00:00Sehr geehrte Damen und Herren, danke, dass Sie zu dieser sehr kurzfristig einberaumten
00:11Pressekonferenz gekommen sind, sehr kurzfristig anberaumt, weil es eine entscheidende Entwicklung
00:18in der Causa Doppelmord in Rohrbach gibt.
00:22Heute Mittag wurde die Leiche des gesuchten Roland Drechsler gefunden.
00:29Die Umstände deuten darauf hin, dass er Suizid begangen hat.
00:35Auch wenn drei Tote zu beklagen sind, erlauben Sie mir die Bemerkung, dass ich persönlich
00:41trotzdem Erleichterung verspüre, dass dieser extreme Einsatz, den wir seit Montag hier
00:47abwickeln mussten, damit aus dieser Phase in eine andere Phase übergeht.
00:53Ich bin jetzt, wenn mir diese persönliche Bemerkung erlaubt ist, seit 41 Jahren bei
00:58der Polizeieinnahme noch nichts Vergleichbares erlebt.
01:02Wir möchten uns als Landespolizeidirektion ganz besonders bei der Bevölkerung bedanken,
01:09die mit mehr als 400 Hinweisen uns versorgt hat, aber auch, dass die Bevölkerung bis
01:15zuletzt Verständnis dafür hatte, dass unser gewaltiger Polizeieinsatz natürlich zu massiven
01:21Einschränkungen in ihren Alltag geführt hat.
01:24Ich möchte mich auch ausdrücklich bei allen Organisationen bedanken, mit denen wir zusammengearbeitet
01:30haben, mit Herrn Bezirkshauptmann, mit den Bürgermeistern der Jägerschaft, die Feuerwehr
01:36und auch das Bundesheer haben uns unterstützt.
01:38Aber erlauben Sie mir, dass mein besonderer und allergrößter Dank an die eingesetzten
01:45Kräfte geht, die schier Unglaubliches vor Ort geleistet haben.
01:50Wir mussten, und die Zeugenaussagen haben das immer wieder vor Augen geführt, davon
01:55ausgehen, dass der bewaffnete Täter sich nicht festnehmen lässt und im Fall des Falles
02:00von der Schusswaffe Gebrauch machen wird.
02:03Wir mussten daher alle Aktionen mit sehr großem Augenmerk auf die Eigensicherung durchführen.
02:10Und was die Kolleginnen und Kollegen, die immerhin täglich um die 250 waren im Bezirk
02:16Rohrbach und den Einsatz ihres Lebens geleistet haben, war sicher etwas völlig Außergewöhnliches.
02:22Die Kräfte sind nicht aus dem Bezirk gekommen, sondern auch aus anderen Bezirken und auch
02:28aus allen anderen Bundesländern wurden wir unterstützt.
02:31Es waren regionale Kräfte, genauso im Einsatz wie Sondereinheiten, eben ECOCOBRA, das Einsatzkommando
02:38COBRA, unsere schnellen Interventionsgruppen, unsere Siegstreifen, Observation, Sie haben
02:43gesehen, Hubschrauberpiloten, Drohnenpiloten, Observationsfahrzeuge und so weiter, aber
02:49auch sehr viele Kriminalbeamte, die im Einsatz waren.
02:53Ich darf das Wort übergeben an die Herren, an die drei Herren, mit denen ich die Ehre
03:00hatte, in den letzten drei Tagen den Einsatzstab hier in Linz angehören zu dürfen.
03:05Neben mir der Einsatzkommandant für den gesamten Einsatz, er ist der Chef unserer Einsatzabteilung
03:11hier bei der Landespolizeidirektion Oberösterreich, der Herr Oberst Markus Vorderderfler, neben
03:17ihm der Leiter des Einsatzkommandos COBRA hier in Linz, Herr Oberstleutnant Andreas Feilmeier
03:26und Sie können sich vorstellen, dass zwar vor Ort unsere Verhandlung mit den vielen
03:31Kräften, die wir eingesetzt haben, für das meiste Aufsehen gesorgt hat, aber seit Montag
03:37Vormittag gibt es eine Ermittlungsgruppe im Landeskriminalamt und ich darf daher zuletzt
03:43dann auch das Wort dem Herrn Brigadier Gottfried Mitterlehner, dem Leiter unseres Landeskriminalamts,
03:49übergeben.
03:50Dankeschön.
03:51Kurz zur Einsatzchronologie der letzten Woche.
04:01Wie Sie alle wissen, es hat am Montag gegen 8.30 Uhr einen Notruf gegeben, wonach eben
04:08eine Person im Gemeindegebiet von Altenfelden offensichtlich auf offener Straße erschossen
04:17worden ist.
