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  • vor 4 Stunden
Reanimal erscheint am 13. Februar für PC, Xbox Series, PS5 und Nintendo Switch 2 und ist auf Steam eines der meist gewünschten Spiele. Kein Wunder: Das Horror-Abenteuer stammt von den Little Nightmares-Machern, die mit diesem Spiel eine neue Marke starten.

Das Adventure will genau wie seine geistigen Vorgänger mit einer Mischung aus Horror und markanten Ästhetik eine ganz eigene Atmosphäre erschaffen.

Genau wie Little Nightmares 3, das von einem anderen Studio stammt, setzt Reanimal zudem auf einen Koop-Modus. Ob mit Reanimal die Meister des Indie-Horrors zurückkehren, oder ob die Magie etwas verflogen ist, zeigen wir euch im Test!
Transkript
00:03Sieht aus wie Little Nightmares? Ist von den Schöpfern von Little Nightmares? Ist aber gar
00:09kein Little Nightmares, sondern Re-Animal. Und statt Solo-Grusel will das Horror-Abenteuer dieses
00:14Mal Koop in den Fokus rücken. Äh, Moment mal, das klingt doch verdächtig nach Little Nightmares 3.
00:20Ist es nicht auch erst vor ein paar Monaten erschienen und hatte Koop als große Neuerung?
00:24Ja ist es und ja hatte es, das waren aber andere Entwickler. Die kurze Version,
00:29die Schöpfer von Little Nightmares 1 und 2 haben mit Bandai Namco nichts mehr zu tun und
00:34machen jetzt mit Re-Animal ihr eigenes Ding. Ich habe das Grusel-Märchen bereits durchgespielt und
00:38sowohl Single als auch den neuen Multiplayer ordentlich getestet. Und im Video verrate ich euch,
00:43worauf ihr euch freuen könnt, für wen Re-Animal einen Blick wert ist und wer vielleicht lieber
00:48die Finger davon lassen sollte. Es ist wirklich keine Überraschung,
00:59dass mich Re-Animal mit seiner Atmosphäre direkt um den Finger wickelt. Schließlich haben sich Tassier
01:04Studios bereits mit ihren kleinen Albträumen unter meiner Haut geschlichen. Während ich in
01:09Little Nightmares 1 und 2 Six & Mono durch traumhafte Welten begleite, in denen alltägliche Ängste zu
01:14tödlichen Monstern mutieren, dreht Re-Animal den Spieß um. Das Spiel holt den Horror in eine Welt,
01:20die zumindest auf den ersten Blick sehr real wirkt und sogar parallel zu unserer eigenen Welt aufweist. Mit der
01:26Inszenierung treffen die Entwickler erneut voll ins Schwarze. Re-Animal ist auf eine grausame Art
01:32wunderschön. Herabgekommene Städte treffen auf alltägliche Momente. Hier steht im Kino zum Beispiel
01:37noch das Popcorn herum. Oder hier gönnen sich die Kinder auf dem Spielplatz eine kleine Verschnaufpause.
01:43Grelle Neonlichter tauchen das Dunkel in malerische Lila- und Rottöne. In finsteren Zimmern ist mein
01:48Feuerzeug und die Laterne des Mädchens meine einzige Lichtquelle. Zerstörung schmückt die Gebäude um mich herum und
01:55menschliche Gestalten tummeln sich in den dunklen Ecken. Und die sind mal aufgebläht und verfressen.
02:00Mal nichts mehr als ein Hautkustin, das rasend schnell über die Wände schlingelt.
02:05Inmitten dieses Grauens suchen mein Co-Partner und ich als kleine Waisenkinder nach unseren
02:10verschollenen Freunden. Ich stolpere durch Zugabteile, quetsche mich im Kinosaal am
02:15untoten Publikum vorbei, verstecke mich in Waschmaschinen, fliehe durch Tankstelle und Parkhaus.
02:21Re-Animal entfaltet sich vor mir wie ein Aufklappbuch, das mich mit jeder Seite mehr
02:25und mehr in seinen Bann zieht. Jeder Schauplatz ist wie ein kleines Theaterstück, ein Diorama,
02:30in das ich als riesige Beobachterin hineinblicke. Durchchoreografierte Kamerafahrten schwenken um
02:36das Bühnenbild herum, fangen Verfolgungsjagden ein und lassen mich über dem Geschehen schweben
02:40wie einen Schutzgeist. Im grandiosen Licht- und Schattenspiel entfalten die Monster ihre ganze
02:45Pracht, wenn aus der Dunkelheit nur eine riesige Hand ragt, ein Schatten schnell näher kommt oder
02:50das künstliche Licht die Augenringe auf dem schmelzenden Gesicht meines Verfolgers vertieft.
