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Ein Tag, viele Perspektiven - 24 Stunden am Alexanderplatz

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Transkript
00:00Von morgens um sechs bis tief in die Nacht. Der Berliner Alexanderplatz schläft nie.
00:1624 Stunden Alex. Das sind 24 Stunden zwischen Lärm und Hektik.
00:22Aber es sind auch 24 Stunden, in denen Berliner zeigen, was den Platz so einzigartig macht.
00:32Ich freu mich wie ein Cola-Keks, weil ich immer denke, es ist mein Berlin, es ist mein Wohnzimmer.
00:38Kommt alle her, guckt euch das an und seid glücklich. Also mich macht der Alexanderplatz nach wie vor glücklich.
00:45Der Alex. Ein Platz der Extreme.
00:526 Uhr morgens. Schichtbeginn für Jess Hambleton. Kippen, Kaffeebecher, Verpackungen.
01:07Meter für Meter befreit die Straßenreinigerin den Alex von Dreck und Müll.
01:12Ich mach das einfach weg. Ich ärgere mich nicht mehr darüber, oh Gott, wie blöd sind die Leute.
01:25Wie rücksichtslos sind die Leute. Daher würde ich ja jeden Tag schlechte Laune haben.
01:29Ich mach es einfach weg. Aber dadurch, dass hier die Vielfalt und die Diversität hier ein bisschen anders ist,
01:35ne. Hier sind ja, hier kommen ja wirklich Arme, Reiche, kommt ja alles aufeinander.
01:38Ne. Auch rücksichtslose Leute, die dann gern Party machen und dann alles in die Lüfte schmeißen.
01:43Können sie machen, wir machen sie ja eh weg. Also wenn nicht wir, wer dann?
01:51Seit 2018 arbeitet Jess bei der BSR. Immer in der Frühschicht, immer auf dem Alex.
01:57Ich liebe die Frühschicht, weil ich was vom Tag habe. Ich sehe, wie die Sonne aufgeht und morgens hat man seine Ruhe.
02:05Also so ab 7, 7.30 Uhr geht es hier richtig los. Man merkt, dass die Leute wach werden, dass es voller wird.
02:13Zehn von diesen Müllsäcken macht Jess pro Schicht voll.
02:32Arbeit ist die wärmste Jacke. Also von daher, ja, wir müssen vor der Pause einiges schaffen.
02:38Ne, dass sobald es hell wird, hier und der Platz auf jeden Fall steht. Und danach wird ja dann außenrum weitergearbeitet.
02:45Jess ist Berlinerin. Schon als Jugendliche trifft sie sich mit ihren Freunden oft auf dem Alex.
02:51Ne, als Teenie war man ja dann doch ein bisschen wilder und hat gerne im Park vielleicht ein kleines Bierchen getrunken, so mit seinen Freunden.
02:57Und wir waren ja eine riesen Truppe. Und somit haben wir den Alex kennengelernt. Und da war schon auch sehr müllig.
03:02Also es war aber trotzdem irgendwie gemütlich, ne. Damals habe ich den Müll gar nicht richtig wahrgenommen.
03:08Ich glaube, wenn der Platz sauber ist, ist die Stimmung der Leute auch besser.
03:18Man kommt hier, man geht zur Arbeit, man verbringt hier seine Pause, viele sitzen mit dem Laptop hier.
03:24Ich glaube, man fühlt sich viel wohler, wenn der Platz sauber ist.
03:29Dreimal pro Tag reinigen Jess Hambleton und ihre Kollegen den Alex. Viele Menschen, das bedeutet viel Müll.
03:38Es ist 9 Uhr morgens. Bis zu 150.000 Reisende steigen täglich am S- und U-Bahnhof Alexanderplatz ein oder aus.
03:53Zu ihnen gehören auch Fabi König und Marina Paustian.
03:56Die beiden sind unterwegs zum Park-In-Hotel. Hier arbeitet Marina seit drei, Fabi schon seit 17 Jahren.
04:07Ich glaube, das Prägnanteste am Alex, was sich verändert hat, ist einfach, dass früher alles grün war.
04:12Zumindest sehr, sehr viel auch hier. Und irgendwann, ich glaube, so vor zehn Jahren, haben sie angefangen, alles zu betonieren.
04:17Und seitdem ist ja auch alles Beton.
04:21Auf der Dachterrasse des Hotels kümmern sich die beiden um Besucher, die mit der High-Swing in 120 Metern Höhe über den Alex schaukeln möchten.
04:30Fabi und Marina sorgen für die Sicherheit und den nötigen Schwung.
04:36Und, wie ist es, wenn du unterstossst?
04:37Ja, ein bisschen hoch.
04:40Ein bisschen hoch, so 120 Meter.
04:41Tatsächlich spiegelt Adrenalin alles andere aus.
04:48Also, sobald man Adrenalin spürt, muss man nicht auf Toilette.
04:51Es ist nicht mehr übel, man muss sich nicht mehr übergeben.
04:53Das kommt alles, wenn das Adrenalin erst wieder abschwacht.
04:57Und wenn jemand Angst hat, dann gibt es halt einfach Tricks.
05:00Wie nicht runterschauen, einfach in die Ferne durchatmen.
05:0445 bis 70 Sekunden dauert es meistens.
05:06Dann fährt der Kopf auch ein bisschen runter.
05:07Das heißt, wir kriegen auch Leute runter, die wirklich bis zum Nervenzusammenbruch weinen, alles.
05:12Man kann es.
05:15Einmal über den Alex fliegen.
05:18Auch Marita Wandke hat sich ein Ticket gebucht.
05:21Mann und Enkelin sind zur mentalen Unterstützung mit dabei.
05:27Ich habe mich heute dafür entschlossen, weil erstens das Wetter sehr schön ist.
05:32Und ich 2017 schon mal geschaukelt bin in Amsterdam.
05:37Und das war eine schöne Erfahrung.
