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Kurzfilme
Transkript
00:00Musik
00:43Musik
01:12Musik
01:38Wir sind so, wie ihr uns werden lasst. Wir können aber nicht so sein, wie ihr wart.
01:51Musik
02:20Donnerstag, wie ich einen Aufsatz schreiben musste
02:28und Papa mir dabei half.
02:36Ich machte Schularbeiten.
02:42Musik
02:47Mama war im DFD und Papa las in der Zeitung.
02:53Musik
02:54Wenn er oft mit der Zeitung raschelt, ist sie uninteressant.
03:00Wenn es eine längere Zeit still ist, hat er sich festgelesen.
03:06In solch einem Augenblick fragte ich ihn,
03:11Papa, wie sind auf denen das Wasserstock verkommen, nicht wahr?
03:15Die sind erledigt, wenn nichts geändert wird.
03:26Und wenn die Kühe Dreckkrusten haben, was geschieht dann?
03:30Das gibt mindestens schlechtes Leder.
03:32Papa schien beim Headartikel angekommen zu sein
03:35und zündete sich gedankenvoll eine Zigarre an.
03:44Sofort fiel mir wieder etwas ein.
03:46In der Scheune ist doch auch ein Verboten, Papa.
03:50Na frag nicht so dumm, Heinz.
03:51Das weiß doch schon jeder Säugling.
03:53Außerdem hängen in jeder Scheune Verbotsschilder.
03:57Natürlich!
03:58Richtig, Papa.
03:59Ich dachte, wenn man um eine Sache bereits weiß, kann man trotzdem danach fragen.
04:07Ich habe da so jedenfalls meine bestimmte Methode.
04:12Was schreibst du da eigentlich?
04:14Bloß einen Aufsatz.
04:17In der Landwirtschaft?
04:18Hm.
04:19Dann frag ruhig weiter.
04:20Ach ja, so ist nun mein Papa.
04:22Der schien zu denken, wenn ich ihm in Mathematik schon nicht helfen kann,
04:26in der Landwirtschaft kann ich das.
04:28Und wie kommt man zu höheren Milcherträgen?
04:30Sagen wir mal, an die 3000 Kilo im Jahr.
04:33Das ist doch ganz einfach, mein Junge.
04:35Gutes Futter, Sauberkeit und Ordnung in den Stellen sind die Voraussetzungen.
04:41Und schreib dazu, dass dieser dauernde Personalwechsel auch zu Minderträgen führt.
04:45Danke, Papa.
04:46So viel Spaß hatte mir noch nie einen Aufsatz gemacht.
04:49Papa konnte meine Fragen kaum noch erwarten.
04:51Was willst du denn nun noch wissen?
04:53Moment.
04:55Ich kam mit dem Schreiben kaum noch nach.
05:02Ich nahm mir nur noch etwas mehr Zeit, denn ich ahnte,
05:07dass Papa vor Berufseifer mir von selbst noch gute Hinweise geben würde.
05:12Und vergiss den Arbeitsschutz nicht, Heinz.
05:13Das ist ein sehr wichtiges Kapitel.
05:17An Treibriemen müssen die Frauen Kopftücher tragen.
05:23Komma.
05:24Ganz besonders an der Rübenschnitzelmaschine.
05:28Punkt.
05:31Und, äh, ein Kälberstall, Heinz.
05:36Na, ein Kälberstall, du, der muss früh und abends ausgemistet werden.
05:40Nicht, dass die Viecher bis zum Hals im Dreck stehen und dann lauter Verrecker werden.
05:47Und Pünktlichkeit ist alles, Papa, nicht wahr?
05:50Pünktlichkeit?
05:51Pünktlichkeit ist in der Viehwirtschaft die Mutter der Gesundheit.
05:58Wie schön du das sagst, Papa.
06:03Das ist eine alte Bauernregel, mein Junge.
06:07Trotz dieser familiären Einstimmigkeit hatte ich keinen Grund, unser Aufsatzkollektiv allzu hoch zu schätzen.
06:14Im Gegenteil, Papa tat mir ein bisschen leid.
06:20Er schlitterte immer tiefer hinein und baute sich selber eine Falle nach der anderen.
06:25Ich musste also etwas tun, um ihn nachher nicht in zu große Gewissenskonflikte zu stürzen.
06:34Ich musste mich deutlich machen.
06:38Du hältst das doch auch nicht für richtig, Papa, dass ein Ausbilder seine Schüler während des Unterrichts in den Konsum
06:45nach Brot, Bier, Zigaretten und Semmeln schickt.
