische Stimmen und eine düstere Präsenz lassen sie erkennen, dass sie nicht allein sind. Diese unheimliche Geschichte handelt von verlorenen Seelen und dem Grauen verlassener Orte.
Quelle: https://creepypasta.fandom.com/de/wiki/Das_Kinderkrankenhaus
Die Geschichte in diesem Video ist frei erfunden.
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SpaßTranskript
00:02Das Kinderkrankenhaus
00:05Eine junge Frau besucht, gemeinsam mit einem Freund, mitten in der Nacht ein leerstehendes,
00:10von der Zeit gezeichnetes Säuglingskrankenhaus.
00:14Die Angst, die sie danach im Alltag begleitet, wird innerhalb mehrerer Monate zum Problem.
00:21Sie kann kaum noch essen oder schlafen.
00:23Das Haus verlässt sie nur noch selten.
00:25Ihr Begleiter begeht zwei Monate nach dem Besuch in jenem Krankenhaus Selbstmord.
00:31Doch was war passiert?
00:34Claudia Eckart, 25. September, 13 Uhr
00:37An mich
00:39Lieber Frederik, als Journalistin einer kleinen Großstadtzeitung trifft auch mich jedes Jahr aufs Neue das große Sommerloch.
00:48Ähnlich wie die Bahn, die sich überrascht zeigt, wenn es im Winter kalt ist und schneit oder es im Sommer
00:53warm wird, trifft es mich Jahr für Jahr wie ein Schlag.
00:57Auf einmal wird es still.
00:59Viele meiner Kollegen ziehen mit ihren Familien gen Land und Meer, egal wohin.
01:05Hauptsache raus aus dem grauen Alltagstrott.
01:08Und in der Stadt wird es still.
01:10Bitter, wenn das interessanteste Ereignis ein sprechender Papagei ist, der die Menschen in seiner Nachbarschaft beleidigt und das gleich auf
01:18fünf Sprachen.
01:20Gelegentlich klingelt dann mein Telefon und gelangweilte Leser versuchen sich bei mir zu verdingen und ihr Taschengeld durch eine Geschichte
01:27aufzubessern.
01:28Ganz zum Leidwesen meiner Gehirnzellen.
01:31Die Tage in der Redaktion dehnen sich wie Kaugummi und ich unterhalte mich in der leeren Küche mit der Kaffeemaschine.
01:38Ein trauriges Leben, dieser Sommer.
01:41Umso erfreuter war ich, als ich eines schönen Tages auf eine außergewöhnliche Geschichte stieß.
01:46Ich habe nicht danach gesucht.
01:48Schließlich war es mein freier Tag und ich wollte lediglich im Park ein Eis essen gehen und schreiben.
01:54Doch als ich mich an meinen Lieblingsplatz unter einer riesigen Eiche zurückziehen wollte, saß dort bereits jemand.
02:02Eine junge Frau, blass, mit dunklen Ringen unter den Augen.
02:06Bei ihrem Anblick bekam ich das Gefühl, dass sich meine Eingeweide zusammenzögen und eine kalte Hand nach mir greifen würde.
02:14Albern, ich weiß.
02:16Eigentlich glaube ich auch nicht an so etwas wie Auren oder diesen ganzen Quatsch.
02:20Aber dennoch, diese junge Frau schien von etwas Bösem umgeben zu sein und ich verstehe bis heute nicht, warum ich
02:27trotzdem weiterging.
02:29Womöglich lag es an meiner journalistischen Neugier, die mich weiter trieb.
02:33Oder das dringende Bedürfnis, mir mal wieder eine herzergreifende Geschichte anzuhören, die ich bis aufs Letzte ausschlachten könnte.
02:41Als ich jedenfalls an meinem Platz ankam, schaute die junge Frau zu mir auf und lächelte müde.
02:46Wie eine Freundin, die bereits auf mich gewartet hatte, deutete sie neben sich und bat mich, mich doch zu setzen.
02:53Ich weiß noch, dass hier allmählich meine Alarmglocken schrillten.
02:58Es kam vor, dass Journalisten wie ich Probleme bekamen.
03:02Entweder mit Lesern, die einfach keine Grenzen kennen, oder mit jenen, die unsere Arbeit verachten und sich nur durch Drohgebärden
03:09verständigen können.
03:10Zu welchem Typ diese Dame wohl gehörte?
03:13Sie wirkte ruhig, beinahe erleichtert, mich zu sehen.
03:17Später sollte ich erfahren, dass sie tatsächlich auf mich gewartet hatte.
03:22Sie hatte mich ein paar Mal im Park gesehen und nur auf den richtigen Moment gewartet, um mir ihre Geschichte
03:28zu erzählen.
03:29Und diese Geschichte möchte ich hier nur niederschreiben, auch wenn ich nicht weiß, wie ich das machen soll.
03:35Alles Liebe, Claudia
03:38Ein Besuch an verlassenen Orten
03:41Luise Schmidt ist eine junge Frau Mitte 20, sehr ruhig, mit klarer Stimme, die nicht einmal bebt, während sie spricht.
03:48Sie scheint gefasst zu sein, auch wenn ihr die Anstrengung der letzten Tage deutlich anzusehen ist,
03:54und sieht mir beim Sprechen geradewegs in die Augen.
03:57Die junge Frau ist gelernte Grafikerin, arbeitet seit drei Jahren in einem kleinen Unternehmen im Prenzlauer Berg, wo sie mit
04:04ihrem Freund auch wohnt.
04:06Ihr Leben lief in den richtigen Bahnen, bis vor einigen Monaten, in denen ihr Glück anfing zu bröckeln.
04:12Alles begann bereits im Dezember, zumindest ist sich Luise dessen sicher.
04:18Zu diesem Zeitpunkt war ihr Freund Jonas gerade für einige Wochen mit Freunden verreist, und sie war zu Hause geblieben.
04:25Nach inzwischen eineinhalb Wochen allein in der geräumigen Dreizimmerwohnung im Dachgeschoss eines Altbaus wuchs das Gefühl der Langeweile stetig.
04:33So war sie froh, als sich Kai, ein langjähriger Freund, meldete und sie zu einer Lost Place Tour in der
04:39Nacht einlud.
04:39Bei dem Begriff Lost Place handelt es sich um einen Pseudo-Anglizismus, der sinngemäß für vergessener Ort steht.
04:48Obwohl die korrekte Bezeichnung Abandoned Premises zu deutsch aufgegebene Liegenschaft wäre,
04:54hat sich über die Jahre hinweg die neue Bezeichnung durchgesetzt.
04:58Inzwischen hat sich eine regelrechte Szene entwickelt, in der solche vergessenen Orte besucht werden.
05:04Nicht selten illegal.
05:06Fotos und Berichte werden in Foren wie 22places.de und in etlichen Facebook-Gruppen und Instagram getauscht und präsentiert.
05:14Dabei handelt es sich meistens um Bauwerke der jüngeren Geschichte, Ruinen der Industriegeschichte
05:19oder nicht mehr genutzte militärische Anlagen beispielsweise.
05:23Allerdings lässt sich jeder Ort, welcher mit der Zeit in Vergessenheit geraten ist
05:28und nun von der Natur zurückerobert wird, als Lost Place bezeichnen.
05:32Zwischen Prenzlauer Berg und Unglück
05:35An dem Samstag im Dezember, es hatte zuvor den gesamten Tag geschneit,
05:40lud Kai Luise zu einem besonderen Gebäude ein, einem Kinderkrankenhaus.
05:45Es klang spannend, nachts durch ein verlassenes Kinderkrankenhaus zu ziehen,
05:49sagt Luise heute und lächelt dabei müde.
05:52Sie bereue es nicht.
05:54Nicht jeden Tag zumindest.
05:56Inzwischen sitzen wir in ihrer Küche.
05:59Sie kocht Kaffee und stellt zwei Tassen auf den Tisch.
06:02Die Einrichtung ist typisch für Prenzlauer Berg.
06:05Holzmöbel, alles irgendwie zusammengeschustert und doch perfekt aufeinander abgestimmt,
06:10mit diesem gewissen Do-it-yourself-Charakter.
06:13Ich meine, in so einem Krankenhaus steckt ja auch jede Menge Geschichte und sowas mag ich.
06:18Wenn man sie fragt, warum sie meine, dass dieser Tag der Beginn ihres Unglücks gewesen sei,
06:24wird die junge Frau einen Moment still.
06:26Sie scheint leicht zu schwanken und beinahe will man aufstehen und sie stützen,
06:31doch da fängt sie sich bereits wieder und brüht den Kaffee fertig auf.
06:35Ehe sie sich dann auch hinsetzt, stellt Luise Gebäck auf den rustikalen Küchentisch,
06:40der bereits zahlreiche Spuren der Zeit trägt.
06:43Erst dann erzählt sie weiter.
06:44Von dem Tag, ehe ihr Freund sie abholte.
06:48Von den Vorbereitungen für einen solchen Ausflug.
06:52Vorbereitungen, dazu zählen für Luise und ihre Freunde Kleinigkeiten,
06:56die andere wohl für verrückt halten würden.
