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Wie ein Traum: Einige Augsburger zahlen kaum Miete
DW (Deutsch)
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vor 6 Wochen
Seit mehr als 500 Jahren zahlen Menschen in der Fuggerei im süddeutschen Augsburg fast keine Miete – Dank Jakob Fugger, dem reichsten Mann des 16. Jahrhunderts.
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00:00
Nur 88 Cent Miete im Jahr und das in Zeiten von Wohnungsnot?
00:04
In dieser Siedlung im bayerischen Augsburg ist das Realität.
00:07
Wer hier einziehen will, muss allerdings einige ungewöhnliche Bedingungen erfüllen.
00:12
Welche das sind, erzählt uns eine der Bewohnerinnen.
00:15
Sie führt uns hinter die Kulissen der Fuggerei, der ältesten bestehenden Sozialsiedlung der Welt.
00:21
Hallo, ich bin Angelika Stiebi.
00:23
Ich wohne seit 1. April hier in der Fuggerei für 88 Cent Kaltmiete im Jahr.
00:32
Und das ist kein April-Scherz.
00:35
Die Fuggerei mit ihren 67 Häusern ist schon 500 Jahre alt.
00:40
Um eine der Wohnungen zu bekommen, muss man katholisch, bedürftig und aus Augsburg sein.
00:46
Rund 150 Menschen leben hier.
00:49
Angelikas Wohnung ist modern saniert und 60 Quadratmeter groß.
00:53
Neben der symbolischen Miete zahlt sie noch ca. 100 Euro im Monat für Nebenkosten.
00:59
Sie hat sogar einen kleinen Garten.
01:03
Häufig bekommt sie Besuch von anderen Bewohnern.
01:06
Der Altersdurchschnitt in der Fuggerei liegt bei 60 Jahren.
01:09
Doch auch einige junge Menschen leben hier.
01:14
Nicht nur der Einzug in die Fuggerei ist an besondere Bedingungen geknüpft.
01:18
Nachts herrschen hier eigene Regeln.
01:20
Ab 22 Uhr werden die Tore geschlossen und bewacht von Bewohnern der Fuggerei.
01:26
Wer zu spät kommt, muss bezahlen.
01:30
Da macht der Nachtwächter auf und der bekommt dann vor 12 Uhr 50 Cent.
01:38
Und nach 12 Uhr bekommt er sogar einen ganzen Euro.
01:40
Ihre günstige Wohnung verdankt Angelika dem reichsten Mann des 16. Jahrhunderts, Jakob Fugger.
01:46
1521 stiftete der Kaufmann die Siedlung für bedürftige Bürger.
01:50
Die Miete entsprach dem Wochenlohn im Spätmittelalter einem rheinischen Gulden und wurde seitdem nicht erhöht.
01:56
Das hier ist der Jakob Fugger, der Reiche, genannt.
02:01
Und ich würde sagen, es ist mein bester Freund.
02:04
Weil er hat mir die Möglichkeit gegeben, hier in der Fuggerei zu wohnen.
02:08
Und da bin ich ihm unsagbar dankbar.
02:11
Jakob Fugger war nicht nur ein super Reicher, sondern auch gläubiger Katholik.
02:15
Er wollte den Armen helfen und seine Seele vor dem Fegefeuer bewahren.
02:21
Deshalb gibt es für die Bewohner eine weitere Bedingung.
02:23
Bis heute müssen sie dreimal am Tag für ihn und seine Familie beten.
02:27
Angelika erfüllt das gern, zum Beispiel in der kleinen Kirche der Wuggerei.
02:31
Manchmal sind es zehnmal die drei Gebete, weil man einfach, das läuft runter wie ein Mantra.
02:36
Und man fühlt sich auch gut dabei, dass man einfach von dem Ganzen auch wieder was zurückgeben kann.
02:41
Nein, kontrolliert wird das nicht. Wie will man das kontrollieren?
02:46
Die Fuggerei wird heute durch eine Stiftung verwaltet und erhält keine staatliche Unterstützung.
02:51
Sie finanziert sich durch Holzhandel und Tourismus.
02:54
Jährlich kommen ca. 200.000 Besucher.
02:57
Dass sie selbst einmal bedürftig sein würde, hätte Angelika nie gedacht.
03:01
Sie hat ihr Leben lang in der Gastronomie gearbeitet, war sportlich aktiv und ist viel gereist.
03:06
Bis sich alles änderte.
03:07
Man hat eigentlich immer gedacht, abgesichert, kann nichts passieren, mir geht's gut.
03:14
Und dann war ich gerade 55 Jahre alt, kam Diagnose Brustkrebs.
03:20
Rentenkasse und Arbeitsamt streiten sich, wer für Angelika zuständig ist.
03:24
Während des Rechtsstreits verbraucht Angelika ihr Erspartes.
03:27
Schließlich fragt sie bei der Fuggerei an.
03:29
Als sie angenommen wird, fällt eine Last von ihr ab.
03:31
Ich habe mich als erstes auf die Waage gestellt, weil ich mich drei Kilo leichter gefühlt habe, als die Sorgen weniger waren.
03:39
Alle Bewohner werden von Sozialpädagoginnen betreut.
03:42
Doris Herzog führt auch die Auswahlgespräche für neue Bewerber.
03:46
Dabei gibt es keine strikte Warteliste.
03:49
Stattdessen achtet sie auf die Persönlichkeit.
03:51
Das hat halt hier einfach perfekt gepasst.
03:56
Mir war klar, dass das jetzt hier, dass der Mensch und diese Wohnung einfach perfekt sind.
04:00
Und so hat sich das dann ergeben.
04:02
Doch der Weg zu einer Wohnung in der Fuggerei ist lang.
04:05
Fünf bis sechs Jahre Wartezeit können es sein.
04:07
Hat der Bewerber den Prozess durchlaufen, gibt es schließlich die Aufnahmeanfrage an einen der Fuggern Nachfahren.
04:15
Also letzten Endes bestimmt die Familie Fuggern noch heute, wer dann wirklich einziehen kann am Ende.
04:20
Angelika hat drei Jahre auf ihre Wohnung gewartet und möchte hier für immer leben.
04:24
Die Mietverträge sind unbefristet.
04:27
Die älteste Sozialsiedlung der Welt hat Angelika aus einer schwierigen Lebenslage gerettet.
04:32
Sie wünscht sich mehr Leute wie Jakob Fugger.
04:35
Ja, ich würde mir wünschen, dass es wirklich auch für andere Menschen diese Möglichkeiten gibt,
04:39
dass die ein wirtevolles Leben führen können, wenn sie einfach fleißig, ehrlich waren und in Not geraten sind.
04:48
Es gibt genügend Reiche, super Reiche.
04:51
Ein 500 Jahre altes Dorf in der Stadt, das bis heute zusammenhält.
04:56
Wie könnte ein Projekt wie die Fuggerei in eurer Stadt aussehen?
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