- vor 5 Monaten
Oskar hat Angst vorm Sterben und wird immer unausstehlicher. Besonders Paulchen muss darunter leiden. Ein ausführliches Gespräch mit Oma befreit Oskar von seinen Ängsten. (Text: ORF)
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00:00Eigentlich säuset ja nicht, damit sie nicht zu fett wird.
00:04Wie heißt er denn?
00:05Marilyn.
00:06Tja, so ein treues Lebewesen.
00:10Fehlt einem manchmal zu Hause.
00:12Na dann schafft ihr doch ein Hund an, Paulchen.
00:14In Oskars Wohnung?
00:16Damit er mich auch noch rausschmeißen kann?
00:18Auch noch?
00:19Wen hat er denn schon rausschmissen?
00:21Die Frau Fabisch.
00:23Frau, ich denke, die ist von alleine ausgezogen.
00:25Weil er sie rausgegrault hat, mit seinen ewigen Norgeleien.
00:28Darüber kannst du doch bloß froh sein.
00:30Du kannst doch sowieso nicht leiden.
00:32War aber immer Ordnung.
00:35Der hat doch dafür gesorgt, dass wir abwaschen.
00:37Ich komme mal wieder vorbei und mache bei euch Hausputz.
00:39Aber bloß, wenn er euch nicht streitet.
00:41Worüber kracht er euch denn so?
00:43Über alles.
00:46Dieser Oskar.
00:48Ich glaube, der wird alt.
00:51Na, nun machen wir schön weiter.
00:53Sei mal genauso fleißig wie die Omi.
00:54Komm her.
00:56So.
00:56Ach, fein machst du das.
01:02Na, Wenz.
01:02Na, na?
01:04Was macht ihr denn jetzt?
01:05Na, fein zieht.
01:07Oh, fein zieht.
01:08Das ist aber fein.
01:11Mensch, Mutter, was soll denn das?
01:13Was sollen denn diese Schnipsel?
01:16Die Schnipsel reichen.
01:18Bitte.
01:19Ach, Mensch, wir halbieren die Bögen.
01:21Wie sieht denn das aus?
01:23Ich habe mal die Rechnungen durchgegangen.
01:27Wir haben in den letzten zehn Monaten 428 Mark für Pergamentpapier ausgegeben.
01:33Na, ich habe mich.
01:34Jetzt setzen wir doch alles unter Unkosten.
01:37Der Unkostenmarkt muss auch Einnahmen haben.
01:39So sagen wir, ist dir eigentlich klar, dass bei uns der Umsatz in den letzten Monaten rapide zurückgegangen ist.
01:45Die Rezession schlägt bei uns voll durch.
01:48Sprichst du denn, Mensch, haben wir eine Würstchenbude oder ein Großkonzern?
01:53Also, mit vier Blättern von einem Bogen halbieren wir die Unkosten.
02:00Da lachst du auch noch.
02:03Hör mal, ist doch ein Unterschied.
02:05428 Mark oder 214 Mark ist doch Geld, oder nicht?
02:09Ja, ja.
02:10Na, mach das.
02:11Wir müssen sparen.
02:13Glaub mir, irgendwo muss ja auch das Gehalt für Uschi rauskommen.
02:17Nötig doch alles.
02:18Hör mal zu.
02:19Paulchen war am Stand, ja?
02:20Ja.
02:20Messer, Gabel, Schere, Licht ist für kleine Kinder nicht, ja, denkst du.
02:31Du, Paulchen, was ist mit den Benen?
02:33Ach, die Benen haben andauernd so oft miteinander, sagt Paulchen.
02:36Ach, warum denn?
02:38Oskar Moser hat immer mit ihm rum.
02:40Der soll überhaupt ganz komisch geworden sein in der letzten Zeit.
02:43Na, du hast mir auch aufgefallen.
02:45Ich muss mich mal wieder um ihn kümmern.
02:47Nicht doch, Othelie, die ist eisekalt.
02:52Und andauernd hat er irgendwelche Zipperlein.
02:55Und vom Sterben redet er.
02:57Wie, Paulchen?
02:58Nee, Oskar.
03:00Na, gib mir doch mal ne Tüte Milch mit für unterwegs.