05:39Man hat einen wunderbaren Ausblick.
05:42So, ein bisschen breit kann ich hinstellen.
05:45Doch nicht erschrecken.
05:47Gubi, ist der gut?
05:49Damit es dir gesichert ist.
05:50Wir schaukeln über 120 Meter Höhe.
05:52Und solltest du doch vor der Schaukel rutschen, bist du fest.
05:54Du kannst jederzeit Stopp sagen, wenn du zu viel hast.
06:00Ansonsten testen wir uns langsam ran.
06:03Los geht's.
06:05Für rund 30 Euro einmal Alex von oben.
06:10Man hat von oben einen schönen Ausblick auf die Stadt, auf die Weide, die Größe.
06:16Das neue Hochhaus verändert die Perspektiven.
06:24Ja, das Gebäude, was uns vor die Nase gesetzt wurde, ist natürlich einfach schade, weil der Ausblick trotzdem natürlich auch da ist.
06:32Aber der Ausblick vor allem zum Sonnentergang ist uns einfach dadurch genommen worden.
06:36Mal gucken, was draus wird.
06:37Also auf jeden Fall sind die jetzt höher geworden als wir.
06:40Das heißt, die komplette rechte Seite, den Reichstag, sehen wir jetzt leider nicht mehr.
06:43Man kann man nicht ändern, würde ich sagen.
06:46Schade.
06:47Das ist halt so.
06:48Die Lobby ist groß, ne?
06:50Investoren kommen immer wieder nach Berlin, kaufen alles auf und die Armen leiden runter.
06:53So ist das Leidung.
06:54Das ist halt Berlin.
07:06Mit dem Tower der Berlinien und dem Covivio-Gebäude entstehen vorerst zwei Wolkenkratzer.
07:12Während der Bauarbeiten sackt der Tunnel der U2 im Herbst 2022 ab und es kommt zu großen Verzögerungen.
07:29Beim Hochhaus der Berlinien sorgt Benjamin Wolf als Polier für die Koordination der Bauabläufe.
07:35Gemeinsam mit seinem Team hat er den Hochhaus-Turm in Rekordzeit errichtet.
07:44Seit Oktober 2024 lebt der Schwabe in Berlin und fährt nur an den Wochenenden nach Hause.
07:49Wir fahren jetzt ins Achte und gehen mal aufs Galeria-Dach, dann können wir gucken, wie die Galeria-Leute arbeiten.
07:56Das ist, ich nenne es mal, mein VIP-Aufzug.
08:00Der ist halt schön angenehm, der rattert nicht, der ist ruhig, leise und schnell.
08:03Es ist 9.30 Uhr.
08:10Gerade versuchen Benjamin Wolf und seine Kollegen, ein 6x16 Meter großes Treppenhaus, also ein riesiges Gerüst, hier auf dem Zwischengeschoss mit einem Kran abzulegen.
08:20Das Provisorium wird nicht mehr benötigt, weil jetzt auch in den oberen Stockwerken ein Fahrstuhl installiert wird.
08:28Das ist bei mir alles getaktet. Ich habe alles genau getaktet, wann was kommt.
08:32Weil man muss bedenken, es sind ja immer noch 70 Leute oben und jeder muss arbeiten.
08:37Wenn die stehen, ist das teilweise mit unserer Schuld.
08:40Also jeder darf arbeiten.
08:42Millimeterarbeit.
08:49Jetzt muss jeder Handgriff sitzen, damit beim Ablegen des 6 Tonnen schweren Gerüsts nichts kaputt geht und niemand verletzt wird.
08:57Das ist für mich auch ein bisschen ein Highlight, sowas immer. Das ist schon meine Dokumentation.
09:01Ich mache auch über jede Baustelle so intern für mich, was ich gebaut habe, dass ich es mal meinen Kindern zeigen könnte.
09:09Schon bald ist die Arbeit von Benjamin hier vorbei.
09:11Dann geht's für den jungen Polier weiter zum nächsten Projekt nach Heilbronn.
09:16Am Tower wird weitergebaut. Fassade, Innenräume, Dachterrasse.
09:212027 soll das Hochhaus bezugsfertig sein.
09:25Das wird wahrscheinlich öfters in den Nachrichten sein. Gerade wenn der Fernsehturm im Bild ist, wird das hier auch im Bild sein.
09:30Da kann ich schon sagen, da habe ich mitgewirkt oder habe ich meinen Teil dazu geleistet.
09:34Der Berlinien sollte ursprünglich eine Höhe von 134 Metern erreichen.
09:38Jetzt wird der Tower sogar 146 Meter hoch.
09:43Gebaut wird direkt ins Gebäude der Galeria hinein.
09:47Seit 1970 das Traditionskaufhaus am Platz.
09:50Es ist kurz vor 10. Gleich öffnet das Kaufhaus.
09:59Hier arbeitet Matthias Westphal seit über 30 Jahren.
10:03Das Kaufhaus hat der gebürtige Düsseldorfer bei einer Klassenfahrt schon als Schüler kennengelernt.
10:07Ich arbeite wirklich an einem sehr prominenten Platz.
10:11Also ich glaube, europaweit, wenn man den Namen Alexanderplatz erwähnt, weiß jeder sofort, der liegt in Berlin.
10:19Das ist ein Commercial Place.
10:21Und viele sind überrascht, dass ich genau dort meinen Arbeitsplatz habe.
10:25Und darauf bin ich natürlich sehr stolz.
10:28Arbeiten an einem der meistfrequentierten Plätze Berlins.
10:32Rund 360.000 Leute täglich.
10:35Es kann hier keine Langweile aufkommen.
10:38Also egal, wann ich komme und gehe oder ob ich Pause habe, auf dem Weg zur Arbeit, von der Arbeit auf dem Weg nach Hause.
10:45Ich halte immer ein bisschen hinne hier am Platz, beobachte Leute.
10:49Das ist sowieso meine Lieblingsbeschäftigung.
