00:00Der emeritierte Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hat sich am Freitag in einem Pressegespräch
00:05sehr zufrieden mit der Wahl von Kardinal Robert Francis Prevost zum neuen Papst gezeigt.
00:11Ich gestehe, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass so schnell ein Ergebnis da sein wird.
00:20Ich kann auch sagen, meine Freude ist riesig groß.
00:27Ich habe das gestern schon gesagt, ich hatte auf ihn getippt und ich bin sehr stolz auf meine Kollegen des Kardinalskollegiums,
00:42dass sie in so kurzer Zeit eine so klare Entscheidung treffen konnten.
00:49Und ich denke, diese Entscheidung ist ein starker, schöner Ausdruck für das, was das Papsttum, aber auch die Kirche selber charakterisiert.
01:06Es ist immer neu und gleichzeitig ist es eine unvergleichliche Kontinuität.
01:14Es ist Kontinuität, aber in einer großen Verschiedenheit.
01:19Die drei Päpste, die ich persönlich kennenlernen durfte und mit denen ich auch zusammenarbeiten durfte,
01:29der Johannes Paul II., Papst Benedikt und Papst Franziskus, waren alle drei sehr verschieden.
01:37Und doch ist es eine deutliche Kontinuität zwischen diesen dreien.
01:42Und es wird auch mit Papst Leo XIV. so sein.
01:48Kontinuität und doch deutliches Eigenprofil.
01:52Dieses Eigenprofil von Papst Leo werden wir sicher noch näher kennenlernen, wenn er in sein Amt hineinwächst und es wahrzunehmen beginnt.
02:10Aber soweit ich ihn selber erlebt habe und kennenlernen durfte und wie auch seine ersten Worte gestern als neu gewählter Papst es bezeugen,
02:26es ist eine tiefe Kontinuität, spürbar und gleichzeitig bringt er neue Akzente ein.
02:34Gefragt, welche Akzente er vom neuen Papst erwarte, meint Schönborn.
02:38Er hat klar gesagt, dass der Weg der Synodalität für ihn eine Vorgabe ist, zu der er steht.
02:53Das bedeutet sicher etwas für die Regierungsform.
02:56Das ist ja ein Thema, das seit Jahren, letztlich schon seit Papst Johannes Paul II. immer wieder auftaucht.
03:10Wie ist dieses Leitungsamt, dieses höchste Leitungsamt in der Kirche so auszuüben,
03:17dass es nicht ein monarchisches Amt ist, sondern ein kollegial praktiziertes,
03:23also um es mit einem anderen Wort zu sagen, wie weit kann und muss der Papst ein Teamplayer sein?
03:33Und das war auch ein Thema beim Konklave 2013, der Wunsch, die Bitte, die Forderung, das Papstamt nicht monarchisch zu verstehen,
03:50sondern als einen Ausdruck der Verbindung, der Einheit.
03:59Und ich denke, da wird Papst Leo sicher auch Akzente setzen.
04:06Schönborns Eindrücke über den studierten Kirchenrechtler und früheren Diözesanbischof in Peru.
04:11Er ist ein sehr ruhiger, sehr klarer, sehr herzlicher, aber auch durchaus bestimmter Mensch.
04:21Ich glaube, er hat in seinem Leben gezeigt, dass er leiten kann.
04:29Er hat aber auch gezeigt, dass er eine ganz klare Vorliebe für die Nähe zu den Menschen hat.
04:40Mich hat besonders beeindruckt, was ich hören konnte über seine Tätigkeit als Bischof in Peru.
04:49Das ist für einen Nordamerikaner eher ungewöhnlich, dass man Bischof in einem südamerikanischen Land wird.
04:58Es ist nicht der erste Fall, aber er ist sehr beeindruckend.
05:03Noch als Kardinal Prevast war der US-Amerikaner zuletzt zu Allerheiligen auf Österreich-Besuch,
05:09wo er seine augustinischen Mitbrüder und die Wiener Augustinerkirche besuchte.
05:13Rechnet Schönborn nun auch mit einem baldigen Papstbesuch in Österreich?
05:17Also die Voraussetzungen wären gut. Er liebt Österreich, er liebt Wien.
05:24Das war deutlich spürbar.
05:27Wie sein Kalender sich füllen wird, das wird man sehen.
05:31Wir sind nicht das wichtigste Land der Welt, aber wir sind natürlich fast das beste Land der Welt.
05:41Also Franziskus hat seine Schwerpunkte sehr schnell bekannt gegeben, deutlich gemacht.
05:53Mit seinem Besuch in Lampedusa, erste Reise in Italien und seinem Besuch in Albanien, erste Reise in Europa, in das ärmste Land.
06:03Wir werden sehen, wie Papst Leo seine Akzente setzen wird, aber das Thema Flüchtlinge, Migranten ist ein Thema,
06:15das natürlich ihn beschäftigen muss und vor allem es wird uns noch viel mehr beschäftigen müssen,
06:24denn wir dürfen uns doch keine Illusion machen, dass bei der demografischen Entwicklung Europas wir ohne Migration auskommen können.
06:36Und die Migranten sind halt zum Großteil Menschen, die auf der Flucht sind.
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