03:02Lass mal, ich mach's schon.
03:03Sag mal, mit eurer Bestellung, das wird ja immer weniger.
03:07Geht ihr etwa bei einem anderen Lieferanten fremd?
03:10Ach, ist doch Quatsch.
03:12Die verkaufen so wenig.
03:14Na, dann mach doch mal ein bisschen Reklame.
03:16Willi, wie wär das denn bei dir?
03:18Kannst du deinen Kollegen nicht mal ein bisschen von der Bude hier hervorschwärmen?
03:21Taxe, ist ganz schlecht im Moment.
03:24Die Jungs, die lassen sich lieber von Muttern Stullen schmieren,
03:27als dass sie das Geld unterwegs ausheben.
03:30Ist nicht mehr so wie früher mit dem Umsatz.
03:31Ich verstehe, genau wie bei uns.
03:34Na, darum bin ich auch so vorsichtig mit den Bestellungen.
03:37Na, was glaubst du denn, was wir in letzter Zeit weggeschmissen haben, Mensch?
03:41Kinder, ihr habt die freie Marktwirtschaft missverstanden.
03:44Wir brauchen Konsum.
03:46Keine Kunden, kein Konsum.
03:49Ihr müsst einfach mehr über die Unkosten wegdrücken.
03:52Na, du, ich mach das mit Rationalisierung.
03:55Also, ich dachte schon, das Papier wird knapp.
03:59Das ist doch alles kalter Kaffee.
04:00Da musst du ganz anders rangehen.
04:02Oma, du machst doch die Buletten, den Kartoffelsalat und Hallett selber, nicht?
04:07Da könnt ihr doch eure privaten Lebensmittelrechnungen gut bei wegquetschen.
04:11So was mach ich nicht.
04:12Ist mir zu riskant.
04:14Und solche Sachen kommen immer mal raus.
04:17Na, der nicht.
04:18Man kann den Leuten nicht zu ihrem Glück zwingen.
04:21Tschüss.
04:22Tschüss, Otto.
04:24Na, ich zahl dir mal.
04:27Übrigens, bei Unkosten wegquetschen,
04:30da fällt mir das Ding von der Würstchen, Bruder, am Kudamm.
04:34Der ist damit unheimlich auf die Schnauze geflogen.
04:37Ah ja?
04:37Was macht's denn?
04:394,80.
04:40Ja, der wollte ganz schlau sein.
04:41Der hat sich Rechnungen über 40.000 Pappteller geben lassen.
04:45Aber nach seinen Büchern hat er bloß 12.000 Portionen verkauft.
04:50Na und?
04:50Na ja, danke.
04:52Eines Tages ist dann einer vom Finanzamt mir gekommen und hat ganz doof nachgefragt,
04:57was der mit 40.000 Pappteller macht, wenn er bloß 10.000 oder beziehungsweise 12.000 braucht.
05:03Siehste, schon in der Falle.
05:05Und weiter?
05:06Na ja, er hat dann wohl gesagt, er nimmt die Pappdeckel doppelt wegen Durchfetten und so.
05:12Ja, aber da waren immerhin noch ein paar Tausend drüber.
05:15Ja, richtig. Und dass er die als Kohlenanzünder nimmt, das hat ihm auch keine abgenommen.
05:20Der hatte Zentralheizung.
05:23Ja, und dann hat er ein Steuerverfahren an den Hals gekriegt.
05:26Süßte. Und darum fange ich sowas gar nicht erst an.
05:29Ja, da hast du ganz recht.
05:31Jetzt, wo der Staat kein Geld hat, du, da passen sie ganz besonders auf.
05:34Meinst du?
05:35Wenn zu mir einer in die Taxe steigt und sagt, sie brauchen die Uhr meinetwegen nicht anzustellen,
05:40ich kenne den Preis für die Strecke, dann sage ich vielen Dank, Herr Oberfinanzinspektor.
05:44Ich kenne den Preis auch. Steuerverfahren.
05:49Steuerverfahren? Und du meinst, auf so eine linke Tour kriegen die einen?
05:53Das ist doch Quatsch, Willi. Das dürfen die ja nicht.
05:56Das ist Verführung zu einer Straftat im Amt.
