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arte, 05.07.2009
arte-Themenabend: #Apokalypse
1. Beitrag
Krieg der Welten
Sci-Fi-Film von 1953
-----------
2. Beitrag
Offenbarung und #Weltuntergang
#Apocalypse et #FinDuMonde
Doku, FR/CA, 2006
----------
3. Beitrag
Asteroiden - Die Gefahr aus dem Weltall
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arte, 05.07.2009
2. Offenbarung und Weltuntergang
Frankreich, 2004
Regie: Chema Sarmiento
Der Film führt verschiedene Katastrophenszenarien vor Augen, die sich die menschliche Fantasie angesichts eines drohenden Weltuntergangs geschaffen hat. Es werden viele der Mythen hinterfragt, die in den letzten 2000 Jahren geschaffen wurden. Es wird auch untersucht, wie begründet diese Ängste sind.
Apokalyptische Szenarien und mit Angst besetzte Fantasien vom Untergang der Welt ziehen sich durch alle Kulturen. Die Dokumentation bietet einen Überblick über diese bedrohlichen Vorstellungen und will gleichzeitig dazu anregen, sich mit tatsächlichen Bedrohungen sachlich auseinanderzusetzen.
Apokalypse ist das altgriechische Wort für Enthüllung und Offenbarung. Es ist auch der Titel des letzten Buches der Bibel, das mit diesem Wort beginnt. Da dieses Buch vom Ende der Zeiten berichtet, bezeichnet man heute mit Apokalypse auch den Weltuntergang. Apokalyptische Vorstellungen und Fantasien haben im Abendland immer eine wichtige Rolle gespielt. Historische Begebenheiten wie die Kreuzzüge, die Reformation und die Eroberung des amerikanischen Kontinents sind mit apokalyptischen Sinngebungen befrachtet.
Auch heute beschäftigt die Möglichkeit einer kosmischen Katastrophe die Menschen. So schafft die Erfindung der Atombombe in Verbindung mit der Globalisierung der Konflikte dieser Angst eine rationale Grundlage. Die Dokumentation gibt einen anschaulichen Überblick über die aus dieser Angst geborenen Vorstellungen.
Im Laufe der letzten zwei Jahrtausende glaubten die Menschen mehrmals an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang. Eine eher beruhigende Feststellung angesichts der Tatsache, dass die Welt sich noch immer dreht. Aber vielleicht sind unsere Ängste doch nicht ganz unbegründet ...
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Weltbevölkerungsuhren:
http://countrymeters.info/de/World/
http://www.weltbevoelkerung.de/oberes-menue/publikationen-downloads/zu-unseren-themen/weltbevoelkerungsuhr.html
------------------
World Human-#Overpopulation - #PopulationConnection
https://www.youtube.com/watch?v=9_9SutNmfFk (Old)
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Der Film führt verschiedene Katastrophenszenarien vor Augen, die sich die menschliche Fantasie angesichts eines drohenden Weltuntergangs geschaffen hat. Es werden viele der Mythen hinterfragt, die in den letzten 2000 Jahren geschaffen wurden. Es wird auch untersucht, wie begründet diese Ängste sind.
Apokalyptische Szenarien und mit Angst besetzte Fantasien vom Untergang der Welt ziehen sich durch alle Kulturen. Die Dokumentation bietet einen Überblick über diese bedrohlichen Vorstellungen und will gleichzeitig dazu anregen, sich mit tatsächlichen Bedrohungen sachlich auseinanderzusetzen.
Apokalypse ist das altgriechische Wort für Enthüllung und Offenbarung. Es ist auch der Titel des letzten Buches der Bibel, das mit diesem Wort beginnt. Da dieses Buch vom Ende der Zeiten berichtet, bezeichnet man heute mit Apokalypse auch den Weltuntergang. Apokalyptische Vorstellungen und Fantasien haben im Abendland immer eine wichtige Rolle gespielt. Historische Begebenheiten wie die Kreuzzüge, die Reformation und die Eroberung des amerikanischen Kontinents sind mit apokalyptischen Sinngebungen befrachtet.
Auch heute beschäftigt die Möglichkeit einer kosmischen Katastrophe die Menschen. So schafft die Erfindung der Atombombe in Verbindung mit der Globalisierung der Konflikte dieser Angst eine rationale Grundlage. Die Dokumentation gibt einen anschaulichen Überblick über die aus dieser Angst geborenen Vorstellungen.
Im Laufe der letzten zwei Jahrtausende glaubten die Menschen mehrmals an einen unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang. Eine eher beruhigende Feststellung angesichts der Tatsache, dass die Welt sich noch immer dreht. Aber vielleicht sind unsere Ängste doch nicht ganz unbegründet ...
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Kategorie
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NewsTranskript
00:00Apokalypse
00:30jetzt in der Dokumentation.
01:00Der Tag bricht an.
01:12Die Stadt erwacht.
01:14Irgendeine Stadt, irgendwo auf der Welt.
01:17Alles deutet auf einen schönen Tag hin.
01:22Wie immer gehen wir unseren Pflichten nach.
01:25Von früh an ist unser Tagesablauf quasi vorgezeichnet.
01:28Wir wissen bereits, wen wir treffen werden, was und wann es stattfinden wird.
01:34In unserem Leben ist nur wenig Platz für Unvorhergesehenes.
01:40Diese Monotonie macht unseren Alltag zwar weniger aufregend,
01:44vermittelt uns jedoch das Gefühl von Ruhe und Sicherheit.
01:47Die Mechanismen jeder Gesellschaft unseres Planeten beruhen auf dieser Annahme.
01:52Ein neuer Tag verläuft im Wesentlichen nach dem Schema des Vorhergehenden.
01:56Und plötzlich geschieht eine Katastrophe.
02:01Da wir ihr Ausmaß nicht einschätzen können, überfällt uns Angst.
02:06Was, wenn dies nicht ein vereinzeltes Phänomen ist,
02:09sondern ein Zeichen dafür, dass nun die Apokalypse beginnt?
