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  • vor 5 Wochen
Auf Dürre folgt Einsamkeit- Indiens Bauern in der Klimakrise

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Transkript
00:00Ich hatte viele Träume, dass wir Kinder haben werden und ein glückliches Leben. Aber diese Träume bleiben unerfüllt.
00:30Ich bin sehr traurig. Es tut weh, die Einsamkeit ist sehr schmerzhaft.
00:46Indien ist das Paradebeispiel für den Klimawandel.
00:49Vor 40 Jahren war Landwirtschaft ein Statussymbol. Heute ist sie zu einem Fluch geworden.
01:19Maratwada ist eine trockene Region. Die Landwirtschaft hier ist vollständig vom Regen abhängig.
01:35Weil es so wenig regnet, ist es schwer, eine Frau zu finden. In jedem Dorf sind 100 bis 150 junge Männer unverheiratet.
01:49Ich hatte so schöne Träume. Ich wollte mich um meine Eltern kümmern, heiraten und Landwirtschaft betreiben.
01:57Ich wollte einfach, dass alles gut wird.
02:00Meine Mutter macht sich Sorgen um mich. Sie sagt, heute lebe ich noch, morgen vielleicht nicht mehr. Was wird dann aus dir?
02:06Du suchst sie ein Mädchen und heiratest. Aber ich finde keine Frau zum Heiraten.
02:21Wenn eine Familie mit ihrer Tochter herkommt und mich sieht, dann gehen sie wieder.
02:26Sie sagen, der Mann gefällt uns nicht. In den letzten zehn Jahren ist mir das sechs, sieben Mal passiert.
02:31Sie erwarten neben der Landwirtschaft noch einen anderen Job. Sie wollen alles. Aber alles zusammen gibt es nicht.
02:41Sie sagen, es gibt kein Wasser. Warum sollten wir unsere Tochter hierher geben? Das ist mein Problem.
02:59Ich muss tun, was schon meine Eltern getan haben. Seit 15 Jahren bin ich in der Landwirtschaft. Ich werde keinen anderen Job bekommen.
03:18Landwirtschaft ist für mich so wichtig wie die Pflege meiner Mutter. Es ist etwas, das ich bis zu meinem letzten Atemzug tun werde.
03:31Aber man braucht beides. Ein Lebenspartner ist auch wichtig.
03:39Hallo, Sir. Ja, Anil, wie geht's dir?
03:43Gut, Sir. Und Ihnen?
03:47Okay, wo wohnst du?
03:49Borsa. Das Gebiet heißt Weijapur.
03:58Das ist Tsawanki, Shweta Tsawanki. Ihre Hochzeit steht. Die Verbindung habe ich hergestellt.
04:03Sampat Bhagwat Laka, 13. März 1992. Das ist sein Geburtsdatum.
04:14Sein Vater ist ebenfalls Landwirt. Er lebt in Osmanabad.
04:18Viele Söhne von Landwirten kommen zu mir, weil sie heiraten wollen. Sie schicken mir ihr Profil über WhatsApp.
04:30Ich sende das Profil dann an die Familie der Tochter. Die schauen es sich an und sagen, nein, er gefällt uns nicht.
04:37Das gebe ich dann an die Familie des Sohnes weiter.
04:40Sie sagen, Sir, bitte tun Sie etwas. Sie behandeln mich wie einen Gott, denken, er wird uns verheiraten.
04:50Aber wie soll ich es Ihnen sagen? Egal, wie gut er als Bauer ist, niemand will ihm seine Tochter geben.
04:56Wegen der Dürre sind die Männer dort nicht beliebt. Sie haben kein Einkommen und keine Möglichkeiten.
05:01Das Gleiche habe ich auch erlebt. Das hat mir große Sorgen bereitet. Wir waren sehr arm. Keine Frau wollte mich heiraten. Ich hatte nicht einmal ein Zuhause.
05:12Unser Stück Land war sehr klein, nur ein bis zwei Hektar. Dafür wollte mich niemand heiraten.
05:22Mein Vater hat in der Zuckerindustrie gearbeitet. 1985 wurde die Fabrik geschlossen. Wir hatten viele schlechte Tage. Manchmal sind wir hungrig schlafen gegangen.
05:32Ich möchte den Söhnen der Landwirte wirklich helfen. Daher arbeiten wir für sie kostenlos. Wir verlangen kein Geld von ihnen.
05:40Geld ist zwar nicht alles, aber es ist auch nicht unwichtig. Sie machen das durch, was ich auch durchgemacht habe. Deshalb helfe ich ihnen.
05:50Das ist Boxhornklee. Und das hier ist Koriander. Dort drüben ist Mais. Wenn es regnet, verdienen wir etwas. Wenn es nicht regnet, haben wir nichts.