05:59Also, Ausdrücke hast du drauf, Mädel.
06:02Was Juristensprache betrifft, da bist du ja Fachmann.
06:04Tschüss. Bis demnächst.
06:06Sehr komisch. Und wenn schon, bin ich Fachfrau.
06:10Alter Affe. Was kann ich denn dafür, dass mein Freund sitzt?
06:13Der meint das nicht so.
06:19Aber meine Herrschaften kommen sie hereinspaziert, ja? Aber nicht so drängeln.
06:26Oma Färber, das mit dem schlechten Geschäft.
06:30Ich meine, ich sehe das ja selbst.
06:32Und wenn ihr schon beim Rationalisieren seid, na, ich hätte Verständnis dafür, wenn er mich auch wegrationalisiert.
06:39Sag mal, spinnst du?
06:41Erstens brauchen wir dich.
06:42Und zweitens wollen wir den Großkonzern mal vormachen, wie man sparen kann, ohne Leute zu entlassen.
06:49Das geht denn als Färbermodell in die Geschichte ein?
06:53Das hat mir schon immer an euch gefallen, dass er auch mal an andere denkt.
06:57Ach Mensch, nehmen wir bloß den Heiljenschein vom Kopf, ja?
07:00So was drückt auf die Dauer.
07:02Na, meine Diätkekse, die schmecken dir wohl nicht, was?
07:05Doch, doch, heute.
07:07Wir sind ein bisschen trocken.
07:09Aber gesund.
07:11Was ist denn denn?
07:12Ein Luftbefeuchter.
07:15Trockene Luft ist ungesund.
07:18Ah ja.
07:19Sag mal, schwitzt du nicht?
07:20Ach nein, in diesen Altbauwohnungen, Mensch und das Kind, da zieht das doch.
07:24Da ist doch immer ein bisschen Zug, weißt du?
07:26Und außerdem, Paulchen lässt alle Fenster offen.
07:29Und die werden mir doch nicht seinetwegen eine Lungenentzündung holen.
07:32Aber du musst doch irgendwann mal an die frische Luft.
07:34Du kannst doch nicht immer hier in der Bude hocken.
07:36Frische Luft in der Stadt?
07:37Na, gehst du in den Wald.
07:40Saurer Regen.
07:41Ja.
07:42Mit dem Krümel auf dem Braunchen kriegst du ordentlich gesund.
07:44Dann trink mal einen Schluck.
07:45Ja, danke.
07:47Besser?
07:49Ja, danke schön.
07:50Du, weil du gerade stehst, ja?
07:51Hol mir doch mal bitte da die Schachtel mit den Vitamintabletten, ja?
07:55Die sind nämlich jetzt dran.
07:58Du, was ist ja?
08:00In der nächsten Woche, da gehen wir beide mal auf den Kudamm Kaffee trinken.
08:04Mensch, ins Café, was?
08:06Wo die ganzen Mutterbazillenschiffe sitzen.
08:09Nee, da kann ich ja den Tod holen.
08:10Na, sterben müssen wir doch alle.
08:13Weil?
08:14Na ja, ich meine, du kannst ja alles machen.
08:17Luft befeuchten, Vitamintabletten essen, aufpassen, dass du keinen Zug kriegst, Diätkrümel kannst du schlucken.
08:24Aber, hör mal, Oskar, wir beide sind doch nicht mehr die Jüngsten, ne?
08:29Na, und irgendwann, da werden sie uns mal mit den Füßen voran.
08:33Was ist du betragen?
08:35Ach, wie kannst du denn so was sagen, Gretel?
08:38Na, weißt du, was uns schnellstens umbringt?
08:41Na?
08:41Nicht der saure Regen, auch nicht die Grippe, sondern die Angst vorm Sterben.
08:47Ah, soll das etwa heißen, dass ich Angst habe vorm Sterben?
08:52Nicht?
08:53Ja.
08:55Wie hast du denn das rausgekriegt?
08:57Wundert dich das?
08:58Ja, weil ich's bis jetzt selbst nicht gewusst habe.
09:03Das wollen wir aber schnellstens ändern, auf dein Wohlausgang.
09:07Prost, Grete.
