00:00Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, hoffentlich ist endlich Weihnachten,
00:04habe ich letzte Woche noch viele Sagen hören, in Vorfreude auf den heiligen
00:10Abend und mit der Erwartung auf ein bisschen Ruhe und Entspannung.
00:14Inzwischen haben Sie wahrscheinlich das Schöne, das seit jeher zum Weihnachtsfest
00:19gehört, schon miteinander geteilt. Die guten Wünsche, die Bescherung, das
00:25besondere Essen, manche haben vielleicht einen Gottesdienst besucht,
00:29Weihnachtslieder gesungen oder sich einfach darüber gefreut, zusammen zu
00:35sein. Frohe Weihnachten wünschen wir uns
00:39gegenseitig in diesen Tagen, aber über diesem Weihnachtsfest liegt auch ein
00:44dunkler Schatten. Trauer, Schmerz, Entsetzen, Fassungslosigkeit über das,
00:51was wenige Tage vor Weihnachten in Magdeburg geschehen ist.
00:55All das habe ich beim Gedenkgottesdienst am Samstagabend mit den Trauernden dort
01:01gespürt. Unsere Gedanken, unser tiefes Mitgefühl gelten heute den Angehörigen
01:07und Freunden der Menschen, die der Täter auf so grausame Weise getötet hat.
01:13Wir können nur erahnen, was sie durchmachen,
01:17welche Qualen sie erleiden. Nichts mehr ist in ihrem Leben wie zuvor. Ihre Pläne,
01:24Wünsche, Hoffnungen, ihr Lebensglück zerstört.
01:30Liebe Angehörige, die sie einen lieben Menschen verloren haben,
01:34ich weiß, in den vielen gut gemeinten Worten, die an sie gerichtet werden,
01:40können sie keinen Trost finden. Aber ich möchte ihnen heute sagen, sie sind mit
01:45ihrem Schmerz nicht allein. Die Menschen überall in unserem Land fühlen und
01:51trauern mit ihnen. Unsere Gedanken sind heute auch bei den Verletzten und
01:57Schwerverletzten. Von Herzen wünsche ich allen hoffentlich rasche Genesung und
02:03danken möchte ich auch allen, die am Abend des Anschlags und in den Tagen
02:07danach vor Ort Hilfe geleistet und Trost gespendet haben und dies auch jetzt in
02:13den Weihnachtstagen tun. Ich danke ihnen, den Polizisten und
02:17Feuerwehrleuten, Sanitätern und Ärztinnen, den Seelsorgern und allen,
02:22die mitgeholfen haben. Ich danke ihnen im Namen unseres ganzen Landes.
02:28Vielen wird das Herz schwer sein an diesem Weihnachtsfest. Viele werden
02:33aufgewühlt, verunsichert sein, vielleicht auch Angst haben.
02:37All diese Gefühle sind verständlich, aber sie dürfen uns nicht beherrschen
02:44und sie dürfen uns nicht lähmen. Mein inständiger Wunsch ist heute, lassen
02:49wir das nicht zu. Hass und Gewalt dürfen nicht das letzte Wort haben,
02:55lassen wir uns nicht auseinander treiben, stehen wir zusammen. Zusammenhalt, wenn es
03:02darauf ankommt, das ist es doch, was unser Land ausmacht und zeigen wir das
03:08gerade jetzt. Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, zu
03:13Weihnachten gehört, dass man auch die trifft, denen man nicht täglich begegnet,
03:18den Verwandten, die entfernt da wohnen, Freunden von früher, Nachbarn und es
03:26gehört zu diesen Tagen auch, dass man einander erzählt, wie es jedem im
03:30vergangenen Jahr ergangen ist. Da wird an erster Stelle stehen, was in der
03:35Familie geschehen ist, im Freundeskreis, im Beruf, im Verein, in der Gemeinde. Aber
03:43auch vieles darüber hinaus wird bei Ihnen Gesprächsthema sein, was in unserem
03:48Land und was in der Welt geschieht und was das für uns bedeutet.
