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  • vor 4 Monaten
Proteste in Serbien: Vor allem Studenten, inzwischen aber auch Arbeiter und Bauern demonstrieren gegen Vetternwirtschaft und Korruption.

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Transkript
00:00Sie geben nicht auf. Massenprotest gegen die Regierung in Serbien, vor allem von jungen Leuten.
00:12Seit fast einem Jahr schon, obwohl die Staatsmacht vor Gewalt nicht zurückschreckt.
00:17Zuerst verlief alles friedlich, bis ein Polizist einen Metallknüppel nahm und meiner Freundin und mir auf den Kopf schlug.
00:25Auch auf dem Land findet ihr Protest inzwischen Unterstützung.
00:30Die Studierenden haben uns die Augen geöffnet. Sie geben uns Hoffnung, dass es besser wird.
00:38Sie wollen eine Zukunft ohne Vetternwirtschaft und Korruption und gehen dafür ein hohes Risiko ein. Was treibt sie an?
00:47Jelena Popadic ist eine der Studierenden, die für ein anderes Serbien kämpfen.
01:03Vor einem Jahr konzentrierte sie sich ausschließlich auf ihr Medizinstudium.
01:06Heute geht es ihr um Politik und die Zukunft des Landes.
01:10Gemeinsam mit anderen stattete sich hier in Novi Sad eine Bewegung, die inzwischen das ganze Land erfasst hat.
01:17Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
01:23Die Menschen haben sich in gewisser Weise an den Diebstahl gewöhnt.
01:27Inzwischen hat die Korruption Ausmaße angenommen, die Menschenleben kosten.
01:31Es war ein tödliches Unglück, das zum Symbol der Staatsversagens wurde.
01:38Am 1. November stürzte in Novi Sad das frisch renovierte Vordach ein.
01:43Der Pfusch am Bau kostete 16 Menschen das Leben.
01:46Die Politik versucht, das Unglück zu vertuschen.
01:49Mit Hilfe des Sicherheitsapparates, der Gerichte und der Presse, die sie kontrollieren.
01:54Wie viele andere entschloss sich Jelena, die alltägliche Korruption anzuprangern.
01:58Sie erzählt uns, dass die Eigentümer der Alterbank zum Beispiel eine besondere Nähe zur Regierung pflegen.
02:04Dabei sei sie eine Privatbank.
02:06Dennoch müssen alle die Dienste der Alterbank nutzen, wofür die Bank Gebühren kassiert.
02:12Wenn sie bei der Polizei und den Ämtern Papiere beantragen, finden sie nur deren Bankautomaten vor.
02:18Seit Juni dieses Jahres müssen die Bürger Serbiens bei dieser Bank ihre Stromrechnungen bezahlen.
02:24Wenn sie die richtigen Leute kennen, können sie in Serbien viel Geld verdienen.
02:29Viel Geld verdienen, das ist weder ihr Ziel noch das der meisten ihrer Altersgenossen, der sogenannten Generation Z.
02:36Sie will anderen helfen, später als Ärztin, doch jetzt erstmal, indem sie auf die Straße geht.
02:42Bei den Studentenprotesten kümmert sich die 25-Jährige mit ihren Freunden um diejenigen, die, wie sie sagen, von der Polizei zusammengeschlagen werden.
02:50Sie treffen sich regelmäßig direkt vor der Uni.
02:53Kürzlich stürmte die Polizei die medizinische Fakultät, die die Studenten besetzt hielten.
02:59Ein Uninformierter schlug Jelena Popaditsch mit dem Metallknöppel nieder, erzählt sie.
03:04Dieses Handy-Video soll die Situation zeigen.
03:06Naivität oder neuer Mut? Sie sind überzeugt, dass, anders als früher, die Demonstrationen diesmal etwas verändern werden.
03:20Die Polizei kam von der Zarlasa-Straße. Hinter uns die Donau, vor uns der Zaun. Es gab kein Entkommen.
03:28Da hilft nur schwimmen.
03:30Du bist doch am besten durchgekommen. Du bist weder verprügelt noch festgenommen worden.
03:33Zuerst hatte ich nur eine Ampulle Kochsalzlösung gegen Tränengas bei mir.
03:39Dann bin ich zurück und habe mir mit den Ampullen die Taschen vollgestopft.
03:45Pumpei macht Druck, so lautet die Parole der Generation Z in Serbien.
03:50Tennisstar Novak Djokovic unterstützt die Studenten.
03:53Das gibt ihnen zusätzlich Hoffnung, dass sie gegen das Regime gewinnen werden.