09:08Und da, Otto Krüger, mit seinem Formel-1-Turbo-Verlader, geht in die Kurve und jetzt volles Ohr in die Gegend gerade.
09:22Mitfahren!
09:23Du hast recht, Mädel. Wir wollen ja einen Mechaniker an Bord. Los, setz den Rind.
09:28Krüger ist kurz an die Boxen gefahren und hat Meister Plüsch, den besten Mechaniker von Färber-Rotti, an Bord genommen.
09:34Und schon setzt er die Fahrt weg. Da verliert Meister und macht eine volle Bauchlandung inmitten auf der Piste.
09:40Was ist denn das?
09:42Ein kleiner Renner. Hat Othilie mitgebracht.
09:45Aha, ein kleiner Renner.
09:48Ich würde sagen, du hast einen kleinen zu rennen, ja?
09:50Was soll denn Othilie mit sowas?
09:52Das siehst du doch. Sie spielt, man.
09:56Das ist doch nicht für Othilie.
09:58Wieso denn? Soll sie immer nur mit Puppen spielen? Wir durchbrechen hier mit traditionellen Rollen-Klischees.
10:05Wo hast du denn das her?
10:07Drittes Programm. Bildungsfernsehen. Könnte dir auch nichts schaden.
10:11Für dich hat es bisher noch gelangt, hm?
10:13Weiter, weiter, weiter, weiter, weiter, weiter, weiter, weiter, weiter.
10:17Peter, wenn du mal größer hast, kriegst du auch eine elektrische Eisenbahn.
10:20So. Ich würde sagen, du kriegst sie, nicht?
10:23Das elektrische Ding da, das hast du doch auch nur für dich gekauft.
10:26Tut es aber nicht nett von dir. Das ist eine richtige böse Unterstellung.
10:31Guck mal her, mein Mäuschen. Jetzt zeig mal Mama, dass du das hochkannst.
10:34Du weißt ja, da drauf. So und hier so. Nur los.
10:45Alle neun, jetzt haben wir ja was feines.
10:49Was liegt denn da unten am Bett?
10:51Na, ich nehme an, dein kleiner Renner. Mit einem großen Blechschaden, ne?
10:55Das darf doch nicht wahr sein.
10:57Was denn?
10:57Ach, ihr solltet hier mal hin und wieder sauber machen, ne?
11:01Apropos Rollenklischee. Du könntest auch mal sauber machen, ne?
11:06Ach, die suche ich schon seit drei Wochen, die Kelle.
11:08Die Wolle hat sie aus Omas Korb, ne?
11:11Und das Telefonbuch, das haben wir noch gar nicht vermisst.
11:13Ihr habt wohl keine Fekanten zwischen L und Z, ne?
11:16Mein Buch.
11:17Das ist Omas Buch, nicht? Das weißt du ja.
11:24Was willst du denn damit, was?
11:26Lesen.
11:27Lesen? Ne, ne, ne, ne.
11:29Ah, kicke mal hier.
11:30Kicke mal, der Plum sucht den Plüsch.
11:33Schau mal, leg dir sich ne Schatzkammer hier unter dem Bett an.
11:38Du bist ein richtiger Räuber, du Racker.
11:40Was die bloß immer an den Rechnungen findet, was?
11:43Wahrscheinlich wollte sie so prüfen.
11:46Naja, vielleicht jetzt mal zum Finanzamt.
11:49Ich sag's ja, ein richtiger Räuber.
11:52Du, Otto.
11:54Oma macht sich Sorgen, weil das Geschäft ein bisschen rückläufig ist.
11:58Rissig.
11:59Ich hab ja eh einen Tipp, wie sie dem Finanzamt noch ein paar Ausjahmen unterjubeln kann, aber sie will ja nicht.
12:05Naja, hat's doch recht. Wir machen keine krummen Sachen.
12:07Ach, doch mit krummen Sachen. Die Rosenheimis machen Millionen steuerfreien und ihr habt euch wegen ein paar Pimperlinge noch dazu, wo ihr sie wirklich braucht.
12:15Ja, vielleicht hast du recht, aber so was, das hat zu tun mit, mit...
12:20Nein, du sag bloß ne Moral.