06:59Die junge Grafikerin sucht dann alles für ihren kleinen Zauberbeutel zusammen.
07:03Ein Beutel aus abgewetztem Leder, den sie vor einigen Jahren auf einem Flohmarkt entdeckt hat
07:08und seitdem immer zu solchen Touren mitnimmt.
07:12Darin befinden sich meistens einige Kerzenstummel, ein bunt getrockneter Kräuter und Salz.
07:17Sie sagt, das würde reichen, um böse Geister abzuwehren und genug Zeit zu schinden,
07:23um aus dem Gebäude zu flüchten.
07:25Luise sieht sich selbst nicht als Hexe oder ähnliches, wie sie sagt.
07:29Aber ein bisschen Vorsicht schadet doch nicht, oder?
07:32Und wenn es nur für das gute Gefühl ist.
07:34Das gute Gefühl sollte sich dieses Mal jedoch nicht einstellen.
07:38Am späten Nachmittag klingelte Kai und wartete, wie immer unten auf der Straße.
07:44Da war Luise längst fertig und schloss nicht einmal eine Minute später bereits die Wohnungstür
07:48hinter sich ab.
07:50Sie beschreibt sehr bildhaft, wie ihre Schritte ungewöhnlich laut im Treppenhaus wiederhalten
07:55und ihr Herz anfing zu rasen.
07:57Angst.
07:58So beschreibt es die junge Frau heute.
08:01Ab dem Augenblick, als sie die Wohnung verließ, hatte sie Angst und wusste nicht, wovor.
08:06Ein weiteres Mal hält sie inne und denkt nach.
08:09Dann sagt sie, ich war immer schon etwas empfindlich, aber meistens schiebe ich es auf meine blühende
08:14Fantasie, die mir dann einen Streich spielt.
08:18Diese Fantasie, wie sie es nennt, habe sie aber auch oft genug vor größerem Unheil bewahrt,
08:23meint sie.
08:24Warum sie ausgerechnet an diesem Abend nicht darauf gehört hat, das ist ihr bis heute schleierhaft.
08:32Milchchoranstalt und Säuglingsbehandlung
08:34Bereits bei ihrer Ankunft am Krankenhaus war klar, warum dieser Ort so besonders war.
08:40Er befand sich mitten an der Straße, gut einsehbar von der Straßenbahn aus.
08:44Und da es Winter war, waren auch die Büsche kaum bewachsen und spendeten nur spärlichen
08:49Schutz vor neugierigen Blicken.
08:51Doch es war dunkel, die Straße kaum befahren.
08:55Nur alle halbe Stunde zog eine Straßenbahn vorbei oder hielt ein Wagen an der Ampel.
09:00Die Freunde erkundeten das Gelände zuerst von außen, rauchten und beobachteten den Verkehr.
09:06Erst als sie sich sicher waren, dass sie die nächste Zeit keiner mehr stören würde, während
09:11sie durch eine der wenigen Lücken im Zaun das Gelände betraten, gingen sie rein.
09:16Um im 20. Jahrhundert der steigenden Sterberate von Säuglingen etwas entgegenzusetzen, wurden
09:22in Preußen immer mehr Säuglingskrankenhäuser errichtet.
09:26Das Kinderkrankenhaus, welches Luise und ihr Freund besuchten, war eines davon.
09:31Der Grundstein hierfür wurde im Jahr 1909 gelegt.
09:35Es befindet sich auf einem 28.000 Quadratmeter großen Grundstück und war das erste seiner
09:40Art in Preußen.
09:42Für die Planung und die Aufsicht war zu dieser Zeit der Gemeindebaurat Karl James Bühring
09:47zuständig.
09:48Dessen Aufgabe war es, aus dem Bezirk eine bessere Wohngegend zu machen, welche vor allem
09:53die höheren Schichten anlocken sollte, die von den sonst entstehenden Mietskasernen eher
09:58abgeschreckt wurden.
10:00Nach der Eröffnung verfügte das Haus über Kapazitäten für etwa 60 Säuglinge.
10:05Zudem, und dies stellte das Besondere an dem Krankenhaus dar, gehörte zum Gelände
10:10Preußens einzige Milchkuranstalt.
10:12Es gab also einen Kuhstall, welcher Platz für 38 Tiere bot, eine Molkerei und die
10:18dazugehörigen Anlagen, um die Milch zu verarbeiten.
10:21Selbst für die Lagerung und den Transport war gesorgt worden.
10:25Auf dem Grundstück gab es, neben dem Kuhstall, auch einen Pferdestall und die dazugehörige
10:31Remise.
10:32Anmerkung der Redaktion, eine Remise ist ein Gebäude für die Beherbergung von Wagen und
10:37Geräten, für drei Wagen sowie eine Knechtstube.
10:41Auf diese Weise war es möglich, die überschüssige Milch und daraus hergestellte Produkte auch
10:46an die Bevölkerung zu verkaufen.
10:49Kunst im Zerfall
10:50Auf dem Gelände, so beschreibt es Luise, herrschte eine bedrückende Stille.
10:55Der Schnee lag unberührt auf der Erde und den Stufen zu den Gebäuden, ohne Anzeichen, dass
11:00dort noch Leben existieren würde.
11:03Von oben warf der Vollmond sein Licht auf die Freunde, während sie begannen, sich umzusehen.
11:08Direkt an der Straße liegt die Aufnahmestation.
11:12Jedenfalls hat Kai das gesagt.
11:14Im Internet findet man leider keine Informationen zu der Lage der Gebäude, ergänzt die junge
11:19Frau und lacht leise.
11:20Sie trinkt ihren Kaffee aus und erzählt dann weiter.
11:23Ein paar Street-Art-Künstler haben sich in dem Gebäude ausgetobt.
11:28Jedes Zimmer ist in einer anderen Farbe gestrichen und hat ein Thema.
11:32Tatsächlich sind Lost Places ein beliebtes Ziel für Street-Art-Künstler.
11:36Sie bieten eine Leinwand, die man so in dieser Form sonst nur schwer findet.
11:41Ein starker Kontrast, wenn man sich die brüchigen, grauen Fassaden des Kinderkrankenhauses ansieht
11:46und dann in der ersten Etage einen rosafarbenen Flur mit Herzen betritt.
11:51Das Spiel mit diesem Kontrast beschreibt Luise als spannend und faszinierend.
11:56Jedoch sind es nicht nur Street-Art-Künstler, die sich an dem Charme von Lost Places erfreuen.
12:01Auch Fotografen haben diese Orte als perfekte Szenerie für ihre Bilder entdeckt.
12:06Nicht nur Hobbyfotografen ziehen über verlassene Grundstücke oder durch stillgelegte Bahnhöfe.
12:11Es kursieren viele Arbeiten im Netz, wo Profifotografen ihre Modelle in alten Operationssälen posieren lassen.
12:19Ein beliebtes Ziel für solche Fotos sind die Heilstätten in Belitz.
12:24Über Seiten wie baumundzeit.de ist es möglich, sich dort Termine geben zu lassen.
12:30Entweder für eine thematische Führung durch die Gebäude oder auch für Shootings.
12:35Solche Führungen sollen das Illegale betreten und damit oft einhergehende Unfälle verhindern.
12:41Während sich die Natur nach und nach das Grundstück und die darauf liegenden Gebäude zurückerobert,
12:46halten die künstlerischen Projekte es in unserer Zeit fest.
12:50Allerdings gibt es auch in der vermeintlichen Aufnahmestation Bilder, die einem den Atem stocken lassen.
12:56An einigen Türen sind Schneeflocken und Engel zu sehen.
13:00Das sind so Fensterbilder, die schon sehr lange drauf sein müssen.
13:04Luise vermutet, dass diese Fensterbilder wohl von den Schwestern aufgeklebt wurden,
13:09um die Station etwas freundlicher zu gestalten.
13:12Wahrscheinlich für die Eltern, die in Sorge um ihre Kinder waren.
13:16Solche Kleinigkeiten sind es, die einem wieder bewusst machen, an was für einem Ort man sich befindet.
13:23Schließlich wurden in einem Extragebäude, dem Isolierpavillon, auch Keuchhusten und Diphtherie,
13:28beides lebensbedrohliche Erkrankungen der Atemwege, behandelt.
13:33Während sie spricht, zittern Luises Hände, nur erkennbar an ihrer Tasse.
13:37Dort sind auch Kinder gestorben.
13:40Natürlich sorgt dieser Gedanke für ein komisches Gefühl.
13:43Dies sei auch der Grund gewesen, weswegen sie sich nichts weiter dabei gedacht hat,
13:48als sich ihre Brust immer wieder zusammenzog und ihr regelmäßig ein Schauer über den Rücken lief.
13:53Die Kälte, das Bewusstsein über die Geschichte dieses Ortes und die Tatsache,
13:59dass man sie von der Straße aus sehen konnte,
14:01war für die sonst sehr rationale Frau eine logische Erklärung ihrer Gefühle.