06:49Nein, auf gar keinen Fall, Heinz.
06:53Sowas hat es vielleicht mal früher gegeben, aber heute...
06:55Meistens kriegt er von ihm noch bessere Zensuren.
06:58Fürs Einholen.
07:01Was du nicht sagst.
07:03Welcher von unseren Lehrern erlaubt sich denn solche Mädchen?
07:10Lehrer?
07:11Keiner.
07:12Der Ausbilder im Unterrichtstag in der Produktion.
07:14Also, Herr Public.
07:20Der Public...
07:22Der Public macht das.
07:42Ich dachte, du schreibst nur so ganz allgemein über die Landwirtschaft.
07:52Nicht allgemein.
07:55Sondern speziell über den Produktionstag in unserer Genossenschaft.
07:59Ja.
08:01Wir sollen konkret schreiben, was uns gefällt und nicht gefällt.
08:05Ja.
08:10Und, äh, da kommt der Public mit rein.
08:15Ist bereits drin, Papa.
08:18So.
08:29Herr Hausmann hat gesagt, wir sollten nicht immer bloß hinten rummeckern.
08:33Sondern die Sachen beim Namen nennen.
08:40Nur so könnte man's ändern.
08:48Die Aufsätze werden nachher in der Schule vorgelesen.
08:51Ja.
09:13Vorgelesen.
09:16Aha.
09:16Ja.
09:20Und beim Namen nennen?
09:22Du hast vorhin selber gesagt, dass das mit Herrn Public so nicht in Ordnung ist.
09:28Gesagt?
09:30Naja.
09:33Richtig ist das nicht.
09:36Aber in den Aufsatz?
09:38Und dann nennt unser Public immer fort.
09:40Kuh-Schwanz-Piloten.
09:42Was sind das schon wieder?
09:44Na, wir hatten mal wieder UTP.
09:46Und eine Gruppe von uns war im Rinderstall.
10:02Mann!
10:05Mann!
10:06Mann!
10:20Papplik hatte uns die Arbeit zugewiesen.
10:23Nach zwei Stunden kam er mit dem Traktor angefahren, um nach uns zu sehen.
10:43Natürlich war ihm wieder gar nichts recht.
10:45Und er fragte uns, was wir denn mal werden wollten.
10:50Was wollt ihr denn mal werden?
10:52Und da hat Hufeisen geantwortet.
10:55Ich gehe zu den Flieger.
10:56Zu den Flieger?
10:59Kuhschwanzpiloten werdet ihr.
11:01Ihr könnt zwar russischquaten und X minus Y mal drei und Finger im Arsch plus 18 ausrechnen.
11:05Aber eine Missgabel richtig anfassen, das könnt ihr nicht.
11:26Und seitdem nennt er uns eben Kuhschwanzpiloten.
11:30Und das hast du alles in den Aufsatz reingeschrieben?
11:35Ja.
11:39Auch das mit dem Arsch und so?
11:42Nein, sowas dürfen wir in der Schule nicht schreiben.
11:46Papa überlegte angestrengt.
11:50Allmählich schien es bei ihm zu dämmern.
11:54Sag mal, Heinz, hast du mich vorhin nicht gefragt, was aus einer abgesoffenen Wiese wird?
12:01Hm, hab ich reingeschrieben.
12:03Das betrifft die Birkelwiese.
12:05Die Einwohner kippen seit langem schon Schutt, Asche und Büchsen, Flaschen und alte Matratzen, Waschhauskessel und Geröll darauf, weil sie
12:16zwei Jahre brach liegt.
12:28Guck mal, wer da kommt.
12:45Ich wusste, dass das Papa unter die Weste ging.
12:49Er ist der Feldbaubrigadier.
12:56Und wegen des Rauchens in der Scheune hatte ich dich auch gefragt.
12:59Das macht oft der Schweizer Herr Zottelbeck.
13:02So.
13:03Und, äh, der steht da jetzt auch mit drin.
13:07Natürlich.
13:09Na, der wird sich freuen.
13:12Und die Milchschulden hast du natürlich auch nicht vergessen.
13:15Ach wo, Papa?
13:17Ich hab genau das reingeschrieben, was du mir gesagt hast.
13:21Was hab ich denn gesagt?
13:22Ganz einfach.
13:24Gutes Futter, Sauberkeit und Ordnung in den Ställen sind die Voraussetzungen für höhere Milcherträge.
13:32Unsere Genossenschaft, habe ich hinzugefügt, hat zurzeit beträchtliche Milchschulden.