03:52Ich kann mir vorstellen, dass da vieles ist, was Ihnen auch Sorgen bereitet,
03:58große Sorgen sogar und mir geht es genauso. Immer noch Krieg in der Ukraine,
04:03im Nahen Osten, an viel zu vielen Orten in der Welt und bei uns in unserem
04:10eigenen Land viel Unzufriedenheit über Politik, Wirtschaft, über Bürokratie, über
04:18Ungerechtigkeiten. Der Ton in unserem Land ist im Alltag rauer geworden, zuweilen
04:25sogar unversöhnlich. Es gibt viele Herausforderungen, denen wir uns stellen
04:30müssen. Wir können sie nicht umtauschen wie
04:33Geschenke, die uns nicht gefallen. Wir müssen offen aussprechen, was schlecht
04:38läuft, was in unserem Land nicht so funktioniert, wie es funktionieren
04:43könnte und sollte und vor allem, was dringend getan werden muss.
04:48Was kann uns, werden Sie gerade in diesen Tagen fragen, was kann uns Hoffnung geben?
04:53Wie können wir diese Herausforderungen bestehen?
04:58Ich bin überzeugt, es sind vor allem wir selbst und unsere Stärken, mit denen wir
05:04schon in der Vergangenheit große Aufgaben und Krisen gemeinsam gemeistert
05:09haben. Gemeinsinn und Tatkraft, Ideen, Reichtum und Fleiß, Mut und Ehrgeiz,
05:17nicht zuletzt Vertrauen in uns selbst. All das ist doch bei uns nicht verloren
05:23gegangen, all das ist doch lebendig, all dem begegne ich ja fast täglich und ich
05:28bin überzeugt, all das wird uns Wege in die Zukunft immer wieder neu öffnen und
05:35gerade den jungen Menschen will ich sagen, ihr werdet gebraucht, an vielen
05:40Stellen geradezu Händeringen gesucht und deshalb sage ich auch den Eltern und
05:45Großeltern, die sich um ihre Kinder und Enkel Sorgen machen, die jungen Menschen
05:50können, ich bin überzeugt, sie werden ihren Weg gehen.
05:55Genauso bin ich überzeugt, unsere Demokratie ist und bleibt stark. 75 Jahre
06:02hat sich das Grundgesetz jetzt bewährt, 34 Jahre auch in unserem wiedervereinten
06:08Land. Diese kluge Verfassung wird uns auch in Zukunft tragen und auch wenn
06:14jetzt eine Regierung vorzeitig an ihr Ende gekommen ist, ist das nicht das Ende
06:20der Welt, sondern ein Fall für den dieses Grundgesetz Vorsorge getroffen
06:25hat. Die Entscheidung über die Auflösung des Bundestages und über Neuwahlen
06:30werde ich mit Sorgfalt nach den Weihnachtstagen treffen. Und Zuversicht
06:38geben mir auch die vielen, die ich überall in unserem Land treffe, die
06:42einfach tun, was sie als ihre Aufgabe begreifen und als gar nichts Besonderes
06:47ansehen. Diejenigen, die den Sportverein, den Chor, den Jugendtreff, die Landfrauen
06:53oder die Pfadfinder mit Energie und Optimismus am Laufen halten, die dem Kind,
06:59der alleinstehende Nachbarin bei den Hausaufgaben helfen, die Einsame im
07:04Krankenhaus und im Hospiz besuchen, die, die sich freiwillig in der Feuerwehr
07:09engagieren. All diese wunderbaren Menschen, die an mehr denken als nur an
07:14sich selbst. All die leisten Großartiges und sie
07:19geben unserem Land Wärme und ein freundliches Gesicht.
07:24Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, Feste wie Weihnachten schenken uns ein wenig
07:31Abstand von unserem Alltag. Nutzen wir diese Unterbrechung, um
07:37lebendig zu halten, was uns verbindet. Unsere Familie, unsere Freundschaften, all
07:44die Beziehungen, die uns Kraft geben und in denen wir selber so viel Gutes
07:49bewirken können. Weihnachten erinnert uns, wir leben nicht
07:54nur von dem, was wir selber machen und bewirken können.
07:58Wir leben oft noch mehr von dem, was wir geschenkt bekommen.
08:03Wir leben auch von manchem Guten, das uns unverhofft begegnet und von dem Glück,
08:09dass andere uns bereiten. Das kann uns innere Kraft geben, jedem
08:16Einzelnen und uns allen gemeinsam. Und das kann uns für manches auch wieder ein
08:22bisschen dankbarer machen. In diesem Sinne wünschen meine Frau und
08:27ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest.
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