10:51Mich einfach irgendwo hinsetzen, Leute beobachten.
10:53Und das kann man hier so wunderbar tun und genießen.
10:58Matthias Westphal ist Abteilungsleiter der Damen-Oberbekleidung und kann sich nicht vorstellen, woanders zu arbeiten.
11:06Seit 2024 schreibt das Kaufhaus wieder schwarze Zahlen.
11:10Das war nicht immer so. Von Schließung und Entlassungen war die Rede.
11:14Natürlich spielt es auch eine große Rolle, wenn sich ein Haus im Umbau befindet.
11:22Aber die durchstrecken, die muss man einfach durchgehen.
11:25Also wer sich einfach nicht modernisiert oder verändert, der verschleppt Probleme einfach in die Zukunft.
11:32Und das wollen wir vermeiden.
11:34Und wenn wir dann in zwei, drei Jahren wieder in Schönheit erstrahlen und dem Kunden alles bieten, was er sich so wünscht,
11:44dann kommen wir wieder in eine Umsatzrentabilität.
11:49Da können wir nur von träumen.
11:52Noch ist die Zukunft der rund 350 Mitarbeitenden ungewiss.
11:56Die Nutzungsvereinbarung für das Gebäude wurde vom Investor nur bis Sommer 2026 verlängert.
12:09Matthias Westphal glaubt, mit dem Anbau des neuen Hochhauses geht es bald wieder bergauf.
12:18Das ist jetzt tatsächlich an seine endgültige Höhe angelangt.
12:23Das sind ungefähr 150 Meter.
12:25Das wäre tatsächlich hier am Alexanderplatz nach dem Fernsehturm das höchste oder das zweithöchste Gebäude.
12:32Und ich finde das herrlich.
12:34Das ist ein Hochhaus.
12:35Das ist tatsächlich in unser Haus reingebaut worden.
12:39Das heißt, die beiden Häuser verschmelzen tatsächlich miteinander.
12:52Ich finde das ein Megaschacht-Sucher.
12:55Also ich bin ja immer dafür, eine Stadt wachsend zu sehen, auch mit Hochhaus-Bausubstanz.
13:02Ich finde, das ist bereichernd.
13:04Und wenn hier noch mehr von diesen Häusern entstehen, haben wir bald hier so eine kleine Skyline wie in New York oder wie in Singapur.
13:11Also ich finde diese Art von Architektur spannend.
13:17Klein Manhattan am Alex.
13:21Werden die neuen Bauten das Image des Platzes verbessern?
13:24Noch empfinden viele Menschen den Alexanderplatz als Unort.
13:40Rebecca Aust kümmert sich hier um die Obdachlosen.
13:43Es ist 12 Uhr mittags.
13:44Einmal in der Woche parkt die Sozialarbeiterin ihr Duschmobil am Fuße des Fernsehturms.
13:49Also der Alexanderplatz ist ja für Berlin ein sehr, sag ich mal, wichtiger Platz, ein geschichtsträchtiger Platz.
14:01Es gibt einen Film, der so heißt.
14:03Hier treffen sich ganz viele Leute, Touristen, Einheimische.
14:05Vieles passiert hier einfach.
14:08Und es ist ein ganz bunter, lebendiger Ort.
14:11Und dadurch, dass es auch ein Bahnhof ist, fahren hier viele Leute ab und kommen an.
14:15Und es halten sich eben auch viele Menschen hier auf, die wohnungslos sind, obdachlos sind.
14:20Deswegen ist es für uns auch ein absolut wichtiger Standort.
14:23Und by the way auch mein Lieblingsstandort tatsächlich.
14:27Im Duschmobil können sich Wohnungs- und obdachlose Frauen ungestört waschen oder duschen.
14:32Zum Angebot gehören auch Hygieneartikel, Kleiderspenden und Beratung.
14:38Während das Mobil drei Stunden am Alex parkt, versuchen die beiden Sozialarbeiterinnen das Vertrauen der bedürftigen Frauen zu gewinnen.
14:48Je besser wir auch mit den Frauen in Kontakt sind, mit den Personen, desto mehr kriegen wir auch die Möglichkeit, was über die Notlage zu erfahren.
14:56Das dauert sehr, sehr lange.
14:57Also meine Kollegin und ich, wir haben jetzt die Erfahrung gemacht, ein halbes Jahr dauert es auf jeden Fall.
15:02Um erstmal bei vielen Personen einen Einblick zu bekommen in die Lebenssituation allgemein.
15:08Also vorher erzählen die einfach auch nicht gerne was.
15:12Einige Frauen holen sich heute Hygieneartikel ab, die sie sich selbst nicht leisten können.
15:17Kaffee, Kaffee.
15:18Kaffee oder Tee?
15:20Eine Frau, die oft das Duschmobil besucht, ist Manuela Borg.
15:25Seit fünf Monaten lebt sie auf der Straße.
15:27Die haben mir gerade meine ganze Tasche wieder geklaut. Ich habe gar keine Klamotten mehr tatsächlich.
15:32Das ist richtig scheiße.
15:33Sollen wir nicht auch mal wegen einer...
15:35Was kommt aus der Situation bei uns?
15:37Ach, ich habe keinen Bock auf diese ganzen Wohnheime.
15:40Watt hast du?
15:41Ich habe keinen Bock auf diese Wohnheime.
15:42Keinen Bock? Was?
15:42Ich will auf diese Wohnheime. Ich komme da drauf nicht klar.
15:50Also im Grunde genommen ist es halt ein gutes Angebot, weil es ist halt sehr clean, es ist sauber.
15:56Die zwei Frauen sind sehr freundlich, sehr nett und gehen halt auch immer auf die Menschen sehr persönlich ein.
16:01Und deswegen genieße ich dieses Duschmobil sehr.
16:03Das Duschmobil parkt im Schatten des neuen Hochhauses. Der Kontrast ist offensichtlich.