13:37Was niemanden wundert, wenn er die Stelle gesehen hat.
13:47Und solche Aufsätze schreiben nun alle in deiner Klasse?
13:54Alle.
13:58Na was, was haben denn so die anderen an unserer Genossenschaft auszusetzen?
14:05Ich meine, es werden ja wohl nicht alle dasselbe schreiben.
14:09Ich weiß nur von Hufeisen ein Beispiel.
14:12Er beklagt sich über einen Knopke, weil er zur Frauenbrigade immer sagt,
14:16Los ihr Weiber, geht in die Rüben.
14:18Oder, die Weiber schicken wir heute auf den Tabakboden.
14:22Hufeisen sagt dann immer, meine Mutter ist doch kein Weib.
14:29So, was ihr so alles merkt.
14:36Was denkt ihr denn so über die anderen, Heinz?
14:40Geschickt und von Wibbern der Neugier getrieben, arbeitete er sich weiter vor.
14:44Zum Beispiel von Sulzenbecks Gustav.
14:49Der flucht doch von früh bis spät und tricht immer zu die Tiere mit dem, was er zur Hand hat.
14:55Für den haben wir einen feinen Namen.
14:57Ich mache da eine absichtliche Pause, um die Spannung zu erhöhen.
15:00Ich weiß doch, dass die Erwachsenen nie wissen, welchen Spitznamen sie haben.
15:04Wir nennen ihn den Schinder von Typ 3.
15:09Ja, das stimmt.
15:11Deswegen ist er auch schon des Öfteren vom Vorstand ermahnt worden.
15:15Aber andererseits schuftet er genauso gut, wie er flucht.
15:32Sulzenbecks
15:36Gustav
16:04Nun wollte ich ja eigentlich noch sagen,
16:08dass die Lehrer und die LPG-Mitglieder, mit denen wir zufrieden waren,
16:21keine Spitznamen bekommen.
16:26Musik
16:39Aber das vermochte ich mir, den Papa nun doch nicht anzutun.
16:43Na, Heinz?
16:45Und von mir?
16:48Da weißt du gar nichts?
16:50Ich schaute Papa an, als fürchtete ich mich vor diesem Schritt.
16:54In Wirklichkeit tat ich nur so, um ihn kommen zu lassen.
17:02Nun meinst du etwa, ich vertrage keine Kritik?
17:05Ach du lieber Gott, das sagen alle.
17:09Soll ich, Papa?
17:11Na ja, schieß schon los.
17:14Du hast ein paar Mal unseren Ausbilder vertreten müssen.
17:19Und...
17:20Hab ich?
17:21Ja.
17:22Na und?
17:23Und du hast uns da jedes Mal auf den Acker geschickt.
17:27Besser gesagt, gejagt.
17:42So, Jungs, jetzt wird was getan, aber ordentlich, klar?
17:47Na, los!
18:08Wir mussten stundenlang Steine lesen und am Feld rein aufschichten.
18:12Ach, Steine müssen immer vom Acker, Heinz.
18:14Das ist wahr.
18:16Na, siehst du.
18:19Auf dem Lehrplan stand aber, dass wir Bodenproben entnehmen sollten.
18:31Du hast uns Steine lesen geschickt und gesagt...
18:35Was hab ich gesagt?
18:37Du hast gesagt, die sollen erst mal richtig arbeiten lernen.
19:05Na und das Steine lesen war nicht gerade sehr lehrig.
19:10Für uns.
19:17Er hatte ein rotes Gesicht.
19:20Ich wollte ihm etwas aus der Patsche helfen und meinte...
19:23Das ist aber schon eine Weile her.
19:27Trotzdem.
19:28Weißt du, Heinz...
19:30...voll lauter Arbeit, da...
19:32...überlegt man sich das manchmal nicht so richtig.
19:35Aber nun erzähl mir bloß noch, ich hab deswegen wegen...
19:38...dieser Steine leserei auch einen spitzen Namen bekommen.
19:42Doch.
19:43Hast du.
19:46Sklaven-Richard, nennen sie dich Papa.
20:00Sklaven-Richard ist gut, du.
20:02Ja, nun lachte er aus vollem Halse.
20:06Übrigens, er hatte mich nicht gefragt, ob ich auch seine Geschichte in den Aufsatz geschrieben hätte.
20:12So gut kennen wir uns.
20:14Und so prima ist mein Papa, dass er das für selbstverständlich hält.
20:47Untertitelung des ZDF für funk, 2017
21:17Untertitelung des ZDF für funk, 2017
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