14:05Auch wenn das Krankenhaus gerne als Geister-Hotspot bezeichnet wird,
14:10glauben zu diesem Zeitpunkt weder sie noch ihre Begleitung an solche übernatürlichen Dinge.
14:15Brände und Unfälle bis zur Anzeige
14:19Allerdings wird auf diversen Seiten auch davon abgeraten, das Gelände zu betreten.
14:25Mitvergnügen.com stellte im Jahr 2016 das Gebäude in ihrem Beitrag zu den elf gruseligsten Orten Berlins vor
14:32und verwies darauf, dass es dort allein 2013 mehrfach gebrannt habe
14:36und sich die Gebäude somit in einem desolaten Zustand befänden.
14:41Im selben Jahr berichteten wir und andere Medien von einem Unfall auf dem Gelände.
14:46Zwei Fotografen waren hier auf Fototour.
14:49Einer von beiden verunglückte, als der marode Boden im dritten Stock zusammenbrach.
14:54Mehrere Knochenbrüche und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch waren die Folge.
14:59Auch dessen waren sich die beiden bewusst,
15:02als sie im Dezember kurz vor Mitternacht über das Grundstück schlichen,
15:05um sich das Hauptgebäude anzusehen.
15:07Die Uhrzeit war bewusst gewählt, um den Gruselfaktor zu erhöhen
15:11und die Tour spannender zu gestalten.
15:14Beide waren mit Taschenlampen und Kameras ausgerüstet.
15:17Zudem hatte Kai ein Messer dabei, von dem Luise zu diesem Zeitpunkt nichts wusste.
15:23Auf Nachfrage, warum ihr Begleiter ein Messer bei sich trug, antwortete sie lächelnd,
15:28zum Schutz.
15:29Gerade im Winter schlafen Obdachlose in solchen Gebäuden.
15:33Es ist besser als auf der Straße.
15:35U-Bahnhöfe sind meistens laut und werden regelmäßig kontrolliert.
15:39In den Kellern von vergessenen Häusern haben sie ihre Ruhe
15:42und es ist halbwegs warm und trocken.
15:45Obwohl draußen keine Fußspuren zu sehen waren,
15:48mieden sie Kellerräume und achteten darauf,
15:50nur durch Gänge zu ziehen, aus denen sie gute Fluchtmöglichkeiten hatten.
15:55Entdeckten sie in einem Bereich Schlafsäcke oder einen Campingkocher,
15:59suchten sie einen anderen Weg.
16:01Ich würde auch nicht wollen, dass ein Fremder mitten in meinem Schlafzimmer steht.
16:05Das hat irgendwo auch mit Respekt gegenüber diesen Menschen zu tun.
16:10Ein Ärgernis für die Nachbarschaft.
16:12Begegnungen mit Obdachlosen, Touristen auf Abenteuerjagd
16:16und Künstler auf der Suche nach einer neuen Leinwand.
16:19Für die Nachbarschaft ist das einst so imposante Kinderkrankenhaus
16:23lediglich noch ein Ärgernis.
16:26Einst als das führende Krankenhaus seiner Art Europas bekannt,
16:29gibt es seit seiner Schließung im Jahr 1997 nur noch Probleme.
16:34Immer wieder wurden Pläne vorgestellt,
16:36um das Krankenhaus zu restaurieren und wieder in Betrieb zu nehmen.
16:412006 wurde es an russische Investoren verkauft,
16:44welche versprachen, daraus ein alternatives Krebszentrum zu errichten.
16:49Zu sehen war davon jedoch nichts.
16:51Durch ein Gerichtsurteil ging das Grundstück dann 2015
16:54wieder in den Besitz der Stadt über.
16:57Dem Eigentümer blieben die eingetragenen Grundschulden
17:00in Höhe von mehr als 5 Millionen Euro, die zu begleichen sind.
17:04Seit der Rückführung wird über die Nutzung gestritten.
17:07Lage und Größe des Grundstückes würden mehrere Möglichkeiten
17:10zur effektiven Nutzung bieten.
17:13Der Bezirk Pankow beispielsweise möchte darauf Wohnungen errichten.
17:17Geplant sei eine Mischnutzung aus Gewerbe und Wohnen.
17:21Doch der ehemalige Eigentümer, MWT, ging in Berufung
17:24und ein abschließendes Urteil ist auch jetzt im Jahr 2018,
17:28also 21 Jahre nach Schließung, nicht getroffen.
17:31Und so zerfällt es weiter und lockt Besucher wie Luise und Kai an.
17:36Die Leute dachten, ich sei verrückt.
17:39In einem der ersten Bereiche, einem langen, leeren Gang,
17:42von dem mehrere Zimmer abgehen und welcher zu den Fahrstühlen führt,
17:46kam es das erste Mal zu merkwürdigen Vorkommnissen.
17:49Wir liefen hintereinander, mit einem guten Meter Abstand zwischen uns.
17:54Rechts von uns lag der Hof, gut sichtbar durch die scheibenlosen Fenster.
17:58Da ich die Stille nicht ertragen habe, musste ich einfach vor mich hersummen.
18:03Ich glaube, es war die Melodie aus dem Film Das Geisterschloss.
18:07Plötzlich blieb Kai vor ihr stehen und drehte sich zu ihr um, die Augen weit aufgerissen.
18:12Dies war der Moment, in dem Luise das Messer entdeckte.
18:16In seinen Augen konnte ich Angst erkennen.
18:19Er richtete sein Messer auf mich und atmete schwer ein und aus.
18:23Tu das nie wieder, sagte er und senkte erst dann das Messer.
18:28Als wir weitergingen, murmelte ich eine Entschuldigung
18:31und dass ich nicht wusste, dass mein Summ ihm so einen Schrecken einjagen würde.
18:36Doch es sollte sich herausstellen, dass das Summen der jungen Frau
18:40nicht der Grund für seine Reaktion gewesen war.
18:43Als sie es ansprach, schien er verwundert,
18:46er habe nicht einmal mitbekommen, dass sie gesummt habe.
18:49Aber dass sie ihn am Bein berührt habe, habe ihn erschreckt.
18:53Ich bin stehen geblieben und habe ihn ungläubig angesehen.
18:57Immerhin liefen wir ja recht weit voneinander entfernt.
19:01Ich konnte ihn also gar nicht berühren.
19:03Wir entschieden uns daran zu glauben,
19:05ein Tier wäre, ohne von uns bemerkt zu werden,
19:08an seinem Bein vorbeigelaufen.
19:10Diese Erklärung erschien ihnen logisch,
19:13wirkte mittlerweile jedoch wenig beruhigend.
19:15Das Bedürfnis, gehen zu wollen, beschlich sie das erste Mal,
19:19als nur wenige Meter weiter eines der Kabel,
19:22die überall von der Decke hingen, anfing im Wind zu schaukeln.
19:26Erst einmal nichts Ungewöhnliches,
19:28immerhin waren sämtliche Scheiben in dem Gebäude zerschlagen.
19:32Das Glas knirschte bereits die ganze Zeit unter ihren Füßen
19:36und dazu kam, dass viele Türen offen standen.
19:40Allerdings entschied sich das Kabel in einem eher unwahrscheinlichen Winkel,
19:44einfach plötzlich zu verharren.
19:46Auf den Aufnahmen, die Luise gemacht hat,
19:48ist deutlich zu erkennen,
19:50wie das Kabel in einem schätzungsweise 45-Grad-Winkel
19:53in der Bewegung innehält.
19:55Es verharrt etwa eine Minute in dieser Position,
19:58ehe es dann wieder locker schwingt.
20:00Als hätte es jemand losgelassen.
20:03Kurz darauf hängt es wieder verhältnismäßig schlaff nach unten
20:06und wird nur leicht vom Wind bewegt.
20:09Wir wollten immer noch an den Wind glauben,
20:11erklärt Luise Verlegen.
20:13Die Grafikerin weiß selbst,
20:15wie unwahrscheinlich und unglaubwürdig
20:17ihre Geschichte ab diesem Moment klingt.
20:20Dennoch will sie sie erzählen,
20:21eine Last loswerden,
20:23welche sie seit Monaten verfolgt.
20:25Nach dieser Nacht hat sie versucht,
20:27mit anderen darüber zu sprechen.
20:29Doch niemand wollte ihr glauben.
20:32Die meisten fingen an zu lachen
20:33und bewunderten sie für ihre Fantasie.
20:35Andere wiederum äußerten ihre Sorge
20:38und fragten, ob alles in Ordnung mit mir sei,
20:41so Luise.
20:42Die Logik wehrte sich auch weiterhin
20:45gegen jede übernatürliche Möglichkeit.
20:48Nach dem Vorfall mit dem Kabel
20:50machten sie eine Pause,
20:51besprachen sich und rauchten eine Zigarette.
20:54Immer wieder schauten sie sich
20:56den Teil des Videos an,
20:57um sicherzugehen,
20:58dass beide dasselbe gesehen haben.
21:00Und obwohl ab da die Angst vorherrschte,
21:03zog es beide tiefer in das Gebäude hinein.
