00:01Eine Millionenstadt wie Barcelona im Dunkeln.
00:04Reisende, die nicht weiterkommen, weil Züge auch mit Strom fahren.
00:08Eine Nacht auf dem harten Fliesenboden.
00:11Es war nur ein Tag, Stunden später war die Normalität zurück.
00:14Doch schnell kam die Frage auf, wie konnte das passieren?
00:17Es hieß, die Solarenergie sei daran schuld, sie sei plötzlich ausgefallen.
00:21Genau zu der Zeit, als die Sonne am stärksten schien.
00:26Die Solarkraftwerke reagierten wie geplant.
00:29Entsprechend der Netzkodes, als eine Störung auftrat,
00:32die den Stromausfall verursachte, scheiterten sie sich ab.
00:35Ihre Schutzvorrichtungen wurden geschlossen, wie geplant.
00:38Sie haben funktioniert, wie sie sollten.
00:46Wer war dann schuld? Großes Schweigen.
00:49Verantwortung will keiner übernehmen.
00:51Die Stromversorger genauso wenig wie der Netzbetreiber Redelektrica.
00:54Der also, der dafür verantwortlich ist,
00:57dass Angebot und Nachfrage sowie Stromspannung in Spanien immer genau passen.
01:02Experten gehen davon aus, dass die Ursache kompliziert sein muss.
01:08Die Netze sind so ausgelegt, dass es zu Ausfällen kommen kann.
01:12Wenn also, obwohl sie dafür ausgelegt sind, das Netz ausgefallen ist,
01:16liegt es daran, dass mehr als eine Sache ausfallen musste.
01:20Ich meine, im November gab es zum Beispiel zwei herkömmliche Anlagen,
01:24die sehr schnell nacheinander innerhalb kürzester Zeit ausgefallen sind.
01:28Und das Netz hat gehalten.
01:29Und das waren zwei große Anlagen.
01:32Wenn es also jetzt zu einem Stromausfall gekommen ist,
01:34dann deshalb, weil es eine Kombination aus vielen verschiedenen Faktoren gegeben haben muss.
01:40Wo also, auf dem Weg von der Stromerzeugung zum Verbrauch, versagte etwas.
01:44Am 17. Juni, also gut sechs Wochen nach dem Stromausfall,
01:49legte die zuständige Ministerin in Madrid erste Ergebnisse einer Untersuchung vor.
01:55Es gab verschiedene Faktoren, die zum Totalausfall führten.
02:00Wir haben Hinweise darauf, dass es zu wenig Kapazität gab, um die Spannung zu kontrollieren.
02:05Aus verschiedenen Gründen.
02:06Zum einen schlechte Planung, aber auch, dass die Betreiber nicht nach der Norm handelten.
02:11Das wäre menschliches Versagen, sowohl bei den Produzenten als auch bei den Verantwortlichen des Netzes.
02:24Diese Aufarbeitung läuft noch.
02:26Für Experten ist aber das Netz selbst in Spanien ein Problem.
02:32Die Netzinvestitionen in Spanien liegen unter denen aller europäischen Partner,
02:37egal wie man misst, pro Kilometer pro Nutzer und so weiter.
02:41Der Stromausfall hat gezeigt, dass Leitungen und Steuerungen des Systems verbessert werden müssen.
02:47Die Ministerin kündigte aber auch an, die noch immer wenigen Stromverbindungen nach Frankreich zu erweitern.
02:53Die falsche Priorität, meint der Experte.
02:55Mit einem größeren Verbund hätte Spanien auf mehr französische oder mitteleuropäische Ressourcen setzen können, ja.
03:03Aber es scheint mir schneller und billiger zu sein, insbesondere für die Taschen der Steuerzahler,
03:07zum Beispiel auf die Speicherung mit Batterien zu setzen, die billiger und schneller zu haben sind, als die Verbindung nach Frankreich.
03:17Spanien ist ein Vorreiter bei sauberen Energien.
03:20Doch der Staat hat das Potenzial von Sonne und Wind und die Rolle der Batterien bei der Netzstabilisierung bislang vernachlässigt.
03:29Denn noch können nur Atom- und Gaskraftwerke dafür sorgen, dass die Spannung passt.
03:34Und davon standen am Tag des Blackouts nicht alle bereit.
03:37Jetzt hat die Regierung vor, die Regeln der Realität anzupassen.
03:40Dass alle Anlagen der erneuerbaren Energien dafür sorgen sollen, die Spannung zu regulieren,
03:48verbessert nicht nur die Kapazitäten in ganz Spanien, denn wir gehen von ein paar hundert Anlagen auf tausende,
03:54sondern auch die Kosten für die Verbraucher werden geringer sein.
04:00Als das spanische Netz wieder hochgefahren wurde, hatte dieses Wasserkraftwerk im Hinterland Valenciais eine führende Rolle.
04:07Vor allem deshalb, weil es über ein Pumpspeicherbecken verfügt, also wie eine große Batterie wirkt.
04:14Nach Meinung von Experten sollte Spanien noch mehr auf diese Kraftwerke setzen.
04:18Der massive Stromausfall mit all seinen Folgen hat Schwachstellen offenbart.
04:23Der Regierung muss es nun gelingen, die Kontrolle und Regulierung anzupassen, damit Spanien nicht noch einmal stillsteht.
04:30Es geht dabei auch viel um Vertrauen in eine zuverlässige Energieversorgung der Haushalte
04:36und Unternehmen.
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