00:00Von wegen blöde Kuh.
00:02Veronika, eine 13-jährige Braunviehkuh aus dem Geiltal,
00:07nutzt einen Schrubber als Multifunktionswerkzeug,
00:11um sich damit an verschiedenen Stellen zu kratzen.
00:15Das borstige Ende nimmt sie für feste, breite Körperregionen.
00:20Für weichere Bereiche wechselt sie zur Stilseite.
00:24Ein und denselben Gegenstand auf unterschiedliche Art zu benutzen,
00:28das ist bisher nur bei Schimpansen beobachtet worden.
00:33Doch nun habe ein Tier, von dem sich dies wohl die wenigsten erwartet hätten,
00:38an unseren Vorstellungen von Tierintelligenz gekratzt.
00:42So die Kognitionsbiologin Alice Auersperg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.
00:50Witker Wiegele, der in Nötzsch im Geiltal lebende Besitzer von Veronika,
00:55hat bereits vor zehn Jahren beobachtet,
00:58dass die Kuh gezielt heruntergefallene Äste mit der Zunge aufgehoben,
01:03diese in die Lücke zwischen Schneide- und Backenzähne fixiert
01:07und sich damit an schwer erreichbaren Stellen gekratzt hat.
01:12Der Biobauer, der Veronika nicht als Nutz, sondern als Haustier hält,
01:17berichtet auch, dass das Tier kürzere und längere Äste verwendet,
01:22um verschiedene Körperregionen zu erreichen.
01:25Dies sei laut den beobachtenden Forschern spektakulär
01:30und zeige auch, wie sehr wir Tiere unterschätzten,
01:33bei denen man bestimmte Fähigkeiten schlicht nicht erwarten würde.
01:38Dies gelte laut Auersperg besonders für Tiere,
01:42die vor allem unter dem Aspekt ihrer Nützlichkeit betrachtet werden.
01:46Gerade bei diesen verortet die Wissenschaftlerin auffällige Beobachtungslücken.
01:53Eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieses Verhaltens
01:57könnten Veronikas Lebensumstände spielen.
02:00Der tägliche Kontakt mit Menschen,
02:03der Zugang zu einer reichhaltigen physischen Landschaft
02:06und ihre lange Lebensdauer könnten günstige Bedingungen
02:10für exploratives und innovatives Verhalten geschaffen haben.
02:15Die Wissenschaftler wollen nun herausfinden,
02:19unter welchen Umwelt- und Sozialbedingungen
02:22derartige Verhaltensweisen bei Nutztieren auftreten können
02:26und wie viele Fälle möglicherweise bisher unbemerkt geblieben sind.
02:32Dazu bitten sie jeden, der Rinder dabei beobachtet hat,
02:36wie sie Stöcke oder andere Gegenstände für bestimmte Handlungen verwendet haben,
02:41sich mit ihnen in Verbindung zu setzen.
02:43Es wird vermutet, dass diese Fähigkeiten weiter verbreitet sind
02:48als bisher dokumentiert.