21:06Ihre Neugier überwog,
21:08ebenso wie der Wunsch,
21:09alles Übernatürliche mit der Kamera festzuhalten.
21:12Also gingen sie weiter den Gang entlang,
21:14lauschten in die Dunkelheit,
21:16die nur vom Mondlicht
21:17und ihren Taschenlampen erhellt wurde.
21:20Dabei lief die Kamera ununterbrochen mit.
21:22Die Aufnahmen sind gut.
21:24Trotz der Dunkelheit ist viel zu erkennen
21:27von dem Dreck und den Schmierereien.
21:29Auch ihre leisen Gespräche
21:31zwischendurch sind zu hören.
21:33Es geht um Möglichkeiten,
21:34um Erklärungsversuche.
21:36Schließlich wird es eine Weile
21:38still um die beiden,
21:39bis ein Schrei diese Stille durchbricht.
21:41Der Schrei ging uns beiden
21:43durch Mark und Bein,
21:44erklärt Luise mit einem
21:46deutlich sichtbaren Schaudern.
21:48Und ja, selbst auf der Aufnahme
21:50lässt der Schrei das Blut
21:51in den Adern gefrieren.
21:53Dabei ist jedoch nicht klar,
21:54ob er von einem Menschen
21:56oder einem Tier stammt.
21:58Kai versucht es mit einem Obdachlosen
22:00zu erklären,
22:00der ihnen Angst einjagen will.
22:03Doch Luise ist sich sicher,
22:04dass es sich um die Stimme
22:05eines Kindes handelt.
22:07Für einen Erwachsenen
22:08war das einfach zu hoch
22:10und nach einem Tier
22:11klang das meiner Meinung nach auch nicht.
22:13Kai sieht das anders
22:15und will nachsehen gehen.
22:16Er läuft vor,
22:18wartet nicht auf die junge Frau,
22:19welche erst unschlüssig
22:20im Gang stehen bleibt.
22:22Es vergehen einige Sekunden,
22:24die sich selbst beim Ansehen des Videos
22:26wie Minuten anfühlen.
22:28Schließlich ist zu hören,
22:30wie sie leise über ihn schimpft
22:32und ihm dann nachgeht.
22:34Zwischen Lizard Berlin
22:35und Kinder weinen.
22:37An den Fahrstühlen
22:38trafen sie sich wieder.
22:40Zwei Schächte nebeneinander,
22:41zu beiden Seiten offen.
22:43Ihr Begleiter stand bereits
22:45an einem der Schächte
22:46und leuchtete mit der Taschenlampe
22:47nach oben.
22:49Als Luise dazu stieß
22:50und in den Schacht steigen wollte,
22:52hielt er sie fest
22:53und deutete nach oben.
22:55Über ihren Köpfen
22:57hing der Fahrstuhl
22:58und wie stabil die Kabel
22:59und Drahtseile noch waren,
23:01konnte keiner von ihnen abschätzen.
23:03In diesem Augenblick
23:04fühlte ich mich an Resident Evil
23:06oder Final Destination erinnert
23:08und habe innerlich
23:09drei Kreuze gemacht,
23:11so Luise.
23:12Der andere Schacht
23:13war dafür leer,
23:14nicht einmal mehr Kabel waren zu sehen.
23:16Ein weiterer Schrei
23:18ist auf den Aufnahmen zu hören,
23:20dann ein Weinen.
23:21Dieses Mal ist klar,
23:22dass das die Stimme
23:23eines Kindes ist.
23:24Die Stimme scheint
23:26aus dem Fahrstuhl
23:26im ersten Schacht zu kommen.
23:28Ein lautes Pochen folgt,
23:30sofort begeben sich die zwei
23:31auf die Suche nach einem Weg
23:33in die oberen Etagen
23:34und stoßen dabei
23:35auf ein Treppenhaus,
23:36welches sich im turmähnlichen
23:38Anbau des Krankenhauses befindet.
23:40Das Geländer war längst
23:41der Zeit zum Opfer gefallen
23:42und so mussten sich die zwei
23:44während ihres Aufstieges
23:46dicht an der Wand halten.
23:48Ein Sturz konnte nicht nur
23:49Knochenbrüche,
23:50wie bei dem Fotografen
23:52im Jahr 2016 bedeuten.
23:54Wenn man falsch aufschlug,
23:56brachte ein Aufprall
23:57möglicherweise auch den Tod.
23:59Zwischen die Graffiti
24:00an den Wänden
24:01schlichen sich
24:02unglaubliche Kunstwerke,
24:03teils von bekannten
24:05Street-Art-Künstlern,
24:06die Luise tatsächlich erkannte.
24:08Darunter waren Tobo,
24:10einer der bekanntesten Künstler
24:11Berlins und Lizard Berlin.
24:14Doch mit dem Trommeln
24:15und dem Weinen im Ohr
24:16konnte sie sich nicht
24:17an den Bildern
24:18und der Aussicht
24:19von der inzwischen
24:20freischwebenden Treppe erfreuen.
24:22Der Fahrstuhl war offen
24:24und leer.
24:25Auf der Etage angekommen,
24:27in der sie den Fahrstuhl
24:28vermuteten,
24:29liefen Kai und Luise
24:31die Strecke zurück
24:32bis zu den Fahrstühlen.
24:33Dorthin zu gelangen
24:35war allerdings schwerer
24:36als erwartet.
24:37An mehreren Stellen
24:38war der Boden eingebrochen
24:40und nur noch Balken
24:41aus morschem Holz
24:42boten einen Übergang.
24:44Wagemutig
24:45oder eher
24:46lebensmüde und dumm
24:47tasteten sich beide
24:48über die klaffenden Löcher
24:49im Boden.
24:50Unter ihnen die nächste Etage,
24:53zum Teil auch kaum mehr
24:54begehbar.
24:55Wir kamen gar nicht
24:56auf den Gedanken,
24:57dass wir ja einfach
24:58die Polizei
24:59oder die Feuerwehr
25:00hätten rufen können,
25:01sagt Luise
25:02auf Nachfrage.
25:04Allmählich sieht man
25:05ihr die Erschöpfung an,
25:06die Anstrengung,
25:07die dieses Gespräch
25:08ihr abverlangt.
25:09Ihre Stimme
25:10wird brüchig
25:11und sie muss immer häufiger
25:12eine Pause einlegen.
25:14Ihr Kaffee
25:15ist inzwischen kalt,
25:16dennoch nimmt sie
25:17wieder einen Schluck.
25:18Also weißt du,
25:20der Fahrstuhl war leer,
25:21sagt sie schließlich
25:22und lächelt dabei müde.
25:24Dann lacht sie,
25:26laut,
25:26so dass ihr die Tränen
25:27kommen.
25:28Während sie sie wegwischt,
25:30atmet sie tief durch
25:31und fährt fort.
25:32Wir kamen da an
25:33und der Fahrstuhl
25:34war offen und leer.
25:35Die Panik,
25:36die wir auf dem Weg hatten,
25:38war also völlig umsonst
25:39gewesen.
25:40Die eine Panik
25:41hinter sich gelassen,
25:42setzte an dieser Stelle
25:44aber nun eine neue ein.
25:45Sie befanden sich
25:47in einem Gang
25:47mit einigen Zimmern.
25:49Sämtliche Türen
25:50waren offen.
25:51Sie gingen
25:52nach außen auf
25:53und blockierten
25:54ihnen die Sicht.
25:55Aus einem
25:56der ehemaligen
25:57Bettenzimmer
25:58waren leise Schritte
25:59zu hören.
26:00Sie sind auch
26:01auf den Aufnahmen,
26:02ebenso die Kinderstimme,
26:03die leise zu singen begann.
26:05Es war ein Kinderlied,
26:07das wir beide
26:08aus unserer Kindheit
26:09kannten.
26:09Der Mond
26:10ist aufgegangen,
26:11erinnert sich Luise
26:12und streicht sich
26:13mit der Hand
26:14über den Unterarm.
26:15Meine Mutter
26:16hat mir das immer
26:17vorgesungen
26:18und ich habe es
26:19meinen Nichten
26:19und Neffen
26:20vorgesungen.
26:21Das Stimmchen
26:22auf der Aufnahme
26:23ist dünn und heiser,
26:25gelegentlich durchbrochen
26:26von einem
26:26herzzerreißenden Husten.
26:29Vorsichtig
26:29ziehen Kai
26:30und Luise
26:30weiter,
26:31hin zu dem
26:32Zimmer,
26:32aus dem sie
26:33die Stimme
26:33hören.
26:34Anders als
26:35in Filmen
26:36dargestellt,
26:37fängt die
26:37Aufnahme
26:38nicht an
26:38zu rauschen,
26:39als Warnung,
26:40dass nun etwas
26:41Unheimliches
26:42geschehen würde.
26:43Wäre mir
26:44allerdings lieber
26:44gewesen.