12:23Das hat mal einer gesagt. Erst kommt das Fressen und dann ne Moral.
12:26Ist ja alles schön und gut, aber noch verhungern wir ja nicht.
12:29Trotzdem muss was geschehen.
12:31Die Situation legt sich Oma einfach aufs Gemüt.
12:35Na komm, du übertreib mal nicht.
12:37Ach, hör doch mal, was heißt denn hier übertreiben?
12:43Also, Grete, ich geh in ein Bestattungsgeschäft, ja, und sag, ich möchte einen Sarg.
12:49Und wenn der Verkäufer dann irgendetwas murmelt von so, sag mal, herziges Beileid und so, ja, dann sag ich, nee, nee, noch nicht nötig.
12:56Der Sarg ist ja für mich selber.
12:58Ach, Oskar, ist doch direkt makaber, du.
13:01Habt ihr eben gelacht?
13:13Seit wann lachst du?
13:15Seitdem er weiß, dass er nicht ewig lebt.
13:18Und das findest du komisch?
13:21Bis jetzt hat er es nicht gewusst.
13:23Was, du hast nicht gewusst, dass du mal sterben musst?
13:28Ja, aber doch, doch, hier hab ich's gewusst, ja.
13:33Nimm dir ein Gras und setz dich zu uns.
13:35Noch mal vier Bier.
13:36Es geht mich ja nicht an, aber wie ich sehe, stehen da eure Karren.
13:40Leute, unser Kakao ist einsame Spitze.
13:44Bisschen Bon, Schwester, dann gibt's hier hellbraune Scheußigkeiten.
13:47Jut.
13:48Bitte?
13:51Ist das nicht ein bisschen mühsam?
13:53Was?
13:54Das mit dem Pergamentpapier.
13:55Wieso?
13:56Pappteller, wären da bequemer.
13:58Die kann man einfach wegschmeißen.
14:00Zu teuer.
14:01Wie ich sehe, geht ihr Laden doch blendend.
14:03Na ja, ging schon mal besser.
14:05Wie ich sehe, zerschneiden sie einen Pergamentbogen in vier kleine.
14:09Na, die Arbeit haben sie auch noch.
14:10Na und?
14:11Wie ich das so sehe.
14:12Was sie so alles sehen.
14:14Doch, Paulchen.
14:16Na, wie jetzt?
14:17Schlecht.
14:18Oh.
14:18Gar nicht gut.
14:19Oh, ich denke, Oskar hat sich ganz verändert.
14:22Ja, aber wie?
14:24Paulchen, willst du ein Bier wie immer?
14:26Nee, nee, Milch.
14:28Was meinst du denn mit aber wie?
14:30Seit Oma Fomona da war und ihm das mit dem Sterben klar geworden ist, da macht er nur noch Blödsinn.
14:37Was denn für Blödsinn?
14:39Der macht auf dritten Frühling.
14:42Hat er eine Freundin?
14:44Na, das ginge ja noch.
14:48Was schreiben Sie denn da? Wollen Sie unseren Laden kaufen?
14:51Nein.
14:51Im Gegenteil.
14:53Was schulde ich Ihnen?
14:543,50.
14:56Einerseits kauft er sich einen Sarg und eine Grabstelle, andererseits macht er einen Dauerlauf und einen Grunewaldsee rum.
15:02Na, ist doch gut, wenn er sich bewegt.
15:04Der ruiniert fertig.
15:06Lange halte ich das nicht mehr aus.
15:09Danke.
15:10Also, ich komme dann mal wieder vorbei.
15:12Aha.
15:13Bis dann.
15:15Weißt du, was er jetzt vorhat?
15:17Der will sich ein Rennrad kaufen.
15:19Einen Jugendtraum.
15:21Quatsch.
15:22Der will dich doch bloß ärgern.
15:23Nee, der meint es ernst.
15:30Sag mal, wie siehst du denn aus?
15:32Das ist mein Sportdress.
15:36Du machst es nicht so spannend.
15:38Ich bin eilig.
15:39Ja, ja, komm.
15:44Tag.
15:46Ja.
15:50Hier, das ist es.
15:52Was?
15:54Ja, mein Rennrad.
15:55Was hast du eben gesagt?
15:57Das ist dein Rennrad?
