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  • vor 11 Monaten
Josef Grünwidl wird neuer Wiener Erzbischof. Das gab der Vatikan Freitagmittag in seinem "Bollettino" bekannt. Der 62-Jährige, der nach dem Rücktritt von Kardinal Christoph Schönborn im Jänner als Apostolischer Administrator übernommen hatte, will ein Teamplayer, Brückenbauer und Seelsorger sein, wie er bei einer Pressekonferenz betonte. Seine Weihe zum Bischof soll voraussichtlich am 24. Jänner stattfinden, vornehmen soll sie Schönborn.

Credits: APA/bes; Thumbnail: DER STANDARD/Christian Fischer

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Transkript
00:00Mehr als fünf Jahre hat die Suche gedauert. Am Freitag hat es der Vatikan nun offiziell bekannt gegeben.
00:06Josef Grünwidl wird neuer Wiener Erzbischof.
00:09Der bisherige apostolische Administrator tritt damit auch dauerhaft die Nachfolge von Kardinal Christoph Schönborn an.
00:16Bei einer Pressekonferenz hat der 62-Jährige zu dieser Entscheidung erklärt.
00:21Lang hat es gedauert, sehr lang hat es gedauert.
00:24Wir mussten lange warten in der Erzdiözese Wien auf diese Entscheidung.
00:27Und ein bisschen bin ich daran mitschuld.
00:32Und ich möchte Ihnen kurz erklären, wie die letzten neun Monate für mich gelaufen sind.
00:38Ich wurde am 22. Jänner, am Tag des 80. Geburtstags von Herrn Kardinal zum apostolischen Administrator ernannt.
00:45Hab damit gerechnet, dass das sechs bis acht Wochen sein werden.
00:50Und hab dann schon nach wenigen Wochen gemerkt, dass eine Erwartungshaltung sich aufbaut.
00:56Du machst das und wir wünschen uns das und tu weiter.
01:01Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ich war in den ersten Wochen als Administrator von dieser Arbeit und der Vielfalt der Bereiche,
01:10die da auf mich zugekommen sind, wirklich erschlagen.
01:13Und ich konnte mir im März, also nach knapp zwei Monaten, nicht vorstellen, diese Aufgabe zu übernehmen.
01:21Ich bin damals auch zum apostolischen Nunzius gegangen und hab ihm mündlich und auch schriftlich gesagt,
01:28dass ich mich nicht im Stand sehe, diese Aufgabe und dieses Amt als Erzbischof von Wien zu übernehmen.
01:34Und Herr Nunzius hat das auch in Rom, im Dikasterium und bei Papst Leo so dann eben auch hinterlegt.
01:43Die wurden informiert.
01:45Ich hab mir gedacht, damit ist für mich alles erledigt und es ist vorbei.
01:49Nur leider war es nicht so.
01:51Warum habe ich vorgestern Ja gesagt?
01:54In diesen neun Monaten, in denen ich jetzt im Amt bin, hat sich einiges verändert für mich und in mir.
02:02Zunächst einmal bin ich natürlich jetzt im Laufe von neun Monaten schon etwas vertrauter mit den vielen Arbeitsbereichen.
02:10Ich habe sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennengelernt.
02:14Ich war im Gespräch mit sehr vielen Menschen und habe noch tiefer hineinschauen können in die große Bandbreite des kirchlichen Lebens bei uns in der Erzdiözese.
02:24Das ist das eine.
02:26Das zweite.
02:27Ich bin ja als Administrator oder als Bischofsikar jedes Wochenende in den Pfarren unterwegs.
02:33Ich war mit Firmungen und Pfarrbesuchen.
02:35Und wo ich auch hingekommen bin, ich habe überall gespürt und gehört und zu verstehen bekommen, bitte sagen Sie nicht nein, wenn Sie gefragt werden.
02:47Wir wünschen uns das, machen Sie das.
02:50Und dann kommt etwas sehr Persönliches dazu.
02:54Ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe und habe am Anfang mich überhaupt nicht für geeignet gehalten.
03:03Ich habe in den vergangenen Monaten etwas gelernt, das für mein geistliches Leben sehr wichtig ist.
03:10Gott will mich nicht perfekt, sondern verfügbar.
03:15Perfekt und vollkommen, das sind Kategorien, die gelten für Gott.
03:21Ich muss nicht perfekt sein.
03:23Ich habe Stärken, ich habe Schwächen und Fehler, aber ich versuche verfügbar zu sein.
03:28Und wenn das der Wunsch so vieler Menschen in unserer Erzdiözese ist und auch der Wunsch des Papstes, wie mir das der Herr Nunzius gesagt hat,
03:37dann sage ich mein Ja dazu.
03:39Und das habe ich vorgestern in der Nunziatur gegeben, dieses Ja-Wort.
03:44Ich bin jetzt wirklich an einem Punkt, wo ich aus vollem Herzen und auch gern Ja sage zu dieser Aufgabe.
03:51Ich habe im Wissen, ich übernehme ein gut bestelltes Haus von meinem Vorgänger, Kardinal Christoph Schönborn.
03:58Ich habe sehr gute, kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und es gibt auch eine große Akzeptanz in der Dürzöse.
04:06Kardinal Christoph Schönborn meinte zur Kür seines Nachfolgers.
04:09Sehr kurz gesagt, Sie haben Josef Grünwidl gehört. Jetzt verstehen Sie, warum ich mir gewünscht habe, dass er mein Nachfolger wird. Genügt das?
04:22Sie selbst beschreibt der gebürtige Niederösterreicher als Seelsorger, Teamplayer und Brückenbauer.
04:28Ich weiß, dieses Amt ist eine große und wichtige Aufgabe, aber ich nehme diese Aufgabe in Demut an,
04:35im Wissen, es gibt eine jahrhundertealte Geschichte der Erzdiözese Wien, der Menschen mit Gott in dieser Erzdiözese.
04:43Ich gehe jetzt als Erzbischof ein Stück mit und auch nach mir wird diese Geschichte der Erzdiözese Wien gut weitergehen.
04:50Meine Aufgabe ist es, und so sehe ich mich auch, als Seelsorger, als Teamplayer, als Brückenbauer,
04:56Hoffnung zu machen, im Wissen darum, es geht um die Melodie des Evangeliums,
05:03die wir den Menschen ins Ohr und ins Herz pflanzen wollen, eine Melodie der Hoffnung und der Zuversicht.
05:11Dafür stehe ich.
05:12Grünwidl muss nun noch zum Bischof geweiht werden, das soll am 24. Jänner im Stephansdom geschehen.
05:18Ob Grünwidl auch wie Schönborn zum Kardinal ernannt wird und damit ein Stimmrecht bei der Wahl des nächsten Papstes bekäme, ist noch offen.
05:26Grünwidl auch.
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