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  • vor 1 Jahr
Europäische Union - ja oder nein? Darüber entscheiden die Bürger der Republik Moldau in einem Referendum. Unser Reporter Hans von der Brelie ist kurz vor der Volksabstimmung durch das Land gereist. Gesprochen hat er mit allen: Pro-Europäern im Westen und pro-russischen Separatisten in Transnistrien.

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Transkript
00:00Europa, ja oder nein, darüber entscheiden die Bürger der Republik Moldau in einem Referendum.
00:07Ich bin kurz vor der Volksabstimmung durch das Land gereist, das zwischen Rumänien und der Ukraine liegt.
00:13Geredet habe ich mit allen, mit Pro-Europäern im Westen, aber auch mit pro-russischen Separatisten im Osten, in Transnistrien,
00:21eine Recherche aus einem geteilten Land für euronewswitness.
00:26Im Osten weht die Separatistenflagge.
00:33Doch beginnen wir diese Reportagereise im pro-europäischen Westen der Republik Moldau, nahe der Grenze zu Rumänien,
00:40in der Stadt Ungen, Hochburg der Textil- und Lederwarenindustrie.
00:45Sticken und Weben sind hier seit Jahrhunderten Teil der Tradition.
00:50Im Sommer arbeiteten die Menschen auf dem Feld, doch in den Wintermonaten wurde daheim an komplizierten Teppichmustern geknüpft,
00:57erzählt Veronika Urzaci.
01:11Im Oktober stimmen die Moldauer in einem Referendum darüber ab, ob der Beitritt zur Europäischen Union
01:17als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen werden soll.
01:41Die Teppichfabrik wurde gebaut, als Moldau noch Teil der Sowjetunion war.
01:45Über 2000 Menschen arbeiteten hier, heute sind es nur noch 150.
01:50Die Direktoren hoffen, dass es mit dem Beitritt Moldaus zur Europäischen Union wieder aufwärts geht.
02:15Und die Belegschaft? Was halten die Arbeiter von der Europäischen Union?
02:35Doch nicht alle Teppichweber teilen diesen proeuropäischen Optimismus.
02:48Doch die Mehrheit der Moldauer befürwortet einen EU-Beitritt.
03:03Schon heute hat Moldau Zugang zu Förderprogrammen.
03:06So konnte die Fabrik Photovoltaikmodule auf dem Dach montieren und damit die Strom- und Betriebskosten senken.
03:18Nach der Energiepreiskrise zieht der Export in die EU jetzt wieder an.
03:40Das Unternehmen will 30 neue Mitarbeiter einstellen.
03:48Das ist ein guter Export.
03:50Das ist ein guter Export für die EU.
03:56Das wird uns helfen, dass unsere Arbeiter zu Hause bleiben und Geld zu verdienen.
04:04Ohne irgendwo hinzulegen.
04:06Die Republik Moldau ist ein geteiltes Land.
04:09Im Osten herrschen pro-russische Separatisten.
04:13Als Journalist aus Westeuropa komme ich nur mit einer Ausnahmegenehmigung durch die Checkpoints.
04:19Etwa 2000 russische Soldaten sind immer noch in Transnistrien stationiert.
04:25Vor 34 Jahren hat sich die russischsprachige Region für unabhängig erklärt.
04:30Ein winziger Pseudostaat weltweit ohne Anerkennung.
04:33Übrigens auch von Moskau nicht.
04:35Bislang.
04:37Hier in Transnistrien wurde gerade ein neues Gesetz verabschiedet.
04:41Man darf das Wort Transnistrien nicht mehr sagen, sonst bekommt man 15 Tage Gefängnis.
04:46Deswegen sage ich das jetzt ganz leise im Flüsterton.
04:48Ich bin in Transnistrien.
04:50Nur das russische Wort Pridnestrovje darf noch verwendet werden.
04:55Umfrage in der Separatisten-Hauptstadt Tiraspol.
04:58Was bedeutet das für Transnistrien, wenn Moldau EU-Mitglied wird?
05:07Was bedeutet das für Transnistrien, wenn Moldau EU-Mitglied wird?
05:10Transnistriens Schwerindustrie wird quasi kostenlos mit russischem Gas beliefert.
05:39Ende Dezember könnte damit Schluss sein.
05:41Das wäre das Ende vieler Großbetriebe.
05:44Zudem erhebt Moldau seit Beginn des Jahres Zölle und geht verschärft gegen Geldwäsche vor.
05:49Das schmerzt die transnistrischen Oligarchen.
05:52Hinzu kommt der Verdacht, dass Bauteile aus Transnistrien in russischen Waffen Verwendung finden.
05:58Dual Use nennt man das.
06:00Auch Elektromasch steht auf der Verdachtsliste.
06:04Der Vorsitzende des Transnistrischen Arbeitgeberverbandes bestreitet dies und kritisiert die scharfen Exportkontrollen der Republik Moldau.
06:13Über 40.000 Arbeitskräfte aus allen Unternehmen der Republik Moldau kamen hierher, in Tiraspol, um ihre Unzufriedenheit zu lösen.
06:23Wir haben ungefähr 70-80 Millionen Euro verloren. Unser Budget ist verloren.
06:34Diese Partistenführung bezeichnet die Moldauischen Zölle als Aggression.
06:39Sergej Obolnik nennt sich Wirtschaftsminister von Transnistrien.
07:09Zurück in die offizielle Hauptstadt der Republik Moldau, zurück nach Kissinau.
07:27Ich habe eine Verabredung mit dem echten Wirtschaftsminister und stellvertretenden Regierungschef Dumitru Alibar.
07:35Die Vorbereitungen zur Integration der Moldauischen Wirtschaft in den europäischen Binnenmarkt laufen auf Hochtouren.
07:40Aber was ist mit Transnistrien?
08:05Wenn eine Moldauische Firma, die diese Dual-Use-Güter produziert, sie nach Russland exportieren will,
08:13dann werden wir sie nicht autorisieren. Vollstopp.
08:15Wird Transnistrien Teil der Europäischen Union sein?
08:19Natürlich.
08:20Wann?
08:21Das ist etwas, das noch nicht beendet ist.
08:25Wann wird Moldau ein Teil der Europäischen Union sein?
08:282030.
08:30Danke.
08:34Moldau ist ein kleines Dorf im Zentrum der Republik Moldau.
08:42Igor Golbian gründete ein Start-up für Bioprodukte wie Trockenfrüchte und Sonnenblumenöl.
08:48Weil viele Moldauer im Westen arbeiten, rekrutiert er Gastarbeiter aus Indien.
08:56Golbian hat Pläne nach Rumänien, Belgien, Deutschland und in die Niederlande zu exportieren.
09:01Was muss man da beachten?
09:31Eine Vorentscheidung fällen die Moldauer beim Europareferendum im Oktober.
09:45Doch auch die 27 Mitgliedstaaten der EU müssen erst ihr Ja-Wort geben.
09:50Das kann noch dauern.
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