02:12Im Allgemeinverständnis nach bedeutet Apokalypse Katastrophe und ist synonym mit Weltuntergang.
02:22Die Offenbarung des Johannes mit 22 Kapiteln beschäftigt sich als einziges Buch der Bibel mit der Apokalypse.
02:29Das Wort Apokalypse ist griechisch und bedeutet Offenbarung.
02:39Das wissen jedoch die meisten nicht und assoziieren das, was das Wort über Jahrhunderte hinweg vermittelt hat, die Katastrophe.
02:46Diese allgemeine Auffassung ist durchaus nicht unbegründet.
02:56Im Buch der Offenbarung liest man ja von Plagen, von den sieben Siegeln, den sieben Posaunen und den sieben Schalen,
03:03die Unglück und große Katastrophen verkünden.
03:05Die Erfahrung, die der Einzelne mit dem Tod macht und der Zusammenbruch antiker Kulturen,
03:18weckten beim Menschen den Gedanken, es sei möglich, dass die Welt komplett untergehe.
03:24Die Vorstellung, dass es einen Weltuntergang geben wird und mit ihm ein jüngstes Gericht,
03:29hat sich allmählich im ersten Jahrtausend vor unserer Zeit im heutigen Iran herauskristallisiert.
03:35Der Glaube an ein Weltende ist nahezu überall verbreitet.
03:42Der Glaube an ein Weltende ist nahezu überall verbreitet.
04:05Unser Ende wird kommen, wenn es keine Bäume mehr gibt, wenn alles abgeholzt ist, wenn überall Menschen sind und keine Wälder mehr.
04:14Dann wird das Ende der Welt kommen. Jetzt noch nicht, doch bald.
04:19Dann wird uns das Ende einholen und nichts wird von uns bleiben.
04:28Weissagung der La Candona Indios, Mexiko
04:31Manche Kulturen jedoch orientieren sich eher an der alljährlichen Erneuerung der Natur und glauben nicht an ein definitives, unwiderrufliches Ende.
04:43Nach einer totalen Zerstörung wird die Welt wieder aufgebaut, bis zu einer neuerlichen Zerstörung.
04:48So geht es immer weiter, einem ewigen Kreislauf folgend.
05:00Vielleicht greifen ja Geschichte und Mythologie uralte Weltuntergänge auf.
05:05Ist schließlich nicht auch die große Sintflut eine Apokalypse?
05:12Jedoch wird davon nicht in der Bibel zum ersten Mal berichtet, sondern bereits in vorderasiatischen Mythen.
05:19Auch in dem sumerischen Gilgamesch-Epos.
05:22Noah heißt darin Utnapishtin.
05:23Und als sie seine Niedertracht sahen, beschlossen die Götter, das Menschengeschlecht zu vernichten.
05:40Doch der Gott Ea warnte Utnapishtin und riet ihm ein Boot zu bauen, um seine Familie und eine bestimmte Zahl von Tieren zu retten.
05:48Sieben Tage und sieben Nächte ging ein Sturzregen nieder, der in eine wahre Sintflut mündete.
05:58Und alle Menschen und alle Tiere versanken in den Tod.
06:04Bis auf die, die sich zusammen mit Utnapishtin auf die Arche geflüchtet hatten.
06:18Auch die Griechen hatten eine Noah.
06:21Deucalion, der Sohn des Prometheus, wird vor der Sintflut gerettet, mit der Zeus die Menschen bestrafte.
06:28Für die Griechen war Zeit ein ewiger Kreislauf.
06:32Doch innerhalb der Zyklen konnte es zu apokalyptischen Katastrophen kommen.
06:38Platon erzählt uns von einer Insel irgendwo im weiten Ozean.
06:42Atlantis.
06:44Deren Bewohner waren kulturell hochentwickelt, wurden jedoch von dem seltsamen Fieber gepackt, ihre Güter und Eroberungen unendlich mehren zu wollen.
06:53Die Götter beschlossen sie zu bestrafen.
06:55Die Erde bebte entsetzlich. Wirbelstürme heulten.
07:06Nur einen furchtbaren Tag und eine schreckliche Nacht dauerte es.
07:10Dann versank die Insel in den Tiefen des Ozeans und verschwand.
07:13Im Jahr 62 unserer Zeitrechnung bebte in der Gegend um Neapel die Erde.
07:27Ein Vorbote des Vesuv-Ausbruchs, der Pompeji unter Asche begraben sollte.
07:34Die römische Gesellschaft war davon stark beeindruckt.
07:38In diesem Beben sah sie den Ausdruck des Zorns der Götter.
07:41Seneca wurde durch das Ereignis zu einer eingehenden Betrachtung des Weltuntergangs veranlasst und zu der Aussage,
07:50nichts in der Natur ist dazu gemacht, starr zu bleiben.
07:53Alles muss zu irgendeinem Zeitpunkt nachgeben und zusammenbrechen.
08:05Viele Menschen gehören einer Glaubensgemeinschaft an.
08:08Für einen Teil von ihnen bedeutet das Ende der Welt, heute wie schon im Altertum, die Strafe Gottes angesichts der menschlichen Niedertracht.
08:17Andere sehen in der Apokalypse die letzte Episode der Heilsgeschichte, die die göttliche Vorsehung für uns bereithält.
08:24Doch ist auch außerhalb eines religiösen Rahmens ein Weltuntergang denkbar?
08:33Als Zeitpunkt, an dem alles ins Kippen gerät, würde ich den 6. August 1945 bestimmen.
08:42Den Augenblick, in dem die Menschen zur Atomwaffe griffen, um sich zu bekämpfen.
08:46Hiroshima und drei Tage später Nagasaki.
08:55Als die Atombombe auf die Bühne der Weltgeschichte tritt, ist die Menschheit zum ersten Mal technisch in der Lage, sich selbst zu vernichten.
09:03Stellen wir uns vor, es würde eine allgemeine nukleare Abrüstung beschlossen.
09:21Selbst das würde uns nicht aus der Patsche helfen.