02:55Und das Sounddesign ist die Kirsche auf der Torte. Hintergrundmusik hält sich bewusst zurück,
03:00wodurch die Geräusche der Umgebungen, der Monster und der kleinen tapsenden Schritte in der Dunkelheit
03:05noch stärker wirken.
03:16Re-Animal klingt erstmal super, aber ehrlich gesagt hat mich der Soundtrack etwas enttäuscht.
03:21Der kommt nämlich nicht an das Niveau der Vorgänger heran. Die wuchtige Klangkulisse haut mich aber
03:27trotzdem komplett um, spielt deshalb unbedingt mit Kopfhörern.
03:37Ihr seht also, Re-Animal ist dreckig, herabgekommen und düster. Und das spiegelt sich auch in seiner
03:44Story wieder. Re-Animal wirft mich wie gewohnt einfach mitten ins Geschehen. Trotz Kindern in
03:50der Hauptrolle ist das aber erneut absolut keine Geschichte für Kinder. Fans von Little Nightmares
03:55dürfte das in etwa so viel überraschen wie der Sonnenaufgang jeden Morgen. Die Monster, die nach den
04:00kleinen weisen Kindern geiern, verkörpern wie schon in den geistigen Vorgängern Ängste und
04:04Traumata oder sind einfach nur überzeichnete, ekelerregende Scheusahle.
04:09Re-Animal ist echt nichts für schwache Nerven. Es erzählt eine Geschichte über Mord, Suizid,
04:14Gewalt an Tieren, Krieg. Gerade das letzte Kapitel des Spiels setzt mir einen fetten Kloß
04:19in den Hals, weil es mich so an unsere reale Welt erinnert.
04:23Re-Animal trieft nur so für Interpretationsmöglichkeiten, wenn ihr denn nach der Symbolik graben wollt.
04:28Oh, hört ihr das? Die Ending-Explained-Youtuber scharen schon mit den Hufen. Aber keine Sorge,
04:35das Spiel funktioniert auch als simple, aber unfassbar atmosphärische Horror-Achterbahn.
04:40Einziger Makel, wer ein klares Ende erwartet und alle Fragen beantwortet haben möchte,
04:45wird enttäuscht. Re-Animal wirft mir einen Köder hin, gibt mir einen kleinen Einblick in die Hintergründe
04:51der Waisenkinder und ihrer Freunde und endet dann einfach abrupt. Das ist besonders bitter,
04:56weil die Story gegen Ende erst so richtig Fahrt aufnimmt. Selbst Little Nightmares bietet mir
05:01mehr Story-Puzzlestücke, die ich dann selbst zusammensetzen kann. In Re-Animal muss ich das
05:05ganze Puzzle erst einmal selbst ausschneiden und bekomme es dann trotzdem nicht zusammengebaut.
05:09Das Horrorspiel wirft mit Motiven und Anspielungen um sich, die sich im Nichts verlaufen. Re-Animal ist
05:15eben durch und durch ein wunderschönes, düsteres Bilderbuch, nur leider fast ohne Text.
05:21So, und wie sieht das jetzt mit Gameplay und Koop aus? Genau wie bei einem Bilderbuch muss
05:26ich in Re-Animal nicht arg viel machen. Die meiste Zeit laufe ich nur rum. Während die Atmosphäre
05:32voll aufdreht, entpuppt sich das Gameplay über weite Strecken als Rückschritt im Vergleich zu
05:36Little Nightmares. Rätsel gibt es so gut wie keine, hier und da kloppe ich mich durch Gegnerhorten,
05:41indem ich ununterbrochen auf einen Knopf hämmere, die meiste Zeit renne ich aber einfach nur weg
05:46oder schleiche mich an Gegnern vorbei und renne dann nochmal weg.
05:49Little Nightmares choreografiert diese Abschnitte schön durch, stimmt sie perfekt auf das Spieltempo
05:54ab und macht sie damit zumindest zu einer kleinen Herausforderung. Re-Animal hingegen schafft das
06:00leider nicht. Der Spielfluss ist mehr eine Abfolge von Ereignissen als ausgefeilte Zahnrädchen,
06:05die ineinander greifen. Und das fühlt sich einfach nicht zufriedenstellend an. Immerhin versucht
06:10das Spiel auch etwas Neues. Es gibt nämlich Fahrzeuge. In Re-Animal bewegen sich die Kinder nicht nur zu
06:15Fuß, sondern auch zum Beispiel mit dem Boot. Das macht spielerisch zwar kaum einen Unterschied,
06:20bietet aber einen schönen Tapetenwechsel zum sonstigen Walking-Sim-Trott. Und dann ist da ja
06:25noch der Koop-Modus, der mich aber ähnlich enttäuscht hat wie der aus Little Nightmares 3.