15:59Ja, ja, ja.
16:00Du könntest auch mal den Mülleimer runtertragen.
16:04Jetzt flippt er gleich aus.
16:06So.
16:07Du reicht's mir.
16:09Ich gehe.
16:10Ich ziehe mich in den Bayerischen Wald zurück.
16:12Da kannst du sehen, wie du ohne mich fertig wirst.
16:18Mensch, so ein oller Nörgler.
16:20Was ist denn nun schon dabei?
16:21Seit meiner Jugend habe ich mir ein Rennrad gewünscht.
16:24Und jetzt habe ich mir endlich meinen Traum erfüllt.
16:26Man wird doch wohl doch Wünsche äußern dürfen, bevor man abkratzt.
16:29Ja, Oskar, ich bin aber so...
16:30Ja, aber nun pass mal auf, das ist aus Aluminium.
16:32Das hält ewig.
16:33Ja, das Erdmahl-Ortille habe ich alles im Testament schon festgelegt.
16:36Und mit dem Ding willst du fahren?
16:39Na ja, na, aber denkst du denn, ich will das schieben?
16:41Aber du, du hast dein Testament gemacht, ja?
16:44Na, Logo.
16:45Na, dann ist ja gut.
16:47Du, Oskar, ich glaube, du hast ja etwas absolut missverstanden.
16:51Tschüss, ja?
16:52Tschüss.
16:53Was hast du denn?
17:04Ich mache mir Sorgen wegen Oskar.
17:06Ich habe da was angeleiert, was ich so nicht gemeint habe.
17:093,50 war doch schon, oder?
17:11Ja.
17:12So, bitte.
17:13Danke.
17:14Also, die Pargamentbögen aus 1 macht 4, ich weiß ja nicht,
17:19da müssen Sie ja auch ständig die Teller abwaschen.
17:22Na, Sie waschen Sie doch nicht ab.
17:24Nein, nein, da haben Sie recht.
17:25Ich meine ja auch nur so, man kann sowas ja trotzdem mal überlegen.
17:29Also, Wiedersehen.
17:32Wiedersehen.
17:32Wiedersehen.
17:35Na, was ist denn?
17:36Warum motzt du den?
17:37Nee, ist nicht.
17:39Der war jetzt schon dreimal da und jedes Mal macht er so komische Bemerkungen
17:42über unsere Bögen auf dem Teller.
17:45Soll ich euch mal was sagen?
17:47Der ist von der Steuerfahndung.
17:48Was?
17:49Ja, das ist genau wie das Ding mit den Papptellern.
17:52Ihr habt doch sicher in euren Büchern Rechnungen über euer Pergamentpapier.
17:57Jetzt rechnet der so.
17:58Auf einen Viertelbogen kommt eine Portion.
18:01Jetzt braucht der nur euer Pergamentpapier durch vier zu teilen
18:04und dann hat er die Portion raus, die ihr verkauft.
18:07Aber das stimmt doch ja nicht.
18:09Wir machen das aus Rationalisierungsgründen so circa erst seit sechs Wochen, nicht?
18:14Das kann ja jeder sagen.
18:15Das müsst ihr erst mal beweisen.
18:17Ja, aber wir haben doch Zeugen.
18:19Na, dich zum Beispiel.
18:21Du wirst doch ganz genau, dass wir immer halbe Bögen auf den Teller gelegt haben.
18:25Mir loben sie nicht.
18:26Ich bin doch fast verwandt oder verschwärgert mit euch.
18:30Ach, du spinnst ja.
18:31Nee, ehrlich.
18:32Wenn die einen auf dem Kieker haben, dann greifen die ganz schlagartig zu.
18:37Und wenn ihr dann weniger angegeben habt, als die ausrechnen, dann seid ihr fällig.
18:42Steuerhinterziehung.
18:42Ach, Kind.
18:48Mutter.
18:50Was machst du denn da mitten in der Nacht?
18:51Du sag mal, glaubst du, dass die vom Finanzamt heimliche Hausdurchsuchungen machen?
18:57Und Unterlagen beschlagen haben?
18:59Wovon redest du überhaupt?
19:01Also pass mal auf.