03:58Umfragen zeigen, die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt die Studenten.
04:02Sie nennen sie inzwischen liebevoll ihre Kinder.
04:06Das Mittagessen haben uns unsere Professoren geschickt.
04:09Wir bekommen Spenden, Suppen, Brot, Lebensmittel, die haltbar sind.
04:14Lautsprecher für die Proteste.
04:17Hier sind ein paar Erste-Hilfe-Artikel.
04:21Nach dem Tod der 16 Zivilisten besetzten die Studenten aus Protest die Universitätsgebäude, überall in Serbien.
04:28Seitdem patrouillieren auf dem Campus Polizisten.
04:32Vor den Hörsälen eine Diskussion über die Zukunft Serbians.
04:36Wir sind enttäuscht von den Reaktionen aus Europa.
04:45Jetzt machen sie zwar etwas Druck, doch das reicht nicht aus.
04:51Wenn Serbien, wie es sein sollte, Teil Europas sein soll,
04:56darf nicht zugelassen werden, dass sich in Europa ein solch autoritäres Regime etablieren kann.
05:01Ein Regime mit blutigen Händen.
05:07Überall auf dem Campus findet sich dieses Symbol.
05:10Korruption tötet.
05:12Auch wenn die Studenten den Machtkampf mit dem Regime gewinnen sollten,
05:16wirtschaftlich wird es in dem Land auf absehbarer Zeit schwierig bleiben.
05:19Ich glaube nicht, dass wir alles erreichen können, was die Serben von uns erwarten.
05:27Wir werden idealisiert.
05:29So wie die Serben einst Vucic, Milošević, Tito und all die anderen idealisiert haben.
05:37Gegen ihn richtet sich der Zorn der Protestierenden, Alexander Vucic.
05:41Seit Jahrzehnten zählt er zu den einflussreichsten Politikern Serbiens.
05:46Seit 2017 ist er Präsident.
05:49Das Logen unter seinen Postern, überall im Land, Serbien geben wir nicht her.
05:54Tatsächlich sind Sicherheitskräfte, Gerüchte und andere staatliche Institutionen,
05:59auch die Medien, nicht unabhängig, sondern ganz auf ihn ausgerichtet.
06:04Unter Vucic verdoppelte sich Serbiens Auslandsverschuldung auf 50 Milliarden Euro.
06:08Eine schwere Hypothek für ein kleines Agrarland.
06:11Die Forderung der Demonstranten nach Neuwahlen lehnt er ab.
06:18Aus einer Zeit, als Minister des Kriegsverbrechers Milošević in den 90er Jahren,
06:23weiß Vucic, wie Widerstand gebrochen wird.
06:25So lässt er Militärparaden in Belgrad abhalten.
06:28Oder karrt aus dem ganzen Land Anhänger in die Hauptstadt.
06:31Hier lässt er sie im Kreis laufen, damit es nach Meer aussieht.
06:34Vucic kann nur begrenzt mit der Loyalität der regulären Polizei rechnen.
06:41Also schafft er neue Sondereinheiten, die sich gegenseitig kontrollieren
06:45und die er gegen die Proteste einsetzen kann.
06:50Entsetzt von der Brutalität der Sicherheitskräfte, Boguljub Živković.
06:55Über 30 Jahre war er Polizist, zuletzt General.
06:58Wir treffen ihn in Belgrad.
07:00Wenn ein Bürger oder Student stolpert, stürzt oder überwältigt wird,
07:09schlagen 10 oder 20 Polizisten gnadenlos auf ihn ein,
07:13während er hilflos unten liegt.
07:19Sein Sohn Petter studiert Jura.
07:22Er schloss sich den Protesten an.
07:24Das erfuhr Präsident Vucic.
07:25Der General wurde zwangspensioniert.
07:27Dann schlugen Sicherheitskräfte den Sohn blutig.
07:31Doch dieser lässt sich nicht einschüchtern.
07:36Was sich verändert hat, die Studenten haben keine Angst.
07:39Diese Haltung haben sie auf das Volk übertragen.
07:45Die Studenten inspirieren das ganze Land.
07:48In Belgrad folgen Arbeiter ihrem Beispiel.
07:50Auch die Menschen in den Dörfern organisieren sich.
07:55Basisdemokratisch wie die Studenten, ohne offizielle Führer.
07:59Das macht es dem Regime schwerer, gegen sie vorzugehen.
08:02Hier in der Region Wladimirci, zwei Autostunden östlich der Hauptstadt.
08:07Dragan Radivojevic, einer der Teilnehmer, stört der Zerfall der Infrastruktur.