06:31Er holt nämlich ebenfalls nicht genug aus dem Modus heraus. Das Zusammenspiel beschränkt sich
06:36größtenteils auf. Wir machen zu zweit eine Tür auf. Wir machen zu zweit eine Tür mit Brechstange
06:42auf. Der Vorsprung ist zu hoch, wir helfen uns gegenseitig hoch. Und dann, passt auf, dann machen wir
06:49zu zweit eine Luke auf. Lediglich an vereinzelten Stellen, wie etwa hier, blitzen Ansätze von Koop-Ideen
06:57durch. Die sind dann aber auch in Windeseile wieder vorbei. Selbst die Shader-Kompilierung dauert
07:02länger. Kein Witz. Frustrierend ist zudem, dass sich beide Spieler sowohl im lokalen als auch im
07:07Online-Koop einen Bildschirm teilen. Spaziert eines der beiden Kinder zu weit aus dem Bild,
07:13tickt ein Timer runter und tot. Spaßig geht anders. Die Rücksetzpunkte haben die Mache zwar
07:19fair platziert, trotzdem bremst dieser Koop-Modus immer wieder meine Motivation. Ich sehe außerhalb des
07:25Rands gar nicht mehr, wo ich bin, ob ich an einem Busch festhänge oder gegen die Wand laufe. Und dann
07:29dauert der Respawn auch noch so unnötig lange. Wartet. Wartet. Jetzt geht's weiter.
07:38Das kann doch nicht sein. Das haben die Lego-Spiele vor zig Jahren mit einem dynamischen
07:42Splitscreen besser hinbekommen. In unserer Review-Version auf dem PC haben wir außerdem
07:47noch mit Abstürzen im Koop und Bugs zu kämpfen, die das Weiterspielen verhindern. Die Fehler lassen
07:53sich jeweils nur nach einem Neustart des ganzen Kapitels beheben, sollen aber mit dem Day-One-Patch
07:57zum Release gefixt werden. Mein GamePro-Kollege Dennis berichtet übrigens von einer nahezu
08:02einwandfreien Performance auf der PlayStation 5.
08:05Okay, das müssen wir jetzt alles nochmal verdauern. Für wen lohnt sich Re-Animal denn nun?
08:10Re-Animal ist mehr Horror-Erfahrung mit grandioser Inszenierung als ein Koop-Abenteuer mit ausgeklügelten
08:17Spielmechaniken und Rätseln. Ihr solltet also genau wissen, worauf ihr euch einlasst und was
08:22eure Ansprüche sind. Werdet ihr Re-Animal lieben? Ja, wenn für euch Atmosphäre das
08:27Wichtigste in einem Horrorspiel ist. Wenn ihr nichts gegen Walking-Simulatoren und
08:31runtergeschraubtes Gameplay habt. Ja, wenn ihr Lust auf eine kurze Abendunterhaltung von
08:36etwa vier bis fünf Stunden habt. Und nein, ihr werdet Re-Animal nicht lieben, wenn ihr
08:41ein spielerisches Koop-Niveau wie in It Takes Two erwartet und Herausforderungen in Kämpfen,
08:45Rätseln oder den Platforming-Passagen sucht. Nein, wenn es euch auf die Palme bringt, wenn
08:50Spieler ihre Story nicht vernünftig erklären und zu viel Interpretationsraum lassen. Und
08:55nein, wenn ihr auf mindestens zehn Stunden Spielzeit hofft. Ob ihr also die 40 Euro für
09:00die Standard-Edition ausgeben wollt, solltet ihr euch gut überlegen. Re-Animal bietet übrigens
09:05auch einen Friends-Pass an, eure Koop-Partner spielen also kostenlos. Ihr merkt aber, bei Re-Animal
09:11prallen Erwartungshaltungen auf experimentelles Storytelling. Die Vorgängerspiele werfen ihren
09:17Schatten voraus und aus dem muss sich das neue Projekt von Tassier Studios erstmal herauskämpfen.
09:22Am anderen Ende wartet schon jetzt eins der atmosphärischsten Erlebnisse des Jahres oder
09:27eben eine Enttäuschung für alle, die nach Little Nightmares 3 auf die Rückkehr der Meister
09:31gewartet haben.
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