09:24Denn wir können zwar die Atomwaffen an sich abschaffen, nicht aber unser Wissen über sie.
09:29Zudem können wir in vier, fünf, höchstens sechs Wochen wieder welche herstellen.
09:38Wir können nicht zurück, wir können nicht wieder so sein wie früher.
09:41Unschuldig.
09:43Wir sind physikalisch dazu in der Lage, uns selbst zu vernichten.
09:46Und das ist nun mehr tief im Abenteuer Menschheit verankert.
09:48Plötzlich leuchtet es ein, dass eine globale Katastrophe tatsächlich möglich ist.
10:01Die Gefahr nimmt Gestalt an.
10:03Doch wann, wie wird sich was ereignen?
10:07Und kann man noch etwas tun, um es zu vermeiden?
10:10Nun, da es ja ein Buch gibt, in dem das Ende beschrieben ist, öffnen wir es doch und lesen nach.
10:15Offenbarung Jesu Christi an seinen Jünger Johannes, um ihm das zu zeigen, was sich bald ereignen muss.
10:32Mit diesen Worten beginnt das Buch der Offenbarung.
10:35Nach einer Art Liturgie, einem Dialog mit einem von Christus gesandten Engel, hat Johannes eine Vision.
10:47Der Himmel tut sich auf.
10:49Auf einem Thron, umgeben von 24 Ältesten, die ihn Lob preisen, sitzt der Allmächtige.
10:56In seiner Rechten hält er ein Buch, das mit sieben Siegeln verschlossen ist.
11:01Er übergibt es Jesu, dem Lamm Gottes.
11:03Jedes Mal, wenn dieser ein Siegel erbricht, kommt großes Unglück über die Gottlosen.
11:09Die Gerechten freilich bleiben verschont.
11:13Johannes hat eine weitere Vision.
11:15Eine Frau mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf dem Kopf.
11:22Vor ihr sitzt ein Untier, ein großer Drache mit sieben Köpfen, bereit, sich des Kindes zu bemächtigen, dass sie gebären wird.
11:29Eine große Schlacht spielt sich ab.
11:32Der heilige Michael und seine Engel kämpfen gegen das Heer des Untiers.
11:38Ein Engel steigt vom Himmel herab und fesselt den Drachen für tausend Jahre.
11:44Während dieser tausend Jahre herrschen die Gerechten, wieder auferstanden zusammen mit Christus, der zurück auf die Erde gekommen ist.
11:51Als die tausend Jahre vergangen sind, wird die letzte Schlacht geschlagen.
11:58Das Untier ist endgültig besiegt.
12:01Das jüngste Gericht findet statt.
12:04Der Engel entrückt Johannes im Geiste auf einen Berg und er sieht die heilige Stadt Jerusalem vom Himmel herabkommen.
12:11Die Gerechten werden Gott dort sehen und mit ihm von Ewigkeit zu Ewigkeit herrschen.
12:20Die Offenbarung des Johannes wurde oft angezweifelt und doch setzte sie sich schließlich durch.
12:39Sie drängte die rund 30 anderen Apokalypsen, die vor und nach der christlichen Zeitrechnung aufgezeichnet wurden, in den Hintergrund.
12:46Die in ihr beschriebenen Bilder, für die Gläubigen an den Portalen und Mauern der Kirchen deutlich sichtbar,
12:55haben sich auf Dauer in die kollektive Vorstellungswelt gegraben.
12:59Geschichtlich bedeutsam wurden die Auslegungen der finsteren Weissagungen hauptsächlich durch eine Glaubensrichtung,
13:04die als Chiliasmus oder Millenarismus bekannt ist.
13:08Der Millenarismus basiert auf der Offenbarung und beschreibt eine Periode des Friedens zwischen unserer aktuellen Geschichte und dem jüngsten Gericht.
13:18Er besagt, dass uns vor dem Weltende noch tausend Jahre lang hier auf Erden ein Vorgeschmack auf den Himmel gegeben wird.
13:31Christus wird zur Erde zurückkehren, um zusammen mit den wiederauferstandenen Gerechten tausend Jahre lang zu herrschen.
13:42Dies wird eine Zeit des Friedens sein, während Satan in der Hölle eingesperrt ist.
13:46Es ist wie der Traum von einem goldenen Zeitalter, einem verlorenen Paradies.
13:54Denn man stellt sich vor, in dieser Zwischenzeit herrsche außerordentlicher Wohlstand.
13:59Diese tausend Jahre haben den Christen natürlich enormes Kopfzerbrechen bereitet.
14:16Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren.
14:34Der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand.
14:38Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange.
14:41Es ist der Teufel und der Satan und fesselte ihn für tausend Jahre.
14:46Und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn.
14:58Und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre.
15:16Ein historischer Fakt ist recht unbekannt.
15:26Die ersten Christengenerationen waren größtenteils Millenaristen.
15:31In den ersten Jahrhunderten ihres Bestehens, als die Kirche noch die Gemeinschaft einer Minderheit war und verfolgt wurde,
15:43behielt sie dieselben Erwartungen und Szenarien bei, die die jüdischen Gemeinden entwickelt hatten.
15:50Insbesondere nach dem Fall Jerusalems und der Zerstörung des Tempels.
15:53Bedeutende Persönlichkeiten der ersten Jahrhunderte des Christentums waren Millenaristen.
16:03Ich denke vor allem an den heiligen Irenaeus, bei seinem Tod war er Bischof von Lyon und an Tertullian.
16:08Einer der ersten falschen Apokalypse-Termine fällt auf die Mitte des zweiten Jahrhunderts.
16:20Ein gewisser Montanus verkündet die Wiederkunft Christi.
16:24Mehrere Gemeinden hören auf seine Worte, verlassen ihre Städte und begeben sich an den Ort, wo das Ereignis stattfinden soll.
16:31Ein Hochplateau, irgendwo mitten in der heutigen Türkei.
16:35Jesu Wiederkunft fand nicht statt.