04:19Es sind dann die routinemäßigen Sofortmaßnahmen der Polizei angelaufen.
04:23Das umfasst im Wesentlichen eine örtliche Intensivverhandlung mit den eben zur Verfügung
04:32stehenden Polizeistreifen, aber es hat natürlich auch eine Alarmverhandlung, eine sogenannte
04:39Alarmverhandlung gegeben.
04:40Das ist eine Ringverhandlung in einem größeren Umkreis und darüber hinaus natürlich haben
04:46sich diese Aktivitäten auch bis außerhalb des Bundesgebietes erstreckt.
04:52Wir haben die Grenzdienststellen benachrichtigt, wir haben die benachbarten Polizeiorganisationen
04:59verständigt und wir haben natürlich, wie schon erwähnt, zahlreiche Sondereinsatzmittel
05:04in die Nähe des Tatwirtes gebracht, um hier einen schnellen Verhandlungserfolg zu haben.
05:08Das hat vorerst nicht zum Erfolg geführt.
05:13Wir haben dann eineinhalb Stunden später das zweite Mordopfer zu beklagen gehabt.
05:20Diese Verhandlungsmaßnahmen sind dann intensiviert worden, sind verlagert worden, wie gesagt
05:27mit vielen Sondereinsatzkräften vor Ort.
05:31Was wir zu diesem Zeitpunkt zusätzlich etabliert haben, ist hier im Haus eine verstärkte Führungsstruktur,
05:40ist auch schon angesprochen worden.
05:42Wir haben einen Einsatzstab in der Landespolizeidirektion Oberösterreich eingerichtet und aus diesem
05:48Einsatzstab hat eben die ganze vergangene Woche die Koordination des gegenständlichen
05:56Einsatzes stattgefunden.
05:57Natürlich auch eine entsprechend ausgeprägte Führung vor Ort, um eben die Detailmaßnahmen
06:05zu koordinieren.
06:06Sie müssen sich vorstellen, ist schon erwähnt worden, aber ich möchte das nochmal betonen,
06:12es sind in dieser Woche über 400 Hinweise eingegangen.
06:17Wir haben natürlich jeden dieser Hinweise zu 100% abgearbeitet.
06:25Das ist ein sehr, sehr großer Aufwand, aber es war mehr oder weniger das Einzige an das,
06:34was man sich klammern konnte.
06:36Wir haben natürlich auch aus der Ermittlungsschiene, auf die dann später noch näher eingegangen
06:43wird, entsprechend Hinweise bekommen und haben einmal dieses Fahndungsgebiet entsprechend
06:48eingeschränkt im Bereich Altenfelden in drei sehr große Sektoren und da war eben der Schwerpunkt
06:59auf den beiden Jagdrevieren, die eben zum Täter gehört haben und einen Fahndungsbereich
07:08im Süden entlang der Donau.
07:11Da haben wir uns erhofft, dass wir das Fahrzeug finden.
07:15Wir haben dann nebenbei noch natürlich uns kümmern müssen um die offensichtlich gefährdeten
07:24Personen.
07:26Das ist natürlich auch mit einem entsprechenden Aufwand verbunden und wir haben Bezugspunkte
07:30abgesichert.
07:31Das heißt, das sind Örtlichkeiten, wo wir annehmen konnten, dass der Täter eventuell
07:38zurückkehrt.
07:42Es hat dann gestern in den frühen Morgenstunden den entscheidenden Hinweis gegeben, dass das
07:50Fahrzeug in einen Waldstück bei Anreit abgestellt ist.
07:55Das hat sich dann auch bestätigt.
08:00Wir müssen davon ausgehen, dass dieses Fahrzeug in den späten Abendstunden am Tag davor oder
08:09in der Nacht erst dort mehr oder weniger positioniert wurde.
08:15Das begründen wir darin, dass es einen entsprechenden Hinweis gibt, wonach in den späten Abendstunden
08:22in dieses Waldstück ein Fahrzeug hineingefahren sei.
08:26Und zweitens bestätigen das unsere eigenen Kräfte, die eben diesen Weg, wo das Fahrzeug
08:34gestanden ist, im sehr tiefen Wald, die diesen Weg abgefahren sind und das Fahrzeug in den
08:42vergangenen Tagen noch nicht dort stand.
08:45Das ist das, was wir zum jetzigen Zeitpunkt sagen können.
08:51Wir haben dann die Suche auf ein Waldstück, auf ein sehr großes Waldstück im Gemeindegebiet
08:58von Anreit ausgedehnt, beziehungsweise dort intensiviert.
09:04Diese intensive Suche hat gestern am Vormittag begonnen, hat den ganzen Tag hindurch gedauert,
09:17ist fortgesetzt worden in den Nachtstunden.