16:11Also ich würde mir eher wünschen, dass das sozusagen ein Gebäude wird im Bereich sozialer Wohnungsbau.
16:17Dass da eben WBS-Wohnungen reinkommen, wo Menschen, die sich wenig leisten können an Wohnraum, bevorzugt behandelt werden.
16:25Also das wäre mir ein Anliegen. Weniger Luxusgebäude und mehr sozialer Wohnungsbau.
16:33Es ist 12 Uhr 30. Die einen bauen an der Zukunft, für andere steht sie auf dem Spiel.
16:47Das erste Mal war ich natürlich als Kind mit meinen Eltern auf dem Fernsehturm und am Alexanderplatz.
16:52Das war damals was Großartiges, weil ich nicht aus Berlin komme.
16:56Aber dann bin ich nach Berlin gezogen und da schon immer mit dem Alexanderplatz verhaftet gewesen.
17:01Also Alexanderplatz gehört zu meinem Leben. Ich kenne hier jeden Stein, denke ich manchmal.
17:09Iris Lier ist unterwegs zur Arbeit. Seit über 30 Jahren betreibt sie eine Bierbar in der Bahnhofshalle.
17:17Den Raum hat sie von der Deutschen Bahn gemietet.
17:20Die Deutsche Bahn plant den Umbau oder die nächste Sanierung des Bahnhofs, muss man ja sagen.
17:25Wir haben 1997 schon mal eine mitgemacht. Jetzt steht wieder eine an, soll vier Jahre dauern und alle Mieter müssen raus.
17:32Das heißt auch wir müssen raus. Und ja, wir könnten nach vier Jahren uns wieder neu bewerben.
17:39Wenn der Bahnhof saniert wird, muss auch die Theaterkasse ausziehen.
17:43Das heißt, wir müssen uns wieder auf die Bahnhofshalle bewerben.
17:46Hallo. Hallo.
17:48Na, wie geht's dir denn?
17:49Na ja, nicht so doll.
17:51Nicht so doll?
17:52Nee, nicht so doll.
17:54Hast du jetzt schon ein Ausquartier?
17:56Ja, wir müssen ja Ende Februar, wir sind die letzten Murikaner, die hier ausziehen müssen.
18:03Ich habe so den Plan, mich draußen an die Containerlandschaft der Waren anzugliedern.
18:08Ob das jetzt aber genehmigt wird, keine Ahnung.
18:11Muss die Stadt genehmigen?
18:12Das muss das Grünflächenamt beim Bezirksamt Mitte im Rathaus genehmigen.
18:16Da haben wir alle Unterlagen erstmal eingereicht.
18:19Ist noch nichts passiert. Schauen wir mal.
18:22Es kommen ganz, ganz viele ältere Leute, Seniorinnen und Senioren,
18:27die zu Hause nicht die Technik haben und online bestellen können.
18:31Und mittlerweile sind wir wirklich eine Ü50, 60, 70, 80, heute war einer 97, Theaterkasse.
18:39Und die Leute kommen echt aus allen Stadtbezirken, aus Spandau, aus Köpenick, aus Kreuzberg, aus Charlottenburg.
18:47Ich schieße mich tot überall her.
18:49Und bitten inständig, dass wir doch hier in der Nähe bleiben sollen.
18:55Seit 2024 ist klar, dass die Sanierung kommen wird.
18:59Anfang 2025 informiert die Deutsche Bahn alle Mieter schriftlich über die geplanten Baumaßnahmen.
19:1312.45 Uhr.
19:16Anni Mals und Julian Stamm müssen sich beeilen, damit sie nicht zu spät zur Arbeit kommen.
19:21Die beiden haben Modedesign studiert und arbeiten bei Platte Berlin.
19:25Der Name ist Programm.
19:28Der Verein sitzt in einem der letzten DDR-Plattenbauten am Alexanderplatz.
19:32Ich finde den Kontrast einfach cool, auch optisch hier am Alex eben noch so einen alten Plattenbau zu haben.
19:42Es hat einfach seinen Charme, auch so, dass es halt unser Name geworden ist.
19:47Ich finde es cool.
19:48Ich finde es hat seinen Charme auf jeden Fall, aber es hat natürlich manchmal auch seine Nachteile, was Wasserleitungen und was nicht alles angeht.
19:55Wir hatten jetzt halt immer mal wieder auch plötzlich Wasser im Treppenhaus.
19:59Aber ich finde es ist auch einfach wiederum, macht doch mehr Spaß auch in so einem Gebäude zu arbeiten, als wenn es ins x-beliebigste Bürogebäude geht.
20:07Hier verkaufen die Macher ausschließlich Outfits von Berliner Designern und Designerinnen.
20:17Doch die Platte ist mehr als ein Shop.
20:20Die Mitglieder des Vereins organisieren Workshops, Fashion-Shows und Fotoshootings.
20:26Generell finde ich halt Fashion ist so eine besondere Szene.
20:33Einerseits braucht jeder was zum Anziehen, einfach nur für den Alltag.
20:38Aber einfach dieses, mit Mode drückt man sich ja auch selber aus.
20:42Man zeigt damit seine eigene Identität, wie man eben sich nach außen hin präsentieren will.
20:49Und für mich war Mode auch immer eher Kunst.
20:56Man unterstützt die örtliche Wirtschaft, man unterstützt nicht irgendeine Firma, die irgendwo im Ausland sitzt.
21:03Sondern man hat halt auch irgendeine direkte Relation dazu, wo das Geld, was man gerade ausgibt, hingeht und wo das herkommt, was man jetzt dafür kriegt.
21:11Und dafür finde ich es sehr wichtig, halt auch so einen Ort zu haben, der natürlich für alle zu erreichen ist.
21:16Und der Alex war halt immer repräsentativ, auch so als Platz gedacht.
21:21Deswegen finde ich, passt es ganz gut, dass man da nicht irgendwo auch sonst nur in irgendeinem schönen Gebäude am Kudamm ist.