16:39Doch das brachte ihren Glauben nicht ins Wanken.
16:42Sie schlossen daraus einfach nur, der Zeitpunkt sei falsch berechnet gewesen.
16:45Im Jahr 313 wird das Christentum vom Römischen Reich anerkannt und schließlich gegen Ende des vierten Jahrhunderts als alleingültige Staatsreligion übernommen.
17:08Ab dieser Zeit sollte sich alles grundlegend ändern.
17:14Zumal man sich nach dreieinhalb Jahrhunderten des Wartens auf bevorstehende Ereignisse, die immer wieder verschoben wurden, doch langsam einige Fragen stellen musste.
17:23Je etablierter das Christentum ist, je mehr es sich zu einer Mehrheitsreligion entwickelt, desto mehr verblasst die Mentalität des Verfolgtseins, dieses Bedürfnis nach einer Art politischer, sozialer, globaler Vergeltung.
17:40Der heilige Augustinus war zunächst ebenfalls Millenarist, wandte sich später jedoch gegen eine Zukunftsvorstellung, die ihm zu sinnlich erschien, zu materialistisch, zu konkret.
17:53Er schlug vor, das Kapitel 20 symbolisch auszulegen.
17:56Es heißt, dass der größte Geist des 5. Jahrhunderts nach Christus, der heilige Augustinus, auch der große Gegenspieler der früheren Millenaristen war, die die Wiederkehr Christi erwarteten, auch in politischer Hinsicht.
18:14In Wirklichkeit, so sagte er, er hätte das Reich Christi bereits bei dessen Geburt begonnen.
18:20Zudem seien die tausend Jahre sinnbildlich zu verstehen und nicht wortgetreu, der Zeitraum von tausend Jahren nähme bereits seinen Lauf.
18:32Trotz des heiligen Augustinus aber hatte das Mittelalter jahrhundertelang häufig wiederkehrende Ausbrüche von Millenarismus und Apokalypse Vorahnungen.
18:44Ganz konkret besagt die Interpretation des heiligen Augustinus, das Ende der gegenwärtigen Zeit wird nicht in eine Phase der Freude und des Glücks auf Erden münden,
18:55sondern in den Untergang dieser Welt und das jüngste Gericht.
19:14Und ich sah die Toten, groß und klein, stehen vor dem Thron.
19:20Und Bücher wurden aufgetan.
19:28Und ein anderes Buch wurde aufgetan, welches ist das Buch des Lebens.
19:33Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben steht, nach ihren Werken.
19:38Und das Meer gab die Toten heraus, die darin waren, und der Tod und sein Reich gaben die Toten heraus, die darin waren, und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken.
19:53Augustinus Auslegung wird später als offizielle Version der Kirche anerkannt.
20:04Allerdings sollte es noch Jahrhunderte dauern, bis diese sich gegen die millenaristische Sichtweise durchsetzte, die tief in der Gedankenwelt verwurzelt ist.
20:11Mit Entsetzen, aber auch mit Hoffnung, wird der kleine Mann, wie der aufgeklärte Geist, in jeder Katastrophe die Zeichen für das Ende sehen.
20:24Wie erkennen wir, dass das Ende naht, das Vorspiel der Wiederkunft Christi?
20:31Dazu beschreibt die Offenbarung einige Anzeichen.
20:39Die Sonne wird sich verdunkeln, die Sterne werden herabfallen.
20:45Die Lüfte sich verändern und das Meer über seine Ufer treten.
20:49Unwetter,
20:53Kriege,
20:55Hungersnöte,
20:56Seuchen.
21:01Die Pest wütet im Jahr 590 in Rom.
21:19Selbst der Papst ist überzeugt, die Apokalypse habe begonnen.
21:25Doch als er über der Stadt einen Engel sieht, der sein Schwert zurück in die Scheide schiebt,
21:29weiß er, dass die Stunde noch nicht gekommen ist.
21:34Als Gregor der Große, immerhin ein Papst, ein intelligenter Mann,
21:41um das Jahr 600 Missionare nach England schickt,
21:45gibt er diesen einen Brief für den englischen König mit.
21:48Du, schreibt er in etwa, bist näher am Norden als wir, in Italien.
21:53Deshalb siehst du die Vorzeichen des Weltendes früher als wir.
22:02Bitte sei so nett und warne uns, wenn du diese Zeichen siehst.
22:15Die Texte über die Apokalypsen wurden in Krisenzeiten geschrieben,
22:19um die Menschen in ihrem Glauben zu ermutigen.
22:25Gegen Ende des 8. Jahrhunderts bemächtigten sich die islamischen Mauern fast der gesamten iberischen Halbinsel.
22:32Die Christen flohen vor deren Herrschaft in den Norden, nach Asturien.
22:37In dieser schwierigen Zeit schrieb ein Mönch namens Beatus Kommentare zur Johannes-Offenbarung,
22:42die 500 Jahre lang wieder und wieder abgeschrieben und mit prächtigen Miniaturen versehen wurden.
22:55Am Ostersonntag des Jahres 800 besteigt der Millenarist Beatus mit seinen Anhängern einen Berg,
23:02wo sie der Wiederkunft Christi harren.
23:05Das wissen wir aus einem Brief seines großen Rivalen Elipando, des Bischofs von Toledo,
23:10der sich im Nachhinein über Beatus lustig macht.
23:19Hinweise auf spektakuläre Veränderungen um das Jahrtausend, die von vielen erwartet worden waren,
23:25finden die Historiker nicht.
23:27Vielmehr durchdringt im ausgehenden ersten Jahrtausend eine unbestimmte Angst,
23:31den Alltag der Menschen, immer kurz davor, beim geringsten beunruhigenden Ereignis auszubrechen.
23:37Uns fällt es heute schwer, diese Ängste nachzuvollziehen,
23:43denn mit unserem Wissensstand können wir die Natur der Phänomene, die diese Ängste auslösten, leicht einordnen.
23:51Angesichts neuer Gefahren jedoch, deren Ausmaß wir nicht genau einschätzen können,
23:55vermögen wir sie besser zu verstehen.