26:46Vielleicht,
26:46so sagt sie
26:47heute,
26:48wäre die junge
26:48Frau dann eher
26:49gewillt gewesen
26:50zu gehen,
26:51sich einfach
26:52umzudrehen
26:53und das
26:53Krankenhaus
26:53zu verlassen.
26:55Nun kann man
26:56auf dem Video
26:56sehen,
26:57wie sie die
26:57Kamera vor sich
26:58hält und langsam
27:00an der Tür
27:00vorbeigeht.
27:02Das Bild
27:02wackelt dabei.
27:03Ich habe am ganzen
27:05Körper gezittert
27:06und das nicht
27:07vor Kälte.
27:08Ihr Begleiter
27:09blieb dicht hinter
27:10ihr und leuchtete
27:11in das Zimmer.
27:12Was die Kamera
27:13dann einfängt,
27:14lässt selbst
27:15mich den Atem
27:15anhalten.
27:17Auf dem
27:18verbeulten
27:18Gestell
27:19eines Krankenhausbettes
27:20sitzt ein
27:21kleines Mädchen.
27:22Das lange
27:23blonde Haar
27:24glänzt im
27:24hereinfallenden
27:25Licht des Mondes
27:26und sie
27:27sinkt.
27:29Geistererscheinungen
27:29als Ergebnis
27:30einer Halluzination?
27:33Geistererscheinungen
27:34beschäftigen die
27:34Menschen schon
27:35seit vielen
27:36Jahrzehnten.
27:37Der Mensch
27:38sucht immer
27:38Erklärungen für
27:39Dinge,
27:40die passieren
27:40und wenn das
27:41Wissen und die
27:42Logik erschöpft
27:43sind,
27:43können Geister
27:44oder göttliche
27:45Mächte
27:45eine akzeptable
27:46Lösung für
27:47das Gehirn
27:47darstellen.
27:49Viele
27:49dieser
27:50Erscheinungen
27:50lassen sich
27:51auf
27:51naturwissenschaftliche
27:52Ursachen
27:53zurückführen.
27:54Andere
27:55wiederum
27:55rühren
27:55von
27:56psychischen
27:56Erkrankungen
27:57oder
27:58anderen
27:58medizinischen
27:59Leiden
27:59her.
28:00Forscher
28:01unterscheiden
28:01verschiedene
28:02Formen
28:02von
28:02Geistern.
28:03Stille
28:04Geister
28:05und
28:05sprechende
28:06Geister.
28:07Anhand
28:08der
28:08jeweiligen
28:08Form
28:09könne man
28:09erste
28:10Schlussfolgerungen
28:11über die
28:11Ursachen
28:12anstellen,
28:12heißt es
28:13aus
28:13Fachkreisen.
28:14Doch
28:15sowohl Kai
28:15wie auch
28:16Luise
28:16waren sich
28:17sicher,
28:17dass
28:18weder
28:18eine
28:18körperliche
28:19noch eine
28:19geistige
28:20Erkrankung
28:20vorlag.
28:21Eine
28:22weitere
28:22Möglichkeit
28:23stellte
28:24Einflüsse
28:24der
28:24Umwelt
28:25dar.
28:26In
28:26Lost
28:26Places
28:27konnten
28:27sich
28:27über
28:28Jahre
28:28hinweg
28:28Stoffe
28:29in der
28:29Luft
28:29abgelagert
28:30haben,
28:30die
28:31Halluzinationen
28:32auslösen
28:32können.
28:33Wurde
28:34in
28:34einigen
28:34Gebäuden
28:35beispielsweise
28:35Asbest
28:36verbaut
28:37oder gab
28:37es
28:37in
28:38dem
28:38Krankenhaus
28:38früher
28:39womöglich
28:39viele
28:39Gerätschaften
28:40mit
28:40Blei
28:41oder
28:41Quecksilber?
28:42Auch
28:43bestand
28:43die
28:43Chance,
28:44dass
28:44dort
28:44inzwischen
28:45Pflanzen
28:45gewachsen
28:46waren,
28:46deren
28:47Sporen
28:47zu der
28:48Halluzination
28:48führten.
28:49Die
28:50Angst
28:50und
28:50die
28:50Geschichte
28:51des
28:51Gebäudes
28:52hätten
28:52dann
28:52ihr
28:52Übriges
28:53getan.
28:54Doch
28:54warum
28:55war
28:55dieses
28:55Mädchen
28:56dann
28:56auf dem
28:56Video
28:56zu
28:57sehen?
28:57Das
28:58haben
28:58wir
28:58uns
28:59auch
28:59immer
28:59wieder
28:59gefragt,
29:00aber
29:00das
29:01ist
29:01bisher
29:01noch
29:01das
29:01harmloseste,
29:02erklärt
29:03Luise
29:03und
29:04pausiert
29:04das
29:04Video.
29:05Sie
29:06hält
29:06es
29:06nicht
29:06mehr
29:06aus,
29:07will
29:07die
29:07Bilder
29:08nicht
29:08weiterlaufen
29:08lassen,
29:09nicht
29:10jetzt
29:10zumindest.
29:11Auch
29:12kann
29:12sie
29:12nicht
29:12mehr
29:18Krankenhaus.
29:18Also
29:19steht
29:19sie
29:20auf
29:20und
29:20beginnt
29:21abzuwaschen.
29:21Dabei
29:22erzählt
29:23sie
29:23weiter,
29:24wie
29:24sie
29:24einen
29:25Moment
29:25in der
29:25Tür
29:25stehen
29:26bleiben
29:26und
29:26das
29:26Mädchen
29:27beobachten.
29:28Es
29:28leuchtet
29:29nicht,
29:29ist
29:30nicht
29:30durchsichtig.
29:31Nichts,
29:32was
29:32in
29:32Filmen
29:32oder
29:33Büchern
29:33über
29:33Geister
29:34gesagt
29:34wird,
29:35trifft
29:35auf
29:35dieses
29:36zierliche
29:36Geschöpf
29:36zu.
29:37Und
29:38dennoch
29:38sind
29:38sich
29:38beide
29:39sicher,
29:39dass
29:40das
29:40Kind
29:40nicht
29:40am
29:41Leben
29:41sein
29:41kann.
29:42Nach
29:42einer
29:43Weile
29:43drehte
29:43es
29:44sich
29:44zu
29:44ihnen
29:44um,
29:45sodass
29:45sie
29:45sein
29:45entstelltes
29:46Gesicht
29:46sehen
29:47konnten.
29:48Ihr
29:48sei
29:48so
29:49schrecklich
29:49langweilig.
29:51Luise
29:51hält
29:52inne,
29:52wischt
29:52sich
29:53mit
29:53der
29:53nassen
29:53Hand
29:53ein
29:54paar
29:54Tränen
29:54von
29:54der
29:55Wange.
29:55Sie
29:56sei
29:56immer
29:56schon
29:57sehr
29:57kinderlieb
29:57gewesen
29:58und
29:58der
29:58Anblick
29:59dieses
29:59entstellten
30:00Gesichts
30:00habe
30:01ihr
30:01beinahe
30:02das
30:02Herz
30:02zerrissen.
30:03Es
30:04war
30:04wohl
30:04deutlich
30:04zu
30:05erkennen
30:05gewesen,
30:06dass
30:06die
30:06Frakturen
30:07und
30:07herausgelösten
30:08Hautschichten
30:08mit
30:09Gewalt
30:09zugefügt
30:10worden
30:10waren.
30:11Die
30:12Grafikerin
30:12erzählt,
30:13dass das
30:13Mädchen
30:14sein Lied
30:14noch
30:14beendete,
30:15ehe es
30:16sich
30:16dann,
30:16immer
30:16wieder
30:17unterbrochen
30:17von
30:18seinem
30:18Husten,
30:19direkt
30:19an
30:19sie
30:19wandte.
30:20Die
30:21Kleine
30:21sprach
30:21uns
30:21direkt
30:22an,
30:22ob
30:23wir
30:23mit
30:23ihr
30:23spielen
30:24möchten,
30:24ihr
30:25sei
30:25immer
30:25so
30:25langweilig.
30:26Dies
30:27war
30:27der
30:27Moment,
30:28in
30:28dem
30:28wieder
30:29Leben
30:29in
30:29die
30:29beiden
30:30Freunde
30:30kam,
30:30und
30:31wohl
30:31auch
30:31in
30:31das
30:31Haus.
30:32Im
30:33Gang
30:33hinter
30:33ihnen
30:34knallten
30:34Türen
30:35und
30:35weitere
30:36singende
30:36Stimmen
30:37waren
30:37zu
30:37hören.
30:38Mit
30:39bebender
30:39Stimme
30:39berichtet
30:40Luise
30:40davon,
30:41wie
30:41sie
30:41nun
30:41versuchten,
30:42schnellstmöglich
30:43wieder
30:43zu der
30:44Treppe
30:44zu
30:44gelangen.
30:45Ein
30:45schwieriges
30:46Unterfangen,
30:47da der
30:47Balken
30:48sich unter
30:48unserem
30:49Gewicht
30:49extrem
30:50bog
30:50und
30:50wir
30:51nicht
30:51wagten,
30:52nach
30:52vorne
30:52oder
30:53hinter
30:53uns
30:53zu
30:53blicken.