21:29Weil das ist halt auch einfach nicht Berlin aufs Große und Ganze.
21:33Sondern ich finde, das gehört auch zu Berlin und ich finde es auch richtig, dass diese Orte dann auch halt am Alex sind und nicht nur in den schönsten Häusern irgendwo in Charlottenburg.
21:41Der Alex. Ein Schmelztiegel unterschiedlicher Menschen und ihrer Lebensentwürfe.
21:51Hier trifft Arm auf Reich, Alt auf Jung, Hip auf Konservativ.
21:54Matze Tubola erlebt diesen Kulturclash fast jeden Tag. Es ist 13.30 Uhr. Mittags sind besonders viele Menschen auf dem Alexanderplatz unterwegs.
22:10Der Fahrer der M6 braucht starke Nerven.
22:14Man muss halt zu 100 Prozent dabei sein, weil die Leute laufen da halt auch die ganze Zeit rüber und gucken halt nicht groß, ob da eine Straßenbahn kommt oder nicht.
22:22Wenn sich jeder an die Regeln halten würde, würden wir alle super toll durch den Tag kommen.
22:29Aber so wird das halt für uns in ganz, ganz vielen Situationen einfach sehr grenzlich.
22:34Der Berliner arbeitet zunächst als Kranfahrer auf einem Schrottplatz.
22:392023 wagte er einen beruflichen Neuanfang.
22:43Weil das mein Kindheitstraum ist. Und deswegen habe ich gesagt, ich bewerbe mich jetzt als Straßenbahnfahrer.
22:48Und so habe ich mich dann für den Quereinstieg entschieden bei der BVG. Und da bin ich.
22:53Ich finde das klasse. Ich finde Schienenfahrzeuge so generell toll. Aber so Straßenbahn ist so die Extraklasse.
23:01Man erlebt halt traurige Momente, aber halt auch glückliche Momente.
23:05Man sieht Kinder lächeln, die einem das Herz erwärmen.
23:09Also man erlebt halt wirklich viel, wenn man auf der Schiene unterwegs ist.
23:13Die Fahrt endet am Hackeschen Markt. Noch ein letzter Kontrollgang.
23:20Auf TikTok wird die Tram für Mazetobola zur Bühne.
23:25Uh, 20.000 Follower hier bei TikTok und ich sage Danke.
23:30Wie wirst du auf TikTok bekannt?
23:32Schritt 1. Sei attraktiv.
23:34Wie kam das mit TikTok? Ich habe mich von heute auf morgen, habe ich mich einfach dazu überrungen und habe einfach mal ein Video aus der Bani geschmissen.
23:44Und habe dann gesagt, ich nehme jetzt ein Tanzvideo auf und lade es mal hoch. Und das kam eigentlich relativ gut an.
23:49Und ich denke, ich habe den richtigen Schritt gesetzt. Nicht nur meinen Beruf, sondern halt auch das mit TikTok.
23:54Es ist 14 Uhr. In der Küche des Fernsehturms hat Jackie Hoffmann viel zu tun.
24:07Die Sue-Chefin ist in Mahlsdorf aufgewachsen und lebt noch heute dort.
24:121979 hat sie im Restaurant des Fernsehturms ihre Lehre begonnen.
24:15Wir haben ja auch den Aufbau mitbekommen vom Fernsehturm. Also als Kinder noch, wie der gebaut wurde, wie die Kugel unten zusammengesetzt wurde.
24:25Und dann ist es natürlich erstmal nochmal ein Erlebnis.
24:30Das Teamwork ist gut, ihr Arbeitsplatz sicher.
24:36An einen Jobwechsel hat Jackie nie gedacht. Auch wenn die Arbeit in der Fernsehturmküche oft anstrengend ist.
24:42Ist schon stressig. Also muss man so einfach so sagen. Ist stressig. Also Ruhe ist nicht.
24:50Also da kommen locker so 10, 15 bis 20.000 Schritte am Tag hier zusammen. Mit den Hin und Her und Hoch und Runter. Also da ist man gut mit bei.
25:00Bei rund 1000 Gerichten pro Tag gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren.
25:07Es wird nicht mehr mit Töpfen geworfen und Schlüsselbund und etc.
25:10Ich sage mal, die Küche oder die Köche sagen, so wie die hauen und die stochen ist. Und dann ist es auch gut.
25:19Also direkt. Nicht irgendwie so, es wird nicht ausfallen, um Gottes Willen. So ein rauer Ton ist es nicht.
25:25Aber es kann auch mal laut werden. Ist einfach so.
25:30Den Ausblick vom Drehrestaurant kann Jackie Hoffmann nur selten genießen.
25:33Dass sie die Gerichte auch serviert, ist die Ausnahme.
25:39Also hinten Momentaufnahmen, wenn wir hier mal vorbeiflitzen und wenn mal eine schöne Sicht ist, dann gucken wir mal, wo Platz zwischen den Tischen ist und gucken auch mal raus.
25:46Also wir haben meistens nur Momentaufnahmen.
25:48Oder wenn wir mal am Buffet stehen, wenn einer sagt, Mensch, guck dir mal den Sonnenuntergang an, guck dir mal den Regenbogen da an, dann guckt man schon mal raus.
25:55Aber ansonsten haben wir keine Zeit dafür.
25:59Bis zur Rente sind es nur noch ein paar Jahre.
26:02Der Job im Restaurant des Fernsehturms ist Jackies erster und letzter, sagt sie.
26:07Fast 50 Jahre pendelt sie von Mahlsdorf an den Alex.
26:11In letzter Zeit mit gemischten Gefühlen.
26:14Das hat schon eine krasse Veränderung geworden.
26:15Diese Gemütlichkeit ist weg.
26:17Früher war Alex Weltzeituhr, Treffpunkt Nummer eins.
26:20Das kannte jeder.