24:00Spendant 10 jours, der Reaktor der Zentrale hat die Ängste in der Atmosphäre,
24:05die ängste 200 bomben von Hiroshima verabschieden.
24:1220 Jahre später, es ist noch schwierig, zu mesurer die Ergebnisse,
24:15die er hat, und zu langer Zeit, auf die Umwelt zu verabschieden.
24:18Selbst wenn sich keine solchen Unglücke wie Tschernobyl mehr ereignen würden,
24:40unsere Lebensweise, unsere Industrie beeinflussen unzweifelhaft die Umwelt.
24:45In welcher Tragweite, darüber sind sich die Experten allerdings nicht einig.
24:53Aus sicherer Quelle wissen wir heute, dass die Klimaerwärmung existiert,
25:00dass der Mensch sie verschuldet, dass ihre Auswirkungen sehr viel schlimmer sein werden, als wir es uns vorstellen können.
25:06Und dass man nicht viel dagegen tun kann, außer unsere Lebensweise radikal zu ändern.
25:10Wie immer in solchen Fällen interpretiert man jedes Ereignis als Beweis dafür,
25:21dass es ein vom Menschen herbeigeführtes Ungleichgewicht in der Natur gibt.
25:26Und dass dieses Ungleichgewicht sich gegen den Menschen richten wird.
25:29Die Erderwärmung wird nicht die gesamte Menschheit umbringen, denn das ist ja die Grundvorstellung der Apokalypse.
25:38Die gesamte Menschheit wird untergehen.
25:41Aber dass die Menschheit sich selbst endgültig ausradiert, ist eine Wahnvorstellung.
25:44Mit der Erderwärmung untrennbar verbunden ist das Problem der Energiekrise.
25:55Diese beiden Krisen, die der Umwelt und die der Energie, bilden ein System.
25:59Unsere fossilen Ressourcen sind bereits fast völlig erschöpft.
26:02Es wäre verrückt, diese Phänomene als Zeichen dafür zu nehmen, dass der Menschheit ein unseliges Los bevorsteht.
26:20Sie drücken lediglich aus, dass die Menschheit gerade eine Epoche durchlebt, in der die Sorge größer ist als die Hoffnung.
26:27Die Klimaerwärmung wird sich so auswirken.
26:33Es wird Völkerwanderungen geben und Kriege um den Zugang zu den Ressourcen, die stetig weniger werden, insbesondere die Energieressourcen.
26:41Die Menschheit zerstört sich also, indem sie ihre Umwelt zerstört, was Kriege und Konflikte auslösen wird.
26:47Dass zum Weltende Krieg gehört, ist eine ganz natürliche Vorstellung.
26:58Doch nach dem Jahr 1000 nimmt der Krieg eine besondere Form an.
27:02Verschiedene Einflüsse treffen aufeinander und führen dazu, dass die Eroberung Jerusalems
27:07zur Vorbedingung für die heiß ersehnten 1000 Jahre Glück und Zufriedenheit wird.
27:11Kreuzzug und Apokalypse verbünden sich genau dann, als der Millenarismus wieder auflebt.
27:20Der Millenarismus erstarkte neu mit Joachim von Fiore.
27:28Joachim von Fiore, gestorben 1202, war ein frommer Mönch aus Kalabrien.
27:33Er glaubte in näherer Zukunft, er selbst gab dafür das Jahr 1260 an, werde die Geschichte der Welt in ihr drittes Zeitalter eintreten.
27:43Es hatte die alttestamentarische Zeit des Vaters gegeben.
27:53Ein gerechter Gott, ein Patriarch, Gerechtigkeit, Macht.
27:58Darauf war das Zeitalter des Sohnes gefolgt, das Zeitalter der bestehenden Kirche.
28:04In dieser Epoche leiten der Klerus, der Beständigkeit und Tradition verkörpert, und Christus die Kirche.
28:10Neu bei Joachim von Fiore ist, dass ein drittes Zeitalter kommen soll, das des Heiligen Geistes, wobei dann auch eine neue Kirche entsteht.
28:23Es ist eine Phase der Freude und des Glücks und dauert eine bestimmte Zeit, bevor die eigentliche Endzeit eintritt.
28:30Joachim von Fiore hatte das Jahr 1260 für den Beginn dieser Ära angekündigt.
28:44Doch nichts dergleichen geschah.
28:46Gleichwohl wurde ein vorüberziehender Komet gesichtet, was große Hoffnungen weckte.
28:51Der Zusammenprall mit einem Kometen als Ursache für die Zerstörung der Erde war eine der Konstanten in der Geschichte des Weltuntergangs.
29:01Und auch sehr viel später, nachdem Newton die Schwerkraft entdeckt hatte, diskutierten die Gelehrten noch über die Folgen eines solchen Ereignisses.
29:08Die Drehachse sowie die Drehbewegung werden verändert.
29:13Die Meere ihren angestammten Platz verlassen und zum neuen Äquator hinstürzen.
29:18Ein großer Teil der Menschen und der Tiere werden in dieser die weltumspannenden Flut ertrinken.
29:24Alle Bauwerke aus Menschenhand einstürzen.
29:26Solcherlei sind die Katastrophen, die der Aufprall eines Kometen hervorrufen kann, wenn seine Masse vergleichbar der der Erde ist.
29:36Joachim von Fiore galt zu Lebzeiten als Heiliger.
29:40Der Papst und seine Zeitgenossen schätzten ihn sehr.
29:43Doch später wurde man sich bewusst, dass in seiner Auffassung der Geschichte etwas recht Explosives lag.
29:52Seine Gedanken wurden rasch aufgegriffen.
29:54Nicht nur Theologen und Mystiker verfolgten seine Vision der Kirche des dritten Zeitalters weiter.
30:01Auch Politiker und das einfache Volk entwickelten zu dieser Gemeinde, zu dieser Liebe unter den Menschen, bald ganz präzise Vorstellungen.