09:20Das ist auch eine sehr intensive Angelegenheit.
09:23Wir haben da alles an Technik verwendet, die uns zur Verfügung gestanden ist, um hier über
09:31die Nachtstunden sozusagen drüber zu kommen.
09:34Und wie Sie alle wissen, heute um die Mittagszeit haben eben diese intensiven Fahndungsmaßnahmen
09:46vor Ort den Erfolg gebracht und wir haben eben die gesuchte Person leblos auffinden
09:54können.
09:55Diese Erfindung ist erfolgt durch eine Streife der schnellen Interventionsgruppe Oberösterreich
10:02in Zusammenwirken mit dem Einsatzkommando Kobra und der Einsatzeinheit Oberösterreich.
10:06Danke.
10:07Ja, es war auch für das Einsatzkommando Kobra ein herausragender Einsatz.
10:17Wir haben ungefähr 50 Interventions- und Observationskollegen im Einsatz gehabt und
10:21Kolleginnen und Kollegen, das Fokus war auf den Eigenschutz gerichtet.
10:26Wir sind von einem brandgefährlichen Gegenüber ausgegangen, der im Fall einer Konfrontation
10:31auch auf uns schießen wird, deshalb haben wir auch alles an Ausrüstung aufgewendet
10:36und eingesetzt.
10:37Das heißt, gepanzerte Fahrzeuge, aber auch Aufklärungs- und Einsatztechnik an sich.
10:43Es waren Spezialverwendungen im Einsatz aus anderen Bundesländern, wie zum Beispiel die
10:47Einsatztaucher.
10:48Wir haben überhaupt geschaut natürlich, dass entsprechend Reserven auch vorhanden sind.
10:53Das heißt, wir haben auch von anderen Bundesländern die Kobra-Kräfte angefordert und die waren
10:59auf Stand-by, weil wir eben davon ausgehen mussten, dass unter Umständen dieser Einsatz
11:03länger dauert.
11:04Glücklicherweise, unter Anführungszeichen, natürlich haben wir drei Tote zu beklagen,
11:08das ist bei uns gesagt worden, aber trotzdem ein günstiger Ausgang aus unserer Sicht jetzt
11:13ist es so ausgegangen und ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich auch bei allen
11:17Kollegen bedanken für diesen Einsatz, der wirklich sehr viel Risiko in sich geboren
11:23hat und wo wir wirklich auch immer wieder entsprechend uns exponieren haben müssen
11:28und tatsächlich auch mit Risiko und mit einem Gegenüber zu rechnen gehabt haben, was gefährlich
11:34ist.
11:35Ich darf vielleicht ein paar zusätzliche Informationen zur heutigen Auffindung der
11:47Leiche geben.
11:50Roland Drexler wurde mittlerweile mittels Fingerabdruck identifiziert, also die Leiche
11:56steht eindeutig fest.
11:58Mittlerweile wurde von der Staatsanwaltschaft Linz bereits die Obduktion angeordnet.
12:05Die Obduktion des Leichnams wird am kommenden Montag von der Gerichtsmedizin Salzburger
12:11vorgenommen werden.
12:13Ganz generell möchte ich mich für die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft
12:17Linz in den letzten Tagen ganz, ganz herzlich bedanken.
12:21Wir haben alles sofort bekommen, was wir für die Ermittlungen brauchten.
12:26Grundsätzlich geht die Arbeit für das Landeskriminalamt natürlich jetzt weiter, die dort Arbeit,
12:31insbesondere am Auffindungsort, fängt jetzt erst an, darüber hinaus muss das Fahrzeug
12:38noch näher und genauer untersucht werden.
12:40Ein wesentlicher Punkt der zukünftigen Erhebungen wird auch noch sein, wo sich Drexler in den
12:50letzten Tagen tatsächlich aufgehalten hat.
12:53Wir gehen derzeit, wie Kollege Vorderderfler das bereits sozusagen geschildert hat, davon
12:58aus, dass er seinen Standort erst vorgestern verlegt hat.
13:04Das hat eventuell auch damit zu tun, dass unsere Kräfte sehr, sehr viel Zeit und Intensität
13:11auch in die Befragungen seines Freundeskreises investiert haben und es könnte sein, dass
13:17Drexler sozusagen seinen Standort dann aus diesem Grund verlegt hat, dass er nervös
13:21geworden ist und das sind Aufgaben, die wir uns jetzt in den nächsten Tagen anschauen
13:27werden.
13:28Das wäre es grundsätzlich von meiner Seite.
13:35Ich danke mich dann sehr herzlich bei den Herren und bei Ihnen, bedanke mich für Ihr
13:39Interesse und darf die Pressekonferenz für beendet erklären.
13:42Vielen Dank.
Kommentare