30:54Der
30:55Gesang
30:55wurde laut
30:56ihrem
30:56Bericht
30:56durch
30:57das
30:57Weinen
30:57und
30:57Schreien
30:58von
30:58Säuglingen
30:59verstärkt.
31:00Alles
31:00davon
31:01wird
31:01von
31:01den
31:01Video
31:02Aufnahmen
31:02belegt.
31:03Auch
31:04wie
31:04sie
31:04schließlich
31:04die
31:05Treppe
31:05erreichten,
31:06einige
31:06Stufen
31:07nahmen
31:07und
31:08ihnen
31:08dann
31:08der
31:08Weg
31:08von
31:09einem
31:09kleinen
31:09Jungen
31:09versperrt
31:10wurde.
31:11Er
31:11trug
31:12altmodische
31:12Kleidung,
31:13Lumpen,
31:14wie Luise
31:14es mit
31:15einer
31:15gewissen
31:15Traurigkeit
31:16nennt.
31:17Trotz
31:17ihrer
31:18Angst
31:18hatte
31:18sie
31:18auch
31:18Mitleid
31:19mit
31:19diesem
31:19Wesen,
31:26stand
31:26das
31:26Geisterwesen
31:27vor
31:27ihnen
31:28und
31:28hielt
31:28einen
31:29Ball
31:29vor
31:29der
31:29Brust.
31:30Wir
31:31sollten
31:31mit
31:31ihnen
31:31spielen,
31:32seufzt
31:32Luise.
31:33Einfach
31:34nur
31:34spielen,
31:35sonst
31:35würden
31:36sie
31:36den
31:36Doktor
31:36wecken.
31:37Den
31:38Doktor
31:38zu
31:38wecken
31:39hörte
31:39sich
31:40für
31:40Luise
31:40und
31:40Kai
31:41nach
31:41etwas
31:41an,
31:42worauf
31:42sie
31:42verzichten
31:43wollten.
31:44Trotzdem
31:45drehten
31:45sie
31:45sich
31:45um,
31:46in der
31:46Hoffnung,
31:47einen
31:47anderen
31:47Weg
31:48nach
31:48draußen
31:48zu
31:49finden.
31:49Doch
31:50der
31:50Weg
31:50in den
31:56Alters
31:56standen
31:57an
31:57der
31:57Treppe
31:57und
31:58sahen
31:58erwartungsvoll
31:59zu
31:59ihnen
31:59hinunter.
32:00Uns
32:01blieb
32:01gar
32:01nichts
32:02anderes
32:02übrig,
32:03wiederholt
32:03Luise
32:04immer
32:04wieder.
32:04Wir
32:05mussten
32:05mit
32:05ihnen
32:06spielen,
32:06wenn
32:06wir
32:07auch
32:07nur
32:07eine
32:07Chance
32:07haben
32:08wollten,
32:09wieder
32:09lebend
32:09nach
32:09Hause
32:10zu
32:10kommen.
32:11Verstecken
32:12und
32:12suchen.
32:13In
32:14Extremsituationen
32:15kann das
32:15Gehirn
32:16Leistungen
32:16erbringen,
32:17die man
32:17sonst
32:18nicht
32:18für
32:18möglich
32:18gehalten
32:19hätte.
32:20Für
32:20Luise
32:21war dies
32:21die
32:21Reaktion
32:22ihres
32:22Begleiters,
32:23die sie
32:23bis heute,
32:24wie sie
32:24sagt,
32:25beeindruckt.
32:26Mit
32:26einem
32:27Mal
32:27schien
32:27er
32:27die
32:28Ruhe
32:28selbst
32:28zu
32:28sein
32:29und
32:29er
32:30verkündete,
32:31dass
32:31wir
32:31natürlich
32:31mit
32:32ihnen
32:32spielen
32:32würden,
32:33aber
32:33nur,
32:34wenn
32:34wir
32:34das
32:34Spiel
32:34aussuchen
32:35dürften.
32:36Sie
32:36stand
32:37neben
32:37ihm,
32:38fühlte
32:38sich
32:38wie
32:38gelähmt,
32:39konnte
32:40nichts
32:40sagen
32:40und
32:41wusste
32:41nicht,
32:41wie
32:42ihnen
32:42sein
32:42Vorschlag
32:43helfen
32:43sollte.
32:44Die
32:44Kinder
32:45jedenfalls
32:45schienen
32:46sich
32:46zu
32:46freuen,
32:47auch
32:47wenn
32:47man
32:47dies
32:48nicht
32:48in
32:48allen
32:48Gesichtern
32:49deuten
32:49konnte.
32:50Erst
32:51als
32:51Kai
32:51Verstecken
32:52und
32:52Suchen
32:52vorschlug
32:53und den
32:53Kindern
32:54auftrug,
32:54dass sie
32:55uns
32:55zuerst
32:55suchen
32:56sollten.
32:56Bis
32:57150
32:57sollten
32:58sie
32:58zählen,
32:59ganz
32:59langsam,
33:00damit
33:00wir
33:01genügend
33:01Zeit
33:01hätten,
33:02um
33:02uns
33:02zu
33:02verstecken.
33:04Es
33:04war
33:04ein
33:04gemeiner
33:05Trick,
33:05aber
33:06ich
33:06war
33:06ihm
33:06dankbar
33:06dafür.
33:07Zu
33:08ihrer
33:08Überraschung
33:09gingen
33:09die
33:10Kinder
33:10darauf
33:10ein
33:10und
33:11schlossen
33:11die
33:11Augen,
33:12alle
33:12außer
33:13den
33:13Jüngsten,
33:14die
33:14das
33:14Spiel
33:14wohl
33:14eh
33:15nicht
33:15verstanden
33:15hätten.
33:17Kai
33:17und
33:17Luise
33:17nutzten
33:18laut
33:18ihrer
33:18Aussage
33:19die
33:19Gelegenheit
33:20und
33:20liefen
33:20nach
33:21unten.
33:21Sie
33:22achteten
33:23nicht
33:23auf
33:23Hindernisse
33:24oder
33:24darauf,
33:24nah an
33:25der
33:25Wand
33:25zu
33:25laufen,
33:26um
33:26nicht
33:27in
33:27die
33:27Tiefe
33:27zu
33:27stürzen.
33:28Unten
33:29angekommen,
33:30konnten
33:30sie
33:30das
33:30Zählen
33:31der
33:31Kinder
33:31kaum
33:32noch
33:32hören,
33:32geschweige
33:33denn
33:33verstehen.
33:34Doch
33:34sie
33:35hielten
33:35sich
33:35auch
33:35nicht
33:36mit
33:36Lauschen
33:36auf,
33:37sondern
33:37suchten
33:38nach
33:38einem
33:38Ausgang.
33:39Der
33:39Zugang,
33:40durch den
33:40sie
33:41hineingekommen
33:41waren,
33:42war zu
33:42weit
33:42weg.
33:43Aber
33:44wir
33:44waren
33:44uns
33:44verdammt
33:45sicher,
33:45dass
33:46rechts
33:46von
33:46der
33:46Treppe
33:47irgendwo
33:47noch
33:47ein
33:47weiterer
33:48Ausgang
33:48sein
33:48musste,
33:49aber
33:49Kai
33:50wollte
33:50sich
33:50gar
33:50nicht
33:50weiter
33:51mit
33:51Türen
33:51aufhalten
33:52und
33:52zog
33:53mich
33:53zu
33:53einem
33:53Fenster.
33:54Die
33:54Scheiben
33:55waren
33:55schon
33:55vor
33:56langer
33:56Zeit
33:56herausgeschlagen
33:57worden.
33:58Der
33:58junge
33:59Mann
33:59half
33:59Luise
33:59nach
34:00draußen,
34:00ehe
34:01er
34:01dann
34:01selbst
34:01hinaus
34:02kletterte.
34:03Eilig
34:03folgten
34:04sie
34:04dem
34:04Trampelpfad
34:05Richtung
34:05Straße.
34:06Dann
34:06war
34:06alles
34:07vorbei.
34:08Der
34:08Zaun
34:08am
34:09Stromkasten
34:09war
34:09verbogen,
34:10sie
34:10mussten
34:11sich
34:11nicht
34:11einmal
34:11anstrengen,
34:12um
34:12das
34:12Gelände
34:13zu
34:13verlassen.
34:14Einige
34:15Meter
34:15weiter
34:15stand
34:16ein
34:16älterer
34:16Herr,
34:17der
34:17mit
34:17seinem
34:17Hund
34:18spazieren
34:18ging.
34:19Der
34:19schaute
34:20uns
34:26aber
34:26wir
34:26mussten
34:27einfach
34:27lachen.
34:28Ihr
34:28Abend
34:29endete
34:29damit,
34:30dass
34:30sie
34:30zur
34:30Straßenbahn
34:31gingen
34:31und
34:31sich
34:32hinsetzten.