30:12Er sagte, in dieser letzten Ära gäbe es nur noch Mönche, also keine Kirchenhierarchie mehr.
30:18Und er nahm einen Spruch aus dem Evangelium wieder auf.
30:21Die letzten werden die ersten sein.
30:23Die letzten, das ist das Volk.
30:25Hierin lagen revolutionäre Möglichkeiten.
30:29Weniger Steuern, weniger Abgaben, weniger Ungerechtigkeit.
30:33Mehr Macht den Armen.
30:34Die Gesellschaft errichtet von den Armen für die Armen.
30:38Der Einfluss des Joachim von Fiore ist nachhaltig.
30:51In seiner Botschaft liegt ein zündender Funke.
30:54Und dieser Funke zieht sich durch die Bauernaufstände vom Ende des Mittelalters bis heute.
30:59Die Zielvorstellung, die diesen Funken antreibt, ist der Wunsch, hier auf Erden das Reich Gottes zu errichten.
31:09Die Christen, die wir nicht mehr in der Welt, sind der Wunsch, hier auf Erden das Reich Gottes zu errichten.
31:39Und religiöse Kreise hatte Joachim von Fiore großen Einfluss, allen voran auf die Franziskaner,
31:45deren Ordenszweig der Spiritualen fällt der Inquisition zum Opfer.
31:50Eine große apokalyptische Katastrophe ereignet sich Mitte des 14. Jahrhunderts.
32:16Die Pest, der Schwarze Tod.
32:20Er vernichtet ein Viertel bis die Hälfte der Bevölkerung Europas.
32:25Mehr denn je kamen die Worte aus dem Buch des Johannes nun einer Prophezeiung gleich.
32:29Und ich sah und siehe ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name war der Tod.
32:45Und ihm wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit Schwert und Hunger und Pest und durch die wilden Tiere auf Erden.
32:53Mit der Entdeckung Amerikas gelangte die Hoffnung, eine neue Welt auf Erden zu errichten,
33:14wie es in der Offenbarung verheißen ist, auf die andere Seite des Ozeans.
33:18Die Franziskaner, die nach Mexiko kamen, die Jesuiten in Brasilien, die Protestanten, die sich in Nordamerika ansiedelten,
33:29sie alle glaubten, Amerika sei der Ort, an dem das Christentum erneuert würde
33:34und das Zeitalter des Friedens und der Freude vor dem jüngsten Gericht begenne.
33:38Im Kapitel 7 der Offenbarung heißt es, die verlorenen Stämme des Volkes Israel würden vor dem Weltende wiedergefunden.
33:48Möglicherweise sind die eingeborenen Völker ja diese verlorenen Stämme.
33:52Darüber wurde im 16. Jahrhundert tatsächlich heftig diskutiert.
33:55Nun, auch sie wussten ja um eine große Flut und sie kannten einen Messias,
34:04Ketzalcoatl, die gefiederte Schlange.
34:08Auf diesen Gott warteten die Bewohner des mexikanischen Hochlands, die Azteken.
34:13Das bewies doch, dass diese Völker Nachkommen der verlorenen Stämme Israels waren.
34:17Das so herbeigesehnte Ende war damit erreicht und das neue Jerusalem würde bald da sein.
34:25Was so desired, that desired new Jerusalem that was to come.
34:30Musik
35:00Und er führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg
35:14und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem herniederkommen aus dem Himmel von Gott.
35:20Die hatte die Herrlichkeit Gottes.
35:23Ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall.
35:30Sie hatte eine große und hohe Mauer
35:37und hatte zwölf Tore und auf den Toren zwölf Engel
35:48und Namen darauf geschrieben, nämlich die Namen der zwölf Stämme der Israeliten.
35:54Von Osten drei Tore, von Norden drei Tore, von Süden drei Tore, von Westen drei Tore.
36:00Und die Völker werden wandeln in ihrem Licht
36:04und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in sie bringen.
36:08Musik
36:09Im 17. Jahrhundert dreht sich alles um die Berechnung des Erdalters.
36:26Seit langem ist man sich darüber einig, dass die sieben Tage der biblischen Schöpfung
36:31das gesamte Bestehen der Welt symbolisieren.
36:34Jeder Tag stellt aber in Wirklichkeit einen Zeitraum von tausend Jahren dar.
36:40Man braucht also nur in der Zeit zurückzugehen,
36:43indem man die Epochen, die durch Geschichte und Bibel belegt sind, zusammenrechnet
36:46und weiß, in welchem Jahr die Welt erschaffen worden ist.
36:50Von diesem Zeitpunkt ausgehend kann man dann das Datum des Weltuntergangs einfach ableiten.
36:571650 veröffentlicht Erzbischof James Usher seine hochberühmte Chronologie,
37:02die den Zeitpunkt der Schöpfung mit einer Genauigkeit festlegt,
37:05die in die Geschichte eingegangen ist.
37:07Den 23. Oktober 4004 vor Christus um 9 Uhr morgens.
37:12Erst im 19. Jahrhundert, als die Dinosaurier entdeckt werden,
37:26Darwin seine Evolutionstheorien entwickelt und die ersten prähistorischen Kulturen auftauchen,
37:32glaubt man allmählich, dass die Erde weit älter ist als angenommen.
37:36In dem Maße, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse profunder werden,
37:40entstehen auch neue Betrachtungsweisen des Weltendes.
37:44Das große Universallexikon des 19. Jahrhunderts, herausgegeben von Pierre Larousse,
37:50stellt folgende Hypothese auf.
37:53Es ist beinahe sicher, dass die feste Oberfläche, auf der wir unsere Städte und Häuser errichten,
37:58nicht mehr als zehn Meilen stark ist, und dass unter dieser geringen Stärke alle Metalle flüssig sind.
38:05Wir wohnen auf einem schwachen Floß, das von einem Augenblick zum nächsten versinken kann.