19:02Die Rechnungen vom Pergamentpapier, die waren hier drin.
19:05Ja, und?
19:06Jetzt sind sie weg.
19:08Wofür brauchst du die denn nachts um halb zwei?
19:10Nee, äh, weißt du, was der Willi da gesülst hat, das lässt mir keine Ruhe.
19:15Und nun wollte ich mal ausrechnen, was da rauskommt, wenn die wirklich denken,
19:20das auf einen Bogen Pergament vier Portionen kommen.
19:25Na ja, jetzt sind die Rechnungen weg.
19:27Ach, du pass mal auf.
19:28Jetzt gehst du erst mal schlafen, ja?
19:30Wir reden morgen drüber, hm?
19:32Ja, aber ab morgen, da kommt wieder ein halber Bogen auf den Teller.
19:37Und was machen wir mit den Kleinen?
19:39Ja, das schmeißen wir weg.
19:42Du und deine Rationalisierung.
19:45Eine Currywurst, scharf, bitteschön.
19:48Danke.
19:48Danke.
19:53Ich jetzt ganz ruhig bleibe.
19:55Ein Scharf schlägt wie immer.
19:59Ich sehe, ich bin bestens eingeführt.
20:03So, bitte.
20:04Ach nee.
20:05Was?
20:06Sie nehmen jetzt Teilbezirgen.
20:07Ja, eigentlich schon immer.
20:08Wissen Sie, das mit den Schnipsel, das war nur vorübergehend.
20:11Ganz kurz, können Sie vergessen.
20:13Scharf?
20:14Ja, na ja, das macht dir die Sache auch nicht besser.
20:17Gestatten Sie, dass ich mich endlich einmal vorstelle,
20:19ich besuche alle Imbissstände in diesem Bezirk.
20:22Ich komme von der Firma Görwenich & Söhne.
20:26Görwenich & Söhne seit 1910.
20:30Sehen Sie mal, das mit dem Pergamentpapier ist ja ganz gut und schön,
20:32aber es subbt ja doch fast immer durch.
20:34Und hier möchte ich Ihnen ein besonders günstiges Angebot
20:37für unsere Pappteller machen.
20:40Hygienisch, praktisch, arbeitssparend.
20:44Was sagen Sie dazu?
20:45Ja, also Pappteller können wir im Moment nicht gebrauchen, ne?
20:49Ach, Sie brauchen gar keine Pappteller.
20:52Ja, dann, und für den Fall, dass Sie vielleicht doch?
20:57Ja, aber zu dem Scharschlick sind Sie selbstverständlich eingeladen.
21:02Dankeschön.
21:06Eigentlich sieht der auch ja nicht aus wie einer von der Steuer.
21:09Ja, aber der willi, ja, wenn der...
21:12Na Gottchen, ne?
21:14Was ist mit Ottilie?
21:15Otto ist bei ihr.
21:16Na, da ist ja wenigstens einmal pünktlich gewesen.
21:19Was hast du denn?
21:19Ein Anruf.
21:23Oskar.
21:24Was?
21:26Oskar?
21:28Ja.
21:29Muss ja mal so kommen.
21:31Ein bisschen plötzlich ist doch...
21:33Ich hatte Angst und er stirbt einfach und noch dazu in der Fremde.
21:49Und meine Schuld ist das.
21:50Die Koffer.
21:54Tut mir leid, Rete.
21:55Na, wisst du, eigentlich wollte ich mit dir ja kein Wort mehr sprechen, aber lassen wir das, ne?
22:00Gibt Wichtigeres, ja.
22:02Kinder, ich wollte euch bloß schnell auf Wiedersehen sagen.
22:04Und ich stehe da oben im Halteverbot dann.
22:07Ja.
22:08Also, gute Reise, ne?
22:11Und Grüßchen, wa?
22:14Ach so, entschuldigt.
22:16Ach Mensch, manchmal reden wir auch eine Scheiße.
22:18Was hast du denn da überhaupt?
22:19Ach, nicht so wichtig.
22:21Jetzt sind die Rechnungen vom Pergamentpapier.
22:24Wo waren denn die?
22:26Na, wo schon?
22:27Unter Ottiliesbette.
22:28Untertitelung des ZDF für funk, 2017