26:21Also im Dunkeln möchte man nicht mehr in diese Seite gehen, Richtung Rote Drahthaus, weil da ist wirklich schon extrem viel mit Obdachlosen.
26:31Sind ja nicht alle Obdachlosen rabiat, aber ansonsten habe ich damit nicht so ein Problem, aber es ist eben kein schönes Stadtbild.
26:4115 Uhr.
26:43Obdachlose suchen unter der S-Bahn-Brücke Unterschlupf.
26:47Regelmäßig werden ihre Lager von Sicherheitskräften geräumt.
26:50Gewalttätige Übergriffe gegen sie nehmen zu.
26:53Viele kommen trotzdem immer wieder.
26:56Es gehört eigentlich zu jedem Stadtbild einer Großstadt, dass es Menschen gibt, die tatsächlich keine Wohnung haben, wohnungslos sind,
27:04die wie eine Schnecke ihr ganzes Hab und Gut dabei haben und nicht selten auch abhängig sind und in einer schlimmen sozialen Situation sind.
27:15Aus diesem Blickwinkel sehe ich das eher und sie stören auch nicht.
27:24Beatrice Moreno ist Ärztin und kennt einige dieser Menschen aus ihrer Arbeit in der Caritas-Ambulanz.
27:31Seit 2012 lebt sie selbst im Kiez.
27:33Es wird jetzt jeder Zentimeter gebaut, weil eben viel Profit erwartet wird, was wir sehr bedauerlich finden und wo ich eigentlich seit zehn Jahren dagegen auch ankämpfe.
27:48Dass das alles Fremdkapital ist, dass das börsennotierte Firmen sind, die hier etwas in die Höhe bauen, wo ich nicht so sicher bin, ob wir es wirklich, wirklich brauchen als Gesellschaft.
28:03Deshalb hat Beatrice Moreno zusammen mit Gleichgesinnten den Verein Alles-Anders-Platz gegründet.
28:11Gemeinsam haben sie dafür gekämpft, dass das lange leerstehende Haus der Statistik nicht wie geplant abgerissen, sondern saniert werden konnte.
28:20Das Finanzamt Mitte Tiergarten ist bereits eingezogen.
28:24Auch Räume für Kunst, Kultur und soziale Projekte sollen hier entstehen.
28:28Es sind Sozialbauten und auch eine gewisse Infrastruktur medizinischer Versorgung geplant.
28:38Bei jedem Schritt werden wir gefragt und sehen uns als Teil des Ganzen.
28:46Für einen Quartiersverein ist das schon eine ganze Menge.
28:50Es ist mehr als nur ein Straßenfest zu organisieren.
28:54Darüber sind wir doch schon sehr stolz und glücklich.
28:58Auch ein Urban Garden gibt es am Haus der Statistik.
29:05Geflüchtete Menschen aus der Ukraine pflegen hier die Beete.
29:09Rudi Pivko vom Verein Kompango hat sich das Projekt ausgedacht.
29:13Es soll den Neu-Berlinern den Neustart in der Fremde erleichtern.
29:16Es ist ein Prozess, wo sie gesagt haben, ja, das ist wie bei meiner Oma.
29:22Da rieche ich das, da gehe ich in die Erde.
29:26Und dann ist es etwas, wo sie sich hier zwangsläufig, sie sind ja geflohen,
29:31und dann können sie sich hier ein bisschen verwurzeln.
29:34Das ist ein hochgradig therapeutischer Prozess, aber mit Freude.
29:39Beatrice Moreno und andere Nachbarn gaben dann mit.
29:45So eine aktive Nachbarschaft wird genauso verstanden.
29:49Also wie eine große Familie, wie ein großes Dorf.
29:53Und natürlich ist es familiär in gewisser Weise,
29:56weil wir uns alle kennen und weil wir gemeinsame Werte teilen.
30:00Mit Gemeinschaftssinn will die Initiative Alles anders Platz Zeichen setzen.
30:07Mit dem Ziel, Stadtentwicklung sozialer zu gestalten.
30:13Auch hier wollten private Investoren Neubauten hochziehen.
30:17Ähnlich denen, die gerade am Alexanderplatz entstehen.
30:20Auf ihrem Weg zur Arbeit kommt Susanne Gerlach oft an der Großbaustelle vorbei.
30:33Heute hat die gebürtige Österreicherin Spätdienst.
30:37Seit drei Jahren arbeitet sie im Park Inn.
30:40Eigentlich ist der Alexanderplatz eine Dauerbaustelle.
30:44Das finde ich total faszinierend.
30:46Wir sind seit 55 Jahren hier am Platz.
30:48Und wenn wir eines gelernt haben in all den Jahren,
30:52dann, dass sich alles immer verändert.
30:54Und Veränderung ist aber auch die einzige Beständigkeit,
30:57die wir alle in unserem Leben haben.
30:58Die einzige Konstante.
31:01Das Park Inn ist das zweitgrößte Hotel Deutschlands.
31:05Es öffnet bereits 1970 und gehört damals zu den bekanntesten der DDR.
31:14Direktionsassistentin Susanne Gerlach kam von Wien nach Berlin.
31:18Es ist tatsächlich am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig gewesen.
31:23Man hat mir gesagt, entweder man liebt Berlin oder man hasst es.
31:27Und das stellt man im ersten Jahr fest.
31:28Aber wenn man das erste Jahr hier geschafft hat, dann zieht man nicht mehr weg.
31:31Und ich bin immer noch da.
31:33Es war tatsächlich eine große Umstellung.
31:35Weil der größte Punkt, glaube ich, im Vergleich von Wien zu Berlin war die Sauberkeit.
31:40Aber nicht nur hier am Alexanderplatz, sondern in ganz Berlin.
31:43In einem Hotel wie diesem muss alles picobello sein.
31:49Susanne Gerlach kontrolliert jeden Tag einige der Zimmer.
31:53Besonders in den 16 Skysuiten muss jedes Detail stimmen.