08:13Vor drei Jahren habe Präsident Vucic Investitionen für das Dorf Provo versprochen.
08:17Die Toiletten sind schrecklich.
08:22Die Kinder spielen mit Mäusen.
08:24Präsident Vucic hat zugesagt, das zu ändern.
08:27Er sagt das jedes Mal vor Wahlen, weil er an der Macht bleiben will.
08:35Debatten auf dem Dorfplatz.
08:37Dragan trifft einen Vucic-Anhänger.
08:39Stimmt es, dass Präsident Vucic im Wahlkampf vor dreieinhalb Jahren
08:46den Bau einer neuen Schule versprochen hat?
08:48Wieso? Hat er das nicht gemacht?
08:51Gute Frage.
08:52Weil die Regierung mit Lügen und Versprechen regiert.
08:58Drehen dürfen wir auf dem Schulgelände nur mit der Genehmigung der Direktorin.
09:02Dragan ruft sie an.
09:03Sie lässt uns nicht drehen.
09:17Anders als früher haben Vucic Funktionäre diesmal Angst,
09:21für Missstände zur Verantwortung gezogen zu werden.
09:23Verlassene Höfe entfasst jedem serbischen Dorf.
09:26Ihre Besitzer arbeiten im Westen.
09:28Diese Regierung hat kein Mitgefühl mit den einfachen Leuten.
09:33Jahr für Jahr verlassen immer mehr Menschen unsere Dörfer.
09:38Im Dorfzentrum plumpst Klos als öffentliche Toiletten.
09:44Trafos, Wind und Wetter ausgesetzt.
09:48Verschlossene Müllcontainer.
09:49Die Anwohner hatten es gewagt, zusätzliche Container zu beantragen.
09:53Die lokalen Politiker empfanden das als Kritik.
09:56Sie verriegelten die Container, die dort schon standen.
10:01Dragan muss zurück zur Arbeit.
10:02Er baut Paprika, Tomaten oder Bohnen an.
10:10Diejenigen, die der Regierung nahestehen,
10:12bekommen staatliche Hilfen.
10:14Die anderen werden sich selbst überlassen.
10:18Sie sind Bürger zweiter Klasse.
10:19Offenbar verheimlicht die Gemeinde gar nicht,
10:25wie regierungstreue Menschen Geld bekommen.
10:28Dragan erwähnt das Budget der örtlichen Verwaltung.
10:34In unserer Gemeinde, Wladimirzi,
10:36leben die Menschen von der Landwirtschaft.
10:38Das Paradoxe, hier ist das staatliche Budget für Tourismus
10:42sechsmal größer als das für die Förderung der Landwirtschaft.
10:45Das macht überhaupt keinen Sinn, weil es hier keinen Tourismus gibt.
10:52Im Dorf haben sie zum ersten Mal die Hoffnung,
10:54dass sich nach den Protesten wirklich etwas ändert.
10:57Dragan hofft dies auch für die Zukunft seiner drei Kinder.
11:01Sie sollen in Serbien bleiben und möglichst nicht wegziehen müssen.
11:04Die Studierenden haben uns die Augen geöffnet.
11:11Sie geben uns Hoffnung, dass es besser wird.
11:14Wir wissen schon lange nicht mehr,
11:15wer zur Opposition gehört und wer nicht.
11:19Unsere Regierung hat alles gekauft,
11:21was man kaufen konnte, auch die Opposition.
11:27Derweil haben Jelena Popaditsch und die Studenten in Novi Sad
11:30eine weitere Demonstration organisiert.
11:33Tausende ziehen vom Unicampus zum Hauptbahnhof,
11:36den Ort der Tragödie.
11:40Demonstrationen für Demokratie in Serbien
11:42hat es in den vergangenen 35 Jahren viele gegeben.
11:46Warum glaubt sie, dass ihre Stimme diesmal gehört wird?
11:49Ehre Ihrem Andenken.
11:51Es sind die Menschen, die den Unterschied machen.
11:56Sie haben verstanden, entweder jetzt oder nie.
11:59Wir werden nicht aufgeben.
12:00Die Menschen haben nichts zu verlieren.
12:02Das Leben, so wie es jetzt ist, macht keinen Sinn.
12:05Das ist unsere letzte Chance.
12:08Eine Chance, die Serbien nutzen muss,
12:10um seine Zukunft nicht zu verspielen.
12:12Die Studenten haben bewiesen,
12:14Courage kann ansteckend sein.
12:16In Serbien greift sie um sich.
12:18ع
12:21editors
12:22auch
12:23noch
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