34:33Die
34:33kalte,
34:34frische
34:34Luft
34:34ließ
34:35sie
34:35ruhiger
34:35werden
34:35und
34:36schon
34:36daran
34:36glauben,
34:37sich
34:37alles
34:38nur
34:38eingebildet
34:38zu
34:39haben.
34:40Erst
34:40ein paar
34:40Tage
34:41später
34:41sahen
34:41wir
34:41uns
34:42die
34:42Aufzeichnungen
34:43an
34:43und
34:43entdeckten
34:44noch
34:44etwas,
34:45was
34:45uns
34:45an
34:45der
34:45Straßenbahn
34:46gar
34:46nicht
34:46aufgefallen
34:47war.
34:47Die
34:48zusätzliche
34:49Szene
34:49zeigt
34:50eines der
34:50Gebäude
34:50auf dem
34:51Grundstück.
34:52Eines
34:52von
34:53denen,
34:53die
34:53bei
34:53Bränden
34:54völlig
34:54zerstört
34:54wurden.
34:55Auf
34:56dem
34:56Dachstuhl
34:56steht
34:57ein
34:57kleines
34:57Mädchen
34:58mit
34:58einer
34:58Laterne
34:59und
34:59scheint
34:59direkt
34:59zu
35:00ihnen
35:00herüber
35:00zu
35:01sehen.
35:02Gefunden
35:03Mehrere
35:04Tage
35:04saßen
35:05die
35:05Erlebnisse
35:06der
35:06Nacht
35:06in
35:06ihren
35:06Knochen,
35:07bis
35:08sie
35:08in
35:08Vergessenheit
35:09gerieten,
35:09erklärt
35:10Luise.
35:11Inzwischen
35:12wird es
35:12draußen
35:12dunkel
35:13und sie
35:13schaltet
35:14das
35:14Licht
35:14in der
35:14Küche
35:15ein.
35:15Der
35:16Abwasch
35:16ist
35:16erledigt
35:17und
35:17eine
35:17weitere
35:18Kanne
35:18Kaffee
35:18aufgesetzt.
35:19Wir
35:20wollen
35:20das
35:20Gespräch
35:21heute
35:21noch
35:21beenden,
35:22auch
35:22weil
35:23Luise
35:23immer
35:23wieder
35:23betont,
35:24dass
35:24sie
35:24nicht
35:25wisse,
35:25wie
35:25viel
35:25Zeit
35:26sie
35:26noch
35:26habe.
35:27Zudem
35:27hat
35:28mich
35:28die
35:28Neugier
35:28gepackt.
35:29Ihr
35:30Alltag
35:30wurde
35:30schwieriger
35:31zu
35:31meistern.
35:32Überall
35:32meinte
35:33Luise
35:33Kinderstimmen
35:34zu
35:34hören.
35:35Zwischen
35:36realen
35:36Kindern
35:36auf der
35:37Straße
35:37glaubt
35:38sie
35:44Babys
35:45hörte,
35:45aber
35:46die
35:46Kinder
35:46im
35:46Haus
35:47sind
35:47alle
35:47schon
35:47ein
35:47wenig
35:48älter
35:48oder
35:49noch
35:49nicht
35:49geboren.
35:50Schließlich
35:51der
35:51Anruf
35:51von
35:52Kais
35:52Freund.
35:53Man
35:53habe
35:53seinen
35:54Leichnam
35:54gefunden
35:55auf dem
35:55Dachboden
35:56des
35:56Kinderkrankenhauses.
35:58Ein
35:58paar
35:58Jugendliche
35:59waren
35:59als
36:00Mutprobe
36:00tagsüber
36:01auf das
36:01Gelände
36:01gegangen
36:02und so
36:03weit
36:03nach
36:03oben
36:03gegangen,
36:04wie
36:04sie
36:04konnten.
36:05Ihnen
36:05soll
36:06ein
36:06Geruch
36:06entgegen
36:07gekommen
36:07sein,
36:08der
36:08ihren
36:09Magen
36:09in die
36:09Zwang.
36:11Zumindest
36:11steht es
36:12auch so
36:12in den
36:12Zeitungsberichten,
36:14die mir
36:14Luise
36:14zeigt.
36:15Und auch
36:16ich
36:16erinnere
36:17mich an
36:17den Fall,
36:18da wir
36:18ebenfalls
36:19darüber
36:19berichtet
36:19haben.
36:20Damals
36:21war ein
36:21Kollege
36:22von mir
36:22damit
36:22beauftragt
36:23gewesen
36:24und auch
36:24er hatte
36:25hier in
36:25dieser
36:25Küche
36:26gesessen
36:26und
36:26Luise
36:27Fragen
36:27gestellt.
36:28Er
36:29hielt
36:29mich
36:29für
36:29verrückt,
36:30sagt
36:30Luise
36:31und
36:31setzt
36:32sich
36:32an
36:32den
36:32Tisch.
36:33Aber
36:33ich
36:33bin
36:34ihm
36:34nicht
36:34böse
36:34deswegen,
36:35ich
36:35halte
36:35mich
36:36ja
36:39Luise
36:40weiter
36:40stets
36:40bergab.
36:41Sie
36:42war
36:42sich
36:42sicher
36:42und
36:43ist
36:43es
36:43auch
36:43heute
36:43noch,
36:44dass
36:44die
36:44Kinder
36:45aus
36:45dem
36:45Krankenhaus
36:45sie
36:46verfolgten.
36:47Also
36:47verließ
36:48sie
36:48das
36:48Haus
36:48nicht
36:48mehr.
36:49Der
36:50Abfall
36:50stapelte
36:50sich,
36:51wohl
36:51bis
36:51heute
36:51morgen
36:52noch,
36:52in
36:52der
36:52Küche.
36:53Ihrer
36:54Meinung
36:54nach
36:54wollen
36:54die
36:55Kinder
36:55das
36:55Spiel
36:55zu
36:55Ende
36:56spielen.
36:57Kais
36:57Augen
36:58waren
36:58verbunden,
36:59als
36:59hätte
36:59er
36:59nun
36:59zählen
37:00sollen.
37:01Da
37:01sie
37:02nicht
37:02mehr
37:02zur
37:02Arbeit
37:03ging,
37:03verlor
37:03Luise
37:04ihren
37:04Job.
37:05Durch
37:05die
37:05täglichen
37:06Streitigkeiten
37:07mit
37:07ihrem
37:07Freund
37:07zerbrach
37:08ihre
37:08Beziehung.
37:09Die
37:10Miete
37:10zahlt
37:10sie
37:10nur
37:10noch
37:11von
37:11ihrem
37:11Ersparten.
37:12Aber
37:12wer
37:13weiß,
37:13wie lange
37:13das
37:14noch
37:14reicht.
37:15Was
37:15sie
37:15sich
37:16wünscht?
37:17Eigentlich
37:17will
37:18ich
37:18nur
37:18mein
37:18normales
37:19Leben
37:19zurück
37:19haben.
37:20Vielleicht
37:21hätte
37:21ich
37:21mit
37:22Jonas
37:22und
37:22seinen
37:22Freunden
37:23wegfahren
37:23sollen,
37:24dann
37:24würde Kai
37:25vielleicht
37:25auch
37:25noch
37:25leben.
37:271,
37:282,
37:283,
37:29alles
37:29muss
37:29versteckt
37:30sein.
37:31Ob
37:31dem
37:32so
37:32wäre,
37:32ist
37:32fraglich.
37:34Kai
37:34war laut
37:34Polizeibericht
37:35schon
37:35länger
37:36im
37:36psychiatrischer
37:37Behandlung.
37:38Ob
37:38Luise
37:38davon
37:39wusste?
37:40Nein,
37:41das
37:41hat er
37:41mir
37:41nicht
37:41erzählt,
37:42aber
37:42ich
37:42glaube
37:43dennoch
37:43nicht,
37:43dass
37:44das
37:44eine
37:44Rolle
37:44spielt.
37:45Für
37:45die
37:46Gerichtsmediziner
37:47war
37:47die
37:47Sache
37:47schnell
37:47klar.
37:48Selbstmord.
37:49Die
37:50Ermittler
37:50trugen
37:51dies
37:51in ihren
37:51Bericht
37:52ein.
37:52Kein
37:53Wort
37:53von
37:53Geistern.
37:54Die
37:54Rede
37:55ist
37:55nur
37:55von
37:55einem
37:55wachsenden
37:56Verfolgungswahn.
37:57Noch
37:58eine
37:58Stunde
37:58sitzen
37:59wir
37:59gemeinsam
37:59in
38:00der
38:00Küche.
38:01Luise
38:01zeigt
38:01mir
38:02Bilder,
38:02die
38:02sie
38:02in
38:02den
38:03letzten
38:03Wochen
38:03gemacht
38:04hat.
38:04Und
38:04tatsächlich
38:05sind
38:05dort
38:05verschwommen,
38:06Kinder
38:06zu
38:06erkennen.
38:08Schämen,
38:08welche
38:09in
38:09Seitengassen
38:10auf sie
38:10zu
38:10warten
38:10scheinen.