32:01Zimmer zu checken ist eine sehr wichtige Aufgabe bei uns im Haus.
32:04Auch zur Unterstützung für unser Housekeeping.
32:07Wir haben 1029 Zimmer bei uns.
32:12Und da ist es auch sehr wichtig, dass wir als Team miteinander arbeiten.
32:16Dass wir die Abteilungen gegenseitig unterstützen.
32:20Funktioniert das Telefon?
32:22Ist das Obst frisch?
32:24Routiniert sieht Susanne Gerlach nach dem Rechten.
32:27Und genießt trotzdem wenigstens kurz den Ausblick.
32:30Wenn man vor allem hier in unsere 37. Etage reinkommt, haut mich persönlich das immer wieder aufs Neue um.
32:38Weil die Aussicht so fantastisch ist und man überall hinsieht.
32:46Der Panoramablick aus einigen Zimmern hat sich verändert.
32:51Das Park Inn ist nicht mehr das höchste Gebäude am Platz, sondern der Tower der Berlinien.
33:00Es ist 17 Uhr. Matze Tobola hat Feierabend.
33:06Auf einem Plakat vor dem Berlinienbau ein riesiges Porträt von ihm.
33:11PR für den Investor.
33:13Der Tramfahrer wirbt für die gute Verkehrsanbindung am Alex.
33:17Ich habe den Alexanderplatz eigentlich relativ leer kennengelernt.
33:20Also die Massen, die jetzt hier rüberlaufen, die, ich würde sagen, die gab es früher gar nicht.
33:24Aber so ein Platz wächst halt mit und so auch der Alexanderplatz und so wird es halt immer voller.
33:32Erst recht, wenn die Neubauten bald bezugsfertig sind.
33:38Sie machen ihn, ich denke, moderner.
33:42Aber ich hätte persönlich gesehen eins der beiden Hochhäuser hier nicht hingebaut
33:46und hätte eher die Fläche grün gelassen.
33:4818 Uhr 15. Die Bierbar von Iris Lier füllt sich.
34:13Ich glaube, es ist die Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem.
34:28Man trifft jemanden, den man schon kennt, mit dem kann man quatschen.
34:32Und gleichzeitig sitzt an der Theke nebenan jemand, der aus, was weiß ich, New York ist oder sonst woher.
34:38Und mit dem kommt man vielleicht auch ins Gespräch.
34:39Und das ist, glaube ich, diese gute Mischung.
34:44Der Laden läuft. Leer ist es hier nie. Dafür stehen auch die vielen Stammgäste.
34:53Hier gehen wir immer als erstes rein, wenn wir in Berlin ankommen.
34:58Wir gehen immer in die Alkopole und trinken ein paar Bier.
35:02Damit beginnt unser Urlaub. Erst danach gibt's Kultur, Musik und Fußball.
35:06Seit fünf, sechs Jahren, seit meine Frau im Heim ist.
35:16Komme ich hier öfter her. Zwei- bis dreimal in der Woche nach 16 Uhr, vor vier kein Bier.
35:29Und ich bin hier.
35:33Das ist mein zweites Wohnzimmer.
35:34Und wenn diese Gaststätte aufhört zu bestehen, dann ist es hier am Alex gar nichts mehr.
35:46Der Alex ohne Alkopole?
35:49Doch genauso könnte es kommen, fürchtet Iris Leer.
35:53Wegen der geplanten Sanierung des Bahnhofs droht der Bar das Aus.
35:57Hier wird's gar nicht weitergehen. Wir werden am 10. Januar das letzte Mal geöffnet haben und dann wird's Alkopole nicht mehr geben.
36:06Seit 1995 betreibt Iris Leer die Bar.
36:15Wir sind ja auf einen Mietvertrag angewiesen und die Deutsche Bahn gibt uns keinen Mietvertrag mehr, weil sie den Bahnhof umbauen wollen.
36:22Der Brandschutz ist veraltet. Die Deutsche Bahn muss den Bahnhof sanieren.
36:29Ein Umzug während der vierjährigen Bauzeit kommt für Iris Leer nicht in Frage.
36:32Also das ist ja nicht so einfach. Die Einrichtung ist auf diesen Raum zugeschnitten und kann man nicht einfach, das ist nicht wie drei Regale nehmen und woanders hin tragen.
36:44Das ist so nicht. Und das geht eben nicht so einfach.
36:48Und dann gibt's auch keinen Raum weit und breit hier, der passen würde.
36:52Also es ist ein guter Standort hier, muss man einfach so sagen.
36:56Mit der Alkopole verschwindet eine Institution am Platz. Viele Stammgäste werden die Bar vermissen.
37:05Der Alexanderplatz. Bald nur noch ein Hotspot für Touristen, Shoppingfans und Geschäftsleute?
37:20Ein Ort, an dem niemand mehr leben will?
37:25Um 18.30 Uhr treffen wir Anwohnerin Beatrice Moreno wieder. Auf dem Weg zu einem festen Termin.
37:31Wir treffen uns jeden Mittwoch zu den sogenannten Pastaabenden.
37:39Die Pastaabende sind am Alexanderplatz völlig umsonst. Die Tür ist offen, es kann also jeder reinkommen.
37:49Nachbarn, Freunde oder Spaziergänger, die zufällig vorbeischauen. Bei diesem Kieztreffen ist jeder willkommen.
37:56Auf denen alles ist anders Platz. Zum Wohl, Vera, auf denen alles ist anders Platz.
38:04Das Haus der Statistik ist auch für andere Vereine und Initiativen offen.
38:10Holger Wessels vom Verein Berlin-Börner pendelt regelmäßig vom Hansaviertel hierher und organisiert Treffen.
38:18Bald möchte er selbst in den Kiez ziehen.
38:20Weil hier um uns herum ja auch das Leben tobt, sozusagen.
38:25Also ich nehme den Alexanderplatz selbst eigentlich immer noch als sehr öd und unwirtlich da, im Moment noch jedenfalls.
