00:00Kerzen, Blumen, Kuscheltiere. Kurz nach der Messertat im Januar 2025 war der Park Schöntal ein Ort der spontanen Trauer.
00:10Menschen kamen hierher, um zu begreifen, was geschehen war, um ihre Fassungslosigkeit sichtbar zu machen.
00:16Ein Jahr später ist es stiller geworden. Heute prägt ein Kranz den Ort des Geschehens.
00:22Niedergelegt im Namen der Stadt, für die Opfer eines Angriffs der Aschaffenburg bis heute nicht loslässt.
00:28Man erschrickt, weil dieses Jahr schon rum ist. Man denkt zwar gerade gestern und reflektiert so ein Stück weit, wie hat die Stadt zusammengehalten, was ist passiert, wie konnten wir helfen und vor allen Dingen, wie geht es weiter.
00:42Der 22. Januar 2025 hat sich tief in das Gedächtnis der Stadt eingebrannt.
00:49Ein Mann griff zur Mittagszeit eine Kindergartengruppe an, die gemeinsam mit zwei Erzieherinnen im Park unterwegs war.
00:55Mit einem Messer stach er auf Kinder und Erwachsene ein. Zwei Menschen verloren dabei ihr Leben.
01:01Ein zweijähriger Junge aus der Gruppe und ein 41-jähriger Familienvater, der versuchte einzugreifen und andere zu schützen.
01:09Mehrere weitere Personen wurden verletzt, darunter ein zweijähriges Mädchen, eine Erzieherin und ein älterer Passant.
01:16Der Park Schöntal, sonst ein Ort der Erholung und der Begegnung, wurde an diesem Tag zum Tatort und für viele zu einem Ort, der seither eine andere Bedeutung trägt.
01:27Also ganz am Anfang war es eine deprimierende Situation, weil viele hatten auch Angst.
01:34Es war eine Unsicherheit, die man nicht kannte in Aschaffenburg.
01:37Wir haben es gemeinschaftlich geschafft, durch viel Reden, durch Veranstaltungen, mit das nach und nach wieder ins normale Leben kommen.
01:44Aber jetzt nach einem Jahr wird natürlich alles wieder aufgearbeitet.
01:48Ich glaube, wir haben es gut hinbekommen, aber wir sind noch ein Stück weit entfernt, dass es wieder ganz normal ist.
01:55Und diese Tat wird immer in Erinnerung der Stadtgeschichte bleiben.
02:00Die Tat löste weit über Aschaffenburg hinaus Entsetzen aus.
02:03Auch politisch wurde sie intensiv diskutiert, verbunden mit der Frage, wie Gesellschaft und Politik mit solch extremer Gewalt umgehen sollten.
02:11Heute wie auch im vergangenen letzten Jahr ist die Stadtgesellschaft sehr würdevoll und sehr gemeinschaftlich mit dem Schmerz, mit der Trauer umgegangen.
02:23Und das war auch mir immer wichtig, das in den Bundestag zu tragen, dass ein solch furchtbares Verbrechen, wie es hier vorgefallen ist,
02:31nicht dazu missbraucht werden darf für politischen Wahlkampf oder wie auch immer.
02:36Für viele Aschaffenburgerinnen und Aschaffenburger ist der heutige Tag eng mit persönlichen Erinnerungen verbunden.
02:43An die ersten Stunden nach der Tat, an Fassungslosigkeit und Angst, aber auch an Solidarität und Zusammenhalt, der in den Tagen danach spürbar wurde.
02:52Ich glaube, das Positive in Aschaffenburg ist, dass man nicht in dieser Trauer verharrt ist,
02:56sondern dass man sich gemeinsam auch Gedanken gemacht hat, wie kann man mit solchen schlimmen Vorfällen umgehen,
03:02wie kann man vor allem den Opfern beistehen, denen die hier geholfen haben.
03:06Und das hat die Stadtgesellschaft sehr gut nach meiner Meinung auch gemeinsam geleistet.
03:12Auch Vertreterinnen und Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen waren heute beim Gedenken dabei.
03:17Es ist für uns wichtig zu zeigen, dass wir eine Gemeinschaft, egal woher wir abstammen oder woher wir kommen,
03:26Also wir gehören alle zu dieser Stadt und daher war für uns ganz wichtig, auch hier praktisch unsere Anteilnahme zu zeigen.
03:34Die Kranzniederlegung fand bewusst im kleinen, geschützten Rahmen statt.
03:39Sie sollte Raum lassen für stilles Gedenken, für Trauer und für Erinnerung.
03:44Am Abend folgt eine öffentliche Gedenkfeier.
03:47Die Stadt plant zudem, in einiger Entfernung vom tatsächlichen Tatort einen Gedenkort zu errichten.
03:52Ein Jahr nach dem Messerangriff ist die Wunde nicht verheilt.
03:56Doch Aschaffenburg macht an diesem Tag deutlich, die Stadt vergisst nicht.
04:01Und sie stellt der Gewalt bewusst Menschlichkeit, Zusammenhalt und Erinnerung entgegen.
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