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  • vor 9 Monaten
Viele Tierarten verwenden Werkzeug, aber bisher war nur von Schimpansen bekannt, dass sie einen Gegenstand auf unterschiedliche Art benutzen. Ein Wiener Forschungsteam berichtet nun im Fachblatt "Current Biology" erstmals über den flexiblen, vielseitigen Werkzeuggebrauch einer Kuh: Das Tier aus Kärnten nutzt einen Schrubber als Multifunktionswerkzeug, um sich damit an unterschiedlichen Stellen zu kratzen. Für die Biologin Alice Auersperg ist dieses Verhalten "spektakulär"

Credit: APA/mhr, VEDMEDUNI WIEN/ANTONIO J. OSUNA MASCARÓ

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Transkript
00:00Von wegen blöde Kuh.
00:02Veronika, eine 13-jährige Braunviehkuh aus dem Geiltal,
00:07nutzt einen Schrubber als Multifunktionswerkzeug,
00:11um sich damit an verschiedenen Stellen zu kratzen.
00:15Das borstige Ende nimmt sie für feste, breite Körperregionen.
00:20Für weichere Bereiche wechselt sie zur Stilseite.
00:24Ein und denselben Gegenstand auf unterschiedliche Art zu benutzen,
00:28das ist bisher nur bei Schimpansen beobachtet worden.
00:33Doch nun habe ein Tier, von dem sich dies wohl die wenigsten erwartet hätten,
00:38an unseren Vorstellungen von Tierintelligenz gekratzt.
00:42So die Kognitionsbiologin Alice Auersperg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
00:50Witker Wiegele, der in Nötzsch im Geiltal lebende Besitzer von Veronika,
00:55hat bereits vor zehn Jahren beobachtet,
00:58dass die Kuh gezielt heruntergefallene Äste mit der Zunge aufgehoben,
01:03diese in die Lücke zwischen Schneide- und Backenzähne fixiert
01:07und sich damit an schwer erreichbaren Stellen gekratzt hat.
01:12Der Biobauer, der Veronika nicht als Nutz, sondern als Haustier hält,
01:17berichtet auch, dass das Tier kürzere und längere Äste verwendet,
01:22um verschiedene Körperregionen zu erreichen.
01:25Dies sei laut den beobachtenden Forschern spektakulär
01:30und zeige auch, wie sehr wir Tiere unterschätzten,
01:33bei denen man bestimmte Fähigkeiten schlicht nicht erwarten würde.
01:38Dies gelte laut Auersperg besonders für Tiere,
01:42die vor allem unter dem Aspekt ihrer Nützlichkeit betrachtet werden.
01:46Gerade bei diesen verortet die Wissenschaftlerin auffällige Beobachtungslücken.
01:53Eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieses Verhaltens
01:57könnten Veronikas Lebensumstände spielen.
02:00Der tägliche Kontakt mit Menschen,
02:03der Zugang zu einer reichhaltigen physischen Landschaft
02:06und ihre lange Lebensdauer könnten günstige Bedingungen
02:10für exploratives und innovatives Verhalten geschaffen haben.
02:15Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden,
02:19unter welchen Umwelt- und Sozialbedingungen
02:22derartige Verhaltensweisen bei Nutztieren auftreten können
02:26und wie viele Fälle möglicherweise bisher unbemerkt geblieben sind.
02:32Dazu bitten sie jeden, der Rinder dabei beobachtet hat,
02:36wie sie Stöcke oder andere Gegenstände für bestimmte Handlungen verwendet haben,
02:41sich mit ihnen in Verbindung zu setzen.
02:43Es wird vermutet, dass diese Fähigkeiten weiter verbreitet sind
02:48als bisher dokumentiert.

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