38:11Eine Absenkung des Bodens der Kontinente könnte leicht ausreichen,
38:15um all das Wasser der Meere auf die bewohnte Erde fließen zu lassen,
38:19andererseits aber den Boden anzuheben, welcher derzeit den Grund des Ozeans bildet.
38:26Durch eine derartige Flut könnte Paris unter Wasser stehen,
38:29und die Dampfschiffe würden drei oder vierhundert Fuß über Notre-Dame, über die Meere kreuzen.
38:34Vor allem in Europa beobachtet man im 19. Jahrhundert eine Laizisierung des Millenarismus.
38:45Das hatte auch einen ungeheuer großen Einfluss auf den deutschen Idealismus.
38:51Hier sind vor allem Schelling oder Hegel zu nennen.
38:54Schelling beruft sich ja explizit auf Joachim von Fiore,
38:57wie übrigens auch Lessing in seiner Schrift »Erziehung des Menschengeschlechts«.
39:02Dazu möchte ich etwas zitieren, das zu schön ist, um es nicht zu zitieren.
39:09Der große deutsche Romantiker Schlegel sagte zu Beginn des 19. Jahrhunderts,
39:14»Der revolutionäre Wunsch, das Reich Gottes zu realisieren, ist der Anfang der modernen Geschichte.
39:23Was in gar keiner Beziehung aufs Reich Gottes steht, ist in ihr nur Nebensache.«
39:32Es entstand eine Art Bund.
39:38In ihm sah man die Zukunft nicht mehr so sehr in religiösem Licht,
39:41sondern im Licht des Friedens und der Freude.
39:44Diese sollten aus dem technischen Fortschritt erwachsen,
39:47aus dem Fortschritt der Wissenschaft, des Wissens und der Moral im Allgemeinen.
39:55Eine solche Säkularisierung der Lehre bedeutet jedoch nicht,
39:59dass unser apokalyptisches Rüstzeug verschwunden ist.
40:02Nach wie vor ist es Bestandteil unserer Kultur, unseres Lebens.
40:08Paris, Place Saint-Michel.
40:11Die Menschen hier denken nicht darüber nach,
40:13dass der heilige Michael gerade dem Drachen die Schlacht liefert,
40:17die in Kapitel 12 der Offenbarung beschrieben ist.
40:21Desgleichen schlendern die Passanten in Rom, Neapel und vielen anderen Städten
40:26unter dem wohlwollenden Blick der Frau mit der Krone aus zwölf Sternen auf dem Kopf
40:30und dem Mond und dem Drachen zu ihren Füßen, die wir aus dem Buch des Johannes kennen.
40:36Diese Beispiele stehen für viele.
40:38In den USA denken und fühlen wir noch immer apokalyptisch,
40:46vor allem in Bezug auf die beiden entgegengesetzten Mächte Böses und Gutes
40:50und auf unsere eigene, von Gott befohlene Rolle.
40:53Der Unabhängigkeitskrieg wurde von den neuen Bürgern der Vereinigten Staaten
41:00als eine Art Beginn des Millenarismus erlebt.
41:05Der Beginn der tausend Jahre Freude und Zufriedenheit,
41:10ein Zeitalter, in dem die USA der Weltfreiheit, Gerechtigkeit und Frieden bringen würden.
41:15Und das ist ja noch immer so.
41:18Leider muss ich sagen, einige unserer furchtbaren politischen Positionen
41:23haben genau genommen apokalyptischen Hintergrund.
41:35Die apokalyptische Lehre hat die Musik beeinflusst, die Literatur und vor allem die siebte Kunst.
41:42Ein ganzes Filmgenre steht in der Tradition dieser Strömung.
42:01Überdies hat sie Ideologien und politische Systeme geprägt,
42:05die im Grunde recht weit von ihr entfernt scheinen.
42:07Ganz unbestritten gab es eine Verbindung zwischen Millenarismus,
42:15Ideologie des Fortschritts und Sozialismus.
42:19Marx wollte einen wissenschaftlichen Sozialismus errichten,
42:22im Gegensatz zum religiösen oder utopischen Sozialismus.
42:26Der Marxismus wollte nicht utopisch sein.
42:31In Wirklichkeit war auch er eine Utopie,
42:32gegründet auf der Ideologie des Millenarismus.
42:35Marx zitiert die Offenbarung zum Thema Austausch,
42:41zu den Leuten, die Waren austauschen und in einer Art Warenfetischismus,
42:45Waren- und Geldfaszination gefangen sind.
42:49Und dass niemand kaufen oder verkaufen kann,
42:52wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres.
42:55Irgendwie ist der Marxismus ein Remake des Millenarismus.
43:02Denn er verkündete eine geschichtliche Epoche,
43:05nicht unbedingt tausend Jahre, aber einen gewissen Zeitraum,
43:08in dem alle Probleme, alle Konflikte der Menschheit beseitigt wären,
43:13in dem die Menschen wieder mit sich selbst versöhnt wären
43:16und es keinen Klassenkampf mehr gäbe.
43:18Das ist ein Toast für Stalina,
43:23für die Erwerbungsorganisator der allgemeinen Krieg.
43:25Gab uns das 20. Jahrhundert mit seinen zahllosen Konflikten, den Vernichtungslagern, den Kalten Krieg oftmals Gelegenheit zu glauben,
43:48es sei das Jahrhundert des Weltendes, so doch dann und wann auch Grund zur Hoffnung auf das universelle Glück.
43:55Hoffnung auf den Beginn eines Zeitalters der Unbekümmertheit und des Fortschritts, aus dem Krankheit und Armut verschwunden sind.
44:07Zur selben Zeit trat jedoch ein neuer Faktor auf den Plan und die Angst vor dem Weltende blieb in unseren Köpfen haften.
44:27Es ist eine Ära der panischen Angst, die äußert sich erstmals angesichts dieses Pilzes, dieses beinahe uralten Bild des von Menschen verursachten Chaos.
44:47Und dann all das Grauen danach, all die Unglückseligen, die noch heute an den Folgen dieser Bomben zu leiden haben.