38:11Meistens
38:12in
38:12der
38:12Bewegung
38:13aufgenommen.
38:14Nur
38:14ein
38:14einziges
38:15ist
38:15klar
38:15erkennbar.
38:17Aufgenommen
38:17auf der
38:18Straße
38:18vor dem
38:18Haus
38:19zeigt
38:19es
38:19einen
38:20Jungen
38:20mit
38:20einem
38:20Ball
38:20in
38:21der
38:21Hand
38:21und
38:22ein
38:22Mädchen
38:22mit
38:22einer
38:22Laterne.
38:23Sie
38:24deuten
38:24scheinbar
38:25zu
38:25der
38:25Grafikerin,
38:26während
38:26sie
38:27das
38:27Bild
38:27macht.
38:28Schließlich
38:29verabschiede
38:29ich mich
38:30und
38:30Luise
38:31sichert
38:31mir
38:31zu,
38:32mir
38:32alle
38:32Aufnahmen
38:33und
38:33Bilder
38:33zukommen
38:34zu
38:34lassen.
38:35Noch
38:35während
38:36ich
38:36in der
38:36U-Bahn
38:37Richtung
38:37Alexanderplatz
38:38sitze,
38:38bekomme
38:39ich
38:39eine
38:39E-Mail
38:39von
38:40ihr.
38:40Sie
38:41bedankt
38:48Ich
38:49selbst
38:49bin
38:50derweil
38:50noch
38:50immer
38:50unschlüssig.
38:51Zu
38:52viele
38:52Fragen
38:52sind
38:53offen
38:53geblieben,
38:54doch
38:54ich
38:54soll
38:54keine
38:54Gelegenheit
38:55mehr
38:55bekommen,
38:56ein
38:56weiteres
38:57Mal
38:57mit
38:57Luise
38:57zu
38:57sprechen.
38:58Bereits
38:59am
38:59nächsten
38:59Nachmittag
39:00betrat
39:01die
39:01Polizei
39:01unsere
39:02Redaktion.
39:03Luise
39:04war
39:04tot
39:04in
39:04ihrer
39:04Wohnung
39:05aufgefunden
39:05worden,
39:06mit
39:06einem
39:06Zettel
39:07in
39:07ihrer
39:07Hand.
39:08Darauf
39:09stand
39:09lediglich
39:09eine
39:10Zahl.
39:11150
39:13Claudia
39:14Eckart
39:1428.
39:15September
39:1617.
39:1743
39:18An
39:18mich
39:19Lieber
39:20Frederik,
39:21ich weiß,
39:22wie sehr du es hast,
39:23in deinem Urlaub E-Mails zu beantworten,
39:25und nun belästige ich dich bereits zum zweiten Mal.
39:28Tja, ich weiß nicht einmal, ob du meine Reportage bereits gelesen hast,
39:32geschweige denn, was du darüber denkst.
39:35Ach, ich bin mir ja nicht mal sicher, ob ich es selbst
39:37glaube.
39:38Vermutlich ist das alles völliger Humbug, und ich wurde gekonnt an der Nase herumgeführt.
39:43Aber hier sind in den letzten Tagen echt seltsame Dinge geschehen, die mich an dieser
39:48These zunehmend zweifeln lassen.
39:51Zuallererst konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mal ein bisschen tiefer zu forschen,
39:55was dieses Krankenhaus anbelangt.
39:57Du kennst mich, wenn ich mich einmal festbeiße, dann lasse ich nicht mehr los.
40:02Und tatsächlich bin ich auf eine Art Archiv gestoßen, in dem dieser Doktor erwähnt
40:07wird.
40:08Es gehört einer ehemaligen Angestellten, die alles mitgenommen hat, als das Krankenhaus
40:13geschlossen wurde.
40:14Offenbar gab es auch eine Art Universität auf dem Gelände.
40:18Dort sollten eigentlich nur Schwestern ausgebildet werden, aber du kennst ja diese geldgierigen
40:23Männer.
40:24Offenbar hat dieser Doktor Eschenberg ein Angebot erhalten, in dem Waisenkinder seinem Krankenhaus
40:29zur Verfügung gestellt wurden.
40:31Er hat sie mit Keuchhusten und Diphterie infiziert und Impfstoffe an ihnen ausprobiert,
40:36die damals gerade erst in der Entwicklung waren.
40:39Einige der Kinder reagierten wohl mit so heftigen allergischen Reaktionen, dass sich in ihren
40:44Gesichtern und an Armen und Beinen Geschwüre bildeten, die zu den Entstellungen führten,
40:49von denen Luise mir erzählt hat.
40:51Einigen Protokollen und Briefen zufolge war der Doktor echt grausam.
40:56Er hat die Kinder zum Teil tagelang hungern lassen oder sie von der Außenwelt isoliert.
41:01Schläge waren normal und trotzdem berichten Schwestern in ihren Briefen davon, dass die
41:06Kinder ihn geliebt haben.
41:07Sie nannten ihn zum Teil sogar Vater.
41:10Ich will mich heute selbst in dem Krankenhaus umsehen.
41:13Wenn die Geschichte wahr ist, dann ist das vermutlich eine verdammt dumme Idee, aber es
41:18lässt mir einfach keine Ruhe.
41:20Außerdem brauche ich Bilder, die besser sind als die, die Luise mir noch geschickt hat.
41:25Mach dir noch einen schönen Resturlaub.
41:27Wir sehen uns am Dienstag.
41:29Liebe Grüße, Claudia
41:31Claudia Eckert, 28. September, 23.07 Uhr
41:36An mich
41:37Frederik
41:38Tja, an der Story ist wohl doch mehr dran als erwartet.
41:41Ich bin tatsächlich in dem Krankenhaus und hier ist gerade ein Ball die Treppe hinuntergerollt.
41:46Von oben höre ich Kinderstimmen.
41:49Ich habe Angst und trotzdem bin ich so dumm und gehe nicht.
41:52Vermutlich spielt mir die Furcht einen bösen Streich.
41:56Sehr geehrte Leser und Leserinnen
41:59Mein Name ist Frederik Klist und ich bin der Chefredakteur dieser kleinen Zeitung.
42:04Viele von Ihnen kennen unsere werte Kollegin Claudia Eckert als eine gewissenhafte Journalistin.
42:11So auch ich.
42:12Umso entsetzter war ich, als ich vor einigen Tagen mein E-Mail-Postfach überprüfte und diese
42:18Nachrichten fand.
42:20Normalerweise steht das Briefgeheimnis bei uns über allem.
42:23Doch dieses Mal wollte ich Ihnen den Schriftkontakt nicht vorenthalten.
42:27Grund hierfür ist, dass dies der letzte Artikel von Claudia ist.
42:32Unsere geschätzte Kollegin wurde gestern tot aus dem ehemaligen Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee geborgen.
42:39Neben ihr lag ein alter Lederball.
42:42Wir können nicht nachvollziehen, was genau passiert ist.
42:45Die Ermittler sagen, es war Selbstmord.
42:48Doch wir wollen Ihnen unsere Trauer nicht verbergen.
42:51Wir in der Redaktion sind eine kleine, eingefleischte Familie.
42:55Der Verlust eines Familienmitgliedes ist schmerzlich.
42:59Vor allem, wenn dieser Verlust so unverständlich ist.
43:03Claudia Eckert war eine fleißige Frau.
43:05Sie hat ihren Bachelor in Journalistik mit 1.0 absolviert.
43:09Und anstatt sich bei einer der großen Zeitungen zu bewerben, kam sie zu uns.
43:13Wir haben sie hier als ein Naturtalent kennenlernen dürfen, welches noch dem uninteressantesten Thema etwas Spannendes abgewinnen konnte.
43:22Sie fand Geschichten, die anderen verborgen blieben und lieferte in einer immer besser werdenden Qualität.
43:29Zurück lässt sie ihren Mann und zwei Kinder.
43:31Mögen sie die Trauer überstehen.
43:33Was ihre Reportage angeht, keine Ahnung, wie viel davon stimmt.
43:39Einige der Fakten konnten wir tatsächlich während der Kontrollrecherche bestätigen.
43:44Die Videos und Fotos sind noch im Labor.
43:46Doch der bisherige Stand lässt vermuten, dass sie echt sind.
43:50Aber ehe die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, möchte ich mir hierüber kein Urteil erlauben.
43:56Inzwischen ist es der Berliner Immobilienmanagement GmbH, kurz BIM, gelungen, die Übertragung des Grundstückes durchzusetzen.
44:05Zwar fehlen noch einige Unterschriften, doch es werden immerhin nun genaue Pläne angefertigt, wie das Grundstück in Zukunft zu sichern
44:13ist.
44:13Aufgrund der Gefahr für Leib und Leben ist auch die Geschäftsführerin der BIM der Auffassung,
44:19dass ein Betreten von Unbefugten in Zukunft unter allen Umständen verhindert werden müsse.
44:24Nun ist es für Claudia zu spät.
44:27Doch es ist ein Anfang.
44:30Hochachtungsvoll, Ihr Frederik Clist
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