38:33Aber dafür ist es halt eben auch gerade schön, dass es hier an dieser Ecke sozusagen so eine Art Gegengewicht gibt.
38:40So einen kleinen Ausgleich gibt von Möglichkeiten, die es halt eben auf dem Alexanderplatz selber gar nicht mehr, oder schon lange nicht mehr gibt, jedenfalls.
38:50Für viele ist der Alexanderplatz ein ungemütlicher Ort, an dem sie nicht gern verweilen.
38:56Beatrice Moreno hat hier eine Heimat gefunden.
38:58Ich überlege die ganze Zeit, wo ich schon überall gelebt habe, angefangen tatsächlich von New York, in San Diego habe ich drei Jahre verbracht und habe mich aber entschlossen tatsächlich hier zu leben, meine Familie hier zu haben.
39:15Ich will nicht weg vom Alexanderplatz.
39:18Das ist mein Kiez und hier finde ich eigentlich das, was ich brauche.
39:28Es ist 19 Uhr. Christopher Schreiber und seine Mutter Petra sind unterwegs zur Hafenbar.
39:412016 ziehen sie mit ihrem Schlagerclub von der Chaussee in die Karl-Liebknecht-Straße um.
39:47Seitdem ist der Alex auch ihr Kiez.
39:49Ich finde, dass man den Platz schon sehr verloren gegeben hat, dass man eben halt leider verpasst hat, sich weiter um den Platz aktuell zu kümmern oder ihm die Aufmerksamkeit zu schenken, die er eigentlich bräuchte.
40:07Und trotzdem bin ich sehr froh, dass wir mit der Hafenbar hier sind, weil ja, der Alex ist einfach treffend.
40:14Ein Platz, der mit am meisten in Europa besucht wird, das muss man ja auch mal so sagen, da darf man sich mal drüber freuen.
40:22Also ich freue mich tot, wie ein Cola-Keks, weil ich immer denke, es ist mein Berlin, es ist mein Wohnzimmer.
40:26Kommt alle her, guckt euch das an und seid glücklich.
40:29Also mich macht der Alexanderplatz nach wie vor glücklich.
40:33Auch mit seinen Ecken und Kanten, ja, könnte besser sein.
40:39In zwei Stunden öffnet die Hafenbar.
40:42Letzte Vorbereitung.
40:44Eigentlich wissen alle, was sie zu tun haben.
40:47Das ist so wirklich sehr hilfreich, weil ich wollte nicht immer von vorne anfangen.
40:55Ines und ich, wir arbeiten zusammen. Ines, wie viele Jahre arbeiten wir zusammen?
40:59Über 26 Jahre.
41:00Über 26 Jahre. So lange halt manche eh nicht.
41:06Anfang der 90er hat Petra Schreiber in der Hafenbar als Thekenkraft angefangen.
41:11Seit 2016 teilt sie sich die Leitung der Bar mit Sohn Christopher.
41:17Sie managt Personal und Ausschrank, er Finanzen und Marketing.
41:22Die Crew kenne ich auch alle schon seit meiner Kindheit, viele von ihnen.
41:25Und die Türsteher und die DJs, alle, die so ein Teil dieser Hafenbar-Familie sind, sind auch schon immer lang ein Teil meines Lebens.
41:36Dann gab es 2016 die Chance im Zug des Umzugs hier an Alexanderplatz, dass wir es als Familie komplett sozusagen übernehmen.
41:45Und ja, da war dann so die Familienentscheidung da. Und die Frage kam von der Mama dann halt, willst du es übernehmen, würdest du ja Geschäftsführer werden?
41:55Und dann war es, ja, dann war es klar, wir machen es als Familienunternehmen weiter.
42:00Auch auf dem Alex wird gefeiert. Der Platz unter der Weltzeituhr verwandelt sich in eine Bühne.
42:13Es ist ein magischer Ort, viele Menschen treten hier auf. Der Alex ist einer der drei besten Orte in Berlin, wo du Musik machen kannst.
42:30Zwar ist er drüben, eine Polizeistation, aber die tolerieren uns meistens.
42:34Es ist eigentlich verboten, ich habe auch einen sehr guten Verstärker.
42:38Es ist also sehr laut, aber wir spielen einfach.
42:40Manchmal müssen wir eine Strafe bezahlen. Ich spiele für den Frieden.
42:4821 Uhr. Vor der Hafenbar hat sich eine lange Schlange gebildet.
42:54Während in anderen Clubs die Party erst ab Mitternacht beginnt, feiern Schlagerfans hier viel früher.
43:00Auch Chefin Petra ist in ihrem Element. Die Hafenbar. Für sie Leidenschaft und Lebenswerk.
43:07Ich werde tot umgefallen, um an meine Hafenbar.
43:10Ich finde es auch nicht so schlimm, weil, ganz ehrlich, was kann es schöner sein, als nur mal Leute um sich zu haben, die gut gelaunt sind.
43:20Wenn man mich an der Bar nicht mehr braucht, gibt es genug andere Aufgaben.
43:24Und auch die Toilette muss gepflegt werden und da wird getanzt auf dem Klo.
43:28Die Schlagerfans feiern bis tief in die Nacht.
43:33Da muss Jess Hambleton schon wieder aufstehen. Um 3 Uhr klingelt ihr Wecker. In der Partynacht hat sich auf dem Alex wieder viel Müll angesammelt.
43:47Die Besonderheit ist, der Alexanderplatz ist großflächig. Hier sind so viele Leute von verschiedensten Klassen.
43:55Und die Dankbarkeit ist hier auf dem Platz besonders.
43:57Ja, und seit siebeneinhalb Jahren. Ich will echt nicht Besseres vorstellen.
43:59Partymecker, Turi-Hotspot, Lieblingskiez. Der Alex. Ein Platz der Gegensätze.
44:10Partymecker, Turi-Hotspot, Lieblingskiez.
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