44:54Dazu kam die Angst, die führende Wissenschaft könne im Geheimen einen Pakt mit dem Militär schließen,
45:09der sich eines Tages in einer gewaltigen Katastrophe manifestieren würde, die dieses Mal nicht örtlich begrenzt wäre,
45:17sondern den gesamten Planeten in Flammen aufgehen lassen würde.
45:26Und da sich auf politischer Ebene einiges ereignete, der Kalte Krieg, das Gleichgewicht des Schreckens,
45:35ist uns diese panische Angst in den Hinterköpfen geblieben.
45:39Das Ende des 20. Jahrhunderts war auch das Ende des Jahrtausends.
45:55Als es näher rückte, erwachten wieder apokalyptische Ängste.
46:01Berechnungen und Voraussagen häuften sich. Die Schriften des Nostradamus waren plötzlich wieder aktuell.
46:07Die Metaphern des Buchs der Offenbarung wurden erneut interpretiert.
46:11Oft recht fragwürdig und eigenwillig, was zusammen mit den modernen Science-Fiction-Mythen manchmal tragische, groteske Blüten trieb.
46:21Ende März 1997 vollzog sich im US-amerikanischen San Diego ein kollektiver Suizid.
46:2939 Mitglieder der Sekte Heaven's Gate gingen gemeinsam in den Tod.
46:33Wir, die wir aus übermenschlichen Sphären in den fernen Weiten des Weltraums stammen,
46:41haben nunmehr den Körper verlassen, der unsere irdische Hülle war, um in unsere Welt zurückzukehren.
46:48Wir waren hier, um dieser Zivilisation einen Weg ins Reich Gottes zu weisen,
46:53bevor sie mit dem Jahrtausend zu Ende geht.
46:55Nach dem Jahrhundertwechsel durften wir mit Fug und Recht auf Beruhigung unserer apokalyptischen Befürchtungen hoffen.
47:14Bald wurden wir allerdings enttäuscht.
47:16Eine sogenannte Naturkatastrophe folgte der nächsten.
47:29Und wir wurden den Gedanken nicht mehr los, was, wenn wir bereits auf dem Weg bergab sind?
47:34Unterwegs zu einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt.
47:37Immer größer werdende Bedrohungen zeichneten sich ab.
47:44Bedrohungen durch den Terrorismus, die Überbevölkerung, durch die neuen Technologien.
47:48Wie schon einige hundert Jahre zuvor skizzierte auch jetzt der wissenschaftliche Fortschritt neue Bilder des Endes.
48:00Im Bereich der Gentechnik könnte mithilfe der neuen Technologien eine Art Übermensch produziert werden,
48:06der sich eines Tages unserer entledigen könnte.
48:09Diese Technologien könnten auch zu einer künstlichen Welt führen,
48:12bevölkert von Maschinen, deren Systeme leistungsfähiger sind als das menschliche Gehirn.
48:17Diese Maschinen wären dann auch imstande, sich selbst zu konstruieren
48:20und eine Welt aufzubauen, die uns nicht mehr braucht.
48:23Eine posthumane Welt.
48:26Von diesen Technologien erwarten wir uns sehr viel,
48:29auch was unsere Energie- und Umweltprobleme anbelangt.
48:33Sie sollen auch für die Kriegsführung von morgen her halten.
48:35Die Waffen mit Nanotechnologie werden im Vergleich zur Atombombe das sein,
48:39was die Atombombe im Vergleich zur Schleuder war.
48:41Heutzutage hat der Fortschritt keinen guten Ruf mehr.
48:53Einige Stimmen fordern sogar einen Rückschritt, eine Rückentwicklung.
48:57Etwas Schlimmeres könnte es gar nicht geben.
49:00Denn dann sehen wir uns vielleicht plötzlich einer Behinderung der Forschung gegenüber,
49:05wo diese uns doch über unsere Probleme hinweghelfen könnte.
49:07Und wie in einer unendlichen Geschichte erhoben sich unmittelbar nach der Wahl des neuen Papstes Stimmen.
49:26Joachim von Fiore soll prophezeit haben,
49:29der Name dieses neuen Papstes werde Benedikt
49:31und dieser der letzte Pontifex Maximus sein.
49:34Letzten Endes muss man vielleicht nur richtig suchen,
49:40um zu allen Zeiten und an allen Orten die Anzeichen zu finden,
49:44die im Buch der Offenbarung das Ende ankündigen.
49:46Die Engel des Unglücks, die vier Reiter, den Antichrist.
49:50Apokalypse bedeutet ja bekanntlich Offenbarung.
49:58Doch um welche Offenbarung handelt es sich dabei?
50:03Ich glaube, die Offenbarung war,
50:05es ist seit jeher das Schicksal der Menschheit, sich selbst zu vernichten.
50:10Das heißt nicht, dass dies unbedingt geschehen muss.
50:13Denn letztendlich ist der Mensch ja mit etwas Besonderem ausgestattet,
50:16der Freiheit, wozu auch die Freiheit gehört, sein Schicksal nicht zu akzeptieren.
50:25Die Menschheit wird ihren Weg fortsetzen,
50:29trotz aller Prophezeiungen über das Post-Humane.
50:33Irgendwie wird der Mensch sich seinen Weg zwischen Gut und Böse bahnen.
50:37Es ist schließlich die Aufgabe des modernen Menschen,
50:40das Gute, über das Allzeit drohende Böse siegen zu lassen.
50:55Seit Jahrtausenden lässt uns die Angst vor dem Ende der Welt nicht los.
51:03Möglicherweise hat sie ja eine positive Rolle.
51:05Indem sie uns die Gefahr, ob real oder hypothetisch,
51:09in den schwärzesten Farben ausmalt,
51:11hilft die Angst uns, unsere Grenzen zu erkennen und zu handeln.
51:16Und voller Vertrauen dem Morgen entgegenzublicken.
51:19Vertrauen des ZDF,
51:49Untertitelung des ZDF, 2020
52:19Untertitelung des ZDF, 2020
52:49Untertitelung des ZDF, 2020
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