05:59Mal regnet es gar nicht. Mal regnet es. Deshalb haben wir viele Probleme in der Landwirtschaft.
06:07In den letzten 70 Jahren gab es einen Rückgang des Monsunregens um etwa 15 bis 20 Prozent. Es gibt nicht mehr so viel Regen wie früher.
06:27Und der Regen fällt in sehr kurzen Zeiträumen. Früher, in den 50er Jahren, gab es dreimal Starkregen pro Jahr. Heute passiert das acht oder neun Mal.
06:43Das liegt nicht nur am Klimawandel, sondern auch am Wassermanagement. Die Bauern pumpen Grundwasser aus großer Tiefe ab.
06:58Daher wird es überall weniger. Wasser, das über Jahrhunderte im Boden gefiltert wurde. Das führt zu schlechten Erträgen. Und die Menschen wandern ab.
07:11Ich habe 2017 geheiratet. Da waren wir zwei Jahre zusammen. Früher sorgten die Männer dafür, dass Frauen im Haus blieben. Sie wurden geschlagen, mussten arbeiten.
07:31Heute können Frauen arbeiten und sich einen Job suchen. Sie können alles selbst machen.
07:38Es ist nicht so, dass Mädchen nicht heiraten wollen. Aber sie denken, ich ziehe mit meinem Mann weg. Sie wollen nicht auf dem Feld arbeiten. Sie suchen Raum für freies Leben.
07:48Es ist nicht so, dass sie arbeiten können. Sie wollen nur für freies Leben werden.
07:52Sie wollen nur für freies Leben.
07:55tickt!
07:56...
08:13Es war vor zehn Jahren, ich war damals 26.
08:36Ich wollte eine Partnerin, sie sollte sich auch um das Haus kümmern.
08:40Dann habe ich geheiratet. Es lief über einen Vermittler.
08:44Es hieß, die Familie des Mädchens ist arm und braucht Geld.
08:47Also gaben wir ihnen Geld, fast 3000 Euro.
08:50Aber dann hat sie mich verlassen.
08:53Die Leute wollen nur Geld machen.
08:56Ich habe sie geliebt und versuche bis heute, sie zu vergessen.
09:00Immer wenn ich sie vermisse, trinke ich etwas.
09:03So wurde ich alkoholabhängig.
09:10Dieses Problem hat in den letzten 15 bis 20 Jahren zugenommen.
09:19Weil sie keine Frauen finden, greifen viele junge Männer zu Alkohol oder Drogen.
09:24Das belastet den häuslichen Frieden enorm.
09:28Landwirt bist du seit deiner Kindheit?
09:32Ja, seit meiner Kindheit.
09:34Okay, okay.
09:37Dann wird es schwer mit dem Heiraten.
09:41Niemand will seine Tochter einem Bauern geben.
09:43Ja, das ist das Problem, Sir.
09:45Bitte versuchen Sie es.
09:46Bitte tun Sie etwas.
09:49Ja, natürlich, ich werde es versuchen.
09:58Wir brauchen langfristige politische Maßnahmen.
10:01Das Problem wird sich verschärfen.
10:03Wassermanagement, Agrarpolitik.
10:06Das geht uns alle an.
10:08Wir müssen sofort handeln.
10:10Nicht nur in Indien, auch in anderen Ländern.
10:15Dort steigen die Lebensmittelpreise.
10:17Weil sie von indischem Getreide abhängig sind.
10:20Zu Hause leben nur meine Mutter und ich.
10:25Sie ist 80 Jahre alt.
10:27Niemand kümmert sich um sie.
10:29Das belastet mich.
10:34Es war sehr schwer, meine Ex-Frau zu vergessen.
10:39Jeder läuft dem Geld hinterher.
10:42Über die Zukunft denke ich nicht nach.
10:44Es wird so kommen, wie es kommen soll.
10:46Das ist der Tee.
10:47Sie ist der Tee.
10:48Sie sind die Tee.
10:49Sie sind die Tee.
10:52Musik
11:21Wenn du traurig bist, dann macht dich das stärker und bringt dich voran.
11:31Das Problem ist, dass viele Menschen nicht bereit sind, Kompromisse einzugehen.
11:36Ehe bedeutet, je mehr du kompromissbereit bist, desto glücklicher wirst du sein.
11:41Also wie viel verdienst du im Jahr mit der Landwirtschaft?
11:45Knapp 100.000 Rupien, also 1.000 Euro.
11:49100.000?
11:49Ja.
11:51Das ist sehr wenig.
11:55All das liegt nicht in meiner Hand. Es liegt in Gottes Händen, Sir.
11:59Musik
12:04Untertitelung des ZDF, 2020
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